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Full text of "Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark"

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p 


I3B 


MITTHEILUNGEN 


DES 


HSTOBISCHM  TEREmiS 


PUR 


STEIERMARK. 


■c-lOO^  *- 


Herausgegeben 
von  dessen  A  nssclmsse. 


25:25:1.    HEFT. 


«       » 


Graz^  1873. 

Im  Selbstverläge. 


In  Gommission  der  k.  k.  Universitäts-Buchhandlung 

Leuschner  &  Lubensky. 


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Cancelled 


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«  • 


Inhalt. 


Begister 

Seit« 

über  die  vorkonunenden  Perßonen,  Orte  und  Sachen     ...  Y 

Vereins  -  Angelegenlieiteii. 

Zur  Nachricht XI 

Statuten XIII 

Abhandlungen. 

I.  Die  römischen  Altcndorfer  Antiquitäten  der  Pfarre  St  Jobann 

am  Draufelde.  Vom  kais.  Bathe  Dr.  Bichard  Knabl     •    .  3 

II.  Die  Yerfassungs  -  Erisis  in  Steiermark  zur  Zeit  der  ersten 
französischen  Revolution.  Von  Professor  Dr.  E.  J.  Bider- 
mann 15 

III.  Graf  Hermann  II.  von  Cilli.  Eine  geschichtliche  Lebensskizze 

von  Professor  Dr.  Franz  Krones lOG 

IV.  Ein  Vehmgerichts-Process  aus  Steiermark.  Von  Prof  Dr.  Ferd. 

Bischoff 137 

Kleinere  Aufsätze  und  Mittheilungen. 

I.  M.  Johann  Eepler's  Heiratsbrief   von  1597.    Angezeigt   von 

Schulrath  Dr.  R.  Peinlich 171 

IL  Ein  merkwürdiges  Flugblatt  Besprochen  von  Prof.  Dr.  H.  v. 

Zwiedinek 174 

m.  Zur  Wiener  WeltaussteUung    1873.    Von  Schukath    Dr.  R 

Peinlich      .     .     .    .     , 177 

Oedenkbuch. 

(FortseUnng  aus  dem  XIV.,  XV.  und  XX  Hefte  der  ,MitiheilaDgen''.) 

VIII.  Gustav  Franz  Bitter  v.  Schreiner,  von  Prof.  Dr.  Franz  Ilwof  1 


4 

9 


—     V     — 


A      .  ■.      -1  ' 


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Register. 


(Die  Abkürzung  Gdb.  bezeichnet:  Gedenkbach.) 


Acht,  158. 

—  Formeln.  162. 

—  8.  a.  Reichsacht 
Admont,  Pr&lat  y.,  17. 
Agram,  Bisthum,  182. 

T.  Alcheran  Job ,  63,  66,  67. 
Albrecht  III.  H.  v.  Oesterr ,  1 10, 1 11 , 

lU. 
Albrecht  V.  v.  Oesterr.,  124,  133, 

Note  85. 
Albrecht  V-  ▼.  Menkershusen,  138. 
Altendorf,  6,  7,  9,  10,  13. 
Ambling  Carl,  64. 
Amnrath  Sultan,  134. 
Angerer  Llenhart,  139,  146,  149. 
Anna  v.  Cilli,  120. 
Anna  ▼.  Polen,  112,  118. 
Aqnilflja,  5. 

—  Johann  Patriarch  v.,    111, 
113. 

Aristokratie,  41,  Note. 
Aryda  Maronit,  Gdb.  6. 

Asylrecht,  26. 

Attems  Ferdinand  Graf,  18,  19,  20, 

23,  28,  30,  31,  37,  38,  49,  77, 

78,  92. 
Attems,  Gdb.  10. 
Aiersperg  Cigetan  Graf,  24. 
Anssee  Markt,  139,  146. 

—  Salzwesen,  149. 
Aasstattang  adel.  Töchter,  26. 

Bamberg,  Bisthum,  133. 
Banat,  119. 

Barbara  ▼.  Gull,  117, 120, 123, 130. 
Baaemschaft  steir.,  32,  86,  40,  43. 
65,  67,  79. 

BaoemieitoBg,  69. 
Beamte,  landst&nd.,  18. 
Boatrte  ▼.  Baiem,  128. 


T.  Beckh  (Beckhen)  Hofrath,  38. 

Beckmann  NikoUus,  97. 

Besteaeraagsrecht,  47. 

BUderräthsel,  174. 

Blagig,  132. 

Botenredster,  105. 

T.  Brandenaa  F.,  63. 

Brandts  Job.  Gra^  22    N.  2,  28, 

30,  31,  57. 
Brankovics  Georg  v.  Serbien,  131. 
Brenner,  Graf,  38,  39  N.  2. 
Brack  a.  d.  M.,  20,  22  N.  2,  70  N. 

—    Ereishauptmann  y,  65. 
Bracker  LibeU,  34,  85,  91. 
Brftninghaasen,  151,  152. 
Bandesbrief  Lublauer,  122. 
Baresch  Jos.  t.  Greiffenbach,  63, 

66. 
Bflrgerthnm  stehr.,  32,  36,  37,  40, 

61,  65,  67,  79. 
Bflschin,  Hofrath,  39. 

Canova  Antonio,  Briefe,  17. 
Capo  d'Istrla,  122. 
Chotek  Kud.  Graf,   38,  41,  42,  78. 
CUli,  118,  Gdb.  14. 

—  Burg  Ober-,  127. 

-  Grafen  v ,  106,  107. 
Cleve,  Herzog  y.,  143,  150 

Deatsch-Feistritz,  Gdb.  18. 
Deatscher  Orden,  158,  159. 
Dipaoli  Andreas,  69. 
Dimböck  Franz,  33  N.  1,  51,  91. 
Dortmund,  Freistuhl,  151,  161. 
Drachenorden-Stiftung,  120. 
Dranllass,  4,  8,  18. 
Drlttelgefaile,  26. 
Damhard  Jeh.,  66  N. 


—     VI     — 


IbeBsfeld,  BezirkbobrigkeU,  6,  7. 
EdlbiK,  Oraf,  81,  38,  40. 

aer,  Staatoratfa,  38,  43, 
tSftbetll  ▼.  AbenslHBrg,  120. 

—  ▼.  Cilli,  120. 

—  T.     Frangepani,     Gräfin, 
113,  116,  125,  126. 

—  V.  Ungarn,  124. 
Erbrecht  adel.  Töchter,  26. 
Erich  K  Y.  Dftnemark,  127. 
Ernst  H  y.  Baiem,  128. 

—    H.  d.  Eiserne,  133. 


Fehring,  86. 

Feigelmillner  J.  O.,  55  N. 
Feldbach,  Gdb.  14. 
Feldbacher  Franz,  Dr.,  31,  75,  77. 
Felicetti  v.  Liebenfelss  178. 
Fellinger  Georg,  52,  54. 
Ferara  Markgraf  y.,  131. 
Ferdinand  Erzherzog,  30. 
Fischer  Franz,  Dr.,  Gdb.,  8. 

—  A.  F.,  55  N. 

Fohr  (Föhn?)  Jos,  33  N.  1,  91. 
Frangepani,  Herrn  y.,  132. 

—  8  Elisabeth  y.  F. 
Frankfurt,  Parlament,  Gdb.  14. 
Frans  L  E,  55  N.  1. 

—  Erzherzog  29,  30,  38,  42. 
F^eienhagen,  157. 

Freigraf  Hermann   y.    d.    Korne, 
140  N.  1 13,  144,  152. 

Freigraf  Mangolt,  l.")?. 

—  Wüh.  V.  d.  zanger,  139  bis 
141,  143,  15(S   151,  161. 

Fridberg,  86. 

Friedrich  IV.  K,  140  fg.  149,  167. 

—  IV.  V.  Oesterr-,  133. 

—  V  Y.  d.  Pfalz,  174. 

—  Lv.Cüli»  109,114,121. 

—  n.    Y.    CüU,    110,   113, 
123,  125  fg.,  131. 

—  SaYorgnano,  114. 

FrenleiteB,  Gdb.  18. 

Gara  Niklas,  Palatin,  117,  120. 
Sasser  J.,  55  N. 

Generaleinnehmer  stand.,  26,  46. 
Gerichtsverfassung,  46. 
Gewerbeverein  stelcrm.,  Gdb.  13, 16. 
GloganTeschen  H.  y.,  128. 
Gotschee,  124. 
Gratwein,  Gdb.  18. 


Gras,  28,  67. 

—  akadem.  Legion,  Gdb.  14. 

—  GemeinderaÜi,  Gdb.,  20. 

—  Gymnasium,  178. 

—  Universität,  Gdb.  9,  14  fg. 

—  Zeitung,  Gdb.  14. 
Griendl  Dr.  y„  22  N.  2. 
Gnmdsteaer-Refomi,  17. 
Gnindstener-Gesetse,  20. 
Grtknne  Philip  Graf,  Gdb.  8. 

-  Karl  Graf,  Gdb.  9. 
Gnbemhim  inneröstr,  35. 
Gurk  Bisthum,  133. 

Gnrkfeld,  113. 

Haas  Franz,  33  K.  1,  52,  53,  82, 

91. 
Habsburger,  133. 
Hanuner-Pnrgstall,  Gdb.  12. 
Hanns  ▼.  Cilli,  iio. 

—  V,  Veglia-Modrusch,  127. 
Hasse  Kunz,  159. 

HäSSl  Franz,  55  N. 

Hatsfeld  Graf,  27. 

Hanser  Jos.  Paul,  51. 

V.  Heillinger  57,  58,  59. 

Heinrich  IV.,  Graf  y.  Görz,  120, 

131. 
Heiratsbrief  Kepplei's,  171  fg. 
Herberstein  Leopold  Graf,  19. 
Herbst  Joh.  Felix,  54  K.  1. 
Hermann  I.  v,  Cilli,  109,  110. 

—  II.  Y.  Cüli,  106  fg.,  111, 
113,  114,  117,  IIb  N  36, 
119,  120—123,  128,  131, 
132. 

—  III.  V.  CiUi,  121,  127,  128. 
Hermann  v.  d.  Korne,  s  Freigrafen. 
Herrenstand  steir.,  37,  46,  72,  94. 
Henogshnt  steir.,  22  N.  2. 
Hochenegg,  8(i. 

Hofstelle  vereinigte,  27,  37,  74. 
-Hohenrain,  Freiherr,  57,  67. 
Hohenwart,  Graf,  Gdb.  6. 
Hohensollem  Fritz  y.,  115. 
Holenbuger  Vertrag,  114. 
Horeide,  158. 
Hörmann  Jakob,  55  N. 
Hnrde,  bei  Dortmund,  152. 
Hynker,  Stadtrichter,  34. 

Janerbnrg  Freiherr,  57. 
Johann  aXIII.,  Papst,  123. 
Johann,  E.-H.,  Gdb.  ll,  12,  91. 


—  vn  — 


Johaan  ▼.  Schaonberg,  118. 
Josef  n.,  K.,  15—19,  46,  Gdb.  7. 
Jndenbm^  Kreishauptmann,  66. 
Jidenciy,  Staatsrath,  38,  44. 

Kaiser  Anton,  55  N. 

T.  taiserfeld  Moriz,  Gdb.  22. 

T.  Kalchberg  Josef,  Gdb.  14. 

Karl  IV.,  K ,  111. 

Karl  VI.,  K.,  90. 

Karl  Ambros  E.-H.,  Primas,  Gdb.  5. 

Käsmark,  126. 

Katharina  v.  Bosnien,  116,  131. 

KanniU,  Fürst,  44. 

Kees,  Justizhofrath,  31,  38,  40,  41 

N.  53. 
Kepler  Job.,  171  fg. 

—     Barbara,  172. 
Kernstück  Ottokar,  171. 
KheyeDhiller,  Graf,  29,  31,  74. 
Kimberg,  86. 

Klagen  brochliche  u.  peinl.,  164. 
Klenegker  Ulrich,  138. 
Knrttelfield,  5  u  69.. 
Y   Koller.  Hofrath,  27. 
Kollmann,  Gdb.  17. 
Kolowrat  Gra^  21,  27,  31.  37  N.  1, 

38,  70. 
Kommission,  steir  Prov- Commerz-, 

Gdb.  12. 
Konfereosen  30,  35—39,  43,  72,  7^. 
Königstarnos,  l>5. 
Krain,  10 1. 
Krakan,  118. 

Kressel,  Freiherr,  31,  37  N.  1,  38. 
Kreutbeer,  115. 
Krapa,  Schloss,  180. 
Kugelmayer  Gotthard,  31. 
Kommersenteni,  16:^,  165. 
Konstindastrio-Verein  steier.,  Gdb. 

19. 
Knttemberg,  118. 

Ladislans,  SohnEarrs,  d.  K.  1 17, 120. 
Landesarchiv  steier.,  177. 
Laadesaasschnss,  25 
Landeshauptmann,  25, 30, 38, 39, 45. 
Landesprälaten,  25. 
LandesTerfassnng,  32. 
LandesTerweser,  25. 
LandhandToste  steir.,  34. 
Landtag,  17,  21,  22,  83,  37,  50,  59, 
62,  82,  83  fg. 


Landtag  ▼.  1848  Gdb.  14,  ▼.  1861, 

Gdb.  18. 
Landtagsprotokolle,  86. 
Landwirthschafts-Gcsellschaft  steir., 

Gdb.  13. 
Lettner  Gottfried  B.  t.,  Gdb.  10. 
▼.  Lendenftld,  58. 
Leoben,  32,  51,  87,  95. 
Leopold  I.,  E.,  47. 

—  n.,  E.,  15,  16,  20,  21,  22, 
27,  34,  37,  44,  45,  46,  48, 
50,  54,  70. 

—  m.  V.  Oesterr.,  1 1 1,  1 12  N.  2. 
Liechtenstein,  Herrn  y.,  115. 
LOhr,  Freiherr,  27. 

Lorents,  172. 
Lorentxin  Regina,  172. 
Ludwig  I.  V   Ungarn,  112. 

—  V.  CiUi,  124. 

Mainx,  159. 
Mangelt,  s.  Freigrafen 
Manifest,  Frank&rter,  34. 
Marburg,  4,  55,  95, 
Margaretha  v.  Gilli,  128. 
Medebach,  159 
Medl  Jos.  Ant,  51 
Henker shusen,  Albrecht  V.  v ,  138. 
Mettnick,  86. 
Micheldorf,  11. 
Mittrowsky,  Graf,  G«ib.  9. 
Hontfort-Pfannberg,  Graf,  128. 
MoosmUii-r  v ,  31, 3^,  ü7,  72,  75  fg. 
Moray  Anton,  55  N 
Muchar,  Gdb.  iO,  12. 
Mflller  Jobst,  171. 
Mflller  Marx,  171,  173. 
Mumersheim,  159. 
Murinsel,  119.  132, 
Mutschlechner  Josephine,  Gdb.  22. 


Neustadt  Wiener-,  Hofgericht,  150. 
liedeaaus  Adam,  172. 

-         Hanns,  172,  173  N. 
NikopoUs  (SchUtau),  115. 
loricum,  ö. 

■ 

Obdach,  Markt,  33  N.  1. 
Odonel,  Graf,  Hofrath,  27. 
Ofen,  122. 
Olmfits,  Gdb.  8,  9. 

Ortenburger,  124. 


—   vin    - 


OrganbatioAsplan  stand.,  30. 
Oesterreieh,  IUI. 
Osterwitz  130. 


Pachler  Ant   Andr.,  33  N.  ],  91. 
Pannuniea,  5. 
Passail,  Gdb.  18. 
PaananD,  Erzb.  Gdb.  6. 
PelBÜeli  Richard,  180. 

Farganer  0.,  134. 

Pergen.  Graf,  Minister,  64,  65  N. 

Peritolt  Seyerin,  54  N.  1. 

Pemer  Job.,  55  N. 

Pettaa,  5,  6,  7,  11,  12,  86,  129. 

Pfanohanser,  146. 

Philipp  d.  Kühne,  115. 

Plettriach,  129. 

—  Earthause,  135. 
▼.  PMckner  Ernst,  72. 
Foetovia,  14. 

—  Golonia  Ulpia  Tngana,  9. 
Prann  Wolfg.,  139,  146. 
Fressbarg,  Gdb.  4. 

FOspOki  (Bischdorf),  Gdb.  4. 


Radmannsdorf,  128,  130. 

Rann,  86. 

Rinnt!  Sigm.,   139,  146,  149,  150, 

165,  166. 
Rinntl  Paul,  149. 
Raspor  Ant ,  32,  50,  55,  62,  82. 
Rebus,  174. 
Recbbaner,  Gdb.  22. 
Reichsacht  u.  Oberacbt,  163. 
Reischach,  Graf,  44. 
Remschagg  Jakob,  55  N. 
RIntscheidt  Pankraz,  139,  146. 
Ritter  Karl,  Gdb.  11. 
Ritterstand,  steier.  46,  72,  94. 
Robotrelninng,  22. 
Rohran,  Burgherrschaft,  119  N.  38. 
Rosenbei«,  Graf,  27. 
Rosenthaf,  Ausschussratb,  29. 


St.  Johann,  am  Draofelde,  4,  6,  9, 

10,  12  14. 
St-  Lambrecht,  178. 
St.  Panl,  133. 
St  Yeit,  5. 

Sanran  Job.  Georg,  Graf,  23  N. 
Savorgnano  Tristan,  121. 


Schannberge,  133. 
Schannberg  Hanns  y,  134. 
T.  Schickh,  58,  :9. 
Schlegel  Katharina,  Gdb.  21. 
Schlöter,  Gdb   7. 

Schmid  V.  Ehrenberg  Karl,  63,  65. 
Schmid  Fidelius  Georg,  91. 
Schobinger  Gerhard,  Pr&lat,  57,  58. 
Schreiner  G.  F.  Ritter  t.,  Gdb.  3  fg. 

—  dessen   literar.  Arbeiten, 
Gdb.  22  fg. 

—  Gustav  Freiherr,  Gdb.  21. 
Adolf  Ritter  v.,  Gdb.  21. 

—  Moriz  Ritter  v.,  Gdb.  21. 
Schrott,  34. 

Schrottenbach  0.  W.,  Graf,  59,  60, 

62. 
Schrott  er,  Gdb.  10. 
Schobert  Fried.  Wllh.,  Gdb.  11. 
Schulz,  Abt,  57,  68. 
V.  Schwizen  Christof  Freib.,  63,  67. 
Seckan  bei  Leibnitz,  11. 

—  Fürstbischof  y.,   22   N.  2. 
Sentenz,  Vehmgerichts-,  163. 
Sitzungsprotokolle.  stand.«  46. 
Schwerte  bei  Dortmund,  151. 
Sigmund  K.,  114,   115,  117-122, 

124,  130  fg.,  142,  166,  167. 
Sigismnnd  y.  Tirol,  138. 
Sknbitz  Ant,  55  N. 
Slavonien,  132. 

Solarl  Pippo,  Graf  Y.  Ozora,  123 
Spefidl  Sebast,  172,  173. 
Speidl  Stefan,  173  N. 
Spielmann,  Freiherr,  27. 
Spitzer  Leopold,  55  N. 
SUdte  u.  Märkte  steh-.,  32,  33,  37, 

50-  52,  54, 82  fg ,  85,  86,  93  fg. 
Städte  •  Marschall,  32,  33,  82-84, 

86. 
Städte  in  Preussen,  147  K. 
Stände,  15,  16,  41,  70. 

—  steier.,  17,  21—23,  24,  30, 
45,  47,  82,  85. 

—  Ausschuss,  18,  22,  32,  45, 
55,  77,  87. 

—  Deputation,  20,  27. 
Stände  Kommission,  55,  57,  59. 

—  ungarische,  34. 

—  Repräsentant,  26,  46. 
Starhemberg,  Fürst,  27. 
Stephan  E.  y.  Bosnien,  128. 

—      Y.  Rasden,  120  N.  43. 
Stibor,  Woiwode  y.  Siebenb.,  120. 


—    IX     - 


Stremayr,  Gdb.  2?. 
Stabenberg  Leotold  v.  139,  146. 
Stürgkh  Graf,  24  N.  30,   31,  37, 

72,  75. 
Sflssel  Hanns,  159,  160. 
Svadra  11. 


TanseDberg,  11. 
T.  Thallöcz,  132. 
Theresianum.  Gdb.  8. 
Thl&nfeld,  Freiherr,  Gdb.  10. 
Tietz  Mathias,  161. 
Tirol,  Yehmschöffen  in,  138. 
Treatschin,  Gdb.  4. 
Triest,  122. 
Tschakathurn,  119. 
TUrkeakrieg,  114. 
Tarnier,  123. 
Tyrnan,  Gdb.  5. 

Uebelbach,  Gdb.  18. 
Ulrich  I.  V.  CiUi,  109,  112. 

—    n.  V.  Cüli,  125,  128, 129,  131. 
üogarn,  Thronkampf  in,  120. 
Ucger  F.,  Prof.,  Gdb.  12. 
üagnad  Hanns  v.,  139,  146. 
ünterrichtsrath,  Gdb.  18. 

Yehmgericht,  137  fg. 

Arensberger  Beformation, 
142,  154,  166. 

—     Schöffen,  166. 
Yenedig,  122,  Gdb.  17. 
Yerein,  histor.  fllr  Steiermark,  177, 
Gdb.  19. 
—       B.  Gewerbe-,  Kunstindustrie. 
Yeronica  v.  Desdmice,  125, 126, 128. 
Yerordneteastelle,  25, 32,37,45,48, 

55,  72. 

Yervchmniig,  160,  162. 


Yeat,  Dr.,  Gdb.  10. 
Yilgiste  (Teigenstein),  151. 
Yolksaufstand  bei  CiUi,  24  N.  L 
Yollmarsteln,  151. 


Waidmannsdorf,  Freih.,  31,  35,36. 

Wattoipi  151. 

Warasdin,  116,  132. 

Wateroth,  Prof.,  Gdb.  7,  8. 

Weiglein,  Gdb.  12. 

Weinauftchlag,  24  N.  1. 

Weis,  Gdb.  14. 

Weltansstelliing,  177  fg. 

Wendler  M.,  161. 

Wenincer  Jos.,  33  N.  1,  51,  82. 

Wenzel,  E.  v.  Böhmen,  118. 

Wickede,  Freigrafschaft,  139,  143, 
150,  151. 

Wickenbarg  Graf,  Gdb.  14. 

Wien.  137  W.,  Gdb.  5,  s.  Weltaus- 
stellung. 

Wildenstein  Franz  Graf,  57. 

Wilhelm  ▼.  Cilli,  HO-HS,  118. 
—       V.  d.  Zünger,  s.  Freigrafen. 

Wilser,  Landeshauptmann,  134. 

Winter!  F.  K.,  Dr.,  32  N.  1,  33. 

Wladislaw  v.  Polen,  118,  121,  126. 

Wraslaadorf,  129. 

Wurmberg,  Schloss,  4,  6,  8. 

Warmbrand  Graf,  77. 


Tsenkremer  Hanns,  159. 


Zagorlen,  Grafschaft,  116. 
Zahn  Josef,  177  fg. 
Zeitschrift  steierm.,  Gdb.  10,  17. 
Zinzendorf  Karl  Graf,  27,  38,  40. 
Zizins,  Prof.,  Gdb.  7,  8. 
Zosimos  5. 


—    XI    — 


Zur  Nachricht. 


Zufolge  der  Yereinsausschass-Beschltlsse  vom  11.  April, 
29.  Mai  und  SO.December  1872  sollte  mit  dem  vorliegenden 
Hefte  ein  Inbaltsverzeichniss  über  sämmtliche  bisher 
erschienene  Vereinschriflien  der  älteren,  wie  der  neueren  Periode 
imd  für  die  letztere,  d.  i.  für  die  bisher  veröffentlichten  20 
Hefte  der  „Mittheilungen **,  ein  Orts-,  Personen-  und 
Sachregister  zur  Herausgabe  gelangen. 

Durch  dieses  Inbaltsverzeichniss  und  Register  wird  somit 
ein  Abschluss  der  früheren  Publikationen  gebildet  und  es  be- 
ginnt mit  dem  gegenwärtigen  21.  Hefte  eme  neue  Serie  der 
Mittheilungen. 

Der  Vereinsausschuss  ist  aber  nicht  in  der  Lage,  derzeit 
mehr  als  das  Inbaltsverzeichniss  zu  liefern,  indem  sich  der 
Herausgabe  des  Registers  unvorhergesehene  und  nicht  rasch 
zu  bewältigende  Hindemisse  entgegenstellten.  Eines  derselben 
und  zwar  nicht  das  geringste  besteht  darin,  dass  sich  bei  der 
Prüfung  der  eingelangten  Vorarbeiten  ergab,  man  müsse  die- 
selben vorerst  einer  eingehenden  und  gründlichen  Revision 
unterziehen,  bevor  sie  als  Material  für  die  eigentliche  Arbeit 
dienen  könnten. 

Eine  solche  Revision  liess  'sich  um  so  weniger  rasch 
durchführen,  da  die  hiezu  geeignetsten  literarischen  Kräfte 
ohnehin  mit  der  Ueberarbeitung  und  Schlussredaktion  des  eben 
im  Drucke  befindlichen  Registers  zu  den  acht  Bänden  von  Dr. 
Muchar's  Geschichte  vollauf  beschäftigt  sind  und  ein  so  grosses 
Opfer  an  Zeit  und  Mühe  bringen,  dass  es  unstatthaft  erschemt, 
eine  noch  weiter  gehende  Zumuthung  an  dieselben  zu  stellen. 

Der  Ausschuss  wird  jedoch  bestrebt  sein,  die  Drucklegung 
des  gedachten  Registers  im  nächsten  Jahre  zu  bewerkstelligen. 


—  xn  — 

Dadurch,  dass  in  dem  vorliegenden  Hefte  die  bei  wissen- 
schaftlichen Publicationen  in  neuerer  Zeit  beliebt  gewordenen 
Antiqua-Drucklettem  in  Anwendung  kamen,  wurde  einem  mehr- 
seitig geäusserten  Wunsche  Rechnung  getragen. 

Der  administrative  Bericht  über  das  Vereinsjahr  1873  fiel 
diesmal  aus.  Dies  findet  in  dem  Umstände  seine  Erklärung, 
dass  vermöge  der  in  der  XXIV.  Jahresversammlung  am  24.  Juli 
1872  beschlossenen  Statutenänderung  nunmehr  das  Vereinsjahr 
mit  dem  Kalendeijahre  zusammenfällt,  daher  auch  der  diesbe- 
zügliche Bericht  erst  nach  Ende  dieses  Jahres  seinen  Abschluss 
erhalten  kann,  während  das  vorliegende  Heft  noch  im  Laufe 
desselben  hinausgegeben  wird. 

Da  jedoch  die  Bekanntgabe  der  gegenwärtigen  Zusammen- 
setzung des  Vereinsausschusses  unaufschieblich  erscheint,  so 
wird  derselben  an  dieser  Stelle  Raum  gegeben. 

Dem  Ausschusse  gehören  nach  den  Wahlen   vom  3.  Fe- 
bruar 1873  an: 
Vorstand:    Dr.  Richard  Peinlich,    k.  k.  Schulrath  und 

Director  des  k.  k.  I.  Staats-Gymnasiums  in  Graz. 
Vorstand-Stellvertreter:   Dr.  Hermann  Ign.  Bider- 

mann,  k.  k.  Universitäts-Professor  in  Graz; 
Schriftführer:  Leopold  Beckh-Widmanstetter,  k.  k. 
Oberlieutenant  und  Lehrer  an  der  Cadetenschule  Graz- 
Gassi  er:  Ernst  Fürst,  diplom.  ApoÜieker  in  Graz; 
Ausschüsse  ohne  besondere  Function:  Dr.  Ferdinand  Bi- 
schoff,   k.  k.  Univereitäts-Professor   in  Graz;  Johann 
Graus,  Kaplan  in  St.  Veit  ob  Graz  und  k.  k.  Conservator 
für  Steiermark ;  Dr.  Arnold  Ritter  L u s c h i n  von  Eben- 
greuth,  k.  k.  Universitäts-Professor  und  Heinrich  Noö, 
Director  der  k.  k.  Staatsoberrealschule  in  Graz. 

Graz,  im  Dezember  1873. 


---  xm  -^ 


Statuten 

des  historisclieii  Vereines  fttr  Steiermark. 


Zweck. 

§.  1.  Der  Verein  hat  für  Belebung  des  Interesses  an 
der  heimatlichen  Geschichte  und  für  Erweiterung  der  Eenntniss 
derselben  zu  sorgen. 

Mittel. 

§.2.  Als  Mittel  zur  Erreichung  dieser  Ziele  haben  zu 
gelten : 

a)  systematische  Forschung  nach  den  Quellen  und  Denkmalen 
der  Geschichte  des  Landes; 

b)  Erwerbung  solcher  in  Originalen  oder  guten  Copien; 

c)  Einflussnahme  auf  Erhaltung  jener,  die  der  Verein  nicht 
erwerben  kann; 

d)  Veröffentlichung  aus  einzelnen  Gebieten  der  Landesge- 
schichte ; 

e)  mündliche  Besprechungen  und  Vorträge  in  regelmässigen 
Versammlungen ; 

f)  Beförderung  und  Unterstützung  der  Herausgabe  einschlä- 
giger Schriften; 

g)  Aussetzung  von  Preisen  für  Arbeiten  im  Interesse  der 
Landesgeschichte ; 

h)  Verbindung  mit  auswärtigen  Gesellschaften  verwandter 
Richtung,  und 

i)  Ueberlassung  der  Erwerbungen  des  Vereines  an  die  be- 
treffenden heimischen  Landessammlungen  (§.  ]1). 


-    XlV    -^ 

Sitz. 

§.  3.  Sitz  des  Vereines   ist  die  Landeshauptstadt  Graz. 

Hier  werden  auch  dessen  regelmässige  Versammlungen 
abgehalten,  unbeschadet  etwa  künftig  in  anderen  Städten  des 
Landes  abzuhaltender  Versanmilungen. 

Mitglieder. 

§.  4  Der  Verein  besteht  aus  ordentlichen,  korrespondi- 
renden  und  Ehrenmitgliedern. 

Als  ordentliche  Mitglieder  können  Gebildete  aller  Stände 
beitreten,  die  mündlich  oder  schriftKch  oder  durch  ein  Vereins- 
mitglied ihren  Beitritt  und  die  Uebemahme  der  damit  ver- 
bundenen Verpflichtungen  (§.  5)  dem  Ausschusse  anmelden, 
welcher  allein  betreffs  der  Aufnahme  entscheidet  (§.  8  lit  c). 

Zu  korrespondirenden  Mitgliedern  können  nur  Auswärtige 
(ausserhalb  Steiermark  Wohnende)  ernannt  werden,  welche  die 
Vereinszwecke  bereits  in  anerkannter  Weise  förderten. 

Zu  Ehrenmitgliedern  ernennt  der  Verein  nur  Solche,  welche 
entweder  um  die  Geschichtswissenschaft  im  Allgemeinen  oder 
um  den  Verein  im  Besonderen  hervorragende  Verdienste  sich 
erwarben,  dieselben  mögen  nun  bereits  Mitgheder  des  Vereines 
sein  oder  nicht 

Der  Vorschlag  zur  Ernennung  der  korrespondirenden  und 
Ehrenmitglieder  kann  durch  den  Ausschuss  oder  ein  Verems- 
mitglied,  muss  aber  stets  mit  entsprechender  Begründung  in 
der  Jahresversammlung  gemacht  werden,  die  allein  und  zwar 
mit  absoluter  Stimmenmehrheit  darüber  entscheidet  (§.  6  lit  b). 

Pflichten  und  Rechte  der  Mitglieder. 

§:  5.  Jedes  ordentliche  Mitglied  des  Vereines  verpflich- 
tet sich: 

a)  zur  Zahlung  eines  jährlichen  Beitrages  von  mindestens 
3  fl.,  welcher  während  des  laufenden  Jahres  zu  erlegen  ist; 

b)  zur  Unterstützung  der  Vereinszwecke  durch  Mittheilung 
entsprechender  Nachrichten,  und 

c)  zur  Förderung  der  wissenschaftlichen  Ziele  der  vom  Vereine 
entsendeten  Bevollmächtigten. 


Jedes  Mitglied  hat  das  Recht  auf  den  unentgeltlichen 
Bezug  der  regehnässigen  Yereinschriften,  auf  die  Benützung 
der  Yereinssammlungen  und  auf  Sitz  und  Stimme  in  allen 
Versammlungen  des  Vereines. 

Bezüglich  der  Wahlen  können  Mitglieder,  welche  der  Ver- 
sammlung beizuwohnen  nicht  vermögen,  ihre  Stimmen  durch 
Zuschrift  an  den  Vereins-Ausschuss  oder  durch,  dem  Ausschusse 
schriftlich  bekannt  gegebene  Bevollmäditigte  abgeben.  Schrift- 
lich eingebrachte  Anträge  abwesender  Mitglieder  können  nur 
dann  zur  Verhandlung  gebracht  werden,  wenn  ein  anwesendes 
Mitglied  sie  au&immt 

Wer  vom  Vereine  em  Diplom,  das  seine  Mitghedschaft 
bekundet,  zu  erhalten  wünscht,  hat  im  Anbetrachte  der  künst- 
lerischen Ausstattung  der  nunmehr  eingeführten  Diplome  den 
Betrag  von  2  fl.  dafür  zu  entrichten.  Wer  dagegen  bei  seiner 
Aufnahme  in  den  Verein  den  Bezug  eines  solchen  Diplomes 
ablehnt,  erhält  an  dessen  statt  eine  einfache  Bescheinigung 
und  hat  gleich  jedem  Mitgliede  blos  die  darauf  gelegte  Stempel- 
gebühr dem  Vereme  zu  vergüten. 

Der  Austritt  steht  jederzeit  frei,  ist  aber  dem  Ausschusse 
oder  der  Vereinsversammlung  schriftlich  anzuzeigen.  Als  still- 
schweigend ausgetreten  sind  jene  Mitglieder  zu  betrachten,  welche 
ungeachtet  erfolgter  Mahnung  mit  einem  dre\jährigen  Beitrage 
aushaften. 

Oeffentliche  Versammlungen. 

§.  6.  Alle  Beschlüsse  in  Vereins-Angelegenheiten  stehen 
den  öffentlichen  Vereinsversammlungen  zu,  deren  —  unbe- 
schadet dem  Rechte,  ihre  Zahl  nach  Massgabe  des  Bedürfnisses 
zu  mehren  —  in  jedem  Jahre  mindestens  vier  stattfinden, 
und  zwar: 

a)  die  Jahresversammlung  im  Monate  Jänner,  mit  welchem 
das  Vereinsjahr  beginnt; 

b)  die  Vierteljahrs  -  Versammlungen  in  den  Monaten  April, 
Juli  (erste  Hälfte)  und  Oktober,  welche  auch  als  Wander- 
Versammlungen  abgehalten  werden  können  (§.  3). 


—    XVI    - 

Uebrigens  hat  der  Ausschuss  nach  Bedttrfhiss  oder  über 
Verlangen  von  20  Mitgliedern  auch  ausserordentliche  Versamm-^ 
lungen  einzuberufen  (§.  8  lit  9). 

Die  Vierte^ahrs-Versammlungen  beschäftigen  sich  mit  den 
laufenden  Angelegenheiten  des  Vereines  und  können  selbststän- 
dige Beschlösse  in  allen  jenen  Fragen  fassen,  deren  Ausführung 
den  Kostenbetrag  von  50  fl.  nicht  übersteigt  Es  wird  Sache 
des  Ausschusses  sein,  bei  diesen  Versammlungen  wissenschaft- 
liche Gegenstände  aus  dem  Bereiche  der  Geschichte  zur  Erör- 
terung zu  bringen  und  die  Abhaltung  solcher  Vorträge  einzuleiten. 

Die  Leitung  und  der  Vorsitz  in  den  Versammlungen  des 
Vereines  steht  dem  Vorstand  oder  bei  dessen  Verhinderung 
dem  Vorstand-SteDvertreter  zu. 

Der  Jahresversammlung  ist  vorbehalten: 

a)  Die  Wahl  des  Ehren-Präsidenten,   des  Ausschusses  und 
zweier  Revidenten  für  die  Rechnungen  des  folgenden  Jahres ; 

b)  die    Ernennung   zu    korrespondirenden    und   Ehrenmit-* 
federn ; 

c)  die  Genehmigung  der  richtiggestellten  Jahresrechnungs- 
legungen und  die  Feststellung  der  Jahresvoranschläge; 

d)  jene  Beschlüsse,  deren  Ausführung  den  Kostenbetrag  von 
50  fl.  übersteigt; 

e)  die  Abänderung  der  Statuten  und 

f)  die  Beschlussfassung  über  allftllige  Auflösung  des  Vereines. 
In  der  Regel  ist  jede  rechtzeitig  einberufene  Versamm- 
lung beschlussfähig  und  zur  Giltigkeit  der  Beschlüsse  der  öf- 
fentlichen  Versammlungen  absolute  Stimmenmehrheit  nöthig. 
Ausnahmen  hievon  bestimmen  die  §§.  13  und  14. 

Ehren-Präsident 

§.  7.  Der  Verem  wählt  sich  emen  Ehren-Präsidenten  auf 
Lebenszeit 

Vereins- Ausschuss. 

§.  8.  Die  Vertretung  des  Vereines  nach  Aussen  und  die  Lei- 
tung seiner  innem  Angelegenheiten  obliegt  dem  Vereins-Ausschuss. 
Dieser  besteht  aus  acht  Mitgliedern,  nämlich  aus 


—  xvn   - 

einem  Vorstande, 

„     Vorstands-Stellvertreter, 
„     Schriftführer, 
;,     Kassier  und 
vier  Ausschuss-Mitgliedem. 
Die  Wahlen  in  die  Vereinsleitung  geschehen  durch  Stimm- 
zettel und  ist  für  den  Ausschlag  die  absolute  Stimmenmehrheit 
erforderlich.  Alle  Ausschuss-Mitglieder  werden  auf  zwei  Jahre 
gewählt ;  eine  Wiederwahl  für  die  nächste  Wahlperiode  ist  nur 
bei  dem  Schriftführer  und  Kassier,  bei  den  übrigen  Ausschuss- 
Mitgliedern  erst  nach  Ablauf  eines  Vereinsjahres  zulässig. 

Scheidet  ein  Ausschussmitglied  während  der  Amtszeit  aus,  so 
findet  bei  der  nächsten  Jahresversammlung  eine  Ersatzwahl  statt. 
Dem  Ausschusse  sind  zugewiesen: 

a)  Die  Bestellung  der  Vereinsbediensteten  (Kanzelist  und 
Diener) ; 

b)  die  Vorbereitung  der  Geschäftsstücke  behufs  erschöpfender 
Behandlung  in  den  Versammlungen; 

c)  die  Wahl  von  Sonder- Ausschüssen  für  denselben  Zweck; 

d)  die  Verfügung  in  dringenden  Geldangelegenheiten  bis 
zu  30  fl.; 

e)  Entscheidung  über  Aufnahme  von  ordentlichen  Mitgliedern ; 

f)  desgleichen  jene  über  Aufnahme  schriftUcher  Arbeiten  in 
die  Publikationen  des  Vereines; 

g)  die  Berufung  der  ordentlichen  und  ausserordentlichen 
Versammlungen  und  die  Ausführung  ihrer  Beschlüsse; 

h)  die  Berichterstattung  und  Rechnungslegung  bei  den- 
selben, und 

i)  die  Ausfertigungen  und  Bekanntmachungen  des  Vereines, 
zu  deren  Giltigkeit  die  Unterschriften  eines  Vorstandes 
und  des  Schriftführers  erforderlich  sind.  Aufhahmsdiplome 
fertigt  der  Präsident,  der  Vorstand  und  der  Schriftführer. 

Der  Ausschuss  fasst  seine  Beschlüsse  mit  absoluter  Stim- 
menmehrheit ;  bei  Stimmengleichheit  entscheidet  der  Vorsitzende. 
Zur  Beschlussfähigkeit  des  Ausschusses  ist  die  Anwesenheit  von 
wenigstens  fünf  Mitgliedern  erforderlich. 


Bezirks-Eorrespondenten  und  Sonder-Ausscbttsse. 

§.  9.  Dem  Ausschusse  sind  zur  Förderung  der  Vereins- 
zwecke und  leichteren  Besorgung  der  Geschäfte  nach  Thun- 
Uchkeit  und  Bedürfiiiss  Bezirks-Eorrespondenten  und  Sonder- 
Ausschüsse  an  die  Seite  zu  stellen. 

Die  Wahlen  zu  Bezirks-Eorrespondenten  stehen  über  be- 
gründeten Vorschlag  des  Ausschusses  nur  den  Versammlungen 
zu.  Dieselben  werden  bezüglich  ihrer  Rechte  den  ordenüichen 
MitgUedem  gleichgestellt,  übernehmen  jedoch  nur  die  Verpflich- 
tung, dem  Vereins-Ausschusse  nach  ihren  Eräften  von  allen 
jenen  Gegenständen  und  Ereignissen  Eenntniss  zu  geben,  welche, 
dem  Gebiete  der  Vereinsbestrebungen  angehörig,  zu  ihrer  Wis- 
senschaft gelangen,  so  wie  die  Zerstörung  geschichtlicher  Denk- 
male thunlichst  hindanzuhalten. 

Die  Sonder  -  Ausschüsse  werden  nach  Erfordemiss  vom 
Ausschusse  oder  den  Versammlungen  zur  Behandlung  gewisser 
ihnen  vorzulegender  Fragen  und  Geschäftsstücke  gewählt. 

Von  ihrem  und  der  Bezirks-Eorrespondenten  Verhältnisse 
zum  Ausschusse  handelt  die  Geschäftsordnung. 

Vereins-Vermögen. 

§.  10.  Das  Vereins- Vermögen  besteht  aus  den  Beiträgen 
der  Mitgüeder,  den  Erträgnissen  aus  dem  Verkaufe  der  Vereins- 
schriften und  sonstigen  Zuwendungen  aus  öffentlichen  oder 
privaten  Mittehi  und  aus  dem  Vereine  sonst  eigenthümlich  ge- 
hörigen Werthgegenständen. 

Es  darf  nur  zu  Vereinszwecken  verwendet  werden  und 
steht  unter  Verwaltung  des  Ausschusses. 

Vereins-Sammlungen. 

§.  11.  Der  Verein  legt  keine  selbstständigen  Sammlungen 
aus  seinen  Jahr  für  Jahr  erworbenen  wissenschaftlichen  Gegen- 
ständen an,  sondern  tritt  dieselben  dem  Landesarchive  (Ab- 
theilung: Joanneumsarchiv),  dem  Münz-  und  Antikenkabmete 
und  der  Bibliothek  am  st.  1.  Joanneum  unter  Vorbehalt  des 
Eigenthumsrechtes  und  der  Benützung  nach  ihren  Statuten» 


—    XIX    - 

oder  in  zweiter  Reihe  anderen  Anstalten  im  Lande  ab,  welche 
davon  ihrer  Natur  nach  am  ehesten  Gebrauch  machen  würden. 

Schiedsgericht 

§.  1 2.  Streitigkeiten  aus  dem  Vereinsverhältnisse  zwischen 
Mitgliedern  unter  einander  oder,  zwischen  solchen  und  dem 
Vereine  entscheidet  mit  Ausschlusfs  jeder  Berufung  ein  Schieds- 
gericht, für  welches  jede  Partei  einen  Schiedsrichter  bestellt, 
die  zusammen  einen  Obmann  wählen. 

Abänderung  der  Statuten. 

§.  13.  Abänderungen  der  Statuten  können  nur  durch  die 
Jahresversammlung  beschlossen  werden  und  ist  dazu  die  Stim- 
menmehrheit von  zwei  Drittheilen  der  anwesenden  Mitglieder 
erforderlich.  Anträge  in  dieser  Richtung  sind  dem  Ausschusse 
mindestens  vierzehn .  Tage  vor  der  Jahresversammlung  zur 
entsprechenden  Begutachtung  einzubringen. 

Auflösung  des  Vereines. 

§.  14.  Die  Berufung  der  Jahresversammlung,  welche  über 
die  Auflösung  des  Vereines  entscheiden  soll,  hat  nur  in  Folge 
eines  von  mindestens  zwanzig  ordentlichen  Mitgliedern  beim 
Ausschuss  schriftlich  eingebrachten  Antrages,  mindestens  vier 
Wochen  vor  dem  Tage  ihrer  Abhaltung  und  mit  ausdrüddicher 
Bekanntgebung  jenes  Antrages  zu  geschehen. 

Zur  Beschlussfähigkeit  dieser  Versammlung  ist  die  An- 
wesenheit von  wenigstens  Dreifünftel  der  ordentlichen  Mit- 
glieder, zum  Auflösungsbeschluss  aber  eine  Mehrheit  von 
wenigstens  Zweidrittel  der  giltig  abgegebenen  Stimmen  er- 
forderlich. 

Könnte  die  ordentlich  einberufene  Jahresversammlung 
wegen  Mangel  der  erforderlichen  Anzahl  dabei  Anwesender 
über  die  Auflösung  des  Vereines  nicht  beschliessen,  so  wäre 
hiezu  unter  den  gleichen  Bestimmungen  wie  jene  die  nächste 
\'ierteljahresversanmilung  berechtigt. 

Sollte  auch  diese  nicht  beschlussfähig  sein,  so  hätte  die 
nächste  Vierteljahresversammlung  bei  jeder  Anzahl  anwesender 


—    XX    - 

Mitglieder  mit  einer  Mehrheit  von  Zweidrittel  der  Stimmen 
über  die  Auflösung  zu  beschliessen. 

Dieselbe  Versammlung,  welche  die  Auflösung  des  Vereines 
beschloss,  verfügt  in  gleicher  Weise  auch  über  die  Verwendung 
der  Geldmittel  und  sonstigen  Werthgegenstände  des  Vereines. 
Die  wissenschaftlichen  Sammlungen  aber  gehen  in  das  £igenthum 
jener  Anstalten  über,  welchen  sie  vorläufig  abgetreten  worden 
und  die  Akten  des  Vereines  werden  im  Landesarchive  hinterlegt. 


(Bescheinigt  mit  dem  Erlasse  der  h.  k.  k.  Statthalterei,  ddo.  Graz  2.  März 

1878,  Z.  2784.) 


■••-X^. 


AbhandluBgen. 


I. 
Die  römischen  Altendorfer  Antiquitäten 

der  Pfarre  St  Johann  am  Dranfelde. 

Von 
Dn  Riehard  KnabI, 

kaiserl.  Rath  and  Mitglied  des  histor.  Vereines  fOr  Steiermark. 


In  den  Nummern  7  7 — 7  9  des  heurigen  Jahrganges  der  Grazer 
Tagespost  hat  Herr  Alfons  M  ü  1 1  n  e  r ,  Professor  an  der  Lehrer- 
Bfldungsanstalt  zu  Marburg,  die  Altendorfer  Antiquitäten  einer 
eingehenden  Untersuchung  unterzogen,  welche  um  so  verdienst- 
licher erscheint,  als  bisher  kein  geschriebener  Bericht  über 
diesen  Gegenstand  in  die  Oeffentlichkeit  gelangt  Irrig  ist  jedoch 
die  ausgesprochene  Ansicht,  als  habe  sich  der  historische  Verein 
dieser  Alterthümer  bisher  noch  gar  nicht  angenonmien,  da  ich 
über  dessen  Auftrag  schon  vor  28  Jahren  Erforschungen  an 
Ort  und  Stelle  geplSogen  habe,  vne  der  nachfolgende  Aufsatz 
zeigen  wird.  Wesshalb  dieselben  bisher  noch  nicht  veröffentlicht 
wurden,  ist  leicht  erklärlich,  wenn  ich  bemerke,  dass  man  ab- 
warten wollte,  ob  nicht  eine  allftlhge  Veränderung  im  Wasser- 
stande oder  Laufe  der  Drau  günstigere  Ergebnisse  ermöglichen 
wurde.  Da  indessen  diese  Voraussetzung  während  der  Zwischen- 
zeit nicht  eingetreten  ist,  auch  der  Status  quo  nach  den  Mit- 
theilungenJProf.  Müllner's  noch  fortdauert,  so  steht  der  Ver- 
öffentlichung meiner  ersten  im  September  1845  angestellten 
Untersuchung  nichts  im  Wege. 

Meine  und  Prof.  Mttllner's  Untersuchungen  durften  sich 
übrigens  theils  ergä'nzen',  theils  berichtigen.  Ergänzen 
hinsichtlich  der  Vertheilung  dieser  Alterthümer  durch  die  Be- 
hörden und  den  Zeitpunkt,  wo  diese  statt  hatte;  berichtigen, 
weil  meines  Wissens  nicht  mehr  als  7  Denkmale  an  die  Alter- 

1* 


—     4     - 

ihumsfreunde  in  Pettau  abgeführt  wurden,  und  es  bilUge  Zweifel 
erregen  muss,  wenn  jetzt,  nach  28-30  Jahren,  von  den  Be- 
wohnern jener  Stadt  eine  grössere  Anzahl  von  Denkmälern  als 
von  s.  Johann  abstammend  angegeben  wird,  als  seiner  Zeit 
So  ist  beispielsweise  das  dem  Dens  Sol  gewidmete  Votiv- 
Denkmal  mit  der  Legende  SOLI  SA ',  C-  DOMHERM  |  V-  S«  L.  M 
nicht  von  Alt  endo  rf  nach  Pettau  gekommen,  sondern  in 
letzt  gedachter  Stadt  selbst  im  Jahre  1817  ausgegraben  und 
gleich  darauf  an  jener  Stelle  eingefriedet  worden,  wo  es  sich 
noch  jetzt  befindet 

Eine  ungenaue  Mittheilung  des  Fundortes  kann  trotzdem 
Herrn  Mtillner  nicht  zur  Last  gelegt  werden.  Ein  Forscher 
muss  sich  über  Ereignisse,  die  lange  vor  ihm  stattfanden,  mit 
dem  bescheiden,  was  noch  lebende  Gewährsmänner  ihm  vor- 
bringen, und  diese  waren  eben  ungenau. 

Graz,  im  April  1873.  — 


Zwischen  St  Johann  am  Draufelde  und  dem  Schlosse 
Wurmberg  fliesst  die  Drau  in  mehreren  Armen»  welche 
nie  dieselbe  Richtung  einhält,  sondern  nach  Massgabe  emes 
höheren  oder  niederen  Wasserstandes  stets  ihren  Lauf  und 
ihre  Richtung  verändert. 

Von  der  Veränderung  des  Flussbettes  der  Drau  ist  der 
Boden  um  Marburg  der  sprechendste  Zeuge.  Man  unter- 
scheidet noch  jetzt  ganz  deutlich,  welchen  Gang  der  Fluss 
vor  vielen  Jahrhunderten  genommen  hat  Gleich  bei  Gams, 
nordwestlich  von  der  Stadt,  sieht  man  noch  die  alten  Fluss- 
läufe. Ingleichen  hinter  demDorfe  Po bersch  (Melüng  gegen- 
über) am  jenseitigen  Ufer  des  Flusses. 

Es  hat  daher  den  Anschein,  dass  die  Drau  vor  alter 
Zeit  nördlich  von  der  Stadt  in  der  Richtung  gegen  Melling 
geflossen  sei,  von  da  ihren  Lauf  bei  Pobersch  und  dessen 
Feldern  bis  zur  Eisenbahn  und  von  da  aus  in  einigen  Krüm- 
mungen so  ziemlich  durch  die  Mitte  des  Pettauer-Feldes,  in  der 


—     5     — 

Richtung  gegen  Haidin  und  St  Veit  bei  Ankenstein 
genommen  habe.  Wer  von  Pettau  nach  St  Johann  am 
Draufelde  reiset,  wird  beim  Schmelzen  des  Schnee's  die  einstigen 
Drauufer  gewahr  werden. 

Wann  und  in  welcher  Zeit  dieDrau  ihren  Lauf  so  ver- 
änderte, dass  sie  jetzt  hart  an  der  östlichen  Hügelreihe  des 
Draufeldes  vorbeiströmt,  ermangelt  jedes  historischen  Nach- 
weises ;  doch  mag  diese  Katastrophe  den  Zeitraum  vom  1 4.  Jahr- 
hundert an  abwärts  nicht  überschreiten.  Wenigstens  haben  wir 
noch  eine  schriftliche  Nachricht,  dass  sie  um  die  Mitte  des 
5.  Jahrhunderts  nicht  ihren  jetzigen  Lauf  gehabt  habe  und 
zwar  bei  Zosimos,  Gomes  und  Exadvokaten  des  Fiskus  von 
Constantinopel,  welcher  seine  Geschichte  vom  Kaiser 
Octavianus  Augustus  bis  zum  Jahre  410  v.  Chr.  schrieb. 
Als  er  nämlich  0  den  Marsch  des  gallischen  Feldherm  Mag- 
nentius  von  Aquileja  nach  Pettau,  bei  dem  es  sich  um  den 
Besitz  Illyricums  handelte,  beschreibt,  sagt  er:  Magnentius  in 
Pannoniam  contendit;  cumque  pervenisset  ad  sitos  ante 
Potedum  ^)  campos,  quos  medios  Dravus  amnis  intersecans, 
Noricos  et  Pannonios  praeterlapsus  in  Istrum  semet  exonerat, 
in  Pannonios  milites  dudt,  quod  prope  S  i  r  m4  u  m  manum  cum 
hoste  conservere  cogitaret 

Aus  dieser  Stelle  geht  hervor,  dass  zu  Zosimos  Zeiten 
die  Stadt  Pettau  nicht  mehr  wie  früher  in  Pannonien,  son- 
dern bereits  in  Nor i cum  lag  und  daher  letztere  Provinz 
nordostwärts  über  Pettau  hinaus  bis  an  die  Mur  vorgerückt 
war;  denn  da  die  Drau  von  Pettau  abwärts  bei  St  Veit 
eine  nordöstliche  Richtung  annimmt,  so  muss  das  gegenüber 
am  rechten  Ufer  gelegene  Land  eben  so  zur  Provinz  Pan- 
nonien gehört  haben,  als  das  am  linken  Ufer  gelegene  sammt 
der  Stadt  Pettau  zur  Provinz  Noricum,  weil  Zosimos  von 
den  ad  sitos  ante  Potecium  campos  aussagt:  quos  medios 
Dravus  amnis  Noricos  et  Pannonios  praeterlapsus  intersecat 


»)  Lit.  II.  p.  695. 

')  Offenbar  verschrieben  fOr  Poetonum. 


—     6     — 

Diese  siü  ante  Potedum  campi  reichten  aber  damals  nicht 
bis  zur  heutigen  Stadt  Pettau,  sondern  nur  bis  St  Martin 
bei  Haidin,  wo  auch  das  illyrische  Zollamt  und  der  Drau- 
fluss  war,  so  zwar,  dass  die  ganze  jetzige  Vorstadt  Rann 
sanmit  dem  dermaligen  Draulaufe  unmittelbar  vor  der  Stadt 
„fester"  Boden  war,  wie  dieses  die  hier  sowohl  in  der  Vor- 
stadt als  im  gegenwärtigen  Draulaufe  gefundenen  Geb&ude- 
reste  und  AlterthUmer  bezeugen.  Darum  waren  die  siti  ante 
Potecium  campi  damals  etwas  weiter  als  jetzt  von  der  Stadt 
entfernt 

Allem  in  den  nächsten  Jahrhunderten  hatte  die  Drau 
wieder  ihren  Lauf  verändert,  indem  sie  sich  nach  Ueberfluthung 
der  Banner  Vorstadt  näher  der  heutigen  Stadt  zu  ein  Bett 
wühlte. 

Einen  neuerlichen  Beweis  von  einer  theilweisen  Laufver- 
änderung der  D  rau  liefert  uns  das  Auffinden  der  in  den  letzten 
1830ger  Jahren  namentlich  aber  im  Jahre  1840  zwischen 
St  Johann  und  Wurmberg  entdeckten  und  eben  in  der 
Frage  stehenden  AlterthOmer. 

Seit  vielen  Jahrhunderten  lagen  sie  unter  der  Erde  und 
das  Vieh  der  Gemeinde  Altendorf  weidete  darauf,  denn 
noch  im  Jahre  1838  war  der  Fundort  „Gemeindeweide". 

Im  Jahre  1839  schwoll  die  Drau  mächtig  an,  trat  aus 
ihrem  bisherigen  Ufer,  schwemmte  das  Erdreich  dieser  Weide 
weg  und  grub  sich  hier  einen  neuen  Gang. 

Als  nun  zu  Anfang  des  Jahres  1840  der  Wasserstand 
abnahm,  wurde  man  der  Alterthümer  gewahr.  Das  Recht  auf 
den  Besitz  dieser  Steinmassen  sprach  die  Gemeinde  Alten- 
dorf an,  weil  sie  dort  gelagert  wären,  wo  vor  wenigen  Monaten 
noch  ihre  Viehweide  war.  Allem  die  benachbarte  Herrschaft 
Wurmberg,  als  Inhaberin  des  Fischwassers,  sprach  ihr  An- 
recht ebenfalls  aus,  und  als  hiervon  das  k.  k.  Ereisamt  Mar- 
burg Anzeige  erhielt,  wurde  der  Bezirks-Obrigkeit  Ebens- 
feld die  Gub.-Verord.  vom  1.  April  1812,  Z.  7509/394,  nach 
welcher  „Münzen  und  Alterthümer  an  das  k.  k.  Münz-  und 
Antikenkabinet  abzuführen  srnd"",  und  dann  die  spätere  Gub.- 


J 


—    1   — 

VerorcL  vom  12.  August  1828,  Z.  14715,  m  Erinnerung  ge- 
bracht, nach  welcher  „nicht  leicht  transportable  Steindenkmftler, 
besonders  Inschriften  ssu  der  dem  Funidorte  nächstgelegenen 
Kirche  gebracht,  in  eine  Aussenmauer  eingemauert  und  der 
Obhut  eines  jeweiligen  Pfarrers  anempfohlen  werden  sollen*^. 
Nachdem  nun  in  Folge  eines  wiederholten  kreisftmtlichen  Auf- 
trages vom  8.  April  1840,  Z.  3561,  die  Bezirksobrigkeit 
Ebensfeld  angegangen  wurde,  die  theüweise  begonnene 
Herausschaffung  der  DenkmSler  einverständlich  mit  der  Grund- 
Obrigkeit  fortzusetzen,  kam  man  darin  ttberein,  dass  die  Ge- 
meinde Altendorf,  die  Herrschaft  Wurmberg  und  eine 
Gesellschaft  von  Alterthumsfreunden  ausPettau  ge- 
meinschaftlich Hand  anlegen  sollten.  Allein  es  konnte  nur  der 
kleinste  Theil  der  Steinmassen  aus  dem  neuen  Drau-Arme 
herausgeschafft  werden,  denn  während  der  Besitzstreit  noch 
in  der  Schwebe  war  und  die  ämtlichen  Verhandlungen  ge- 
pflogen wurden,  stieg  das  Wasser  und  nur  mit  grosser  Mühe 
konnte  man  das  herausbringen,  was  bisher  an^s  Tageslicht  ge- 
fördert ist  Unwillkürlich  erinnert  man  sich  dabei  an  einen 
bekannten  Vorgang  in  der  alten  Zeit:  Roma  deliberante  Sa- 
guntus  periit! 

Seitdem  ist  das  Wasser  nicht  mehr  gefallen  und  es  dürfte 
noch  eine  Reihe  von  Jahren  vergehen,  bis  es  soweit  schwmden 
wird,  dass  man  den  überflutheten  Steinmassen  beikommen  wird 
können. 

Von  den  herausgeschafften  SteintrQmm^n  aber  hat  den 
kleinsten  Theil  die  Herrschaft  Wurmberg,  den  grosseren 
die  Gemeinde  Altendorf  und  7  mit  Plastik  und  Inschriften 
versehene  Stücke  die  Gesellschaft  einiger  Alterthums- 
Freunde  in  Pettau  erhalten. 

I. 

Die  nach  dem  Schlosse  Wurmberg  gebrachte  Denkmäler 
sind: 

a)  das  Bruchstück  eines  Inschriftstei^es,  2^  hoch,  9^'  breit  und 
11^'  tief,  mit  der  Legende: 


8     — 


RIMO 
CVTPA 

FIRM 

MARC 

T 

Es  dürfte  einen  Yotiv-  oder  auch  einem  Grabsteine  an- 
gehört haben,  denn  auf  beiden  Gattungen  finden  sich  die  be- 
kannten Siglen  C  V  T  P  vor,  welche  Colonia  Ulpia  litgana 
Poetovionensis  bedeuten; 

b)  em  länglicher  Stein,  2'  3''  hoch,  V  4''  breit  und  8  V,''  tief 
mi^  dem  Belief  einer  nackten  Gestalt,  von  der  man  aber 
wegen  Verwitterung  das  Geschlecht  nicht  mehr  erkennen 
kann; 

c)  Steinplatte,  1'  7%"  hoch,  2'  3"  brett  und  11"  tief,  auf 
welcher  der  untere  Theil  von  2  en  relief  gekleideten  Ge- 
stalten zu  sehen  ist,  von  welcher  die  rechts  befindliche 
weiblichen  Geschlechtes  zu  sein  scheint; 

Die  noch  bei  der  herrschaftlichen  Mühle  vorhandenen 
Antiken  sind: 

d)  Zwd  Löwen,  vielleicht  woU  auch  Sphinxe,  wegen  Verwit- 
terung schwer  bestimmbar,  in  liegender  Stellung.  Der  eine 
ist  ly,'  hoch,  2'  6"  breit  und  10"  tief;  der  andere  2' 
hoch,  2^  breit  und  11"  tief.  Sie  scheinen  nicht  zusammen- 
gehört zu  haben; 

e)  ein  Fragment,  worauf  en  relief  ein  kleiner  Opferaltar  und 
der  untere  TheQ  eines  daneben  stehenden  gekleideten 
Mannes  zu  sehen  ist; 

f)  endlich  das  Bruchstück,  vor  Vertheilung  der  1840  entdeckten 
Alterthümer  an  der  Drau  gefunden  und  in  den  Hof  des 
Schlosses  Wurmberg  überbracht,  wo  ich  es  copirte;  mit 
der  Legende 


—     9     — 

Zuflllliger  Weise  wird  in  beiden  Fragmenten  die  Pettauer 
Colonie  einfach  wie  hier  mit  COLonia  POeTAVIonensis  (to- 
gata)  und  In  dem  anderen  als  C.  V.  T.  P.  d.  i.  als  Colonia 
Ulpia  Trajana  Poetovionensis  (militaris)  bezeichnet,  folglich  ge- 
hört ersteres  Fragment  der  Zeit  nach  in  das  I.  Jahrhundert, 
das  andere  aber  in  das  II.  Jahrhundert. 

II. 

Die  von  der  Gemeinde  Altendorf  behaltenen  und  noch 
auf  dem  Kirchenplatze  der  Pfarre  St.  Johann  liegenden 
Steintrümmer,  sämmtlich  aus  weissem  Marmor,  sind  65  an  der 
Zahl.  Sie  sind  theilweise  von  mächtigem  Gewichte,  kein  Stück 
unter  3 — 4  Zentner;  aber  nicht  alle  tragen  Spuren  römischer 
Schrift  und  Plastik,  sondern  sclieinen,  da  sie  behauen  sind,  zu 
Gebäuden  und  Grabmälem  gedient  zu  haben.  Die  merkwürdigsten 
darunter  sind: 

1.  Zwei  Säulen,  davon  eine  6'  hoch,  ly.'  im  Durchmesser 
breit  ist.  Die  andere  ohne  Knauf  ist  daher  etwas  kürzer. 
Dürften  zur  Zierde  einer  Grabkapelle  verwendet  gewesen  sein. 

2.  Das  Fragment  einer  Grabschrift,  2'  9"  hoch,  2'  breit  und 
6"  tief,  auf  welchem  noch  folgende  Zeilen  zu  lesen  sind: 


3.  Ein  kleines  Bruchstück,  auf  dem  bloss  6"  hohe  übereinander 
stehende  Buchstaben: 


I 


erkennbar  sind  und  Reste  einer  Aufschrift   gewesen  sein 
mochten. 


—     10     — 

4.  Ein  platter  Stein  V  2"  hoch,  3'  5''  breit  und  8  V.  tief  mit 
einem  Dreieckfelde,  in  dessen  oberen  Theile  eine  Gestalt 
sichtbar  ist  Mag  zum  Kopfe  eines  Grabmales  gehört  haben. 

5.  Steinbild  en  relief^  mit  einer  wegen  Verwitterung  nicht 
mehr  recht  erkennbaren,  wie  es  scheint,  weiblichen  Gestalt 

6.  Die  Ecke  eines  Eamiesses,  welches  zu  einem  Gesimse  ge* 
gehört  haben  dürfte. 

7.  Bruchstück  mit  dem  Relief  einer  gekleideten  Gestalt,  von 
welcher  der  Eopf  weggebrochen  ist  Die  an  der  Brust  an- 
gebrachten Ornamente  und  das  von  beiden  Achseln  herab- 
hängende Oberkleid  scheinen  auf  den  priesterlichen  Stand 
ded  Trägers  hinzudeuten. 

8.  Stemplatte,  4'  2''  hoch,  1'  8"  breit  und  9''  tiet  Sie  ist 
etwas  ausgehöhlt,  etwa  auf  S'//\  Hier  scheint  die  andere 
Hälfte  abzugehen,  so  dass  die  ganze  ausgehöhlte  Platte 
nahezu  ein  Viereck  gebildet  haben  mag.  Welcher  ihr  Zweck 
gewesen  sein  mochte,  dürfte  schwer  zu  entscheiden  sein. 
Vielleicht  ward  sie  beim  Opferdienste  verwendet  und  in 
eine  Grube  eingesenkt,  um  das  Blut  der  Opferthiere  auf- 
zufangen,  welche    den  öeoFc  xaTax^ovtot;  gewidmet  waren. 

9.  Ein  Fragment,  2'  8"  hoch  und  4'  breit,  mit  einer  nicht 
mehr  lesbaren  Inschrift  Es  war  eingerahmt 

10.  Hieher  gehört  auch  das  Reliefbild  einer  nackten  sitzenden 
Gestalt  unter  einem  Dreieckfelde,  welche,  den  linken  Arm 
aufstützend,  sich  erheben  zu  wollen  scheint,  ähnlich  der 
Darstellung,  wie  sie  in  dem  Pettauer  Prangerdenkmale  der 
Opheus-Scene  oder  in  jener  zu  St  Martin  am  Bacher  vor- 
kömmt Dieses  und  noch  ein  ähnliches,  wiewohl  beschädigtes 
Reliefbild  blieb  noch  vor  Vertheilung  der  Antiquitäten  an 
seinem  Platze. 

AUe  übrigen  zu  St  Johann  am  Draufelde  der  Ge- 
meinde Altendorf  verbUebenen  Denkmale,  beiläufig  noch 
56  an  der  Zahl,  smd  zwar;  behauen,  theils  kubisch,  theils 
plattenartig  geformt,  jedoch  ohne.  Schrift  und  Plastik,  und 
dürften,  wie  bereits  bemerkt,  zum  Mauerwerke  gedient  haben. 


—   11    — 
III. 

Die  nach  Pettau  auf  Flössen  aberftihrten  Gegenstände 
sind  folgende: 

1.  Eine  zor  Httlfte  gebrochene  GrabsQhrift,  8'  2"  hoch,  2'  breit 
und  8"  tie^  auf  wdcher  noch  folgende  Zeilen  zu  lesen  sind: 


M  ,\ 

IVS-SVC-F  \\ 
IVSANLXI 
NTOFIERI 

P.SVADRAE-, 

MERITAE 

AC  CVR  I 


•    / 


Es  wäre  vergebliche  Mühe,  diese  Grabschrift  ergänzen  zu 
wollen.  Bloss  die  2.  Sigel  der  2.  Zeäe  SVC  mag  mit  Succesus, 
die  4.  Zeile  mit  Testamente  fieri,  die  6.  Zeile  mit  bene  meritae 
und  das  Schlusswort  der  7.  Zeile  mit  curavit  ergänzt  werden. 
Daraus  geht  aber  doch  hervor,  dass  die  Grabschrift  der  Keltin 
SVADRA  ihrer  Verdienstlichkeit  wegen  errichtet  wurde,  und 
dieser  ihr  Name  ist  durch  sem  Vorkommen  ün  Drauthale 
Steiermark's  das  Bedeutendste  an  dem  ganzen  Steine; 
denn  er  ist  ein  Familienname,  der  in  Steiermark  und 
Kärnten  weit  verbreitet  war.  Zu  Seckau  ob  Leibnitz 
kömmt  inschriftlich  eine  Turbonia  Suadra,  dann  eine  Augusta 
Suadra  vor;  zu  Tanzenberg  in  Kärnten  nach  Gruter  pag. 
83.  14  Suadra  Severes  und  zu  Micheldorf,  2  Stunden  vor 
Friesach,  eine  Maximina  Suadra. 

2.  Bruchstück  einer  Inschrift  mit  Uncial-Buchstaben,  V  S'/«" 
hoch,  2'  8"  breit  und  1 V  tief.  Es  hat  noch  folgende  Sigel : 


—     12     — 

Hier  dürfte  die  2.  und  3.  Zeile  mit  sueccESSO  veteRANO 
zu  ergänzen  sein. 

3.  Brustbild  eines  mit  der  Tunika  bekleideten  jungen  Mannes, 
2'  11"  hoch,  3'  2"  breit  und  10«//'  tief.  Der  Vorgestellte 
stutzt  die  rechte  Hand  auf  den  Ellenbogen  und  neben  der 
linken  liegt  eine  Kugel,  was  als  Sinnbild  des  Handels  an- 
zudeuten scheint,  dass  er  dem  Corpus  Negotiantium  ange- 
hört habe.  Aus  dem  oberen  Dreieckfelde  blickt  der  Kopf 
eines  Genius  hervor. 

4.  Ein  Fragment,  worauf  das  Relief  eines  suchenden  Hundes 
9%"  hoch,  2'  2"  breit  und  11"  tief.  Der  Hund  in  dieser 
Stellung  ist  sonst  auf  alten  Denkmalen  das  Sinnbild  des 
Gefühlsinnes,  womit  er  das,  was  er  sucht,  leicht  findet. 
Wahrscheinlicher  aber  dürfte  er  als. eine  gewöhnliche  Ver- 
zierung anzusehen  sein. 

5.  Bruchstück  mit  dem  Relief  einer  nackten  weibUchen  Gestalt, 
wovon  nur  mehr  der  Oberleib  erkennbar  ist,  2'  2"  hoch, 
r  2',^"  breit  und  7"  tief. 

^  6.  Ein  Löwe  in  liegender  Stellung  mit  erhobenem  Kopfe,  schon 
sehr  verwittert,  2'  2"  hoch,  3"  breit  und  11"  tief;  endlich 
7.  das  Fragment  eines  Thieres  in  sitzender  Stellung  von  dem 
der  Brusttheil  und  ein  Fuss  noch  übrig  ist.  Von  der  Brust 
bis  zum  Halse  blickt  das  Antlitz  eines  alten  bärtigen 
Mannes.  Hätte  der  Thierfuss  Adlerklauen,  so  könnte  man 
geneigt  sein,  die  Vorstellung  für  ein  Symbol  des  Jupiter 
zu  halten.  Da  er  aber  eine  Löwen -Pranke  hat,  so  wird 
die  Deutung  erschwert  An  Herkules  zu  denken  wäre 
gewagt,  weil  er  auf  allen  Denkmalen  nie  mit  greisem  Ge- 
sichte dargestellt  wird.  Das  Fragment  ist  2'  6"  hoch, 
2'  breit  und  11"  tief. 

Obige  7  von  St.  Johann  nach  Pettau  abgeführten 
Denkmäler  smd  (bei  dem  Umstände,  dass  sie  durch  so  lange 
Zeit  theils  unter  der  Erde,  theils  unter  Wasser  gelegen  sind) 
fast  durchgehends  ausgespült  und  ziemhch  unkenntlich  ge- 
worden. Sie  befinden  sich  gegenwärtig  (1845)  zum  Theile  an 
der  Westseite  des  Stadtt^unnes  angelehnt,  theils  auf  der  Süd- 


—     13     - 

Seite  des  altefi  Friedliofes  neben  der  einstigen  Todtenkammer 
gelagert,  werden  jedoch,  wenn  diese  abgerissen  würde,  in  die 
daneben  angebaate  auf  den  Florianiplatz  führende  Stiege  durch 
die  Vorsorge  des  Bttrgenneisters  Herrn  Franz  Baisp  an 
der  Stiegenwand  eingemauert  und  nebst  den  anderen  Antiken 
untergebracht  werden. 

Aus  dieser  an  Ort  und  Stelle  im  Monate  September  1845 
vorgenommenen  Untersuchung  stellt  sich  heraus:  dass  das 
anfangs  von  dem  gemachten  antiquarischen  Funde  entstandene 
Gerücht,  welches  sich  im  Jalire  1840  allenthalben  im  ganzen 
Lande  verbreitet  hatte,  das  Ergebniss  des  Fundes  stark  über- 
trieb. Hätte  man  freilich  schon  im  Monate  Dezember  1839  und 
anfangs  Jänner  1840  mit  vereinten  Straften  Hand  an  das  Werk 
gelegt,  dann  wäre  das  gewonnene  Resultat  zu  dem  entstan- 
denen Gerüchte  vielleicht  in  geradem  Verhältnisse  gestanden, 
weil  die  wahrgenommenen  Steinmassen  nach  Aussage  der  noch 
lebenden  Zeugen  eine  Strecke  von  mehr  denn  150  Klaftern 
eingenonmien  hatten.  So  aber  ward  aus  leidigen  Gründen,  die 
ich  bereits  besprochen  habe,  die  Arbeit  erst  begonnen,  als 
das  Wasser  schon  bedeutend  gestiegen  war  und  nur  ein  ver- 
hältnissmässig  geringes  Resultat  erreicht.  Bevor  nicht  die  Drau 
in  ihr  voriges  Bett  zurückweicht,  oder  mindestens  ihr  Wasser- 
stand bedeutend  sinkt,  wird  es  darum  verlorene  Mühe  sein, 
mit  Bestimmtheit  angeben  zu  wollen,  was  da  zu  Zeiten  der 
Römer  einst  gestanden  habe.  Was  bisher  an  das  Tageslicht 
gefördert  ist,  lässt  bloss  darauf  schliessen: 

a)  dass  da,  wo  jetzt  bei  dem  Dorfe  Altendorf  der  neue 
Draugang  ist,  einst  fester  Boden  war,  abgesehen  davon, 
dass  dieser  noch  vor  Kiurzem  Gemeindeweide  gewesen  ist, 
indem  es  unannehmbar  ist,  dass  so  ausgedehnte  und  ge- 
waltige Steinmassen  anderswoher  hatten  hergeschwemmt 
werden  können; 

b)  dass  der  Ort  von  Römern  bewohnt  war,  was  auch  schon 
andere  früher  vorgefundene  römische  Denkmale  beweisen; 

c)  dass  hier  vielleicht  Tempel,  Altäre  und  andere  Gebäude, 
jedenfalls  aber  ansehnliche  Grabmäler  gestanden  haben; 


—     14     — 

d)  dass  erst  nachtrt^ch  gemachte  Funde  ein  günstigeres 
Licht  aber  das  bisher  Gewonnene  verbreiten  werden,  und 

e)  dass  sich  auch  ergeben  dürfte,  in  welcher  Beziehung  der 
P£GUTort  St  Johann  am  Draufelde  zur  benachbarten 
Golonialstadt  Poetovio  gestanden  ist 


■ 


r 


—     15     — 


Die  Verfassungs-Krisis  in  Steiermarl( 

zur  Zeit  der  ersten  französiselien  Rerolntion. 

Von 

Professor  Dr.  H.  J.  Bldermann. 


Der  Tod  Kaiser  Joseph's  IL  gOt  für  einen  Wendepunkt 
der  österreichischen  Verfassungsgeschichte.  Und  er  ist  es  auch. 
.Doch  in  einem  anderen  Sinne,  als  in  welchem  man  diese 
Bezeichnung  hierauf  anzuwenden  pflegt 

Von  ihm  datirt  allerdings  das  scheinbare  Wiederauf- 
leben der  Provinzialstände,  welche  man  sich  unter  Joseph  n. 
ganz  ausser  Wirksamkeit  gesetzt  denkt  Der  Thronfolger,  Leo- 
pold n.,  geizte  aber  kaum  nach  dem  Ruhme  eines  Bestaurators 
und  dennoch  haben  Geschichtschreiber  des  In-  und  Auslandes 
ihm  diesen  Titel  bereitwilligst  zuerkannt  Auch  Viele  unter 
seinen  Zeitgenossen  feierten  ihn  als  solchen,  so  weit  sie 
an  semer  bezüglichen  Wirksamkeit  Gefallen  fanden.  Es 
ist  richtig,  dass  derselbe,  besonders  beim  Antritte  seiner  Re- 
gierung, sich  das  Ansehen  gab,  als  huldigte  er  diesfalls  Re- 
gierungsgrundsätzen, die  denen  seines  Vorgängers  diametral 
entgegengesetzt  waren.  Dennoch  stimmte  die  Simiesrichtung 
beider  darin  vollkommen  übercin,  dass  sie  das  Stftndewesen, 
so  wie  es  sich  ihnen  aufdrängte,  nicht  aufkommen 
zu  lassen  entschlossen  waren  und  wenn  Leopold  n. 
Anfangs  Miene  machte,  den  bezüglichen  Zumuthungen  sich  zu 
fügen,  80  geschah  es  doch  nur,  um  hintendrein  den  Stän- 
den als  solchen  mit  einer  Entschiedenheit,  welche  Joseph  n. 
hierin  nie  an  den  Tag  gelegt  hatte,  die  Existenzberechti- 
gung abzusprechen  oder  doch  sie  zu  einer  Art  prmcipieller  Resig- 


—     16     — 

nation  zu  nöthigen,  wie  sie  Joseph  II.  ihneu  bei  aller  Schroff- 
heit seines  Gebarens  nie  auferlegt  hatte. 

Wenn  man  die  Frage  aufwirft,  unter  wessen  Regierung 
in  Oesterreich  die  Axt  an  die  Wurzehi  des  hiesigen  Stände- 
lebens gelegt  ward?  —  so  lautet  die  richtige  Antwort :  unter 
Leopold  IL,  nicht  unter  Joseph  II. 

Kein  zweiter  Regent  hat  in  Oesterreich  die  das  historische 
Recht  zur  Bemäntelung  selbstsüchtiger  Begehren  vorschützenden 
Stände  so  scharf  zurechtgewiesen,  wie  Leopold  U.,  keiner  die  Nich- 
tigkeit derartiger  Prätensionen  schonungsloser  aufgedeckt,  keiner 
dem  natürhchen  Entwicklungs  gange  des  politischen  Lebens  im 
Voraus  so  viel  Rechnung  getragen,  so  behutsam  Konflikten,  die 
jener  Entwicklungsgang  mit  sich  brachte,  vorzubeugen  gesucht 

Dabei  wurde  er  durch  die  Zeitströmung,  welche  die  Ideen 
des  18.  Jahrhunderts  als  Signatur  trug,   mächtig  unterstützt. 

Andererseits  verstand  er  es,  durch  formelle  Zugeständnisse 
so  wie  durch  Nachgiebigkeit  in  Dmgen,  welche  einen  persönlichen 
Hintergrund  hatten,  auch  die  von  ihm  m  meritorischer  Beziehung 
Enttäuschten  mit  der  harten  Wirklichkeit,  als  deren  unbefan- 
gener Richter  er  mehr,  denn  als  massgebender  Faktor  er  da 
auftrat  — ,  zu  versöhnen.  Dieses  kluge,  auch  Gegner  gewmnende 
Benehmen  war  es,  das  ihm  den  Titel  eines  Restaurators  eintrug, 
freilich  nur  in  Krdsen,  die  oberflächlich  zu  urtheilen  gewohnt 
sind  oder  denen  es  verwehrt  war,  Leopold's  Regierungsthätigkeit 
zum  Gegenstande  gründlicher  Quellenstudien  zu  machen. 

Das  eben  Behauptete  in  Ansehung  der  Steiermark  nach- 
zuweisen, ist  die  Aufgabe,  welche  wir  uns  hier  stellen.  ') 


*)  Die  von  uns  benutzten  Sammlangen  handscbriftlicher  QueUen  Bind: 
das  Archiv  des  k.  k.  Ministeriums  des  Innern,  das 
B teiermärkische  Landesarchiv  und  die  Registratur 
der  k.  k.  Statthalte rei  für  Steiermark.  Durch  die  Libe- 
ralität, womit  ihm  diese  QueUensanmilangen  geöfihet  wurden,  ftüilt 
sich  der  Verfasser  zu  lebhaftem  Danke  Demjenigen  gegenüber  ver- 
pflichtet, welche  da  entweder  das  entscheidende  Wort  zu  sprechen 
hatten,  oder  sonst  mit  Rath  und  That  ihm  an  die  Hand  gingen.  Das 
Wenige,  was  Druckwerken  zu  entnehmen  war,  ist  durch  Citate 
ersichtlich  gemacht.  Dagegen  konnten  die  einzelnen  Aktenstücke  schon 


—     17    — 

Dass  die  Stände  der  Steiermark  noch  am  Schlüsse  der 
Regierungszeit  Joseph's  II.,  wenige  Wochen  vor  seinem  Tode, 
zu  einem  Landtage  versammelt  waren  und  dass  sie  diese  ihrc^ 
Zusammenkunft  zu  einer  Kundgebung  benützen  durften,  welche 
eine  durchaus  oppositionelle  Bedeutung  hat,  —  lehrt  die  Vor- 
stellung, welche  sie  am  24.  November  1789  „im  Landtage^ 
dem  Kaiser  zu  überreichen  beschlossen,  um  die  Grundsteuer- 
Reform  und  Urbarialregulirung  abzuwenden. 

Diese  Vorstellung  *)  ist  von  46  Mitgliedern  des  steiermär- 
kischen  Adels  und  vom  Prälaten  des  Stiftes  Admont  unter- 
fertigt. Da  nicht  anzunehmen  ist,  dass  alle  Theihiehmer 
am  Landtage  damit  einverstanden  waren,  so  gestattet  obige 
Zahl  auf  emen  ziemlich  starken  Besuch  der  Versamm- 
lung zu  schliessen ;  jedenfalls  ist  sie  an  sich  ein  Beleg  für  die 
Regsamkeit  des  Ständelebens  zu  einer  Zeit,  wo  man  sich  das- 
selbe als  hierzulande  erstorben  zu  denken  pflegt 

Kurz  vorher  hatte  der  Kaiser  über  Andringen  eben  dieser 
Stände  dem  Herzogthume  Steiermark  von  der  jährlichen  Steuer- 
schuldigkeit nahezu  100.000  Gulden  nachgesehen,  also  einen 
Beweis,  dass  er  auf  ihre  Bitten  achtete,  gegeben '). 


darum  nicht  näher  bezeichnet  werden,  weil  deren  Signatur  nur 
ausnahmsweise  mit  wenigen  Worten  oder  Zahlen  sich  ausdrücken 
liesse.  Diese  Weitläufigkeit  wäre  auch  überflüssig,  weil  Jeder,  der  die 
beiüglichc  QueUensammlung  aufsacht,  bei  dem  Umstände,  dass  die 
Ordnung  durchwegs  eine  chronologische  ist,  sich  gleichwohl  rasch  da- 
selbst zurecht  finden  wird.  Die  Akten  des  Ministerial-Archivs  (M.-A.) 
gehören  mit  wenigen  Ausnahmen,  die  wü*  durch  besondere  Zusätze 
markirten,  der  Abtheilung  IV.  H.  4.  Inner-Oesterreich ;  die  des  Landes- 
Archivs  (L.-A )  sind  sänmitlich  im  dortigen  Faszikel  A.  L  Jahrg. 
1782—1791  der  Abtheilung  II ;  die  der  Statthalterei  -  Begistratur 
(St-A.)  im  dortigen  Faszikel  91,  Jahrg.  1787—1792  enthalten. 

')  (Christoph  Freih.  von  Schwizen)  Aktenstücke,  die  Wiedei*einfÜhrung 
des  alten  Steuer-  und  Urbarialsystems  in  dem  Herzogthume  Steier- 
mark betreffend.  Graz  1791,  S.  143-151. 

^)  Weitere,  nicht  zu  unterschätzende  Belege  hiefÜr  sind: 

1.  Das  Hofdekret  vom  21.  Febr.  1788,  wodurch  die  a.  h.  Verord- 
nimg vom  27.  Mai  1 786,  welcher  zufolge  die  Pröbste  und  Ordens- 
Komthure  so  wie  die  durch  Abb^s  commendat-aires  ersetzten  Prä- 

2 


—     18     — 

Auch  bestand  das  Ausschuss  -  KoUegium  der  Stande  in 
Steiermark  ungeschmälert  fort  und  unter  dessen  Obhut  eine 
Menge  landschaftlicher  Bedienstungen. 

Das  bezügliche  Namenverzeichniss  fbllt  im  Schematismus 
für  das  Jahr  1789  fünf  Blätter.  Wir  finden  da  neben  den 
Ausschussrätben  einen  landscbaftHcben  G^eraleinnebmer,  einen 
Hauptkassier,  einen  Kassier  der  Kreditska^se,  4  Kreiskassiere, 
andere  mit  KassageschAften  betraute  Beamte,  femer  an  land- 
schaftlichen Aemtem  das  ständische  Archiv,  eine  Liquidatur, 
zwei  Aufschlagsämter  und  eine  Gebäude-Inspection,  dann  eine 
grosse  Anzahl  von  Sanitätspersonen  (darunter  einen  Accoucheur 
imd  einen  Oculisten),  4  Exercizienmeister,  u.  s.  w. 

Allerdings  war  das  Beamtenpersonal  der  steiermärkiscben, 
Stände  zuvor  nochum  einMerkliches  grösser  gewesen- 
Es  hatte  auch  eine  besondere  landschaftliche  Buchhaltung  ge- 
geben, die  nun  mit  der  „Gubemial-Buchhalterei''  vereiniget  war, 
und  manche  Bedienstung  war  ganz  eingegangen.  Doch  Nie- 
mand wird  Angesichts  obiger  Aufzählung  behaupten  wollen, 
da89  die  Stände  am  Schlüsse  der  Josephiniscben  Begierun^- 
periode  wegen  l^angel  m  IJxekutivorganen  zur  Unthätigkeit 
verurtheilt  waren. 

Die  sogenannte  Verordnetenstelle  dagegen  war  unterdrückt 
worden.  Kaiser  Joseph  meinte,  es  werde  dem  Lande  erspriess- 
licher  sein,  wenn  er  Einen  aus  den  vier  Verordneten,  welche 
von  den  Ständen  zuletzt  gewählt  word^  waren,  den  Oubernial- 
räthen  mit  Sitz  und  Stimme  beigesellen  würde.  Und  so  amtbte 
denn  auch  zur  Zeit,  von  der  wir  sprechen,  GrafFerdinand 
Attems  in  dieser  doppelten  Eigenschaft,  während  die  drei 
anderen  Verordneten  sich  hatten  in's  Privatleben  zurückziehen 


laten  der  Stifter  von  der  ständischen  Versammlung  fürderhin  ans- 
geschlossen  waren,  in  Ansehung  Steiermarks  ausser  Kraft  ge- 
setztwurde, u.  z.  auf  Andringen  der  hiesigen  Landstände  (St-A.) ; 
2.  das  Hofdekret  vom  22.  Dezember  1788,  wodurch  das  Dekret  Tom 
1.  Dezember  des  n&mlichen  Jahres,  dem  zufolge  die  Landschaft 
in  corpore  künftighin  nur  ftber  besonderen  a  h.  Auftrag  mehr  zu 
vernehmen  war,  als  nicht  auch  den  ständischen  Ausschuss  betref- 
fend erklärt  wurde.  (St.-A.) 


-     19     — 

mttssen.  Gleiches  war  dem  Landeshaiiptmanne  Grafen  Leo- 
pold Herberstein  beschieden,  welcher  im  Jahre  1782 
anlässlich  der  Vereinigung  seines  Amtes  mit  dem  des  Gou- 
verneurs der  drei  innerösterr.  Herzogthümer  ausser  Aktivität  ge- 
setzt wurde.  Das  waren  aber  auch  die  einzigen  Aenderungen 
von  Belang,  welche  Joseph  IL  am  Organismus  der  Stände 
vornahm. 

Jener  Graf  Ferdinand  Attems  war  nichts  weniger  als  ein 
rttckhältiger,  charakterloser  Mann.  Er  war  vielmehr  die  Seele 
der  ständischen  Bestrebungen,  welche  Joseph's  Beformpläne  zu 
durchkreuzen  suchten  ').  Und  dennoch  versah  er  unter  ihm 
Jahre  lang  die  Stelle  eines  Gubemialrathes. 

Aus  all'  dem  geht  hervor,  dass  Joseph  11.,  so  gering- 
schätzig er  auch  von  den  Ständen  dachte,  so  unbequem  sie 
ihm  waren,  doch  sie  zu  beseitigen  Anstand  nahm.  Weit 
schärfer  war  seine  Mutter  denselben  entgegengetreten,  indem 
sie  ihnen  viele  Befugnisse  entzog,  welche  der  Sohn  ihnen 
nur  nicht  zurückgab,  und  in  einem  Tone  mit  ihnen  ver- 


0  In  einem  Dankschreiben,  welches  der  Landeschef  and  provisor.  Präses 
der  Landschaft,  Franz  Ant  Graf  v.  StOrghk,  im  Auftrage  des  Land- 
tages unterm  IL  Mai  1790  an  den  Grafen  Ferdinand  Attems  richtete, 
wird  derselbe  mit  folgenden  W^orten  apostrophirt :  „Sie,  jener  stand- 
hafte Mann,  der  in  den  letzten,  stOimischen  Zeiten  der  Torigen  Re- 
gierung, wo  das  beste  Herz  des  grossen,  redlich  gesinnten  Kaisers 
durch  falsche  Rathgeber  ganz  irre  geführt,  ja  schändlich  getäuscht 
worden  ist,  —  selbst  auf  Kosten  seines  und  der  Seinigen  Glttcks  sich 
nie  gescheaet  hat,  die  Wahrheit  öffentlioh  standhaft  zu  reden;  Sie, 
der  Urheber  und  Verfasser  jener  herrlichen  Schriften,  in  welchen  di«" 
hierländigen  Stände  zu  ihrem  onsterbUchen  Ruhme  allen  tUnrigen  mit 
dem  Beispiele  der  edelsten  Freimüthigkeit  vorgeleuchtet  und  die  dem 
Lande  und  der  Majestät  gleich  schreckbaren  Folgen  des  nach  Willkür 
verletzten  Eigenthumsrechtes  mit  so  lebhaften  Farben,  mit  so  vielem 
Nachdrucke  geschildert  haben;  Sie,  der  redlichste  Patriot|  der  erste 
steierische  Biedermann,  der  auch  nun  in  dem  so  sehr  verwickelten 
Geschäfte  der  Zurückbringung  des  alten  Steuerfusses  und  der  vorigen 
Urbarial-YerfiBtssung  durch  seine  vie^ährige  erprobte  Einsicht,  Klugheit 
und  Verwendung  AUes  erschöpft  hat,  um  den  Wunsch  der  gesammten 
Herren  Stände  so  ganz  vollkommen  erfüllen  zu  machen  u.8.w.  (Kon- 
zept von  der  Hand  des  laudschaftl.  Sekretärs  Mitscha  im  L.-A) 

2* 


kehrte,  welchen  Joseph  IL  nie  anschlug,  auch  wenn  er  durch 
st&ndiadie  EinBtreuungen  Lieblings  plane  gefllhrdet  sah. 

Dessennngeaclitet  trnuerten  an  seinem  Sarge  die  Stftnde 
der  Steiennark  so  wenig,  als  die  der  übrigen  ftsf^ireichischen 
Lande. 

Sein  Nachfo^r,  Leopold  II.,  hörte  bei  seiner  Anktinft 
in  Oesterreich  die  Stände  bitter  über  die  Unbilden  klagen, 
welche  ihnen  seit  Jahrzehnten  zugefügt  worden  seien  und  als 
deren  vornehmste  Veranlassung  ihm  Joseph's  Ungestüm 
bezeichnet  wurde.  Derlei  Klagen  drat^n  zuerst  bei  der  Her- 
reise durch  Tirol  an  sein  Ohr;  zu  Brück  an  der  Mur  ver- 
nabm  er  sie  aus  dem  Munde  einer  Deputation,  die  sich  ihm 
am  11.  M&rz  1790  Namens  der  Stände  der  Steiermark  vor- 
stellte und  um  die  Erlaubnisa  bat,  dass  deren  Vertrauens- 
männer ihm  die  bezüglichen  Beschwerden  nach  seinem  Ein- 
treffen in  Wien  ausführlich  darlegen  dürfen.  Dies  wurde  auch 
gestattet ')  Bevor  ^er  noch  die  bezügliche  Denkschrift  in 
seine  Hände  gelangte,  kam  er  dem  dringendsten  Wunsche  der 
steiermärkischen  Stände  durch  die  Aufhebung  der  Jo- 
sepbinischen  Grundsteuer-  und  Urbarial-Gesetze 
entgegen.  Ein  Fräsidiat-Schreiben  des  obersten  Kanzlers  vom 
28.  März  1790  verständigte  davon  den  Laodeschef, 
indessen  auch  die  Stände  des  Landes  auf,  über  die  M< 
der  Aufhebung  Anträge  zu  erstatten. 

Dieser  Aufforderung  entsprachen  dieselben  bereit 
später").  Was  sie  verlangten,  zeugte  von  geringem  ^ 
nisse  der  Sachlage  und  von  sehr  oberflächlicher  W 
der  Zeitumstände.  Graf  Ferdinand  Alterns  setzte  d 
würfe  dM  Majestätsgesuches  noch  die  trotzigen  Worte 
Stände  mllssten  sich  fUr  alle  Zukunft,  jede  „was  immi 
liabende  Rectificatiou ,  Ausgleichung  oder  Perequat 
Grundsteuer  imd  der  Urbarialleistungen  nämlich)  aufc 
iichste  ^^bittep". 

"""  '■  4/)jkPZ0O  (Koiuwpt  im  L.-A.). 
•>  ^i^'ci^/  f  V    mittel«  der  vorsiürten  Adreise. 


—     21     — 

Am  Schlüsse  des Majestätsgesuches  heisst  es:  „Wir  ha- 
ben noch  viel  zu  bitten,  aber  auch  nur  Vater  Leopold, 
unser  huldreichster,  gnädigster,  reichester  Landesfürst  kann  viel 
gewahren,  denn  seht  Reichthum  sind  die  Herzen  seiner  Unter- 
thanoiL^ 

Mit  dieser  Anspielung  auf  Leopold's  II.  Wahlspruch  glaubten 
der  genannte  ständische  Verordnete  und  die  sein  Konzept  gut- 
heissenden  Theilnehmer  an  einer  Landtagssitzui^,  die  am 
30.  März  1790  stattfand,  den  Monarchen  für  ihre  weiteren  An- 
hegen  gttnstig  zu  stimmen. 

Als  nun  gar  durdi  ein  a.  h.  Handschreiben  von  29.  April 
1 790  0  dei"  oberste  Hofkanzler  Graf  Kolowrat  ermädbiiget  wurde, 
die  Stände  der  Steiermark,  gleich  denen  der  übrigen  öster-' 
reichischen  Erblande,  aufzufordern,  sie  möchten  nidit  nur  ihre 
Beschwerden  genau  formuliren,  sondern  auch  aber  d  i  e  Wi  e  d  e  r- 
einftthrung  der  unter  den  vorhergehenden  Re- 
gierungen geschmälerten  ständischen  Verfassung 
sich  äussern,  —  da  kannte  die  Freude  oder,  richtiger  ge- 
sprochen, der  Uebermuth  der  sogenannten  Stände  keine  Orenzen 
m^r.  Sie  übersahen  ganz,  dass  es  in  jenem  Handschreiben 
liinsichthch  der  ständischen  Verfassung  hiess:  es  sollten  um- 
ständliche Vorschläge  erstattet  werden  „auf  was  Art  dies^e 
mit  Rücksicht  auf  die  gegenwärtigen  Umstände 
und  ohne  Bebürdung  des  Landes  oder  des  Aera- 
riums  wieder  hergestellt  werden  könne''.  Sie  beachteten  es 
kaum,  dass  jenes  Handschreiben  an  erster  Stelle  den  Ständen 
die  Aufgabe  zuerkannte,  Vorkehrungen  zu  beantragen,  „damit 
die  wieder  einzuführenden  alten  Steuern  nicht  in  das  Stocken 
gerathen,  die  innerliche  Ruhe  und  Zufriedenheit 
aller  Steuerpflichtigen  erhalten  und  dem  Unterthan 
nach  Thunlichkeit  durch  das  patriotische  Benehmen  der  Stände 
und   Grundherren   Erleichterung   verschafft    werde, 


<)  Original  im  M.-A.  IV  H.  4.  (5  ex  Migo  1790,  Nied.-OeBte]Teich).  In 
Anbetracht  der  Wichtigkeit  dieses  Aktenstückes  bringen  wir  den  Wort- 
laut in  der  Beilage  I  sam  Abdrucke,  obschon  dasselbe  nicht  bloss 
die  Stdennark  angeht. 


—     22     — 

wie  auch  so  viel  möglich  und  der  BiUigkdt  gemftss  die  Re- 
luirung  der  Roboten  in  Geld  nach  dem  Verlangen  der  meisten 
Unterthanen  von  den  Obrigkeiten  angetragen  werden  mttge, 
welches  zur  Befriedigung  derselben  sehr  zu  wünschen  wäre.'' 

Diese  deutlichen,  wohlgememten  Winke  blieben,  wie  gesagt, 
mbeachtet 

Die  Stände  beeilten  sich  mit  der  Ausarbeitung  ihrer  Be- 
schwerdeschrift. Da  das  gewöhnliche  Konzeptspersonal  weder 
in  die  Kränkungen,  über  die  nun  Klage  geführt  werden  sollte, 
tief  genug  eingeweiht,  noch  im  Stande  war,  innerhalb  der 
nächsten  paar  Monate  alle  einschlägigen  Punkte  zu  Papier  zu 
bringen,  theilten  sich  am  19.  Mai  1790  neun  Ausschussräthe 
in  die  umfangreiche  Arbeit '). 

Das  Zustandekommen  der  Denkschrift  über  die  alte  Lan- 
desverfassung wurde  durch  Berathungen  unliebsamer  Natur, 
deren  sich  die  Stände  gleichwohl  nicht  entschlagen  konnten, 
verzögert 

Es  handelte  sich  nämlich  um  die  Beschwichtigung  des 
mit  der  Bückkehr  zur  alten  Besteuerungsweise  und  zum  alten 
Unterthänigkeitsverhältnisse  keineswegs  einverstandenen  Theiles 
der  Bevölkerung.  Die  Publikation  des  bezüglichen  landesfüret- 
liehen  Patentes  hatte  sich  bis  zum  Juni  des  Jahres  1790  ver- 
zögert, obschon  dasselbe  schon  in  den  ersten  Tagen  des  Mo- 
nates Mai  unter  Mitwh-kung  des  Grafen  Ferdinand  Attems 
festgestellt  worden  war.  Die  Stände  boten  bei  dieser  Gelegen- 
heit Alles  auf,  um  sich  hinter  der  unantastbaren  Person  des 
Herrschers  zu  verschanzen  und  schoben,  im  eigentlichen  Sinne 
des  Wortes,  dieselbe  vor.  -)  Sie  erwirkten  auch,  dass  der  Kaiser 


^)  Akt  von  obigem  Datum  im  L.-A. 

*)  Relation    der    ständischen  Deputirten    vom    11.  Mai  1790   im  L.-A.  ! 

Ausser  dem  Grafen  Attems  nahmen  an  der  Deputation,  die  sich  an's 
kaiserliche  Hoflager  begab  (und  von  dort  den  Steiermark.  Her- 
zogshnt  mit  sich  nach  Graz  zurückbrachte),  der  Fürst- 
bischof von  Seckau,  ein  Graf  Johann  Brandis  und  Dr.  v.  Griendl  theil. 
Der  Landtag  hatte  sie  bereits  am  31.  M&rz  1790  erw&hlt  und  sie 
waren  es  auch,   die  den  Kaiser  Leopold  bei    seiner  Durchreise  zu  | 

Brück  an    der  Mur  begrüssten.    Dabei  lief  eine  Täuschung  unter,  y 


—     23     — 

sieb  herbeiliesB,  drei  Bogenaimte  Mntterabdrücke  de«  Patentee 
in  dentocher  und  drei  in  slovenischer  Sprache  mit  seiner  eigen- 
hiiidigen  Unterschrift  versehen  den  Ständen,  welche  sie  ihm 
vorlegten,  zuzunütteln,  damit  solcher  Gestalt  von  Letzteren 
dem  Gerüchte,  sie  seien  die  Urheber  der  rückläufigen  Mass- 
regd,  mit  unumstösslichen  Belegen,  dass  der  Kaiser  siever- 
ftge,  entgegengetreten  werden  könne. 

Das  Grazer  Gubemium  suchte,  um  des  Kaisers  An- 
sehen besorgt,  der  Sache  eine  andere  Wendung  zu  geben, 
indem  es  die  Stände  einlud,  sich  bei  der  mündlichen  Yerhut- 
barung  des  Patentes  seitens  der  Kreisämter  durch  Mitglieder 
des  Herrenstandes  (so  hiess  damals  die  hlVchste  Adelsklasse) 
vertreten  zu  lassen.  Graf  Ferdinand  Attems,  der  die  Ge- 
schäfte der  Landschaft  damals  leitete,  lehnte  jedoch  die  Ein- 
ladung Namens  der  Stände  am  6.  Juni  1790  ab,  indem  er, 
unwillkürlich  den  Herrenstand  und  sich  selber  an- 
klagend, bemerkte:  ehie  solche  Intervention  könnte  nur  die 
schon  herrschende  Aufregung  vermehren  ').  Sie  unterblieb  also, 


welche,  obschon  kaum  beabsichtiget,  dem  an  rieh  schon  trfigerischen 
Vorgange  noch  mehr  das  Gepräge  einer  Mystifikation  aufdrückte.  Wie 
aus  einer  Zuschrift  des  Oberst-Erbland*  Marschalls  Grafen  Joh.  Georg 
▼on  Sanrau  an's  steierm.  Gubemium  vom  23.  Juli  1790  erheUt,  war 
jener  Graf  Brandis  gar  kein  Mitglied  der  St&nde  und  erst 
seit  4  Jahren  in  Steiermark  ansftssig,  daher  nicht  berechtiget,  im 
Namen  der  hiesigen  Landschaft  als  deren  Repräsentant  yor  dem 
Throne  zu  erscheinen.  Das  Versehen  wurde  am  14.  August  1790  da- 
durch gut  gemacht,  dass  der  damals  versammelte  Landtag  in  aller 
Eile  dem  Grafen  das  Indigenat  verlieh.  Die  einschlägigen  Akten  ver- 
wahrt das  L.-A. 
')  Akt  fan  L.-A.  Wie  wenig  die  Stftnde  sich  aber  die  Wirkung  täuschten, 
welche  die  Wiedereinfhhrung  des  Theresianischen  Grundsteuersystems 
und  die  Vereitelung  der  von  den  Unterthanen  ersehnten  üibarial- 
Regttlirang  haben  mussten,  wie  bange  ihnen  vor  den  Folgen  ihres 
sdbstsflchtigen  Vorgehens  war,  geht  schon  aus  der  Adresse  vom  1. 
April  1790  hervor,  in  welcher  sie  den  Kaiser  baten,  nicht  nur  das 
beaflgliche  Patent  eigenhändig  su  unterschreiben  und  es  mit  seinem 
Siegel  SU  bekräftigen,  sondern  auch  dasselbe  von  allen  Kanseln  aus 
dem  Laadvolke  verkOnden,  ja  „die  gesammte  Geistlichkeit  dahin  er- 
mahnen tn  lassen,  dass  rie  jenen  Kredit  und  jenes  Ansehen,  so  de 


—     24     — 

waa  indessen  nicht  hinderte,  dass  im  Cillier  Kreise  bald  darauf 
Unruhen  ausbrachen,  die,  wenn  sie  gleich  mit  der  Grundsteuer 
und  oüt  den  eigentlichen  UrbariaUasten  nichts  zu  schaffen 
hatten^  doch  der  Besorgniss  der  Grundholden  vor  dem  aber- 
maligen Erstarken  der  grundherrlichen  Gerechtsame  und  vor  dem 
Missbrauche  dieser  durch  herrschaftliche  Beamte  entsprangen  '). 

Während  nun  die  Stände  auf  Befehl  des  Kaisers  mit  einem 
Projekte  des  Grafen  Cajetan  Auersperg,  wie  derartige 
Unruhe  für  die  Folge  vermieden  werden  könnten,  sich  be* 
schäftigten  und  die  Gttltenbesitzer  unter  ihnen  Angesichts  der 
in  dem  Projekte  ihnen  angesonnenen  Opfer  sich  wechselseitig 
ihre  Noth  klagten,  ruhte  die  staatsrechtliche  Aktion. 

Erst  am  13,  JuU  1790  brachte  der  damals  versammelte 
Landtag  die  Verfassungsfrage,  so  vidi  an  ihm  lag,  zu  einem 
vorläufigen  Abschlüsse,  indem  er  das  vom  Grafen  Ferdinand 
Attems  stylisirte  Majestätsgesuch,  womit  die  emstweilen  voll- 
endete Denkschrift  über  die  alte  Landesverfassung  dem  Kaiser 
überreicht  werden  sollte,  guthiess. 


vermöge  ihres  Amtes  Aber  ihre  Ptietrrgemeiudeii  besitzen,  dahin  an- 
wenden sollen,  das  Landvolk  über  diese  lediglich  auf  Gerechtigkeit 
und  Billigkeit  sich  grilndende  a.  h.  Verfügung  zu  belehren".  Die  Re- 
gierung entsprach  diesem  Wunsche  durch  ein  Hofdekret  vom  2.  Mai 
1 790.  Andererseits  unterliess  es  allerdings  auch  die  Landschaft  nicht, 
sftmmtliche  Landstftnde  und  Gültenbesitzer  der  Steiermark  zur  Mässi- 
gung  und  Bescheidenheit  bei  Geltendmachung  der  herrschaftlichen 
Redite  za  ermahnen  und  darauf  hinzuweisen,  wie  nöthig  es  sei,  dass 
die  herrschaftlichen  Beamten  die  ünterthanen  ^mit  Sanftmuth  über  die 
gereohtefiten  Gesinnungen  des  Landesfürsten  belehren  und  in  ailwe^ 
mit  Güte  behandeln".  Es  geschah  dies  mittelst  eines  Cirkulares  vom 
11.  Mai  1790,  welches  die  Unterschrift  des  .Xandtags -Kommissärs" 
Grafen  Stürgkh  imd  die  des  „ ständischen  Verordneten''  Grafen  P'erd. 
Attems  trägt.  Die  bezüglichen  Akten  verwahrt  das  L.-A. 
')  Wir  behalten  uns  bevor,  diesen  wenig  bekannten  Yolksaufstand,  der 
sich  auf  die  Umgegend  von  Gilli  beschränkte,  bei  anderer  Gelegenheit 
eingehend  zu  besprechen.  Den  nächsten  Anlass  dazu  gab  die  Einhe- 
bung des  seit  1774  von  der  Landschaft  gepachteten  Weinaufschlages 
bei  den  slovenischen  Bergholden  der  unteren  Steiermark.  Die  Land- 
schaft betraute  nämlich  damit  die  Dominien  und  gestattete,  dass  diese 
unter  dem  Titel  der  Perzeptionskosten  vom  Startin  Wein  9  kr.  noch 


_     25     — 

In  diesem  Majestätegesüche  0  heisst  es:  ^Nieht  so  viel  um 
zierliche  Einkleidung  unserer  Worte,  ate  um  richtige,  auf  That- 
Sachen  sich  füssende  Darstellung  des  Wesentlichen  besorgt, 
wird  diese  Schrift  nur  das  Garage  der  aufrichtigsten^  uneigen- 
nützigsten Absicht,  das  allgememe  Wohl  unseres  theuersten 
Vaterlandes  zu  befördeni,  an  sich  tragen  (^führen'').  Unser  Au- 
genmerk war  einzig  der  aus  dem  Ursprung  der  bür- 
gerlichen Gesellschaft  hergeleitete  Endzweck  der  ganzen 
Gesetzgebung,  nämlich:  Liebe  zur  Erhaltung  und  Buhe/ 

Nachdem  das  Gesuch  dem  Kaiser  noch  in  Aussicht  ge- 
stellt, dass  durch  dessen  Grewährung  „der  Nationalgeist 
verhältnissmftssig  werde  gehoben  werden"^,  schliesst  es  mit  fol- 
gender Apostrophe:  „Von  Dir,  geliebtester  Vater,  Vater  so 
vieler  Nationen,  dem  Herzen  nach  Zahl  der  Millionen  entgegen- 
strömen, von  Dir  erwarten  wir  unser  Glück." 

Die  mit  dem  Gesuche  vorgetragenen  Bitten  betrafen: 

1.  Die  Einsetzung  eines  vom  Gouverneur  verschie- 
denen Landeshauptmannes,  der  den  Ständen  treue 
Erfüllung  seiner  Amtspflichten^  darunter  die  der  Wahrung 
der  Landesfreiheiten,  zu  geloben  hättä. 

2.  Die  Einsetzung  eines  Landes-Verwesers,  dessen 
Aufgabe  es  wäre,  dem  Gerichte  zu  präsidiren,  vor  wel- 
chem die  MitgUeder  der  Stände  sammt  ihren  Angehörigen 
nur  durch  Ihresgleichen  Recht  zu  empfangen  hätten. 

3.  Die  Zusammenstellung  des  Ausschuss-Kollegiums 
aus  den  beiden  vorgenannten  Würdenträgem,  dem  Seckauer 
Fürstbischöfe,  sämmtlichen  Prälaten  des  Landes, 
sämmtlichen  ständischen  Verordneten  (auch  den  ausgetre- 
tenen), 5  zu  wählenden  Mitgüedeni  des  Herren-  und  gleich- 
viel zu  wählenden  Mitgliedern  des  Ritterstandes. 

4.  Die  Zusammensetzung  der  Verordnetenstelle  aus  einem 
Prälaten,  2  Mitgliedern  des  Herrenstandes  und  einem  Ritter. 

separat  einhoben.  Dazu  kam,  dass  die  Beamten  dieser  Gruudobrigkeiteu, 
wie  wenigstens  die  CnterthaneB   behaupteten,  nicbt  selten  halbvolle 
Weinfässer  für  voU  tazirt,  ongegohrenen  Wciu  der  Besteuerun;^  ein- 
beasogen  und  sieb  überhaupt  verhasst  gemacht  hatten. 
')  Konzept  im  L.-A. 


—     26     — 

5.  Die  Zulassung  eines  statidisohen  BeiHriseiitaiiteii  am  Hof- 
lager, der  daselbst  allen  Sitzungen  der  Ttteimgten  Hof- 
stelle beizuwohnen  und  mit  dem  Monarchen  selbst  jeder- 
zeit hl  umnittdbaren  Verkehr  zu  treten  befugt  sein  sollte. 

6.  Die  Bestdlung  eines  standischen  Generaleinnehmers  aus 
dem  Herrenstande. 

7.  Die  Unterordnung  der  st&ndischen  Buchhaitang  unter 
die  ständischen  Kollegien  mit  Ausschluss  j e d e r 
Staatskontrolle,  die  nicht  das  den  Standen  bloss 
vom  Staate  Übertragene  Kreditwesen  zum  Gegen- 
stände hat 

Daran  reihten  sich  noch  eine  weitllkufige  Vorstellung  wider 
den  Bestand  der  Kreisftmter  und  die  in  der  Beschwerdesciuift 
entwickelten,  zum  Theile  an's  frtthe  Mittelalter  ge- 
mahnenden Anliegen. 

So  nahmen  z.  B.  die  Stande  das  langst  abgeschaffte,  selbst 
den  Kht^hen  und  Klöstern  entzogene  Asylrecht  ftür  die  land- 
schaftlichen Gebftude  in  Anspruch,  beAlrworteten  sie  die  Wie- 
dereinsetzung der  Grundherrschaften  in  eine  Menge  von  Be- 
/ugsrechten  mittelalterlichen  Ursprunges :  in  das  Recht,  Grund- 
holden, welche  mit  ihren  Giebigkeiten  im  Rückstände  sind, 
abzustiften,  d.  h.  Ton  dem  Gute,  auf  dem  sie  sitzen,  wegzu- 
weisen; in  die  Befiigniss,  das  im  Brucker  und  Judenburger 
Kreise  einmal  bestandene  sogenannte  DrittIgeM,  d.  h.  bei 
jed^  Besitzveranderung  33  \t  Percent  Tom  Werthe  der  Ünter- 
thans-Realitat  zu  erheben  u.  s.  w.  Nicht  einmal  mit  dem  zarten 
Geschlechte  hatten  sie  Erbarmen,  sondern  sie  yeiiangten:  es 
werde  diesem  gegenüber  das  seine  Ausstattung  und  sein  Erb- 
recht zu  Gunsten  der  Brüder  beschränkende  Herkonunen,  wor- 
nach  z.  B.  selbst  eine  Tochter  vom  Herrenstande  von  ihrem 
VatMT  höchstens  3000  fl.  sollte  erben  und  1000  fl.  zur  Aus- 
stattung eriialten  können,  wieder  in  Wirksamkeit  gesetzt 

Die  Stande  würden  sich  bei  diesen  Kundgebungen  ihrer 
Wünsche  wahrscheinlich  mehr  Mässigung  auferlegt  haben,  wenn 
sie  nicht  von  der  Voraussetzung  ausg^angen  waren :  sie  hatten 
darüber  allein  mit  dem  Monarchen  zu  yerfaandehi  oder 


—     27     — 

es  werde  dieser  hOdusMos  ein  paar  ibrem  Anliegeii  geneigte 
Geheimräthe  darQber  vernehmen. 

Auf  timliehe  Weise  hatte  Leopold  ü.  allerdings  unmittelbar 
nach  seinem  Eintreffen  in  Oestetreich  die  Klagen  der  Stände 
über  das  Josephinische  Steuer-  und  Urbarial-System  ontersuchen 
lassen,  indem  er  durch  Handschreiben  vom  27.  Man  1790 
eine  Kommission  damit  betraute,  in  die  er  den  ObersChofmeister 
Fürst  Starhemberg  als  Vorsitzenden,  f^ner  den  Oberstkämmerer 
Grafen  Rosenberg,  den  Staatsraths  -  Präsidenten  Orafen  Hatz* 
feld,  den  obersten  Hofkanzler  Orafen  Kolowrat,  den  Grafen  Carl 
Zinzendorf,  den  Landrechtspräsidenten  Baron  Löhr,  den  ge- 
heimen Staatskanzleirath  Baron  Spielmanii,  endlich  die  Hofräthe 
von  Koller  imd  Graf  Odonel  berief. 

Diese  noch  am  Tage  ihrer  Berufung  zusammengetretene 
Kommission  erledigte  die  ihr  zugewiesene  Aufgabe  mit  eteer 
Hast,  wdche  kein  ruhiges  Abwägen  von  Vemunftgrttnden  zu- 
liess  und  bestand  auch  zumeist  aus  notorischen  Gegnern  des 
fraglichen  Systems,  so  dass  die  Stände  damals  ihren  Willen 
rascher  durchsetzten,  als  sie  selber  zu  hoffen  gewagt  hatten  '). 

Seither  aber  war  Leopold  E.  inne  geworden,  wie  s  chlech t 
man  ihn  damals  berathen  hatte.  Gerade  die  in  Steiermark  aus- 
gebrochenen Unruhen  mahnten  ihn  zur  Vorsicht 

Er  empfing  daher  nicht  nur  nicht  die  Deputirten  der  steier- 
märldsehen  Stände,  welche  sich  im  Juli  1790  zur  Reise  nach 
Wien  rüsteten,  um  jenes  Migestätsgesuch  sammt  den  Beilagen 
ihm  persönlich  zu  übergeben,  sondern  ordnete  viebnehr  an, 
dass  diese  Schriftstücke  zunächst  der  vereinigten  Hof- 
stelle zur  Vorprüfung  übergeben  werden  sollen  *). 

Femer  befahl  er,  den  Ständen  zu  bedeuten,  dass  er  zwar 
vor  der  Entscheidung  über  ihre  Eingaben  ihnen  noch  Ge- 
legenheit geben  wolle,  diese  durch  Deputirte  aus  ihrer  Mitte 
zu  rechtfertigen,  dass  jedoch  zu  diesem  Ende  von  ihnen  nicht 
mehr  als  zwei  Personen  abgesendet  werden  dürften.*) 


*)  Ezcerpt  des  Frefliemi  C.  von  Hock  ans  den  Staatsratbs- Akten. 
*)  Gnbernial-Iiitiiiiat  Tom  28.  Juli  1790  im  L.-A. 
*)  Oubeniial-Intmiat  Tom  8.  August  1790  im  L.-A* 


—     28     — 

Und  AalChdein  durch  eine  am  14.  August  vorgenommene 
NeuwaM  die  Grafen  Ferdinand  Attems  und  Jobann 
Brand is  lüezu  erkoren  worden,  dauerte  es  noch  beinahe 
7  Monate,  bis  dieselben  am  Rathstische  der  Staatskonferenz 
zu  Wort  kamen. 

Ich  abergehe  die  Intriguen,  welche  damals  gespielt  wuixien^ 
um  denselben  dennoch  den  Zutritt  beim  Monarchen  zu  er- 
wirken und  wie  in  Folge  dieser  Schachzüge  bald  ihnen  eine 
Audienz  zugesagt,  bald  wieder  verweigert  wurde.  Eine  Reise, 
zu  welcher  sich  der*  Kaiser  entschloss  und  während  welcher  er 
vom  6.  bis  zum  8.  September  in  Graz  weilte,  bot  den  Stän- 
den eine  erwünschte  (vielleicht  auch  von  ihnen  oder  von  ihren 
Gönnern  vorbereitete)  Gelegenheit,  ihre  Anliegen  schliessUch 
doch  im  Rücken  der  vereinigten  Hofstelle  dem  Monarchen  vor- 
zutri^en,  und  an's  Herz  zu  legen  *)•  Dieser  aber  hütete  sich,  in 
Abwesenheit  seiner  Minister  eine  Entscheidung  hierüber  zu  treffen* 

Er  übergab  vielmehr  sämmtliche  Schriftstücke  den  kom- 
petenten Hofstellen  zur  Berichterstattung.  Um  diese  zu  verein- 
fachen und  die  auftauchenden  Meinungsversdiiedenheiten  zum 
Austrage  zu  bringen,  ohne  dass  er  selber  sie  aUe  zu  verneh- 
men brauchte,  ordnete  er  sogenannte  Staats-Konfarenzen  an, 
in  welchen  die  ihm  vorzulegenden  Schlussanträge  formulirt 
werden  sollten. 

Dazu  fanden  sich,  vom  Kaiser  berufen,  auch  die  oben  ge- 
nannten Deputirten  ein  ^).  Sie  reisten  in  den  letzten  Tagen  des 


^)  Es  geschah  dies  wahrscheinlich  am  8.  September.  Bei  der  an  diesem 
Tage  veranstalteten  Stadtbeleuchtung  prangte  am  Palais  des  Grafen 
Ferdinand  Attems  die  durch  Lampen  construiite  Inschrift :  „Leopold, 
den  besten  Herzog,  preiset  ganz  Steiermark."  (Anhang  zum 
Grazer  Merkur  Nr.  78  vom  11.  September  1790.)  Der  Augnstiner- 
ChorheiT  Raimund  Ant.  Mftller  brachte  diese  separatistische  Ansdiauung 
noch  nach  dem  Tode  des  Monarchen  zum  Ausdrucke,  indem  er  1702 
zu  Graz  (bei  Leykam)  einen  demselben  gewidmeten  Nachruf  unter  dem 
Titel  „Rede  auf  Leopold  denll.,  den  sechsten  Herzog  dieses 
Namens  von  Steiermark**  drucken  Hess. 

*)  Der  Kaiser  bediente  sich  zu  deren  Verständigung,  dass  nun  die  Zeit 
gekommen  sei,   wo  sie  an  seinem  Hoflager   erscheinen  dOrften,   des 


—     29     — 


Monats  Januar  1791  —  so  lange  ht^te  sich  eben  der  Abschluss 
der  von  den  Hofetellen  gepflogenen  Vorverhandlungen  verzögert 
—  nach  Wien,  stellten  sich  am  Tage  nach  ihrer  Ankunft  dem 
Kaiser  und  am  1 .  Februar  dem  Kronpnnzen  (Erzhwzog  Franz)  vor. 


Gk>uyemetir8  von  Innerösterreich,  Grafen  Khevenhiller,  welcher  dem 
gemäss  unterm  24.  Januar  1791  seinem  SteUvertreter  in  Graz  brieflich 
dies  mittheüte.  Die  erste  Bewilligung  dieser  Art  hatte  Leopold  II. 
demselben  Grafen  Khevenhiller.  wie  wenigstens  dieser  behauptete, 
Mitte  August  1790  mündlich  ertheilt  und  ein  Gubemial-Intimat 
vom  19.  August  setzte  auch  die  steiermärkische  Landschaft  davon  in 
Kenntniss.  Allein  schon  4  Tage  später  erhielt  die  Hofkanzlei  in  Folge 
einer  Yontellung,  die  sie  sich  auf  die  Kunde  hievon  erlaubt  hatte, 
vom  Kaiser  die  Ermächtigung,  den  Deputirten  bedeuten  svl  lassen, 
dass  sie  bloss  zur  üeberreiohung  des  Yerfassungsentwnrfi&s  und  ihrer 
sonstigen  Begehren  bei  Hof  erscheinen  dürften;  unmittelbar  darauf 
hätten  sie  sich  wieder  heim  zu  begeben.  Graf  Khevenhiller  getraute 
sich  nicht,  dieses  Dekret  dem  Landes  -  Ausschusse  vorzuenthalten, 
f&gte  jedoch  der  Intimation  (ddo.  30.  August  1790)  die  Bemerkung 
bei:  dass  wenn  der  Ausschuss  wünscht,  die  Abgeordneten  möchten 
dennoch  länger  in  Wien  weilen,  es  ihm  unbenommen  sei,  dieselben 
darüber  „gehörig  zu  belehren  und  anzuweisen,  was  sie  hiewegen 
unserem  allergnädigsten  Könige  vorzutragen  und  um  was  sie  ihn  etwa 
femers  zu  bitten  hätten^.  (L.-A.)  Nichtsdestoweniger  blieb  er  noch 
5  Monate  lang  Chef  der  steiermärkisehen  Landesstelle.  Einige  Tage, 
nachdem  er  endlich  dieses  Postens  enthoben  worden  war,  richtete  er 
(am  6.  Febr.  1791)  von  Wien  aus  an  den  ständischen  Ausschuss  ein 
Abschiedsschreiben,  in  welchem  er  sich  als  dessen  „gehorsamster 
Diener*^  unterzeichnet  und  demselben  für  das  durch  9  Jahre  ihm  ge- 
schenkte Vertrauen  dankt  Der  Ruf  des  Monarchen,  heisst  es  darin, 
der  ihn  zum  n.  ö.  Landmarschall  ernannt  habe,  können  in  ihm  nur 
diejenigen  C^efülüe  wecken,  deren  „ein  daakvolles,  redliches  Gemttth 
bei  einem  solchen  Abzüge  fähig  ist**.  Er  wünsche  nor^  den  Ständen 
insgesammt  oder  Einzelnen  unter  ihnen  noch  femer  „seine  Dienstbe- 
gierde**  bezeigen  zu  können.  Daranf  antwortete  der  Ausschuss  untemi 
14.  Febr.  1791  durch  die  Hand  des  Ausschussrathes  v.  Rosenthal: 
die  9  Jahre,  während  welcher  Kherenhiller  Chef  der  Stände  gewesen, 
werden  „für  die  ständischen  Jahrbücher  zu  den  glücklichen  gehören^. 
Insbesondere  dankte  ihm  der  Anaschnss  für  den  Schutz,  welchen  er 
den  Ständen  „in  der  stürmenden  Periode  des  Versuchs  eines  neuen 
Steuerfusses  habe  angedeihen  lassen,  um  wieder  die  Rechte  des  Eigen- 
thums  iii  ihrem  Vaterlande  hergestellt  zu  sehen*'.  (L.-A.) 


—     80     - 

Am  9.  liftra  1791  fand  die  erste  „Zusammentretimg**  der 
stAndischen  Abgeordnetai  mit  den  Repräsentanten  der  be- 
theiUgtm  Hofstellen  statt,  nachdem  letztere  am  5.  März  eine 
Vorbeaprecbung,  welcher  auch  der  Präsident  des  innerttsterr. 
(TubemiumsGrafStürgkh  beiwohnte,  gehabt  hatten.  Die  Grafen 
Attema  und  Brandis  brannten  vor  Ungeduld.  Ihnen  lag  daran, 
daa  ständische  Verfassungs-Operat  aus  den  Händen  des  Kaisei^s 
mit  dessen  Genehmigung  versehen  zurückzuerhalten,  oder 
wenigstens  einige  wesentliche  Punkte,  wie  namentlich  die  Be- 
willigung eines  vom  Landeschef  verscliiedenen  Landeshaupt- 
mannes beim  Kaiser  durchzusetzen,  bevor  noch  die  bezüglichen 
Konferenzen  beginnen  würden.  Sie  bestürmten  desshalb  den 
Monarchen,  erlangten  aber  zunächst  nichts,  als  die  Zusage, 
dass  eine  Entscheidung  nicht  getroffen  werden  sollte,  bevor  sie 
in  der  Konferenz  vernommen  worden  wären.  Als  nun  am 
5.  März  die  oben  erwähnte  Vorbesprechung  unter  dem  Vor- 
sitze der  Erzherzoge  Franz  und  Ferdinand  abgebalten  wurde, 
ohne  dass  man  sie  zuzog,  erbaten  sie  sich  eine  neue  Audienz, 
in  welcher  sie  dem  Kaiser  mit  Berufimg  auf  die  sichtliche 
Ungeneigtheit  der  Hofstellen,  sie  zu  erhören,  abermals  ver- 
sicherten, wie  so  ganz  in  seine  Einsicht  allein  sie  ihr 
Vertrauen  setzten.  Der  Kaiser  antwortete  ausweichend.  Da 
wagten  sie  das  Aeusserste.  Von  dessen  bevorstehender  Abreise 
Anlass  nehmend,  überschickten  sie  ihm  am  7.  März  durch  den 
dienstthuenden  Kammerherm  ein  Bittgesuch,  worin  sie  auf  Er- 
ledigung des  ständischen  Organisations-Planes  m  letzter  Stunde  i 
drangen.  Dies  fruchtete.  Der  Monarch  beschied  bevor  er  abr 
reiste  noch  den  Grafen  Attems  zu  sich  und  eröffnete  dem- 
selben mündlich:  er  habe  der  Hofkanzlei  bereits  aufgetragen, 
die  steiermarkischen  Stände  zu  benachrichtigen,  dass  er  ihnen 
einen  besonderen  Landeshauptmann  und  das  Recht,  ihm  12 
Kandidaten  dafür  in  Vorschlag  zu  bringen,  zugestehe.  Mit  den 
übrigen  Anliegen  verwies  er  jedoch  die  D«putirten  an  die  Kon- 
ferenz, die  dann  auch  erwähnter  Massen  am  9.  März  im  Bei- 
sein derselben  abgehalten  wurde.  Gross  war  die  Verstim- 
mung, welche  sich  der  oftgenannten  beiden  Grafen  bemächtigte, 


—     31     — 

als  sie  schMesalich  doch  in  eii^  Yersaimiiliing  der  ansge- 
zeichnetsten  StaatsmUimer,  die  Oesten^eicb  damals  besass,  Über 
das,  was  sie  ursprunglich  ohne  Ausnahme  nur  dem  Monarchen 
anzuvertrauen  und  zur  Sanction  gleichsam  unterzuschieben  ge- 
dachten, Rechenschaft  zu  geben  sich  gezwungen  sahen.  *)  Der 
bezüglich  der  Landeshauptmannstelle  erzielte  Erfolg  war  nicht 
zu  verachten,  doch  er  verschwand  neben  der  Masse  des  noch 
zu  Erreichenden.  Die  Entrostung  der  so  bitter  Enttäuschten 
wuchs,  als  sie  die  Einwendungen  vernahmen,  auf  deren  Wider- 
legung  sie  vor  Allem  bedacht  sein  mussten. 

Opponenten  gegenüber,  wie  die  Grafen  Kolowrat  und 
Edling,  die  Freiherren  vonKresel  und  von  Waidmannsdor^  der 
Justizhofraih  von  Keess  waren,  hielt  es  schwer,  Stand  zu 
halten. 

Allerdings  hatten  die  Grafen  Attems  und  Brandis  durch 
die  vom  Kaiser  bewilligte  Nachwahl  eines  Deputirten  aus  iim 
geistlichen  und  emes  aus  dem  Bitterstande  Succurs  erhalten  *). 
Der  Pr&lat  von  Admont,  Gotthard  Eugebnayer,  und  em  Doktor 
derBechte  aus  Graz,  Franz  Xaver  von  Feldbacher,  waren  ihnen 
demzufolge  durch  den  Landtag  a4iungut  worden  ')•  Doch  fim- 
den  sich,  gleichermasaen  vom  Kaiser  berufen,  auch 
noch  zwei  andere  Steierm&rker  zur  Debatte  Ober  die 
Verfassungsangelegenheit  m  Wien  ein,  nftmlich :  der  als  Anwalt 
des  Bitterstandes  sich  gerirende  Herrschafts*Besitzer  v  o  n  M  o  s- 


*)  Relationeii  der  Tom  Landtage  gew&hlten  Deputirten  aa  das 
AttSBcfauss-EoUegium  vom  6.  und  13.  ICirz  1791  im  L.-A. 

^  Die  beiflgliclie  BewfiQiguiig  notifisirte  der  Ooovemeur  Qraf  Kheven- 
luUer  dem  damali  schon  zu  seinem  Nachfolger  aasenehenen  Grafen 
Stflrgkh  nntenn  29.  Jannar  ITM.  (L*-A.)  Die  Geschichte  dieses  Zage- 
sUndniBses  und  seiner  Verwirklichnng  geben  wir  in  der  Beilage  IL  Sie 
charakterisirt  das  Verhalten  des  steierm.  Herrenstavdes 
dem  niederen  Adel  gegenüber. 

*)  Die  Wahl  &nd  am  8.  Febmar  statt  Zwei  Tage  später  langten  die 
Gewählten  bereits  in  Wien  an.  Am  6.  Febmar  hatten  lie  niglefch 
mit  den  froher  schon  eingetroffenen  Deputirten  Audieni  beim  Kaiser. 
(Reiserelation  vom  6.  Mftra  1791  im  L.-A.) 


—     32     — 

millern  und  der  AltbOrgenneister  der  Stadt  Leoben,  Anton 
Raspe r,  den  die  landesfürstlichen  St&dte  und  Markt«  mit 
Erlaubniss  des  Kaisers  durch  förmliche  Wahl  als  ihren  Vertauens- 
mann  bezeichnet  hatten  0- 

Die  Debatte  drehte  sich  vornehmlich  um   zwei   Punkte: 

1 .  Ob  den  Ständen  der  Wirkungskreis,  den  sie  beanspruchten, 
eingeräumt  werden  könne? 

2.  Ob  ausser  dem  Adel  und  der  Geistlichkeit  auch  das 
Bürgerthum  und  vielleicht  selbst  die  Bauernschaft 
zur  Mitwirkung  bei  den  ständischen  freschäften  heranzii- 
ziehen  wäre? 

Bis  dahin  war  die  Bauernschaft  in  Steiermark  vom  hmd- 
schaftUchen  Verbände  ausgeschlossen,  das  Burgerthum  aber 
hatte  aus  dem  sechzehnten  Jahrhunderte,  wo  es  unbestritten 
den  vierten  Landstand  ausmachte,  in  die  Neuzeit  bloss  den 
Schatten  seines  vorigen  Einflusses  herübergerettet  Dieser 
Schatten  war  der  sogenannte  Städte  -  Marschall,  welcher  die 
mehr  lächerliche  als  rühmliche  Aufgabe  hatte,  3 1  steiermärkische 
Städte  und  Märkte  im  Landtage  zu  vertreten,  d.  h.  in  deren 
Namen  abzustimmen  und,  wenn  Geistlichkeit  tmd  Adel  es  ihm 
vergönnten,  in  deren  Namen  zu  sprechen. 

Biese  traurige  Rolle  hatte  das  Bürgerthum  satt  bekommen. 
Die  nominell  den  vierten  Stand  bildenden  Städte  und  Märkte 
beanspruchten  nun  jede  und  jeder  für  sich  das  Recht, 
den  Landtag  beschicken  zu  dürfen.  Und  da  ihr  bisheriger  Ver- 
treter weder  im  ständischen  Verordneten-KoUegium  (so  lange 
dieses  noch  bestai\den  hatte),  noch  im  ständischen  Ausschusse 
sass,  so  drangen  sie  auf  Zulassung  ihrer  Repräsentanten  in 
beiden  Kollegien* 

Sie  stützten  sich  oder  beriefen  sich  vielmehr  dabei  auf 
Urkimden,  welche  ihre  Begehren  als  in  der  alten  Landesver- 
fassung begründet  erscheinen  lassen   sollten'),  doch  machten 

')  Zuschrift  des  Dr.  F.  K..Winierl  an's  L  ö.  Gubemium  vom  12.  Jan. 
1791  im  L.-A. 

)  Der   Loser  findet   die   beKüglichen  AUegato   in   der  den  Akten  des 


—     33     — 

sie  auch  kein  Hehl  daraus,  dass  das  Bewusstsein  ihrer  wachsen- 
den politischen  Bedeutung,  das  wieder  erwachende  SelbstgefOhl 
des  Bürgers  sie  bestinunte,  derartiges  zu  fordern. 

Sie  hatten  auch  schon,  bevor  sie  den  Anton  Raspor  nach 
Wien  abordneten,  damit  er  den  Sitzungen  der  Staatskonferenz 
beiwohne,  am  Orazer  Landtage  durch  ihren  „Marschall*',  den 
Grazer  Advokaten  Dr.  Winterl  (in  dessen  diminutivem  Namen 
schier  ihre  Zurücksetzung  anklingt)  —  ihre  Forderungen 
geltend  gemacht;  waren  jedoch  hier  auf  wirklich  verletzende 
Weise  zurückgewiesen  worden  *). 

Die  drei  höheren  St&nde  erklärten  das  Petitum  der  Bürger- 
schalt für  eine  Anmassung,  die  auf  Unkenntniss  des  echten 
historischen  Rechtes  oder  auf  Verdrehung  desselben  beruha  Sie 
widersetzten  sich  sogar  den  Versuchen  der  Bügerschaft,  in  Wien 
Gehör  zu  finden.  Nun  Hessen  in  der  That  die  geschichtlichen 
Kenntnisse  der  Wortführer  der  Städte  und  Märkte  viel  zu 
wünschen  übrig.  Nichts  beweist  dies  besser,  als  die  naive  Sieges- 
zuversicht, womit  ihre  im  August  1790  am  kaiserlichen  Hoflager 
weilenden  Deputirten  am  Tage,  nachdem  sie  beim  Kaiser  Audienz 
gehabt  und  diesem  ein  Promemoria  behändigt  hatten,  ein  neues 
Miqestätsgesuch  überreichten  '),  um  dem  Monarchen  die  in  ihren 


M.-A.  entnommenen  Beüage  IV  angedeutet,  welche  ihn  auch  Mit 
den  Einwendungen  der  oberen  Stände  nnd  mit  dem  Stand- 
punkte, den  diese  einnahmen,  genauer  bekannt  macht. 

*)  M^jestfttsgesuch  der  städtischen  Deputirten  ddo.  Brack  a.  d.  M. 
8.  Angst  1790  im  M.-.A.  Dasselbe  trägt  die  Unterschriften  des  Leobner 
Bürgers  Ant  Raspor,  des  Gräser  Bürgers  Frans  Haas  und  des  Knittel- 
felder  Borgers  Jos.  Weninger  ,im  Namen  der  landesftkrstL  Städte 
und  Mftrkte  Steiermarks**.  Die  Mandate  dieser  drei  Vertrauensmänner, 
welche  bald  darauf  die  Reise  nach  Wien  antraten,  sind  Ton  Georg 
Fidel  Schmidt,  als  dem  Gewaltträger  der  Städte  und  Märkte  des 
Marburger  Kreises,  von  Frau2  Haas,  als  dem  der  St  u.  M.  des  Cillier 
Kreises,  von  Frans  Dimböck,  als  dem  der  St.  u.  M.  des  Brucker 
Kreises,  von  Jos.  Fohr  (Föhn?),  Bürgermeister  des  Marktes  Obdach, 
als  dem  der  St.  n.  If .  des  Judenburger  Kreises  und  von  Ant  Andreas 
Pachler,  als  dem  der  St  u.  M.  des  Graser  Kreises  ausgesteUt 

*)  Dasselbe  ist  vom  14.  August  1790  datirt,  Ton  Raspor,  Haas  und 
Weninger  unterzeichnet  (M.-A.) 

3 


—     94     — 

Augen  hochwhtige,  bei  einem  Besuche  der  Hotbibliothek  ge- 
machte Entdeckung  zu  melden,  dass  in  einem  Exemplare  der 
steirischen  Landbandveste,  das  ihnen  dort  vorgewiesen  worden 
war,  unter  den  unterfertigen!  des  sogenannten  Brucker  Libells 
der  Grazer  Bathsbürger  Schrott  und  der  Leobner  Stadtrichter 
Hynker  aufgeführt  seien. 

So  schwach  aber  auch  die  geschichtliche  Begründung 
dessen,  was  die  Bürgerschait  anstrebte,  war,  so  wenig  die  von 
ihr  damals  Abgeordneten  durch  ihr  persönliches  Auftreten  im- 
ponirten,  so  erfreuten  diese  sich  doch  in  den  Wiener  Re- 
gierungskreisen einer  zuvorkommenden  Aufnahme.  Denn  die 
Ideen  des  1 8.  Jahrhunderts  bahnten  ihnen  die  Wege,  geleiteten 
sie  und  verliehen  ihnen  einen  Rückhalt,  der  stäricer  war,  als 
die  Beweiskraft  des  Brucker  Libells  vom  Jahre  1519. 

Man  hatte  eben  in  jenen  Kreisen  damals  ein  feines,  bald 
nachher  abhanden  gekommenes  Verständniss  für  die  Vorboten 
der  Stürme,  welche  zunächst  in  Frankreich  losbrachen,  weil 
man  hier  auf  die  warnenden  Anzeichen  zu  wenig  geachtet  hatte. 

Hierin  übertrafen  Leopold  II.  und  die  Mehrzahl  seiner 
Räthe  alle  übrigen  europäischen  Regierungen  der  damaligen  Zeit, 
selbst  die  preussische  nicht  ausgenommen. 

An  keinem  anderen  Hofe,  der  noch  nicht,  wie  der  fran- 
zösische,  von  der  Revolution  überfluthet  war,  bekannte   man 
sich    damals  zu  Grundsätzen,    wie    das    von  Leopold  II.  am 
14.  Oktober  1790  zu  Frankfurt  am  Main  unterzeichnete  Manifest 
sie  ausspricht  Darin  verheisst  nämlich  der  Kaiser  den  Belgiern  : 
er  wolle    „allen   Vereinen   (Versammlungen),   geistlichen   und 
weltlichen  Gemeinden  und  allen  jenen  Privatmännern,  deren 
Vaterlandsliebe  und  Einsicht  dem  Staate  nützen  können,  Zu- 
tritt zu  den  ständischen  Versanunlungen  und  Sitz  daselbst  ge- 
währen." ')  Die   ungarischen  Stände  aber  forderte  er  mittelst 
der  Landtags-Proposition  vom  10.  November  1790  auf,  industrie- 
reichen oder  (Jurch  Handelsbetrieb  hervorragenden  Orten  den 
Bang  könig{/^||er  Freistädte  zu  verleihen,  damit  sie  als  solche 
der  J^dst^.^jjaft  theilhaft  würden,  sowie  überhaupt  die  Her- 

'J  Onü^  ^X.  ^on  1790.  Nr.  94. 


—     86     — 

stelluug  des  Gleichgemchts  zwischen  den  verschiedenen  Ständen 
(aequilibrium  inter  diversos  Status  et  Ordines  stabiliri)  sich 
angelegen  sein  zu  lassen. ')  Er  bethfttigte  damit  Begierungs- 
maximen, welche  er  in  einem  Schreiben  vom  25.  Januar  1790 
an  die  Erzherzogin  Marie  Christine  dieser  anvertraut  hatte 
und  mit  Rücksicht  auf  welche  Adam  Woli^  dem  wir  die 
korrekte  Veröffentlichung  jenes  Schreibens  verdanken  Oi  den 
Ausspruch  thut:  Leopold  sei  „nach  dem  Ausdrucke  unserer 
Zeit  Constitutionen"  gesinnt  gewesen. 

Nicht  minder  gilt  dies  von  einem  Theile  der  höheren  und 
höchsten  Staatsbeamten,  welche  damals  in  Oesterreich  an  der 
Lösung  von  Verfassungsfragen  mitzuarbeiten  berufen  waren. 

Zeuge  dessen  ist  das  Konferenz-ProtokoU,  welches  über  die 
am  5.  und  9.  M&rz  1791  in  Betreff  der  steiermärkischen  Landes- 
verfassung gepflogenen  Berathungen  aufgenommen  wurde. ') 

Der  Referent,    Freiherr  von  Waidmannsdorf,^) 


0  De  Laca,  Geogr.  Handbuch  von  dem  Osterr.  Staate,  IV.  Bd.,  8.  688 
bis  641. 

^  Leopold  n.  und  Marie  Christme,  Ihr  Briefwechsel,  V^ien  1867,  8. 80  bis 
86.  Bttcksichtlich  Belgiens  sprach  er  schon  am  12.  Juni  1790  die 
Absicht  aus:  mit  den  Ständen  über  eine  i^repräsentation  plus  ezacte 
et  plus  considerable  et  juste  de  la  campagne  et  da  plat  pays**  an 
verhandeln. 

^  Als  Gegenstück  theilen  wir  in  der  Beilage  V.  aus  den  Akten  des 
M.-A.  dieAeusserung  des  innerösterreichi  sehen  Guberninms 
vom  17.  September  1790  mit,  welches  das  ständische  Gutachten  vom 
8.  September  1790  (Beilage  IV)  „platterdings"*  unter  st  ütsen 
itt  sollen  glaubte.  Da  dieselbe  wirkungslos  verhalltOi  kommt 
sie  eben  nur  als  Gegenstück  zu  den  Ansichten,  welche  bei  den  Wiener 
Ho&tellen  damals  vorherrschten,  in  Betracht  und  ist  sie  als  kultur- 
historisches Material  im  Anhange  an  ihrem  Platze. 

^ )  Bereits  zum  Gouverneur  von  Tirol  designirt,  war  er  erst  seit  Kurzem 
dennoch  mit  diesem  Referate  betraut,  weil  der  Kaiser  mit  Handbillet 
vom  25.  Jänner  1791  einen  Wechsel  sämmthcher  Referenten  über 
die  Länderanliegen  dem  obersten  Hofkanzler  zur  Pflicht  gemacht  und 
dieser  in  der  Eile  einen  geeignetere  Mann  nicht  zu  ermitteln  vermocht 
hatte.  Auch  die  ,,De&iderien"  von  GOrz  undGradiska  waren  ihm  zur 
Antragstellung  zugewiesen   (M.-A.) 

3* 


—     36     — 

Insserte  die  Memung:  es  würde  zum  Besten  des  Landes  vor- 
zQgliclk  beitragen,  wenn  den  künftigen  Deliberationen  des  stän- 
dischen Ausschusses  wenigstens  konsultando  (mit  berathender 
Stimme)  auch  etwelche  Vertreter  des  Bürger-  und 
Bauernstandes  in  Gegenständen,  welche  beide  betreffen, 
beigezogen  werden  wollten,  was  in  Ansehung  des  Bürger- 
Standes  um  so  weniger  Anstoss  erregen  könnte,  als  es  nicht 
verneint  werden  mag,  dass  die  steirischen  landesfürstlichen  Städte 
und  Märkte  von  jeh^  einen  Mitstand  ausmachten,  und  weil 
überhaupt  feststehe,  dass  das  Wohl  des  ganzen  Landes,  das 
der  echte  Wunsch  der  Stände  sein  muss,  nicht  gut 
besorgt  werden  könne,  wenn  man  nicht  auch  zugleich  für  die 
Erhaltung  des  Bürgers  im  aufrechten  Stande  sorgt,  als  der 
das  nothwendige  Mittelding  zwischen  Herren  undUnterthanenist. 

Die  Beiziehung  der  Repräsentanten  des  unterthänigen 
Standes  (der  Bauern)  dürfte  zwar  den  Ständen  anfänglich 
weniger  einleuchten  wollen,  da  diese  als  Gültenbesitzer  die 
Vertretung  ihrer  Unterthanen  sich  selber  zu  vindiziren  gewohnt 
wären;  allein  wenn  man  in  reife  Ueberlegung  zieht,  dass  der 
Unterthan  in  dem  heutigen  Zeitlauf  bei  weitem  nicht  mehr  — 
weder  hinsichtlich  seiner  Denkungsart  noch  in  Anbetracht  seiner 
Besitzverhältnisse  —  derjenige  sei,  der  er  vorhin  gewesen, 
dass  er  sich  schwer  eine  Behandlung  würde  gefallen  lassen, 
wie  er  sie  ehemals  erlitt,  sondern  dass  er  überhaupt  nun  mehr 
und  richtiger  denke,  auch,  seit  mehreren  Jahren  schon  mit 
verschiedenen  B^ünstigungen  begabt,  seinzweiDrittheile 
d^s  Landes  umfassendes  Eigenthum  ebenso  zu 
schätzen  wisse,  wie  jeder  andere  Eigenthümer  das  seinige,  so 
erscheint  es  —  meinte  der  Freiherrr  von  Waidmannsdorf  — 
für  die  Stände  selber  rathsam,  den  Unterthan  vor  Entschei- 
dungen über  sein  Schicksal  durch  seine  voraussichtlich  be- 
scheidenen Vertreter  zu  vernehmen,  statt  es  auf  Zerwürfiiisse 
ankommen  zu  lassen,  die  zum  Widerrufe  bereits  gefasster  Be- 
schlüsse nöthigen  könnten. 

Der  hierauf  bezügliche  Antrag  des  Referenten  blieb  je- 
doch in  der  Minorität  Die  Mehrzahl  der  Theilnehmer  an  der 


—     37     — 

Staats-Konferenz  erblickte  darin  eine  allzu  radikale  Umgestal- 
tung der  Landesverfassung  und  besorgte,  ,,da8s  die  Stimmung  des 
Unterthans"  sodann  zu  unerquicklichen  Auftritten  führen  könnte. 

Dem  Btlrgerthume  dagegen  gestand  die  Staats-Con- 
ferenz  das  Anrecht  auf  stärkere  Betheiligung  bei  der  ständi- 
schen Landesverwaltung  rilckhaltslos  zu,  obschon  die  4  Depu- 
tirten  des  steiermärkischen  Landtages,  welche  dieser,  vom  so- 
genannten Herrenstande  beherrscht,  aus  seiner  Mitte  gewählt 
hatte,  eine  solche  Nachgiebigkeit  sehr  übel  vermerkten  *).  Na- 
mentUch  setzte  der  oftgenannte  Graf  Attems  auf  diese  Wahr- 
nehmung hin  alle  Hebel  in  Bewegung,  um  die  Anerkennung 
der  Städte  und  Märkte  als  eines  gleichberechtigten  ständischen 
Faktors  zu  hintertreiben.  Leopold  E.  widerstand  dem  Sturm- 
laufe. Am  1 7.  Mai  benachrichtigte  die  vereinigte  Hofstelle  den 
steiermärkischen  Landeschef  Grafen  Stürgkh  von  der  a.  h.  Ent- 
schliessung,  kraft  welcher  im  ständischen  Yerordneten- 
Kollegium  fürderhin  auch  ein  Deputirter  der 
Städte  und  Märkte  Platz  nehmen  sollteund  die- 
sen obendrein  vergönnt  war,  nach  Kreisen  grup- 
pirt,  je  2  Vertreterin  den  Landtag  zu  senden*)  so 
dass,  da  das  Land  damals  in  5  Kreise  zerfiel,  das  Bürgerthum 
nunmehr  einschliesslich  seines  Repräsentanten  im  Verordneten- 
Kollegium,  dort  11  Stimmen  abzugeben  hatte,  statt  sich  mit 
der  herkömmlichen  einzigen  begnügen  zu  müssen. 

Der  Herrenstand  betrachtete  diese  a.  h.  Entscliliessung 
nicht  als  feststehend.  Er  machte  im  Laufe  des  Sommers 
des  Jahres  1791  und  bis  spät  in  den  Winter  hinein  wieder- 
holt Versuche,  den  Kaiser  zur  Zurücknahme  derselben,  sowie 
anderer,  ihm,  dem  Herrenstande,  missliebiger  Bestimmungen 
zu  bewegen.  Graf  Attems  hielt  sich  zu  diesem  Ende  fast  ohne 


')  S.  die  Konferenz-Protokolle  vom  5.  und  9.  März  1791  im  M.-A.  Sie 
tragen  die  Unterschrift  der  beiden  Hofkanzler  Graf  Kolowrat  und  Frei- 
herr ▼  EreseL  Der  Kaiser  nahm  ihren  Inhalt  aar  Kenntnisa,  ohne 
sich  sofort  schon  darüber  zu  äussern. 

*)  Haupt-Resolution  auf  Grund  der  Berathungsergebnisse  vom  6.,  9.  und 
16.  M&rz  1791  im  M.-A. 


—     88     — 

Unterbrechung  in  Wien  auf,  nahm  beim  Kaiser  so  oft  Audienz, 
als  er  nur  vorgelassen  zu  werden  hoffen  durfte  und  überreichte 
bei  solchen  Anlässen  nicht  weniger  als  drei  Majestätsgesuche  '). 
Jedesmal  erlaubte  er  sich  da,  im  Namen  der  steiermär- 
kiscben  Stände  zu  sprechen,  besass  aber,  seit  (am  9.  August 
1791)  deren  Neubildung  vor  sich  gegangen  war,  nur  ein  vom 
neuemannten  Landeshauptmanne  ausgestelltes  Kreditiv ').  Nichts- 
destoweniger nahm  der  Monarch,  der  es  für  seine  Pflicht  hielt, 
jede  Beschwerde  seiner  Unterthanen,  mochten  diese  nun  hoch- 
gestellte Leute  oder  niedrigen  Ranges  sein,  huldvoll  anzuhören, 
auch  jene  Gesuche  entgegen  und  Übergab  sie  den  betreffenden 
Hofstellen  zur  Berichterstattung.  Ja,  er  ordnete  sogar,  um  über 
das  letzte  der  Attems'schen  Gesuche  desto  rascher  ein  in  sich 
abgerundetes  Gutachten  zu  erhalten,  eine  Staats-Konferenz  an. 
welche  am  30.  November  1791  zusammentrat  Ihr  wohnten 
unter  dem  Vorsitze  des  Erzherzogs  Franz  der  oberste  Hof- 
kanzler Graf  Kolowrat  mit  seinem  Adlatus  Baron  Kresel,  femer 
die  Staatsräthe  Eger  und  Izdenczy,  der  Präsident  der  Hofrechen- 
kammer, Graf  Carl  Zinzendorf,  der  Hof  kammer-Präsident  Graf 
Rudolf  Chotek,  die  Hofräthe  Graf  Edling,  Beckhen  ),   Keess 


^  Sie  befinden  Bich  unter  den  einschlägigen  Akten  des  M.-A.  (26  ex 
Januar  1792  J.  Oe.) 

*)  Einem  Promemoria  vom  IS.  November  1791  legte  Graf  Alterns  zar 
Bekräftigung  seines  Inhaltes  ein  Schreiben  des  Landeshauptmannes 
Grafen  Breuner  vom  5  November  bei,  worin  dieser  seinen  Vorsatz, 
daferae  die  ständische  Vorstellung  an  den  Kaiser  vom  9.  August  1791 
keinen  Erfolg  hätte,  auf  seinen  Posten  zu  resigniren,  ausspricht,  da 
die  Stände,  namentlich  aber  der  Herrenstand,  durch  Entziehung  ver- 
schiedener Gerechtsame  um  ihr  Ansehen  gebracht  würden.  Graf  Attems 
bat  nun  den  Kaiser,  diese  Eingaben  nicht  mehr  , durch  den 
ordentlichen  Weg,  wie  bishero"  erledigen  zu  lassen.  Sonst  würde 
die  Resolution  neuerdings  abweislich  lauten,  „ohne  dass  die  Stände  über- 
zeugt wären,  sich  unrecht  beschwert  oder  unschiksam  gebeten  zu  haben". 
Das  beste  Auskunftsmittel  wäre,  wenn  der  Kaiser  eine  eigene  Kom- 
mission von  2  oder  3  »unbefangenen'*  Männern  einsetzen  wollte,  die 
Alles  zu  prüfen  und  sodann  „gerade  an  Eure  Majestät  die  Re- 
lation zu  erstatten  hätten". 

*)  Richtiger:  Beckh  und  der  bekannten  steiermärkischen  Familie  der 


—  So- 
und Büschin  bei.  Auch  Graf  Attems  war  auf  Befehl  des  Kai- 
sers eingeladen  worden,  dabei  zu  erscheinen  und  erschien  wirk- 
lich. Graf  Edling  referirte  über  dessen  Gesuch.  Das  üblicher 
Weise  an  den  Kaiser  adressirte  Protokoll  der  Konferenz  ')  be-f 
ginnt  mit  den  Worten :  „Vor  der  Hand  muss  hier  bemerkt  wer- 
den, dass  die  heutige  Konferenz  bloss  aus  schuldigstem  Ge- 
horsam für  höchst  dero  gnädigste  Aufträge  abgehalten  wird; 
denn  es  lauft  gerade  wider  die  vom  Jahre  1748  bestehende 
und  von  Eurer  Majestät  selbst  genau  bestimmte  und  öfters 
bestätigte  Ordnung,  ständische  Schriften  hier  zu  erledigen,  die 
nicht  von  allen  Klassen  der  Stände  verfasst  und  von 
der  vorgesetzten  Landesstelle  vorschriftsmässig  beurtheilt  und 
hieher  einbegleitet  werden." 

Im  Verlaufe  des  Referats  wird  dem  Grafen  Attems  der 
Text  gelesen,  mitunter  so  derb,  dass  der  Anwesende  vor  Be- 
schämung knirschen  musste.  Er  hatte  aber  auch  die  Hofstellen 
beim  Monarchen  geradezu  verklagt,  sie  beschuldigt,  den  Monar- 
chen hmtergangen  imd  gegen  die  Stände  Partei  genommen 
zu  haben.  Daran  hatte  er  die  Bitte  geknüpft,  die  von  ihm 
überreichten  ständiscJien  Anliegen  nicht  mehr  ;,  durch  den  or- 
dentlichen Weg,  wie  bisher"  der  Erledigung  zuzuführen,  sowie 
er  andererseits  dem  Kaiser  das  Bedenken,  dass  Alles  schon 
eigentlich  entschieden  war,  durch  die  Versicherung  auszureden 
suchte:  der  Kaiser  sei  viel  zu  gerecht  und  gütig,  um  ein  für 
allemal  eine  Bitte  abzuschlagen.  Und  was  er  nicht  selber 
zu  sagen  wagte,  das  liess  er  den  greisen  Landeshauptmann 
Grafen  Brenner  in  einer  dem  Gesuche  beigelegten  Denkschrift 
sagen. 

Da  heisst  es  denn:  die  den  Städten  und  Märkten  ein- 
geräumte Stellung  sei   eine  beispiellose  Kränkung  der  ständi- 


Beckh-Widmanstetter  verwandt.  In  dessen  Biographie  bei 
Winkler,  biogr.  u.  litterar.  Nachrichten,  Grätz  1810,  S.  18, 
ist  dieser  Verwandtschaft  nicht  gedacht;  ich  verdanke  die  be- 
zügliche Notiz  dem  Schriftführer  des  histor.  Vereines  für  Steiermark, 
Herrn  k.  k.  Oberlieutenant  L.  Beckh-Widmanstetter. 
*)  Original  im  M.-A. 


f 


—     40     — 

sehen  Rechte;  in  Niederösterreich,  wo  der  vierte  Stand  doch 
den  fünften  Theil  der  ganzen  Landeskontribution  trage,  dürften 
dessen  Vertreter  den  Landtagen  bloss  stehend  beiwoh- 
nen und  nur  so  lange,  als  die  Verhandlung  über  das  landes- 
fürstliche Postulat  dauert ;  in  Steiermark  dagegen,  wo  sie  nicht 
einmal  den  27.  Theil  der  Landeskontribution  leisten,  sollten 
sie  nicht  nur  eine  VerordnetensteUe  zu  besetzen  haben,  son- 
dern auch  vielfaches  Stimmrecht  bei  Verhandlungen,  die  sie 
nicht  berühren.  —  Hiezu  bemerkte  nun  der  Referent  Graf  E  d- 
ling,  das  sei  offenbar  ein  Privatanliegen  des  Grafen  Attems, 
der  sich  des  Landeshauptmannes  zu  seiner  Deckung  bediene, 
und  es  sei  um  so  verdächtiger,  als  die  gemeinnützigsten 
Vorschläge  bisher  gerade  von  den  Städten  und  Märkten  aus-  , 

gegangen  wären.  Graf  Edling  empfahl  daher,  durch  den  steier-  j 

märkischen  Landeschef  „allen  vier  Klassen  der  Stände  einen  [ 

wohlüberdachten  Vorschlag  abzufordern,  ^le  mit  Vermeidung 
aller  Neckereien  ihre  wechselseitige  Verbindung  zum  Wohle 
der  guten  Sache  noch  enger  geknüpft  werden  könne  ?^ 

Graf  Carl  Zinzendorf  bemerkte:  r Gerechtigkeit  ist  die 
erste  Pflicht  des  Landesfürsten ;  weil  nun  die  Bürger  ebenso,  wie 
alle  Klassen  der  Stände  ein  repräsentirender  Körper  sind,  so 
ist  es  Pflicht  des  Landesfürsten,  da«s  er  einen  Deputirten  des 
Bürgerstandes  dem  Verordneten-Kollegium  beiziehe.  In  der 
Dominikaikontribution  stehen  allerdings  die  Bürger  dem  Adel 
nach.  Doch  dieser  steht  mit  dem,  was  er  an  Steuern  zahlt, 
noch  weit  mehr  hinter  der  Rustikalkontribution  (der  Steuer- 
schuldigkeit der  Bauern)  zurück.  Die  Bürger  sind  die  grössten 
Konsumenten ;  ihnen  sich  zu  nähern,  gebietet  das  eigene  wohl- 
verstandene Interesse  aller  Produzenten,  somit  auch  des  die 
Landwirthschaft  betreibenden  Adels.  Gerade  in  Innerösterreich 
ragt  der  Bürgerstand  durch  seinen  Reichthum  hervor  und  ver^ 
breitet  er  nach  allen  Richtungen  hin  Wohlhabenheit.  Das  allein 
rechtfertigt  seine  Aufnahme  in  das  Verordneten-Kollegium  der 
Stände.'' 

Hofrath  v.  Keess  that  die  merkwürdige  Aeusserung:  Die 
Stände  kämen  dermalen  nur  als  die  Repräsentanten  des  Volkes 


f 


—     41     — 

in  Betracht ;  das  allgemeine  Wohl  sei  der  Zweck  ihres  Daseins ; 
darüber  aber  habe  der  Bürger  am  ehesten  mitzusprechen  und 
den  Bauer  dürfe  man  auch  nicht  länger  mehr  bei  Seite  setzen. 
Wolle  man  von  Ständen  des  Landes  reden  und  diesen  Ein- 
fluss  aufs  ganze  Land  gewähren,  so  müsse  man  Bürger 
und  Bauern  dazu  gesellen.  Die  bisherigen  Stände  vertraten, 
im  Grunde  genommen,  nur  Ein  Interesse,  wenn  sie  gleich  in 
drei  Abtheilungen  gespalten  seien,  nämUch  das  der  Dominien 
(des  herrschaftlichen  Grossgrundbesitzes).  Und  dennoch  sprächen 
sie  im  Namen  des  Volkes.  Soll  das  keine  unleidliche  Anmas- 
sung  sein,  so  müssen  sämmtliche  Klassen  der  Bevölkerung  im 
Gremium  der  Stände  sich  das  Gleichgewicht  halten.  Wünscht 
man  Stände  in  diesem  Sinne,  so  geht  es  nun  und  nimmer 
an,  den  vierten  Stand  von  den  Ständen  der  Steiermark  aus- 
zuschliessen  *). 

Vorstehende  Bemerkungen  gaben  dem  Grafen  Rudolf  C  h  o- 
tek  Anlass,  sein  staatmännisches  Talent  durch  die  Prophe- 
zeiung zu  erproben,  dass,  wenn  man  einmal  dahin  käme,  sich 
auf  den  Standpunkt  des  Hofrathes  v.  Keess  zu  stellen,    man 


0  Bei  einem  anderen  Anlasse,  der  jedoch  nicht  ausserhalb  des  Rahmens 
dieser  Abhandlung  liegt,  kehrte  wieder  Kee  ss  mehr  den  Monarchisten 
hervor,  der  er  in  der  That  war,  obschon  ihn  seine  Feinde  einen  Jaco- 
biner  schalten.  Als  nämlich  die  Anliegen  der  steiermärkischen  Stände 
bei  der  obersten  Justiz  stelle  einer  strengen  Kritik  unterzogen  wurden, 
stiess  sich  Keess  an  dem  Begehren:  dass  iu  Zukunft  kein  Ge- 
setz erlassen  und  keine  Yerfassu  ngs-Einrichtun  g 
geändert  werde,  ohne  dass  dieStände  ihre  Einwilligung 
geben.  Das  —  erklärte  Keess  —  laufe  der  monarchischen  Staats- 
verfassung zuwider,  sei  mit  dem  allgemeinen  Wohle  unvereinbar  und 
klinge  um  so  dreister,  nachdem  hierzulande  weder  der  Bauern-  noch 
der  Bfirgerstand  vollberechtigtes  Glied  der  Körperschaft,  die  sich  der- 
artige Migestätsrechte  anmasse,  ist.  FreimtUhig  müsse  er,  wie  unter 
der  vorigen  Regierung,  bekennen,  dass  die  Wünsche  der  Stände  auf 
Emftkhrung  einer  vermischten  Regierungsform,  wobei  die 
Aristokratie  Antheil  hätte,  abzuzielen  scheinen.  Diese  wäre  der- 
malen die  b  e  d  e  n  k  1  i  c  h  s  t  e ,  da  sie  bei  der  sich  voUziehenden  Emanci- 
pation  der  Herrschafts-Unterthanen  und  der  prodnzircndcn  Klasse 
überhaupt,  die  verhassteste  sei.  Bei  aller  Nachgiebigkeit  des  LaodM* 


f&rsten  werde  unter  solchen  Umständen  doch  keine  dauerhafte 
Konstitution  zu  erreichen  sein,  sondern  über  kurz  oder  lang  eine 
neue  Revolution.  Lieber  sage  er  dies  auf  die  Gefahr  hin,  abermaligen 
Gehässigkeiten  zum  Opfer  zu  fallen,  als  dass  er  schweigen  möchte, 
wo  es  noch  an  der  Zeit  ist,  zu  reden.  (Beilage  zu  den  Eonferenzproto- 
kollen  Yom  5.  und  9.  März  1791  im  M.-A.)  Die  betreffende  Sitzung 
der  obersten  Justizstelle  hatte  am  22.  Dezember  1790  statt 
*)  Siehe  Beilage  III.  Chotek's  Votum  verdient  es  wohl  in  der  von  ihm 
selber  redigirten  Fassung  seiner  ganzen  Ausdehnung  nach  abgedruckt 
zu  werden.  Eine  Biographie  dieses  ausgezeichneten  Staatsmannes  lie- 
ferte Prof.  Adam  Wolf  in  den  Sitzungsberichten  der  philos.-hist. 
Classe  der  kais.  Akad.  d.  Wissensch.,  Jahrgang  1852.  (IX.  Bd.  S.  48 1  ff.) 


—     42     — 

auch  unmöglich  bei  einer  Interessenvertretung  es  bewenden 
lassen  könnte,  sondern  sich  bald  gedrungen  sehen  würde, 
eine  „der  arithmetischen  Volkszahl  angemessene  Repräsen- 
tationsart*' zuzulassen,  was  mit  der  allmäligen  Hintansetzung 
der  privilegirten  lüassen  allerdings  gleichbedeutend  wäre.  Und 
dann  liesse  sich  kaum  vermeiden,  dass  die  „Repräsentanten 
aller  Volksklassen''  eines  Tags  das  Recht  unaufgefordert  zu 
reden,  sich  beimessen  und  ihre  Bitten  mit  drohenden   Ge-  ! 

berden  unterstützen  würden,  dass  sogenannte  preces  armatae 
entständen. 

Er  persönlich,  versicherte  C  h  o  t  e  k ,  missgönne  dem  Bür- 
gerstande die  fragUchen  Befugnisse  keineswegs;  doch  die 
Folgen  dieses  Schrittes  seien  unübersehbar 
und  jenes  Zugeständniss  involvire  an  sich  schon  einen  Bruch 
mit  dem  historischen  Rechte,  das  nur  dadurch  gewahrt  und 
geschont  werden  könnte,  dass  man  die  altberechtigten  Stände 
bestimmen  würde,  in  die  Neuerung  zu  willigen  '). 

Diese  Reden  und  Gegenreden  wurden,  wie  gesagt,  im 
November  des  Jahres  1791  am  Tische  der  österreichischen 
Staats-Konferenz,  in  Gegenwart  des  nachmaligen  Kaisers  Franz 
geführt,  der  sich  selbst  zwar  an  der  Debatte  nicht  betheiligte, 
doch,  wie  ein  von  ihm  verfasster  Vortrag  an  seinen  Vater 
lehrt,  damals  der  „demokratischen  Partei"  sich  zuneigte,  für  deren 
Führer  der  desshalb  viel  verläumdete  Hofrath  von  Keess  galt. 

Im  Dezember  1790   hatte   der   Erzherzog  bereits   über 


—     43     — 

selbstsüchtige  Begehren  der  niederösterreichischen  Stände  seine 
Missbilligung  mit  Worten  geäussert  die  seine  damalige  Denkart 
kennzeichnen  ')•  So  wird  er  denn  auch  schwerlich  von  den  Aus- 
führungen des  Grafen  Attems  angenehm  berührt  gewesen  sein. 
Auch  die  bei  der  Konferenz  vom  16.  März  1791  anwe- 
senden Staatsräthe  mischten  sich  nicht  in  den  Gedankenaus- 
tausch, der  da  stattfand.  Allein  wir  kennen  ihre  einschlägigen 
Ansichten  aus  den  Gutachten,  welche  sie  über  das  Ergebniss 
früherer  Konferenzen  abgaben  ').  E  g  e  r  rieth,  den  Bürger-  und 
denBauernstand  den  übrigen  Ständen  auch  in  Ansehung 
des  Rechtes,  im  ständischen  Ausschusse  vertreten  zu  sein,  gleich- 
zustellen. Wider  den  Beschluss  der  Konferenz,  diesen  Antrag 
abzulehnen,  weil  bei  der  dermaligen  Volksstimmung  es  bedenk- 
lich wäre,  darauf  einzugehen,  bemerkte  er :  in  seinen  Augen 
wäre  gerade  dies  das  emzige  und  kräftigste  Mittel,  um  der 
heutigen  Volksstimmung  jene  glückliche  Richtung  zu  geben, 
wodurch  sie  von  anderen  ausschweifenden  Rettungsmitteln  und 
Nachahmung  der  Latemgeschichte  abgehalten  würde.  Den 
Städten  und  Märkten  wollte  er  einen  Vertreter  im  Verordneten- 
KoUegium  zugestanden  wissen. 


*)  „Die  Stände  —  schrieb  er  —  scheinen  ganz  vergessen  zu  haben,  dass  ea 
die  Pflicht  des  Souveräns  ist,  nicht  nur  das  blosse  Dasein  auch  dem 
geringsten  Unterthan  zu  gönnen,  sondern  diesem  sowie  dem  grössten 
ein  behagliches  Dasein  zu  schaffen  und  wie  weit  es  mit  der  Behag- 
lichkeit des  Unterthans  gekommen,  werden  jene  am  besten  einsehen, 
die  einige  Zeit  des  Jahres  auf  ihren  Gütern  zubringen.  Auch  sollten 
die  Stände  erkennen,  dass  der  Bauer  bereits  die  Rechte 
einsieht,  welche  er  als  Mensch  fordern  kann  und 
dass  er  verlangen  darf,  als  solcher  behandelt  zu 
werden.  Ihn  durch  Einftlhrung  der  alten  ständischen  Rechte  wie- 
derum zum  Lastthier  herabwürdigen  wollen,  wdrde  von  den  übelsten 
Folgen  fflT  die  Stände  selbst  sein.  Auch  ist  sehr  auffallend,  dass  die 
Stände  sich  bestreben,  den  Einfluss  des  Souveräns  durch  seine  Stellen 
auf  das  Wohl  der  übrigen  Unterthanen  so  viel  möglich  zu  beseitigen". 
Kaiser  Leopold  erledigte  das  fragliche  Schriftstück  ganz  im  Sinne 
seines  Sohnes  unterm  15.  Januar  1791.  (£xcerpt  des  Freiherrn  Carl 
v.  Hock  aus  den  Staatsraths- Akten.) 

^)  Excerpte  des  Freiherm  v.  Hock  aus  den  Staatsraths -Akten, 


I 


—     44     — 

Fürst  Kaunitz  und  Izdenczy  stimmten  ihm  bei. 
Nur  Graf  Reischach  war  gegen  jede  Konzession  an  den 
Bttrgerstand  und  verlor  über  die  Bauern  schon  gar  kein  Wort. 

Wofür  damals  der  Kaiser  sich  entscliied,  wurde  be- 
reits erzählt.  Hatte  er  gleich  inzwischen  dem  Grafen  Attems 
mehr  Aufmerksamkeit  geschenkt,  als  dessen  Auftreten  verdiente, 
und  dem  Wunsche  nach  einem  besonderen  Landeshauptmanne  j 

gegenüber  sich  willfähriger  gezeigt,  als  die  meisten  Theilnehmer 
an  den  Konferenzen  erwarteten,  so  legte  er  sich  doch  vom 
12.  März  d.  i.  von  dem  Tage  an,  wo  er  den  Deputirten  des 
steiermärkischen  Landtages  das  eben  erwähnte  Zugeständniss 
als  vollzogen  ankündigte,  eine  gewisse  Zurückhaltung  auf;  er 
hörte  Vorstellungen  auch  jetzt  geduldig  an,  versprach,  sich  dar- 
über berichten  zu  lassen,  war  aber  schliesslich  froh,  wenn  der 
ihm  darüber  erstattete  Vortrag  keine  Umkehr  zur  Pflicht  machte. 

Gewiss  ist,  dass  Leopold  II.  durch  derlei  Behelligungen 
von  dem  in  Ansehung  des  Bürgerstandes  einmal 
Beschlossenen  nicht  abgebracht  wurde. 

Und  was  er  diesfalls  im  Widerspruche  mit  den  Verfech- 
tern des  historischen  Rechtes  verfügte,  war  auf  57  Jahre  hin- 
aus massgebend,  bildete  die  Grundlage,  auf  welcher  die  Me- 
tamorphose des  Ständewesens  sich  nachmals  vollzog,  ohne 
dass  es  hiezu  noch  einer  neuen  Grundlegung  bedurft  hätte. 

Mit  demselben  Rechte,  womit  Leopold  II.  im  Jahre 
1791  die  Stände  der  Steiermark  modemisirte,  sie  durch  die 
Beimengung  bürgerlicher  Elemente  nach  eigenem  Ermessen  auf- 
frischte, schuf  Kaiser  Ferdinand  sie  ganz  ab  und  fügte  unser 
heutiger  Monarch  Bruchstücke  davon  dem  Neubau  der  Lan- 
desverfassung ein. 

Es  würde  zu  weit  führen,  wollte  ich  hier  auch  die  durch- 
greifenden Aenderungen  schildern,  welche  der  Wirkungskreis 
der  steiermärkischen  Stände  unter  Leopold  11.  erfahren  hat 
und  durch  die  gleichfalls  auf  die  Dauer  eines  halben  Jahr- 
hunderts staatsrechtliche  Grundsätze  zur  Geltung  gebracht 
wurden,  die  den  Keim  der  späteren  Entwicklung  schon  in  sich 
trugen. 


—     46     — 

Ich  gestatte  mir  jedoch  zmn  Schlüsse,  die  mit  den  be- 
sprochenen Neuerungen  in  Eausalverwandtschaft  stehenden  Be- 
schlüsse Leopold's  n.  anzuführen,  durch  welche  die  in  Rede 
stehende  Yerfassungskrisis  im  Mai  1791  der  Hauptsache  nach 
ihren  Abschluss  fand,). 

Die  Stände  erhielten  einen  besonderen  Landes- 
hauptmann als  Oberhaupt  (und  es  war  das  das  einzige 
Zugeständniss ,  welches  sie  dem  Kaiser  im  Rücken  der  Hof- 
stellen entlockten,  worauf  hin  eben  Graf  Attems  auch  Wich- 
tigeres auf  gleichem  Wege  zu  erreichen  sich  vermass);  doch 
dieser  Landeshauptmann  durfte  nicht  ihnen,  sondern  musste 
ausschliesslich  dem  Monarchen  den  Gehorsamseid  leisten. 

Er  that  dies  dem  von  Wien  aus  festgesetzten  Zeremoniell 
gemäss  nicht  einmal  vor  den  Augen  der  Stände,  sondern  im 
Rathsaale  des  Gubemiums  zu  Randen  des  Landeschefs. 

Die  Stände  durften  ihn  sich  gewissermassen  selber 
wählen;  allein  nur  durch  Bezeichnung  von  12  Kandidaten, 
unter  welchen  der  Monarch  beliebig  wählte. 

Die  Stände  durften  femer  nach  alter  Sitte  wieder  Ver- 
ordnete als  ständige  Geschäftsführer  wählen;  allein  jeder 
Stand  hatte  aus  seiner  Mitte  den  ihm  bewilligten  Verordneten 
zu  wählen  und  nicht,  wie  ehedem,  der  ganze  Landtag  diese 
Wahl  vorzunehmen.  Ausserdem  war  die  Bestätigung  der  Ge- 
wählten dem  Monarchen  vorbehalten,  der  sie  über  Antrag  der 
vereinigten  HofsteUe  gab  oder  verweigerte. 

Die  gleiche  Bewandtniss  hatte  es  mit  den  Ausschuss- 
räthen,  die  nun  sämmtlich  gewählt  werden 
m  u  s  s  t  e  n  und  deren  Wahl  nicht  der  Herrenstand  allein  vor- 
nahm, wie  dieser  in  einem  späteren  Verhandlungsstadium 
es  als  der  Landesverfassung  gemäss  beansprucht  hatte,  son- 
demjedem  der  drei  oberen  Stände  gleichmässig 


>)  Es  ist  nicht  bloss  die  sogenannte  Hauptresolution  Leopolds  IL,  der 
ich  die  nachstehenden  Funkte  entnehme,  sondern  ich  lege  dieser  Dar- 
steUung  auch  die  Akten  des  St.-A.  zu  Grunde,  welche  wichtige  Er* 
läuterungen  darbieten. 


—    46     — 

zufiel  Dem  Ritterstande  war  es  eben  gelungen,  diesfalls 
beim  Monarchen  die  Anerkennung  seiner  Ebenbürtigkeit  durch- 
zusetzen, was,  prinzipiell  genommen,  keine  geringere  Verlet- 
zung des  Herkommens  war,  als  die  hinsichtlich  der  Yerord- 
netenwahl  dem  Bürgerstande  gemachte  Eonzession. 

Der  Posten  eines  ständischen  General-Einnehmers, 
den  Josef  IL  bereits  gestrichen  hatte,  lebte  wieder  auf;  doch 
nicht  mehr  zum  ausschliesslichen  Vortheile  des  Herrenstandes, 
der  diese  Sinekur  Jahrhunderte  lang  als  sein  Vorrecht  ausge- 
beutet hatte,  sondern  unter  der  Bedingung,  dass  bei  deren 
Besetzung  der  Herren-  und  der  Ritterstand  abwechslungsweise 
bedacht  werden  sollten. 

Die  Sitzungsprotokolle  und  Rechnungsausweise  der  Land- 
schaft unterlagen  fortan  einer  strengen  Untersuchung 
durch  die  Staatsbehörden,  was  so  gut  gegen  das 
historische  Recht  war,  wie  die  Bemessung  des  Gehaltes  der 
ständischen  Funktionäre  und  Diener  durch  die  Regierung. 

Die  Stände  durften  nun  überhaupt  ohne  Vorwissen  der 
Regierung  keine  noch  so  kleine  Ausgabe  mehr  ma- 
chen, wenn  nicht  Pauschalsummen  dafür  ausgeworfen  waren. 

Mit  dem  Antrage,  sich  am  Hoflager  durch  einen  eigenen, 
wohldotirten  Repräsentanten  vertreten  lassen  zu  dürfen, 
wurden  sie  rundweg  abgewiesen.  Höchstens  die  Aufstellung 
eines  Hofagenten  aus  der  Zahl  der  dazu  autorisirten  Wiener 
Advokaten  sollte  ihnen  gestattet  sein. 

Ebensowenig  ging  Leopold  H.  auf  die  von  den  Ständen 
gewünschte  Umgestaltung  der  Gerichtsverfassung  im  Sinne  der 
Judida  parium  ein;  vielmehr  behielt  er  sich  für  alle  Zukunft 
die  beliebige  Besetzung  der  Richterstellen  bevor  und  bedeutete 
er  ihnen,  er  werde  dabei  stets  ohne  Rücksicht  auf  Stand  und 
Geburt  vorgehen,  „da  einereine,  untadelhafte  Justizpflege  d  i  e 
erste  Pflicht  eines  Monarchen"  sei.  Uebrigens  —  setzte  er 
nicht  ohne  bittere  Lronie  bei  —  werde  es  ihm  „sehr  angenehm 
sein,  wenn  er  die  erforderlichen  Eigenschaften  vorzüglich  bei 
den  um  derlei  Rathsstellen  kompetirenden  ständischen  Mitglie- 
dern antreffen  würde". 


—     47     — 

Dieser  den  steiermärkischen  Ständen  ertheilte  Bescheid 
ist  am  so  wichtiger,  als  der  Monarch  ihn  seiner  ganzen,  drei  Folio- 
seiten füllenden  Ausdehnung  nach  eigenhändig  zu  Papier 
brachte  und  damit  auch  ein  Normativ  zur  Regelung  der  stän- 
dischen Verhältnisse  in  Kärnten  und  Erain  gegeben  war, 
auf  das  noch  Jahrzehnte  später  zurückgegriffen  wurde,  um  jede 
Ausschreitung  der  Stände  hintanzuhalten. 

Trostloser  noch  lautete  —  für  die  Stände  -■  eine  unterm 
7.  Oktober  1791  dem  Grazer  Gubemium  bekannt  gemachte  a.  h. 
EntSchliessung,  welche  in  Erledigung  der  mittlerweile  einge- 
brachten Rekurse  den  Inhalt  der  vorangeführten  Entscheidung 
mit  einer  einzigen,  später  zu  erwähnenden  Ausnahme  von 
Punkt  zu  Punkt  bestätigte  und  in  Gestalt  sonstiger 
abschlägiger  Antworten  ebenso  viele  neue  Belege  für  die  Miss- 
achtung des  historischen  Rechtes  enthielt. 

Es  war  aber  freilich  auch  gegen  das  historische  Recht, 
dass  die  Landschaft  sich  ihre  Einkünfte,  wie  es  schon  unter 
Leopold  L  geschah,  durch  die  Regierung  garantiren  liess,  dass 
sie  ihr  Besteuerungsrecht  aufs  ganze  Land  ausdehnte,  dass 
sie  in  Alles  und  Jedes  sich  mischte,  dabei  in  echt  rationalisti- 
scher Weise  den  „Ursprung  der  menschhchen  Gesellschaft^  zum 
Ausgangspunkte  nahm  und  dass  ihre  Mitglieder  in  der  Rolle 
von  Vätern  des  Vaterlandes,  die  nichts  destoweniger  auf 
dessen  Kosten  fette  Pfründen  genossen,  sich  gefielen. 

Die  Landschaft  ging  demnach  aus  der  Verfassungskrisis, 
die  ich  zum  Gegenstande  meines  Vortrages  gemacht  habe, 
bei  Weitem  nicht  so  glorreich  und  nicht  so  mächtig  hervor,  wie 
der  hohe  Adel  es  sich  gedacht  hatte. 

Sie  glich  der  alten,  geschichtlich  gewordenen  Land- 
schaft nur  mehr  äusserlich ;  ihrem  nunmehrigen  Wesensbestande 
nach  war  sie  ein  von  der  Regierung  beliebig  gemodelter, 
dieser  zu  Diensten  stehender,  ziemlich  morscher  Verwaltungs- 
Apparat 

Der  als  Antiquität  ehrwürdige,  doch  kein  Pfropfreis,  wie 
das  aufstrebende  Bürgerthum  war,  vertragende  Baum  verwelkte, 
seit  die  Axt  an  seinen  Wurzeln  lag,  seit  die  ReformUebe  tief 


—    48     — 

und  tiefer  in  sein  Mark  drangen.  Nur  die  Rinde  hielt,  obschon 
auch  zerklüftet  und  zerrissen,  ihn  noch  aufrecht 

Und  wenn  ihn  die  Regierung  eines  Tages  ganz  zu  Fall 
brachte,  so  erlitt  das  historische  Recht  dadurch  keine  grössere 
Verletzung  mehr,  als  die  war,  welche  Leopold  11.  ihm  zuge- 
fügt hatte,  indem  er  es  systematisch  zu  untergraben  begann. 

Hätte  indessen  schon  dieser  Monarch,  statt  die  Stände, 
deren  pergamentne  Gerechtsame  er  doch  kaum  eines  Blickes 
würdigte,  mit  einem  zwitterhaften  Scheinleben  abzufinden,  es 
vorgezogen,  sie  mit  bündigen  Worten  für  erloschen  zu 
erklären  (was  sie  eigentlich  doch  schon  unter  ihm  waren), 
hätte  er  einem  Bonifazius  gleich  und  dann  auch  dieses  Namens 
ebenso  würdig,  als  der  Heidenbekehrer  zu  Fulda  —  mit  der  Axt, 
welche  ihm  die  Vorsehung  in  die  Hand  drückte,  zu  einem  wuch-  j 

tigeren  Streiche  ausgeholt,  so  wären  der  Monarchie,  wären  dem  i 

engeren  Vaterlande  die  Erschütterungen  des  Jahres  1848  und  ! 

spätere  Existenzproben  sicher  erspart  geblieben. 

Denn  jene  Bewegung  hub  genau  wieder  mit  dem  Rufe 
nach  Grundentlastung,  nach  politischer  Gleichberechtigung,  kurz:  | 

nach  Realisirung  dessen  an,  was  Leopold  H.  zu  vollbringen 
sich  anschickte,  auch  grundsätzlich  verftLgte  und  nur  nicht 
in  allen  Einzehiheiten  durchführte. 

Der  Entsetzen  erregende  Verlauf  der  französischen  Revolu- 
tion —  Ende  Juni  1791  machte  bekanntlich  Ludwig  XVL  seinen 
verunglückten  Fluchtversuch ' — ,  die  davon  beeinflussten  Vor- 
gänge in  Belgien,  beunruhigende  Wahrnehmungen  im  Bereiche 
der  eigenen  Residenz,  wo  wenigstens  die  Polizeibehörde  auf  Jako- 
biner fahndete,  hatten  den  Kaiser  offenbar  zurückgebalten,  ihm  Miss- 
trauen wider  das  eigene  Werk,  Furcht  vor  dem  Rückschlage  einer 
vom  Throne  ausgehenden  Nivellirung  der  Gesellschaft  eingeflösst 

Um  diese  Scheu  zu  überwinden,  lebte  er  zu  kurz.  Und 
wie  schüchterte  nicht  das  tolle  Treiben  der  Republikaner  selbst 
noch  den  Thronfolger  ein! 

So  erklärt  es  sich  auch,  warum  die  im  Mai  1791  als  vier- 
^ederiges  Eollegiuin  bewilligte  Verordnetenstelle  nicht  lange 
darnach  (unterm  6.  August  und  7.  Oktober  1791^  um  zwei 


—     49     — 

Glieder  zu  Gunsten  des  Adels  vermehrt  und  so 
die  Gleichheit  der  Stände,  welche  öich  ursprünglich  darin  kund- 
gab, von  der  Regierung  wieder  desavouirt  wurde.  Diese  hofile 
eben,  dadurch  für  den  schlimmsten  Fall  den  Adel  sich 
zu  verpflichten  und  wähnte,  durch  eine  solche  Auszeichnung 
dessen  sinkendes  Ansehen  zu  wahren,  davon  aber  selbst  wieder 
in  der  Stunde  der  Gefahr  Nutzen  zu  ziehen.  Im  Uebrigen  waren 
das  ziemlich  irrelevante  Korrekturen ;  zumaljdie  nachträglich  bewil- 
ligte Doppelbesetzung  von  keiner  Gehaltsanweisung  begleitet  war. 

Werfen  wir  nun  noch  einen  flüchtigen  Blick  auf  ein  paar 
Persönlichkeiten,  deren  Namen  in  die  geschilderte  Verfassungs- 
krisis verflochten  sind,  so  gebührt  vor  Allem  dem  Grafen 
Ferdinand  Attems  das  Zeugniss,  dass  er  den  Kampf  um 
vermeintliche  Besitzrechte,  welchen  die  Stände  unter  seiner 
Führung  kämpften,  mit  seltener  Ausdauer,  wie  sie  eben  nur 
das,  wenn  auch  irrthümliche  Bewusstsein,  eine  gerechte 
Sache  zu  verfechten,  verleiht,  leitete  und  Niemandem  kann 
entgehen,  dass  die  engherzigen  Anschauungen,  als  deren  Ver- 
körperung er  sich  uns  darstellt,  nicht  ihm  zur  Last  fallen, 
sondern  der  Atmosphäre,  in  der  er  aufwuchs,  die  ihn  umgab. 

Zwar  erschien  noch  im  Jahre  1803  ein  Pamphlet,  das, 
aus  amtlichen  Quellen  schöpfend,  ihm  alle  erdenklichen  Schlech- 
tigkeiten vorwarf.  Der  Titel  der  Schmähschrift:  „Kampf  der 
Wahrheit  und  des  Rechtes  mit  der  Lüge  und  dem  Betrüge, 
ein  Volksüed  für  Steiermark,  in  Noten  gesetzt  von  einem  Freunde 
der  kritischen  Tonkunst"  — :  er  allein  genügt,  zu  zeigen,  dass  man 
damals  so  gut,  wie  heutzutage,  mit  Schlagworten  zu  agitiren 
verstand  ^).  Und  es  fehlte  auch  nicht  an  Huldigungen,  die  dem 
mit  Beginn  des  laufenden  Jahrhunderts  zum  Landeshauptmann 
ernannten  Grafen  dargebracht  wurden.  Ich  nenne  beispielsweise 
ein  gedrucktes  Gedicht  Kalchberg's,  das  im  Namen  der 
Stände  der  Steiermark  seine  Tugenden  preist. 


*)  Dieses  Pamphlet  ist  übrigens  schon  desshalb  beachtenswerth,  weil  es 
auf  S.  24—57  Auszüge  aus  dem  Konferenz-Protokolle  vom  SO.  No- 
vember 1791  enthält  Ein  Exemplar  davon  befindet  sich  im  Steier- 
mark. Landesarchive. 

4 


^   I 


—     50     — 

Baspor  dagegen,  der  sich  in  den  Jahren  1790 — 92  so 
wacker  des  Bürgerthums  und  selbst  der  Bauern  angenommen 
hatte,  verfiel,  nachdem  seine  Mitbürger  ihn  aus  Dankbarkeit 
zur  Würde  eines  ständischen  Verordneten  erhoben  hatten,  auf 
die  einfältige  Prätension :  es  möge  Jedem  seiner  Standesgenossen, 
der  diese  Würde  bekleidet,  die  Mauthfreiheit  an  der 
Weinzettelbrücke  und  das  Jagdrecht,  wie  der  land- 
tagsmässige  Adel  es  übte,  zum  Zeichen  landschaftlicher  Gleich- 
berechtigung zugestanden  werden.  Er  überwarf  sich  sogar  dess- 
halb  mit  seinen  Wählern,  die  von  ihm  Gedeihlicheres  erwarteten, 
ohne  übrigens  selber  durchweg  der  dünkelhaft-spiessbürger- 
liehen  Versuchung,  welcher  Raspor  erlag,  mannhaft  zu  wider- 
stehen ')•  — 

Diese  Dinge  kamen  auf  dem  Landtage  zur  Sprache,  wel- 
cher am  31.  Mai  1793  in  Graz  sich  versammelte,  um  einer 
a.  L  Willensmemung  gemäss  zu  berathen,  „wiedervierte 
Stand  mit  den  übrigen  Klassen  derStände  in  eine  ! 

mit  Vermeidung  aller  Neckereien  wechselseitige  f 

nähere  Verbindung  zum  allgemeinen  Wohle  zu 
setzen  sein  dürfte". 

Kaiser  Leopold  hatte  den  Wunsch,  einen  » gemeinschaftli- 
chen^ Vorschlag  hierüber  von  den  Ständen  zu  erhalten,  in  Er- 
ledigung des  Konferenz-Protokolles  vom  30.  November  geäus- 
sert Die  Hofkanzlei,  welcher  diese  Erledigung  am  29.  Dezember 
1791  zukam,  verständigte  davon  das  steiermärkische  Gubemium 
unterm  7.  Januar  des  folgenden  Jahres  mit  dem  Beisatze:  so- 
bald der  Vorschlag  der  Stände  einlauft,  darüber  die  Kreisämter 
zu  vernehmen  und  dann  erst  die  Akten  ihr  vorzulegen.  Der 
ständische  Ausschuss  aber,  dem  das  Gubemium  die  weiteren 
Veranstaltungen  auftrug,  forderte  vor  Allem  die  landesfürst- 
lichen Städte  und  Märkte  auf,  kreisweise,  d.  h.  nach  dem  für 


*)  Der  bis  hieher  reichende  Text  entspricht,  abgesehen  von  ein  paar 
ZoBatzen,  welche  eingeschaltet  worden,  dem  von  mir  in  der  letzten 
Jahresversammlong  des  historischen  Yereines  für  Steiermark  gehal- 
tenen Vortrage.  Der  Best  der  Abhandlung  beruht  durchweg  auf 
Akten  im  M.-A. 


—  Bl- 
eue Beschickung  des  Landtages  nun  massgebenden  Gruppen- 
systeme zur  Berathung  des  Gegenstandes  zusammenzutreten. 
Das  Ergebniss  dieser  Vorberathungen  sollte  das  Substrat  des 
von  den  Ständen  „gemeinschaftlich"  zu  erstattenden  Vorschlages 
bilden.  - 

Am  frühesten,  nämlich  schon  am  3.  Mai  1792,  kamen 
die  Städte  und  Märkte  des  Brucker  Kreises  diesem 
Auftrage  nach.  Die  Magistrate  und  Bürgerausschtlsse  der 
Städte  Leoben  und  Brück,  dann  der  Märkte  Eisenerz,  Vor- 
demberg, Kindberg  und  Mürzznschlag  versammelten  sich  in 
der  erstgenannten  Stadt  Sie  reklamirten  die  „ursprünglichen 
Rechte"  des  Bürgerstandes,  schalten  die  drei  oberen  Stände 
engherzig  und  riefen  denselben  die  Schutzrechte,  welche  der 
Landesfürst  über  diese  Orte  ausübte,  ins  Gedächtniss.  Sie 
wünschten,  dass  der  Bürgerstand  auch  im  ständischen  Aus- 
schusse (nicht  blos  im  Verordneten-KoUegium)  eine  angemes- 
sene Vertretung  erhalte,  wie  dies  Raspor  schon  unterm  IL 
Februar  bei  den  Ständen  befürwortet  hatte ;  nur  genügte  ihnen 
für  diesen  Fall  nicht  die  Anzahl  von  3  Stimmen,  sondern  sie 
nahmen  ihrer  5  in  Anspruch.  Die  Landtags-Deputirten,  Franz 
de  Paula  Dimböck  (Bürgermeister  der  Stadt  Leoben)  und 
Josef  Anton  Medl  (Magistratsrath  von  Eisenerz),  welche  die 
Kreisversammlung  einberufen  hatten,  beförderten  die  gefassten 
Beschlüsse  an  das  Ausschusskollegium  der  Stände. 

Am  24.  Mai  wurden  die  Städte  und  Märkte  des  Juden- 
burgerKreisesJ)  schlüssig.  Sie  versanunelten  sich  in  Knittel- 
feld,  zumeist  durch  die  Gemeindevorstehungen  vertreten,  und 
überreichten  ihre,  wie  sie  sagten,  „in  der  Natur  des  Staates 
gegründeten  Wünsche"  dem  ständischen  Ausschusse  unterm 
3.  Juni  schriftlich  durch  die  von  ihnen  gewählten  Landtags- 
Deputirten:  Josef  Weniger,  Bürgermeister  von  Knittelfeld,  und 
Josef  Paul  Hauser,  Bürgermeisteramts-Verwalter  zu  Judenburg. 

Die  Einleitung  dazu  ist  merkwürdig  wegen  der  darin  sich 
spiegelnden  Gedankenrichtung. 

^)  Jttdenburg,  Knittelfeld,  Rottenmann,  Weisskirchen,  Obdach,  Neumarkt, 
Oberzeiring,  Aussee  und  Schladming. 

4* 


—     62     — 

„Wir  wissen"  — heisst  es  da  —  „dass  ursprüng- 
lich das  Menschengeschlecht,  blos  durch  die 
Gesetze  der  Natur  geleitet,  diesen  Erdpol  be- 
wohnte." Die  Zunahme  der  Bevölkerung  habe  die  Men- 
schen bewogen,  unter  sich  Verträge  zur  Sicherung  von  Gütern, 
Leben  und  Freiheit  zu  schliessen.  Dabei  waren  noch  alle 
Paktirenden  einander  gleich.  Spät  erst  sei  dem  Bürgerstande 
die  Zurücksetzung  widerfahren,  über  welche  -er  sich  noch  jetzt 
zu  beklagen  hat  Nun  aber  soll  das  frühere  Gleichgewicht 
aller  Stände  wieder  hergestellt  werden.  Die  Versammelten 
begehren  daher:  AntheOnahme  des  Bürgerstandes  an  sämmt- 
lichen  ständischen  Verrichtungen,  insbesondere  ebenmässige 
Vertretung  desselben  im  ständischen  Ausschusse,  Einfüh- 
rung der  Eurialstimmen  bei  Beschlussfassungen 
im  Landtage  und  Vorbehalt  des  Rechtes,  dass  ein  sodann 
übersthnmter  Stand  seine  abweichende  Meinung  „in  anstän- 
diger Form"  zu  Protokoll  geben  darf. 

Die  Städte  und  Märkte  des  Grazer  Kreises  scheinen 
zu  keiner  Berathung  des  fraglichen  Gegenstandes  zusammen- 
getreten zu  sein.  In  ihrem  Namen  äusserte  sich  zuerst,  am 
1.  Juni  1792,  der  schon  mehrmals  genannte  Grazer  Bürger 
Franz  Haas  und  5  Tage  später  dessen  „Codeputirter"  Johann 
Georg  Fellinger,  Marktrichter  zu  Frohnleiten,  welcher  oflFen- 
bar  den  von  Ersterem  entwickelten  Anschauungen  beizupflichten 
Anstand  nahm.  Haas  stellte  den  Grundsatz  „der  vollen  Frei- 
heit der  Stände"  an' die  Spitze  semer  Deduction.  »Die  zufäl- 
ligen Vorzüge  des  Adels"  —  bemerkt  derselbe  —  „werden 
der  Stimme  eines  anderen  Standes  kein  grösseres  Gewicht 
beilegen,  als  ihr  die  Gründe  geben,  von  denen  sie  begleitet 
ist"  Auf  die  von  Baspor  beanspruchten  „Personal- Vorzüge" 
glaubt  er  verzichten  zu  sollen.  Weit  Ueber  wäre  ihm,  wenn 
auch  der  Bauernstand  bei  den  ständischen  Berathungen 
mitzureden  hätte.  Darin  läge  die  relativ  beste  Garantie  für 
die  bezügliche  Wirksamkeit  des  Bürgerstandes,  der  ja  sonst 
noch  unmer  den  drei  oberen  Ständen  auf  Gnade  und  Ungnade 
sich  preisgegeben  wüsste.  In  der  Folge  werde  es  freilich  auch 


—     53     — 

hiebei  nicht  sein  Bewenden  haben  können,  sondern  werden 
die  Bürger  den  Kaiser  bitten  müssen,  »sie  von  den  drei  oberen 
Ständen  ganz  abgesondert  zu  lassen,  iliren  Versamm- 
lungen mit  Zuziehung  des  Bauernstandes  eine  ei- 
gene Organisirung  zu  geben  und  nichts  für  die  Stimme 
der  gesammten  Landstände  des  Herzogthums  Steiermark  an- 
zusehen, was  nicht,  nachdem  es  die  drei  oberenStände 
passirt  hat,  auch  in  der  Versammlung  dieses  organisirten 
Körpers  vorgetragen  und  anerkannt  worden  ist.  Widrigen- 
falls müssen  die  Bürger  bitten,  den  dermaligen  organisirten 
Körper  der  Stände  ausser  aller  Wirksamkeit  zu  setzen".  ^) 

Haas  gibt  entschieden  einem  erleuchteten  Absolutismus 
den  Vorzug  vor  der  Herrschaft  der  „oberen"  Stände  und 
legt  überhaupt  eine  streng  monai*chische  Gesinnung  an  den 
Tag.  »Das  wahre  Wohl  des  Ganzen,  aller  Menschenklassen 
in  einer  Provinz  und  aller  Provinzen  zusammen  zu  befördern 
hat  nur  der  Monarch,  nur  der  a.  h:  Landesfürst  die  nöthige 
Einsicht,  den  besten  Willen  und  die  hinreichende  Gewalt:  — 


1)  Der  hier  anklingende  Grundgedanke  des  Zweikammer-Systems 
überrascht  als  Bestandtheil  des  politischen  Glaubensbekenntnisses 
eines  Grazer  Bürgers  vom  Jahre  1792.  So  weit  ging  in  formeller 
Beziehung  nicht  einmal  der  *  Justizhofrath  v.  Eeess,  der  doch 
sonst  zu  den  vorgeschrittensten  Freidenkern  der  damaligen  Zeit  zählte. 
Beiner  Meinung  nach  (die  im  Konferenz-Protokolle  vom  80.  November 
1791  niedergelegt  ist)  sollte  die  „wahre  Repräsentation  des  Volkes" 
in  folgende  drei  Abtheilungen,  die  er  aber  sich  offenbar  als  Kurien 
einer  einzigen  Versammlung  dachte,  zerfallen:  a)  die  Dominien, 
an  die  sich  der  Adel,  allenfalls  die  Geistlichkeit,  anschliessen  mag; 
6)  die  Bttrger,  an  die  sich  die  Handelschaft  anschliesst;  c)  die  Bauern, 
das  ist:  die  Rustikalgüter  besitzen.  —  Von  einer  solchen  Repräsentation 
durch  drey  corpora,  die  eben  das  Volk  ausmachen,  liesse  sich 
—  führt Keess  fort  —  sagen,  dass  das  Volk  repräsentirt  werde.  Da 
würden  die  Stimmen  nach  allen  Verhältnissen  und 
Combinirungen  abgegeben  und  wenn  ein  Stand  mit  dem 
anderen  in  Kontrast  fiele,  durch  den  dritten  das  Uebergewiclit 
gegeben."  Sachlich  genommen,  ist  freilich  dieser  Vorschlag  noch  radi- 
kaler, als  der  des  Bürgers  Haas  und  die  Annahme,  dass  der  Hofrath 
Eeess  dabei  drei  gesonderte  Kammern  vor  Augen  hatte,  ist 


—     64     — 

welche  souverainen Eigenschaften  durch  eme  einseitige  Be- 
rathungeher  irre  geleitet  oder  gehemmt,  als  unterstützt  würden." 

Am  Schlüsse  seines  Gutachtens  beantragt  er,  dem  kürz- 
lich erst  (am  1.  März  1792)  verstorbenen  Kaiser  Leopold  im  Be- 
rathungssaale  der  steiermärkischen  Stände  ein  Denkmal  zu  setzen. 

Fölling  er  sprach  sich  dagegen  mit  trockenen  Worten 
für  die  Au&ahme  von  5  Bürgern  in  den  ständischen  Aus- 
schuss,  für  die  Ausarbeitung  des  näheren  Details  darüber 
durch  „gesammte  vier  Stände",  gegen  die  Ausgeburten  der 
Eitelkeit  Raspor's  und  gegen  eine  in  Bezessform  zu  bewerk- 
stelligende Auseinandersetzung  zwischen  dem  vierten  Stande 
und  den  drei  oberen  (wozu  letztere  sich  erboten  hatten)  aus. 

Ebensowenig  wollten  die  Städte  und  Märkte  des  C  i  1 1  i  e  r 
Kreises,  welche  ihr  Votum  am  21.  Juli  1792  durch  eigens 
hiezu  gewählte  Vollmachtträger  abgaben,  von  emem  derartigen 
„Bezesse"  etwas  wissen.  Zu  emem  solchen  die  Hand  bieten, 
hiesse  das  alte  Becht  der  Städte  und  Märkte  verkennen  oder 
ignoriren,  es  als  zweifelhaft  hinstellen,  während  es  doch  klar 
und  präds  sei  In  keinem  Falle  dürfe  durch  einen  Bezess 
den  drei  oberen  Ständen  eine  Art  Vormundschaft  über  die 
Städte  und  Märkte  eingeräumt  und  an  dem  bezüglichen  Ei- 
genthumsrechte  des  Landesfürsten,  zu  dessen  Kammergut  zu 
gehören  der  Stolz  jener  Gemeinden  sei,  gerüttelt  werden. 
Also  keine  Unterjochung  seitens  des  Adels  und  der  Geist- 
lichkeit, keine  Munizipalisirung.  Baspor's  Anträge,  so  wie  sie 
in  einer  vom  11.  Februar  1792  datirten  Fassung  vorliegen, 
seien  mit  Ausnahme  dessen,  was  er  als  ständischer  Verord- 
neter für  sich  verlangt,  wohlbegründet  Weniger  als  5  Mit- 
glieder aus  dem  Bürgerstande  dürfe  der  ständische  Ausschuss 
nimmermehr  aufzuweisen  haben  '). 

Am  spätesten  lief  das  Votum  der  Städte  und  Märkte  des 


durch  die  Art,  wie  er  sich  ausdrückt,  nicht  geradeza  ausgeschlossen 
obschon  ich  ihm  diese  Deutung  nicht  abzugewinnen  vermag. 
^)  Die  Namen  der  Volhnachtträger ,  welche  sich  zu  Gilli  über  die  vor- 
stehenden Punkte  einigten,  sind:  ftür  die  .Stadt  Cilli:  Severin  Perg- 
tolt  und  Johann  Felix  Htrbbt;  für  die  Stadt  Windisch- Keistritz 


—     65    — 

Marburger  Kreises  ein.  Es  ist  vom  20.  Juli  1792  datirt 
und  enthält  blos  eine  Aeusserung  der  Stadt  Marburg,  auf 
welche  die  übrigen  Orte  schlechthin  compromittirten.  Es  stimmt 
in  Allem  und  Jedem  (also  auch  was  die  vom  Eigendünkel 
eingegebenen  Punkte  betrifft)  den  Anträgen  Raspor's  bei,  ver- 
langt aber  gleichfaHs  für  den  Bürgerstand  5  Ausschussstellen 
und  ist  für  deren  zeitliche   (nicht  lebenslängliche)  Besetzung. 

Es  währte  nun  noch  volle  zehn  Monate,  bis  eine  von  den 
Ständen  dazu  erwählte  Kommission  dazu  kam,  diese  Gutachten 
zu  prüfen  0- 

Das  Referat  hatte  Raspor  übernommen. 

In  einer  am  8.  Mai  1793  gehaltenen  Sitzung  erstattete 
er  seinen  Bericht  dahin:  dass  es  nicht  länger  angehe,  die 
„Gültenbesitzer"  bei  Besorgimg  der  Landesangelegenheiten  zu 
bevorzugen;  auch  die  Bürger  und  nicht  minder  die  Bauern 
hätten  Anspruch  auf  Theilnahme  daran  und  zwar  in  ausge- 
dehnterem Masse ,  als  bisher,  wo  im  Verordneten  -  Kollegium 
unter  5  Mitgliedern  nur  1  Bürger  und  im  Ausschusse  unter 
20  Ausschussräthen  abermals  nur  1  Bürger  (noch  dazu  der 
nämliche,  welcher  dem  Verordneten-KoUegium  angehört)  sitze, 
im  Landtage  aber  gar  nur  1 1  bürgerliche  Votanten  einer  Unzahl 
adeliger  und  geistlicher  Stimmführer  gegenüber  stehen.  Zwar  sei  es 
noch  keine  ausgemachte  Sache,  dass  jene  1 1  Votanten  blos  1 1 

Anton  Kaiser  und  Franz  X.  Hässl;  für  die  Stadt  Rann:  J.  G.  Feigl- 
milner;  für  Rohitsch:  Ant  Skubitz  und  Joh.  Ferner;  für  Tüffer: 
Jakob  Hörmann  und  Leopold  Spitzer;  für  Hohenegg:  Jak.  Rem- 
schagg  und  Ant  Moray;  für  Sachsenfeld:  A.  F.  Fischer  und 
J.  Gasser ;  für  S  a  1  d  e  n  h  o  f  e  n :  Joh.  Dumhard. 
*)  Die  Verschleppung  der  Sache  rührte  yomehmlich  davon  her,  dass  die 
Hofkanzlei  sich  mit  einer  Aeusserung,  welche  der  ständische  Ausschuss 
unterm  22.  Juni  1792  dart\ber  abgab,  nicht  zufrieden  stellte,  vielmehr 
mit  Dekret  vom  11.  August  1792  nicht  nur  eine  Vorprüfung  der  ein- 
gelaufenen Gutachten  durch  eine  „aus  allen  vier  Ständen  zusammen- 
gesetzte^ Kommission  verlangte,  sondern  auch  befahl,  das  Vorgehen 
dieser  Kommission  durch  eine  besondere  Vorschrift  zu  regeln,  welche 
Kaiser  Franz  zu  genehmigen  sich  vorbehielt.  Diese  Genehmigung  ge- 
langte erst  durch  Gubernial-Intimat  vom  8.  Oktober  1792  in  die  HändQ 
des  Landeshauptmannes 


—     56     — 

Stimmen  abzugeben  haben.  Denn  Jeder  unter  ihnen  vertrete  meh- 
rere Orte,  deren  jeder  (loch  mindestens  einem  „Landmanne'' 
gleich  zu  achten  sei  Allein  die  geltende  Praxis  lasse  nur  11 
bürgerliche  Stimjnen  zu  und  diese  seien  unfähig,  irgend  einen 
dem  Btirgerstande  nachtheiUgen  Beschluss  zu   hintertreiben. 

Er  formulirte  dann  die  ihm  gerecht  dünkenden  Anliegen 
des  Bürgerstandes,  wie  folgt: 

1.  man  gestehe  demselben  mindestens  5  Ausschussstellen  zu ; 

2.  man  schliesse  den  Verordneten  des  Büigerstandes  von 
keinerlei  Berichterstattung  aus; 

3.  man  stimme  in  den  ständischen  Versammlungen  und  Kol^ 
legien  kurienweise  ab,  wobei  innerhalb  jeder  Kurie  die 
Majorität  entscheiden  soll; 

4.  man  dehne  die  ständischen  Personalgerechtsame,  nament- 
lich die  Freiheit  vom  Brückengeide  zu  Göstmg  und  das 
zur  „Ausheiterung"  dienende; Jagdrecht  auf  alle  bürger- 
lichen Mitglieder  ständischer  BathskoUegien  aus; 

6.  man  weise  den  Vertretern  des  Bürgerstandes  bei  ständi- 
schen Versammlungen  und  Funktionen  einen  geziemenden 
Platz  an  und* wäre  es  auch  der  letzte; 

6.  man  gewähre  ihnen  Einsicht  in  alle  ständischen  Amtshand- 
lungen und  Akten; 

7.  man  verleihe  ständische  Bedienstungen,  die  nicht  ausdrück- 
lich den  „Landmännem**  (d.  h.  dem  immatrikulirten  Adel) 
vorbehalten  sind,  auch  Kompetenten  bürgerlicher  Abkunft ; 

8.  man  betheile  mit  ständischem  Almosen,  soweit  nicht  die 
Stiftungsbriefe  entgegenstehen,  auch  bürgerliche  Arme. 

Dieser  Bericht  unterschied  sich  in  einigen  Stücken  von  dem- 
jenigen, welchen  Baspor,  vom  ständischen  Ausschusse  dazu 
aufgefordert,  unterm  11.  Februar  1792  erstattet  hatte  und 
dessen  bereits  Erwähnung  geschah. 

Entschlug  sich  gleich  Raspor  auch  jetzt  nicht  der  Ma- 
rotte, dass  die  bürgerlichen  Mitglieder  ständischer  BathskoUe- 
gien sich  mit  den  adeligen  und  geistUchen  in  den  Genuss 
gewisser,  veralteter  Privilegien  zu  theilen  hätten,  so  liess  er 
doch  andere  Sonderbarkeiten,  fbr  die  er  früher  eingetreten 


—     57     — 

war,  wie  z.  B.  die  Frage,  welche  Gestalt  das  Siegel  des  bür- 
gerlichen Verordneten  haben  solle  und  ob  nicht  demselben 
für  die  Dauer  seines  Amtes  jeweilen  die  Würde  eines  steier- 
märkischen  Landmannes  unentgeltlich  verliehen  werden  sollte  ? 

—  nun  bei  Seite.  Er  bestand  auch  nicht  länger  darauf,  dass 
der  ständische  Ausschuss  um  den  jeweiUgen  Grazer  Bürger- 
meister und  2  andere  Grazer  Bürger,  welche  von  sämmtlichen 
landesfürstl.  Städten  und  Märkten  des  Landes  zu  wählen  wären, 
vermehrt  werde.    Andererseits   verzichtete  er  aber  nunmehr 

—  Angesichts  des  Stillschweigens,  welches  die  in  Frage  ste- 
henden Gutachten  darüber  beobachteten  —  auf  die  Beiziehung 
des  bürgerUchen  Verordneten  zur  Ausstellung  ständischer  Schuld- 
scheine und  auf  die  Benachrichtigung  der  Städte  und  Märkte 
von  den  Berathimgsgegenständen,  welche  einen  bevorstehenden 
Landtag  zu  beschäftigen  hätten. 

In  der  Kommission,  welche  dieses  Referat  entgegennahm, 
sass  ausser  Raspor  nur  noch  ein  „Bürger":  der  Grazer 
Bürgermeister  Edler  v.  Heillinger.  Herr  von  Mosmillern, 
der  ursprünglich  hinein  gewählt  worden  war,  hielt  sich  ihr 
ferne;  der  zur  Nachgiebigkeit  gestimmte  Abt  Schulz  war 
kürzlich  Gubemialrath  geworden ;  der  bejahrte  Ereishauptmann 
Freiherr  von  Hohenrain  war  durch  Krankheit  am  Erscheinen 
verhindert ').  Den  Vorsitz  führte  der  bekannte  Graf  Johann 
Brandis.  Die  übrigen  Mitglieder  der  Kommission  waren 
(ausser  den  genannten  beiden  „Bürgern"):  der  Prälat  von 
Rein,  Gerhard  Schobinger  (den  der  Landeshauptmann  an  des 
Abten  Schulz  Stelle  einberufen  hatte),  Franz  Graf  Wilden- 
stein (statt  des  Freih.  v.  Hohenrain),  ein  Freih.  v.  Jauerburg, 


<)  An  der  Wahl  der  KommisBion  scheint  jeder  Stand  für  sich  theil- 
genommen  zu  haben.  Sonst  wäre  es  kaum  zu  begreifen,  wie  ein  dem 
Herrenstande  so  wenig  genehme^  Mann,  als  Herr  v.  Mosmillern  war, 
in  die  Kommission  gelangte  und  dass  jeder  Stand  darin  gleichmässig 
durch  je  2  Mitglieder  vertreten  war.  Raspor  erwähnt  bereits  in  seinem 
Berichte  vom  11.  Februar  1792,  dass  die  Stände  sich  zur  kurien- 
weisen  Abstimmung  verstanden  hätten,  als  es  sich  um  die  Ausarbei- 
tung einer  Amtsinstruktion  durch  ein  besonderes  Gomit^  handelte, 
welches  am  29.  Dezember  1791  von  ihnen  eingesetzt  wurde. 


—     58     — 

ein  Edler  von  Lendenfeld  (statt  des  Herrn  v.  Mosmillem)  und 
ein  Edler  von  ScMckh. 

Diese  Herren  mäkelten  nicht  nur  an  den  von  Raspor 
formulirten  Begehren,  sondern  verwarfen  schlechtweg  die  wich- 
tigsten. So  namentlich  das  Ansinnen,  dass  der  ständische  Aus- 
schuss  durch  hürgerliche  Beisitzer  verstärkt  werden  möge. 
Um  es  als  unbegründet  hinzustellen,  wagten  sie  einen  Ver- 
gleich, der  auf  eine  herbe  Selbstkritik  und  auf  eine 
geradezu  vernichtende  Verurtheilung  des  Stände- 
wesens hinauslief.  Sie  verglichen  nämlich  die  ständi- 
sche Körperschaft  mit  einer  Aktiengesellschaft  und 
weigerten  sich  darauf  hin,  in  den  Yerwaltungsrath  dieser  Ge- 
sellschaft Leute  aufzunehmen,  welche  an  der  „Bestimmung  und 
Reparation  der  Steuerlast"  bei  weitem  nicht  so  stark  interes- 
sirt  seien,  wie  sie,  beziehungsweise  die  durch  sie  repräsen- 
tirten  drei  oberen  Stände. 

In  diesem  Lichte  also  erschien  damals  Letzteren  das 
Ständewesen.  Sie  äusserten  auch  die  theilnehmende  Besorg- 
niss,  dass  der  Btirgerstand  Dringenderes  zu  thun  haben  werde, 
als  die  ständischen  Interessen  in  solcher  Ausdehnung  wahrzu- 
nehmen, wie  es  der  Ausschuss  zu  thun  berufen  sei. 

Hei  Hing  er  dagegen  stellte  sich  bei  der  Abstimmung 
hierüber  auf  Raspor's  Seite. 

Der  dritte  Punkt  (die  Gruppirung  nach  Kurien)  stiess 
auf  noch  heftigeren  Widerspruch.  Zuerst  nahm  der  Prälat 
von  Rein  das  Wort,  um  zu  erklären,  dass  er  als  GeisÜicher 
eigentlich  alle  Ursache  hätte,  diesem  Antrage  sich  anzuschliessen, 
weil  ja  die  geistliche  Bank  durch  die  Aufhebung  mehrerer 
Klöster  ziemlich  leer  geworden ;  nichtsdestoweniger  getraue 
er  sich  nicht,  dafür  zu  stimmen,  weil  der  Antrag  wohler- 
worbene Rechte  des  Herren-  und  Ritterstandes  bedrohe.  Auch 
könnte  der  ständische  Kredit  darunter  leiden,  wenn  „meist 
unbesessene  (soll  heissen:  unangesessene)  Stände"  bei  der 
Aufnahme  von  Darlehen  den  Ausschlag  geben  würden.  Und 
wäre  es  nicht  gegen  den  Anstand,  die  „Unterthanen"  zu 
Bicbtem  über  ihre  Grundherren  zu  macbeti?  Wozu  endlich 


—     59     — 

wäre  dann  der  Schutz,  welchen  die  Gesetze  vor  Bedrückungen 
den  Grundholden  gewähren?  Ein  in  dieser  Beziehung  her- 
schendes  Misstrauen  kehre  seine  Spitze  wider  den  Landes- 
fürsten, der  den  Vollzug  der  Gesetze  überwacht. 

Diesen  Argumenten  verschloss  sich  auch  der  Graz  er 
Bürgermeister  nicht  Er  liess  da  den  Raspor  im  Stiche, 
beantragte  jedoch,  jeder  landesfürstlichen  Ortschaft  im  Land- 
tage ein  spezielles  Stimmrecht  einzuräumen,  zu  dessen  Aus- 
übung sich  die  Städte  und  Märkte  einer  beschränkten  Anzahl 
von  „Gewaltträgem"  zu  bedienen  hätten. 

Die  Bekämpfung  anderer  Punkte  liess  Herr  von  S  c  h  i  c  k  h 
sich  angelegen  sein.  Er  erachtete  namentlich  die  Aufnahme 
der  vier  letzten  in's  Protokoll  für  völlig  überflüssig, 
weil  ja  ohnehin  Niemand  daran  denke,  dem  Bürgerstande  in 
diesem  Betreff  nahe  zu  treten.  Allein  die  Mehrheit  der  Kom- 
mission sprach  sich  gleichwohl  für  die  ausdrückliche  Hervor- 
hebung der  bezeichneten  Punkte  aus. 

Am  16.  Juli  1793  kam  das  Kommissions-Operat  vor  den 
Landtag,  an  welchem  ausser  Raspor  8  Deputirte  des  Bürger- 
standes theibahmen. 

Und  nun  wiederholte  sich  der  Kampf  der  Meinungen,  der 
schon  im  Schosse  der  Kommission  getobt  hatte.  Als  Haupt- 
redner trat  den  Anliegen  des  Bürgerstandes  Graf  Otto 
Wolfgang  von  Schrottenbach  entgegen,  der  Letzte 
seines  Geschlechts  in  Steiermark  und  somit  vor  Anderen  be- 
rufen, eine  gleichfalls  im  Niedergange  begriffene  Anschauungs- 
weise zur  Geltung  zu  bringen  ). 

Er  warf  zunächst  einen  Rückblick  auf  die  Bemühungen 
des  Bürgerstandes,  seine  angeblichen  historischen  Rechte  in 
Bezug  auf  die  Landstandschaft  wieder  aufleben  zu  machen. 
Er  erinnerte  an  dessen  erstes  Gesuch  in  dieser  Richtung  vom 
8.  Juli  1790,    welches  an  die  Stände  adressirt  war.    Er  er- 


^)  Auch  die  Reihen  der  übrigen  Adelsgeschlechter,  deren  Repräsentanten 
in  der  Landtagssitzung  vom  16.  Juli  1793  Schrottenbach's  Ansichten 
theilten^  sind  seither  stark  durch  das  Aussterben  gelichtet  worden. 


—     60     — 

wähnte  den  darüber  vom  Landtage  unterm  13.  Juli  an's  6u- 
bemium  erstatteten  Beriebt,  die  Erneuerung  des  Ansuchens  in 
Form  eines  Majestätsgesuches  vom  3.  August  1790  und  den 
Bescheid,  welchen  der  BOrgerstand  durch  a.  h.  EntSchliessung 
vom  17.  Mai  1791  hierauf  erhielt  ')  Er  citirte  femer  einen 
am  9.  August  1791  Angesichts  der  bezüglichen  Zuge- 
ständnisse gefassten  Landtagsschluss,  worin  esheisst:  ,,  Sollten 
aber  politische,  denen  Ständen  bis  jetzt  unbekannte  Ur- 
sachen Euere  Majestät  bewegen,  die  Städte  und  Märkte  mit 
denen  3  oberen  Ständen  zu  verbmden,'  so  bitten  sie  Euere 
Msyestät,  selbe  anzuweisen,  einen  förmlichen,  dauerhalten  R  e- 
zess  (mit  den  oberen  Ständen)  anzustossen.  Dieser  müsste 
zum  Zwecke  haben,  das  beiderseitige  Interesse  zu  verbinden. 
Er  müsste  die  Stände  in  eine  Wirksamkeit  (soll  wohl 
heissen :  in  den  Stand)  setzen,  die  Städte  und  Märkte  aufrecht 
zu  erhalten;  es  müssten  die  Gegenstände  der  städtischen  und 
Innungs-Privilegien,  jene  der  magistratischen  Wahlen,  der 
städtischen  Rechnungen,  der  Subrepartition  ihres  Pauschquanti, 
ihrer  Gewerbsteuer,  des  Quartier-Fonds,  die  Beschwerden  über 
Militär  -  Einquartirungen,  mit  einem  Worte  alle  Gegenstände, 
woraus  den  Städten  und  Märkten  ein  Nutzen  oder  Schaden 
zugehen  kann,  bei  den  ständischen  Versammlungen,  an  welchen 
sie  ebenfalls  Antheil  hätten,  vorkommen." 

Hieran  anknüpfend,  deduzirte  Graf  Schrottenbach  des 
Weiteren,  wie  schwer  es  halten  werde,  die  Interessn  des  Bürger- 
standes mit  denen  der  drei  oberen  Stände  in  Einklang  zu 
bringen,  welche  Opfer  dies  beide  Theile  kosten  würde,  wie 
gross  im  Grunde  genommen  die  Abneigung  hievor,  wie  staats- 
gefährlich jedes  derartige  Experiment  sei  und  dass  es  daher 
eigentlich  für  alle  Betheiligten  das  Beste  wäre.  Alles  beun 
Alten  zu  lassen.  '^) 

0  Siehe  oben  S.  87. 

«)  Aus  seinem  Vortrage  verdient  namentlich  folgende  Stelle  hervorgehoben 
zu  werden:  „Sobald  ...  von  dem  eintretenden  Theile  aller  Nutzen 
einseitig  gesucht  wird  . . . ,  dann  vermag  keine  Verbindung  vor  sich 
zn  gehen;  sonst  entstünde  ein  contractus  leoninus  oder  das  Recht  des 


—     61     — 

Auf  dieses  Ergebniss  war  jener  Landtagsbeschluss  vom 
9.  August  1791  berechnet,  da  die  oberenStände  voraussetzten, 
dass  der  Bürgerstand,  wenn  er  nur  zwischen  ihrer  Einmischung  in 
seine  inneren  Angelegenheiten,  beziehungsweise  einem  diese 
Einmischung  regelnden  Rezesse  und  dem  Verzichte  auf  stär- 
keres Vertretensein  am  Landtage  zu  wählen  hätte,  sicher  diesem 
Verzichte  den  Vorzug  gäbe. 

Allein  die  Berechnung  schlug  dennoch  theilweise  fehl. 

Der  Bürgerstand  behauptete  sich  im  Besitze 
dessen,  was  die  a.  h.  Entschliessung  vom  17.  Mai 


Stärkeren.  Dann  hört  jede,  auch  schon  erreichte  Verbindnng  von  selbst 
auf;  hieraus  entspringt  Verwirrung,  alle  Bande  werden  schlaff,  zuletzt 
mit  Gewalt  zerrissen;  jeder  will  sich  Über  den  anderen  erheben,  mit 
Schaden  des  anderen  seinen  Nutzen,  sein  Ansehen  erweitem,  bis  dass 
endlich  üebermacht  und  Unordnung,  auf  das  höchste  gespannt,  aus 
einem  so  leicht  zu  errichten  gewesenen  Gebäude  der  Glückselig- 
keit allgemeines  Verderben,  die  Zerstörung  der  GeseUschaft  und  zu- 
letzt der  Umsturz  des  Staatskörpers  hervorgebracht  wird.  Davon  lie- 
fert uns  die  Geschichte  unzählige  Beispiele.  Ich  will  deren  von  neueren 
Zeiten  hier  nur  zwei  anföhren.  Das  erste  wird  uns  eine  leichtsinnige 
Nation  vorstellen,  welche  die  betrübten  Folgen  einer  übel  verstandenen 
Verbindung  nicht  richtig  zu  berechnen  wusste,  sowie  das  zweite  uns 
eine  reif  nachdenkende  Nation  zeigen  wird,  welche  erkennt,  wie  sehr 
die  Umschmelzung  einer  Verbindung  einer  ernstlichen  Ueberlegung 
bedarf.  In  Frankreich  war  eine  äusserst  Übel  verstandene  Verbin* 
düng  aUer  zusammenberufenen  Stände,  eine  mit  erkünstelter  List 
erzwungene,  gleiche  Stimmrechts- Vertheilung  unter  alle  Klassen,  dann 
die  dem  Tiers-^tat  auf  Neckers  Einschreiten  zugestandene  Zahl  so 
vieler  Deputirten  (damit  selber  eben  so  viele  Stimmen,  als  der  geist- 
liche Stand  und  der  Adel  mitsammen  haben,  überkommen  möge)  der 
erste  Ursprung  aller  nachhin  ausgebrochenen  und  in  Gewaltthätigkeiten 

ausgearteten  Uneinigkeiten Dagegen  in  England,  wo  es  sich 

aUein  um  eine  bessere  Vertheilung  der  Stimmen  in  dem  Unterhause 
durch  Bestimmung  einer  jedem  Orte  nach  seiner  jetzigen  Bevölkerung 
angemessenen  Zahl  seiner  Repräsentanten  handelt,  wird  über  diesen 
Punkt  schon  viele  Jahre  gestritten,  alle  Augenblicke  eine  nöthig  sem 
soUende  Parlamentsreform  in  Vorschlag  gebracht  und  demungeachtet 
ist  bis  zur  Stunde  noch  nichts  entschieden.  So  gewiss  ist  es,  dass  nie 
genügsame  Vorsicht  undBehutsamkeit  angewendet  werden  kann,  welch' 
immer  alte  Verfassung  auch  nur  in  ihren  mindesten  Theilen  abzuändern.** 


—    62     — 

1791  ihm  einräumte  und  erreichte  nur  nicht  die  Aufnahme 
in  den  ständischen  Ausschuss,  so  ^e  die  gesammten  Erörte- 
rungen, von  welchen  h i e r  die  Rede  ist,  überhaupt  resul- 
tatlos blieben,  ohne  dass  der  Bürgerstand  Ursache  gehabt 
hätte,  sich  darüber  sonderlich  zu  grämen. 

Was  den  Verlauf  der  Landtagssitzung  anbelangt,  nach 
welcher  dieses  Schicksal  der  weiter  reichenden  Wünsche  des 
Bürgerstandes  sich  bereits  vorhersehen  liess,  so  ist  aus  dem 
Protokolle  derselben  zu  ersehen,  dass  Raspor,  der  nun  wieder 
seine  frühere  Spannkraft  gewonnen  hatte,  auch  nachträglich 
noch  seiner  Standesgenossen  mit  grossem  Eifer  sich  annahm. 
Die  anwesenden  Deputirten  der  Märkte  und  Städte  zollten  ihm 
laut  ihren  Beifall.  Graf  Schrottenbach  ergriff  nun  zur  Er- 
widerung neuerdings  das  Wort,  ungeachtet,  wie  das  Protokoll 
besagt,  die  „weiters  aufgerufenen  Herren  Landstände"  (worunter 
die  Bürger  nicht  begriffen  sind)  schon  unmittelbar  nach  seinem 
Vortrage  „ihre  Meinung  mit  der  seinigen  vereinbart  hatten". 
Er  kehrte  sich  vornehmlich  gegen  die  Behauptung  Baspor's, 
dass  die  Stände  bloss  die  Verwalter  des  Landes- 
Eigenthums  seien.  Er  meinte,  damit  wolle  den  „Land- 
leuten", d.h.  den  Mitgliedern  der  oberen  Stände  dasEigen- 
thumsrecht  an  ihren  Besitzungen  (!)  bestritten 
werden.  So  sehr  fehlte  ihm  alles  Verständniss  für  die  moderne 
staatsrechtliche  Auffassung  der  Dinge.  Andererseits  konnte  er 
die  Bemerkung  nicht  unterdrücken,  dass,  wenn  auch  der  Staat 
in  Steiermark  Güter  habe,  deren  Besteuerung  den  Ständen 
nicht  zukommt,  dies  doch  nur  von  Konfiskationen  herrühre, 
welche  der  Staat  insbesondere  der  katholischen  Kirche  gegen- 
über sich  erlaubt  habe,  und  er  verband  mit  diesem  Ausfalle 
den  Wunsch,  es  möchten  diese  Güter  wieder  ihren  „recht- 
mässigen" Eigenthümem  erstattet  werden. 

Als  es  aber  am  Schlüsse  der  ziemlich  langen  Debatte  b  e- 
stimmte  Vorschläge  zu  Protokoll  zu  geben  galt,  hiess  es 
doch  wieder  gleich  obenan:  Alles  ist  lediglich  der  höchsten 
Entscheidung  des  Monarchen  anheimzugeben,  „der  die  Ge- 
rechtigkeit ehrt,  das  Eigenthum  schützt".  Daran 


—     63     — 

reihte  sich  die  Entsclmldigung,  dass  man  ständischer  Seits  der 
a.  h.  Willensmeinung  nicht  besser  zu  entsprechen  im  Stande 
sei;  die  Stände  seien  eben  mit  den  „bürgerlichen  Beschäfli- 
gungs-Gegenständen"  viel  zu  wenig  bekannt,  um  überhaupt 
einen  Vereinigungs- Vorschlag  machen  zu  können  und  weder 
der  Verordnete  noch  die  sonstigen  Vertreter  des  Bürgerstan- 
des am  Landtage  trügen  Verlangen  nach  einer  echten  Ver- 
einigung. 

Das  war  auch  der  Wahrheit  gemäss,  insoferne  die  Bürger 
durchaus  keine  Lust  hatten,  unter  das  Joch  des  ihnen 
von  den  oberen  Ständen  zugemutheten  Rezesses  sich  zu 
beugen. 

So  weit  erreichte  also  die  Taktik,  welche  Graf  Schrotten- 
bach  ziemlich  unumwunden  darlegte,  ihren  Zweck. 

Es  erübrigte  nun  noch  die  von  der  Hofkanzlei  angeord- 
nete Einvernehmung  der  Kreishauptleute. 

Von  4icsen  sprachen  sich  drei  —  Joseph  Buresch 
v.  Greyffenbach  zu  Brück,  Joh.  v.  Aicherau  zu  Juden- 
burg und  Carl  Schmid  v.  Ehrenberg  zu  Cilli  —  ent- 
schieden zu  Gunsten  des  Bürgerstandes  aus;  ja  sie 
redeten  mehr  oder  minder  selbst  einer  Vertretung  des  B  a  u  e  r  n- 
standes  das  Wort,  obschon  dies  gar  nicht  Gegenstand  der 
Anfrage  war.  Einer,  Christof  Freiherr  von  Schwizen  zu 
Graz,  billigte  nur  einzelne  Wünsche  des  Bürgerstandes,  wo- 
gegen er  über  andere  den  Stab  brach,  ohne  jedoch  leiden- 
schaftliche Eingenommenheit  wider  den  Bürger-  und  Bauern- 
stand zu  verrathen.  Der  Fünfte  endlich,  F.  von  Branden  au 
zu  Marburg,  legte  grosse  Aversion  gegen  diese  beiden  Stände 
an  den  Tag.  In  seinem  Gutachten  drückt,  sich  die  ganze 
Geringschätzung  aus,  womit  damals  ein  Theil  des  Adels,  auch 
wenn  er  Staatsdienste  bekleidete,  noch  auf  die  Bürger  und 
Bauern  blickte.  Er  sieht  in  den  Anliegen  der  Städte  und 
Märkte  nichts,  als  Eingebungen  ungebührlicher  Eitelkeit.  Der 
Staat,  meint  er,  müsste  zu  Grunde  gehen,  wenn  Derartiges 
ungeahndet  bliebe.  Besonders  „ahndungswürdig**  erscheint  ihm 
das  Gutachten  des  Grazer  Bürgers  Haas,    sowohl  der  Form 


—     64     — 

als  dem  Inhalte  nach.  Er  findet  es  indessen  bei  dem  Mangel 
an  Bildung,  der  unter  der  Bürgerschaft  des  Cillier  und  Mar- 
burger Kreises  wahrzunehmen  sei,  vollkommen  begreiflich,  dass 
Leute  vom  Schlage  des  Haas,  durch  ihr  unreifes  Geschwätz 
sich  Volhnachten  erwu-ken,  die  denselben  Gewicht  zu  verleihen 
bestimmt  sind. 

Ihm  bangt  fllr  die  Aufbringung  der  erforderUchen  Re- 
kruten, dafeme  der  Bürgerstand  einmal  förmlicher  Landstand 
und  dadurch  verleitet  werden  würde,  die  Vorrechte  des  Adels 
auf  sich  anzuwenden.  Gleiches  besorgt  er  in  Ansehung  der 
Militär  -  Bequartirung.  Auf  ihn  macht  die  ganze  Bewegung, 
welche  den  Bürgerstand  ergriffen  hat,  den  Eindruck  einer  re- 
volutionären Auflehnung.  „Ueberhaupt  —  klagt  er  —  ver- 
spüret man  in  allen  poUtischen  Gegenständen  nicht  mehr  jene 
Folgsamkeit  des  bürgerlichen  Standes  und  eine  hohe  Landes- 
stelle wird  es  selbst  hoch  einsehen,  was  fllr  üble  Folgen  hier- 
aus entspringen  könnten.  Man  ist  ja  selbst  von  einer  hohen 
Stelle  mehrmal  befehliget  worden,  auf  alle  derlei  Gegenstände, 
die  eine  AebnUchkeit  oder  Anspielung  auf  die  französischen 
Auftritte  haben  können,  aufinerksam  zu  sein.**  AehnUches  liege 
da  vor  und  „wie  Jene,  so  mit  einer  mehreren  Leichtigkeit 
für  eine  solche  Vereinigung  (der  4  Stände)  sich  geäussert 
haben,  sich  verdächtig  gemacht,  wird  eine  hohe  Lan- 
desstelle selbst  einsehen.*  Das  Gutachten  des  Herrn  von  Bran- 
denau  schliesst  mit  dem  Rathe :  die  Bürger  mit  ihrem  ganzen 
Gesuche  „ab-  und  an  ihre  Pflichten  als  rechtschaffen  sein 
wollende  Männer  des  Staates  ernstgemessenst  anzu- 
weisen". 

Den  geraden  Gegensatz  zu  dieser  Expektoration,  deren 
schwerMig-schnaubender  Stil  dem  Leser  die  grämliche  Amts- 
miene, womit  sie  niedergeschrieben  ward,  vergegenwärtiget,  — 
bildet  das  vom  Ereiskommissär  Carl  Ambling  mitunter- 
zeichnete Gutachten  des  Cillier  Kreishauptmannes 
ddo.  1.  Februar  1794,  also  aus  einer  Zeit,  wo  der  Polizei- 
Minister  Graf  Pergen  bereits  auf  Leute,  die  sich  zu  den  darin 
geoffenbarten  Gesinnungen   bekannten,    fahndete  und  die  von 


—     66     ~ 

ihm  organisirte  „geheime  Polizei"  emsig  Anzeigen  in  dieser 
Richtmig  erstattete  *).  Carl  Schmid  von  Ehrenberg  stellt  an 
die  Spitze  seines  Gutachtens  den  Satz:  der  Staat  habe 
kein  anderes  Ziel  als  das  allgemeine  Wohl  und  der  Werth« 
messer  für  den  einzelnen  Stand  im  Staate  sei  lediglich  das, 
was  der  Stand  hiezu  beiträgt  Damach  bewerthet  er  den 
Bauernstand  am  höchsten.  In  ihm  erblickte  er  die  Grund« 
veste  des  Landes.  Alle  hieraus  gezogenen  Folgerungen  und 
daran  geknüpften  Betrachtungen  lassen  den  Physiokraten 
erkennen,  welcher  die  bezügliche  volkswirthschaftliche  Theorie 
auf  Yerfassungsfiragen  anwendet  und  so  einen  ideellen  Zusam- 
menhang bloslegt,  der  bisher  noch  wenig  gewürdiget  worden, 
üebrigens  meint  Schmid,  der  Bauernstand  sei  schondurch 
die  Behörden  geschützt  und  vertreten  genug. 
Höchstens  könnte  an  seiner  statt  ein  Beamter  der  Fiskalpro- 
kuratur  als  Untertiiansadvokat  den  ständischen  Berathungen 
beigezogen  werden.  Dem  Bürgerstande  rühmt  er  nach, 
dass  durch  ihn  „die  Nahrungswege  erweitert  und  der  Geld- 
umlauf befördert  werden".  Das  geringste Zugeständniss,  welches 
einem  so  bedeutsamen  Stande  gemacht  werden  könne,  sei  dessen 
Anerkennung  als  ständische  Kurie,  zumal  der  Kaiser  doch  an- 
erkannter Massen  das  Gleichgewicht  der  Stände  wolle.  Ein- 
gebildete Vorrechte  und  eiüe  Vorurtheile  müssten  da  zurück- 
stehen. Doch  kann  S  c  h  m  i  d  mit  der  Erweiterung  des  Wirkungs- 
kreises der  Stände  sich  nicht  befreunden.  Wozu,  fragt  er, 
wären  denn  sonst  die  landesfürstlichen  Aemter  vorhanden? 

Aehnlich  lautet  das  Gutachten  des  Kr  eis  h  au  ptm  an  nes 
von  Brück.    Auch   er  stellt  den  bisher  gering  geschätzten 


')  Das  Resultat  davon  war  der  Vortrag  des  Grafen  Pergen  an  den  Kaiser 
vom  23.  Juni  1794,  worin  nachzuweisen  gesucht  wird,  dass  den  dro- 
henden (jefahren  unmöglich  begegnet  werden  könne,  „wenn  PolizeifiUle 
blos  nach  Gerichtsordnung  und  mit  aUen  rechtlichen  Formalitäten  be- 
handelt werden  sollen".  Dieser  Vortrag  ist  nebst  der  Vorstellung 
welche  die  Oberste  Justizstelle  gegen  die  beantragten  Ausnahms- 
massregeln erhob,  in  der  Zeitschrift  „Der  Morgenbote",  welche 
1809  in  Wien  erschien,  1.  Heft,  S.  192—211  abgedruckt.  Letzteres 
Aktenstück  trägt  die  Unterschrift  des  Hofraths  von  Eeess. 

5 


—     66     — 

,,Yierteii  Stand*  als  die  ^  umgestaltende*  und  „produzirende 
Klasse*  den  „ Verzehrern "*,  wozu  er  die  drei  «oberen*  Stände 
rechnet,  gegenüber.  Die  Dreitheilung  dieser  sei  rein  Sache 
des  Zufalls.  Wenn  der  Gültenbesitzer  wohlhabend  sei  und 
sich  als  Herrn  fühle,  so  verdanke  er  das  blos  der  Arbeit  sei- 
ner Grundholden  und  wenn  er  diese  nicht  aufkommen  lassen 
will,  so  verraihe  dies  sein  schlechtes,  vor  etwaiger  Vergeltung 
zitterndes  (Jewissen.  Insbesondere  verdiene  der  vierte  Stand 
eine  „  gleich  wichtige  Sthnme*  in  den  ständischen  Versamm- 
lungen; durch  ihn  werde  auch  der  Bauernstand  eine  Vertre- 
tung finden,  wenigstens  das  mit  dem  der  Bürger  identische 
Interesse  desselben.  Das  fordere  das  allgemeine  Wohl  und 
diesem  gegenüber  seien  alle  Privilegien  wirkungslos.  Die  bis- 
herige „Publizität*  der  ständischen  Geschäftsführung  könne 
länger  nicht  genügen.  Ob  der  Bürger  Zeit  findet,  mit  diesen 
Geschäften  sich  zu  befassen,  hat  er  allein  zu  beurtheilen. 
Leute,  welche  den  grössten  Theil  ihres  Lebens  ohne  bestimmte 
Geschäfte,  oft  in  gänzlicher  Unthätigkeit  zubringen,  hätten  frei- 
lich keine  Ahnung  von  dem,  was  ein  thätiger,  an  Arbeit  ge- 
wöhnter Mann  zu  leisten  im  Stande  ist  Es  gebe  viele  durch 
Vorzüge  des  Geistes  wie  des  Herzens  ausgezeichnete  Bürger, 
deren  Erfahrungen  man  nicht  unbenutzt  lassen  soll.  —  Den- 
noch ist  Buresch  nicht  für  die  Abstimmung  nach  Kurien, 
weil  der  Bürgerstand  auch  da  noch  überstimmt  werden  kann 
und  diese  Neuerung,  ohne  ihm  einen  reellen  Gewinn  einzu- 
tragen, nur  die  drei  oberen  Stände  wider  ihn  aufbrächte 

Der  Ereishauptmann  von  Judenburg  wendet  sich 
in  seinem  Berichte  zunächst  gegen  die  Befürchtungen,  welche 
Graf  Schrottenbach  aus  der  französischen  Revolution 
abgeleitet  hatte.  Er  meint:  derselbe  verwechsle  da  die  Wir- 
kung mit  der  Ursache.  Wenn  in  Frankreich  das  unterdrückte 
Volk  sich  erhob,  so  reagirte  es  eben  nur  gegen  einen  Druck, 
welcher  also  die  Veranlassung  der  Revolution  sei.  A  i  c  h  e  r  a  u 
ninunt  sich  warm  des  Bauernstandes  an.  Zwar  findet  auch 
er  bäuerliche  Wahlversammlungen  bedenklich ;  doch  möge  den 
Bauern  immerhin  gestattet  werden,    aus  jedem  Kreise 


~    67    ~ 

des  Landes  zwei  Deputirte  zum  Landtag  zu  entsenden, 
welche  Zeugen  der  daigen  Vorgänge  sein,  übrigens 
aber  dem  jederzeit  beizuziehenden  Prokuraturs-Beamten  die  Füh- 
rung der  bäuerlichen  Stimme  überlassen  sollten.  Schon  dass 
die  Bauern  weitaus  die  „  stärksten  **  Steuerzahler  seien,  ist  in 
seinen  Augen  ein  Grund,  wesshalb  man  sie  unter  die  Stände 
aufiiehmen  müsse. 

Der  Grazer  Kreishauptmann  widersprach  letzte- 
rer Behauptung ;  ja  er  trug  vor  einer  Emancipation  der  Bauern 
solche  Scheu,  dass  er  aus  Furcht,  es  möchten  sonst  auch  diese 
Zulass  zu  den  ständischen  Berathungen  begehren,  nicht  ein- 
mal den  Forderungen  des  Bürgerstandes  sich  geneigt  zeigte. 
Wie  nahe  läge  es  nicht,  dass  der  Bauernstand,  der  doch  jähr- 
lich 875.067  fl.  an  Steuern  zahle,  während  der  Bürgerstand 
Mos  40.000  fl.  beiträgt  ^),  diesem  mindestens  gleichgestellt  sem 
will,  sobald  er  hört,  dass  dieser  auf  eine  verhältnissmässig  so 
geringe  Leistung  hin  schon  die  Anerkennung  als  Landstand  er- 
reicht habe!  Darin  aber,  dass  durch  Einführung  der  Kurial- 
stimmen  dem  Bürgerstande  wenig  gedient  wäre,  stimmte  der 
Freiherr  von  Schwizen  mit  Herrn  von  Aicherau  überein. 

Als  um  die  Mitte  des  Jahres  1794  das  Gubemium  die 
genannten  Kreishauptleute  zu  einer  Sitzung  einberief,  in  wel- 
cher über  die  sich  widersprechenden  Gutachten  verhandelt 
und  ein  definitiver  Beschluss  gefasst  werden  sollte,  zog  Ai- 
cherau sein  dem  Bauernstände  günstiges  Votum  zurück  und 
sprach  er  sogar  dem  Bürgerstande  die  Berechtigung  irgend 
eine  Neuerung  herbeizuführen,  ab.  Er  entschuldigte  seinen 
Meinungswechsel  damit,  dass  er  erst  nachträglich  von  einer 
„höchsten  Verordnung"  ddo.  IL  August  1792  Kenntniss  er- 
halten habe,  welche  den  Bauernstand  von  allen  Verfassungs- 
reformen ausschliesst  Wenn  die  Regierung  hierin  unerbittlich 
sei,  habe  es  auch  keinen  Smn,  für  den  Bürgerstand  in  die 
Schranken  zu  treten.  Schwizen  und  Hohenrain  brü- 
steten  sich  mit  der  Correctheit  ihrer  schon  ursprünglich  ge- 


0  Pie  3  oberen  Stände  zahlten  zusammen  jährlich  229.562  fl. 

5* 


—     68     — 

äusserten  Ansichten.  Der  „geistliche*  Gubernialrath  Schulz 
aber  verwies  auf  die  Vortreflflichkeit  der  im  Lande  unter  der 
Enns  bestehenden  ständischen  Verfassung  und  meinte:  die 
Anwendung  dieser  auf  Steiermark  empfehle  sich  schon  dess- 
halb,  weil  es  für  das  allgemeine  Wohl  stets  zuträglich  sei, 
wenn  unter  den  Bewohnern  desselben  Staates  „Einför- 
migkeit in  Vertheilung  der  Gerechtsame  und 
Verbindlichkeiten"   herrscht 

Was  das  Gubemium  hierüber  an  die  Hofkanzlei  berich- 
tete, ob  überhaupt  noch  das  inzwischen  missliebig  ge- 
wordene Thema  weiter  erörtert  ward  und  welche  formelle 
Erledigung  den  ständischen  Anträgen  zu  Theil  wurde,  —  er- 
hellt aus  den  Akten,  die  mir  zu  Gebote  standen,  nicht. 

Offenbar  lähmte  der  oben  angedeutete  Umschwung  den 
Vollzug  des  Auftrages,  um  welchen  es  sich  da  handelte,  und 
gerieth  dieser  selber  darüber  in  Vergessenheit 

Es  vollzog  sich  aber  dieser  Umschwung  nicht  blos  in  den 
Kreisen  der  Regierung  und  nicht  blos  durch  die  Triebkraft 
der  Sorgen,  denen  Graf  Schrottenbach  im  steiermärkischen 
Landtage  Ausdruck  gab,  indem  er  auf  die  Schreckensherrschaft 
in  Frankreich  verwies.  Vielmehr  wich  allenthalben  in  Oester- 
reich  die  Begeisterung  für  Freiheitsideen  einer  jene  Sorgen 
Lügen  strafenden  Ernüchterung,  seit,  mit  Heinrich  von 
SybeP)  zu  reden,  „Frankreich  unter  dem  Drucke  der  or- 
ganisirten  Pöbelmasse  lag,  welche  ihre  Theile  bis  in  die  klein- 
sten Dörfer  des  Landes  verbreitete,  ein  allmächtiges  Regiment 
über  Leib  und  Leben  der  Bürger  handhabte,  ihre  Opfer  nach 
Tausenden,  ihre  Beute  nach  Millionen  zählte  und  bald  gegen 
die  eigenen  Genossen  mit  gleicher  Grausamkeit  wie  gegen 
die  übrige  Bevölkerung  wüthete". 

Das  war  ein  weit  triftigerer  Grund,  dem  Bürger-  und 
Bauernstände  politische  Wünsche,  mit  welchen  sich  die  Stimm- 
führer in  Beider  Mitte  trugen,  zu  versagen,  als  die  Angst  vor 
Ueberhebung  dieser  Stände  für  den  Fall,  dass  ihnen  jene 
Wünsche  rückhaltlos  gewährt   worden    wären.     Denn  traute 

»)  Geschiclito  der  Ilevolutionszeit  vop  1789—1795,  IX.  Bucb,  1.  Kapitel, 


—     69     — 

man  ihnen  schon  für  diesen  Fall  nicht  genug  Selbstbeherr- 
schung zu,  so  stand  ja  noch  weit  Aergeres  zu  befllrchten, 
wenn  man  hochgespannte  Erwartungen  unerfüllt  liess. 
Die  Sehnsucht  hatte  eben  nachgelassen  ')  und  d  e  s  s  h  a  1  b 
konnte  auch  der  in  Frage  stehende  Antrag  auf  Gleichstellung 
der  vier  Stände  unbedenklich  der  Vergessenheit  überliefert 
werden. 

Uebrigens  hat  es  den  Anschein,  als  hätte  die  Berück- 
sichtigung des  Bauernstandes,  in  welcher  mehrere  Staats- 
beamte auch  nach  dem  Tode  Leopold's  ü.  noch  wetteiferten, 
eine  Zeit  lang  allerdings  an  der  Stimmung  der  Landbevöl- 
kerung selber  auch  in  Steiermark  einen  Rückhalt  gehabt. 

Der  tirolische  Stände  -  Deputirte  Andreas  Dipauli 
brachte  Einschlägiges  in  Erfahrung,  als  er  im  September  1791 
auf  der  Heise  nach  Wien  die  Stadt  Enittelfeld  passirte. 
Laut  dem  Tagebuche,  das  er  führte  %  war  es  der  hiesige  Bür- 
germeister, welcher  ihm  mittheilte,  die  Bauern  der  Umgebung 
bewürben  sich  jetzt  gleichfalls  um  Sitz  und  Stimme  im  Land- 
tage uud  hätten  bereits  Bevollmächtigte  aus  ihrer  Mitte  liiezu 
erwählt  Oder  missverstand  etwa  Dipauli  die  ihm  gemachte 
Mittheilung,  indem  er  den  „vierten"  Stand,  von  dem  der  Bür- 
germeister gesprochen  haben  dürfte,  nach  tirolischer  Anschauung 
für  den  Bauernstand  hielt,  während  in  Steiermark  der  Bür- 
gerstand damit  gemeint  war? 

Ein  mmder  zweifelhaftes  Zeugniss  für  die  dermalige  Reg- 
samkeit des  politischen  Sinnes  unter  dem  steiermärkischen 
Landvolke  ist  das  in's  Jahr  1785  zurückreichende  Erscheinen 
einer  eigenen  „Bauem-Zeitung"  zu  Graz  (bei  Michael  Ambros), 
deren  Tendenz  indessen  nie  eine  sich  überstürzende  war  und 


^)  Hierauf  hat  schon  Dr.  Pipitz  in  seiner  Schrift  „Die  Jakobiner  in  Wien" 
Zürich  1842  und  neuestens  AntonSpringer  in  seiner  „Geschichte 
Oesterreichs  seit  dem  Wiener  Frieden*'  1.  Th.,  S.  49  hingewiesen. 
Eine  quellenmässige  DarsteUung  der  damaligen  Reaktion  (wor- 
unter man  keineswegs  ein  blosses  Zurückdrängen  berechtigter  Volks- 
wünsche verstehen  darf)  existirt  noch  nicht 

*)  Handschrift  Nr.  1242  der  Bibliotheca  Tirolensis  im  Ferdinandeum 
zu  Innsbruck. 


—     70     - 

die  im  Jahre  1792  bereits  den  „unteren**  Ständen  begreiflich 
zu  machen  suchte,  dass  die  „Ungleichheit  der  Stände "*  eigent- 
lich ein  Glück  für  sie  sei,  nachdem  ihre  niedrige  sociale  Stel- 
lung bei  Bedrängnissen,  welche  sie  erleiden,  ihnen  Beweise 
der  Barmherzigkeit  eintrage,  auf  die  sie  nimmer  rechnen  könn- 
ten, wenn  die  Kluft,  die  sie  von  ihren  bisherigen  Wohlthä- 
tem  trennt,  einmal  überbrückt  wäre  0* 


JL.Tkliarks. 


Beilage  L 

Handschreiben  Kaiser  Leopold's  ü.  vom  29.  April  1790  an 
den  obersten  Hofkanzler  Orafen  Kolowrat  in  Betreff  der 
Wiederbelebung  der  Stande. 

„liieber  Graf  Kollowrat!  Da  es  nöthig  ist,  dass  die  ebenso 
manigfaltigen  als  wichtigen  Gegenstände,  welche  Ich  durch  die 
Stände  Meiner  Erblande  Mir  vortragen  zu  lassen  entschlossen 
bin  und  worüber  Ich  schon  zum  Theil  Meine  Gesinnungen  zu 
erkennen  gegeben  habe,  in  einer  bestimmten  Ordnung  von 
denselben  in  Berathung  gezogen  und  das  ständische  Gutachten 
in  eben  dieser  Ordnung  nach  und  nach  eingesendet  oder  durch 
eigene  Deputirte  hieher  gebracht  werde,  so  wird  die  böhmi- 
mische  und  österreichische  Kanzlei  unverzüglich  an  Böhmen, 
Mähren,  Schlesien,  Gestenreich  ob  der  Enns,  Steiermarkt 
Kämthen,  Krain,  Grörz,  Tyrol  und  Vorder-Oesterreich  in  Mei- 
nem Namen  den  Befehl  erlassen,  dass  die  Stände  in  der  in 
jedem  Lande  bestehenden  gesetzmässigen  Gestalt  sich  in  einem 
Landtag  versammehi  und  von  denselben  die  nachstehenden 
Punkte,  jeder  abgesondert,  und  mit  einziger  Rücksicht  auf  das 
allgemeine  Beste  des  Staates,  genau  erörtert  und  gutachtlich 
erlediget  werden  sollen: 


^)  Siehe  z.  B.  den  Bericht  Über  einen  Brand  zu  Brück  an  der  Mar  in 
der  Nummer  49  vom  20.  September  1792. 


—     71     — 

1.  „Nach  der  schon  befohlenen  Aufhebung  des  neuen  Steuer- 
und  Urbarien-Systems,  damit  die  wieder  einzuführende  alte  Steuern 
nicht  in  das  Stocken  gerathen,  die  innerliche  Ruhe  und  Zu- 
friedenheit aller  Steuerpflichtigen  erhalten  und  dem  Unter- 
than  nach  Thunlichkeit  durch  das  patriotische  Benehmen  der 
Stände  und  Grundherren  so  viel  Erleichterung  verschafft  werde, 
wie  auch  so  viel  möglich  und  der  Billigkeit  gemftss  die  Re- 
luirung  der  Roboten  in  Geld,  gemäss  dem  Verlangen  der 
meisten  Unterthanen,  von  den  Obrigkeiten  angetragen  werden 
möge,  welches  zur  Befriedigung  derselben  sehr  zu  wünschen 
wäre.  Dieser  erste  Punkt  ist  jedoch  in  dem  Reskript  nach 
Tyrol  und  den  Vorlanden,  wo  das  neue  Steuersystem  nicht 
eingefilhret  wurde,  nicht  einzuschalten.  ** 

2.  „Die  Wiedereinführung  der  ständischen  Verfassung 
und  ihrer  Wurksamkeit,  Wobey  die  Historische  Darstellung 
derselben,  wie  solche  vormals  und  hernach  sowohl  während 
als  nach  der  Regierung  der  Eaiserinn  Eöniginn  höchstseligen 
Gedächtnisses  war,  vorauszugehen  und  dann  die  umständliche 
Vorschläge,  auf  was  Art  dieselbe  mit  Rücksicht  auf  die  ge- 
genwärtigen Umstände  und  ohne  Bebürdung  des  Landes  oder 
des  Aerariums  auf  die  zweckmässigste  Art  wieder  hergestellt 
werden  könne,  zu  folgen  haben  werden.^ 

3.  „Die  Darstellung  aller  ständischen  und  übrigen  Be- 
schwerden, gravamina  und  Wünsche  derselben  sowohl  in  Rück- 
sicht auf  die  Civil-  und  Strafgesetze,  als  in  Beziehung  auf  die 
politischen  und  Cameral  -  Verfügungen,  wobey  Ich  Mich  ohne- 
hin versehe,  dass  Meine  getreuen  Stände  nichts  verlangen 
werden,  was  die  Grenzen  der  Billigkeit  überschreiten  oder  der 
Beförderung  des  allgememen  Wohls  hinderlich  seyn  könnte.' 

„Die  Eanzley  wird  also  in  dieser  Gemässheit  unverzüg- 
lich em  Circular  -  Reskript  entwerfen  und  diesen  Aufsatz  zu 
Memer  Genehmigung  Mir  ungesäumt  vorlegen.  ** 

Wien,  den  29.  April  1790. 

Leopold  m.  p. 


-  1i  - 

Beilage  IL 

Der  Konflikt  zwischen  dem  Herren-  and  Bitterstande. 

(Excurs  des  Verfassers  der  vorstehenden  Abhandlung ) 

Im  November  1790  wendeten  sich  Mitglieder  des  steier- 
märkischen  Bitterstandes  an  den  Kaiser  mit  dem  Gresuche: 
es  möge  diesem  Stande  gestattet  werden,  sich  bei  den  in  Wien 
über  die  ständischen  AnUegen  abzuhaltenden  Konferenzen  durch 
einen  besonderen  Deputirten  auf  seine  (des  Bitterstandes) 
Kosten  vertreten  zu  lassen.  Der  Kaiser  willfahrte  dem  un* 
term  23.  November  1790  mit  demBeisatze,  dass  er  es  „billig" 
finde. 

In  dem  Gesuche  fahren  die  Petenten  aus :  sie  hätten  schon 
im  Juli  1790  Grelegenheit  gehabt,  sich  von  der  Engherzigkeit 
des  Herrenstandes  zu  überzeugen,  der  sich  damals  ge- 
weigert habe,  ins  Verordneten-Kollegium  einen  zweiten  Be- 
Präsentanten  des  Bitterstandes  aufzunehmen.  Ihr  Antrag  sei 
damals  vom  Herrenstande  mit  dem  Vorgeben  abgewiesen  wor- 
den, die  ständische  Cassa  vertri^e  keine  Mehrauslage,  wie  sie 
durch  die  Besoldung  zweier  Verordneten  aus  dem  Bitterstande 
ihr  erwachsen  müsste.  Desshalb  wenden  sie  sich  nunmehr, 
wo  es  sich  um  die  Wahrung  ihrer  bei  den  Konferenzen  fest- 
zustellenden Hechte  handelt,  direkt  an  den  Kaiser. 

Als  die  a.  h.  Entschliessung  vom  23.  November  durch 
einintimat  des  Grafen  Stürkh  an  die  „steirischen  Herren  Stände" 
(ddo.  ^0.  November)  und  durch  eine  Einladung  an  den  Senior 
des  Bitterstandes,  Hofrath  Fr.  Ernst  v.  Plöckner,  die  bezüg- 
liche Wahl  zu  leiten,  in  den  Kreisen  der  Betheiligten  bekannt 
wurde,  erregte  die  darin  enthaltene  Bestimmung,  dass  der 
Bitterstand  seinen  Vertrauensmann  selber,  d.  h.  ohne  Ein- 
flussnahme  der  übrigen  Stände  wählen  solle,  —  keine  geringe 
Sensation. 

PIöcIq^  ßdmeh  die  Wahlversammlung  auf  den  2.  De- 
zembpr  g^j^   *  ^r^mittelbar  nach   ihrer  Eröffnung  ward  er  von 


—     73     — 

mehreren  Seiten  über  den  Hergang  der  Sache  interpellirt  Da 
bekannte  sich  der  Gutsbesitzer  von  MosmiUem  zur  Urheber- 
schaft. Es  scheint  jedoch,  als  habe  derselbe  blos  das  Odium 
der  Sache  auf  sich  genommen,  während  das  fragliche  Gesuch 
in  der  That  nicht  blos  von  ihm  verfasst  und  emgereicht  wurde. 
Wenigstens  pflichteten  mehrere  unter  den  Anwesenden  Dem, 
was  MosmiUem  allein  gethan  haben  wollte,  bei  und  die  Ver- 
sammlung sprach  ihm  sogar  per  Majora  ihre  Anerkennung  fbr 
die  bewiesene  patriotische  Theilnahme  aus.  Doch  erklärte  die 
nämliche  Mehrheit,  mit  der  diesfiüligen  Absonderung  der  Ritter- 
schaft vom  geistlichen  und  Herrenstande  nicht  einverstanden 
zu  sein;  zumal  ja  daraus  die  Folgerung  werde  gezogen  wer- 
den, dass  der  ritterschaftliche  Deputirte  keinen  Anspruch  auf 
Entschädigung  aus  der  gemeinschaftlichen  Domestical-Cassa 
habe. 

„Die  Stände  Steiermarks"  —  Mess  es  femer  in  dem 
wider  Mosmillera's  Einschreiten  erhobenen  Proteste  —  „bilden 
von  jeher  nur  Einen  Körper,  der  sich  über  das  gemeinschaft- 
liche Beste  der  Landschaft  mit  keinem  Grunde  entzweien  kann, 
da  alle  Stände  gleichmässig  das  Wohl  der  Provinz  zum  End- 
zweck ihres  Daseyns  haben."  Hieran  reihte  sich  der  Wunsch; 
es  möge  der  zu  entsendende  Ritterschafts-Deputirte  in  einer 
allgemeinen  Versammlung  aller  Stände  gewählt  werden.  Bei 
der  Abstimmung  hierüber  äusserten  sich  1 0  Stimmen  bejahend, 
4  vemeinend.  MosmiUem  gab  ein  Separatvotum  zu  ProtokoD. 

Der  Vorsitzende  legte  den  an  die  Stelle  des  Wahlaktes 
getretenen  Protest  der  zu  diesem  Akte  Geladenen  dem  Gu- 
bemium  mit  der  Bitte  vor,  den  darin  ausgedrückten  Wunsch 
zu  unterstützen.  Er  unterliess  es  auch  nicht,  zu  versichem, 
dass  er  „in  eine  so  unangenehme  Anstössigkeit  lieber  nicht 
verflochten  worden  wäre",  übrigens  aber  mit  dem  gefassten 
Beschlüsse  vollkommen  einverstanden  sei.  Andererseits  konnte 
er  aber  doch  wieder  nicht  umhin,  diese  Zustimmung  an  die 
Voraussetzung  zu  knüpfen,  dass  vor  allem  im  Landtage  aus- 
gemacht werde,  wie  viel  ständische  Aemter  der  Herrenstand 
dem  Ritterstande  vergönnt  Darauf  hin  möge  der  Landtag  zur 


—     74     — 

fraglichen  Wahl  schreiten.  Hielte  das  Oubemium  diesen  Weg 
nicht  far  den  richtigen,  so  lege  es  zum  mindesten  den  steier- 
märkischen  Ständen  „die  niederösterr.  Landschafts-Einrichtong 
pro  Cinosura  und  zur  Anpassung  an  die  hierländischen  Ver- 
hältnisse^ vor. 

Sobald  der  Herrenstand  erfuhr,  dass  die  versammelte 
Ritterschaft  im  entscheidenden  Augenblicke  doch  wieder  ein- 
gelenkt hatte,  griff  er  den  fallen  gelassenen  Antrag  Mos- 
millem's  auf,  jedoch  mit  der  von  der  Mehrheit  der  Ritter  selber 
gewünschten  und  nun  im  offenen  Landtage  unschwer  durch- 
gesetzten Modification,  die  demselben  die  Spitze  abbrach.  Der 
Antrag  lautete  sonach:  es  möge  gestattet  werden,  dass  die 
Stände  statt  2  Deputirte  4,  u.  z.  neben  den  beiden  aus  dem 
Herrenstande  je  einen  vom  geistlichen  und  Ritter-Stande  ent- 
senden, „welche  vom  ganzen  ständischen  Gremio  ohne  Unter- 
schied der  Bänke  gewählt  und  alle  auf  Kosten  des  ständischen 
Domestici  abgeordnet  werden". 

Der  Kaiser  stellte  das  Miyestäts-Gesuch,  welches  dieses 
Anliegen  vorbrachte,  mit  Handbillet  vom  16.  Dezember  1790 
der  „vereinigten  Hofistelle''  (worunter  die  damals  auch  mit 
einem  grossen  Theile  der  erbländischen  Finanzgeschäfte  be- 
traute Hofkanzlei  zu  verstehen  ist)  zur  Begutachtung  zu.  Diese 
Stelle  empfahl  nun  dem  Kaiser,  an  der  a.  h.  Entschliessung 
vom  23.  November  festzuhalten.  Sie  ging  von  der  nämlichen 
Anschauung  aus,  welche  auf  dem  Wahltage  der  Ritterschaft 
gesiegt  hatte,  gelangte  aber  zu  der  entgegengesetzten  Schluss- 
folgerung, indem  sie  deduzirte,  dass  gerade  desshalb,  weil  alle 
vier  Stände  versichern,  das  gleiche  Ziel  vor  Augen  zu  haben 
und  ihre  Interessen  dem  gemäss  nicht  unter  einander  in  Wi- 
derspruch gerathen  können,  es  keinem  Anstände  unterliege, 
Jede  Bank  filr  sich  wälen  zu  lassen".  Jedenfalls  werde  da- 
durch der  ^ohne  Vergleich  schwächeren  geistlichen  und  Ritter- 
Bank''  eine  Ursache  benommen,  „über  jene  der  Herren  zu 
klagen. '^  Dj^^^  Gutachten  erstattete  die  Hof  kanzlei  am  23.  De- 
zember 7^g  Wie  es  nun  kam,  dass  Graf  Khevenhiller  am 
29,  JmuAi,  K    ^-ä  vom  Kaiser  ermächtiget  wurde,  den  Grafen 


—     75     — 

Stürkb  im  entgegengesetzten  Sinne  anzuweisen  und 
so  dem  Herrenstande  zur  abermaligen  Bethätigung  seines  na* 
merischen  Uebergewichts  im  Landtage  zu  verhelfen,  ob  da 
vielleicht  ein  Missverständniss  unterlief  oder  auf  die  Möglich- 
keit, ein  solches  vorzuschützen,  gesilndiget  wurde :  das  ist  un- 
aufgeklärt Auflfallend  ist  die  Baschheit,  womit  von  Eheven- 
hiller's  Weisung  Gebrauch  gemacht  wurde,  so  dass  kaum  8 
Tage  später  die  ihr  gemäss  gewählten  Deputirten  in  Wien 
eintrafen,  somit  eine  Thatsache  vorlag,  welche  sich  nimmer 
illckgängig  machen  liess.  Fast  scheint  es,  als  wäre  ein  Wider- 
ruf oder  eine  Berichtigung  der  Meldung  E^hevenhiller's  be- 
fürchtet worden.  Denn  es  vergmgen  von  da  an  bis  zur  Ein- 
vernehmung der  Deputirten  noch  5  Wochen. 

Inzwischen  hatte  auch  Mosmillern  die  Hände  nicht  in  den 
Schoss  gelegt  Er  hatte  sich  von  seinen  Anhängern  das  Mandat 
ertheilen  lassen,  welches  die  a.  h.  Entschliessung  vom  23.  No- 
vember dem  Ritterstande  als  solchem  anheim  gab 
und  das  an  formeller  GUtigkeit  dadurch,  dass  nur  ein  paar 
Auftraggeber  dahinter  standen,  nichts  einbUsste,  weil  eben  die 
Zahl  der  zu  einer  giltigen  Wahl  erforderlichen  Wähler  nicht 
feststand,  ausserdem  aber  die  Gegner  der  vom  Kaiser  durch 
jene  Entschliessung  vorgezeichneten  Wahlart  durch  ihren  Pro- 
test des  Rechtes,  darnach  zu  wählen,  sich  begeben,  wo  nicht 
dasselbe  verwirkt  hatten. 

So  erklärt  es  sich,  dass  neben  dem  vom  Landtage  ge- 
wählten Vertreter  des  Ritterstandes  auch  Mosmillern  in  glei- 
cher Eigenschaft  den  Konferenzen  beigezogen  wurde,  wo  der- 
selbe begreiflicher  Weise  den  Deputirten  des  Landtags  als 
heftiger  Opponent  gegenüberstand,  insbesondere  den  Wunsch 
nach  einem  besonderen  Landeshauptmanne  anfocht  und  da- 
durch jene  Deputirten  dergestalt  erbitterte,  dass  sie  ihm  in 
der  Konferenz  vom  9.  März  das  Recht,  im  Namen  des  steier- 
märkischen  Ritterstandes  da  zu  sprechen,  streitig  machten. 
Der  Gegendeputirte  Dr.  v.  Feldbacher  bemerkte,  es  sei  ihm 
von  einer  BevoUmächtigung  des  Mosmillem  nichts  bekannt 
Dieser  erwiderte:  der  Ritterstand  habe  seine  in  derWahlver- 


—     76     — 

Sammlung  vom  2.  Dezember  kundgegebene  Meinung  seither 
wieder  geändert,  versage  vielmehr  dem  Dr.  v.  Feldbacher  die 
Anerkennung  als  Vertreter  seiner  Interessen  und  habe  aller- 
dings ihn  (Mosmillem)  ermächtiget^  diese  bei  den  Konferenzen 
zu  vertreten.  Am  12.  März  legte  er  einem  Nachtrage  zu  den 
Separatvoten,  die  er  auch  schriftlich  abgab,  die  von  seinen 
Wählern  erhaltene  Instruction  zum  Beweise  bei,  dass  er  kei- 
neswegs unbefugt  oder  bloss  nach  eigenem  Ermessen  die  Ein- 
wendungen erhebe,  welche  den  Deputirten  des  Landtags  so 
viel  Aerger  bereiteten. 

Er  und  der  Deputirte  des  Bürgerstandes  setzten  die  er- 
wähnte Opposition  fort,  entkräfteten  dadurch  die  Argumente 
des  Herrenstandes  und  bald  verbreitete  sich  das  Gerücht,  in 
Mitte  der  steiermärkischen  Stände  seien  Zerwürfhisse  ent- 
standen, welche  das,  was  die  Deputirten  des  Landtags  vor- 
bringen, nicht  als  den  correcten  Ausdruck  der  ständischen 
Begehren  erscheinen  lassen.  Jene  Deputirten  gaben  sich  nun 
Mühe,  dies  zu  widerlegen  und  beschuldigten  Mosmillem  in 
einer  Eingabe  an  den  Erzherzog  Franz  der  Anmassung,  dran- 
gen auch  erneuert  auf  Beibringung  einer  förmlichen  Vollmacht 
seitens  desselben. 

Am  23.  März  fand  abermals  eine  Konferenz  statt,  zu 
welcher  auch  Mosmillem  sich  einstellte  und  zwar  so  wenig 
emgeschüchtert,  dass  er  vielmehr  über  seine  Hintansetzung 
seitens  der  Landtagsdeputirten  Klage  führte,  ja  sogar  verlangte, 
dass  alle  nicht  von  ihm  mitunterzeichneten  Schriftstücke,  welche 
von  letzteren  überreicht  worden  waren,  für  »illegal"  erklärt 
werden.  Denn  er  allein  sei  der  wahre  Repräsentant  des  Bitter- 
standes. 

Im  Verlauef  der  Verhandlungen  kamen  die  Landtags- 
Deputirten  nochmals  auf  die  Vollmachtfrage  zurück,  indem  sie 
geltend  machten,  Mosmillem  habe  mindestens  zur  Zeit  der 
ersten  Konferenz  noch  keine  Vollmacht  besitzen  können,  weil 
nachher  noch  einige  Mitglieder  des  Ritterstandes  sich  an  Schrit- 
ten im  Sinne  der  Landtagsmajorität  betheiligten,  und,  wenn  er 
auch  mittlerweile  eine  solche  erhalten  hätte,   so  sei  sie  doch 


—     77     — 

ungiltig,  weil  dem  Ritterstande  nicht  zukomme,  ausserhalb 
des  Landtags  und  im  Widerspruche  mit  dessen 
Beschlüssen  eine  Vollmacht  auszusteUen. 

In  den  Kreisen  der  Regierung  aber  machten  diese  An- 
fechtungen nicht  den  geringsten  Eindruck.  Mosmillem  stand 
in  fortwährendem  offiziellen  Verkehre  mit  den  Hofstellen,  trug 
durch  seine  freisinnigen  Erörterungen  viel  zur  Klärung  der 
Situation  bei,  lieferte  der  Hofkanzlei  Handhaben  zur  Abwehr 
der  Gelüste  des  steiermärkischen  Heirenstandes  und  erfreute 
sich  dafür  auch  hoher  Gunst. 

Ein  Hofdekret  vom  15.  April  1791  trug  den  steiermär- 
kischen Ständen  auf,  ihm,  der  auf  ausdrücklichen  a.  h. 
Befehl  als  zweiter  Deputirter  der  steirisch-ständischen  Ritter- 
schaft den  Konferenzen  beigezogen  worden  sei,  auch  die 
Tag-  und  Liefergelder,  welche  die  übrigen  stän- 
dischen Deputirten  bezogen  hätten,  flüssig  zu 
machen.  Am  27.  April  intimirte  der  Vice-Präsident  des  Gu- 
bemiums,  Graf  Wurmbrand,  dem  ständischen  Ausschusse  dieses 
Dekret  Darüber  ärgerte  sich  nun  der  Ausschuss  nicht  wenig. 
Graf  Ferdinand  Attems  bewirkte  als  Berichterstatter,  dass  in 
der  Sitzung  des  Ausschusses  vom  15.  Mai  1791  folgende  Ant- 
wort an  das  Gubemium  beschlossen  wurde: 

„Obschon  den  gesammten  Ständen  bekannt  ist,  dass  der 
von  Mosmillem  Anfangs  bei  Sr.  Majestät,  unserem  a.  g.  Lan- 
desftirsten,  die  Einberufung  eines  Deputirten  aus  dem  Ritter- 
stande auf  eigene  Kosten  angesucht  und  diese  Bewilligung 
solcher  Gestalten  erhalten,  hernach  aber  auf  Ansuchen  des 
Ritterstandes  und  auf  die  Vorstellung  der  gesammten  Stände 
ein  im  Landtage  gewählter  Deputirter  des  Ritterstandes  gegen 
Erhaltung  der  Diäten  zugestanden,  solcher  auch  in  Person  des 
V.  Feldbacher  nach  Wien  abgesendet  worden,  so  fügen  sich 
doch  die  treudevotesten  Stände  und  weisen  sie  das  Partikulare 
mit  605  fi.  54  kr.  bei  der  vereinigten  Landesbuchhaltung  an. 
—  Nur  müssen  sie  Se.  Miyestät  allerunterthänigst  bitten,  dass 
Höchstdieselbe  in  Zukunft  keinen  Deputirten  mehr  an- 
;5uhören  geruhen  möchten,  der  nicht  von  gesammteij 


—     78     -- 

Ständen  im  Landtage  gewählt,  folglich  nicht  mit  der 
Vollmacht  der  gesammten  Stände  versehen  ist  Diese  a.  u. 
Bitte  gründet  sich  auf  die  Ordnungs-Verfassmig  der  Stände 
und  auf  das  Beste  des  Landes.  Die  Erhörung  derselben  wird 
allen  Zwietracht  und  Widerspruch  beseitigen  und  die  ständi- 
schen Deputirten  nicht  mehr  in  die  unangenehme  Lage  setzen, 
den  Vorwurf  anhören  zu  müssen,  dass  die  Stände  unter  sich 
uneins  seien ;  die  Behandlungen  mit  den  Ständen  werden  ohne 
Aufenthalt  und  in  möglichst  kürzester  Zeit  vollendet  werden 
können  und  die  ständischen  Kassen  von  Kosten  erübriget  sein, 
die  ganz  leicht  erspart  werden  können/ 

Damit  erreichte  der  Konflikt  sein  Ende. 

Beachtenswerth  ist,  dass  derselbe  Graf  Ferdinand 
Attems,  welcher  als  Berichterstatter  im  ständischen  Ausschusse 
am  14.  Mai  1791  den  Entwurf  zu  obigem  Antwortschreiben 
verlas  und,  nachdem  dieser  Entwurf  vom  Ausschusse  gutge- 
heissen  worden,  das  allerdings  von  anderer  Hand  geschriebene 
Concept  mit  dem  „Scribatur"  versah,  also  neuerdings  guthiess, 
im  Oktober  und  November  1791  am  kaiserlichen  Hof- 
lager wiederholt  als  Vertreter  der  Landeswünsche  sich  benahm, 
ungeachtet  er  dazu  nicht  nur  nicht  „von  gesammten  Ständen 
im  Landtage",  sondern  nicht  einmal  von  einem  der  vier  Stände 
bevolhnächtiget  worden  war.  Hätte  damals  der  Kaiser  der  in 
obigem  Antwortschreiben  ausgesprochenen  Bitte  mit  mehr  Ge- 
dächtnisstreue, als  dem  Grafen  Attems  zu  Gebote  stand,  sich 
erinnert,  so  würde  dieser  kein  einziges  Mal  in  der  Eigenschaft 
eines  Vertreters  der  Steiermark  bei  ihm  Zutritt  erhalten  haben 
und  zwar  auf  Grund  seiner  eigenen  Worte. 


Beilage  111. 

Votum  des  Hofkammer-Fräsidenten  Budolf  Grafen  Ghotek. 

(Zu  S.  27.) 

„Graf  Chotek  wünschet  so  sehr  als  die  vorhergegangenen 
Stimmen  die  Zuziehung  des  Bürgerstandes.  Er  findet  die  Wechsel- 


—     79     — 

seitige  Verwebung  der  Interessen  aller  Klassen  der  Staats- 
bürger und  ihren  gemeinschaftlichen,  wenn  auch  beschränkten 
Einfluss  in  den  Vei-waltungs  -  Geschäften  des  Landes  von  un- 
gemeinem Nutzen  und  er  hat  als  Privatmann  hierüber  seine 
Meinungen  deutlich  an  den  Tag  gelegt  Er  glaubt  aber  nicht, 
dass  ein  Machtspruch  dasjenige  Mittel  sei,  welches  dem 
Endzwecke  und  den  Rechten  des  dermalen  bestehenden  stän- 
dischen Körpers  entspreche,  von  dem  er  übrigens  hoffet,  dass 
er,  von  den  nützlichen  Absichten  besser  belehrt,  dem  Verlan- 
gen 'der  öffentlichen  Verwaltung  mit  Willfthrigkeit  entgegen 
kommen  wird,  wenn  er  sich  gleich  jetzt  gegen  eine  Neuerung 
sträubt,  die  er  blos  unter  dem  Gesichtspunkte  eines  Eingriffs 
in  seine  Verfassung  betrachtet" 

„lieber  dieses  vielleicht  unbedeutend  scheinende  Geschäft, 
welches  aber  äusserst  fruchtbar  an  guten  und  bösen  Folgen 
werden  kann,  ruft  ihn  seine  Pflicht  als  Staatsbürger  und  als 
Diener  Seiner  Majestät  auf^  seine  auf  Erfahrung  und  innerliche 
Ueberzeugung  gegründete  Meinung  hier  umständlicher  zu  ent- 
wickeln. —  Die  Majora  der  Konferenz  gehen  aus  dem  Grund- 
satze aus, 

a)  dass  die  Stände  die  Repräsentanten  des  Volkes 
sind,  und  dass 

b)  der  Landesfürst  durch  seine  Machtvollkommen- 
heit eine  unvollkommene  Repraesentationsart  selbst  allein 
verbessern  könne. 

Insofeme  der  erste  Satz  nicht  zu  bestreiten  wäre,  könnte 
man  freilich  auch  der  Zulässigkeit  des  Bürgerstandes  und  später- 
hin auch  des  Bauernstandes,  da  wo  der  nexus  subditelae 
gehoben  ist,  als  einer  Forderung  strengen  Rechtes  nichts 
entgegensetzen.  Dass  die  Stände  dieses  aber  nicht  sind,  nach 
ihrer  bisherigen  Verfassung  nie  sein  konnten,  dieses 
kann  Niemandem,  der  auch  nur  die  oberflächliche  Kenntniss 
davon  hat,  zweifelhaft  scheinen.  Anstatt  also  zu  sagen:  die 
Stände  sind  Repräsentanten  des  Volkes,  mithin  gehören 
auch  die  Bürger  dazu,  sollte  das  Argument  so  lauten:  die 
St^de  soll  teil  die  Repräsentanten  des  Volkes  sein,  mithin 


—     80     — 

sollten  auch  die  Bürger  dazu  gehören.  Dann  aber  liegt 
in  dem  Argument  eine  peütio  principiii  so  lang  die  Vor  frage 
nicht  als  entschieden  vorausgesetzt  werden  kann.*' 

„Mit  der  Erörterung  dieser  letzteren  sollte  also  die  Be* 
rathschlagung  eigentlich  angefangen  und  das  Problem  aufge- 
worfen werden: 

„Ob  die  dennalige  ständische  Verfassung,  vermög  welcher 
einer  bestinunten  Klasse  von  Menschen  das  Recht,  in  öffent- 
liche Angelegenheiten  einen  mehr  oder  minder  beschränkten 
Einfluss  zu  nehmen,  eigen  ist,  in  eine  förmliche  National-  oder 
Volksrepräsentation  umzusetzen  sei?"  —  ein  Problem,  welches 
von  so  entscheidender  Wichtigkeit  ist,  dass  ich  nicht  zu  viel 
zu  sagen  glaube,  wenn  ich  behaupte,  dass  unter  gegebenen 
Umständen  und  bei  den  jetzt  herrschenden  Lieblingsideen  das 
Schicksal  der  Monarchie  seiner  Zeit  davon  ab- 
hängen kann;  ein  Problem,  welches  zwar  hie  und  da  als 
entschieden  vorausgesetzt  wird,  niemals  aber  in  unsem 
Dicasterien  zur  reiflichen  Untersuchung  gekommen  ist'' 

„Diese  Untersuchung  gehört  eigentlich  auch  nicht  hieher, 
nachdem  der  Hofkammerpräsident  weit  entfernt  ist,  den  Bür- 
gerstand ausschliessen  zu  wollen,  sondern  nur  den  Satz,  aus 
welchem  einige  Stimmen  dessen  Zulässigkeit  als  ein  aus  der 
Natur  der  ständischen  Repräsentation  fliessen- 
de s  Recht  folgern,  bestreiten  zu  müssen  glaubt;  weil  er  ihn 
für  den  Landesfürsten  als  äusserst  bedenklich  ansieht,  zumal 
bei  den  über  Volks-  und  Monarchenrechte  sich  verbreitenden 
Meinungen." 

„Die  erste  Folge  dieses  als  richtig  vorausgesetzten 
Satzes,  nämlich  die  Zulassung  des  Bürgerstandes,  wird  zwar 
der  öffentlichen  Verwaltung  willkommen  sein;  der  zweite 
Schritt,  der  unausbleiblich  darauf  folgen  muss,  eine 
gleiche  Forderung  von  Seite  des  Bauernstan- 
des, wird  gewiss  auch  und  mit  guten  Gründen  Vertheidiger 
finden." 

„Wie  wird  es  aber  dann  aussehen,  wenn  diejenigen,  zu 
eieren  Vortbeile  man  den  Satz  gelten  lassen  will,  mit  deq- 


—     81     — 

jenigen  Folgerungen,  welche  die  öffentliche  Verwaltung 
daraus  zulassen  w  i  1 1 ,  seinerzeit  sich  nicht  zufrieden 
stellen  werden?  Wie,  wenn  sie  auf  dem  Wege  der  näm- 
lichen Theorie,  andere  dem  Landesfürsten  und  dem  Lande 
weniger  gleichgiltige  Wahrheiten  gefunden  zu  haben 
glauben;  wie,  wenn  sie,  nachdem  sie  einmal  von  Rechts- 
wegen, gegen  den  Willen  des  Adels  und  des  Qerus,  zuge- 
lassen und  eingesetzet  worden,  auf  eine  der  arithmetischen 
Yolkszahl  angemessenere  Repräsentationsart  dringen, 
die  privilegirten  Klassen  nach  und  nach  ganz  verdrängen 
und  eine  wahre  demokratische  Repräsentation  an  die  Stelle 
zu  setzen  begehren  ?  wie,  wenn  sie  nach  einem  zweiten  glück- 
lichen Versuch  der  Zudringlichkeit  in  der  ständischen  Ver- 
sammlung die  Frage  aufwOrfen,  ob  die  Repräsentanten 
aller  Volksklassen  bloss  dazu  versammelt  wären,  um 
aber  das  zu  antworten,  worüber  man  sie  fragt,  ohne 
das  Recht  zu  haben,  auch  unaufgefordert  zureden;  wie, 
wenn  daraus  preces  armatae  entstünden?  Mit  einem  Worte: 
die  Folgen,  die  aus  dein  Grundsatze  der  Repräsen- 
tation fliessen,  scheinen  unübersehbar  und  bei  Nationen,  die 
unaufgeklärt  sind,  doppelt  gefährlich;  wenigstens  sind  sie  von 
dem  Gewichte,  dass  sie  eher  erwogen  zu  werden  verdienen, 
bevor  die  öffentliche  Verwaltung  eines  monarchischen  Staates 
den  ihr  selbst  am  meisten  gefährlichen  Satz:  die  Stände 
sind  die  wirklichen,  die  echten  Repräsentanten 
der  Nation,  durch  Zwangsmittel  aufstellt "^ 

„Der  Hofkammerpräsident  sieht  also  die  Zuziehung  des 
Bürgerstandes  als  eine  sehr  erwünschliche,  jedoch  aus  der 
ständischen  Verfassung  nicht  fliessende,  mithin  durch  Befehle 
nicht  zu  erzwingende,  sondern  durch  eine  geschickte  Behand- 
lung mit  den  Ständen  mittelst  ihres  freiwilligen  Beitritts  zu 
erzielende  Anstalt  an.^ 

Chotek  m.  p. 


—     «2      — 

Beilage  IV. 

Bericht  der  steiermärkifichen  Stände  an  das  hocUöbl. 
k.  i.  ö.  Onberninm  vom  8.  September  1790  über  ein 
durch  Onbi-Verordnnng  vom  21>  Angnst  d.  J.  um  Be- 
richt zugefertigtes  Gesuch  dreier  Bürger  im  Namen 
der  landesfürstl.  Städte  und  Märkte  dieses  Hersogthumsi 
zu  den  allgemeinen  Landtagen  durch  Ortschaftsdeputirte 
zugezogen  zu  werden'). 

In  der  Anlage  Nr.  1  brachten  Anton  Raspor,  Bürger  zu 
Leoben,  Franz  Haas,  Bürger  zu  Gratz  und  Joseph  Weninger, 
Bürger  zu  Knittelfeld,  im  Namen  der  landesfbrstlichen  Städte 
und  Märkte  Steiermarks  bei  Seiner  Majestät  unserem  gnädigsten 
Landesfürsten  an:  die  in  A  verzeichneten  Städte  und  Märkte 
wären  bei  Gelegenheit,  dass  Seine  Majestät  den  Landständen 
dieses  Herzogthums  aufgetragen,  sich  in  einem  Landtage  zu 
versammeln  und  mit  einziger  Rücksicht  auf  d&s  allgemeine 
Beste  des  Staats  ihre  Beschwerden  und  Bitten  vorzulegen,  zu 
diesem  Landtag  durch  Depuürte  zugereiset,  aber  von  den  drei 
obem  Ständen  zu  den  Berathschlagungen  nur  durch  ihren 
Marschall  (Repräsentanten)  zugelassen  worden. 

Sie  wären  daher  in  die  Nothwendigkeit  versetzet  worden, 
die  ihres  Orts  nach  Inhalt  des  Leitfadens  B  bearbeiteten  Bitten 
und  Wünsche  durch  den  Marschall  bei  dem  Landtage  einlegen 
zu  lassen  und  in  C  zu  bitten,  dass  sie  in  ihre  ursprüngliche 
Wirksamkeit,  mithin  in  Sitz  und  einzelnweise  Stimme  mittels 
Ortschaftsdeputirte  bei  den  Landtagen  anwiederum  rückeinge- 
führt werden  möchten. 


0  Auf  den  Abdruck  der  Beilagen  dieser  Beilage  yenrichten  wir,  weil  der 

Inhalt  eio68  Theiles  derselben  ohnehin   dem  Texte  eingeflochten  ist 

und  die  äor^  i>i<^bt  gewürdigten   zwar  fär  die  Stände-Geschichte  des 

XVI,  j  y^fbunderts  von  Belang  sind,  jedoch  mit  dem  Gegenstande  der 

^'orlj^i^       >,0  Abhandlung  wenig  zu  schaffen  haben.    Das  Gleiche  gilt 

yoD  ^  ^^^ilagen  der  Beilage  V. 


—     83     — 

Sie  wünschten  zwar  über  sämentliche  in  B  verzeichnete 
Gegenstände  von  Seiner  Majestät  selbst  oder  von  einer  gnädigst 
angeordneten  Kommission  vernommen  zu  werden ;  da  sie  aber 
die  Hoffnung  hätten,  dass  ihre  Bitten  ohnehin  Seiner  Majestät 
mit  den  übrigen  Landtagsakten  würden  übergeben  werden,  so 
wollten  sie  ihre  Bitte  dermal  nur  auf  obige  in  G  einschränken, 
an  deren  Grewährung  ihnen  aber  um  so  mehr  gelegen  sei, 
als  die  Ausschliessung  von  den  allgemeinen  Landtagen  ihnen 
immer  mehr  und  mehr  Nachtheil  brächte  und  sie  sich  von 
den  drei  obem  Ständen  kein  günstiges  Einrathen  zu  erwarten 
hätten. 

Sie  müssten  daher  Semer  Majestät  vorstellen,  dass  zur 
nämlichen  Zeit,  als  die  ständische  Verfassung  beinahe  zur 
Scheiterung  gekommen,  auch  sie  als  der  vierte  Stand 
ihr  Ansehen  und  Wichtigkeit  verloren  hätten,  und  da  m  den 
Landtagen  wenig  oder  gar  nichts  Wichtiges  vorgekonunen, 
diese  somit  zu  leeren  Feierlichkeiten  geworden,  so  hätten  sie 
Städte  und  Märkte  zur  Ersparung  der  Unkosten  für  dienlich 
erachtet,  lediglich  durch  einen  Marschall  zu  Landtagen  zu 
erschemen 

Dieses  durch  einhundert  Jahre  gemachte  Benehmen  der 
Stadt  und  Märkte  habe  die  drei  obem  Stände  verleitet,  das 
sub  C  gemachte  Begehren  zu  verweigern  und  auch  den  städti- 
schen Marschall  vom  ständischen  Ausschusse  auszuschliessen. 

Die  alte  Verfassung  in  Rücksicht  der  Städte  und  Märkte 
bestehe  in  Steiermark  eben  also,  wie  in  dem  Lande  Oester- 
reich  ob  d.  Enns,  nämlich,  dass  sie  Städte  und  Märkte  zum 
Landtage  durch  Ortschaftsdeputirte  erscheinen  dürften  und 
dass  auch  aus  ihnen  zwei  Individuen  zum  ständischen  Aus- 
schusse zu  erscheinen  hätten;  dieses  beweisten  sie  durch  die 
Vorladung  Erzherzogs  Ferdinands  v.  J.  1525  zum  Landtage 
in  Brück  in  D,  durch  jene  von  Ebendemselben  zum  Landtage 
m  Gratz  im  Jahr  1527  in  E,  durch  die  Vorladung  des  Lan- 
deshauptmanns und  Vicedoms  zum  Landtage  in  Gratz  im  Jahre 
1528  in  F,  durch  jene  Erzherzogs  Karls  zum  Landtage  in 
Gratz    im  Jahre   1582    in  G,    durch   die  Vorladung  Seiner 

6* 


—     «4     — 

Majestät  Kaiser  Rudolph's  zum  Landtag  in  Gratz  im  Jahre 
1590  in  H  und  durch  die  Einberufung  von  Seite  der  Ver- 
ordneten eines  Individuums  aus  Leoben  zum  ständischen  Aus- 
BchvißB  im  Jahre  1584  in  J. 

Da  nun  die  drei  obem  Stände  die  alte  ständische  Ver- 
fassung hergestellt  wünschten,  so  wünschten  auch  sie  landee- 
fbi*stliche  Städte  undMärttedes  allgememen  Bestes  wegen  ihres 
in  der  Verfassung  sich  gründenden  Begehrens  gewähret  zu  werden 
und  zwar  aus  Ursachen,  weil  die  landesfbrstl.  Städte  und  Märkte 
vor  dem  Recess  vom  15.  September  1699  laut  Ausweises  sub 
K  mit  6002  Pfd.  2  ß.  Herrengült  beansagt  gewesen  und  bald 
mit  m  48,  bald  mit  m/24,  mit  m/31,  mit  m/50  und  itzt  noch 
mit  m/40  f.  ordin.  Contribution  beleget,  folglich  sowohl  in  Rück- 
sicht der  Gütter  als  der  Volksmenge  einen  beträchtlichen  Theil 
des  gemeinen  Wesen  ausmachten;  das  allgememe  Beste  be- 
stehe aber  m  der  Verbindung  des  Besten  aller  einzelnen 
Stände;  ohne  Verletzung  des  allgemeinen  Besten  könne  dem- 
nach kein  Stand  ausgeschlossen  werden;  es  gesdiehe  aber 
dieses,  wenn  sie  Städte  und  Märkte  nur  durch  eine  Stimme 
und  zwar  mit  der  letzten  Stimme  zugelassen  würden;  dieses 
verursache,  dass,  wenn  sich  die  Interessen  der  verschiedenen 
Stände  manchmal  kreuzten,  er  Marschall  nothwendiger  Weise 
schon  zum  voraus  die  mehrem  Stimmen  wider  sich  und  auch 
bei  einer  neuen  Umfrage  keiner  Beistimmung  sich  zu  ver- 
trösten habe. 

Der  Marschall  könne  aber  auch  das  Interesse  der  Städte 
und  Märkte  nicht  jederzeit  zum  Besten  vertreten,  weil  er  so- 
wohl wegen  Entlegenheit  der  Städte  und  Märkte,  als  auch  oft 
wegen  Kürze  der  Zeit  und  aus  Mangel  der  vorausgehenden 
Ueberlegung  des  Landtagsgegenstandes  die  genügsame  Mor- 
mation  nicht  erhalten  könne. 

Aus  diesem  folge  nun,  dass  das  Beste  der  landesfbrstl. 
Städte  und  Märkte  nur  durch  Erscheinung  zum  Landtage  durch 
Ortschaftsdeputirte  und  durch  Zuziehung  der  aus  ihnen  ge- 
meinschaftlich erwählten  Individuen  zum  städtischen  Ausschusse 
nach  dem  Beispiele  der  Städte  und  Märkte  m  Oesterreich  ob 


—     85     — 

der  Enns  erzielet,  mithin  das  allgemeine  Beste  aller  Stände 
nur  durch  diese  Veranlassung  festgesetzet  werden  könne. 

Sie  gesammte  landesfilrstliche  Städte  und  Märkte  mtlssten 
Seine  l^jestät  demnach  bitten,  den  drei  obem  Ständen  dieses 
Herzogthums  anzubefehlen,  zu  den  allgemeinen  Landtagsver- 
sammlungen von  den  Städten  und  Märkten  Ortsdepuürte  zu- 
zulassen, ihnen  einzelnweis  Sitz  und  Stimme  zuzugestehen  und 
aus  ihnen  Individuen  zum  ständischen  Ausschusse  beizuziehen. 

Endlich  tragen  Eingangs  bemelte  Bittsteller  in  der  sub 
Nr.  5  beigelegten  Schrift  weiters  nach :  Es  weise  das  brucker 
Libell  vom  Jahre  1519  aus,  dass  in  diesem  ein  Büi^er  von 
Gratz  und  (einer)  von  Leoben  unterfertiget  sei,  folglich  die 
Stadt  und  Märkte  in  Landtagen  sowohl,  als  im  ständischen 
Ausschuss  und  zwar  im  letzten  mittels  zweier  Individuen  aus 
ihrem  Mittel  Sitz  und  Stimme  hätten. 

Dieses  ist  der  wesentliche  Inhalt  der  sub  Nr.  1  et  5  bei- 
liegenden Bittschriften,  worüber  von  den  Ständen  Steiermarks 
vermög  Verordnung  vom  21.  August  Bericht  abgefordert  worden. 

Die  drei  obem  Stände  dieses  Herzogthums  erstatten  diesen 
und  bemerken  vor  allem,  dass  die  in  den  Beilagen  B  und  C 
enthaltenen  Beschwerden  und  Bitten  der  landesfQrsÜichen  Stadt 
und  Märkte  durch  die  ständischen  Deputirten  mit  den  übrigen 
Landtagsakten  Seiner  Majestät  unserm  gnädigsten  Landes- 
fllrsten  werden  überreichet  werden. 

Ueber  den  Inhalt  der  zwei  oben  angezogenen  Bittschriften 
aber  erklären  die  drei  obem  Stände  hiemit:  „dass  sie  niemalen 
der  Kommunität  der  in A  verzeichneten  landesfürstl. Städte 
und  Märkte  widersprochen  haben,  der  vierte  Stand  dieses 
Herzogthums  zu  sein;  dieses  erprobt  die  allzeit  beschehene 
Einberufung  des  städtischen  Marschalls  zu  den  Landtagsver- 
sammlungen ;  eben  so  wenig  wollen  sie  den  Städten  und  Märkten 
das  Recht  benehmen,  zum  Erbhuldigungsakt  durch  Deputirte 
zu  erscheinen.^ 

„Die  Erscheinung  zu  Landtagen  durch  Ortschaftsdeputirte 
mit  einzelner  Sitz  und  Stimme,  und  die  Zuziehung  der  von 
Städten  und  Märkten  gewählten  Individuen  zum  ständischen  Aus- 


—      8«      — 

Schüsse  aber  können  die  drei  obem  Stände  den  Städten  und 
Märkten  nicht  eingestehen;  dann  die  landesfUrsU  Städte  und 
Märkte  in  particulari  sind  kein  Landstand ;  ein  Beweis  dessen 
ist,  dass  die  in  der  Kommunität  nicht  befindlichen  7  land^fbrst- 
lichen  Städte  und  Märkte  Pettau,  Fridberg,  Rann,  Eimberg, 
Fehring,  Hochenegg,  Metnick  weder  Sitz  noch  Stimme  haben; 
es  ist  also  nur  die  Kommunität  der  31  Stadt  und  Märkte,  die 
in  A  verzeichnet  sind,  nach  ihrer  Vereinigung  als  der  vierte 
Stand  angenommen  worden,  machen  somit  in  Rucksicht  der 
Stände  ein  Corpus  aus,  und  können  eben  so  wenig  mehr 
Stimmen  im  Landtage  haben,  als  eine  geistliche 
Kommunität;  ungeachtet  diese  auch  mehrere  landschaftl. 
Realitäten  und  in  mehrem  Kreisen  besitzet  ** 

,)Seit  undenklichen  Jahren  haben  die  Städte  und 
Märkte  immer  ihren  Marschall  gehabt,  der  ihr  Bestes  auf  den 
Landtagen  besorget  und  mit  einer  Stimme  vertreten  hat; 
dieses  beweisen  die  im  ständischen  Archive  vorfindigen  Land- 
tagsprotokolle vom  Jahre  1565  an  bis  auf  itzige  Zeiten.*^ 

^Den  voUkommsten  und  überzeugendsten  Beweis  aber  liefern 
die  sub  Nr.  2^  3.  und  4.  beigezogene  vidimirte  Abschriften 
aus  den  Landtags-Handlungs-Protokollen  vom  Jahre  1567  und 
1568,  allwo  aus  dem  Rathschlag  sub  Nr.  2  de  dato  16.  Dezember 
1567  zu  ersehen  ist,  dass  die  Städte  und  Märkte  unter  sich 
einen  Ausschuss  benennen,  doch  nur  nach  dem  schon  damals 
alten  Herkommen  auf  die  Landtage  durch  eine  erkttste  Per- 
son und  mit  einer  Stimme  ihre  Meinung  fürbringen  könnten; 
weiters  zeiget  der  in  der  Beilage  sub  Nr.  3  über  diesfällige 
und  über  andere  Gegenstände  von  Stadt  und  Märkten  ge- 
führten Beschwerden  von  ständischer  Seite  im  folgenden  Jahre 
erstattete  Gegenbericht,  dass  sie  durch  den  hiesigen  Bürger- 
meister oder  Richter,  auch  sonst  einer  andern  hiezu  erbette- 
nen  Person  ihre  Stimme  nach  dem  alten  Herkommen  und  Ge- 
wohnheit zu  geben  gehabt  hatten,  und  dass,  wenn  auch  De- 
putirte  der  Städte  und  Märkte  erschienen,  sie  in  oder  ausser 
der  Landstube  ihre  Berathschlagungen  gehalten  und  zuletzt, 
wenn   die  Umfrago  an  sie  jjjekoramen  ist,    durch  den  Bürger- 


—     87     — 

meister  oder  durch  eine  andere  hiezu  erbettene  Person  ihre 
Stimme  abgegeben  haben.  ^ 

„Endlich  beweist  die  Beilage  Nr.  4,  dass  unterm  13.  No- 
vember 1568  die  Stadt  und  M^kte  von  ihrer  vorigen  Be- 
schwerde und  Begehren  von  selbsten  abgegangen  sind;  wie 
dann  auch  bisanher  diesfalls  keine  weitere  Beschwerde,  als 
gegenwärtig,  mehr  rege  gemacht  worden.  Durch  das  angeführte 
ununterbrochene  alte  Herkommen,  durch  den  von  mehr  als 
200  Jahren  erwiesenen  Besitzstand  und  durch  die  angeführten 
Urkunden  zerfallen  die  dem  Rekurs  beiliegende  vermeintliche 
Beweise  in  D,  £  und  6,  da  diese  Einberufungen  zum  Land- 
tage nach  Beweis  der  oben  angeführten  Urkunden  Nr.  2,  3 
et  4  zu  keinem  andern  Endzweck  haben  beschehen  können, 
als  um  sich  mit  den  andern  Städten  zu  berathschlagen  und 
um  jemanden  auszuwählen,  der  die  Stimme  der  Stadt  und 
Märkte  auf  dem  Landtage  führe ;  die  Beilage  F  zeiget  nur  an, 
dass  die  Städte  und  Märkte  einen  Ausschuss  unter  sich  ge- 
wählet, worunter  vorzüglich  die  Stadt  Leoben  begriffen  war. 
Die  Beilage  H  betrifft  lediglich  die  Vorladung  zum  Erbhuldi- 
gungsakt,  zu  welchem  durch  Deputirte  zu  erscheinen,  den  Stadt 
und  Märkten  nicht  streitig  gemacht  wird;  aus  der  Beilage  6 
aber  ist  nur  zu  entnehmen,  dass  eben  der  Stadt  Leoben  zu- 
geschrieben worden  ist,  zum  nächsten  kleinem  Landtag  oder 
Landtagsausschuss  durch  einen  Deputirten  im  Namen  aller 
Städte  und  Märkte  zu  erscheinen  und  bei  dem  hnmer  be- 
stehenden Ausschussraih  auf  einen  aus  dem  Mittel  der  da- 
maligen Verordneten  zu  kompromittiren.  Hieraus  folget  nicht 
nur  die  Richtigkeit  des  oben  angeführten  Satzes,  dass  die 
Städte  und  Märkte  auf  dem  Landtage  niemal  mehr  als  eine 
Stimme  gehabt  haben,  sondern  auch,  dass  niemal  ihr  Vertreter 
zum  beständigen  ständischen  Ausschussrath  zugezogen  worden 
sey ;  dass  aber  zwischen  einem  wegen  einem  besondem  Gregen- 
stand  vom  Landtage  gewählten  Ausschuss  und  zwischen  dem 
beständigen  ständischen  Ausschussrath,  der  die  ständischen  An- 
gelegenheiten ausser  den  Landtagen  zu  besorgen  hat,  ein  Unter- 
schied sey,  ist  ganz  offenbar  und  bedarf  keiner  weitem  Erläutemng.  *^ 


—     88     — 

Dieses  nun  Angeführte  beziehet  sich  auf  die  Rechtsbe- 
fugniss  der  drei  obem  Stände;  nun  wenden  sie  sich  auf  das 
weiters  in  der  Rekursschrift  Angebrachte,  und  zwar: 

^Die  BittsteOer  wollen  mit  der  Beilage  K  beweisen,  dass, 
weil  die  Stadt  und  Märkte  einsmal  mit  6002  Pfd.  2  ß.  Herren- 
gült beansagt  gewessen,  und  bald  mit  n\/48,  ny!24,  ny^l,  nv50, 
und  dermal  mit  nv^40  fl.  beleget  wurden,  sie  in  Absicht  auf 
Gütter  einen  beträchtlichen  Theil  des  gemeinen  Wesens  aus- 
machen; allem,  da  die  landschaftlichen  Freisassen,  die  Pfarrer, 
Zechleute  und  andere  kleine  Gültensbesitzer  viel  mehr  als 
6000  Pfd.  Herrengült  zusammengenommen  besitzen  und  doch 
keinen  Sitz  und  Stimme  auf  dem  Landtage  haben,  so  zerMt 
dieses  angefahrte  Beweismittel  von  Selbsten,  wird  aber  noch 
mehr  entkräftet,  wenn  man  in  Erwägung  ziehet,  dass  selbst 
diese  von  Bittstellern  angeführte  6002  Pfd.  niemal  in  Gülten 
bestanden,  sondern  nur  zu  Formirung  eines  Anschlages  an- 
genommen worden;  aber  auch  dieses  Fictitium  bestehet  nicht 
mehr,  da  die  Stadt  und  Märkte  seit  undenklichen  Jahren  nicht 
mehr  nach  Pfunden  versteuert  werden,  sondern  nach  Verträgen 
ein  gewisses  Kontingent  entrichten;  dass  sie  dieses  Kontri- 
butionskontingent, welches  dermalen  39.759  fl.  28  kr,  beträgt, 
unter  sich  selbst,  ohne  Zuthun  der  drei  obem  Stände  repar- 
tiren;  dass  dieses  Quantum  nicht  einmal  unter  der  postulat- 
mässigen  jährlichen  ordinari  Kontribuzion  von  1,100.000  fl.  be- 
griffen ist,  sondern  nur  den  Ständen  durch  Rezess  vom  26.  Oktober 
1 748  §  2  als  ein  Adminikular-Fond  zur  Bedeckung  der  über- 
nommenen Hofschulden  übergeben  worden  und  dass  die  drei 
obem  Stände  dieses  städtische  rezessual-Quantum  nicht  erhöhen 
und  nicht  vermindem  können.  Die  Bittsteller  haben  also  nicht 
erwiesen,  dass  die  Stadt  und  Märkte  einen  beträchtlichen 
Theil  m  Rücksicht  der  Gütter,  noch  auch  in  Rücksicht  des 
Kontribuzionsbetrags  ausmachen,  und  das  letzte  um  so  we- 
niger, als  das  einzige  Stift  Admont  um  ni/20  fl.  ordin.  Kontrib. 
mehr  zur  Landschaft  entrichtet,  als  alle  in  der  Kommunität 
stehende  Stfidte  und  Märkte." 

n^nstteifi^^  ist  die  wesentliche  Grundlage  der  ständischen 


—     89     — 

Verfassung  und  (sind)  die  wichtigsten  Gegenstände  der  stän- 
dischen Versammlungen  die  Richtigstellung  und  Vertheilung 
der  Kontribution,  dann  die  Aufrechthaltung  des  öffentlichen 
Landeskredits.  Dass  die  Stadt  und  Märkte  der  erste  Gegen- 
stand nicht  betriüt,  ist  bereits  erwiesen;  dass  sie  aber  auch 
zum  öffentlichen  Kredit  nichts  beitragen  können,  ist  ausser 
allen  Zweifel  gesetzt,  da  sie  sehr  unbeträchtliche  landschaft- 
liche Realitäten  besitzen  und  nur  diese  und  nicht  einzelner 
Privatreichthum  sind  das  Unterpfand  des  ständischen  Kredits ; 
dieses  ist  auch  die  Ursache,  dass  der  vierte  Stand  nicht,  son- 
dern nur  die  drei  obem  Stände  in  den  öffentlichen  landschaft- 
lichen Schuldbriefen  unterfertiget  sind.^ 

„Die  wichtigsten  Gegenstände,  welche  das  Beste  der  Stadt 
und  Märkte  betreffen  können  und  von  welchen  der  städtische 
Marschall  immer  genugsam  informirt  seyn  kann  und  von  Amts- 
wegen seyn  soll,  sind:  die  Aufrechthaltung  ihrer  städtischen 
und  Innungsprivilegien ;  Selbstverwaltung  ihres  Gemeinvermögens 
und  ihrer  Kassen ;  die  Ausübung  ihrer  Gerichtsbarkeit ;  Beför- 
derung des  Handels  und  Wandels,  des  Gewerbbetriebs,  der 
Nahrungswege  und  Industrie;  die  Hindanhaltung  der  so  lästi- 
gen Militär-Einquartierung  und  dergleichen  mehr;  dieses  sind 
Gegenstände,  die  die  drei  obem  Stände  unmittelbar  niemal 
betroffen  haben,  sondern  nur  mittelbar  und  im  Allgemeinen; 
hieraus  folget,  dass  das  gemeinschaftliche  Interesse  der  obem 
Stände  mit  jenen  der  Stadt  und  Märkte  und  vice  versa  fast 
in  keiner  Verbindung  stehet,  ihnen  also  zu  keinem 
Nachtheü  gereichen  kann,  dass  sie  im  Landtage  nach  dem 
alten  Herkommen  und  Landesverfassung  nicht  mehr,  als 
eine  Stimme  haben ;  ganz  umgekehrt  aber  wäre  der  Fall  der 
obem  Stände,  wann  die  in  der  Kommunität  stehende  Städte  und 
Märkte  mit  31  Stimmen,  mit  welchen  sie  fast  immer  die  Miyora 
machen  würden,  im  Landtage  über  Sachen  entscheiden  sollten, 
welche  sie  Städte  und  Märkte  fast  gar  nicht  betreffen,  für  die 
drei  obem  Stände  aber  von  grösster  Wichtigkeit  seyn  müssen. 
Hätte  aber  auch  dieser  Fall  jemals  existirt,  so  würden  die  drei 
obem  Stände  sich  gewiss  wider  dieses  ihnen  so  nachtheilige 


-      !PÜ      — 

Ueborgenicht  liiedurch  gesdiUtzet  h^)en.  dass  sie  jedem  Land- 
stand so  viele  Stimnien  als  Jeder  einzelne  inkata- 
strirte  Gülten  besessen  hatte,  eingerSumet,  und  die  Abwesende 
angehalten  haben  wQrdeo,  durch  BevoUmftchtigte  ex  gremio 
ihre  Stimmen  abzutieben." 

„Wann  die  drei  obern  Stände  nicht  schon  durch  Urkunde^ 
auf  das  Klarste  bewiesen  h&tten,  dass  die  StAdte  und  Märkl 
oiemal  mehr,  als  eine  Stimme  auf  den  Landtagen  gehabt  hi 
ben,  80  w&re  die  Richtigkeit  dieses  Satzes  schon  aus  der  g( 
gründeten  Vermuthung  zu  ziehen,  weil  es  niemal  möf^c 
gewesen  wftre,  dass  sie  sich  mit  31  Stimmen  aus  ihrei 
B^tzstand  hätten  verdr&ngen  lassen." 

„Ganz  unrecht  wird  von  Bittstellern  angefOhret,  dass  di 
Stadt  und  Markte  erst  damals  au^ehftret  hatten,  durch  Orte 
deputjrte  zum  Landtage  zu  erscheinen,  als  das  Ansehen  d( 
Stande  zu  scheitern  angefangen  und  die  Landtage  zu  leere 
Feyerlichkeiten  geworden  waren;  das  unterm  6.  Oktober  173 
von  Wailand  Kaiser  Karl  VL  eigenhändig  unterfertigte  Diploi 
beweiset,  dass  bis  dahin  alle  ständischen  Privilegien  unvei 
letzt  erhalten  worden  sind  und  wenn  auch  unter  den  letzte 
zwei  Regierungen  die  ständischen  Freiheiten  angegriffen  woi 
den  sind,  so  zeigen  doch  die  vielfältigen  ständi 
sehen  Akten  und  ist  in  Jedermann's  Gedachtnist 
dass  eben  unter  diesen  letzten  Regierungen  di 
wichtigsten  Gegenstände  in  Landtagen  vorgf 
kommen,  davon  man  nur  vier  der  vorzüglichsten  anftlhre 
will,  als :  die  (Steuer-)  Rekti&kazion  vom  Jahr  1752,  die  Herat 
Setzung  der  täghchen  Frohnen  auf  wochenüiche  3  Tage  voi 
Jahre  1778,  die  angetragene  KinAlhrung  der  Tranksteuer  voi 
Jahre  1780  und  endlich  das  neue  Steuersystem  vom  Jahi 
]  7B'J,  bei  welchen  vier  Gegenständen  es  um  Einführung  eine 
neuen  beträchtlichen  Steuer,  um  merkliche  Verminderung  eine 
alten  Genusses,  um  Beseitignng  einer  dem  ganzen  Lande  un 
aiJen  /nsasc^n  gehässigsten  Regie,  ja  wohl  gar,  wie  bei  de 
letzten.  „       tjab  und  Gut.  mn  Siclierbeit   und  um  Eigenthui 


''¥'" 


war." 


V 


—     Ol      — 

„Sind  wohl  diese  Landtage  leere  Feyerlichketten  gewesen  ? 
uud  sind  wohl  die  Städte  und  Märkte  bei  diesen  Landtagen 
änderst,  als  durch  ihren  Marschall  erschienen  ?'' 

ijWas  die  Beschwerdeführer  weiters  von  der  Aehnlichkeit 
der  oberösterreichischen  Landesverfassung  anführen,  kann  kei- 
nen Beweis  fOr  die  Städte  und  Märkte  machen,  da  jedes  Land 
seine  eigene  Verfassung  hat  und  von  einer  Landesverfassung 
auf  die  andere  nicht  gültig  geschlossen  werden  kann.** 

y,Ueber  die  Beilage  L,  worin  dem  Anton  Baspor,  dem  Joseph 
W  eninger  und  Franz  Haas  die  Voümacht  zur  Einlegung  dieser 
Beschwerde  im  Namen  der  Städte  und  Märkte  ertheüt  ist, 
müssen  die  3  obem  Stände  bemerken^  dass  solche  nur  eine 
unbeglaubte  Abschrift  ist  und  dass  sich  darin  der  (Jeorg  Fidel 
Schmid  als  Bevollmächtigter  der  Stadt  und  Märkte  des  mahr- 
burger  Kreises,  Franz  Haas  des  zillier  Kreises,  Franz  Dimböck 
des  brucker  Kreises,  Joseph  Fohr  des  judenburger  Kreises 
und  Anton  Andre  Pächler  des  grazer  Kreises  unterfertigt  ha- 
ben, ohne  selbst  von  den  Stadt  und  Märkten  der 
angegebenen  Kreisen  eine  Vollmacht  aufzuwei- 
sen und  dass  sogar  Franz  Haas  sich  selbst  die  Vollmacht 
gegeben  habe.** 

.Endlich  muss  über  den  in  Nr.  5  hiemit  rückfolgenden 
Nachtrag  der  Bittsteller  angeführet  werden,  dass  das  angezo- 
gene brucker  Libell  vom  Jahre  1519  keineswegs  erprobe  (wie 
die  Bittsteller  behaupten  wollen),  dass  am  Sonntage  Oculi  sel- 
ben Jahrs  zu  Brück  an  der  Muhr  ein  steyrisch-ständischer 
Landtag  oder  ein  Ausschussrath  gehalten  worden  sey,  sondern 
die  Einsicht  dieser  Urkunde  von  Fol.  26  bis.  31  nach  der 
grazer  Auflage  im  Jahre  1566  beweiset,  dass  es  sich  damals 
nur  zwischen  den  Ländern  Ober-  und  Niederösterreich,  Steyer- 
mark,  Kärnten,  Krain  und  Tyroll  nach  Absterben  Kaisers  Maxi- 
milian des  ersten  um  eine  gemeinschaftliche  Ländervertheidi- 
gung,  um  Absendung  einer  Bothschaft  an  König  Karl  nach 
Spanien  und  an  Erzherzogen  Ferdinand  nach  den  Niederlan- 
den und  um  Regulirung  des  Münzwesens  gehandelt  hatte.  Es 
war  also  ein  förmlicher  Länderkongress,  zu  welchem  die  Stände 


—     92     — 

abschicken  konnten,  wen  sie  wollten  und  in  wen  sie  ihr  Ver- 
trauen setzten;  wobei  die  Abgesandten  nicht  nach  Stammen 
oder  ihrer  eigenen  Meinung,  sondern  nach  der  ihnen  vom  Lande 
gegebenen  Instrukzion  handeln  mussten  und  in  diesem  Libell 
Fol.  31  findet  sich  die  Klausel  beigesetzt,  dass  diese  Hand- 
lung allen  und  jeden  Landschaften  an  ihren  Freiheiten,  altem 
Herkommen  und  Grebräuchen  unschädlich  seyn  sollte.* 

„Da  die  drei  obem  Stände  nun  vollkonunen  erwiesen,  dass 
sie  in  einem,  schon  vor  200  Jahren  undenklich  gewesenen 
Besitzstand  stehen,  in  den  Landtagen  von  den  in  der  Kommunität 
stehenden  landesfbrstlichen  Stadt  und  Märkten  nur  eine 
Stimme  durch  ihren  Vertretter  zuzulassen ;  dass  dieses  durch 
die  unwiderleglichen  Urkunden  Nr.  2,  3  und  4  bekräftiget 
und  sogar  dargethan  wird,  dass  die  Stadt  und  Märkte  schon 
vor  200  Jahren  von  einer  ähnlichen  Forderung  von  Selbsten 
gefallen  sind;  auch  zugleich  durch  angezogene  Urkunden 
der  Bittsteller  vermeintliche  Beweisstücke  entkräftet  sind;  da 
die  drei  obem  Stände  endlich  gezeiget  haben,  dass  durch  Bei- 
behaltung der  fortwährenden  Verfassung  den  Stadt  und  Märkten 
kein  Nachtheil,  durch  die  angesuchte  Neuerung  aber  den  drei 
obem  Ständen  m  deme  ein  empfindlicher  Schaden  zugehen 
würde,  weil  durch  den  Zuwachs  von  mehrem  Stimmen  einer 
Kommunität  das  Verhältniss  der  Stände  unter  sich 
verändert  und  dadurch  ihre  Freiheiten  im  wesentlichen 
verlezt  würden:  so  bitten  die  drei  obem  Stände  dieses  Her- 
zogthums  eine  hohe  Länderstelle,  m  ihrem  Berichte  an  die 
vereinigte  Hofstelle  dahin  anzutragen,  dass  die  Hofrekurrenten 
mit  ihrem  Gesuch  um  so  mehr  abgewiesen  werden  möchten, 
als  sie  mit  demselben,  in  welchem  es  zwischen  den  drei  obem 
Ständen  gegen  den  vierten  um  eine  Rechtsbefugniss  zu 
thun  ist,  auch  im  Wege  Rechtens  niemals  würden  aus- 
langen können.** 

Gratz  lun  3.  September  1790. 

Ferdinand  liraf  von  Attenis  m.  p. 

der  Steyrfschen  Stände  Verordneter. 


—     93     - 


Beilage  V. 

Bericht  d.  i  ö*  Gab  e  min  ms  an  die  k.  vereinigte  Hof- 
kanzlei vom  17.  September  1790  über  die  Bitte  der 
landesfnrstl.  St&dte  nnd  Märkte  Steiermarks,  bei  den 
allgemeinen  Landtagsversammlungen  mittels  eigener 
Ortsdeputirten  mit  Sitz  nnd  Stimme  zn  erscheinen,  nnd 
über  die  von  Seite  der  Herren  Stände  hierüber  gemachte 
Einwendung '). 

Das  gehorsamste  Gubemium,  dem  mit  hohem  Dekret  vom 
18.  und  empfang.  21.  August  d.  J.  Nr.  1519  —  29  nachEin- 
vemehmung  der  Herren  Stände  über  die  angebogene  Bitte  der 
landesiürstl.  Städte  und  Märkte  Steiermarks,  womit  sie  den 
allgemeinen  Landtags-Versammlungen  nicht  in  der  Person  eines 
alle  vertretenden  Marschalls  oder  Repräseotantens^  sondern 
mittels  eigener  Ortsdeputirten  mit  Sitz  und  Stimme  beigezogen 
und  aus  ihrem  Mittel  auch  ein  beständiger  Ausschussrath  ge- 
wählet werden  möchte,  Bericht  und  Gutachten  zu  erstatten 
aufgetragen  worden  ist,  glaubt  der  hohen  Erwartung  am  sicher- 
sten zu  entsprechen,  wenn  es  sich 

a)  das  Recht,  auf  welches  die  Städte  und  Märkte  ihre  Bitte 
gründen,  mit  Entgegenhaltung  der  von  den  Herren  Ständen 

^  gemachten  Einwendungen,  und  dann  auch 

b)  die  Vortheile,  welche  allenfalls  mit  der  Grewährung  ihrer 
Bitte  verbunden  sein  können,  genauer  zu  untersuchen  be- 
mühet 

Die  Entscheidung  der  Vorfrage,  ob  nicht  jede  der  in  den 
Beilagen  verzeichneten  31  steierm.  Städte  und  Märkte  fbr  ein 
besonderes  zum  Sitz  und  Stimme  geeignetes  ständisches  Mit- 
glied gelten  könne  und  ob  es  billig  seie,  dass  sie  aUe  zu- 
sammen, als  Kommunität  betrachtet,  sich  eben  in  eine  einzige 


^)  BezOi^ch  der  nicht  zum  Abdruck  gebrachten  Allegate  verweisen  wir 
auf  die  Anmerkung  -zw  Beilage  IV. 


—     94     — 

Stimme  vereinigen  müssen  ?  —  trägt  zur  Beurtheilung  der  bei- 
den, dem  gehorsamsten  Gutachten  zum  Grund  gelegten  Haupte 
abtheilungen  sehr  vieles  bei. 

Man  muss  aufrichtig  bekennen,  dass  diese  Behauptung 
von  Seite  der  Herren  Stande  mit  der  von  ihnen  selbst  an- 
erkannten Wahrheit,  dass  die  benannten  Städte  und  Märkte 
den  vierten  und  letzten  Stand  des  Provinzialkörpers  ausmachen, 
sich  nicht  allerdings  vereinigen  zu  lassen  scheine,  und  wenn 
man  auch  nie  in  Abrede  stellen  kann,  dass  der  geistliche, 
der  Herren-  und  der  Ritterstand  den  leztem  nach  dem  einem 
jeden  anklebenden  Interesse  weit  überwiegt,  doch  das  Ver- 
hältniss  gegen  alle  Billigkeit  verletzet  werde,  indem  man  die 
Städte  und  Märkte  auf  eine  einzige  Stimme  einschränket,  wo 
inzwischen  jeder  der  drei  übrigen  höheren  Stände  noch  immer 
in  der  ungehinderten  Befugniss  erhalten  wird,  sich  durch 
mehrere,  und  was  den  Herren-  und  Bitterstand  betrifft,  durch 
beinahe  eben  so  viele  Stimmen  bei  den  Landtagsversamm- 
lungen zu  erklären,  als  er  Glieder  zählet,  aus  denen  er  zu- 
sammengesetzet  ist,  obgleich  viele  derselben  auch 
nicht  eine  Spanne  Erde  aufzuweisen  haben.  Hier- 
aus, und  aus  dem  weitem  Satz,  dass  jeder,  was  er  durch  einen 
Bevollmächtigten  zu  thun  befugt  ist,  auch  durch  sich  selbst 
thun  könne,  und  dass  folglich  die  landesfQrstlichen  Städte  und 
Märkte,  nachdem  sie  auf  den  Landtagsversammlungen  mittels 
eines  Repräsentanten  zu  erscheinen  befugt  sind,  auch  eben  so- 
wohl selbst  Sitz  und  Stimme  zu  nehmen  befugt  seien,  hätte 
das  gehorsamste  Gubemium  die  in  der  Natur  und  Eigenschaft 
eines  Standes  liegende  klare  Schlussfolge  leiten  zu  dürfen  ge- 
glaubt, dass,  wo  es  besondere  Umstände  erheischen, 
ihnen  das  blinde  Einverständniss  mit  der  Stimme  eines  einzi- 
gen nicht  aufgedrungen,  sondern  freigelassen  werden  könnte, 
den  Landtagsversammlungen  durch  eigenen  Sitz  und  Stimme 
beizuwohnen. 

Allein  diese  Freiheit  ist  ihnen,  so  weit  es  Urkunden 
giebt,  welche  die  Sorgfalt  älterer  Zeiten  den  kommenden 
Enkeln  zur  Nachlese  aufbewahret  hat,  nie  eingestanden  worden. 


—     95     — 

Was  auch  die  Hofrekurrenten  mit  ihren  aus  dem  15.  Jahr- 
hunderte gezogenen  Abschriften  zu  erweisen  glauben,  wird  durch 
eben  so  rechtskräftige  Gegenbeweise  von  dem  nämlichen  Zeit- 
alter widerlegt  Die  Vorladungen  zu  den  abgehaltenen  Land- 
tagsberathschlagungen,  auf  welche  sie  sich  berufen,  mögen 
immer  bei  ihrem  auch  noch  so  guten  Werthe  gelassen  wer- 
den, so  verträgt  er  sich  doch  nach  dem  Sinn,  den  ihnen  die 
Hofrekurrenten  beizulegen  suchen,  mit  den  Auszügen  aus  den 
Landtags-Protokollen  von  dem  nfimüchen  Jahrhunderte  keines- 
wegs, welche  die  Herren  Stände  zu  ihrer  Rechtfertigung  bei- 
gebracht haben. 

Aus  den  Urkunden  der  Hofrekurrenten  vom  Jahre  1519 
bis  1590  ist  nur  ersehlicb,  dass  die  Städte  Leoben  und  Mar- 
burg bei  den  Landtagen  durch  Bevollmächtigte  zu  erscheinen 
voi^efordert  worden  sind,  und  dass  das  Brucker  Libell  ein 
Leobner  und  ein  Oratzer  Bürger  mit  unterschrieben  habe. 

Die  Urkunden  der  Herren  Stände  von  den  Jahren  1561 
und  1568  hingegen  zeigen,  duss  den  Städten  und  Märkten 
zwar  auch  ihren  Ausschuss  zu  benennen,  jedoch,  wie  von  Alters 
herkommen,  auf  die  Landtags  -  Proposizion  nur  durch  eine 
erkieste  Person  und  durch  eine  Stimme  ihre  Meinung  vor- 
zubringen erlaubt  worden.  Sie  zeigen  femer,  dass  die  Städte 
und  Märkte  zuwider  allem  Herkommen  und  löbl.  Gewohnheiten 
in  den  Landeszusammenkünften  ein  jeder  Flecken  für  sich  selbst 
seine  Stimme  zu  haben  zwar  begehrt,  dass  sich  aber  dem  un- 
geachtet der  Brauch  erhalten  habe,  dass  ihnen  alsbald  Ab- 
schrift der  Landtagsproposizion  zugestellet  und,  wenn  der 
Landmarschall  die  Landtagsproposizion  zu  berathschlagen  vor- 
getragen hat,  nach  Anhörung  der  Landleutsthnmen  auch  auf 
ein  Ort  im  Landhaus,  in  oder  ausser  der  Landstube,  zusammen- 
zutreten, untereinander  Berathschlagungen  zu  halten,  und  zu- 
letzt, wenn  die  Umfinge  an  sie  gekommen,  durch  den  Bürger- 
meister oder  Richter  allhier  oder  sonst  einen  andern  dazu 
Erbetenen  ihre  Stimme  auch  zu  geben  gestattet  worden.  End- 
lich zeigen  sie,  dass  sie  diese  Art,  die  Städte  und  Märkte  zur 
Stimmung  zuzulassen  mit  dem  Zusätze  an  den  allerhöchsten 


—     96     — 

Landesftkrsten  angezeigt  haben,  sie  könnten  aus  diesem  alten 
Herkommen  und  Gewohnheit  gar  nicht  gehen  und  hofften 
Se.  Erzherzogliche  Durchlaucht  würden  gnädigst  darob  halten, 
dass  sie  weder  in  diesem  noch  anderm  efaiige  Neuerung  nicht 
suchen  woUen. 

Soll  man  nun  diese  beiderseitigen  Urkunde  vei^eichen 
(wie  sie  auch,  um  in  Gegenständen,  welche  Landesyerfassungen 
betreffen,  keinen  Widerspruch  anzunehmen,  nothwendig  ver- 
glichen werden  mOssen) :  so  hat  man  pro  basi  yorauszusetzen, 
dass,  nachdem  laut  der  ständischen  Protokolle  schon  im  Jahre 
1561  und  1568  das  Begehren  der  Städte  und  Märkte,  den 
Landtags-ZusammenkOnften  nach  der  Zahl  der  Flecken  mit  Sitz 
und  Stimme  beizuwohnen,  dem  alten  Herkommen  und  der  Ge- 
wohnheit zuwiderlaufend  befunden  worden,  sich  auch  aller  Grund 
zur  Vermuthung  verliere,  dass  diese  Gewohnheit  jemals  be- 
standen habe.  Hat  diese  Gewohnheit  aber  schon  vorher  nie 
bestanden,  so  abersteigt  es  alle  Möglichkeit,  dass  sie  m  dem 
nämlichen  Jahrhunderte  habe  erwachen  können,  in  welchem 
man  ihrer  Entstehung  das  Muster  einer  von  den  Ansprttch^i 
der  Beschwerführer  sehr  unterschiedenen  Beobachtung  ent- 
gegengesetzet  und  geltend  gemacht  hat 

Dass  alle  den  vierten  Stand  ausmachenden  31  Städte  und 
Märkte  ähnliche  Vorladungen,  wie  sie  von  Marburg  und  Leoben 
beigebracht  worden,  erhalten  haben,  wird  von  den  Hofrekur- 
renten  nicht  erwiesen,  und  kann  ohne  Zweifel  nicht  erwiesen 
werden,  weil  man  im  Widrigen  alles,  was  man  in  diesen  Bezug 
aufzufmden  im  Stand  gewesen,  beizubringen  nicht  unterlassen 
haben  würde.  Hieraus  folgt  also  der  Schloss,  dass  von  den 
31  Städten  und  Märkten  nur  die  Städte  Brück  und  Leoben 
durch  eigene  Bevollmächtigte  zu  erscheinen  vorgeladen,  bei  den 
übrigen  aber  dem  alten  Herkomme  der  Lauf  gelassen,  und 
ihnen  nur  der  Gebrauch  des  gemeinschaftlichen  hiesigen  Re- 
präsentanten vorbehalten  worden.  Wollte  man  aber  auch  zu- 
geben, dass  ähnliche  Vorladungen  oder  Aufforderungen  an  alle 
ohne  Ausnahme  ergangen  wären,  so  ist  aus  dem  Inhalte  der- 
selben, ob  unter  der  angesonnenen  Erscheinung  mittels  eines 


—     97     — 

Bevollmächtigten  eben  die  sonderheitliche  Benennung 
und  Absendung  eines  Bevollmächtigten  von  jedem  Orte  oder 
nur  die  üebertragung  der  Vollmacht  an  einen  gemeinschaft- 
lichen Vertreter  gemeinet  worden,  auf  keine  Weise  deutlich 
abzunehmen,  am  allerwenigsten  aber  erweislich,  dass  sie  darum, 
weil  sie  zu  einer  oder  der  andern  Landtags-Zusammenkunft 
mittels  einzelner  Vertreter  einberufen  worden,  auch 
einzeln  weise  Sitz  und  Stimme  genommen  und  nicht  viel- 
mehr der  oben  angeführten  üebung,  nach  angehörter  Propo- 
sizion  und  Stimmung  der  Landleute  unter  sich,  und  mit  ihrem 
Marschall  oder  Bepräsentar  in  eine  abgesonderte  Berathschla- 
gung  zu  treten,  gemäss  sich  gehalten  haben.  Endlich  ist  es 
zwar  auch  möglich,  dass  man  nach  der  besondem  Beschaffen- 
heit der  zur  Landtagsberathschlagui^  gezogenen  Gegenstände 
auch  die  Intervenirung  eines  zweiten  oder  dritten  Repräsen- 
tanten, vorzüglich  der  bessern  Städte  wegen,  sogar  mit  Sitz  und 
Stimme  filr  gut  befunden  habe;  allein  aus  dem,  was 
sich  einer  willktthrlich  gefallen  lässt,  erwächst 
dem  drittenkeinRecht  zurForderung  und  es  bleibt 
noch  immer  eine  unwiderlegliche  Wahrheit,  dass  die 
Städte  und  Märkte  nach  altem  ständischen  Herkommen  und 
Gewohnheit  nicht  mehr  als  eine  Stimme  zu  geben  be- 
fugt sind,  wie  es  Nikolaus  von  Bekmann  in  seiner  Idea  juris 
statutarü  et  consuetudinarü  Styriad  et  austriaci  in  der  Grazer 
Auflege  vom  Jahre  1688  auf  der  452.  Seite  bemerket,  wo  er 
sagt:  Die  Städte  und  Märkte  im  Herzogthum 
Steier  sindzweierlei  Art  Diese  Städte  qua  Land- 
stände haben  ihren  eigenen  Marschall,  derearum 
nomine  auf  denLandtägen  erscheinet  und  nebst 
andern  Landesgliedern  ein  Votum  in  Landtags- 
sachen hat 

Nachdem!  das  gehorsamste  Gubemium  Eine  Hochlöbl  ver- 
einigte Hofkanzlei  mit  den  Gründen  bekannt  gemacht  hat,  aus 
welchen  sich  selbes  überzeugt  findet,  dass  die  drei  hohem  Stände 
den  lezten  (Stand)  nie  änderst  als  mittelst  einer  einzigen 
Stimme  ihren  Versammlungen  beizuziehen  schuldig  gewesen, 

7 


—     98     — 

und  ihn  in  eben  so  viel  Stimmen,  als  erStftdte  und  Märkte  z&hlet, 
beizuziehen  noch  nicht  schuldig  seien,  so  gehet  es  zur  Unter- 
suchung der  Vortheile  aber,  welche  alleniallB  mit  d^  Gewäh- 
rung ihrer  Bitte  verbunden  sein  könnten. 

Wenn  man  in  die  Hauptursache  dringet,  warum  mehrere 
landesfbrstliche  Stftdte  und  Märkte  mit  den  drd  hohem  Stia- 
den  als  ein  vierter  Stand  veremiget  worden  sind,  so  dürfte 
man  nicht  sehr  irre  gehen,  wenn  man  behauptet,  dass  es  nur 
darum  geschehen  seie,  weil  sie  theils  selbst  Goltonbesitzer, 
theils  Obrigkeiten  und  Vertreter  unterthänige  GrOnde  besitzen- 
der bürgerlicher  Kontribuenten  sind,  deren  Interesse  mit  dem 
Hauptinteresse  der  vereinigten  Stände,  you  dieser  Seite  be- 
trachtet, in  dem  genauesten  Zusanunenhange  stehet  Die  Herren 
Stände  sagen  es  in  ihrem  Berichte  selbst,  dass  die  Bichtig* 
Stellung  und  Vertheilung  der  Kontribuzion,  dann  dieAufrecfatr 
haltung  des  öffentlichen  Landeskredits,  unstreitig  die  wesent- 
liche Grundlage  der  ständischen  Verfassung  und  die  wichtigsten 
Gegenstände  der  ständischen  Versammlungen  seien.  Nun  haben 
aber  die  Städte  und  Märkte,  die  als  äusserst  üble 
Wirthe  von  jeher  bekannt  und  ungeachtet  der  Folgen 
ihres  gänzlichen  Verfalls  noch  nicht  klüger  geworden 
sind,  zur  Aufrechthaltung  des  öflfentlicben  Kredits  nichts 
beitragen  können;  man  muss  sie  also  lediglich  wegen  Rich- 
tigstellung und  Vertheilung  der  Kontribuzion  zum 
Einfluss  an  den  ständischen  Berathschlagungen  zugelassen  haben. 

Untersuchet  man,  was  dieser  Einfluss,  wenn  er  ihnen 
statt  mit  einer,  mit  31  Stimmen  gestattet  würde,  ftar  besondere 
Vortheile  nach  sich  zöge,  so  entdecket  sich,  dass  ihnen  als 
Gültenbesitzem  keine  mehreren  zuwachsen  können,  als  wofür 
ihnen  das  Ueberge wicht  der  drei  hohem  Stände  ohnehin 
schon  Bürge  ist;  dass  ihnen  aber  auch  als  Unterthanen 
oder  als  Vertretern  der  Unterthansgründe  besitzenden  bürger- 
lichen Kontribuenten  keine  gewähret  würden,  nachdem  der  so 
sehr  grosse  und  äusserst  wichtige  Körper  der  Unterthanen 
gar  kein  Stand  ist,  und  bei  den  Landtagsversammlungai 
mit  keiner  Stimme  gehöret  wird. 


—     99     — 

Dass  es  derlei  Vorthefle  bei  den  gewöhnlichen,  gewöhn- 
liche Landtagsgegenstande  behanddnden  Versammlungen  gar 
keine,  oder  doch  keine  besondem  giebt,  haben  die  alten  Vor- 
steher der  Städte  und  Märkte  sehr  wohl  eingesehen;  sie  haben 
ihren  Hoffnungen,  den  Wunsch,  der  Landtagssitzung  mit  eben 
80  viel  Stimmen  als  Ortschaften  beizutreten,  noch  einst  erfüllt 
zusehen,  freiwillig  entsagt,  haben  den  Auf  wand,  welchen 
Zureisen  und  Zehrung  bei  dem  oft  langem  Aufenthalte  verur- 
sachten, den  Kräften  ihrer  Kasse  und  der  Unwichtigkeit  des 
Erfolg  entgegen  gehalten  und  sich  begnüget,  die  Rechte  eines 
vierten  Standes  mittels  eines  Repräsentanten  zu  behaupten. 
Damit  sollen  sich  auch  ihre  Nachfolger  begnagen, 
sie  soll^  die  Unwirksamkeit,  oder  doch  die  Entbehr- 
lichkeit des  sonderheitlichen  Beitritts  bei  derlei 
gewöhnlichen  Berathschlagungen  überdenken;  sie  sollen  den 
elenden  Stand  ihrer  meist  von  Beiträgen  armer  städtischer 
Konsumenten  zusamm gebettelten  Kasse  untersuchen ;  sie 
aollen,  wo  sie  in  ihr^  bürgerlichen  Gewerben,  in  Handel  und 
Wandel  und  überhaupt  in  politischen  Veranlassungen  einiger 
Unterstützung,  Erleichterung  oder  Abhüfe  bedürftig  zu  sein 
erachten,  ihren  Beschwer  oder  Bittzug  von  den  ihnen  vorge- 
setzten Kreisäintem  zu  der  Landes  stelle  nehmen  und 
dann  sich  überzeugen,  ob  sie  noch  Ursache  haben,  die  ortr 
weise  Sitzung  und  Stimmung  zu  wünschen,  oder  wohl  gar 
die  Wahl  eines  perpetuirlicheu  Ausschusses  aus  ihrem 
Mittel  zu  verlangen. 

Was  das  gehorsamste  Oubemium  gegenwärtig  von  den 
wenigen  Vortheflen  gesagt  hat,  welche  mit  der  Oewährung  des 
Hofrekurses  verbunden  sind,  glaubt  man  blos  in  Absicht  auf 
jene  gewöhnlichen,  obgleich  nicht  minder  allgemeinen,  Versamm- 
lungen verstehen  zu  müssen,  wo  es  sich  um  die  wesent- 
liche Grundlage  der  ständischen  Verfassung,  das  ist:  um  die 
Richtigstellung  und  Vertheilung  der  Kontribu^on,  daim  um 
die  Aufrechthaltung  des  öffentlichen  Kredits  handelt 

Es  können  sich  aber  ungewöhnliche,  noch  mehr  als 
die  Richtigstellung    und   Vertheilung   der  Kontribuzion   zum 

7* 


—     100      - 

Gegenstände  habende  Berathschlagungen  eingeben,  wo  f  Qr  die 
Städte  and  Märkte  die  Gewährung  ihrer  JKtte  von  der 
äüssersten  Wichtigkeit  sein  wQrda 

Man  will  mit  den  Worten  des  ständischen  Berichts  an* 
nehmen,  dass  die  Anfrechthaltung  der  ständischen  und  Innungs« 
Privilegien,  die  Selbstverwaltung  ihres  Gememvermögens  und 
ihrer  Kassen,  die  Ausübung  der  Gerichtsbarkeit,  die  Beförde- 
rung des  Handds  und  Wandels,  des  Gewerbsbetriebs,  der 
Nahmngswege  und  Industrie,  die  Hindanhaltung  der  so  lästigmi 
Militär*Einquartterung  u.  dgl.  m.  die  wichtigsten  Gegenstände 
sind,  welche  das  Beste  der  Städte  und  Märkte  betreffen* 

Man  will  nun  weiter  annehmen,  dass  derlei  Gregenstända, 
obgldch  sie  die  drei  obern  Stände  unmittelbar  nie  be* 
troffen  haben,  doch  der  unmittelbare  Stoff  ausserordentlicher 
allgememer  Berathschlagungen  werden  können,  so  ist  ja  offen- 
bar, dass  den  Städten  und  Märkten  ohne  Unbilligkeit  das 
Mittel  und  die  Gelegenheit  nicht  entaogen  werden  darf^  aus 
derlei  Gegenständen  den  Stoff  zmr  unmittelbaren  Stimmung  und 
zur  Gründung  wesentlicher  Yortheüe  zu  sammehi. 

Ohne  in  die  Frage  hineinzugehen,  ob  nicht  die  Herren 
Stände  den  auf  allerhöchste  Bewilligung  jungst  abgehaltenen 
LandtagsberathscUagungen  Bitten,  Beschwerden  und  Yorstd- 
lungen  unterzogen  haben,  welche  mit  der  wesentlichen  Grund- 
lage ihrer  Verfassung  auch  nicht  in  einer  entfernten 
Verbindung  stehen,  kann  man  doch  gar  nicht  zweifebi, 
dass  unter  72  Punkten  mehrere  vorgekonunen  sein  müssen, 
welche  dieselbe  höchstens  nur  mittelbar  betroffen  haben 
und  von  dem  vierten  Stand  in  unmittelbare  lieber- 
legung  hätten  genommen  werden  können.  Es  hat  sich  dabei 
um  Wiederherstellung  erloschener  Freiheiten  und  Vorrechte, 
um  Abschaffung  neuer  Gesetze  und  Anstalten,  um  Einführung 
eines  erweiterten  Wirkungskreises  fbr  die  Heiren  Stände,  um 
Neuerungen  in  der  Verfassung  des  gegenwärtige  Staatssistems, 
mithin  um  Anträge,  welche  auf  das  Allgemeine  den  ge- 
nauesten Bezug  nehmen,  gehandelt  Da  nun  an  dem  Allge- 
meinen auch  jeder  Einzehie  Theil  zu  nehmen  nicht  nur  be- 


—     101      — 

rechtiget,  sondern  zu  dem  Wohl  desselben  beizuti*agen  sogar 
auch  schuldig  ist^  so  wäre  hier,  wie  bei  andern  ähnlichen  Ge- 
legenheiten (wobei  sich  vennuihen  lässt,  dass  die  drei  hohem 
Stände,  was  zu  ihrem  moralischen  und  phisischen  Yortbeil, 
vielleicht  auch  ohne  Racksicht  auf  das  Ganze  beiträglich  sein 
könnte,  gewiss  nicht  vergessen  haben  werden)  die  Billigkeit  ein- 
getreten, den  vierten  Stand  minder  stiefbrüderlich  zu 
behandeln  und  ihn  als  einmal  angenommenen,  obgleich  minder 
ansehnlichen,  Mitstand  seiner  vollen  Eigenschaft  und  aller  dar 
mit  verknapften  Vortheile  gemessen  zu  lassen. 

Aus  allem  diesen,  was  man  bishero  gesagt  hat,  zieht  das 
gehorsamste  Gubemium  no(5h  nicht  die  Folge,  dass,  so- 
bald widergewöhnliche  ausserordentliche  Berathungen  vorkom- 
men, mit  der  Zulassung  31  städtischer  Stimmen  und  mit  der 
Besetzung  eben  so  vieler  Plätze  die  Absicht  schon  erreichet 
und  nur  durch  die  Vollzähligkeit  derselben  die  Natur  und 
Eigenschaft  des  vierten  Standes,  der  zur  Zeit,  wo  die  Herren 
und  Ritter  nur  einen  gemeinschaftlichen  Stand  ausmachten,  der 
dritte  war,  aufrecht  erhalten  werden  würde. 

Man  hat  zwar  im  Eingange  bemerket,  dass  den  Städten 
und  Märkten  nach  der  Natur  und  Eigenschaft  eines  Mitstandes 
freigelassen  werden  könnte,  den  Landtagsversammlungen  in 
besondem  Umständen  durch  eigenen  Sitz  und  Stimme  bei- 
zuwohnen, weil  sich  diese  Freiheit  auf  BiDigkeit  gründet  und 
nicht  nur  aliein  in  Oesterreich, '  sondern  auch  in  dem  Lande 
Krain  und  vielleicht  auch  in  mehrem  andern  Provinzen  (wo 
man  von  einem  gemeinschaftlichen  Repräsentanten  nichts  weiss) 
nicht  verkannt  wird.  Gleichwie  aber,  was  billig  ist, 
nicht  immer  auch  von  dem  Rechte  unterstützet 
wird;  gleichwie  diess  dem  Einen  nicht  so  obenhm  abgespro- 
chen werden  kann,  um  es  dem  Andern  zuzulegen,  und  die 
hohem  Stände  das  Recht  haben,  den  letzten  (Stand)  mit  keiner 
mehrem,  als  nur  mit  emer  einzigen  Stunme  zuzulassen:  so 
gedenket  man  keineswegs  mit  einem  dieser  statu- 
tenmässigen  Beobachtung  zuwiderlaufenden  Gut- 
achten aufzutreten,  sondern  erachtet  vielmehr, 


—     102     — 

dass  davon  abzugehen  mehr  Bchftdlich  als  vor- 
theilhaft  sein  würde. 

Den  Städten  und  Märkten  würde  wenig  geholfen  sdn, 
wenn  ihnen,  jeder  für  sich,  durch  einen  BevoUm&cfatigtffli  bei 
ausserordentlichen  Berathschlagungen  Sitz  zu  nehmen  das  Recht 
eingeräumt  würde.  Der  Inhalt  deriei  Zusammenkünfte  ist  kein 
Gegenstand,  der  sich  augenblicklich  fiissen,  überlegen  und  be- 
stimmen lässt;  kein  Gegenstand,  dem  das  mehrere  Ja  oder 
Nein  den  Ausschlag  giebt;  kein  Gegenstand,  der  sich,  warn 
er  durch  die  Unvorsichtigkeit  mehrerer  Stimmen  eme  schiefe 
Richtung  erhielte,  in  das  ächte  Geleiss  wieder  zurückfllhren 
Hesse;  kein  Gegenstand  endlich,  ftkr  den  es  bemahe  gleichgül- 
tig ist,  wohin  oder  wie  er  durch  die  Mehiheit  der  Stimmen 
geleitet  wird. 

Ausserordentliche  Berathschlagungen,  weü  sie  meist  vor 
den  Thron  des  Monarchen  zu  kommen  haben  und  meist  auf 
enie  längere  Dauer  abzielen,  fordern  eine  vernünftige 
Auswahl  der  Punkte,  die  zur  Ueberiegung  kommen  sollten; 
sie  fordern  Zeit  und  Klugheit  in  der  Ueberiegung  selbst;  sie 
fordern  die  genaueste  Behutsamkeit  in  ihrer  Bestimmimg.  Nun 
heisst  aber  dies  nicht  mit  Ueberiegung  und  Behutsamkeit  vor- 
gehen, wenn  Jeder  von  31  Stimmenden  aus  Eigen- 
nutz, übel  verstandenem  Eifer,  Mangel  ächter  Be- 
griffe, Partheilichkeit  oder  wol  gar  aus  Ueber- 
eilung  und  Ungefähr  Etwas  hinwirft,  was  weder  mit 
den  Theilen,  weder  mit  dem  Ganzen  in  einer  Verbin- 
dung stehet  Was  dem  einen  Repräsentanten  in  Bezug  auf 
seine  Stadt  oder  Markt  auch  mit  guter  Ueberiegung  vortheil- 
haft  scheinen  könnte,  läuft  gegen  das  Interesse  des  andern. 
Mehrere  Köpfe  haben  auch  immer  mehrere  Sinne  und  so  würde 
durch  die  Zulassung  mehrerar  ungeläuterter  Sitz-  und 
Stimmnehmer  das  zu  einem  sichern,  guten,  dauerhaften  Zweck 
so  unumgänglich  nöthige,  überlegte  Einverständniss  nie  er- 
reicht werden. 

Um  also  die  Billi^eit  und  die  Vortheile  ab  (auf)  Seite 
der  Städte  und  Märkte   mit  dem  Rechte  der  hohem  Stände 


—     103     — 

ZU  vereinigen,  glaubet  das  gehorsamste  Gubemlum  das  Mittel 
selbst  in  dem  von  den  Herren  Ständen  beobachte- 
ten Herkommen  gefunden  zu  haben. 
Nach  dem  alten  Herkomme  haben  sich 

a)  alle  Städte  und  Märkte  oder  vielmehr  ihre  Vertreter  in 
dem  Versammlungsorte  eingefunden; 

b)  ist  ihnen  alsbald  Abschrift  der  Landtags-Proposizion  zuge- 
steDet  worden; 

c)  haben  sie  nicht  nur  die  von  dem  Landmarschall  zur  Berath- 
scUagung  vorgetragene  Landtags-Proposizion,  sondern  auch 
die  Stimmen  der  Landleute  mit  angehöret; 

d)  sind  sie  sodann  in  oder  ausser  der  Landstube  auf  einem 
Ort  im  Landhaus  zusamm  und  untereinander  in  Berath- 
schlagungen  getreten  und 

e)  haben  zuletzt,  wenn  die  Umfrage  an  sie  gekommen,  durch 
den  Bürgermeister  oder  Richter  aUhier  oder  sonst  einen 
Erbetenen  ihre  Stimme  gegeben. 

In  diesem  Herkommen  bemerket  man  vorzaglich: 

1.  dass  der  Gegenstand  der  Berathschlagung  allen  31  Städten 
und  Märkten  oder  ihren  Vertretern  vorläufig  in  Abschrift 
bekannt  gemacht,  und  dass  ihnen 

2.  zum  Einverstfindniss  und  zur  Berathschlagung  Zeit  gelassen 
worden.  Man  getraut  sich  hinzuzusetzen 

3.  dass  eine  einzige  über  das  Resultat  emer  solchen  ein- 
verständlichen Berathschlagung  gegebene  Stimme,  oder  selbst 
das  Resultat  der  Berathschlagungen  eines  ganzen,  obgleich 
lezten,  Standes  immer  so  viel  Gewicht  und  Rücksicht  ver- 
dienen müsse,  um,  mit  dem  Resultate  und  mit  den  Stimmen 
der  übrigen  Stände  verglichen  und  im  Falle  des  Nichtver- 
gleichs  der  hohem  Schlussfassung  abgesondert  unterzogen 
zu  werden,  wie  dies  die  Herren  Stände  in  Absicht  auf  die 
von  dem  vierten  Stand  jüngst  eingelegten  Beschwerden 
Bitten  und  Wünsche  auch  wirklich  gethan  haben. 

Haben  die  hohem  Stände  diese  Gewohnheit  bisher  un- 
verrüdct  beibehalten  und  sind  sie  auch  für  die  Zukunft  bei 
derselben  zu  verbleiben  Willens,  dann  haben  die  Städte 


—     104     — 

und  Märkte  den  Entgang  von  30  SitzungspUtzen 
nicht  zu  bedauern,  ihre  durch  eine  vemOnftige  Berath- 
schlagung  in  dem  Mund  oder  in  dem  Vortrag  eines  Bevoll- 
mächtigten vereinigten  31  Stimmen  erhalten  in  Bezug  auf  ihre 
Festigkeit  und  Wirksamkeit  einen  ungleich  grössern 
Werth,  als  wenn  sie  getheilt  gegeben  worden,  und  es  können 
bei  minder  wichtigen  und  einfachen  Proposizionen,  wenn  sie 
auch  ausserordentliche  Gegenstände  betreffen,  sogar  die  kost- 
spieligen Zureisen  beseitiget  werden,  wenn  jeder 
Stadt  und  Markt  entweder  unmittelbar  durch  die  Herren  Stände 
oder  mittelbar  durch  den  Marschall  in  einer  umlaufenden  Pro- 
posizions -Abschrift  der  Gegenstand  der  Berathschlagung  be- 
kannt gemacht,  die  Meinung  auf  der  m  der  Gestalt  eines 
Bothenregisters  eingerichteten  Kurrende  notirt  und  solcherge- 
stalt der  Repräsentant  m  die  Kenntniss  gesetzet  wQrde,  was 
er  nach  Maass  der  mehr  ttbereinstimmendm  klagern  Mei- 
nungen für  eine  Stimme  oder  Vorschlag  m  der  Versammlung 
zu  geben  habe. 

Referent  hat  hieraus  die  nachstehende  Sinopsis  des  ge- 
horsamsten Gutachtens  gezogen: 

A)  Die  Städte  und  Märkte  haben  kein  Recht,  bei  den  Land- 
tagsversammlungen in  mehr  als  emem  Sitz  und  Stimme  zu 
erscheinen. 

B)  Sie  haben  aber  das  Rechte  Abschriften  von  der  Propo- 
sizion  zu  fordern,  die  Proposizion  und  die  darüber  ausfal- 
lenden Stimmen  der  Landleute  m  der  Rathstube  selbst  mit 
anzuhören  und  aber  die  Stimme,  welche  ihr  Bevollmäch- 
tigtergeben sollte,  vorläufig  unterdnand^  zu  berathschlagen. 

G)  Diese  Stimme  soll  m  ausserordentlichen  Fällen,  wo  es  sich 
um  die  Beförderung  des  ganz  eigenen  Interesse  der  Städte 
und  Märkte  handelt  und  wo  sie  mit  den  Stimmen  und 
Anträgen  der  übrigen  Stände  in  Widersprach  geräth,  die 
Kraft  haben,  nicht  platterdings  verworfen,  sondern  höherer 
Entscheidung  vorgelegt  zu  werden. 

D)  Nicht  nur  bei  den  gewöhnUchen  strikte  ständischen,  son- 
dern auch  bei  den  ausserordenüichen,  jedoch  minder  wich- 


—     105     — 

tigen  und  einfachen  Proposizionen  durch  Ortsdeputirte  zu 
erscheinen  ist  fbr  die  meistens  armen  Städte  und  Märkte 
überflüssig  und  kostspielig.  Sie  können  daher 
nur  auf  den  Weg  des  Bothenregi«ters  und  auf 
das  Vertrauen  in  ihren  gemeinschaftlichen 
Marschall  angelesen  werden. 
E)  Kann  und  soll  ihnen  bei  ausserordentlichen  Proposizionen 
von  solcher  und  ähnlicher  Ausbreitung  und  Wichtigkeit, 
wie  sie  Allerhöchst  Se.  M^yestät  den  Herren  Landesständen 
bei  dem  Antritt  Ihrer  Regierung  vor  den  Thron  zu  brin- 
gen allergnädigst  gestattet  hat,  mittels  eigener  Ortsdepu- 
tirten  nach  dem  Versammlungsorte  zu  reisen  und  sich 
durchgehends  des  alten  Herkommens  zu  betragen  nicht 
verwehrt  sem. 

Die  Mehrheit  der  Stnnmen  des  gehorsamsten  6u- 
bemiums  hingegen  ist  dem  sub  Lit  D.  des  Gutachtens  ange- 
tragaien  Gebrauch  des  Bothenregisters  als  unnoth- 
wendig  und  unausführbar  nicht  beigefallen,  und  bei  der 
Anweisung  der  Städte  und  Märkte  auf  das  Vertraue  in  ihren 
Marschall  stehen  geblieben. 

Sie  hat  den  Gebrauch  des  Bothenregisters  für  unnoth- 
wendig  erkannt,  weil  bei  den  berührten  strikte  ständischen 
oder  zwar  ausserordentlichen,  jedoch  minder  wichtigen  Propo- 
sizionen der  Einfluss  des  vierten  Standes  zu  unbedeutend 
ist,  als  dass  ihm  daran  liegen  könnte,  den  Gegenstand  der- 
selben zu  wissen  oder  nicht  zu  wissen. 

Für  unausführbar,  weil  der  Inhalt  der  Proposizion, 
zu  deren  Anhörung  der  Marschall  ohnehin  immer  vorgeladen 
würde,  nur  erst  am  Tage  der  Versammlung  eröffiiet  und  meist 
an  eben  dem  Tage  auch  das  Gondusum  darüber  geschöpfet 
zu  werden  pflege  und  dem  Umlauf  des  Bothenregisters  kein 
Baum  gelassen  werden  könnte. 

Dahero   dieses  gehorsamste  Gubemium  auch  platter- 
dings das  ständische  Gutachten  unterstüzet 
Graz  am  17.  Herbstmonats  1790. 


—     106     — 


DL 

Graf  Hermann  II.  von  Cilli. 

Eine  geschichtliche  Lebensskizze 


Dr.  Frani  Krone«« 


iNicht  jedem  der  mittelalteTlichen  Adelshfiiiser  ImierOfiter- 
reichs  war  es  Yergönni,  Ober  die  Landesgrcnse  hinaus  Beden- 
tong  und  Namen  zu  gewinnen,  in  den  Gang  grosser  Ereignisse 
selbstthfttig  einzugreifen.  Zu  den  bevorzugten  Gttnstlingen  des 
Geschickes  m  dieser  Sichtung  zählt  das  Geschlecht  der  Gra- 
fen Yon  CillL 

Schon  als  „Freie**  von  Sounek  (Snnek)  durch  Güterbe- 
sitz, vornehmlich  im  Süden  der  Steiermark,  im  Santhale  — 
und  dessen  Nachbarschaft  —  gleichwie  durch  Lehensverhfllt- 
nisse  und  Verwandtschaften  ausgezeichnet,  —  errangen  sie  mit 
der  grossen  Heunburger  Erbschaft  eine  tonangebende  Stellung, 
die  reicheren  Mittel  zu  grosseren  Zwecken ').  Ihr  Name  knüptt 
sich  nun  an  den  Hauptort  der  angeerbten  Güter,  an  die  alte 
Römerstadt  Cilli,  über  welche  wohl  die  Stürme  der  Zeiten  zer- 
störend dahingegangen  waren  und  nur  kümmerliche  Beste  einsti- 
ger  Herrlichkeit  *)  übrig  Hessen. 


0  Vgl  die  Abbandlnngeo  K.  Tangl's  o.  d.  T.  ^IHe  Ffeien  tod  Sonek, 
Ahnen  der  Grafen  ▼.  Cilli,  im  X.,  XI.,  Xn.  und  XID,  Hefte  der  Mitth. 
des  hist.  Y.  t  Steiemuurik. 

*)  Vgl.  das  Chronicon  Joannis  IHctoriensis  (Abtes  Ton  Viktring  in  Kftm* 
ten)  h.  ?.  Böhmer  im  I.  Bde.  der  fontes  rer.  germ.  L  B.  cap.  ir-lO, 
S.  418;  439 — 440.  Aeneas  Sylvias  de  s.  Earopae,  A.  ▼.  Freher-Stntve 
scrr.  rer.  gern   II.  Bd.;  cap.  XYII.  „de  Styria**.  (vgl.  a.  n.  8). 


—     107     — 

Das  mittelalterliche  Gilli,  wie  es  an  die  Souneker  fiel,  war 
ein  offener  Ort  geworden,  halb  Ruine,  halb  Wohnort,  ein  be- 
scheidener Markt,  der  erst  unter  den  letzten  Cilliem  durch 
Ummauerung ')  städtisches  Aeusseres  gewann. 

Den  Namen  „Grafen  von  Cilli*'  führen  fortan,  bis  zum 
jähen  Erldschen  des  b^ühmten  Hauses,  10  Souneker^),  deren 
Geschichte  etwas  mehr  als  ein  Jahrhundert  ausfüllt  Die  Haupt- 
träger des  Namens,  oder  die  Altgrafen  yon  CÜlli,  sechs  an  der 
Zahl,  Friedrich  L,  Ulrich  I.,  Hermann  L,  Hermann  H^  Fried- 
rich n.  und  Uli  ich  H^  der  Letzte  seines  Mannsstammes  — 
tragen  auch  zumeist  ein  gleichartiges  Gepräge  in  ihrem  Wollen 
und  Handeh,  einen  ausgesprochenen  Familiencharakter  zur 
Schau.  Es  smd  in  der  Regel  unternehmende  ehrgeizige  Na- 
turen, kluge  Rechner  zu  Gunsten  des  eigenen  Yortheiles,  voll 
Erwerbsdrang,  der  beinahe  den  Tadel  der  Habsucht  heraus- 
fordert, Verstandesmmschen  von  starkem  Wollen,  mächtiger, 
verzehrender  Leidenschaften  fähig,  die  allerdings  deutlich  nur 
bei  den  drei  letzten  Vertretern  des  Hauses  in  die  Augen  sprin- 
gen.   Uebrigens  hat  da  eine  be&ngene,  parteiische  Gechicht- 


s)  Cillier  Ckronik  A.  ▼.  Hahn  Mon.  hist.  Gollectio  II  Bd.  (1726)  S. 
710—712;  A.  ▼.  J.  A.  Gftsar  im  ITL.  Bde.  der  Ann.  dnc.  Styr  S. 
87—88.  Vgl.  die  ürkde.  im  landscL  Arch.  t.  1451,  11.  April:  Graf 
Friedrieb  von  Gull  Terleibt  den  Borgern  von  Gilli  jene  st ftd tischen 
Rechte,  welche  andere  00.  im  Lande  be^tzen  (Gopie).  in  der  Ein- 
leitung der  GiUier  Ghronik  (bei  Hahn  a.  a.  0.  S.  666;  b.  Gäsar  &  6) 
findet  sieb  auch  der  Trümmer  der  alten  Herrlichkeit  von  GiDi  gedacht. 

^)  Friedrieb  I.  f  1859,  10. Ang.;  Ulrich  I  f  1868,  26.  Juli;  Hans 
t  1872,  29.  April;  Hermann  L  f  1885,  21.  März;  Wilhebn 
t  1892,  19.  Sept;  Lndwig  f  U17;  Hennann  (HI.)  f  1426;  Her- 
mann IL  t  1486,  18.  Okt;  Friedrich  H.  f  1454,  9.  Joni;  Ul- 
rich IL  t  1466,  9.  Nov.  —  üeber  daa  Genealogische  nnd  Ghronolo- 
gische  hat  der  scbarfeinnige  und  fleissige  £.  Fröhlich  m  seiner  Genea- 
logia  Sounekiomm  oomitnm  Gelege  . . .  "^ennae  1755  kl.  4^,  116  SS. 
dankenswerthes  geschrieben.  Vgl.  auch  m.  Abb.  „Die  zeitgenössischen 
Quellen  zur  Geschichte  der  Grafen  von  Gilli,  mit  Einschluss  der  sogen. 
Gillier  Ghronik*'  im  8.  Jahrg.  der  Btr.  z.  K.  steierm.  G.-Quellen* 
1871,  Gras,  120  SS.  und  die  n.  6  dt  AbtL 


-^     108     — 

Bchreibtmg  jener  Zeiten  vielfach  schwarz  in  Schwarz    gemüdt 
und  statt  Charakter-,  Zerrbilder  geschaflfen. 

Es  ist  etwas  scharf  Maridrtes,  etwas  Typisches  in  diesem 
Geschlechte,  gerade  so  wie  dies  ein  interessanter  Fund  unserer 
Zeit  auch  in  physischer  Beziehung  an  den  Todtenschäddin  der 
Cillier  nachwies.  Bei  der  Mehrzahl  femer  dürfen  wir  an  hohe 
kräftige,  hagere  Gestalten  denken,  wie  dies  zeitgmOssisch  von 
den  letzten  Cilliem  bekannt  ist  und  dem  ritterlichen  Thaten- 
drange  so  wie  dem  persönlichen  Ansehen  der  Meisten  ent* 
spricht;  aucii  in  dieser  Beziehung  Iftsst  sich  somit  an  dnen 
CTtschiedenen  Familientypus  denken^). 

Aber  noch  emer  wichtigen  Grundeigenschaft  des  Hauses 
der  Cillier,  emer  Tugend  im  strengen  Sinne  des  Wortes,  sei 
gedacht,  in  welcher  wn-  neben  den  glücklichen  Fügungen  des 
Geschickes,  das  Geheimniss  des  raschen  und  sicheren  Ge- 
deihens der  Grafen  von  Cilli  —  zu  suchen  veranlasst  werden ; 
es  ist  der  lebendige  Sinn  fbr  Ordnung  im  Haushalte  und  6e- 
schftftsleben,  das  Ökonomische  Talent  und  praktische  Geschick 
des  genannten  Hauses.  Die  Cillier  waren  nicht  blos  Günstlinge 
des  Glückes,  sie  verstanden  es  auch,  seine  reichen  Gaben  klug 
festzuhalten  und  zu  mehren,  zukünftige  Vortheile  rechtzeitig 
in's  Auge  zu  fassen.  Die  Macht  des  Geldes  und  Kredites  war 
ihnen  bekannt  und  so  hielten  sie  das  Eine  zusammen  und  das 
Andere  aufrecht 

Der  praktische  Vortheil  beseelt  ihre  trefflich  angelegten 
Erbverträge  und  Heiratsverbindungen  mit  andern  mächtigen 
und  reichen  Häusern;  —  ja  selbst  mit  gekrönten  Geschlech- 
tem, mit  berühmten  Dynastieen,  werden  sie  verschwägert 


*)  Prof.  Heschl  hat  In  dieser  Beriebimg  interessaBte  AnfschiaBBe  ge- 
boten,   da  es  ihm  gelang,  die  in  der  Gülier  Minorftenkirche  aufbe- 
wahrten Todtenjich&del  der  letzten  Cillier  einer  kraniologischen  Unter- 
suchung tu  unterziehen.  Aeneas  Sylms  sagt  vom  Grafen  Friedrich  IL 
(t  H64)   in   der  bist  Frider.  (A.  ?.  Böder  8.  54--55,  A.  ▼.  K61- 
Jar  2jß\      0ennanno  genitori  corporis  proceritate  maiestateqne  pene 
par''         ^]]d  dessen  Sohn,  den  letzten  Cillier,  Ulrich  IL  (f  1456), 
bezeici  *  *      ^f  gleichfalls  als  hochgewachsenen  Mann  mit  breiter  Brust 
UQ(/ A  ^S/        j^örper  (bist.  Frid.  ed  Kollar,  8. 468  f.  hist.  Bob.  cap.  66.). 


J 


—     109     — 

Bei  solchem  rastlosen  Streben  nach  Gewinn  und  äusserer 
Geltung  findet  sich  wenig  Raum  für  zarte  Gefühlsregungen  und 
behaglichen,  reinen  Genuss  des  Erworbenen.  Die  Cillier  sind, 
mmdestens  die  Letzten,  Bedeutendsten  dieses  Hauses,  ein  fie- 
berhatt  thätiges,  ein  hartes  Greschlecht  und  gerade  das  kost- 
barste Kleinod,  Familienglack,  war  ihnen  fremd.  Der  Mangel 
desselben  zieht  sich  wie  ein  Fluch  durch  die  Geschichte  der 
drei  letzten  Grafen  von  Cilli;  ein  tragisches  Geschick  lässt 
den  mächtigsten  und  berühmtesten  von  ihnen,  kinderlos  wer- 
den und  —  auf  der  Höhe  der  Liebenserfolge  vom  politischen 
Morde  ereilt,  das  glänzende  Haus  schliessen. 

Wenn  nun  der  Verfasser  dieser  geschichtlichen  Lebens- 
skizze Hermann  ü.  (1380 — 1435)  aus  der  Reihe  der  Grafen 
von  CüH  herausgriff,  so  that  er  dies,  von  dem  Umstände  be- 
wogen, dass  gerade  in  diesem  Cillier  die  Gnmdeigenschaiten 
seines  Hauses  kräftig  und  wirksam  zur  Geltung  gelangen,  dass 
dieser  langlebige,  gQter-  und  ämterrdche  Mann,  der  Schwäher 
emes  Kaisers  und  Verwandte  von  Königen,  —  den  eigentlichen 
Grund  zur  Machthohe  seines  Hauses  legte;  —  anderseits  dass  er 
jene  Würdigung  noch  immer  nicht  fand,  die  er  in  ausgedehntestem 
Maasse  verdient  Nur  möge  der  freundliche  Leser  nicht  ver- 
gessen, dass  diese  aus  den  Quellen*)  geschöpfte  Skizze  eben 
nur  umrisse  bietet,  die  mehr  den  Schwarzstift  des  Zeichners 
als  den  Farbenpinsel  des  Malers  erkennen  lassen.  Die  quellen- 
mässigen  Belege  sollen  diesen  umrissen  em  festeres  Gepräge 
verleihen. 

Hermann  H.  war  der  Sohn  des  gleichnamigen  Grafen, 
des  jungem  Sprossen  Friedrichs  L,  der  die  Reihe  der  Freien 
von  Sounek  schliesst  und  den  Reigen  der  Cillier  eröffiiet 
Sein  Vater  hatte  die  bosnische  Fürstentochter  Katharina  zum 
Weibe  genommen,  während  sein  älterer  Bruder  Ulrich  I^  ein 
berühmter  ritterlicher  Kämpe  seiner  Zeit^  eine  aus  dem  ange- 


*)  Die  Kritik  der  zeHgenössischen  Quellen  zur  Geschichte  Hennanns  H. 
findet  sich  in  meiner  Kote  4  dtirten  Abhandlong  Tersaoht  Aasfthr- 
licheres  in  meiner  jüngst  gedmckten  Abh.  im  Arch.  f.  E.  oe.  Gesch. 
(1878)  der  Wiener  Akad«  d.  W.  hist  phfl.  Section. 


—     110     — 

sebenen  GescMechte  der  von  Oetüngen  ehelichte^.  Aus  Her- 
manns I.  Verbindung  erwucbsen  zwei  Söbne,  Hanns  und  Her- 
mann IL  Des  Letzteren  Geburt  müssen  wir  um  1350  ansetzeot 
da  er  bereits  1372  als  Gemahl  einer  Tochter  des  reichen 
Grafen  von  Schaunberg  und  bald  darauf  als  Vater  seines  Erst* 
gebomen,  Friedrich  E.  anzusehen  ist"). 

Im  genannten  Jahre  starb  sein  älterer  Bruder  Hanns,  der 
eine  Montfört  -  Pfannberg  zur  Frau  genommen  *).  Vier  Jahre 
früher  war  der  Oheim,  Graf  Uhich  L,  venchieden  (1 368, 26.  Juli) 
und  liess  einen  Sohn,  Namens  Wilhelm,  zurück,  der,  Jüngeren 
Alters  als  Hermann  H.,  mit  diesem  das  Geleite  Hermann  L^ 
dem  Altgrafen  des  Hauses,  gab,  als  dieser  im  Gefolge  Herzogs 
Albrecht  HL  von  Oesterreich,  1377  die  Ritierfahrt  itfs  Preussen- 
land  antrat  *^.  Es  war  der  erste  uns  bekannte  Schritt  des 
Helden  unserer  Skizze  in's  grosse  Leben.  Von  Breslau  ging 
der  Zug  nach  Thom  und  Marienburg,  an  den  Hauptsitz  der 
deutschen  Ordensherrschaft. 

Die  Fahrt  des  Ritterheeres  an  die  Memel  bot  schon 
ernste  Gefahren,  die  das  Banner  von  „Steierlant",  Altgraf  Her^ 
mann  U.  und  sein  Gefolge,  nicht  scheute.  Blutige  Eftmpfe 
kostete  das  Eindringen  in  „Sameit**  oder  Samogitien,  dessen 
tapfere  Bewohner   den   christlichen  Eindringlingen  die  W^e 


^)  Cillier  Chronik  b.  Hahn   S.  675— 678,   b.  Cäsar  S.  26-31.    Ueber 

Ulrichs  I.  Ritterfahrten  s.  Peter  Suchenwirts  Gedichte  A.  t.  Primis- 

ser,  Wien  1827,  S.  51  — 58  „Von  graff  Ulreichen  Ton  Tzili"  und  die 

Anm.  dasii  S.  258->261. 
*)  Der  Heiratapakt  zwischen  Hermann  H.  nnd  Elisabeth,   der  Schann- 

bergerin,  dat.  v.  27.  Jänner  1871  —  Grazer  HofschatzgewölbbOcher 

(Wien)  ~  Index  dazu  tou  Apostelen  8,  173.  Vgl.  Stolz  Regg,  z.  G. 

der  Schaunberger  im  XQ.  Bde.   der  Denkschrr.  der  Wiener  Ak.  d. 

W.  bist.  ph.  S. 
•)  Cillier  Chr.  b.  Hahn  S.  678—679,  b.  Cäsar  36—88.    Graf  Hanns  f 

1872,  29.  April. 
*^)  üeber  diese  Preussenfahrt  P.  Buchenwirts  Ged.  u.  a.  0.  S.  8  ff.  Tgl. 

Hagens  oe.  Chr.  h.  t.  Pez  scrr.  rer.  austr.  L  I15t.  —  Kurz  G.  Oe. 

u.  Herzog  Albrecht  ni.  I.  143—4.  Das  Lied  b.  Suchenwirt  ffthrt  den 

T.  nvon  herczog  Albrechts  ritterschaft*. 


—    111    - 

Terl^ten.  Hier  war  es  auch,  wo  der  Altgraf  von  CSUi  als  der 
▼omehmste  Alterskämpe  dem  Habsbui^er  Albrecht  den  Ritter- 
schlag ertheilte.  Am  Rackwege,  in  „Russenia"  —  Rothruss- 
land  —  bewirthete  Hemnann  IL  den  Hersog  sammt  82  Rit* 
tem,  wobei  der  feurige  Saft  der  „Luttenberger*'  Rebe  nicht 
geschont  wurde.  Die  Heimreise  ging  aber  Kleinpolen,  Schlesien 
und  Mfthren  nadi  Oesterreidi,  von  wo  aus  die  Cillier  den 
RQekweg  in  die  Hdmat  einschlugen. 

FfUif  Jahre  vor  dieser  Preussen&hrt,  1372  30.  Sept,  datirt 
der  bekannte  Gnadenbrief  K.  Karls  H.,  der  die  Grafischaftsrechte 
der  Cillior  von  Seiten  des  deutschen  Reiches  verbürgt ;  einige 
Wochen  später  (7.  Nov.)  geben  die  Osterreichischen  Herzoge 
Albrecht  HL  und  Leopold  HL  als  Ldiens-  und  Dienstherren 
ihren  Willebrief  zu  dieser  Erhöhung.  In  der  bezüglichen  Ur- 
kunde des  Luxemburgers  erscheinen  Hermann  (L)  und  Wilhelm 
die  „Gevettert  von  COli  **)•  I^^  ^^  jedoch  nicht  zu  dem 
Fehlschlüsse  verleiten,  als  wäre  Graf  Wflhelm  der  ältere  der 
beiden  Jnnggrafen  gewesen.  Hermann  IL  war  laut  unwider- 
le^Murer  Uiinmdenzeugmsse '")  der  senior  von  Beiden,  worauf 


")  Die  Urkunde  KarrBlY.mit  gleichem  Dfttam  (1872  SO  Sept  BrOnn), 
iroiin  den  Grafen  Hermann  I.  und  WOhelm  das  Btlndige  Yogteiredit 
über  das  Kloster  Obemburg  in  üntersteier  bestätigt  wird,  ist  ein  Pen- 
dant zu  dem  Privilegium,  das,  mit  richtiger  Datirung  und  richtigerem 
Texte,  Fröhlich  in  s.  Geneal  Souniorum  S.  65—70  abdruckte.  S.  Mitth. 
des  bist  Y.  f.  St.  6,  258  nr.  172.  Das  fidsche  Datum  der  Handveste 
Ar  die  Cillier  1862  findet  sich  auch  in  Lflnig's  Cod.  Germ.  U,  511. 
Die  beiden  Urkunden,  Privileg  und  Willebrief  der  Habsburger  v  7.  Nov. 
Nenburg  (vgl.  Lichnowski  4,  Regg.  nro.  1092)  im  Anh.  der  Cill.  Chr. 
b.  Hahn  S.  748  C ;  Cäsar  28  ff. 

>*)  1884  10.  Febr.  Cilii.  ürkde.  f.  d.  Kl.  Studenits  (landsch.  Arch.  orig. 
nr.  8480)  ercheinen  die  8  Grafen  in  folgender  Ordnang:  Herrmann  I. 
als  senior,  dann  Hermann  U.  junior  und  Wilhelm  —  1888  11.  Okt 
Cilli  (Idsch  ArcltCopie);  Urkunde  betreffend  die  Gorker  Lehen  der 
Pettauer.  An  erster  Stette  findet  sich  Graf  Hermann  H.,  an  zweiter 
Wilhelm.  In  dem  Belehnungsbriefe  des  Patriarchen  Johann  v  Aqui- 
leja  V.  1889,  19.  Febr.  (s.  Muchars  Regg.  im  2.  Bde.  des  Arch  f. 
K.  V.  G  Nro.  41,  8.  489-440)  nhnmt  Wilhehn  die  Lehen  aus- 
drücklich im  Namen  Hermanns  H  tamquam  senioris 


—     112     — 

schon  auch  die  Thatsacbe  hinweist,  dass  er  bedeutend  froher 
als  Wilhefan  seinen  h&uslichen  Herd  bestellte. 

Letzterer  mochte  eben  nur  als  Sohn  des  yerstorbenen 
Altgrafen  Ulrich  L,  als  Vertreter  Einer  Linie  gewissennassen^ 
neben  seinem  Ohme  Hermann  L,  als  Reprftsentanten  der 
Andern,  —  den  Platz  in  der  Urkunde  gefunden  haben. 

Wilhelm's  Heirat  ffillt  in  das  Jahr  1382,  mitUn  viel  spä- 
ter als  die  Ehe  Hermann's  IL;  fbnf  Jahre  nach  der  bespro- 
ebenen  Preussenfahrt  und  nach  dem  wichtigen  Vertrage  zwischen 
den  Häusern  Gilli  und  Ortenburg  auf  gegenseitige  Beer- 
bung ^*).  —  Seine  Gattin  wurde  Anna,  die  pohlische  Prinzes* 
sm  aus  dem  Königshause  der  Piasten,  das  1370  im  Mannes- 
stamme  erlosch  und  dem  verwandten  Könige  Ungarns,  dem 
Angiovinen  Ludwig  L  den  Platz  räumte.  Ludwig  war  der  GOn- 
ner  Ulrichs  L  von  CUli,  der,  unter  dem  Bamer  des  Ungam- 
königs,  wider  Bulgaren,  Servier  und  TOiken  bei  Widdin,  gegen 
die  Venediger,  vor  Zara,  ritterlich  gestritten.  Er  vermittelte 
die  Heu-at,  er  verbürgte  den  bedeutenden  Mahlschatz  der 
Braut  War  es  persönliches  Wohlwollen  allein,  oder  war  vieUetcht 
dabei  auch  der  politische  Gesichtspunkt  massgebend,  die  Hand 
der  Piastin  einem  befreundeten  Manne  zu  verschaffen,  dessen 
Bangstellung  keinen  Rivalen  fbr  die  polnische  Herrschaft  be- 
sorgen liesse?  **)  Anna  gebar  ihrem  Gatten  Wilhehn  nur  eine 
Tochter  gleichen  Namens,  die  das  Geschick  auf  den  pobiischen 
Thron,  in  das  Vaterland  ihrer  Mutter,  führte.  Doch  kehren 
wir  zu  dem  Helden  uns^er  Skizze  zurück. 


^*)  Der  Willebrief  des  Trienter  Bischofes  zum  Ortenburg-Gönser  £rb- 
vertrage  dat.  t.  28.  Nov.  1377.  S.  Apostelen's  Index   8,  170  nr.  26. 

<^)  Die  YersicheniiigBiirkunde  K.  Ludwigs  tod  Ungarn  dat  t.  27.  März 
1S82.  Die  Mitgift  Ton  20.000  Goldgulden  soU  bei  kinderlosem  Ab- 
sterben Beider  an  Grafen  Hermann  II.  und  dessen  Erben  fsUen. 
8.  Apostelen's  Index  8,  171.  1883,  20.  Mai,  Bozen  —  bezeugt  H.  Leo- 
XK)ld  m.  y.  Oesterreich,  dass  die  Grafen  ron  Gilli  auf  die  vom  Her- 
zoge mit  19.200  fl.  ihnen  yerschriebenen  Sfttze  in  der  Metlik  die 
Grftfin  Anna  von  ^Krakan*^  mit  einem  Tbeile  ihres  Heiratsgutes  ver- 
wiesen haben 


—     113     — 

Es  wurde  schon  oben  angedeutet^  dass  Hermann  n.  bald 
nach  1372  als  Vater  eines  Sohnes,  des  erstgebomen  Friedrich, 
angesehen  werden  müsse.  Letzterer,  um  1373  geboren  —  Aeneas 
Sylviufi  bezeichnet  ihn  um  1447 — 54  als  Mann  in  den  Acht- 
zigen  '^),  —  wurde  bald,  wie  der  Heiratspakt  vom  30.  Sept  1388 
ausweist,  mit  Elisabeth,  einer  Tochter  des  angesehenen  kroatisch- 
dalmatinischen Grafenhauses  Frangepani,  der  Herren  von  Yeglia 
und  Modrusch,  —  vermalt  und  erhielt  in  der  Folge  einen 
besonderen  GUterbesitz  und  Hofhalt,  zu  Gurkfeld,  einge- 
räumt *•)• 

Das  Jahr  1385  war  für  die  Lebensstellung  Hermann's  IL 
entscheidend;  damals  —  den  21.  März  —  starb  sein  Vater 
und  räumte  dem  Sohne  den  Platz  als  Altgraf  des  Hauses  *'). 
Als  solchen  d.  i.  als  „senior"  bezeichnet  diesen  z.B.  die  Belehnungs- 
urkunde  des  Patriarchen  von  Aquileja  aus  dem  Jahre  1389  '®). 
Doch  müssen  wir  uns  natürlich  in  jeder  Angelegenheit  des 
Hauses  den  Grafen  Wilhelm  als  Mitregierer  denken,  wie  dies 
wohl  schon  der  alte  Souneker  Hausvertrag  von  1262  vor- 
schreiben mochte  *").  So  finden  wir  z.  B.  die  beiden  Grafen, 
Hermann  an  erster,  Wilhelm  an  zweiter  Stelle,  in  der  Urkunde 
vom  11.  Oktober  1388  genannt,  wo  es  sich  um  die  Gurker 
Bisthtimslehen,  nach  dem  Abgange  der  Jungen  von  Pettau 
handelt  •'»). 

Das  Jahr  1389  zeigt  uns  Hermann  U.  im  Süden  und 
Norden  der  österreichischen  Ländergruppe  mit  Taidungsange- 
legenheiten  vollauf  beschäftigt,  die  stin  Talent  im  Schlichten 
fremder  Händel  schulen  und  nähren  halfen.   So  m  Friaul,  wo 


>^)  In  der  List  Friderici  (Böcler^s  A.  S.  34)  „anpra  octuagesimura 
annum  vitam  prodaxit**  —  und  später  dann,  vo  von  seiner 
Romfahrt  zur  Zeit  des  Jubeljahres  die  Rede  ist,  wird  er  gar  „nonage- 
narius"  genannt  Letzteres  ist  offenbar  irrig;  Ersteres  das  Richtigere. 

**)  Der  Heiratspakt  —  s  Aposteleh's  Index  8,  232.  lieber  den  Gnrk- 
felder  Hofhalt  S.  die  Cillier  Chr.  bei  Hahn  S.  683,  Cäsar  48. 

«'0  Cill.  Chr.  Hahn  678    9,  Cäsar  36-  88. 

^«)  S.  o.  n.  12. 

»»)  Vgl.  Tangl  n.  a.  0.  S.  89  des  Sep.  A   (X   Heft  der  Mitth  ) 

*ö)  S.  0.  n.  12. 

8 


—     114     — 

der  politische  Mord,  an  dem  beryorntgenden  Parteiführer  Fried- 
rich Savorgnano  —  zu  Udine  yoUAlhrt,  die  Einberufdng  eines 
Adels-  und  Patrizier  -  Patlamentes  nothwendig  machte  und 
dieses  den  Grafen  von  Cilli,  den  Lehensträger  des  Hochstiftes 
Aquileja,  als  Schiedmann  zu  kommen  einlud  *0*  ^^  ^^^  ^^ 
Jahres  sehen  wir  Hermann  ü.  in  Oedenburg  bemüht,  als  emer 
der  Sendboten  Herzogs  Albrecht  IE.  von  Oesterreich,  mit  den 
Bevoltanächtigten  K  Sigmunds  die  schwebenden  ungarisdi- 
Osterreichischen  Grenzstreite  und  Nachbarhändel  zu  beglddien  '*). 
Bald  darauf  um  1391  hören  wir  seinen  Namen  wieder  in  der 
Priauler  Fehde  zwischen  TJdine  und  Cividale  genannt**). 

Um-  1390  scheint  Hermann  H.  die  AmtswOrde  eines 
Landeshauptmannes  von  Krain  übernommen  zu  haben,  mit 
welcher  wir  schon  seinen  Grossvater  Friedrich  I.  betraut  finden. 
Jedenfalls  haben  wir  ihn  1390—1400  (1395)  als  Haupt  der 
Erainer  Landesverwaltung  zu  denken  **). 

Doch  lagen  noch  entscheidendere  Dinge  im  Schoosse  der 
Zukunft.  —  Sein  Vetter  WOhehn  nahm  an  den  Kämpfen 
Theil,  in  welche  K.  Sigmund  von  Ungarn,  der  Lux^mbuiiger, 
an  der  untern  Donau  immer  mehr  verstrickt  wurde.  Der  Tür- 
kenkrieg —  die  wichtigste  politische  Frage  für  den  Südosten 
des  damaligen  Europa's,  meldet  sich  an.  1391  iSnden  wnr  den 
Grafen  von  Cflli  daselbst  in  Waffen.  Auf  der  Rückreise  von 
der  Heeresfahrt  starb  der  Graf  zu  Wien  den  19.  Sept,  1392  •*), 
Nun  war  Hermann  H.  nicht  Mos  Altgraf,  sondern  auch  Allein- 
gebieter in  den  Cillier  Landen.  Dass  er  in  GeseUschaft  Wilhelms 
den  Türicenzug  mitgemacht  habe,  ist  mehr  als  unwahrscheinlidi. 

Unter  den  Zeugen,  welche  die  wichtige  Holenburger  Eini- 
gung, den  Hausvertrag  zwischen  der  albrechtinischen  und  leo- 


>0  Manzaoo:  Annali  del  Friuli  VI.  Bd.  S.  86. 

««)  Lichnowski  IV.  Regg.  nro.  2170. 

<*)  Manzanoa.  a.  S:  69. 

*^)  Elon's  Arch.  z.  Gesch.   Erains  2.  8.   Aufe.  v.  Richter  über  Laibach 

S.  212^218.  nnd  1,  S.  20. 
**)  CilL  Chr.  u.  a.  0.  Anhang  ra  M.  Hagen's  österr.  Chr.  b.  Pez.  scrr. 

I.  c.  1168. 


—     115     — 

poldinischen  Linie  des  Hauses  Habsburg  (1395,  23.  Nov.) 
feierlich  bestätigten,  —  erscheint  auch  Hermann  U.  als  einer 
der  vornehmsten  ^^).  Nicht  lange  zuvor  (1395,  7.  Febr.  Wien) 
war  er  als  gewandter  Vermittler  in  den  Händeln  der  Herren 
von  Liechtenstein  neben  Herzog  Albrecht  HI.  und  Fritz,  Gra- 
fen von  Hohenzollem,  bestellt  worden  *').  —  Doch  der  eigent- 
liche Wendepunkt  in  seinem  Lebensgange  knüpft  sich  an  das 
Jalu:  1396.  Das  sollte  ihm  den  Weg  zur  Fülle  äusseren  Glückes 
weisen. 

König  Sigmund  rüstete  zum  grossen  Kreuzzuge  wider  die 
Osmanen.  Ganz  Westeuropa  gerieth  in  kriegerische  Bewegung. 
Zu  Pfingsten  sanunelten  sich  Ritterschaaren  in  Wien,  um  von 
da  südwärts  zu  ziehen ;  am  S.  Johann  des  Täufers  Tage  trafen 
die  Burgunder  unter  dem  Sohne  Philipps  des  Kühnen,  Johann 
,iOlme  Furcht ',  ein;  Franzosen  hatten  sich  zahlreich  auf  den 
Weg  gemacht  —  Hermann  U.  war  mit  seinen  Mannen  er- 
schienen^  seinem  Banner  folgten  Steiermärker  und  Oester- 
reicher  **).  So  fand  sich  denn  zur  Herbstzeit  im  Bulgarenlande, 
um  Nikopolis,  Schiltau  nannten  es  die  Deutschen,  ein  grosses, 
buntes  Kreuzheer  zusanunen,  das  vor  Begierde  brannte,  sich 
mit  den  Moslems  zu  messen.  Aber  ihm  stand  eine  blutige  Ent- 
täuschung bevor.  Eine  furchtbare  Niederlage  traf  die  Christen- 
heit K.  Sigmund  entkam  mit  Mühe  dem  Schlachtgewühle  und 
floh  südwärts,  um  in  Byzanz  am  Hofe  der  Paläologen  Halt  zu 
machen.  Unter  den  wenigen  Begleitern,  die  im  Kampfe  treu 
an  seiner  Seite  ausharrten  und  ihm  auf  der  Flucht  das  Geleite 
gaben,  erscheint  der  Graf  von  CSlli  *  ^. 

Zu  den  Eigenschaften  des  Luxemburgers  zählte  vor  Allem 
ein  lebhaftes  Dankgefühl  und  eme,  oft  bis  m  Verschwendung 
ausartende  Freigebigkeit  Er  verstand  wahrhaft  königlich  zu 
lohnen  und  das  erfuhr  denn  auch  an  sich  das  Haus  der  Cillier.  — 


<*>  Rauch  scrr.  rer.  a.III.  411.  Lichnowski  4,  Kegg.  nro.  9.  Hennann  II. 

fOhxt  da  den  Titel:  Hauptmaon  t.  Erain. 
<^)  Kurz  Oe.  u.  Albrecht  III.  11.  311  Blge.  87. 
*9)  S.  Aschbach'B  Gesch.  K.  Sigmunds  I.  98.  s.  Lichnowski  S.  19. 
<*)  Schiltberger's  Reisebuch,  neue  A.  v.  Neumann  1859,  München. 

8* 


^   I 


—     116    — 

Die  Urkunde  des  Königs  vom  14.  Aug.  1397  preist  die 
Verdienste,  welche  sich  die  Cillier  um  Ungarns  Krone  schon 
seit  den  Tagen  Ludwigs  I.  erwarben  und  legt  den  Scfalosston 
auf  die  wackem  Leistungen  Hermann's  n.  *'*).  Dafbr  erhält 
er  Stadt  und  Gebiet  von  Warasdin,  bald  darauf  die  Bur^^err- 
schaften  Yinice  und  Orbac  in  Zagorien  und  im  Jahre  1 399 ' ') 
die  Grafechaft  Zagorien  selbst,  den  „Seger*,  wie  die  deutsche 
Namensform  lautet  So  schrieben  sich  denn  auch  alsbald 
die  Cillier  seit  Hermann  n.  Grafen  von  Gilli  und  im  Seger, 
wozu  sich  später  durch  Erbschaft  der  Besitetttel  Ortenburg 
gesellte. 

Bevor  Graf  Hermann  in  den  TQrkenkrieg  gezogen  war, 
sorgte  er  für  die  Abfassung  seines  letzten  Willens'*).  Dieses 
Testament  ist  fbr  uns  von  Belange.  Wir  erfahren  daraus,  dass 
die  Mutter  des  Grafen,  Katharina  von  Bosnien,  noch  lebte, 
seine  Gattin  hingegen  bereits  verstorben  war. 

Es  ist  darin  der  Verlobten  seines  Erstgebornen,  Elisabeth, 
Grafentochter  von  Veglia-Modrusch,  gedacht  und  schliesslich 
wird  Friedrich,  dem  Grafen  von  Ortenburg,  an's  Herz  gelegt,  Her- 
mann's  H.  Töchtern  und  der  Muhme  Anna,  Tochter  Wilhehn's, 
würdige  Gatten  ausfindig  zu  machen. 

Verpflichtungen  und  wohlverstandenes  Interesse  knüpften 
den  Grafen  von  Cilli  an  den  luxemburgischen  König.  Ein 
Ereigniss  von  massgebender  Bedeutung  bot  dem  Cillier  den 
Anlass  zu  einem  hochwichtigen  Dienste. 


w)  S.  die  ürk.  d.  14.  Aug.  1897,  Ujhely,  in  Fej^r's  Cod.  diplom.  X,  2, 
418-423.  —  Die  HaoptoteUe :  ..  Bignanter  eodem  Domino  Hermanno 
Comite  nostro  lateri  pro  toitione  penone  nostre  fideliter  et  iugiter  «d- 
haerente,  per  Danubii  et  pelagi  flumina  in  galeis  remigando  ad  civi- 
tatem  ConstantinopoUtanam  pervenissemus  ....  V^eiterhin  wird  dann 
Beiner  grossen  Verdienste  um  Dalmatien  und  Croatien  gedacht. 
Die  Schenkung  t.  Zagorien  d.  v.  27.  Jftnner  J899.  Fei6r  X,  2, 
688-89. 

»»)  1897,  17.  Aug.  üjbely.  Fej^r  a.  a.  O.  S.  428-429.  Auch  hier  wird 
der  Verdienste  der  Cillier  gedacht 

**)  S.  das    Wesentliche   dieses   Testamentes   in   Fröhliches   Genealogia 
S.  77—78. 


—     117     — 

Gegen  Sigmund^s  ungarisches  Eönigthom  hatte  sich  eine 
starke  Partei  gebildet  Die  Anhänger  des  neapolitanischen  Prä- 
tendenten Ladislaus,  Sohnes  des,  1386,  ermordeten  Karl  d.  K, 
reichten  den  übrigen  Aufständischen  Ungam's  die  Hand*').  Im 
April  des  Jahrs  1401  kam  es  zu  einer  stOnmschen  Szene  im 
ungarischen  Landtage;  zur  offenen  Anklage  des  Königs  und 
schliesslich  zu  seiner  Verhaftung.  Der  königliche  Staatsgefan- 
gene iBmrde  der  Obhut  der  Söhne  des  vormaligen  Palatins 
Gara  anvertraut  und  auf  Siklö's  brachte  er  die  Tage  seiner 
Haft  zu. 

Insgeheim  scheinen  jedoch  die  Gara*s  dem  Könige  be- 
freundet gewesen  zu  sein  oder  verstand  es  dieser,  sie  zu  ge- 
winn^i. 

Wie  dem  nun  auch  sein  möge,  ein  wesentliches  Verdienst 
um  die  Freilassung  des  Luxemburgers  erwarb  sich  Graf  Her- 
mann von  CillL  Er  unterhandelte  mit  den  Gara's  die  Freilas- 
sung Sigmund's,  bei  welchem  Anlasse  auch  die  Verschwäge- 
rung der  Häuser  Cilli  und  Gara  angebahnt  wurde  '*).  —  Aber 
ein  noch  grösserer  Vortheil  erwuchs  dem  Grafen  von  Cilli.  — 
König  Sigmund,  seit  1395  verwitwet,  fiasste  den  Entschluss, 
die  jüngste  Tochter  des  Cilliers,  Barbara,  zu  ehelichen.  Bald 
nach  Sigmund's  Befreim^  soll  die  Verlobung  stattgefunden 
haben;  doch  vergingen  noch  einige  Jahre,  ehe,  bei  der  Jugend 
der  Braut,  an  den  Vollzug  der  Ehe  gedacht  werden  konnte. 
Darauf  dürfte  sich  die  Angabe  der  CiUier  Chronik  zurückführen 
lassen,  der  Graf  habe  sich  gegen  die  Verbindung  seiner  Toch- 
ter mit  dem  Könige  gesträubt  und  sei  dazu  erst  von  den  un- 
garischen Herren  beredet  worden*^). 


**)  Vgl.  daraber  Aschbach's  Gesch.  K.  Sigmunds  I.  (n.)  Bd. 

*^)  Die  Quellen  hierüber:  Eberhard  Windek  b.  Mencken  scnr.  I.  cap.  4. 
(unrichtige  Chronologie);  Thuröczy  Ghron.  Hung.  pars  IT.  c  9.  b. 
Schwandtner  scrr.  rer.  H.  L  Dlugosch  bist.  Fol.  Z.  b.  Vgl.  Katona 
bist  crit  H.  XI.  Bd.  S.  489  ff.  Aschbach  a.  a.  0.  122  F.  hat  das 
Beste  darüber.  Die  Hauptstelle  der  Gillier  Chronik,  b.  Hahn  679-80 ; 
Cäsar  40-46. 

*^)  8o  sagt  die  CiUier  Chronik  a.  a.  0.  1406  1.  Aug.  Siklos.  Gr&fin  Anna 
V.  Cilli;  Gattin  des  Grossgrafen  (Palatin)  Kikia«  von  Gara,  yerochtet 


—     118     — 

Etwas  früher  als  die  Verlobung  Barbara's  war  die  schmei- 
chelhafte Werbung  des  ersten  jagelionischen  Königs  Ton  Polen, 
Wladislaw,  um  die  Hand  der  Tochter  Wilhehns,  des  verstor- 
benen Vetters  Hermann  11.,  und  der  Piastin  Anna,  vor  sich 
gegangen.  Eine  polnische  Gesandtschaft  hatte  sich  in  CiDi  ein- 
gefunden. 1400,  im  Nov.  wurden  die  Verlobungspakten  ausge- 
fertigt, die  Braut  von  ihrem  Oheime  dem  Königsboten  über- 
geben. In  Krakau  soUte  sie  zunächst  die  Sprache  des  Polen- 
landes sich  aneignen.  Doch  fand  sie  sich  damit  wenig  zurecht 
Im  Fasching  des  J.  1401  wurde  das  Beilager  gefeiert,  1402, 
im  März,  die  Krönung.  Die  Cillierin  starb  als  polnische  Köni- 
gin still  und  freudenlos  den  21.  März  1416  '^. 

Wie  nahe  und  immer  näher  nun  der  CiUier  dem  Könige 
Sigismund,  seinem  künftigen  Schwiegersohne  in  all  dessen  viel- 
seitigen Händeln  und  politischen  Geschäften  trat,  lässt  sich 
leicht  ermessen. 

Eine  so  rührige,  kräftige  Persönlichkeit,  kriegerisch  und 
dabei  in  den  diplomatischen  Künsten  vollkommen  geschult, 
war  dem  planreichen  Luxemburger  willkommen. 

Als  dieser,  voll  Begierde  nach  dem  Throne  Böhmen's,  sei- 
nen leichtgläubigen  und  charakterschwachen  Bruder  Wenzel 
das  zweitemal  zum  Gefangenen  machte  (1402^  und  nach 
Oesterreich  schaffen  liess,  übernahm  der  Cillier,  damals 
Vormund  seines  Schwagers  Johann  von  Schaunberg,  den  hohen 
Gefangenen,  der  dann  zur  Haft  nach  Wien  abgeführt  wurde  "). 
Es  war  dies  allerdings  ein  sonderbares  Gegenstück  zu  jenem 
am  Anfange  desselben  Jahres  in  Ktttemberg  zwischen  Wenzel 


gegen  Ausfertigung  des  Heiratsgutes  von  6000  Goldgulden  auf  alles 
Erbrecht;  ausgenommen  der  Fall,  dass  das  Cillier  Geschlecht  im 
Mannesstanmie  ausstürbe.  Apostelen's  Ind.  8,  174,  ur.  45. 

'<)  Die  Quellen  über  diese  Angelegenheit:  Andreas  Ratisbon.  Crouica 
abgdr.  in  Höfler's  scrr.  rer.  hussit.  fontes  rer.  austr.  1.  A.  6.  Bd. 
S.  432-433;  Dlugosch  hist.  Pol.  I  Bd.  S.  166  (X.  Buch).  Nach 
diesem  Geschichtschreiber  vergoss  Hermann  IL  Frendenthränen,  als 
die  polnische  Werbung  eintraf. 

'^)  Vgl  darüber  Aschbach  a  a.  0.  1.  175;  Palacky  Gesch.  Böhmens  3, 
2, 217  8.  u.  Fessler  Gesch.  d.  U.  bearb.  y.  Klein,  2.  Bd.  1869,  S.  127  s. 


—     119     — 

and  Sigmund  in  erheuchelter  Brüderlichkeit  vereinbarten  Ge- 
waltbriefe für  Hennann  von  Cilli:  er  möge,  kraft  dessen,  mit 
den  ihm  verschwägerten  Grafen  von  Ortenburg  und  den  von 
(jörz  Über  die  Durchzugsfreiheit  der  luxemburgischen  Kriegs- 
völker nach  Italien  („gen  Lamparten^  Unterhandlungen 
pflegen  *^. 

K  Sigmund  war,  wie  oben  erwähnt,  dankbar  und  bis  zur 
Verschwendung  freigebig;  aber  er  litt  auch  an  ewigen  Finanz- 
nöthen,  denen  durch  Verpfändungen  der  ErongUter  und  könig- 
lichen Ländereien  abgeholfen  werden  musste.  Beide  diese  Mo- 
mente waren  dem  Hause  CiUi,  das  über  grosses  Baarvermögen 
gebot,  ungemein  vortheilhaft  Sigmund  verlieh  seinem  künftigen 
Schwiegervater  das  Banat  von  Slavonien,  worunter  man  in  Be- 
zug der  geographischen  Grenzen  das  heutige  slavonisch-kroatische 
Königreich  verstehen  muss'^;  er  bestätigte  ihm  die  früheren 
Schenkungen  und  verlieh  ihm  endUch  die  ausgedehnte  Mur- 
Drauinsel,  die  Muraköz,  mit  dem  Vororte  Tschakathum  —  als 
erbliche  Pfandschaft,  um  die  gewiss  nicht  übergrosse,  aber  an 
sich  nicht  für  jedes  Grafenhaus  erschwingUche  Summe  von 
48.000—100.000  Goldgulden  *^). 

Hermann  von  Cilli  galt  seither  als  der  erste  und  vor- 
nehmste unter  den  weltlichen  Magnaten  der  ungarischen  Krone. 


^)  Die  Urkunde  d.  t.  1.  Jänner  1401,  Kutiemberg.  Apostelen's  Index, 
1,  110,  119,  1400,  14.  Aug.  Prag  -  belehnte  K.  Wenzel  den  Grafen 
Hennann  von  GUli  und  dessen  männliche  Erben  mit  dem  Reichs* 
leben,  Burgherrschaft  Bohrau  Apostelen    -  1,  119,  HS. 

'*)  Seit  1408,  1406  l&sst  sich  mit  Sicherheit  die  BanalwOrde  des  Cimers 
urkundlich  verfolgen.  Fej^r  X,  4,  811—813  hat  eine  Urkunde  im 
Bruchst&ck,  angeblich  z.  J.  1403 ;  docli  wechselt  überhaupt  der  Titel 
dieser  Wttrde  und  deren  Inhaberschaft.  Nachdem  die  Gegenpaitei  des 
Eönigthums  Sigmunds  unterlegen,  war  es  diesem  wohl  um  verlftssliche 
GrenzhQter  im  Süden  zu  thun. 

^)  Die  Yerpfändungsurkunde  dat.  t.  14  Mai  1405  und  findet  sich  aus- 
zugsweise in  tört  t^  der  Pesther  Ak.  d.  W.  IX.  H.  49,  nr.  120; 
(Apostelen  8,  175,  51,  bietet  eine  Bestätigungsurkunde  des  Kapitels 
▼on  Chasma,  worin  ron  100.000  Goldgulden  die  Rede  ist).  Vgl  Ka- 
tona  XI,  109;  Feger  X,  4,  470  ....  Samabor's  Yerpf&ndung  an  die 
Cillier  wurde  1409  8.  Sept  erneuert 


—     120     — 

Die  Zeugeostellung  in  den  gleichzeitigen  Urkunden  be- 
stätigt dies.  —  So  erscheint  in  der  Vollmacht  K.  Sigmund's  An- 
fangs Oktober  1405  Air  die  Abgesandten  und  Vertreter  seiner 
Krone  in  den  Unterhandlungen  mit  dem  Polenreiche,  Her- 
mann's  Name  an  erster  Stelle,  vor  dem  des  Palatins  NDdas 

Gara*0- 

Es  war  dies  zu  einer  Zeit,  wo  der  wOste  Thronkampf  in 

Ungarn  ausgetobt,  der  neapolitanische  Prätendent  Ladislaus 

sein  Spiel  aufgegeben  hatte  und  die  starke  Malcontentenpartei 

unter  Bebek's  und  Debrö's  Fuhrung  gedemtlthigt  worden  war. 

Der  Pole  Stibor,    Wojwode  Siebenbürgens,    die   Gara's,    die 

Frangepani  von  Veglia-Modrusch  und   die  CQlier  bildeten  die 

vornehmsten  Säulen  der  königlichen  Partei. 

Graf  Hermann  E.  hat  nicht  wenig  dazu  beigetragen, 
dass  der  Thronkrieg  von  1402—4  fbr  den  Luxemburger  günstig 
ausschlug  und  mit  dessen  allgemeiner  Anerkennung  als  Herrscher 
Ungarns  endigte*').  Zwischen  1406 — 1408  kam  es  zum  Voll- 
zuge der  Ehe  mit  Barbara  und  die  Stiftung  des  Drachenordens 
weihte  gewissermassen  diesen  Bund  ein,  dem  häusliches  Glück 
fremd  bleiben  sollte.  Unter  den  Rittern  des  Ordens,  welcher 
die  königlichen  Getreuen  zu  Schutz  und  Trutz  verband,  steht 
der  CSUier  Hermann  voran,  als  Erster  der  Magnaten**). 

Zur  Zeit,  als  Barbara,  das  schöne,  üppige  und  freigeistige 
Weib,  die  Gattin  des  Luxemburger  wurde,  hatte  ihre  Schwester 
Anna  bereits  manches  Ehejahr  hinter  sich,  da  sie  schon  1405  den 
Palatin  Niklas  von  Gara  geheiratet**).  Elisabeth  war  seit  1400 
dem  Grafen  Heim-ich  IV.  von  Görz  verlobt  **).    Bald  darauf 


*';  S.  tört  Ur  9.  Bd.  S.  49,  nr.  118. 

*"0  Vgl   darüber  Aschbach's  Werk  ü.  K   Sigmund. 

^3)  Uebcr  diese  Heirat  und  deren  Zeitpunkt  s.  m.  Abb.  Ü.  die  ztg.  Q 
z.  G.  d.  Gfh.  V.  Gilli  a.  a.  0.,  Note  20.  Seit  1406  nennt  Sigmund 
den  Grafen  von  Cilli  regelmässig  seinen  Scbwiegci*vater.  Die  Stiftungs- 
urkunde des  Dracbenordens  b.  Fejer  X,  4,  682—693.  Zun&cbst  er- 
scheint Stephan,  Despot  von  Eascicu  und  gleich  nach  ihm  Her- 
mann IL  comes  Cilie  et  Zagorie  und  dessen  Erstgeborner  Friedrich  II. 

**)  S.  o.  Note  85. 

^^)  Vgl  Fröhlich'»  GeneaL,  Coronini,  Wassermann  .... 


—     121     — 

erscheint  urkundlich  Elisabeth,  aus  dem  reichen  Hause  von 
Abensberg,  als  Gemahlin  des  zweitgebomen  Sohnes,  Her- 
manns HL  *•).  Viel  früher  muss,  wie  oben  angedeutet,  der  Erst- 
geborne, Friedrich,  seine  Ehe  mit  der  von  Veglia-Modrusch 
vollzogen  haben*'). 

Es  fehlte  dem  Altgrafen  von  Cilli  nie  an  Gelegenheit, 
seinem  Schwiegersohne  wichtige  diplomaysche  Dienste  zu  leisten, 
und  ihre  Bedeutung  musste  in  dem  Maasse  wachsen,  je  mehr 
Kronen  und  Geschältslasten  der  Luxemburger  Sigmund  sich 
erwarb  und  aufbürdete.  1410  von  einer  Partei  zum  deutschen 
Könige  gewählt,  verstand  sich  Sigmund  zu  behaupten  und  das 
GlQck  verschaffte  ihm  1411/1412  die  Anerkennung  als  alleiniges 
Oberhaupt  des  deutschen  Reiches.  So  war  der  Cillier  Schwieger- 
vater des  Königs  von  Ungarn  und  Deutscbland  geworden  und 
diesem  stand,  im  Falle,  dass  sein  kinderloser  Bruder  Wenzel 
starb,  eine  dritte  Krone,  die  böhmische,  in  Aussicht 

Im  Herbste  des  Jalires  1409,  als  die  Händel  in  Friaul, 
die  Streitigkeiten  um  das  Patriarchat  Aquileja  in  voller  Heftig- 
keit beharrten,  bevollmächtigte  IC  Sigmund  den  Cillier  zu 
Unterhandlungen  mit  dem  hervorragenden  Parteimanne,  Tristan 
Savorgnano  **^. 

Als  die  Reibungen  mit  Polen  um  das  Jahr  1410  wuchsen, 
der  Heereszug  A.  1411  schon  eine  beschlossene  Sache  schien  — 
anderseits  aber  der  Krieg  mit  Venedig  vor  der  Thttr  stand  und 
die  ungetheOten  finanziellen  und  militärischen  Kräfte  K.  Sig- 
munds in  Anspruch  zu  nehmen  drohte,  —  kam  es  zu  fried- 
lichen Verständigungen  des  Luxemburgers  mit  dem  Jagellonen 
Madislav. 

Die  beiden  Herrscher  trafen  im  März  1412  zusammen; 
der  ungarische  König  zeichnete  seinen   hohen  Gast  m  pnmk- 


^*')  1407,  13.  Aug.  erscheinl  urkundlich  bereits  Gräfin  EUsabeCh  Yon 
Abensberg  als  Gräfin  von  CillL  Stttlz,  Gesch.  der  Schaonberger,  Hegg. 
nro.  745. 

*«)  S.  0.  den  Text  u.  Note  16. 

*»)  D.  ürk.  Auszug  im  tört  tir.  X.  S.  151,  nr.  125,  1409,  Ofen,  4.  Sept 
Vgl.  ManzanO;  Ann.  del  Fr.  VI.  Bd;  z.  J.  1409. 


—     122     — 

vollstor  Weise  ans.  UeberaU  war  da  unser  Cillier  drai  Luxem- 
burger zur  Seite.  In  dem  Lublauer  Bundesbriefe  beider  Könige 
V.  16.,  16.  März  1412  steht  sein  Name  der  erste  in  der  Reihe 
der  weltlichen  Zeugen  und  in  der  zweiten  Urkunde  erscheint 
er  neben  drai  Primas  von  Oran  und  dem  Palatin  Ungarns  als 
einer  der  drei  Bürgen  der  Uebereinkunft  ^O*  ^^  beiden  Könige 
zogen  mit  glänzendem^  Gefolge  vom  Fusse  der  Zipser  Tatra 
nach  Kaschau,  von  da  in  das  BebengelAnde  der  Hegyallya, 
nach  der  Königsp&lz  von  Diosgyör  bei  Eriau ;  aber  Erlan  so- 
dann nach  Ofen,  wo  glänzende  Festlichkeiten  einander  drängt». 
Bald  aber,  nachdem  der  Polenkönig  heimgekehrt  war  —  im 
Hochsommer  des  gleichen  Jahres — brach  Sigmund  mit  40.000 
Mann  zum  Kampfe  gegen  Venedig  auf  und  zog  über  Stuhl- 
weissenburg,  Agram,  Laibach  und  Görz  auf  den  Frianler  Kriegs- 
schauplatz, mit  ihm  der  CilUer. 

Im  nächsten  Frühjahre  (1413)  ward  der  König  des  Krie- 
ges müde,  denn  die  Zähigkeit  des  Widerstandes  der  Signoria 
und  anderweitige  Seiten  kreuzten  die  Kriegslust  des  Luxem- 
burgers. 

Die  Behebung  des  päpstlichen  Schisma's,  die  Dringlichkett 
der  Kirchenverbesserung,  die  hussilischen  Religionshändel  — 
sämmtlich  Dinge  von  weitgreifehder  Bedeutung,  machten  Unter- 
handlungen mit  den  drei  Päpsten  und  die  Einberufung  eines 
allgemeinen  Condls  nothwendig.  —  So  war  denn  auch  wieder 
der  vornehmste  Vermittler  der  Waffenruhe  mit  den  Venetianem, 
Graf  Hermann  von  CfllL  Er  begab  sich  Mitte  April  aus  dem 
königlichen  Lager  unweit  Udine  nach  Capodistria,  um  mit  den 
Abgesandten  der  Signoria  über  die  Präliminarien  schlüssig  zu 
werden.  Die  eigentliche  Friedenshandlung  sollte  in  Triest  vor 
sich  gehen  ^^). 

K.  Sigmund,  einer  der  vielgeschäftigsten  und  reiselustig- 
sten Herrscher  aller  Zeiten,  zog  von  Friaul  nach  Tirol,  von  da 
nach  Graubündten  und  über  Bellinzona   den  alten  Beichsweg 


«•)  Fej^  X,  5,  279  --285.  Dlogosch  XI.  Bach  S.  325. 
^)  Manzano  a.  a.  0.  252,  254. 


—     123     — 

in  die  Lorabardd.  Zu  Lodi  traf  er  mit  dem  Papste  zusammen 
und  hier  ward  das  Concil  nach  Kostnitz,  in  die  alte  Reichsstadt 
am  Bodensee,  ausgeschriebal.  Sodann  begab  sich  der  König  im 
Sommer  des  J.  1414  aus  Italien  in  die  Schweiz,  von  da  über 
Strassburg  an  den  Rhein  bis  Aachen  und  von  da  gegen  Ende 
des  Jahres  zurück  an  denOberrhein^  in  die  Concilstadt  Gonstanz, 
wo  Sigmund  mit  glänzendem  Gefolge  den  24.  Dezember,  am 
Weihnachtstage,  sdnen  Einzug  hielt. 

Wir  wissen  nicht,  ob  der  Graf  von  Cilli  seinem  königli- 
chen Schwiegersohne  auf  dessen  wdtwendigen  Reisen  das  Ge- 
leite gab;  so  viel  aber  ist  sicher,  dass  sich  im  Gefolge  Sig- 
munds und  seiner  Gattin  Barbara  nach  Gonstanz  Graf  Her- 
mann II.  und  sein  Erstgeborner,  Friedrich  11.  befanden.  Ihrer 
gedenken  als  vornehmer  Gäste  in  der  Goncilstadt  die  gleich- 
zeitigen Quellen  und  spätere  wissen  von  dem  Turniere  zwischen 
dem  Junggrafen  von  GiUi  und  Herzog  Friedrich  von  Tirol  zu 
erzählen,  in  welchem  jener  den  Sieg  davon  getragen  habe.  Es 
war  dies  jenes  Waffenspiel,  woi'an  sich  die  verhängnissvolle 
Flucht  Papst  Johannes  XXIII.  aus  Gonstanz  knüpfte  (20.  März 

1415)  *0- 

Viele  Wochen  weilten  somit  die  Gillier  am  Grestade  des 

Bodensees  und  noch  im  Apiil  bestätigen  Urkunden  ihre  dortige 

Anwesenheit.    Ob  Altgrai  Hermann  U.  erst  Mitte  Juli  mit 

seinem  k.  Schwiegersohne  Gonstanz  verliess,  bleibt  fraglich. 

Die  nächsten  Jahre  brachten  vielerlei  Geschäfte,  Erfolge 
und  Kränkungen. 

Wir  hören  im  Spätherbste  des  J.  1417  von  Rüstungen 
zu  einem  neuen  Kriege,  welche  der  Graf  von  Cilli  und  Pippo 
Solari,  Graf  von  Ozora,  Sigmunds  Günstling  und  Feldherr  im 


^')  S.  z.  B.  das  uTidit  vonKonstenz''  des  glchz.  Thomas  Prischuch  von 
Augsburg  in  Höfler'B  scrr.  ser.  Luss,  fontes  VI.  Bd.  der  I.  A. 
S.  373r-d74  und  Labb^  Acta  concU.  XYI.  Bd.  S.  1407  iL  1423, 
1428.  Das  angebliche  Turnier  zwischen  Friedrich  von  Cilli  und  dem 
Tiroler  Herzoge  s.  in  Fugger's  fihrensp.  h.  v.  Birken  S.  418  und 
Tschudi's  Chronik  11.  0.  Buoh  6-7;  irriger  Weise  wird  der  Käme 
Hermann  statt  Friedrich  angeführt. 


—     124     — 

▼enetianisclien  Kriege,  zu  besorgm  hatteit  Es  Uieb  aber  bei 
diesen  kriegerischen  Gerüchten  **).  In  diesem  Jahre  traf  den 
Altgrafen  ein  herber  Yeilust,  der  Tod  seines  dritten  Sohnes 
Ludwig,  dem  in  erster  Linie  das  Ortenburger  Erbe  in  Aussicfat 
stand  '*)  und  der  war  nkht  so  leicht  zu  Terschmensen,  als  dies 
bei  der  unliebsamen  Kunde  von  dem  ehelichen  Zerwttifhiss 
zwischen  K.  Sigmund  und  seiner  Gattin,  Hennann's  Tochter, 
zwei  genussüchtigen  Naturen,  der  Fall  sein  mochte.  Denn  diea 
Zerwürfoiss,  das  allerdings  1419—1420  eme  Ifingere  Verban- 
nung der  Gattin  und  schnldlos^i  Toditer  des  KOnigs  nach 
Ostungam,  unter  den  drückendsten  Verhältnissen,  zur  Folge 
hatte,  zeigt  sich  um  1421  wieder  buchen  *^).  Es  war  diea 
zur  Zeit,  als  die  Verlobung  und  Heirat  der  Königstochter 
Elisabeth  mit  Herzog  Albrecht  V.  von  Oesterreich  dem  Ab- 
schlüsse nahe  war,  wobd  Hermann  als  Grossvater  der  Braut 
den  hervorragendsten  Unterhändler  und  Bürgen  abgab  ^*). 

Aber  gerade  jetzt,  wo  wir  den  Landerbesitz  des  Hauses 
in  fortwährendem  Steigen  erblidcen,  so  vor  allem  durch  das 
Aussterben  der  Ortenburger,  womit  ihr  schönes  Erbe  in  Kärn- 
ten und  Krain,  in  letzterem  besonders  die  Gotscliee  an  ihre 
Verwandten  die  CiUier  gedidi^*),  so  dass^sie  sich  fortan  Graf^ 
von  coli,  Ortenburg  und  im  Seger  schrieen,  gerade  jetzt,  wo 
das  Ansehen  Hermann's  IL  und  seines  Hauses  im  Höhepunkte 
stand,  brach  über  dassdbe  eine  Famüientragödie  herein,  die 
den  tiefsten  Schatten  auf  all'  diesen  äusseren  Ghuiz  wirft 


**}  S.  Aschbadi  a.  a.  0«  II.  445.  lieber  den  Friaaler  Krieg  s.  Manzano 
VI.  284. 

")  Vgl.  Frötich'B  Geneal.  S.  100. 

»«)  Vgl.  darüber  m.  Abb.  im  8.  Jabrg.  der  Btr.  z  K.  st.  G.  Note  22. 

»')  Vgl  Aschbach  II.  393,  3.  J&nner  1418. 

**)  lieber  das  Aussterben  der  Ortenburger  Tgl.  Hermann's  Gesch.  Kärn- 
tens I.  127  £  Apostelen  hat  eine  Urkunde  (I,  117)  verzeichnet,  wor- 
nach  K  Sigmund  bereits  1420,  Mitwoch  nach  Mathiä,  also  den  28  Fe- 
bruar, seinen  Schwäher  Hermann  von  Cilli  mit  der  Grafschaft  Orten- 
burg belehnte.  Dies  mnss  also  eventuell  geschehen  sein,  denn  der 
letzte  Ortenburger  starb  29.  Harz  d*  J-  $.  Cftsar  Ann,  4ac-  5U 
III.  403, 


—     125     — 

Friedrich,  der  Erstgeborne,  hatte  dem  Wunsche  des  Va- 
ters gemäss  eine  Tochter  des  reichen  und  mftchtigra  Grafen 
von  Yeglia-Modmsch,  eine  Frangepani,  geehUcht 

Ans  der  Ehe  war  zu  Anfang  des  1 5.  Jahrhundertes,  jeden- 
fidls  vor  1406  ein  Sohn,  Uhieh  U^  der  Letzte  der  CSUier, 
entsprossen  ^^). 

Ob  die  Ehe  glüddich  begann,  ob  sich  anftnglich  die  Stan- 
desheirat mit  anfriehtiger  Neigung  des  Oatten  knüpfte,  wissen 
whr  nicht,  aber  so  viel  ist  gewiss,  dass  die  zweite  Hälfte  des 
beheben  Lebens  höchst  ung^addich  schloss. 

Graf  Friedrieh  war  eine  leidenschaftlich  und  sinnlich  an- 
gelegte Natur.  Als  er  die  Tochter  eines  ärmm^en  kroatischen 
Eddmannes,  Veronika  von  Deschnice  (Teschenitz)  ^^)  —  wahr- 
scheinlich unter  den  Dienstfiräuleins  semer  Gattin  ^  kennen 
lernte,  entzündete  die  Schönheit  dieses  Weibes  die  staricen 
Begierden  des  Grafen.  Wir  wissen  nichts  Bestimmtes  aber  die 
Beize  der  schönen  Kroatin,  nur  die  üeberiiderung  spricht  von 
ihrem  blonden  Haare  und  so  wäre  denn  schon  darin  ein  Art 
Seitenstack  zur  unglackliehen  Agnes  Bemauer  gefunden.  fVied^ 
rieh  war  kein  Jüngling  mehr,  er  hatte  längst  schon  die  Schwelle 
des  reiferen  Mannesalters  überschritten,  wir  mOssen  ihn  min- 
destens als  hohen  Vierziger  denken.  Aber  gerade  den  rei- 
feren Mann  voll  starker  sinnlicher  Triebe  erfasst,  wie  die  Er- 
fahrung lehrt,  eine  solche  Leidenschaft  mächtiger,  verzehrender, 
wie  dies  in  Jugendjahren  der  Fall  ist  und  es  scheint,  dass 
Veronika  sich  den  Bewerbungen  des  Grafen  nicht  leichtfertig 
ergab  imd  eben  desshalb  die  Leidenschaft  desselben  verhäng- 
nissvoll erhöhte. 


>^)  Aeneas  Sylvias  bist  Frid  ed.  Eollar  Annal  mon.  II.  46S,  hisi  Boh. 

66.  cap.  nennt  den  letzten  Cillier,  als  er  ermordet  wurde,  einen  FOnf- 

siger,  nnd  das  geschah  1466. 
^")  Eberh.  Windeck    129.  Cap.  nennt   sie   nicht  mit  Namen,   sondern 

spricht  nnr  von  ihr  als  einem   „Sloffweibe**  des  Grafen  Friedrich. 

Atneas  Sylvms:   de   sita  Enr.  cap.  17  kennt  den  Kamen  Veronika. 

Hanptqnelle  ist   da  die  CilHer  Chronik    10.  11.   12.  Cap   b.  Hahn 

681-686;   Cäsar   47     61.    Doch  bietet  Eberhard  Winderk  höchst 

wichtige  Ergfinzungen 


—     126     — 

Aefat  Jahre,  sagt  eine  zeitgenössische  Quelle,  wenn  wir 
ihr  trauen  dürfen*'),  habe  sich  unter  solchen  Ywhiltoissen 
das  eheliche  Zerwttrfiuss  der  beidm  Gatten,  Friedrich  und 
Elisabeth,  fortgeschleppt  und  der  Gillier,  der  b^eits  vom  Vater 
einaü  besonderen  Hofhalt  und  Gttterbedtz  ausgewiesen  ertialten 

—  sein  Weib  vollständig  gemieden,  als  die  beiderseitige  Ver- 
wandtschaft, mn  dem  Aergemiss  zu  begegnen,  eine  Aussöhnung 
bewirkte.  Es  war  ein  Scheinvergleich,  von  dem  die  Herzen 
nichts  wusst^ ;  die  Gräfin  soll  ihre  Todesahnung  am  Tage  des 
Ausgleiches  offen  ausgesprochen  haben'®).  Näcfastan  Moigais 
fand  man  sie  todt  im  Bette  und  alle  Welt  sprach  davon,  der 
Graf  sei  zum  Mörder  seines  Eheweibes  geworden.  Jedenfalls 
vermochte  er  nicht  die  Beschuldigung  zu  wideriegen  *  *).  Dieses 
grause,  noch  immer  nicht  aufgehellte  und  wohl  auch  nie  voll- 
ständig aufklärbare  Ereigniss  war  der  Vorbote  eines  zweiten, 
der  geheimai  ehdiehen  Verbindung  mit  Veronika  von  Deschnic. 
Eberhard  von  Windek,  der  zeitgenössische  Ges<^chtsdireiber 
und  IM^er  K.  Sigmunds,  kennt  sie  nur  als  „Stofweib''  d.  L 
als  Ooncubine  des  Grafen;  die  Gillier  Chronik  und  das  Gei- 
racha*  Todtenbnch  lassen  aber  die  nachträgliche  geheime  Ehe 
nicht  bezweifeln  *'). 

Nach  diesen  Quellen  hätten  wir  die  Katastrophe  um  1424 
anzusetzen,  was  sachlich  auch  besser  passt  als  das  Jahr  1422 

—  in  wdchem,  wie  wir  wissen,  Altgraf  Hermaim  IL  sei^ 
neu  königlidien  Schwiegersohn  zum  Congresse  mit  K.  Vladislav 
von  Polen  nach  Käsmaiic  in  der  Zips  begleitete  *%  wie  das  aus 
der  Gillier  Qironik  bervoigeht 


>*)  Eberhard  Windeck  a.  a.  0. 

^)  Ebenda  —  „ich  weis  woU,  das  man  mich  morgens  bei  meinem  bem 

tot  vindef«. 
*^  Die  Gillier  Chronik  sagt:  das  allgemeine  Gerächt  habe  den  Grafen 

Friedrieb  als  Mörder  beseicbnet.  Aucb  das  Weitere  spricbt  dafür. 
*>)  Im  Geiracber  Todtenbucbe,  dipl  Styrie  L  S.  882  beisst  es:  17.  Okt 

D.  Veronica  comitissa  Cib'ae. 
**)  Eberbards  von  Windeck  Zeitangabe  Aber  die  Anklage  des  Cilliers  in 

Ofen  durcb  dien  Vetter  der  Ermordeten  ist  zu  genau,  als  dass  sieb 

daran,  also  an  dem  Jabre  1424,  zweifeln  liesse.  Anderseits  lässt  sieb 


—     127     — 

Der  Ältgraf  hätte  vielleicht  dem  Sohne  den  Mord  seiner 
Gattin  eher  verziehen  als  die  geheime  Ehe,  tief  unter  dem 
Range,  nach  Hermanns  stolzen  Begriffen;  eine  Ehe,  der  ein 
Verbrechen  voranging.  —  Friedrich  mochte  wohl  das  Scfalinunste, 
namentlich  für  Veronika,  befahren,  darum  barg  er  sie  vor 
dem  Zorne  des  Altgrafen  —  und  entwich  an  den  Hof  seines 
königlichen  Schwagers  nach  Ofen,  bis  der  erste  Sturm  des 
v&terlichen  Zornes  sich  gemildert  haben  würde  **).  Hier  aber 
trat  ihn  der  Neffe  der  ermordeten  Frau,  Hans  von  Veg^a- 
Modrusch,  als  öffentlicher  Ankläger  und  Famüienrächer  entgegen 
und  forderte  ihn  zum  Zweikampfe,  obschon,  wie  er  sagte, 
der  „Bettmörder"  seines  Eheweibes,  eines  solchen  Kampfes 
eigentlich  unwürdig  sei  *^).  Es  gab  ^e  für  K.  ^gmund  und 
seine  Gattin  höchst  peinliche  Scene.  Der  Zweikampf  wurde 
hintertrieben  und  der  vornehmste  Gast  des  Hof  lagers,  IL  Erich 
von  Dänemark  sollte  den  bösen  Handd  richten  **).  Wir  erfahren 
über  diese  Bichtung  nichts,  wohl  aber  bekam  das  Weitere  dem 
Junggrafen  von  Cilli  übeL  Er  wurde  von  seinem  königlichen 
Schwager  als  Verbrecher  in  eiserne  Bande  geschlagen  an 
den  zürnenden  Vat^r  ausgeliefert*').  Dieser  warf  den  Unge- 
rathenen  in  festes  Gewahrsam  auf  der  Burg  Ober-Cilli  und 
war  entschlossen  dem  Erstgebornen  all  seine  Besitzungen 
und  Rechte  zu  entziehen*^).  Um  diese  Zeit  hatte  der  zweite 
gebome  Sohn  Hermann  HL  nach  dem  Tode  saner  Gattin 
aus  dem  Hause  Abensberg  eine  zweite  Ehe  geschlossen,  die 
den  Wünschen  des  Altgrafen  vollkommen  entsprechen  musste. 


schwer  uinehmen,  dass,  wenn  1422  die  Ermordung  der  QrUfin  statt- 
fand, zwei  Jahre  darüber  verstreichen  konnten.  Ueber  den  Käs- 
marker  Congress  s.  Aschbach  in.  8.  178. 

*^).  Diese  Oombination  liegt  nahe,  wenn  man  den  chronologischen  und 
pragmatisdien  Zusammenhang  der  YorfUle  in  Auge  behalt. 

»)  S.  £.  Wmd^ek  a.  a.  0. 

**)  Sigmund  kehrte  von  der  neuen  Hochzeitsfeier  WladLslaws  von  Polen 
im  Mai  1424,  vom  Dftnenkönige  Erich  begleitet,  nach  Oüen  henn. 

•?)  GOl.  Chr.  Hahn  688-684,  Cftsar  49. 

-)  Von  1424--1429  verschwindet  Graf  Friedrich  aus  den  Gülier  Ur- 
kunden. Erst  s.  1429  wird  er  wieder  genannt. 


—     128    ~ 

Er  ehelichte  nfimliGh  die  Toditer  des  Herzogs  Ernst  von 
Baiem,  die  Wittelsbachenn  Beatrix**). 

Was  lag  ntther  als  dar  Gedanke,  den  Erstgebornen  ganz  aus- 
zuscUiessen  und  Hennann  HI.  die  ganze  Erbschaft  zuzuwenden. 

Aber  bald  traf  den  Altgrafen  ein  harter  Schlag,  der  seine 
Entwürfe  kreuzte. 

Sein  zweitgebomer  Sohn  Hermann  IQ.  starb  eines  plötz- 
lichen gewaltsamen  Todes.  Unweit  Badmannsdorf,  im  Krainer 
Lande,  starzte  er  vom  Pferde  und  verschied  alsbald  (1426, 
30.  Juli),  in  der  Vollkraft  der  Jahre  '''*).  Er  hinterliess  keinen 
Sohn,  nur  eine  Tochter  Margarethe,  die  um  1430  den  Grafen 
von  Mondort  »Pfannberg  ehelichte  und  als  letzter  weiblicher 
Sprösding  des  Hauses  Cilli,  zum  zweitenmale,  mit  dem  H^- 
zoge  von  Glogan  -  Teschai,  vermlllt  und  abermals  Witwe  ge- 
worden, starb  ^% 

So  stand  denn  die  ganze  Cillier  Erbschaft  auf  vier  Augen. 
Auf  dem  Erstgebornen,  dem  der  Vater  noch  nicht  verziehen 
und  auf  dem  Enkel  Ulrich,  Sohne  Friedrichs  und  der  unglttck- 
licben  iSisabeth,  ruhte  die  Zukunft  des  Cillier  Hauses.  Das 
mochte  den  eisern»  Sinn  des  Altgrafen  mürber  machen,  um 
so  mehr,  als  mit  dem  Testamente  Stefens  Tvartko,  des  Königs 
von  Bosnien  (v.  2.  Sept  1427X  eine  neue  bedeutsame  Aus- 
sicht, ein  Thron  in  den  Suddonauländem,  winkte.  Dies  Testament 
bestellte  nfimlich  zu  Erben  des  Reiches  Hennann  H.  als  Sohn 
einer  bosnischen  Prinzessin  und  dessen  Nachkommenschaft  ^*). 

Aber  nicht  so  rasch  konnte  der  Altgraf  die  Schmach  ver- 
gessen, die  sein  Sohn  auf  sich  gehäuft  hatte.  Vielleicht  gedachte 
er,  mit  Umgehung  Friedrichs,  dessen  heranreifenden  Sohn  Ul- 
rich, Hermann's  H.  Enkel,  zum  Erben  zu  bestellen. 


•^  Der  Heiratspakt  mit  der  Wittehbarherin,  Toditer  H  Emst's,  Pfalz^ 
grafen,  b.  R.  d.  v.  4.  Febr.  1424,  Salzburg.  Apostelen  8,  177. 

"•«:)  Der  Tod  Hermann's  III  vor  1427,  also  wobl  1426  steht  fest.  Vgl 
Frölicbs  Genealogia  8.  97. 

*")  Der  Erbschaftsyerzichtbrief  M argaretba's ,  T.  Hermann's  III.  als 
Gattin  des  MontfoHers  d«  v.  6.  Mirz  1480.  Apostelen  8,  178-479. 

«)  Vgl  Aschbach  UI.  8.  273. 


—    I2d   — 

Zählte  doch  Ulrich  schon  mindestens  17 — 18  Jahre  und 
'  erscheint  um  1428  urkundlich  als  Verleiher  eines  Dorfes  an 
das  Lieblingsstift  des  Gross vaters,  Plettriach  in  Krain;  Aus- 
drücklich wurd  diese  Ortschaft  als  Erbe  sdner  Mutter  bezeichnet 
und  erw&hnt,  sein  Vater  Friedrich  habe  sie  bereits  dahin  ver- 
gabt So  scheint  es  denn,  als  träte  Ulrich  n.  an  die  Stelle 
seines  Vaters'*). 

Doch  die  verwickelte  Sachlage  nahm  einen  andern  Aus- 
gang. —  Je  mehr  die  Sorge  des  Altgrafen  um  sein  Haus 
wuchs,  desto  furchtbarer  ward  seine  Erbitterung  gegen  Vero- 
nika von  Deschnic.  Ihr  wurde  alle  Schuld  des  Unheils  aufge- 
lastet; der  Altgraf  ruhte  nicht,  bevor  er  dieses  Opfer  seines 
Grimmes  in  Händen  hatte.  Mit  ergreifender,  schlichter  Leben* 
digkeit  berichtet  die  Cillier  Chronik  den  Schluss  der  CiUier 
Familientragödie  '*).  Mit  kleinem  Dienergeleite  irrt  Veronika 
von  einem  Zufluchtsorte  zum  andern,  um  den  Verfolgungen 
des  Altgrafen  zu  entgehen;  selbst  in  Wäldern  sucht  sie  ein 
zeitweih'ges  Versteck.  Doch  die  Späher  des  Altgrafen  entdecken 
sie  endlich  und  zerren  sie  aus  dem  letzten  Zufluchtsorte  bei 
Pettau  hervor.  Nun  ist  sie  in  der  Hand  des  unversöhnlichsten 
Feindes.  Sie  soll  den  Tod  finden,  aber  verurtheilt  als  Hexe, 
Zauberin,  die  mit  unlauteren  Künsten  den  Sinn  des  Junggrafen 
Friedrich  berückt  habe. 

Der  „Vorsprech"  oder  Sachwalter  wusste  jedoch  das  Nich- 
tige solcher  Anklage  so  klar  zu  machen,  dass  die  Richter  über 
die  Angeklagte  das  Nichtschuldig  sprachen.  Es  gehörte  Herz 
und  Mannesmuth  zu  solchem  Urtheil,  denn  der  allmächtige 
Grundherr  wollte  um  jeden  Preis  die  Verurth^ung  des 
blind  gehassten  Weibes  in  dieser  Form,  um  die  Schmach  von 
dem  bezauberten  Solme  auf  die  ränkevolle  Zauberin  zu  wälzen. 
Als  dieser  Streich  fehlschlug,  gab  es  nur  ein  Mittel,  die  Ilache- 
lust  des  Altgrafen  zu  stillen,  Veronika's  Tod.    Sie  wurde  zu 


")  Graf  Ulrich  von  Cilli  ividmet  dem  Kl.  Pletrinch  das  Dorf  Wraslas- 
dorf  in  der  Metlik,  wie  es  sein  Vater  Friedrich  gewidmet.  1428  . . . 
(Orig  :  landsch.  Arch.  6175)   Als  Zeuge  erscheint  Altgraf  Hermann. 

'*)  Cill.  Chr.  b   Hahn  S   683-C85   Cäsar  c.  49-51.     • 

9 


österwitz,  auf  der  CQlier  Veste  des  Santhales,  im  Bade  er- 
tränkt Den  28.  Oktober  „starb  Veronika  die  Gräfin  von  CiUi" 
heisst  es  wortkarg  im  Todtenbuche  der  einstigen  Earthause 
von  Geirach^^)  in  Untersteier,  wohin  Graf  Friedrieb  nachmals 
die  Reste  des  heissgeliebten  Weibes  beisetzen  Hess.  Das  Jahr 
ist  nur  vermuthungsweise  auf  1428  zu  setzen.  Wenigstens 
stimmt  es  am  besten  mit  der  Chronologie  der  anderweitigen 
Ereignisse. 

Das  war  das  Ende  der  steiermärkischen  Agnes  Bemauer. 
Sie  büsste  wohl  fremde  Schuld  und  als  habe  das  Geschick  dies 
Stthnopfer  begehrt,  um  dann  gesättigt  einzulenken,  -  verwirk- 
licht sich  auch  bald  die  Aussöhnung  zwischen  Vater  und  Sohn, 
dessen  schwere  Erkrankung  in  der  Kerkerhaft  —  „vor  Herz- 
leid**  sagt  die  Chronik  —  den  Altgrafen  auch  milder  stimmen 
musste.  Es  scheint,  als  habe  der  Einfluss  &.  Sigmunds,  viel- 
leicht Barbara's  Fürsprache,  dem  Gefangenen  die  Kerkerthüre 
geöfibet,  —  wenn  nicht  der  Ausspruch  des  Arztes,  diese  Haft 
würde  tödtlich  enden,  das  seinige  gethan.  Nach  der  Cillier 
Chronik  habe  K.  Sigmund  für  den  Schwager  die  Statthalter- 
schaft im  fernen  Burzen  lande  Siebenbürgens  ausersehen.  Graf 
Friedrich  sei  jedoch  zu  spät  bei  dem  Könige  eingetroffen  und 
die  Würde  bereits  vergeben  gewesen  •  •).  Urkundlich  wissen 
wir,  dass  Graf  Friedrich  den  29.  April  1429  zu  Pressburg 
„wegen  seiner  vielen  Verdienste  um  die  Krone"  das  Schloss 
Krupa  in  Slavonien  zu  erblichen  Besitz  erhielt '  ^).  Er  sei  dann 
aus  Ungarn  heimgekehrt;  der  Vater  jedoch  nicht  sogleich 
bereit  gewesen,  ihm  die  entzogenen  Güter  und  Schlösser  zurück- 
zugeben. Zwei  Jahre  habe  er  in  einer  Art  Verbannung  in  Rad- 
mannsdorf verlebt ''  ^)  und  sei  dann  entschlossen  gewesen,  eine 
Pilgerfahrt  nach  Rom  zu  unternehmen,   offenbar  zur  Sühnung 


")  8.  0.  Note  62. 

'•)  Cill.  Chr.  —  Hahn  686  -  6.  Cäsar  51-52. 

'''')  1429,  29.  April,  Pressbnrg  —  K  Sigmund  schenkt  wegen  r.  vielen 

Verdienste  (ob  multiplicia  ipsius  merita)  —    dem   Grafen  Friedrich 

das  castrum  Cmppa.  —  (Apost  8,  179  nro.  65.) 
")  Cill.  Chr.  t   a.  0. 


-^     131     — 

schwerer  Schuld.  Aber  auf  der  Fahrt  gerieth  er  in  die  Ge- 
fangenschaft des  Markgrafen  vonFerrara  und  musste  aus  der- 
selben von  seinem  Schwager,  Grafen  Heinrich  von  Görz,  gelöst 
werden ' •). 

Der  Lebensabend  Hermann's  II.  nach  dem  furchtbaren 
Gewitter,  das  sein  Haus  heimgesucht  hatte,  lässt  sich  in  kurze 
Daten  zusammenfassen.  Es  fehlte  nicht  an  äusserem  Glücke, 
aber  der  tiefe  Missklang  in  der  Familie  liess  wohl  ein  behag- 
liches Zusammenleben  nicht  aufkommen.  1430  den  ersten  Mai 
erhob  zu  Pressburg  K.  Sigmund  die  drei  Grafen  von  Cälli: 
Hermann  H.,  Friedrich  IL  und  Uhich  IL  in  den  Stand  der 
ungarischen  Reichsbarono  ^^).  So  treten  die  CiUier  immer  mehr 
in  den  Kreis  der  Interessen  Ungarns  und  dahin  neigt  sich  der 
Schwerpunkt  ihrer  politischen  Bedeutung.  Das  slavonische 
Banat  Hermann's  U.,  die  eigenthümlichen  Befugnisse  und  An- 
sprüche, welche  die  Cillier  fortan  dem  Agramer  Bisthum  gegen- 
über festhalten,  ihr  Streben,  in  dem  slavonischen  Gebiete  die 
tonangebende  Rolle  zu  spielen  —  findet  seine  Ergänzung  in 
den  Ansprüchen  auf  das  bosnische  Reichserbe  und  in  der  ge- 
wiss noch  in  Hermann's  H.  Tage  fallenden  Verbindung  seines 
Enkels  Uhrich  H.,  des  letzten  Cilliers,  mit  Katharina,  der  Tochter 
des  Fürsten  Georg  Brankovics  von  Serbien®*).  —  So  kommt 
es,  dass  ein  vom  Hause  aus  deutsches  Adelsgeschlecht,  das 
allerdings  mit  dem  Hauptkeme  seiner  Besitzungen  in  der 
windischen  Steiermark  wurzelte,  in  die  Geschicke  der  südlichen 
Slavenwelt  verflochten  erscheint,  ohne  dass  jedoch  seine  national- 
slaviscihe  Tendenzpolitik  nur  im  geringsten  erweislich  wäre. 
Eine  solche  war  damals  an  sich  unmöglich,  doppelt  unmöglich 
bei  den  CiUiern,  welche  bis  zu  ihrem  Erlöschen  den  Grundzug 


'*»)  Ebenda. 

w>)  Ulk.  d.  1.  Mfti,  1430  Pressburg.  Chmerft  Mater.  S.  16. 

**)  Dies  scbeint  daraus  ersicbtlicb,  dass  der  Tod  der  beiden  Söhne  Ul- 
rich's  II.,  Georg's  und  Hermann's  um  1444  - 1452,  ja  nach  einer 
allerdings  schlechten  Yaiiante,  der  Cillier  Chronik  i.  J.  1423—1434  sich 
ereignete.  Ueberdies  zählte  ja  Ulrich  II.,  als  der  Grossvater  starb 
mindestens  29  Jahre  und  die  Cillier  säumten  mit  der  Ehe  nicht. 

9* 


—     132     — 

deutsclieii  Wesens  nie  yerläugnen,  es  war  eine  rein  territoriale 
Frage,  die  die  Cillier  im  Süden  der  Denan  zu  lösen  sich  an- 
schickten. 

Aber  diese  Lösung  fand  auch  bedeutende  Gegner.  In 
Slayonien  war  man  auf  die  Banalgewalt  Hermanns  IT.  nicht 
gut  zu  sprechen.  Mächtige  Familien  betrachteten  den  Macht- 
au&chwung  der  Cillier  nicht  ohne  Eifersucht,  so  z.  B.  die 
Blagaj,  deren  Fehden  mit  den  Cilliem  sich  Qber  die  Zeiten 
Hermann's  n.  ausdehnten  *') ;  später  das  Haus  der  von  ThaDöcz. 
Aber  auch  die  verschwägerten  Frangepani,  die  Herren  von 
Yeglia  -  Modrusch,  waren  solchen  Regungen  nicht  ganz  fremd. 
Einen  kitzlichen  Punkt  bildete  auch  die  Amtsgebahmng  des 
CiDiers  als  Banus.  Er  scheint  ein  Freund  strammen  Regimentes 
gewesen  zu  sein.  Jedenfalls  ist  eine  Urkunde  v.  J.  1427 
höchst  bedeutsam.  Darin  erklärt  K.  Sigismund,  Graf  Hermann, 
sein  Schwiegervater,  fbhre  Beschwerde  aber  die  Beschuldigung, 
dass  er  als  Banus  Gewaltmassregeln  gegen  Adelige  und  Nicht- 
adelige sich  habe  zu  Schulden  kommen  lassen,  insbesondere 
wider  die  Blagaj  und  bitte  für  jeden  Fall  um  den  Schutz  und 
Schirm  des  Königes,  den  dieser  ihm  auch  gewährte.  —  Ueber- 
dies  grollten  so  manche  ungarischen  Reichsstände  d^  unge- 
meinen Bevorzugung  des  Hauses  der  Cillier  durch  den  König  *'). 
Die  pfandweisen  Vei^bungen  Warasdins  und  der  Muraköz 
erschienen  als  parteiische  Verschleuderungen  auf  der  einen  und 
unverdiente  Bereicherungen  auf  der  andern  Seite.  So  grosses 
Glück  musste  auch  eben  so  grosse  Neider  finden  und  mancher 
Vorwurf  war  da  nicht  unbegründet.  Unter  anderem  erscheint 
auch  das  Verhältniss  der  Cillier  zum  Agramer  Bisthume  un- 
klar und  streitig  ^^).  K.  Sigismund  wusste  jedoch,  welche  Stütze 


83)  1427,  16.  Febr.  Taidungs*  und  Ausgleichsurkunde  zwischen  Niklas, 

Ladislans  u.  Anton  Gebrfldern  von  Blagaj,  und  Hennann  von  Cflli, 

Ban  Yon  Slayoniea  (Apostelen  8,  827,  9)» 
83)  Urk.  d.    13.  April,   FOldvär.   Apostelen  8,  236,  66.  tört  ikr  IX.  S. 

139—140;  nr.  99. 
*^)  Es  war  ein  Yogtei-,  Patronats-  und  Coac^juturs^ Verhältniss.   Vgl.  u. 

Anderem  die  Urkunde  y.  4.  April  1425,  wonach  das  Agramer  Dom- 


—     133     — 

er  an  Hermaim  IL  fand,  er  wusste,  dass  die  GiUier  durch 
das  starke  Band  der  Interessen  an  ihn  gefesselt  sden,  darum 
begünstigte  und  schützte  er  sie  auch.  —  An  Streitigkeiten 
mit  dem  Hause  Habsburg  fehlte  es  auch  nicht,  ihr  Keim  war 
schon  durch  die  oben  angedeutete  reichsgräfliche  Sonderstel- 
lung der  Cillier  s.  1341—1372  gegeben.  Die  Habsburger  gaben 
wohl  1372  ihren  Willebrief  dazu,  aber  in  ihren  Augen  blieben 
die  Cillier  dennoch  Lehens-  und  Dienstmannen  Habsburgs  in 
Steiermark,  Kärnten  und  Krain  und  das  waren  sie  denn  auch 
wirklich.  So  mussten  sich  denn  m  diesem  gemischten  streitigen 
Verhältnisse  Zwiste  und  Händel  vorbereiten,  wie  solche  zu  Ende 
des  14.  Jahrhunderts  zwischen  den  mit  Cilli  verschwägerten 
Schaunbergem  in  Oberösterreich  und  den  Habsburgem  aus- 
gefochten  wurden.  Spuren  jener  Streitigkeiten  treten  in  der 
Epoche  Herzog  Emst's  des  Eisernen  (1406— 1424, >  und  in  den 
Tagen  Herzog  Friedrichs  IV.  (1424 — 1436)  uns  vor  Augen  *^j. 
Schon  die  langwierigen  Streitigkeiten  mit  dem  Kloster  St  Faul 
in  Kärnten,  mit  dem  Gurker  Bisthum,  dessen  Lehensträger 
die  Cillier  waren,  mit  Bamberg,  dem  in  Kärnten  so  reich  be- 
güterten Hochstifte  ~  boten  zugleich  Anlässe  zu  Konflikten 
mit  den  Habsburgem  ^%  Das  Verhältniss  der  Cillier  und  Habs- 


kapitel den  Grafen  Hermann  v.  Cilli  zum  „Bruder^  und  „  Genossen^ 
aufnimmt  (Apostelen  8,  178,  62).  Unter  Grafen  Friedrich  II.  kam  es 
zu  immer  yerwickelteren  Streitpunkten  in  Hinsicht  des  Einflusses  der 
Cillier  auf  das  Bisthum. 

*^)  Vgl.  den  belehrenden  Abschnitt  über  die  Cillier  im  I.  Bde.  der  Gesch. 
K.  Friedrichs  lY.  und  Maximilian  s  von  ChmeL  —1425,  25.  Febr.  Wien. 
Compromiss  zwischen  Herzog  Friedrich  Yon  Oesterreich  und  Al- 
brecht y.,  ausgetragen  in  Hinsicht  der  Streitigkeiten  Friedrichs  mit  dem 
Grafen  Hermann  v.  Cilli  und  dessen  Fehde  mit  Bamberg.  1430, 
24.  Febr  1432,  20.  Juni,  Cüli;  1433,  6.  Jänner.  1438,  15.  AprU 
Verträge  zwischen  Herzog  Friedrich  dem  altern,  ü  Friedrich  dem 
Jüngern  (V.)  auf  der  einen  nnd  Hermann  II.  und  seinem  Hause  auf 
der  andern  Seite,  über  frühere  Streitigkeiten,  Güter  und  Erbverhält- 
nisse. (Apostelen  8,  237 —  38;  nr.  70  -72  u.  Chmel  an.  0.  1  S.  149 
Bezüglich  der  Beibungen  unter  H.  Ernst  d.  £.  s.  w.  u.  n.  86.) 

^^  üeber  die  Streitigkeiten  mit  S.  Paul  —  s.  die  Notizen  zu  den  J. 
1408,  1416;  1421   •  .  io  dea  Stiftsftnonlen,  veröff.  ^auszugsweise  y. 


—     134     -- 

barger  wird  gewissennassen  zu  einer  elektrischen  Spannung, 
die  sich  dann  nach  Hermann's  II.  Tode  der  äussersten  Grenze 
näherte  und  in  stärkeren  Schlägen  entlud. 

Im  Jahre  1433  wurde  sein  Schwiegersohn,  seit  1419  Erb- 
könig Böhmens  —  wenn  gleich  als  solcher  erst  1435  nach 
dem  Austoben  der  Hussitenkriege  allgemein  anerkannt,  —  mit 
der  Kaiserkrone  geschmückt  und  sein  Enkel  Ulrich  darf  schon, 
wie  gesagt,  bei  Lebzeiten  des  Grossvaters,  als  Gemal  der  serbischen 
Fttrstentochter  Katharina  gelten,  deren  Schwester  im  Harem 
Sultans  Murad  eme  bevorzugte  SteUung  einnahm"'). 

Immer  höher  mochten  sich  die  Blicke  des  Altgrafen 
schwingen,  wenn  er  die  glänzenden  Verwandtschaften  seines 
Hauses  und  die  Fülle  von  Gutem  in  der  Steiermark,  in  Kärn- 
ten und  Krain,  in  Ungarn,  Slavonien,  in  Ober-  und  Nieder- 
Oesterreich  überschaute  •"). 

Er  befand  sich  eben  bei  seinem  kaiserlichen  Eidame  zu 
Pressburg,  als  ihn,  den  geistig  rührigen  und  körperlich  noch 
immer  nicht  gebrochenen  Mann  —  der  Tod  —  im  hohen 
Greisenalter,  den  13.  Okt.  1435,  ereilte  '"). 


Ankenhofen  im  S.  J.  des  Arch.  f.  G.  KUrntens  1856  S.  22-23  .  . 
1408  bot  Herzog  Ernst  den  LandeBhauptmann  Welser  gegen  die  Cil- 
lischen,  unter  dem  Mautenberger  Vogte,  Ott  Pergauer,  auf.  Von  der 
Fehde  mit  Bamberg  handelt  die  oben  citirte  Urkunde  ▼  24  Febr. 
1430;  vgl.   die  v.  25.  Febr.  1425  n    85 

^')  Von  der  Verwandtschaft  der  CiUier  mit  dem  Sultan  Amurath  handelt 
die  Stelle  der  CiUier  Chr.  b.  Hahn  710. 

*")  Diese  Gftter  finden  sich,  allerdings  ftir  die  Zeit  des  Aussterbens  der 
Cillier,  in  der  Cillier  Chronik  b.  Hahn  S.  746-747;  Cäsar  142-143 
verzeichnet.  Die  Hauptbestilnde  waren  bereits  unter  Hermann  II. 
beisammen.  1894  z.  ß.  erscheint  auch  als  Besitzer  von  Mödling 
(Mediich)  in  N.  Oe.  Hermann  II.  (s  die  Urk  in  den  fontes  rer  a 
II.  A  16  Bd  S.  887-88)  1411  -U12  Uebereinkünfte  Hermann's  II. 
als  gewesenen  Vormundes  seines  Schwagers,  Hanns  von  Schaunberg, 
Über  eventuelle  Erbanfälle;  s.  Stülz  ftber  die  Schaunbnrger  im  XII  Bde. 
der  Denkschrr.  bist.  ph.  S.  Regg.  z.  den  J.  1411-1412. 

»•)  Cillier  Chronik  b.  Hahn  686—688,  Cäsar  52  -  54,  nur  ist  das  Jahr 
1434  unrichtig  statt  1435  angesetzt.  Die  Urkunde  v.  J.  1485  b  Ka- 
tona  XII.  690,1  ist  daftir  entscheidend. 


—     135    — 

Die  Leiche  wurde  in  seiner  Lieblingsstiftung,  in  der  Karth- 
ause Neustift  zu  Pletriach,  im  Krainer  Lande,  beigesetzt. 

Graf  Hermann  11.  war  kein  karger  Gönner  der  Kirche. 
Dies  beweisen  seine  frommen  Stiftungen,  die  vor  Allem  dem 
Karthäuser-  und  Minoritenorden  sich  zuwandten  und  es  fehlte 
auch  nicht  an  Anerkennungen  dieses  kirchlichen  Sinnes  in  so 
mancher  geistlichen  Urkunde  **"). 

Die  Zeit,  welche  so  viele  Denkmale  der  Vergangenheit 
zerstört,  oder  in  unnahbaren  Verstecken  geborgen  hält, 
schonte  doch  einer  historischen  Quelle  —  bei  allen  Mängeln  — 
für  uns  von  unschätzbarem  Werthe;  —  es  is t  di  e  Chronik 
der  Grafen  von  Cilli^').  In  ihrer  ursprünglichen  Fassung 
unzweifelhaft  noch  dem  15.  Jahrhunderte  angehörig  und  — 
nach  Allem  zu  schliessen  —  nicht  gar  lange  nach  dem  blu- 
tigen Ausgange  des  letzten  Cilliers  aufgezeichnet,  —  erscheint 
sie  als  das  Werk  eines  Mönches  der  Karthause  von  Pletriach 
oder  noch  eher  vielleicht  des  Minoritenklosters  in  CillL  Was 
ihr  aber  für  unsem  Zweck  einen  erhöhten  Werth  verleiht,  ist 
der  Umstand,  dass  der  unbekannte  Verfasser  in  der  Ein- 
leitung besagt,  er  habe  seine  Chronik  „zu  Eren  und  zu  einer 
Gedechtnus"  des  Grafen  Hermann  abgefasst,  desselben  Cilliers, 
der  seine  Ruhestätte  in  Pletriach  fand,  den  die  Chronik  als 
scharfen  Aechter  der  Juden  preist  und  dessen  bewegtes  Leben 


^  Ueber  die  Schenkungen  Hermann's  IT.  an  die  Klöster  der  genannten 
Orden  b.  das  Diplom.  Styrie  —  f.  die  Stifter  Geirach,  Seiz.  Doti- 
rangen  für  Pletriach  z.  B.  in  den  Urkk.  v.  1429  22.  Jänner,  28.  März 
(landsch.  Arch.  Gopien);  für  die  Pfarre  S.  Stephan  z.  h.  Kreuz  b. 
Laudstrass  (Marian-Fiedlers  Oe.  Klerisei  7,  24.— 3)  f.  die  Kirche  zu 
Pöltschach  in  Kärnten  (1430,  22.  Jänner,  landsch.  Arch  Cop.)  .... 
1391,  2.  Sept.  Seiz.  Prior  Johann  von  Chartreuse  gewährt  den  Grafen 
Ilermann  und  Wilhelm  von  Cilli  für  ihre  Verdienste  um  den  Karth- 
äuserorden einen  Jahrtag  in  den  Klöstern  Seiz,  Geirach  und  Fränitz 
in  Krain.  —  1422,  30.  März,  Padua  (Apostelen  8,  92,  66)  gewährt 
der  Minoriten  -  Ordensgeneral  Franz  Angeli  von  Siena  dem  Grafen 
Ilermann  die  Begtlnstigung,  dass  er  immer  zwei  Minoriten  als  Ka- 
plane  bei  sich  haben  und  einen  der  Ordenspriester  zum  Quardian 
des  Cillier  Klosters  bestellen  könne. 

*0  Ueber  diese  wichtige  Quelle  vgl.  die  beiden  Note  4  und  6  cit.  Abh. 


—     136     — 

den  Mittelpunkt  ihrer  Darstellung  bildet  Er  gilt  ihr  als  from- 
mer Mann,  als  „rechter  Sttner  und  Friedmacher  zwischen  Armea 
und  Reichen«  •'). 

Und  nicht  mit  Unrecht  erscheint  diese  CSuronik  dem  An- 
denken dieses  Cilliers  gewidmet. 

Denn  Hermann  n.  steht  so  recht  da  als  der  Haupttaliger 
des  Gedeihens,  der  wachsenden  MachtfÜUe  seines  Hauses.  Er 
gab  ihm  den  Anstoss  und  die  Mittel  zur  allgemeinem  Geltung. 
Er  pflanzte  den  Baum  des  Cillierglückes  und  durfte  noch  in 
dessen  Schatten  ruhen. 

Mag  uns  die  ehrgeizige  harte  Sinnesart  dieses  Mannes, 
dies  rast-  und  rücksichtslose  Ringen  nach  Ehre  und  Besitz, 
dies  völlige  Aufgehen  in  den  Forderungen  der  Aussenwelt  — 
ohne  alle  sichtliche  Weihe  zarterer  Empfindung  —  wenig  an- 
muthen,  ja  bis  zur  Abneigung  verletzen;  der  Zug  grosser  be- 
harrlicher Thatkraft,  der  hohe  Schwung  seiner  Lebenspläne, 
das  Gewaltige  der  ganzen  Persönlichkeit  zwingen  doch  ander- 
seits zur  Anerkennung  seines  bleibenden  geschichtlichen  Werthes. 


••)  Die  betreffenden  Stellen  der  Gillier  Chronik  b.  Hahn.  S.  666,  680, 
686.  —  Das  S.  680  über  die  Verbannung  der  Juden  aus  dem  Gre- 
biete  der  Ciüier  Gesagte  wissen  wir  nicbt  näher  festzustellen.  -Den 
Nachruf  fasst  686  die  Gillier  Chronik  in  die  Worte  zusammen :  i,Nach 
dem  was  grosse  klag,  dan  Er  was  gar  ein  frommer  Mann  und  ein 
rechter  Süner  und  Friedmacher,  wo  er  mocht,  zwischen  Armen  und 
Reichen.  ** 


—     137     — 


IV. 

Ein  Yehmgerichts-Process  aus  Steiermark. 

Von 

Dr.  Ferdinand  BischofT. 


Ubgleich  die  westfälischen  Yehmgerichte  berechtigt  waren, 
unter  gewissen  Beschränkungen  ttber  Klagen  aus  allen  deutschen 
Ländern  zu  richten  und  von  dieser  Befugiuss  einen  sehr  aus- 
gedehnten Gebrauch  gemacht,  ja  sich  nicht  gescheut  haben, 
selbst  über  Klagen  ausserdeutscher  Unterthanen  zu  entschei- 
den, fehlt  es  doch  bisher  fast  gänzlich  an  Nachrichten  über  die 
velumgerichtliche  Wirksamkeit  in  den  deutsch-österreichischen 
Erbländem*).  Am  meisten  davon  besitzen  wir  aus  Tirol,  ob- 
wohl längst  erkannt  worden,  dass  das  s.  g.  Gericht  der  Wis- 
senden, von  welchem  Wigulejus  Hund  m  seinem  bairi- 
schen  Stammbuch  (ü.  410)  Erwähnung  thut,  zu  den  Yehm- 
gerichten  in  keiner  Beziehung  steht  Aus  den  interessanten 
Mittheilungen  von  J.  Ladurner  (Archiv  f.  Gesch.  und  Alt 
TiroPs,  Y,  193   fg.)  erfahren   wir  von  Berufungen  tirolischer 


*)  Ein  Zeugniss  solcher  Wirksamkeit  in  Wien  s.  bei  Uormaie  r,  Gesch. 
Wien's,  Urkundenbach  Nr.  93  ;  aach  Koch,  Chrono].  Gesch.  v.  Oestr. 
J.  1441;  Pfister,  Gesch.  d.  Deutschen,  III.  620.  Was  unter  der 
„Feem  des  Fttrstenthums  u.  d.  Enns**  (Koch,  a.  o.  0.  z.  J.  1465) 
za  verstehen  sei,  wäre  zu  ontersachen;  keines&lls  bedeatet  dies: 
westfäL  Yehmgerichte.  —  Die  Argumentation  Herrn  an 's,  Gesch. 
V.  K&rnten  IL  842  für  vehmgerichtliches  Wirken  in  Kärnten  scheint  mir 
wenig  überzeugend.  —  Auch  der  Umstand,  dass  im  furstbischöfl.  La- 
vanter  Archive  ein  Codex  mit  der  Amsberger  Reformation  sich  be- 
findet (s.  Beiträge  f.  Kunde  steir,  Gesck-Quellen  IV,  143)  beweist 
nichtSr 


I 


—     138     — 

ünterthanen  durch  westfälische  Vehmgerichte  in  i  J.  1429  bis 
1431,1438,1476  und  1482,  wie  auch  vom  Vorhandensein  zahlrei- 
cher Vehmschöffen  in  Tirol,  unter  welchen  sich  der  Bischof  von 
Brixen,  der  landesfürstliche  Landrichter  zu  Gries,  der  herzog- 
liche Pfleger  auf  Hocheppan  u.  s.  w.  befanden  und  erachten 
es  hienach  für  wahrscheinlich,  dass  Tirol  zu  jenen  Ländern 
gehört,  welche  zeitweilig  recht  arg  von  den  Yehmgerichten 
heimgesucht  wurden.  Dafür  spricht  auch  die  von  Ladurner  an- 
geführte BcsteUung  des  Albrecht  v.  Menkcrshusen  zu  Bomholt 
durch  den  Herzog  mit  der  Verpflichtung,  dessen  Ünterthanen, 
falls  sie  mit  den  Vehmgerichten  zu  schaffen  haben,  hilflich  und 
heiständig  zu  sein,  und  die  von  Ladurner  Übersehene  Urkunde 
K.  Friedrich's  IIL  v.  26.  Juni  1475  (Schrötter,  Oester. 
Staatsrecht,  I.  S.  214),  in  welcher  der  Kaiser  über  Be- 
schwerden des  Herzogs  Sigismund  von  Tirol 
Vorladungen  österreichischer  Ünterthanen  vor  die  w.  t  Vehm- 
gerichte verbietet  —  was  übrigens  nicht  viel  geholfen  zu 
haben  scheint  So  dürftig  diese  Nachrichten  aus  Tirol  sind,  so 
sind  sie  doch  —  wenn  ich  nichts  übersehen  habe  —  reich- 
haltig im  Vergleiche  mit  den  diesbezüglichen  bekannten  Nach- 
richten aus  den  übrigen  deutsch  -  österreichischen  Ländern. 
Insbesondere  aus  Steiermark  wusste  man  von  einem  Her- 
eingreifen der  Vehmgerichte  bisher  gar  nichts.  Auch  das  st 
Landesarchiv  bot  bis  in  die  jüngste  Zeit  weder  in  seinen  Ur- 
kunden, noch  in  seinen  Handschriften  irgend  welche  Auskunft 
darüber.  Erst  durch  die  glückliche  Entdeckung  und  archiva- 
lische  Ausbeutung  des  Formelbuches  des  Ulrich  Klenegker '), 
welchem  die  steiermärkische  Geschichtsforschung  auch  in  an- 
deren Beziehungen  sehr  werthvolle  Bcreichenmg  verdankt,  ge- 
langte das  Landesarchiv  in  den  Besitz  von  drei  Urkunden, 
welche  bezeugen,  dass  auch  die  schöne  Steiermark  von  dem 
gefürchteten  unheimlichen  Walten  der  h.  Vehme  nicht  ganz 
verschont  blieb.  Sie  sind  die  Grundlage  der  folgenden  Mitthei- 
lungen, finden  sich  unter  den  Nummern  6758,  6764  u.  6789  a 


<)  Uciträge  z,  Kunde  $teierm.  Gesch.  Quellen  I,  10, 


—     139     — 

des  JoanneumS'Archivs  und  werden  von  mir  als  Urk.  I,  11,  m 
bezeichnet  werden  *). 

Im  Jahre  1459  wurden  Hanns  Ungnad,  Leotold  v.  Stu- 
benberg, Pankraz  Rintscheid,  Wolfgang  Praun,  Lienhart  An- 
gerer, die  Pfannhauser,  der  Rath  und  die  ganze  Gemeinde 
Aus  See  von  Sigmund  Rllntl  (oder  Reindl),  den  wir  später 
etwas  näher  kennen  lernen  werden,  vor  dem  Freistulile  des 
Wilhelm  von  der  Zünger,  Freigrafen  in  der  »freien  Krummen 
Grafschaft"  zu  Wickede  •)  schwer  verkli^  Ueber  jede  vor 
den  westfälischen  Vehmgerichten  eingebrachte  Klage  musste 
zuerst  durch  rechtes  Urtheil  erkannt  werden,  ob  dieselbe  zur 
Competenz  des  Gerichtes  gehöre  oder  nicht  und  so  geschah 
es  auch  hier;  es  ward  zu  Recht  erkannt,  dass  die  Klage  eine 
solche  sei,  über  welche  zu  richten  einem  Freistuhle  wohl  ge- 
bühre. Hierauf  lud  der  Freigraf  die  oben  genannten  Beklagten 
in  gewöhnlicher  Weise  zu  Recht  auf  den  Donnerstag  nach 
dem  h.  Sakramentstag  (31.  Mai)  desselben  Jahres,  vor  ihm 
ihren  Leib  und  ihre  höchste  Ehre  zu  verantworten  (Urk.  I. 
u.  U).  Da  die  erste  Ladung  in  der  Regel  wenigstens  sechs 
Wochen  vor  dem  Verhandlungstage  erlassen  wurde ,  so  dürfte 
obige  Klage  um  die  Mitte  des  April  erhoben  worden  sein. 

Eine  Ladung  vor  die  Vehmgerichte  war  damals  noch  keine 
gering  zu  achtende  Sache,  über  welche  man  sich  einfach  lunweg- 
setzen  konnte,  obwohl  diese  Gerichte  bereits  in  Folge  mass- 
loser Ausschreitungen,  Gewaltthaten  und  anderer  Schlechtigkeiten 
vieler  Freigrafen  und  FreischöiFen  an  Ansehen  sehr  bedeutend 
eingebüsst  hatten.  Doch  war  es  meistens,  namentlich  bei  Niclit- 
schöffen  des  Vehmgerichtes,  weniger  gefähriich,  der  Ladung 
keine  Folge  zu  leisten,  als  derselben  zu  gehorchen;  auch 
mochten  die  Beklagten  die  Ladung  als  unbegründet,  als  eine 
Verletzung  ihrer  Gerichtsstandesrechte  und  Privilegien  be- 
trachtet und  sich  so  veranlasst  gefunden  haben,  ihren  Herrn 


1)  Eine  Notiz  über  diese  Urkunden  gab  Archivar  Herschel  im  An- 
zeiger f.  Kde.  d.  Vorzeit,  Band  VI,  S.  216  n.  255. 

')  Ueber  die  freie  krumme  Grafschaft  s.  Thierse h,  der  Ilauptstuhl 
des  westfal.  Femgerichtes  S.  18.  —  Voigt,  a.  a.  O.S.  63,  Note  7. 


~     140     — 

und  Landesjfbrsten  um  Abhilfe  dag^;en  zu  bitten,  der  nicht 
leicht  dulden  konnte,  dass  seine  eigene  Marktgemeinde  und 
seine  eigenen  Amileute  vor  das  auswärtige  Gericht  geladen 
wurden.  Aus  den  Urkunden  I  und  n  ersehen  wir,  dass  die 
Beklagten  der  Ladung  nicht  gefolgt  waren  und  dass  E.  Fried- 
rich dem  genannten  Freigrafen  befohlen  hatte,  vom  gerichtli- 
chen Verfahren  bei  sonstiger  Strafe  abzustehen,  da  die  Be- 
klagten vom  K&ger  Ehren  oder  Bechtens  wegen  niemals  ge- 
fordert worden  sind,  ihm  diese  auch  niemals  verweigert  hätten. 

Diese  kaiserliche  Zuschrift  (in  welcher,  wie  nebenbei  bemerkt 
werden  mag,  der  Kaiser  also  selbst  die  subsidiäre  Gerichtsbar- 
keit des  Yehmgerichts  auch  bezüglich  seiner  Länder  Unter- 
thanen  und  Amtleute  noch  anerkannte)  erwiderte  Wilhelm 
von  der  ZQnger  mit  einer  „gütlichen  Antwort^,  welche  uns 
zwar  ebensowenig  als  das  angefllhrte  Schreiben  des  Kaisers 
vorliegt,  aber  ihrem  Inhalte  nach,  wie  dieses,  aus  einem  an- 
dern Schreiben  des  Freigrafen  an  den  Kaiser  (nämlich  aus 
Urkunde  I)  bekannt  wird.  Damach  schrieb  Wilhelm  von  der 
Zünger  dem  Kaiser,  dass  die  fragliche  Angelegenheit  sich  an- 
ders verhalte,  als  der  Kaiser  sie  dargestellt  habe.  Der  Kläger 
habe  vor  ihm  ausgewiesen,  dass  er  seine  Klage  mit  Gerichts- 
urtheilbriefen  bereits  vor  des  Kaisers  Gericht  in  Neustadt  mit 
Becht  gewonnen  habe;  er  habe  wohl  dreizehn  mit  dem  kaiser- 
lichen Siegel  versehene  Briefe  vorgezeigt,  womit  der  Kaiser 
ihm  und  seinen  Gegnern  Bechtstage  angesetzt  hatte  und  ob- 
wohl er  diesen  kaiserlichen  Ladungen  und  allen  Bechtstagen 
folgsam  gewesen  sei,  wäre  ihm  doch .  sein  Becht  nicht  wider- 
fahren, sondern  durch  die  Beklagten  verzogen  worden  *). 

Unter  so  bewandten  Umständen  hielt  der  Freigraf  sich 


*)  Ich  Bchliesse  mich  hier  und  später  bei  der  Mittheilung  des  Urkimden- 
inhaltes  dem  Wortlaute  der  Urkuiden  thunlichst  ao.  Die  Urkonde  I 
ist  eine  Vorstellung  des  Freigrafen  W.  v.  d.  Ztlnger  gegen  das  kaiscrl. 
Jnhibitorium;  die  Urk.  II  ein  Bericht  der  Grafen  W.  v.  d.  Zanger 
u.  Hermann  v.  d.  Kchome  an  den  Kaiser  Über  die  Vorhandlung  mit 
der  Bitte  um  Anhaltung  der  Beklagten  zur  UrtheilserfQllung ;  die 
Urk.  III  eine  Vorstellung  des  H.  t,  d.  K.  gegen  kaiserl.  Verfügungen. 


nicht  verpflichtet,  dem  kaiserlichen  Befehle  nachzukommen, 
Hess  demselben  aber  doch  insofern  Berücksichtigung  zu  Theil 
werden,  als  ^  —  wie  dies  von  den  Freigrafen, 4n  ähnlichen 
Fällen  gewöhnlich  geschah  —  den  zur  Verhandlung  der  Sache 
bestimmt  gewesenen  Bechtstag  auf  einen  späteren  Tag,  nämlich 
auf  den  Montag  nach  S.  Jakob  (30.  Juli)  verlegte. 

Die  Beklagten  folgten  dieser  Ladung  ebensowenig  wie  der 
früheren.  In  ihrer  Abwesadieit  fand  am  festgesetzten  Tage  die 
gerichtliche  Verhandlung  statt,  deren  Ei^ebniss  wir  aus  Ur- 
kunde n.  ersehen.  Weil  die  Beklagten  die  Ladung  nicht  ge- 
achtet haben,  sind  sie  mit  Urtheil  und  Becht  dem  h.  Reich 
und  freiem  Gericht  in  Strafe  und  Brüchte  verfaUen  und  hat 
der  Kläger  sein  Recht  auf  sie  gewonnen  nach  Recht  des  Ge- 
richtes. Darauf  setzte  der  Freigraf  denselben  einen  weiteren 
Rechtstag  auf  den  Montag  nach  S.  Jobannis  Enthauptung 
(3.  Sept),  damit  sie  da  dem  Gericht  und  dem  Kläger  leisten, 
was  sie  von  Ehren  und  Rechtswegen  schuldig  sind  und  auf  sie 
gewonnen  würde.  Thftten  sie  dies  nicht,  so  müsste  er  die 
letzte  Sentenz  und  Vollgerieht  über  ihren  L^b  und  Ehre  ge- 
ben, als  der  freien  beinüidien  Gerichte  Recht  ist 

Auch  gegen  diese  Vorschritte  des  westfUischen  Gerichtes 
haben  die  Beklagten  vermuthlich  des  Kaisers  Hufe  aufgerufen. 
Aus  der  Urkunde  I  erfahren  wir  nämlich  weiter,  dass  der 
Kaiser  dem  genannten  Freigrafen  ein  Schreiben  gesendet  hatte, 
worin  ihm  befohlen  war,  das  Gericht  und  das  ergangene  Ur- 
theil dem  Kläger  abzustellen  und  die  Parteien  vor  ihn,  den 
Kaiser  zu  weisen,  widrigens  aber  persönlich  oder  durch  seinen 
volbnächtigen  Anwalt  am  fünf  und  vierzigsten  Tage  nach 
^Empfang  des  Schreibens  vor  ihm  zu  erscheinen,  wo  dann 
über  die  Einsprachen  des  Freigrafen  gerichtet  werden  sollte. 
Eine  ähnliche  Vorladung  vor  den  Kaiser  scheint  auch  dem 
Kläger  zugesendet  worden  zu  sein. 

Auf  diese  k.  Zuschrift,  welche  Wilhehn  von  der  ZOnger 
— -  wie  er  sich  ausdrückt  —  „mit  Würden"  empfangen,  schrieb 
er  dem  Kaiser  am  29.  August  1 459,  also  kurz  vor  dem  zur  Rechts- 
verhandhmg  angesetzt  gewesenen  Tage,  im  Wesentlichen  Fol- 


—    142    — 

gendes:  Ich  bitte  Euer  kaiserl.  Gnaden  demüthig  zu  wissen, 
das8  ich  und  alle  Freigrafen  von  dem  h.  Kaiser  Karl  und 
Papst  Leo  begnadet  und  gefreit  sind,  ttber  alle  Klagen,  die 
vor  uns  in  des  h.  Beiches  obersten  fireien  Gerichten  ^an  einen 
freien  Stuhl  eingebracht  und  als  vor  diese  Gerichte  gehörig 
erkannt  werden,  um  unserer  Eide  und  Aemter  wegen  zu  rich- 
ten, es  wäre  denn,  dass  solche  Klagen  gemäss  der  Bestim- 
mungen der  „zu  der  Tunnde*'  ')  und  zu[]Arensberg  verfassten 
und  von  dem  K.  Sigismund,  der  ein  wissender  Freischöffe  und 
Kaiser  war,  bestättigten  Reformation,  aus  den  freien  heimlichen 
Gerichten  mit  Gelöbniss  von  Freischöffen,  oder  mit  Urthefl 
und  Recht  herausgezogen  würden,  wie  es  der  freien  Stühle 
Recht  ist.  Da  demnach  Euer  k.  Gnaden  Ladung  und  Gebot 
gegen  die  Reformation  und  gegen  E.  k.  Gn.  selbst  und  das 
h.  Reich  ist,  worüber  ich  jedoch  E.  k.  Gn.  nicht  mehr  schrei- 
ben darf  noch  mag,  da  E.  k.  Gn.  ia  den  obersten  freien  heim- 
lichen Gerichten  nicht  wissender  Freischöffe  sind,  so  bitte  ich 
demüthig,  mir  und  dem  Kläger  diese  ungebürliche  und  unbil- 
lige Ladung  abzustellen  und  mich  und  alle  Freigrafen  und 
Stuhlherren  bei  unsem  Privilegien  und  Freiheiten  zu  erhalten, 
wie  Euer  k.  Gnaden  dies  dem  h.  Reiche  schuldig  sind").  — 
Auch  bitte  ich,  diese  Unterweisung  nicht  ungnädig  aufzuneh- 
men, denn  falls  die  Beklagten  oder  sonst  Jemand  meinte,  dass 
ich  mich  in  dieser  Sache  ungebührUch  verhalten  hätte,  oder 
E.  k.  Gn.  Ladung  und  Gebot  Gehorsam  schuldig  wäre,  wollte 


')  Von  einer  so  bezeicboeten  Reformation  fand  ich  nirgends  eine  Er-> 
wähnnng.  Die  Urkunden  in  dem  Dresdner  Formelbache  sind  vielfach 
entstellt  und  scheint  auch  obige  Bezeichnung  auf  irgend  einem  Ver- 
sehen zu  beruhen. 

')  Ueber  den  Sinn  der  im  Urknndentexte  nächstfolgenden  Worte  bin  ich 
nicht  ganz  sicher,  wesshalb  ich  dieselben  hiehcr  setze;  »vnd  somit vnge- 
pttrlichen  ladung  vnd  verpietung  vcmichtigen,  auf  das  mein  gn.  herr 
herczog  von  Cleue  vnd  junckherrn  von  der  Marckh  ir  gnaden  frey- 
grauen gericht  vnd  ander  stuelherm  vnd  freyngrauen  nicht  verchlagt 
werden  wann  wir  frcigrafen  das  von  vnserr  aide  vnd  ambtswegen 
vnd  vnserr  herrn  von  urr  gnaden  gerichten  vnd  freyhaiten  wegen 
ob  das  nicht  geschieh  vnd  das  dabey  lassen  mochten  . . . 


-.    143    — 

ich  gern  vor  luemem  gn.  Herrn  oder  Junker  von  Clevö  uü«l 
der  Mark  und  vor  andern  Stuhlherren  und  Freigrafen  im  Lande 
von  Westfalen,  an  den  St&tten,  wohin  es  mir  und  allen  Frei- 
gi-afen  in.  Recht  zu  kommen  zusteht,  untersuchen  und  erken- 
nen lassen,  ob  ich  mich  in  der  Sache  gebürlich  verhalten 
habe  oder  nicht  und  ob  es  zu  gestatten  sei,  dass  E.  k.  Gn. 
mir  oder  andern  Freigrafen  untersagen,  vor  die  freien  heunli- 
chen  Gerichte  zu  laden  und  nach  deren  Recht  zu  richten. 
Doch  wie  dem  auch  sei,  habe  ich  E.  k.  Gnaden  zu  Ehren, 
Willen  und  Gefallen  das  Gericht  gegen  die  oben  genannten 
Beklagten  verschoben  und  aufgestellt  auf  den  Montag  nach 
dem  nächsten  S.  Dionisentag  (15.  Oct)  dem  Gerichte  uud  bei- 
den Parteien  ohne  Kachtheil.  Könnten  und  würden  dann  die 
Beklagten  durch  ihre  Prokuratoren  sich  gegen  die  Klage  ver- 
antworten und  nach  freien  Stuhles  Recht  sich  aus  dem 
Gericht  ziehen,  wollte  ich  ihnen  em  unbefangener  Richter 
sein  u.  s.  w. 

lieber  den  weitem  Verlauf  des  Streites  giebt  das  von 
Wilhebn  von  der  Zttnger  und  Hermann  von  dem  Korne,  beide 
Freigrafen  in  der  freien  krummen  Grafschaft  zu  Wickede,  am 
letztgenannten  Verhandlungstag  an  denKaiser  gefertigte  Schrei- 
ben (Urk.  n)  erwünschte  Kunde,  dessen  Anfang  übrigens  schon 
bei  der  obigen  Darstellung  des  Falles  berücksichtigt  und  im 
Wesentlichen  mitgetheilt  wurde.  In  diesem  Schreiben  sagen 
die  genannten  Freigrafen  dem  Kaiser,  dass  an  dem  bestimmten 
Tage  des  Klägers  volhnächtiger  Prokurator  vor  sie  zu  Wickede 
in  das  Gericht  gekommen  sei  und  geklagt  habe,  wie  die  Be- 
klagten nicht  geleistet  hätten,  was  sie  ihm  von  Ehren  und 
Rechtswegen  und  laut  seines  gewonnenen  Urtheilbriefes  zu 
leisten  schuldig  waren  und  dass  er  begehrt  habe,  es  sollte 
nunmehr  über  der  Beklagten  Leib  und  Ehre  Vc^gericht  und 
letzte  Sentenz  ertheilet  werden.  Die  Erfüllung  dieses  Begeh- 
rens —  heisst  es  dann  weiter  -  hätte  ich  vorgenannter  Wil- 
helm Freigraf  Icraft  meines  Amtes  dem  Prokuratur  *  nach  dem 
Inhalt  des  vom  Kläger  gewonnenen  Urtheilsbriefes  nicht  ver- 
weigern  können,   wenn  nicht  Viele  aus  der  Ritterschaft  und 


—     144    — 

den  Uinst&ndeiTi  des  Gerichts  den  voiigen.  Prokurator  Utten 
und  bewegen  geholfen  hätten,  dass  er  die  begehrte  letzte 
Sentenz  K  k.  Gnaden  zu  Ehren  und  Willen  noch  einige  Zeit 
lang  anstehen  liess.  Also,  gnädigster  liebster  Herr!  habe  ich 
das  letzte  Bedit,  dem  Gerichte  und  den  Partdra  ohne 
Schaden,  verschoben  bis  auf  Montag  nach  S.  Antonstag 
(22.  Jänner  1460)  und  jetzt  bitten  wir  K  k«  Gn.  demüthig 
um  des  h.  Reiches  und  E.  L  Gn.  obersten  Freigerichtes  we- 
gen, die  Verklagten  zu  ermahnen,  dass  sie  dem  h.  Reich  und 
Freigerichte  um  Brüchte  und  Strafe,  dem  Kläger  aber  um 
seine  Ansprache  und  sein  gewonnen  Recht  leisten,  was  sie  von 
Ehre  und  Rechts  wegen  schuldig  sind,  damit  wir  beide  oder 
einer  von  uns  auf  Anrufen  des  vorgen.  Klägers  oder  seines 
Prokurators  an  dem  festgesetzten  Tage  nicht  die  letzte  schwere 
Sentenz  und  das  Yollgericht  Ober  der  Verklagten  Leib  und 
Ehre  geben  müssten,  was  wir  lieber  verhüthet  sdien  möchten. 
Und  was  wir  E.  k.  Gn.  hierinn  zu  Ehren  Willen  und  Gefallen 
thun  könnten  sind  wir  schuldig  u.  s.  w.  *). 

Auch  diese  Bemühungen  der  Freigrafen  förderten  die 
Sache  nicht  in  der  von  ihnen  gewünschten  Weise.  Auch  Cq 
22.  Jänner  verstrich,  ohne  dass  Gericht  und  Kläger  Befriedi- 
gung erlangt  hätten,  oder  die  letzte  Sentenz  gefiOlt  worden 
wäre.  Wie  es  schemt,  hatte  eme  abermalige  Fristerstreckung 
auf  Montag  nach  dem  Sonntag  Quasimodo  geniti  (21.  April) 
stattgefunden,  inzwischen  aber  der  Kaiser,  vielleicht  in  Folge 
von  Versuchen  des  Klägers  nach  Inhalt  des  gewonnenen  Urtheils- 
briefes  zu  dem  Seinigen  zu  kommen,  neuerdings  gegen  wei- 
teres vehmricfaterliches  Verfahren  kräftigen  Widerspruch  er- 
hoben. An  dem  genamiten  Tage  sdirieb  nämlich  Hermann  von 
dem  Korne  an  den  Kaiser  „von  Geriditswegen^,  er  habe  ,,niit 
gebürlicher  Würdigkeit*"  des  Kaisers  Brief  empfangen,  worin 
ihm  bei  seinen  Eiden  und  Pflichten  gegen  Kaiser,  Reich  und 


^)  Es  ist  bemerkenswerth,  dass  die  Freigrafen  demEaiser  nicht  nur  nicht  ge- 
horchen, sondern  demselben,  als  Obrigkeit  der  Beklagten,  auch  noch  zn- 
mnthen,  diese  zur  Erfftlinng  des  vehmgerichtlicben  Urtheils  anznhalten. 


—     145     — 

Freigrafenamt  und  mit  kaiserlicher  MachtyoIIkommenheit  ge- 
boten wird,  des  Richtens  in  der  in  Rede  stehenden  Angelegen- 
heit sich  zu  entschlagen.  Aber  er  und  alle  Freigrafen  haben 
„mit  schweren  Huldigungen  gelobt,  Niemandem  billiges  und 
gebürliches  Recht  zu  verweigern.  Nachdem  der  Kläger  seinen 
Urtheilsbrief  mit  rechtem  Urtheil  nach  Freistuhlsrecht  erlangt 
hat  und  damit  hmauf  in  seine  Hefanat  gezogen  sei,  habe  er 
keine  Macht,  ihm  sein  gewonnenes  Recht  zu  nehmen  0;  er  sei 
vielmehr  gebunden,  Jedermanns  Recht  zu  stärken,  und  nicht 
zu  kränken,  und  seiner  Eide  und  der  Huldigung  wegen,  die 
er  der  heimlichen  Acht  gethan  habe,  schuldig,  das  hochheilige 
würdige  Gericht  der  freien  Stühle  des  h.  Reiches  in  ganzer 
Macht  und  HeiUgkeit  zu  erhalten,  nach  allen  seinen  Kräften, 
wie  dies  der  h.  Papst  Leo  und  der  L  grosse  Kaiser  Karl  m. 
G.  geordnet  und  zu  halten  geboten  hat,  worüber  er  aber  dem 
der  heimlichen  Acht  unwissenden  Kaiser  nicht  mehr  schreiben 
darf.  Doch  zweifle  er  nicht  an  des  Kaisers  Willen,  gleich  sei- 
nen Vorfahren  ein  Mehrer  des  Reiches  zu  sein  und  das  Reich 
bei  seiner  Macht  und  HerrUchkeit  zu  erhalten  und  dulde  der 
k.  Majestät  zu  Ehren,  dass  die  letzte  schwere  Sentenz  bis  auf 
den  Eritag  nach  S:  Jacob  des  Apostelstag  (29.  Juli)  aufge- 
schoben werde  *).  An  diesem  Tage  werde  er  des  Kaisers 
Brief  mit  Würdigkeit  in  das  Gericht  bringen  und  was  dann 
darüber  mit  rechtem  Urtheil  erkannt  werden  wird,  daran  wolle 
er,  wie  es  sich  gebühre,  halten.** 

Der  vorstehenden,  aus  dem  Zusammenhalten  der  bezeich- 
neten drei  Urkunden  geschöpften  Schilderung  des  Verlaufes 
der  fraglichen  Rechtssache,  mögen  emige  Erörterungen  und 
Erläuterungen,  durch  welche  dieselbe  in  helleres  Licht  gestellt 


*)  Die  offenbar  yerdorbene  undeutliche  Stelle  lautet:  Vnd  wann  dann 
der  klager  sein  vrtailbrief  gewunnen  hat  . . .  vnd  damit  hinauf  an 
sein  haymat  gezogen  Was  er  ewm  gn.  schreibt  an  mich  gekchömen 
des  hab  ich  chain  macht  im  sein  gewunnen  recht  ze  nemmen. 

*)  Die  Stelle  lautet:  Auch  ewr  k.  M.  zu  eren  bis  der  lest  swer  sentencien 
dem  klager  nach  eren  wirdet  ausgegeben  ze  leiden  bis  des  nagsten 
ertags  n.  s.  J. 

10 


—     146     — 

wird,  nachfolgen.  Dabei  kommt  uns  sehr  zu  Statten,  dass  der 
Abschreiber  der  Urkunden  nicht,  wie  es  bei  der  Auihahme  von 
Urkunden  in  Formelbacher  häufig  geschah,  die  Personen-  und 
Ortsnamen  und  die  Datirungen  wegliess. 

Als  Kläger  wu*d  in  den  Urkunden  Sigmund  Ränntl 
genannt,  in  der  einen  mit  dem  Beisatz :  der  Veste,  in  der  an- 
dern: der  erbar  und  Teste.  In  steiermärkischen  Urkunden 
aus  den  Jahren  1454  u.  1455  (s.  Göth,  Begesten,  in  den 
MittheiL  des  histor.  Ver.  f.  Steiermark  Vm,  495,  499,  501, 
504)  findet  sich  ein  Sigmund  Rainntl,  auch  Reindl,  Pfieger, 
Markt-  und  Geurichter,  Pfannhaus-  und  Gültenbesitzer  in 
Aussee.  Unzweifelhaft  haben  wir  in  ihm  den  Kläger  zu  er- 
kennen. 

Auch  ttber  die  Beklagten  fanden  sich  schätzbare  Nach- 
richten. Leotold  von  Stubenberg  war  in  der  Zeit  des 
Processes  steiermärkischer  Landeshauptmann;  Hanns  Un- 
gnad  wird  in  den  drei  Urkunden  selbst  als  kaiserlicher  Kam- 
mermeister bezeichnet  Beide  gehörten  dem  steierm.  Herren- 
stande an.  Pankraz  Rintscheit,  dem  Ritterstande  ange- 
hörig, begegnen  wir  oft  im  Gefolge  des  Kaisers;  in  der  Ur- 
kunde m  wird  er  als  kaiserlicher  Rath  bezeichnet;  Wolf- 
gang Praun  kommt  zuerst  vor  in  einer  Urkunde  v.  21. Febr. 
1435  (Göth,  a.  0.  414),  laut  welcher  ihm  der  Herzog  Fried- 
rich der  Jüngere  zwei  durch  das  Ableben  seines  Vaters  Achaz 
Praun  auf  ihn  gefallene  Hallamtsantheile  zu  Aussee  bestand- 
weise innezuhaben  und  nach  dem  Herkommen  zu  verwesen 
verlieh.  In  Urkunden  aus  den  J.  1450  u.  1455  (Göth  480,  502) 
erscheint  er  als  Besitzer  eines  Dörrhauses  und  mehrerer  Pfann- 
hausstätten in  Aussee.  Auch  Lienhart  Anger  er  ist  urkund- 
lich bezeugt  und  zwar  ebenfalls  als  Verweser  des  Salzsiedens 
zu  Aussee  (Göth,  480,  495,  504)  in  d.  J.  1450,  1454,  1455 
und  als  gewesener  Hauseigenthümer  1462  (Göth,  Mitth.  IX. 
556).  Unter  den  „Pfannhausem",  welche  vom  Kläger  neben 
den  eben  Angeführten  und  dem  Rath  und  der  ganzen  Ge- 
meinde des  landesfürstUchen  Marktes  Aussee  belangt  wurden, 
sind  Inhaber  und  Verweser  der  Salzpfannhäuser  oder  Stätten 


—     147     — 

zu  verstehen  (s.  Franz  Kurz,  die  Salinen  in  Oester.  ob  d.  E. 
in  Hormair's  Archiv  VII,  631  fg.) 

Also  den  höchsten  Beamten  des  Landes,  daneben  zwei 
gleichfalls  durch  Amt  und  Stand  hervorragende,  deq  Kaiser 
und  Landesherm  nahestehende,   im  ganzen  Lande  hochange- 

'  sehene  Männer,  femer  zwei  Verweser  landesfOrstlicher  Aemter, 
alle  Pfannhauser  und  die  ganze  Gemeinde  eines  landesfilrst- 

:  liehen  Marktes  fordert  der  Pfleger,  Richter  und  Bürger  des- 
selben Marktes  vor  den  Bichterstuhl  der  in  jener  Zeit  in  allen 
deutschen  Landen  nicht  minder  gehassten  als  gefbrchteten 
Vehme  *).  In  der  Praxis  der  Vehmgerichte  war  es  freilich 
nichts  Seltenes,  dass  ganze  Stadträthe  und  Gemeinden  und 
hohe  Amtleute  vorgeladen  wurden;  selbst  Landesherren,  ja  so- 
gar den  Kaiser  vorzuladen  scheuten  sich  einzelne  Freigrafen 
nicht  (Gaupp,  von  Vehmgerichten  58  fg.  Wächter,  Bei- 
träge z.  d.  Gesch.  38).  In  Steiermark  aber  mochte  eine  solche 
Ladung  bis  dahin  unerhört  gewesen  sein. 

Fragen  wir  imi  den  Anlass,  der  den  Kläger  zur  Er- 
greifung dieses  ausserordentlichen  Mittels  trieb,  so  giebt  die 
Urkunde  I  zur  Antwort,  der  Kläger  habe  seine  Zuflucht  zu 
den  westfälischen  Gerichten  genommen,  weil  er  bei  seinem 
ordentUchen  Richter  kein  Recht  erlangen  konnte.  Es  war  einer 
der  gewöhnlichsten  Fälle,  dass  wegen  Ohnmacht  oder  Lässig- 
keit des  ordentlichen  Gerichtes,  oder  wegen  V^idersetzlichkeit 
der  Beklagten,  die  Hilfe  des  Vehmgerichtes  angerufen  wurde. 
Rechtsverzögerung  und  selbst  Justizverweigerung   kamen  im 


•)  Besonders  drasUsch  und  in  einer  die  damalige  Zeit  charakterisirenden 
Weise  äusserten  diesen  Hass  gegen  Vehmgerichte  die  Abgeordneten 
der  Städte  und  des  flachen  Landes  in  Preussen,  welche  1441  den 
Hochmeister  um  Abhilfe  gegen  das  Vehmgericht  gebeten  hatten,  aber 
zur  Antwort  erhielten,  dass  er  leider  keine  erfolgreichen  Mittel  hiezu 
kenne.  Darauf  sagten  die  Bevollmächtigten:  Können  wii*  uns  der 
Feme  nicht  anders  entschlageu;  so  erlaubet  uns  nur^  dass  wir  die 
aus  der  Feme  nebst  ihren  Genossen  und  Beiliegern  ebenfalls  wieder 
henken  dürfen ;  wir  wollen  zu  Abentheuer  der  ihrigen  so  viele  auf- 
knüpfen und  auf  die  Seite  bringen,  als  sie  der  unsrigen.  Voigt,  die 
westfäl.  Femgerichte,  S.  87, 

10* 


—     148     — 

Mittelalter  in  Deutschland  allenthalben  vor.  Auch  in  der  Steier- 
mark war  es  nicht  anders.  Nur  allzu  oft,  namentlich  wenn 
eigene  Interessen  mit  im  Spiele  waren,  griff  der  Landesfürst 
selbst  störend  in  die  Rechtspflege  ein,  indem  er  das  bereits 
vor  dem  ordentlichen  Bichter  zu  Ende  geführte  Verfahren  für 
ungQtig  erklärte  und  die  Parteien  vor  sich  forderte,  oder  dem 
ordentlidien  Richter,  über  Bitte  eines  in  seiner  Gunst  stehen- 
den Beklagten  gebot,  mit  dem  weiteren  Verfahren  stille  zu 
halten,  oder  den  nächsten  Rechtstag  zu  verschieben,  oft  um 
mehrere  Monate  oder  gar  um  ein  ganzes  Jahr  und  darüber, 
unter  dem  Verwände,  dass  er  den  Beklagten  zu  Diensten  be- 
nöthlge  u.  dgl.  Auch  abgesehen  von  solchen  Eingriffen  der 
Landesfürsten  wurden  die  Bichter,  besonders  in  Zeiten  des 
Krieges,  der  Pest  oder  anderer  Landesnoth,  oft  genug  an  der 
Abhaltung  der  bestimmten  Rechtstage  gehindert;  manchmal 
verzögerten  sie  selbst  durch  eigenes  Verschulden  den  Rechts- 
gang. Aber  auch  von  Seite  der  Parteien  kamen  Verschlep- 
pungen der  Processe,  wenngleich  nicht  in  dem  Masse,  wie 
nach  Einführung  des  s(;^riftlichen  römisch  -  canonischen  Ver- 
fahrens, nicht  selten  vor.  Unter  dem  Vorwand  einer  Krankheit 
oder  eines  anderen  Hindernisses  des  Erscheinens  vor  Gericht, 
oder  wegen  Unmöglichkeit  die  zur  Beweisführung  nöthigen 
Zeugen  oder  Urkunden  am  bestimmten  Tage  vorzuführen, 
oder  wegen  Abgang  eines  Fürsprechers  u.  s.  w.  wurden 
Fristerstreckungen  erwirkt  Häufig  kam  es  zu  Vergleichs- 
verhandlungen, die  aber  zu  kemem  befriedigenden  Ergebnisse 
führten  und  so  nur  die  Beendigung  des  Streites  verzögern 
halfen.  —  Welcher  Art  die  Verschleppung  der  Sache  Ränntl^s 
gewesen  sei,  wissen  wir  nicht,  dass  sie  aber  eine  sehr  bedeu- 
tende gewesen  sein  müsse,  ist  aus  der  angeführten  Bemer- 
kung des  Wilhelm  v.  d.  Zünger  zu  entnehmen,  laut  welcher 
dreizehn  kaiserlich  gebotene  Rechtstage  die  Befriedigung  des 
Klägers  nicht  erzielten.  So  wird  es  begreiflich,  warum  S.  Ränntl 
beim  westfälischen  Gerichte  Hilfe  suchte.  Denn  wo  sonst  noch 
hätte  er  sie  finden  können,  nachdem  die  Sache  bereits  vor  des  Kö- 
nigs und  Landesherm  eigenem  Gerichte  verhandelt  worden  war  ? 


—     149     — 

lieber  die  weitere  Frage,  welche  Rechte  S.  Rftnntl  ver- 
geblich vor  dem  Gerichte  zu  Neustadt  geltend  zu  machen  be- 
müht war,  geben  die  drei  Urkunden  der  Freigrafen  keine  Aus- 
kunft. Nur  so  viel  dürfte  aus  denselben  entnommen  werden, 
dass  es  sich  nicht  um  Ansprüche  aus  einem  Verbrechen  han- 
delte. Ist  diese  Annahme  richtig,  wogegen  nicht  in^s  Grewicht 
fällt,  dass  in  der  Urkunde  I  die  Klage  als  eine  schwere  be- 
zeichnet ist,  da  diese  Bezeichnung  von  den  Freigrafen  ganz 
allgemein  und  häufig  auch  bei  ganz  geringfbgigen  Elagsforde- 
rungen  gebraucht  wurde  ^),  so  liegt  es  nahe,  die  Gründe  der 
Ansprüche  des  Bännil  in.  seinen  Eigenschaften  als  Bürger, 
Pfannhauser,  Pfleger  und  Bichter  zu  Aussee  zu  suchen  und 
da  neben  dem  Rath  und  der  Gemeinde  Aussee  insbesondere 
noch  die  Pfannhauser,  Pfannhausverweser  und  der  k.  Eammer- 
meister  beklagt  wurden,  so  wird  man  kaum  fehlgehen,  wenn 
man  vermuthet,  S.  Ränntl  habe  —  vielleicht  neben  anderen 
Forderungen  —  Rechte  verfolgt,  welche  zu  seiner  Eigenschaft 
als  Pfandhausbesitzer  in  Beziehung  standen.  Diese  Yermuthung 
wird  durch  den  Inhalt  zweier  der  oben  angedeuteten  Urkun- 
den, in  denen  der  Name  des  S.  Ränntl  vorkommt,  unterstützt 
In  den  Fünfziger-Jahren  des  XY.  Jahrhunderts  reorganisirte 
K  Friedrich  das  1.  f.  Salzwesen  in  Aussee  und  brachte  zu 
diesem  Zwecke  die  in  fremden  Besitz  gekommenen  Pfannhäuser 
u.  dgL  wieder  an  sich  (Göth,  Regesten  dieser  Jahre  a.  a.  0. 
Schmutz,  Lexikon  I.  83.).  So  kaufte  er  auch  von  Sigmund 
Ränntl  im  J.  1454  eine  diesem  und  seinem  Bruder  Paul  an- 
gehörige  Pfannhausstatt  zu  Aussee  um  hundert  Pfund  Pfennige, 
und  im  Oktober  des  nächstfolgenden  Jahres  um  achtundzwan- 
zig Pfund  Pfg.  eme  wöchentliche  Gülte  von  18  Denaren  von 
einer  andern  Pfannhausstatt  des  Ränntel.  In  den  darüber  aus- 
gefertigten Urkunden  (Göth,  Reg.  495  u.  504)  bestätigte  Ränntl 
zwar  den  Kaui^reis  von  L  f.  Verwesern,  worunter  der  Beklagte 
lienhart  Angerer  angeführt  ist,  richtig  erhalten  zu  haben; 


1)  S.  z.  6.  Usener,  die  Frei-  u.  heiml.  Gerichte  Westfialens,  S.  S9, 
66  u.  Urk.  63,  S.  215.  —  Diese  Bezeichnung  ist  insofern  gerecht- 
fertigt)  als  jede  Klage  zur  Yenrehmung  fUiren  konnte. 


—     150    — 

dies  schliesst  aber  nicht  aus.  dass  ans  diesen  Rechtsgeschäften, 
namentlich  dem  letzteren,  ein  Rechtsstreit  sich  entspinnen 
konnte.  Auch  stimmt  zu  dieser  Annahme  recht  gut,  dass  der 
Process  vor  dem  Hofgericht  zu  Neustadt  verhandelt  wurde. 
Wesshalb  die  Klage  beim  Yehmgericht  auch  gegen  den  ganzen 
Markt  Ausee,  gegen  Hanns  Ungnad,  den  Landeshauptmann 
und  P.  Rintscheid  gerichtet  wurde,  lässt  sich  nicht  mit  Be- 
stunmtheit  beantworten,  aber  sehr  leicht  mit  jener  Annahme  ver- 
einigen. Möglich  wäre  auch,  dass  RännÜ,  nachdem  er  —  wie 
Urkunde  I  bestätigt  —  seine  Klage  vor  dem  königlichen  Ge- 
richte gewonnen  hatte,  das  Marktgericht,  bez.  die  Marktge- 
meinde und  weiter  den  Landeshauptmann  und  den  Kammer- 
meister, in  dessen  Bereich  das  1.  f.  Salinenwesen  zweifellos 
gehörte,  um  Urtheilsvollstreckung  vergeblich  aufgefordert  hatte- 
Uebrigens  genügte  oft  ein  sehr  unbedeutender  Anlass,  um  vor 
das  Yehmgericht  geladen  zu  werden,  und  verfuhr  dieses  hiebei  oft 
sehr  leichtsinnig,  wie  es  auch  in  unserem  Falle  die  gesetzliche 
Form  der  Ladungen  ganzer  Gemeinden  nicht  befolgt  hat 

RännÜ  hat  seine  Klage  —  ob  selbst  oder  durch  einen 
Bevollmächtigten  wissen  wir  leider  nicht  —  vor  Wilhelm  von 
der  Zttnger,  Freigraf  in  der  freien  krummen  Grafschaft  zu 
Wickede,  eingebracht  Eine  Freigrafschaft  oder  einen  Freistuhl 
zuWickede  habe  ich  in  den  bezüglichen  Schriften  von  Kindlinger, 
Kopp,  Berck,  Wigand,  Tross,  üsener,  Yoigt,  Seibertz  u.  Tobien 
vergeblich  gesucht  Das  in  Senckenberg^s  Coi^pus  iuris 
germ.  L  pars  2,  pag.  83  —  132  abgedruckte,  vielleicht  um  die 
Mitte  des  XY.  Jahrhunderts  angelegte  Rechtsbuch  enthält  in 
seinem  unrichtig  für  die  Amsberger  Reformation  gehaltenen 
Theile  (1.  c.  pag.  96)  nachstehende  auch  von  Kopp,  üb.  d. 
Verfassg.  der  heiml.  Ger.  in  W.  S.  123  und  von  Berck, 
Gesch.  der  westf.  Ger.  L  195  mitgetheilte  Stelle:  „So  hat  der 
herzog  von  Qeuen  das  gericht  in  der  Marck  vnd  in  der  herr- 
schaft  Willestan.  —  So  hat  der  von  Wickede  in  der  Marck 
vnder  dem  herzogen  von  Cleuen  acht  stuel  in  der  freyn  grum- 
men  graufschaft".  —  In  einer  Urkunde  v.  J.  1442  ^)  erscheint 

')  Voigt,  a.  a.  0.  Urk.  HI* .  S.  190. 


—     151     — 

ein  Dieterich  von  Wickede  als  Mitstuhlherr  des  Freistuhls  zu " 
Brttninghausen  in  der  freien  krununen  Grafschaft  und  war  noch 
im  J.  1452  im  Besitze  dieses  Freistuhls  (Datt,  de  pace  publ. 
772).  Da  W.  V.  d.  Zünger  in  seinen  Briefen  den  Herzog  von 
Cleve  imd  Junker  von  der  Mark  seine  Herren  nennt,  so  dürfte 
der  Freistuhl  zu  Wickede  vielleicht  einer  von  den  achten  in 
der  mitgetheilten  Stelle  sein.  Derzeit  fehlen  mir  die  zur  Lö- 
sung dieser  Frage,  welche  übrigens  bezüglich  unseres  Gegen- 
standes ohne  Bedeutung  ist,  erforderUchen  Hilfsmittel. 

Genaueres  vermag  ich  über  W  i  1  h  elm  v.  d.  Zünger  nach- 
zuweisen. Ein  Freigraf  dieses  Namens  kommt  ziemlich  oft  in  den 
von  Usener  a.  a.0.  mitgetheilten  Urkunden  vor,  z.  B.  ürk. 
51,  54,  55,  56,  69,  81  und  82  und  zweifellos  ist  er  identisch 
mit  dem  Aussteller  der  Urkunden  I  u.  H.  Usener  sagt  zwar 
(S.  302  AnnL),  derselbe  sei  um  die  Mitte  des  J.  1459  ge- 
storben. Diese  Angabe  ist  aber  gewiss  unrichtig  und  beruht 
auf  Missverständniss  einer  Urkunde  (a.  a.  0.  Urk.  69)  und 
auf  Uebersehen  des  Umstandes,  dass  dieser  Freigraf  noch  in 
andern  von  Usener  selbst  a.  a.  0.  veröffentlichten  Urkunden 
aus  späterer  Zeit  vorkonunt  (Urk.  81,  82).  Er  war  Freigraf  zu 
Dortmund,  auf  dem  berühmtesten  aller  Freistühle,  und  zu 
VoUmarstem  1453,  zu  Waltorp  1456,  1458,  1459,  im  letzten 
Jahre  und  1460  auf  dem  gleichfalls  berühmten  Freistuhl  zu 
Vilgist  (Velgenstein)  und,  laut  unseren  Urkunden  I  u.  ü.,  zu 
Wickede.  Er  scheint  ein  sehr  rühriger  und  evocationsbegieriger 
Freigraf  gewesen  zu  seiu,  der  dem  Kaiser  mancherlei  Aerger- 
niss  bereitet  hat  und  wie  andere  seiner  Amtsgenossen,  unge- 
achtet immer  wiederholter  Versicherungen  seiner  demüthigen 
und  dienstwilligen  Gesinnungen,  doch  keinen  Anstand  nahm, 
gestützt  auf  wirkhche  und  vorgebliche  Rechte  und  Verpflich- 
tungen der  Freigrafen,  den  kaiserlichen  Geboten  den  Gehor- 
sam zu  verweigern,  ja  selbst  des  Kaisers  oberste  Gerichtsbar- 
keit über  sich  und  andere  Freigrafen  nicht  anzuerkennen.  Bei 
Usener  S.  89  findet  sich  ein  Bericht  eines  Boten  der  Stadt 
Frankfurt,  der  dem  W.  v.  d.  Zünger,  Freigraf  zu  Velgenstein, 
am  7.  Dezember  1459  in  seinem  Hause  zu  Schwerte  eine 


—     152     — 

Appellation  der  Stadt  überreichte,  von  ihm  aber  sehr  barsch 
abgefertigt  wurde.  Gegen  Ende  des  J.  1460  wohnte  er  mit 
einer  Tochter  auf  seiner  ländlichen  Besitzung  im  Dorf  Hürde 
bei  Dortmund  (a.  a.  0.  Urk.  81.  S.  250). 

Es  war  nichts  Seltenes,  dass  vehmgerichtliche  Verhand- 
lungen vor  mehreren  %  manchmal  selbst  vor  vielen  Freigrafen 
stattfanden,  so  dass  es  nicht  aufiFällig  ist,  dem  W.  v.  d.  Zün- 
ger noch  einen  andern  Freigrafen,  den  Hermann  von  dem 
Korne,  beigesellt  zu  sehen.  Ueber  diesen  aber  vermag  ich 
keine  nähere  Auskunft  zu  geben.  In  dem  Verzeichniss  der 
Freigrafen  bei  Usener  a.  a.  0.  S.  293  wird  ein  Hermann  von 
d.  Borne  als  Freigraf  zu  Brüninghausen  in  der  freien  krum- 
men Grafschaft  in  den  J.  1460  und  1461  angefahrt  Ob  dieser 
mit  H.  V.  d.  Korne  identisch  und  der  letztere  Name  in  unsem 
Urkunden  unrichtig  geschrieben  sei,  muss  ich  vorläufig  dahin 
gestellt  sein  bissen. 

Der  Verlauf  der  Verhandlung  vor  diesen  beiden 
Freigrafen  war  kurz  zusammengefasst  folgender :  Etwa  um  die 
Mitte  des  April  1459  wurde  die  Klage  erhoben  imd  erfolgte 
die  Vorladung  auf  den  31.  Mai;  sodann  über  kaiserliches  Ein- 
schreiten Fristerstreckung  auf  den  30.  Juli;  an  diesem  Tage 
VerurtheUung  der  Beklagten  in  contumaciam  und  Anordnung  eines 
weiteren  Tages  zur  Urtheüserfüllung  auf  den  3.  September 
unter  Androhung  der  letzten  schweren  Sentenz ;  weiters  wieder 
in  Folge  kaiserlicher  Zuschrift  neuerliche  Fristerstreckung  auf 
den  15.  Oktober,  dann  Aufschub  der  letzten  Sentenz  auf  den 
22.  Jänner  1460,  eine  weitere  Erstreckung  vermuthlich  auf 
den  21.  April,  endlich  noch  auf  den  29.  Juli.  Ueber  den  wei- 
teren Verlauf  fehlen  die  Nachrichten.  Also  weit  über  ein  Jahr 
war  die  Sache  anhängig,  ohne  zum  Abschluss  gelangt  zu  sein, 
und  inzwischen  war  ein  Contumazuitheil  gefällt  worden,  welches 
den  Beklagten  die  Leistung  von  Bussen  und  Brüchten  und  des 


^  S.  z.  6.  üsener,  a.  a.  0.  ürk.  21,22,  61,65  u.  v.  a.  —  Tbiersch, 
Yervehmung,  ürk.  1.  —  S.  auch  Berck,  Gesch.  d.  westfUL  Femger. 
IL  283. 


—     153     -*- 

gewonnenen  klägerischen  Rechts  auferlegte,  aber  nichts  von  Ver- 
vehmung  enthält  —  Ein  solches  Verfahren  entspricht  sehr  wenig 
der  Vorstellung  über  die  vehmgerichüiche  Wirksamkeit,  welche 
man  sich  nach  den  am  meisten  verbreiteten  und  gelesenen  Darstel- 
lungen derselben,  z.  B.  in  den  neuesten  Lehrbüchern  der  deutschen 
Rechtsgeschichte,  in  den  allgemeinen  oder  rechtswissenschaft- 
lichen Encyklopädien  und  Wörterbüchern,  in  der  deutschen  Cultur- 
geschichte  von  Joh.  Scherr  u.  a.,  in  Darstellungen  der  allge- 
meinen und  der  deutschen  Geschichte  gebildet  hat  Denn  nach 
diesen  Schilderungen  konunt  man  zu  der  Vorstellung,  dass  die 
Vehmgerichte  sehr  kurzen  Process  gemacht  hatten,  indem  sie 
den  vom  gesetzten  Rechtstag  ungehorsam  ausgebliebenen  Be- 
klagten sofort  vervehmten  und  aufhängen  liessen.  Die  meisten 
der  oben  angedeuteten  Schriften  beruhen  auf  der  vor  allen 
älteren  Schriften  über  die  Vehmgerichte  ausgezeichneten  Ab- 
handlung über  dieselben  von  C.  G.  v.  Wächter  (Beitr.  z.  d. 
Geschichte) ;  aber  auch  nach  dieser  konnte  man  kaum  anderer 
Meinung  werden,  als:  der  gewönliche  Process  bei  denVehmge- 
richten  wäre  gewesen ,  dass  Unwissende  nur  einmal  oder 
höchstens  zwei-  oder  dreimal  zu  sechs  Wochen  citirt  wurden, 
dass  sie  regelmässig  nicht  erschienen,  weil  sie  fast  sicher 
ihre  Ueberweisung  durch  den  wissenden  Kläger  zu  erwarten 
hatten,  dass  sie  sodann  in  contumaciam  verurtheilt  wurden, 
dass  dieses  Urtheil  stets  in  der  Vervehmung  bestand  und 
durch  die  hiezu  eidlich  verpflichteten  Vehmschöflfen  früher 
oder  später  durch  Aufknüpfen  des  Vervehmten  auf  den  nächst- 
besten Baum  vollstreckt  wurde. 

Obwohl  jeder  dieser  Sätze  in  den  Gesetzen  und  anderen 
Normen  der  Vehmgerichte  begründet  ist,  geben  alle  zusammen 
doch  nur  eine  unrichtige,  mangelhafte,  nicht  erschöpfende  Vor- 
stellung von  dem  Verfahren  und  der  thatsächlichen  Wirksam- 
keit dieser  Gerichte  wenigstens  während  des  grössten  Theiles  des 
XV.  Jahrhunderts  und  in  der  späteren  Zeit  Zweifellos  befolgten 
die  Vehmgerichte  auch  noch  in  dieser  Zeit  die  oben  ange- 
deuteten Prindpien  des  Verfahrens;  aber  diese  Grundsätze 
galten  meist  nur  für  das  Verfahren  im  heimlichen  Gerichte 


—     1 54     — 

welchem  jedoch  gegen  Nichtschöffen  mehr  oder  weniger  umfassende 
Vorverhandlungen  vorhergingen,  die  häufig  zur  gänzlichen  Befle- 
gung  der  anhängigen  Streitigkeiten  oder  Beschwerden  führten^  so 
dass  es  zum  Verfahren  im  heimlichen  Gerichte  gar  nicht  kam. 
Klagen  über  streitige  Civilrechte  gegen  Solche,  deren 
ordentliche  Richter  sie  nicht  waren,  gehörten  nicht  vor  die 
Vehmgerichte ;  jedoch  war  allgemein  anerkannt,  selbst  von 
den  Bündnissen  der  Landesherren  und  Städte  gegen  diese  Gre- 
richte,  dass  man  diejenigen,  welche  kundlich  meineidig,  ehrlos 
und  treulos  handelten  oder  welche  zu  Ehren  nicht  antwoiten 
wollten  an  den  Stätten,  wo  sich  das  gebührte,  vor  das  Vehm- 
gericht  fordern  darf.  In  Folge  einer  sehr  weiten  Auslegung 
dieser  in  die  Amsberger  Reformation  aufgenommenen  Grund- 
sätze und  in  Folge  der  Schwäche  und  sonstigen  Mängel  der 
königlichen  und  landesherrlichen  Gerichte  wurden  unzählige 
Klagen  vor  die  Vehmgerichte  gebracht,  deren  eigentlicher  Ge- 
genstand civilrechtliche  Ansprüche  waren,  oder  welche  wenigstens 
mittelbar  auf  Geltendmachung  vermögensrechtlicher  Interessen 
gerichtet  waren,  wie  dies  ja  selbst  bei  den  meisten  Klagen 
wegen  schweren  Verbrechen  der  Fall  war.  Ich  halte  es  für 
sehr  wahrscheinlich,  dass  die  Erledigung  solcher  Klagen  im 
XV.  Jahrhundert  die  Thätigkeit  der  Vehmgerichte  mehr  in 
Anspruch  nahm,  als  die  zunächst  vor  dieselben  gehörigen 
Vehmwrogen.  In  solchen  Fällen  musste  häufig,  besonders  bei 
geringfügigen  Rechtsansprüchen,  sowie  wenn  nicht  aus  Verschul- 
den des  Beklagten  die  Erledigung  des  Rechtsstreites  vor  dem 
ordentlichen  Gerichte  nicht  möglich  war,  höchst  grausam  er- 
scheinen, rücksichtslos  sofort  gegen  die  ausgebliebenen  Be- 
klagten die  Vervehmung  auszusprechen  und  die  Vollstreckung 
der  Todesstrafe  zu  gebieten.  Auch  wäre  demjenigen,  der  sich 
an  das  Vehmgericht  gewendet  hatte,  weil  ihm  die  Herausgabe 
streitiger  Güter  oder  die  Erfüllung  einer  versprochenen  oder 
anderen  schuldigen  Leistung  u.  dgl.  verweigert  worden  war, 
mit  der  sofortigen  Vervehmung  und  Hinrichtung  des  Gegners 
wenig  genützt  worden.  Ueberdies  war  die  Vollstreckung  der 
Acht  ausserhalb  Westfalen  in  Gegenden,  wo  es  keine  oder  nur 


~     155     — 

wenige  Vehmschöffen  gab,  eine  oft  sehr  schwierige  Sache  und 
bot  ein  weniger  rasches  Verfahren  den  Vehmrichtem  wohl 
auch  grössere  Vorthefle.  Auch  befolgten  der  Kaiser  und  seine 
Gerichte  mildere  Grundsätze.  Aus  diesen  und  vielleicht  noch 
andern  Gründen  verzögerten  die  Vehmgerichte  in  solchen  Fällen 
die  letzte  Sentenz  so  gut  es  gieng  und  suchten  dem  Kläger 
in  anderer  Weise  zu  seinem  Rechte  zu  verhelfen. 

So  gebot  mitunter  in  Fällen,  wo  vor  den  ordentlichen 
Gerichten  kern  Recht  zu  erlaAgen  war,  das  angerufene  Vehm- 
gericht  jenen  bei  Strafe,  den  Klägern  zu  ihrem  Recht  zu  ver- 
helfen, vorläufig  streitige  Sachen  zu  arrestiren  u.  dgL  So  wurde 
gewönhch  schon  in  der  ersten  Ladung  der  Beklagte  aufge- 
fordert, sich  binnen  einer  bestimmten  Frist  mit  dem  Kläger  zu 
vergleichen  (Us euer  47;  Voigt,  10  u.  oft  noch);  die  Frei- 
grafen bestimmten  mitunter  den  Ort  und  die  Zeit  der  Ver- 
gleichsverhandlung, ja  selbst  die  Personen,  welche  die  Sache 
beilegen  sollten,  und  kamen  manchmal  persönUch  zu  solchen 
Verhandlungen.  Oder  sie  ordneten  Entscheidung  des  Streites 
durch  Schiedsrichter  an,  gegen  deren  Ausspruch  Appellation 
an  den  Kaiser  u.  a.  stattfand.  (Usener,  50  fg.) 

Aber  nicht  blos  eine  solche  den  Streit  vermittelnde 
Thätigkeit  übten  die  Vehmgerichte.  War  der  (unwissende)  Be- 
klagte ohne  Rechtfertigung  bei  der  Vergleichsverhandlung  oder 
bei  dem  ersten  Rechtstag  vor  dem  Vehmgerichte  nicht  erschie- 
nen, so  begnügte  sich  dieses  nicht  damit,  den  Ausgebliebenen 
in  die  gewöhnliche  Busse  von  sechzig  (oder  Sechsundsechzig) 
Schilling  alter  Königstumosen  ')  zu  verfallen  und  etwa  dem- 
selben einen  zweiten  und  dritten  Termin  unter  Androhung  der 
letzten  schweren  Sentenz  zu  gewähren,  sondern  es  Uess  sich 
am  ersten  oder  an  einem  der  späteren  Termine,  manchmal 
auch  schon  vor  der  Ladung  in  eine  Verhandlung  über  die  An- 

*)  S.  Zur  Werthbestimmung  der  Tnrnosen  (r.  J.  1407)  im  Anzeiger  för 
Kunde  d.  d.  Vorzeit,  VII.  447.  Damach  wären  zwölf  alte  grosse 
TumoB  gleichwerthig  einem  Franc ;  zwölf  kleine  T.  gleich  einem  Schil- 
ling, zwanzig  Schilling  gleich  einem  Pfund  oder  einem  Franc.  —  In 
dem  Rechtsbuche  bei  Senckenberg  wird  ein  Königstumos  gleich 
anderthalb  rheinischen  Gulden  gerechnet 


-       156     -. 

Sprüche  des  Klägers,  namentlich  über  den  erlittenen  Schaden,  die 
Kosten  u.  s.  w.  ein,  erkannte  demselben  (nach  gejftthrtem  Beweise) 
sein  Recht  zu  und  gebot  dem  beharrlich  ausgebliebenen  verurtheil- 
ten  Beklagten,  dem  Gerichte  und  dem  Kläger  zu  leisten,  was 
er  von  Ehre  und  Rechtswegen  zu  leisten  schuldig  ist  und 
dieser  auf  ihn  gewonnen  hat ;  geschähe  dieses  nicht,  so  müsste 
auf  weiteres  Begehren  des  Klägers  die  letzte  schwere  Sentenz 
und  Vollgericht  gegeben  werden;  gewöhnlich  fllgte  der  Frei- 
graf  hinzu,  dass  ihm  dies  sicherlich  leid  wäre  und  er  es  gern 
verhütet  sehen  möchte.  Ferners  wurde  in  dem  ürtheilsbriefe, 
den  der  Kläger  erhielt,  diesem  und  seinem  Prokurator  die  Be- 
fugniss  ertheilt,  des  Beklagten  Leib  und  Gut,  wie  immer  sie 
dazu  kommen  mögen,  im  Holz  oder  im  Felde,  auf  dem  Wasser 
oder  Lande,  in  Märkten,  auf  Strassen,  in  Städten  und  Dörfern, 
mit  geistlichem  oder  weltlichem  Gericht  oder  auch  ohne  Gericht 
zu  ergreifen  und  zu  bekümmern  und  zu  besetzen  (arrestitren), 
so  lange,  bis  sie  vom  Gegner  volle  Befriedigung  erhalten  hätten. 
Niemand  sollte  mit  diesem  eine  Gemeinschaft  haben,  denselben 
hausen,  schützen,  geleiten.  Häufig  trugen  überdies  die  Vehm- 
richter  den  Obrigkeiten  des  Verurtheilten  oder  allgemein  allen 
Herren,  Fürsten,  Rittern  und  Knechten,  Amtleuten,  Schultheis- 
sen,  Bürgermeistern,  Schöffen  imd  Bütteln  auf,  den  Siegern 
bei  der  Anestirung  der  Verurtheilten  und  ihrer  Güter  zu 
helfen ;  oder  sie  richteten  direct  an  sie  den  Auftrag,  die  Contu- 
mazialstrafen  einzutreiben  und  die  Arrestirung  selbst  vorzu- 
nehmen und  luden  sie  zur  Verantwortung  vor  sich,  falls  sie 
diesen  Aufträgen  nicht  nachkämen.  Erst  wenn  alles  die 
nicht  zur  Befriedigung  der  Kläger  führte,  kam  es  auf  weitere 
Begehren  dieser  zur  Vervehmung  im  heimlichen  Gerichte,  die 
übrigens  häufig  auch  noch  in  diesem  Stadium  durch  Gewäh- 
rung einer  s.  g.  Königstagesfrist  u.  a.  verzögert  wurde. 

So  war  das  Verfahren  der  Vehmgerichte  in  den  bezeichneten 
Fällen  in  seinen  Hauptzügen  während  der  zweiten  Hälfte  des  XV. 
Jahrhunderts,  und  später  (vermuthüch  auch  früher)  beschaffen  '). 

1)  Bei  der  WillkOrlichkeit,   welche    sich  die  Freigrafen  in  allen  Be- 
ziehungen erlaubten,   fehlt  es  nicht  an  mannigfiachen  Abweichongen 


^     1 57      - 

Belege  fllr  die  Richtigkeit  der  obigen  Darstellung  der 
Grundzllge  des  Verfahrens  der  Vehmgerichte  bieten  weniger 
die  eigentlichen  Rechtsquellen  derselben,  als  die  vehmgericht- 
liehen  Urkunden.  Ich  verweise  im  Allgemeinen  namenüich  auf 
die  Urkunden  und  urkundlich  begründeten  Mittheilungen  über 
vehmgerichtliche  Processe  in  den  obengenannten  Schriften  von 
U  s  e  n  e  r  und  Voigt  und  insbesondere,  anstatt  auf  viele,  nur 
auf  Usener  S.  69  u.  Urk.  66,  46  u.  58,  und  Voigt  S.  103 
bis  109.  Drei  FäUe  sind  es,  welche  da  mitgetheilt  sind,  zu- 
Migerweise  alle  drei  Erbrechtsstreitigkeiten.  Im  ersten  Falle 
V.  J.  1469  wurde  der  ausgebüebene  Beklagte  in  Busse  und 
Brüchte  von  66  Schilling  alter  Eönigstumose  verfällt  und  hatte 
der  Kläger  „sin  sache  bewiset,  beweret,  hirwonnen,  erstanden, 
zugebroicht  vnd  vff  den  gen.  H.  Henne  (einen  Frankfurter)  mit 
orteyl  vnd  recht  von  heubtsache,  kosten,  tzerung,  hinder  vnd 
schaden,  biss  vff  datum  diss  brieffes  geUdden,  sinen  behalt 
gethan,  nach  fryenstuls  recht,  so  gut  vnd  hoich  als  anderhalb 
hundert  Rinscher  gülden".  Demnach  gebietet  der  Freigraf 
dem  Rathe  zu  Frankfurt,  dem  Kläger  zu  seinen  Sachen  zu 
verhelfen  und  desshalb  die  beweglichen  und  unbewegUchen 
Güter  des  Beklagten  festzuhalten  u.  s.  w.  —  In  dem  zweiten 
Falle  V.  J.  1455  (Usener,  S.  60  u.  UrL  58)  gebot  der  Frei- 
graf Mangolt  zu  Freienhagen  nach  vorgängiger  Untersuchung 
der  klägerischen  Behauptungen,  den  Frankfurtern  Arrestirung 
gewisser  streitiger  Güter  und  Gewährung  des  den  Klägern 
schuldigen  Rechtes.  Da  die  Frankfurter  dieses  Gebot  nicht  be- 
achteten, so  wurden  sie  —  ausser  in  die  übhche  Gerichts- 
busse —  verurtheilt,  dass  sie  den  Kläger  „den  rechten  suUen 
Widder  habende  machen  der  obgerürte  guter  (nämlich  der  strei- 
tigen Erbgüter)  vnd  korung  thun  der  benanten  drier  dusend 
gülden  (d.  i.  der  vom  Kläger  angesprochene  Ersatz  für  erlit- 

ihres  Verfahrens ;  es  war  aber  auf  diese  einzugehen  an  diesem  Orte 
ebensowenig  möglich^  wie  alle  Einzelheiten  des  geschilderten  Ver- 
fahrens genauer  zu  erörtern.  Nur  auf  die  vielfache  Uebereinstim- 
mung  sowohl  der  Vermittlungsversuche,  als  des  ger.  Verfahrens  der 
Vehmgerichte  mit  dem  der  kaiserl.  Gerichte  soll  schon  hier  hinge- 
wiesen werden. 


—     158    — 

tenen  Schaden,  Kosten  u.  s.  w.),  vnd  mag  en  die  abe  herma- 
nen  vor  mir  demselben  gericht  oder  andern  gerichten"  u.  s.w- 
Das  vom  Kläger  hierauf  begehrte  Vollgericht  wurde  verscho- 
ben und  die  Frankfurter  ermahnt,   dem  Gerichte  die  Busse 
u.  s.  w.  abzutragen  und  dem  Kläger  „willen  zu  machen  vmb 
sine  erwisten  vnd  erwunnen  sache  der   drier  dusent  gülden 
vnd  der  sache  oberort",  widrigens   das  Gericht  über  sie  er- 
gehen würde.  Und  als  die  Frankfurter  auch  dieser  Ermahnung 
kerne  Folge  leisteten,   und  die  höchste  Acht  gesprochen  wer- 
den sollte,   bat  der  Freigraf  um  Mässigung  dieser  Acht  und 
wurde   sodann   fllr  recht  gewiesen:    da  die  Frankfurter  dem 
Kläger  zu  keinem  Recht  verhelfen  und  zu  Ehren  nicht  ant- 
worten wollen  an  den  gebührlichen  Stätten,  so  möge  der  Klä- 
ger oder  Procurator  und  Beweiser  der  Sache  der  von  Frank- 
furt Leib  und  Gut  aufhalten,  bekümmern  und  besetzen,  bis 
die  Frankfurter  dem  Kläger  in  seiner  erwiesenen  und  gewon- 
nenen Sache  und  dem  Gerichte  Genüge   gethan  haben,  wozu 
ihm  alle  Herren  und  Fürsten  u.  s.  w.  behilflich  sein  sollen. 
Demnach  gebietet  der  Freigraf  bei   einer  Strafe  von  fünfzig 
Goldgulden  allen  Herren,  Fürsten,  Bischöfen,  Herzogen  u.  s.  w. 
auf    des  Klägers  Begehren  die  Arrestirung    der  Frankfurter 
und  ihrer  Güter  vorzunehmen.        In  dem  bei  V  o  i  g  t  a.  a.  0. 
mitgetheilten  Falle  klagte  ein  Bürger  aus  Essen  gegen  mehrere 
Danziger  vor   dem  Freistuhle  zu  Horeide,    weil  er  im  Wege 
langer  Unterhandlungen  die  Herausgabe  gewisser  Nachlassgüter 
von  den  Beklagten  nicht  erwirken  konnte.    Hierüber  bat  der 
Freigraf  den  Hochmeister  des  deutschen  Ordens  in  Preussen, 
die  Danziger  zur  Herausgabe   des  Nachlasses  anzuhalten,  wie 
sie  vor  Gott  und  Rechtswegen  schuldig  sind  und  gleichzeitig 
erliess   er   an  die  Beklagten  den  Befehl,    dem   Kläger   den 
Nachlass  binnen  Monatsfrist  herauszugeben,  wie  sie  dies  billig 
und  von  Rechtswegen  nach  ergangenen  Sachen  schuldig  sind, 
widrigenfalls  aber  vor  ihm  an  einem  bestimmten  Tage  zu  er- 
scheinen u.  8.  w.,  er  sähe  das  schwere  Gericht  lieber  verhütet 
Ungeachtet  der  Hochmeister  sich  zur  Beilegung  der  Sache  er- 
bot und  auch  mehrere  Ausgleichsversuche  stattfanden,  zog  der 


—     169     — 

•  Kläger  doch  unbefriedigt  aus  Preussen,  brachte  die  Angelegen- 
heit wieder  vor  den  genannten  Freistuhl  und  erlangte  nun 
hier  em  ürtheil,  womach  der  deutsche  Orden  dem  Kläger  ver- 
fallen war  in  dieselbe  Summe,  die  er  an  die  Beklagten  zu  for- 
dern hatte,  dazu  auch  in  die  Kosten  und  Schaden.  Begründet 
war  dieses  Urtheil  damit,  dass  der  (inzwischen  verstorbene) 
Hochmeister,  als  Herr  des  deutschen  Ordens,  sich  selbst  mit 
Willen  in  das  Gericht  gegeben  und  durch  seinen  Gelobbrief, 
laut  welchem  dem  Kläger  von  seinen  Gegnern  Recht  geschehen 
sollte,  diesen  also  betrogen  habe,  dass  er  des  Rechtes  nicht 
hat  gemessen  können.  Dem  Kläger  ward  durch  das  Urtheil 
weiters  gestattet,  den  deutschen  Orden  und  dessen  üntersassen 
und  Güter  zu  berauben,  und  aufzuhalten  zu  Wasser,  zu  Land 
u.  s.  w.  bis  er  zu  dem  Seinigen  komme.  Der  Hochmeister  aber 
wurde  zu  „einem  rechten  gerichtlichen  Pflichtag"  vor  den 
Freistuhl  geladen,  ob  er  da  etwas  mit  Recht  gegen  dieses  Ur- 
theil zu  sagen  wisse.  Würde  er  sich  hierin  versäumen,  so 
gieng  dann  des  Klägers  gewonnenes  Urtheil  seinen  Gang. 

In  den  hier  mitgetheilten  drei  Fällen  kam  es  vermutlich 
gar  nicht  zur  letzten  schweren  Sentenz  *).  Darum  möge  jetzt 
noch  ein  mehrfach  interessanter  Fall  kurz  erzählt  werden,  in 
welchem  auch  diese  letzte  Sentenz  gefällt  worden  ist*).  Kunz 
Hasse  und  sein  Knecht  Hanns  Fussel  von  Mummersheim  klagten 
vor  dem  Freistuhle  zuMedebach  gegen  Hanns  Ysenkremerzu 
Mainz  wegen  nicht  näher  bezeichneter  Verhandlung  bezüglich 
eines  Schneidmessers  und  desshalb,  weil  Ysenkremer  die  Kläger 
ganze  Bösewichte  gescholten  hatte.  Diese  Scheltworte  wurden 
als  vehmbrüchig  erkannt  und  der  Beklagte  auf  einen  be- 
stimmten Rechtstag  vorgeladen,  an  welchem  die  Kläger  sich 
von  jener  Beschimpfung  reinigen  wollten.  Der  Tag  wurde,  un- 
geachtet der  Abforderung  der  Sache  durch  den  Mainzer  Erz- 
bischof, abgehalten,  der  Beklagte  war  nicht  erschienen,  die 
Kläger  schwuren  sich  von  der  Beschimpfung  los  imd  wurde  zu 
Recht  erkannt,  dass  sie  sich  der  Scheltworte  recht  verantwortet 

')  S.  axich  Datt,  De  pace  publ.  770  fg. 

^  Usener,  a.  a.  0.  Urk.  XVn,  S.  138-U2. 


—     160     — 

und  eoüedigt  haben,  dass  sie  derselben  so  frei  nnd  los  sein 
soDen,  wie  am  Tage  vor  der  Beschimpfung,  dass  sie  desshalb 
Niemand  meiden,  hassen  u.  s.  w.  möge,  sondern  sie  in  Ehren  stehen 
sollen,  wie  dies  frommen  Leuten  gebühre.  Femer  wurde  zu  Recht 
erkannt,  dass  der  Beklagte  ihnen  gegenüber  in  derselben  Stellung 
stehen  sollte,  in  welcher  sie  gestanden  wären,  wenn  man  sie 
schuldig  erfunden  hätte  und  dass  er  ihnen  aUen  zufolge  jener  Be- 
schimpfung erlittenen  und  noch  zu  erleidenden  Schaden  zu  er- 
setzen habe  *).  Da  ein  Ausgleich  der  Parteien  nicht  erfolgte, 
klagten  jene  weiter  und  erlangten  durch  Urtheil,  „dass  sie  mit 
öffentlicher  Yerkündung  undCitation  an  den  Verklagten  ihren 
Behalt  gethan  haben,  nämlich  K  Hasse  auf  eilfhundert  Gulden, 
IL  Süsel  auf  sechzehn  Gulden**,  dass  der  Beklagte  schuldig 
sei,  diesen  Behalt  zu  zahlen  ohne  Einrede  und  sie  desselben 
Leib  und  Gut  bekümmern  mögen  zu  Wasser,  zu  Lande,  zu  Sande, 
u.  8.  w.,  wogegen  ihn  kein  Geleite,  kerne  Freiheit  schützen 
sollte.  Ueber  weiteren  Ungehorsam  des  Verurtheilten  begehrten 
die  Kläger  die  „leste  schwer  diffamation  Sentencie'';  doch 
ward  dem  Beklagten  zur  Warnung  noch  eine  Königstages- 
frist gewährt,  und  ungeachtet  fortdauernder  Rechtsverweigerung 
Seitens  des  Verurtheilten  und  Gefangensetzung  und  Beraubung 
der  Kläger  durch  ihn,  begnügte  sich  der  Freigraf,  wie  es 
scheint,  selbst  nachdem  den  Klägern  die  letzte  schwere  Sen- 
tenz zugesprochen  worden  war,  zunächst  mit  einer  Warnung 
an  die  Mainzer,  mit  dem  verachteten  Ysenkremer  keine  Ge- 
meinschaft zu  pflegen.  Erst  als  auch  dies  nicht  zur  Befriedi- 
gung der  Beklagten  geführt  hatte,  erfolgte  die  Vervehmung, 
wodurch  derselbe  fllr  friedlos,  rechts-  und  geleitslos  erklärt 
und  in  die  Gewalt  der  Kläger  gesetzt  wurde,  mitihmzuhan- 
deln,  als  sich  nach  freien  Stuhles  und  der  heiligen 
heimlichen  Acht  Recht  gebührt.  -  Da  beide  Kläger  echte 
und  rechte  FreischöflFen  waren,  so  ist  wohl  anzunehmen,  dass  sie  die 
erste  gute  Gelegenheit  benützt  haben  werden,  den  Vervehmten  aus 
dem  Leben  zu  schaffen.  Bemerkenswerth  ist,  dass  dennoch  die 


^)  Yergl.  den  von  Wig  and  in  den  Denkwürdigkeiten,  ges.  aus  dem  Archive 
des  Eeichskammergerichts  S.  120  fg.,   ndtgetheilten  Fall  y.  J.  1567« 


—     161     — 

Möglichkeit  einer  Absolution  in  den  letzten  Sätzen  der  Yer- 
vehmungsformel  zugestanden  ist.  DasUrtheil  ist  vom  J.  1523 
und  in  dieser  Zeit  sahen  sich  die  Yehmgerichte  meist  genöthigt, 
bei  ihrem  grausamen  Spiele  mit  dem  Menschenleben  zartere 
Saiten  aufzuziehen. 

Schliesslich  sei  noch  eines  Falles  erwähnt,  der  ziemlich 
derselben  Zeit  angehört,  in  welche  die  Sache  Bänntl*s  fiel  und 
den  Nachweis  liefert,  dass  auch  in  Fällen,  in  welchen  es  sich 
um  schwere  Verbrechen  handelte,  ebenso  verfahren  worden  ist, 
wie  in  den  oben  mitgetheilfeen  Fällen.  Ueberdies  ersehen  wir 
aus  diesem  Falle,  dass  auch  Wilhelm  v.  d.  Zilnger  denselben 
Grundsätzen  des  Verfahrens  gefolgt  sei,  welche  die  Freigrafen 
in  jenen  Fällen  beobachtet  haben  *). 

Ein  gewisser  Wendler  hatte  gegen  Mathias  Tietz  und 
Genossen  vor  dem  Freistuhle  zu  Dortmund  wegen  Mordbrand 
geklagt  Die  Beklagten,  „vor  das  offenbare  Freiding"  geladen, 
waren  zur  Verantwortung  nicht  erschienen.  „Darumb  hat  der 
Prokurator  im  Namen  des  M  Wendler  sin  clage,  hovetgut, 
kost  vnd  schaden  vff  sie  behalden  vnd  gewunnen,  geachtet  vnd 
geromet  so  gut  als  achtzig  overlentische  Rynische  gülden, 
auch  . . .  ordel  vnd  recht  gewunnen  vnd  behalden,  dass  die 
obgen  . .  verclagten  dem  clager  die  obgen  . .  summe  gülden, 
auch  dem  freien  gerichte  die  peen  vnd  bruch  bezalen  . .  sollen, 
bynnen  geborlicher  zeit  . .  vnd  ob  die  verclagten  das  nicht 
täten,  alsdann  mögen  die  clager  ...  die  obgen  .  summa  . . . 
wol  abemanen,  affpfenden  vnd  affwynnen  mit  gerichten,  geist- 
lichen und  weltlichen  ....  vff  sunder  gerichte,  an  iren  liben 
vnd  guden  . . .  Auch  ist  mit  vrteil  vnd  recht  erkant  ...  ob 
die  verclagten  . . .  sich  mit  dem  clager  .  vnd . .  gerichte  nicht 
entscheiden  in  geborlicher  zyt  . . .  dass  ich  ...  als  dann  voll- 
gerichte  vnd  die  leste  swere  sententie  vber  der  verclageden 
lip  vnd  ere  geven  sol  . . ." 

Sämmtliche  hier  mitgetheilten  Fälle,  so  verschieden  ge- 
staltet sie  sonst  sind,  bewähren  unwiderlegbar,    dass  —  ab- 


0  S.  Maller,  ReichstagBtheater  unter  K  Friedrich  Y.  Bd.  I.  S.  495. 
Vgl.  auch  a.  0.  8.  498  fg. 

11 


—     162     — 

gesehen  von  den  übrigen  Vorverhandlungen,  auf  welche  näher 
einzugehen  hier  nicht  möglich  ist  —  vor  der  letzten  schweren 
Sentenz,  der  Vervehmung,  gegen  den  vom  angesetzten  Rechts- 
tag ungehorsam  ausgebliebenen  Beklagten  ein  anderes  Urtheil 
gefült  wurde,  durch  welches  dem  Kläger  seine  Sache,  sein 
Recht  oder  Anspruch,  Hauptgut,  Schaden  und  Kosten  ganz  all- 
gemein und  meist  nach  vorhergegangener  „Würderungs Verhand- 
lung" dem  Werthe  nach  in  einer  bestimmten  Summe,  sowie  dem 
Gerichte  das  Recht  auf  die  vom  Beklagten  verwirkten  Bussen 
und  Brachten  zuerkannt  und  gewöhnlich  dem  Kläger  imd  dessen 
Prokurator  die  Befugniss  ertheilt  wurde,  des  Beklagten  Leib 
und  Gut  anzuhalten,  zu  p&nden,  zu  bekümmern,  bis  er  voll- 
ständig befriedigt  worden  sei  Zugleich  ergieng  gewöhnlich  an 
bestimmte  Personen  und  Obrigkeiten  oder  allgemein  der  Be- 
fehl, den  Kläger  bei  der  Bekummerung  zu  unterstützen  imd 
weiter  das  Verbot,  mit  dem  Verurtheilten  irgend  welche  Ge- 
meinschaft zu  pflegen,  denselben  zu  hausen,  zu  beschirmen, 
zu  geleiten  u.  s.  w.,  nachdem  nicht  selten  schon  früher  der 
Gemeinde,  welcher  der  Beklagte  angehörte,  geboten  worden, 
jede  Gememschaft  mit  demselben  abzubrechen,  ihn  auszu- 
weisen u.  dgl. 

Demnach  ist  der  durch  ein  solches  vorläufiges  Contumazur- 
theüVerurth  eilte  bereits  ein  friedloser  geächteter  Mann  und 
wird  auch  als  ein  solcher  in  den  Achterklänmgen  ausdrücklich 
bezeichnet,  z.  B.  bei  Usener  ürk.  64.  In  der  That  sind  die 
oft  in  Emzelheiten  sehr  abweichenden  Achtformeln  dieser 
Urtheile  mitunter  denen  der  eigentlichen  Vervehmung  so  ähnlich, 
dass  es  zweifelhaft  wird,  ob  es  sich  um  diese  oder  jene  Art 
der  Acht  handle.  Dennoch  unterscheiden  sie  sich  wesentlich 
von  einander.  In  den  Fällen  der  ersten  Art  erlangt  der  Kläger 
Gewalt  über  des  Beklagten  Leib  und  Gut  nur  so  weit,  als 
diess  nöthig  ist,  um  sich  imd  dem  Gerichte  Befriedigung  ihrer 
vermögensrechtlichen  Ansprüche  zu  verschaffen,  beziehungs- 
weise den  Beklagten  dazu  zu  zwingen.  Durch  die  Verveh- 
mung wird  der  Geächtete  vogelfrei,  recht-  und  friedlos  gegen 
Jedermann,  nach  Vehmgerichtsrecht  gleich  emem,  der  beip^its 


—     163     — 

zum  Tode  verurtheilt  wurde.  Die  Vervehmung  ist  —  kurz 
gesagt  —  gleich  der  Reichsoberacht,  jedoch  in  ihren  Wir- 
kungen erhöht  durch  die  Pflicht  der  Vehmschöffen,  den  Ver- 
vehmten  hinzurichten;  die  gewöhnlich  vorhergehende  Aech- 
tung  des  ungehorsamen  Beklagten  dagegen  gleicht  der  Reichs- 
acht, bei  welcher  ja  auch,  neben  den  sonstigen  Wkkungen 
und  Folgen  der  Verfestung,  die  Verhaftung  des  Aechters  und 
Bekummerung  seines  Vermögens  stattfindet ').  Von  dieser  Folge 
der  Achtsentenz,  der  Bekummerung,  Beschlagnahme  des  Aech- 
ters und  seines  Gutes,  nahm  man  die  Veranlassung,  diese 
Sentenz  „Kummersentencia"  zu  nennen*),  und  weil  sie 
der  letzten  schweren  Sentenz  vorangieng,  nannte  man  sie  auch 
die  erste  Sentenz.  Es  bezeugt  dieses  eine  bisher,  wie  es 
scheint,  ganz  unbeachtet  gebliebene  Stelle  des  bei  S  e  n  c  k  e  n- 
berg  a.  a.  0.  abgedruckten  Rechtsbuches,  welche  überdies 
ein  trefflicher  Beleg  für  unsere  obigen  Ausführungen  und  na- 
mentlich dafür  ist,  dass  unsere,  den  Urkunden  der  Vehm- 
richter  entnommene  Unterscheidung  zwischen  der  ersten  und 
letzten  Sentenz,  oder  zwischen  Acht  und  Vervehmung  vollkommen 
richtig  und  auch  in  den  Rechtssatzungen  der  Vehmgerichte  begrün- 
det ist.  Der  Artikel  2  9  dieses  Rechtsbuches  (a.  a.  0.  L  p.  2.  pag,  109) 
hat  folgende  Ueberschrift:  Von  denen  die  vmb  kosten 
und  schaden  verfiert  erfordert  vnd  verwonnen 
werden,  wie  sie  niendert  glait  noch  kainer  sicher- 
hait  nit  haben  sollen,  und  bestimmt  im  Wesentlichen: 
„Wann ainer vmb  costen  ..  erfordert ..  wirt,  das  ist  der  erst 
sententzvnd  istsohoch,  als  in  andren  weltlichen 
gerichten  die  acht ....  vnd  man  doch  keinem  am  leben 
darumb  nichtes  tun  sol,  der  nit  höher,  dann  vmb  costen  vnd 
schaden  erlangt  vnd  erfordert  ist,  sondern  man  sol  in  niendert 
gelaittn,  fryn  noch  friden"  . . .  Der  folgende  Artikel  handelt 
aber:    „Von    denen,    die    verfiert  vnd    verfaymet 


^)  S.  die  vortreffliche  Erörtening  bei  Franklin,  das  Reichshofgericht, 

n.  320  u.  fg. 
*)  S.  üsener  a.  a.  0.  217  u.  a.  —  Gaupp.    Von  Fehmger.  81.  89. 

—  Kopp,  üb.  Yerfassg.  d.  heiml.  Ger.  426  fg. 

11* 


—     164     — 

werden  .  .  .  letzte  swere  sentenz."  —  Auf  das 
zweierlei  Verfahren  und  Urtheil  weist  auch  Art  37  hin,  in 
der  Ueberschrift :  „Wie  kein  Freischöffe  niemandes  wamung 
tun  sol,  der  mit  recht  erlangt  ist,  es  sei  vmb  costen  vnd 
schaden  oder  ganntz  verfiert**  Das  s.g.  Osnabrllcker 
Rechtsbuch  (bei  Mascov,  Notitia  iuris  et  iudiciorum  Brunsvic 
Anhang  S.  47  fg.  u.  beiTross  Sammlung  merkw.  Urkunden, 
S.  28  fg.)  unterscheidet  (Tross,  S.  53)  „brochliche  und  pein- 
liche" Klagen,  d.  h.  wohl  solche,  welche  auf  Verurtheilung  zu 
ßrüchte  und  Busse  oder  zu  peinlichen  Strafen  gehen,  und  be- 
schreibt (Tross,  S.  31)  das  Verfahren,  womit  Jemand  sein 
Hauptgut,  Kosten  und  Schaden  gegen  den  Beklagten  fordert  und 
bewährt  *).  Einer  besonderen  Sentenz  hierüber,  die  aber  nicht 
zu  bezweifeln  ist,  wird  nicht  gedacht,  jedoch  weiter  bestinunt, 
dass  man  einen  solchen  beklagten  und  verfolgten  Mann,  falls 
er  die  Klage  und  „Verfolgniss**  nicht  achten  wollte  und  gegen 
selbe  frevelhaft  Widerstand  leisten  zu  können  meinte,  mit 
rechtem  Urtheile  aus  dem  offenen  Freigericht  in  die  heimliche 
beschlossene  Acht  ziehen  und  daselbst  über  ihn,  wie  über  einen 
Verschmäher  und  Frevler  des  Rechtes  nach  Satzung  der  heim- 
lichen Acht  richten  möge.  In  den  weiteren  Bestimmungen  wird 
der  „letzten  schweren  Sentenz"  öfter  erwähnt  und  so  also 
auch  durch  dieses  Rechtsbuch  die  Unterscheidung  zweifachen 
Verfahrens  und  zweifacher  Sentenz  einigermassen  bezeugt.  Ob 
die  erste  Sentenz,   welche  wir  auch  nach  diesem,  wahrschein- 


<)  Wigand,  das  Femgericht  Westfalen's,  S.  442  N.,  47.  —  Auch 
diesem  Schriftsteller,  obwohl  er  der  richtigen  Erkenntniss  öfter  sehr 
nahe  stand,  entgieng,  dass  die  Yehmgerichte  zwei  Achtsentenzen 
f&llten  und  diese  im  WesentUchen  im  Verhältnisse  wie  Reichsacht 
und  Oberacht  zu  einander  standen.  S.  seine  übrigens  sehr  unklare 
Darstellung  des  Contumatialverfahrens  a.  a.  0.  419  fg.  Ebenso  kennt 
H.  Meyer,  Strafverfahren  gegen  Abwesende,  S.  88,  auf  Grund  der 
Darstellungen  von  Wigand  und  Wächter,  nur  eine  Acht  im  Sinne  der 
Beichsoberacht.  Eichhorn's  richtige  Vermuthung  einer  doppelten 
Acht  (D.  St.  u.  R.  G.  S.  421  Note  e)  wurde  von  Wächter  a.  a.  0. 
8.  164  als  nicht  in  den  Urkunden  begründet  abgelehnt 


—     165    — 

lieh  ältesten  aller  Vehmrechtsbücher  annehmen  zu  müssen 
glauben,  bereits  die  Bedeutung  einer  Kummer-  und  Achtsentenz 
im  oben  behaupteten  Sinne  gehabt  habe,  überhaupt  die  Frage, 
seit  welcher  Zeit  eine  erste  Sentenz  von  jener  Bedeutung  bei 
den  Vehmgerichten  vorkam,  kann  hier  nicht  näher  erörtert 
werden  und  dürfte  aus  dem  bis  jetzt  vorliegendem  Quellen- 
material nicht  leicht  zu  entscheiden  sein.  Zur  Erklärung  der 
Urkunden  über  die  Sache  des  Sigmund  RännÜ  dürfte  aus  den 
vorstehenden  Ausführungen  entnommen  werden,  dass  das  von 
RännÜ  gewonnene  Urtheil,  dessen  diese  Urkunden  gedenken, 
eine  Kummersentencia,  oder,  wie  sie  wegen  der  gewöhnlich 
darin  enthaltenen  Aufforderung  zur  Unterstützung  des  Klägers 
bei  der  Beschlagnahme  auch  genannt  wurde  *),  eine  Heischungs- 
sentencia  gewesen  sei. 

Ueber  den  Ausgang  dieses  Processes  wissen  wir  nichts. 
Zur  letzten  schweren  Sentenz  ist  es  da,  wie  in  vielen  sonst 
bekannt  gewordenen  Vehmgerichtsprocessen,  in  welchen  die 
Kaiser  oder  Landesherren  sich  in's  Mittel  gelegt  hatten,  ver- 
muthlich  nicht  gekommen,  so  energisch  die  Freigrafen  die  Be- 
hauptung verfochten,  dass  eine  Sache,  die  als  vor  das  Vehm- 
gericht  gehörig  erkannt  worden  ist,  nur  vor  einem  solchen 
Gerichte  zu  Ende  geführt  werden  dürfe*),  ja  sogar  vom 
Kaiser  in  Folge  an  ihn  gerichteter  Appellation  erlassene  Ur- 
theile  kassirten*).  Wir  haben  keine  Spur,  dass  jene  Sentenz 
im  besprochenen  Falle  erflossen  wäre;  vielmehr  einen  Ver- 
muthungsgrund  dagegen,  oder  doch  gegen  die  Vollstreckung 
der  etwa  dennoch  erfolgten  Vervehmung  in  dem  urkundlich 
bezeugten  Umstände,  dass  mehrere  der  namentlich  angeführten 
Beklagten  noch  lange  Zeit  nach  dem  Jahre  1460  am  Leben 
waren  und  wie  vorher  öffentUche  Stellen  einnahmen. 

Wie  es  scheint,  blieb  dieser  Process  ziemlich  vereinzelt 
in  Steiermark.  Unter  den  Tausenden  mittelalterUcher  Urkunden 


1)  XJsener,  a.  a.  0.  S.  211  am  £nde. 

»)  S.  Thierach,    Vervehmung    des    H.  neinrich    v.   Baiern.    S.  127, 

129  u.  V.  a. 
«)  üsener,  a.  a.  0.  S   94. 


—      166     — 

des  steiennärkischen  Landesarchives  fand  sich,  ausser  den 
drei  erörterten  Urkunden,  kein  Zeugniss  vehmrichterlicher 
Wirksamkeit  im  Lande ;  eben  so  wenig  in  andern  Quellen  seiner 
Geschichte.  Keine  der  mannigfachen  Massregeln,  welche  Kaiser 
und  Landesherren,  Adel  und  Städte  in  anderen  Ländern  gegen 
die  Vehmgerichte  ergriffen,  kommt  in  Steiermark  vor;  nichts 
ist  bisher  bekannt  geworden,  was  das  Vorhandensein  von 
Vehmschöffen  beweisen  könnte.  Möglich  und  nicht  ganz  un- 
wahrscheinlich ist,  dass  Sigmund  RännÜ  Yehmschöffe  gewesen 
sei ;  aber  sonst  fehlt  jeder  Anhalt,  anzunehmen,  dass  es  Vehm- 
schöffen im  Lande  gegeben  habe,  so  merkwürdig  dies  bei  der 
verbreiteten  (jedoch  nicht  erwiesenen)  Behauptung,  dass  es 
mehr  als  hunderttausend  Vehmschöffen  in  Deutschland  gegeben 
habe,  ist.  Das  Land  wird  diesen  Mangel  kaum  zu  beklagen 
gehabt  haben,  da  die  nicht  in  Abrede  zu  stellende,  aber  nach 
meiner  Meinung  vielfach  übertriebene,  heilsame  Wirksamkeit 
der  Vehmgerichte  von  den  dem  Einzelnen  wie  dem  gesammten 
Rechtszustande  höchst  nachtheiligen  Missbräuchen  ihrer  zeit- 
weilig allzu  grossen  Gewalt  gewiss  weit  überwogen  wurde. 

Den  sonstigen  Inhalt  der  drei  Urkunden  des  st  Landes- 
Archives  näher  zu  besprechen  ist  unnöthig,  da  dieselben  hierin 
wie  auch  der  Form  nach  von  den  vielen  bekannten  und  in 
den  citirten  Werken  benützten  Briefen  der  Freigrafen 
nicht  abweichen.  Erwähnenswerth  ist  höchstens  noch  die  in 
der  Urkunde  I  enthaltene  Bemerkung,  dass  die  s.  g.  Amsber- 
ger  Reformation  der  Vehmgerichte  v.  J.  1437  vom  K.  Sigis- 
mund  confirmirt  worden  sei.  Auf  die  Autorität  Wächter's 
(Beiträge  S.  137  fg.)  hin  wird  von  den  Meisten,  gegen  die 
Meinung  Usener's  (a.  a.  0.  S.  14)  imd  Seibertz'  (Ur- 
kundenbuch  III.  S.  77  in  der  fast  ganz  unbeachtet  gebliebenen 
Note),  das  Gegentheil  angenommen;  ich  glaube  ohne  genü- 
genden Grund-  Wächter  sagt:  „Die  Reformation  vom 
27.  April  1437  wurde  an  K.  Sigismund  geschickt,  dieser  aber, 
der  im  Dezember  1437  starb,  kam  nicht  mehr  zur  Erledigung 
der  Sache."  Letzteres  ist  nicht  unwahrscheinlich,  aber  m.  E. 
ohne  Beweis  geblieben.    Als  solchen  kann  ich  wenigstens  das 


—     167     — 

von  Wächter  angezogene  Schreiben  K.  Friedrich's  v.  J.  1440 
(bei  Wigand,  a.  a.  0.  S.  250)  nicht  anerkennen.  Denn  die 
Worte  in  demselben:  „Wk  haben  . .  vemumen  . .  wie  du  . . 
eyn  bequemliche  ordenunge  . .  verainet  vnd  dieselb  . .  Kaiser 
Sigmunden  . .  gesendet  habest,  der  nach  dem  balde  von  dieser 
weit  abgangen  vnd  verscheiden  sey,  davon  soliche  ordenunge 
nicht  viel  nutzes  bracht  habe",  schliessen  die  Möglichkeit 
der  Confirmation  der  Amsberger  Reformation  durch  K  Sigis- 
mund  keineswegs  aus  und  könnten  etwa  auch  bedeuten:  weU 
E.  Sigmund  bald  nach  der  Abfassung  der  Reformation  gestorben 
ist,  habe  sie  nicht  so  viel  genützt,  als  sie  bei  längerem  Leben 
des  Kaisers  vielleicht  genützt  hätte.  Die  Reformation  war  am 
27.  April  1437  fertig,  K  Sigmund  starb  erst  im  Dezember 
desselben  Jahres ;  man  hatte  also  mehr  als  genügend  Zeit,  die 
Confirmation  zu  erwirken.  Muss  demnach  die  Möglichkeit  der 
Confirmation  zugestanden  werden,  so  gewinnen  die  von  ü  s  e  n  e  r 
a.  a.  0.  0  angeführten  Stellen,  in  welchen  die  Reformation  als 
königliche  oder  als  kaiserliche,  gegeben  von  K.  Sigismund  be- 
zeichnet wird,  sowie  insbesondere  die  ganz  bestimmte  Angabe 
in  unserer  Urkunde  I,  die  Reformation  sei  vom  K.  S  i  g  m  u  n  d 
löbl.  Gedächtniss,  der  der  freien  heimlichen  Ge- 
richte ein  wissender  Freischöffe  undKaiser  war, 
confirmiert  und  bestätigt  worden,  erhöhte  Bedeutung. 
Diese  Bemerkung  steht  in  einem  an  den  Kaiser  Friedrich  III. 
unmittelbar  gerichteten  Schreiben  der  Freigrafen,  dient  zur 
Unterstützung  ihres  Protestes  gegen  die  kaiserliche  Abforderung 
der  Sache  vom  Vehmgerichte  und  wäre  zu  diesem  Zwecke 
und  in  so  bestimmter  Weise  wohl  kaum  gewagt  worden,  wenn 
sie  nicht  wirklich  begründet  gewesen  wäre;  denn  K.  Fried- 
rich IIL  hatte  sich  wiederholt  mit  den  Angelegenheiten  der 
Vehmgerichte  und  namenthch  mit  der  Reformation  des  K. 
Sigismund  beschäftigt  und  musste  oder  konnte  sehr  leicht 
wissen  und  erfahren,  ob  dieselbe  von  K.  Sigismund  bestätigt 


<)  Die  daselbst  citirte  SteUe  aus  der  Urkunde  52  kommt  hier  nicht  in 
Betracht  uud  wurde  Yon  Usener  offenbar  missverstanden. 


-     168    — 


worden  sei  oder  nicht  Unter  so  bewandten  Umständen  er- 
scheint auch  die  ebenfalls  ganz  bestimmte  Behauptung  der 
durch  K.  Sigmund  erfolgten  Bestätigung  der  Amsberger  Re- 
formation, welche  sich  in  der  betreffenden  Ueberschrift  und 
am  Schlüsse  der  Reformation  der  weltlichen  Gerichte  vom 
Kurfürsten  Hermann  V.  von  Cöln  v.  J.  1547  findet  (s.  S ei- 
ber tz,  a.  a.  0.  S.  77  Note  u.  S.  84,  Note  163),  als  ein  be- 
achtenswerther  Grund  für  die  Annahme,  dass  die  fragliche 
Confirmation  in  der  That  erfolgt  sei.  Ich  halte  übrigens  den 
Streit  durch  die  vorstehenden  Bemerkungen  keineswegs  für 
erledigt  und  letztere  Annahme  für  erwiesen;  aber  unläugbar 
sprechen  sehr  erhebliche  Gründe  für  diese  Annahme  und 
gegen  die  Behauptung  Wächte r's.  Bestimmter  wird  sich 
diese  Frage  ohne  Auffindung  neuer  Beweismittel  nicht  beant- 
worten lassen.  Es  wäre  überhaupt  sehr  zu  wünschen,  dass  die 
vielen  in  Archiven  liegenden  noch  unbekannten  Urkunden  über 
die  Vehmgerichte  veröffentlicht  würden;  die  noch  immer  viel- 
fach dunkle  Geschichte  derselben  und  ihres  Verfahrens  würde 
hiedurch  gewiss  sehr  gefördert  werden. 


Kleinere  Aufsätze 


und 


littlieiliiiigeii. 


—     171 


M.  Johann  Kepler's  Heiratsbrief  von  1597. 

(Angezeigt  von  Dr.  R.  Peinlich.) 


Eanem  glllcklichen  Zafalle  und  einem  archivalisch  geübten  Blicke 
verdankt  die  vaterländische  Geschichte  die  kürzlich  vorgekommene  Auf- 
findung einer  höchst  interessanten  Reliquie,  nämlich  eines  Bruchstückes 
vom  Heiratsbriefe  (Originalurkunde)  des  weltberühmten  Mathematikers 
J.  Kepler,  welcher  1597  bei  Gelegenheit  seiner  Vermählung  mit  der 
Witwe  des  landschaftlichen  Bauschreibers  Marx  Müller  ausgestellt  wurde. 

Der  Chorherr  und  Archivar  des  Stiftes  Voran,  Ottokar  Kern- 
st o  c  k,  fand  diese  wertbvoUe  Reliquie  in  der  Bibliothek  seines  Stiftes  als 
Einbanddecke  eines  Büchleins,  betitelt:  „Nomenciator  Hadriani  Junii  me- 
dici"  (Augsburg,  Mich.  Manger,  1592),  und  übergab  dieselbe  mit  Geneh- 
migung seines  Stiftsvorstandes  dem  Landesarchive  in  Graz. 

Das  Deckelblatt  ist  Pergament,  ungeftlhr  25  Gm.  hoch  und  15*5 
bis  17  Cm.  breit  Es  wurde  durch  seine  Verwendung  zum  Büchereinbande 
an  manchen  Stellen  beschädigt  und  lässt  auch  die  Schrift  an  einselner 
Stelle  gar  nicht  mehr,  an  anderen  nur  schwer  erkennen.  Von  der  Ur- 
kunde ist  über  die  vordere  Hälfte  noch  etwa  ein  Siebentel  weggeschnitten. 

Der  k.  k.  üniversitäts  -  Professor  Dr.  Arnold  Ritter  v.  Luschin 
unterzog  sich  mit  dem  schönsten  Erfolge  der  mühevollen  Arbeit,  durch 
Combination  mit  ähnlichen  Urkunden  des  16.  Jahrhunderts  den  fehlenden 
Text  zu  ergänzen. 

Da  Kepler  Steiermark  bereits  im  September  1600  mit  Frau  und 
Kindern  verliess  und  später  nur  vorübergehend  1601  und  1605,  und  seine 
Frau  1608,  nach  Graz  kam,  um  die  Regelung  ihrer  finanziellen  Verhältnisse, 
nämlich  die  Ausfolgung  des  väterlichen  Erbtheiles  der  Frau  und  die  Er- 
lassung des  den  Exulanten  abverlangten  zehnten  Pfennigs  von  den  Gütern 
derselben  zu  betreiben,  wobei  dieser  Heiratsbrief  nichts  zur  Sache  hatte, 
so  lässt  sich  das  Verbleiben  dieser  Urkunde  im  Lande  durch  die  Annahme 
erklären,  dass  sie  sich  bei  seinem  Schwiegervater  Jobst  Müller  zu  Mühleck 
befand. 

Wir  lassen  beides,  den  Rest  der  Originalurkunde  und  die  Ergänzung 
von  einander  geschieden,  folgen  und  bemerken  nur,  dass  Zeile  für  Zeile 
von  Seite  172  auf  J73  hinüber  zu  lesen  ist. 


—     172     — 


Jeh  M.{agiiter)  Johannes  Kepler,  einer  er:{same7»)  l  a:(aHdschafl)  in  5: 
mich  vnd  auch  für  all  mein  erben,  dass  ich  meiner  lieben  hauswirti»  j^ 
Bdiaft  pamMthreiber  witib  gegeben  und  gemacht  han  zu  einer  widerlag  ihres  heyraiguetts  * 
etig  kreueur  oder  funfzehen  paczen  guter  lanäeswerung  in  Stetfer  gerechnet.  Vf^ 
hundert  gülden  Beinisch  bringt,  secz  ich  meiner  lieben  frau  aü  mein  hab  sie  »ei  man  mg^ 
tuelrug,  dass  id%  vor  meiner  lieben  wirtin  fraiien  Barbara  an  leibserben  abgiesf  i 
Hcrhunderi  guidein  Beinisch  heiratguett  und  widerlag  meiner  licocn  tcirtin  gefallen,  i«^ 
aUdanm  mus  ihrer  erstem  ehe,  mit  weiland  y.  Lorencz  noch  vorhanden  ist  f 
Jiegina  Lorenczin,  vnd  aber  auch  die  fahrnuss  die  ich  bei  meinen  lebzeiten  gewiMi' 
tau  geiaiU  werden,  meiner  lieben  hai^wirtin  frauen  Barbara  und  meinen  nadisten  « 
Lorenetin  aigenthumblich  haimbfaüen  vnd  verbleiben,  auagenomen  leibskleider,  p»f<^ 
lieben  haus/rauen  Barbara  allerdings  freylediglich  Jiaimbfallen  vnd  unwiderru/flich  verbleiben  f(^' 
DoA  da  mir  oft  ermeUe  mein  liebe  hausfiau  über  solch  mein  empfangen  heircUftgurt  noeki^ 
notwendiger,  genuegsamber  verschreibung  versehen,  auf  da-f  sy  oder  ir  erben  sich  derhedben  f' 
mad^  meinem  todüiehen  abgang  an  all  mein  gelassen  hab  vnd  guet  halten  mugc  vnd  anders  zu  t0 
meinen  sdtadenpundt  im  lande  Steyer,  als  ob  desselben  clausein,  punct  vnd  artikl  AiVra 
diesen  heyraibriejf  mtt  meiner  handtschrift  und  betsehafft  verfertigt,  auch  zu  merer  bekräftigung  han 
und  Adamen  Nidnaus  beede  burger  in  Gracz,  fleissiglichen  erpeten,  da»  sie  zusamt  mir  ire  nanun  « 
4ren  naehkomen  und  allen  iren  erben  an  schaden.  Der  brief  ist  geben  ze  Gracz  nach  Christi  geburi  ^ 
den  27,  tag  de»  monais  ÄrriUs. 

Sebasm 


Jf.  Jokan  Kepler  m.  p. 


Adam 


L.  8. 


X.  S. 


Asm  «rk  nag.  Dl«  ErgSncacg  wurde  mit  Rücksicht  Jtnf  dl«  bekannten  Datea  aas  Kepler*!  Leben  und  (soweit  ei  *b|^ 
m't  Benutzung  gleichzeitiger  Urkunden  and  Fonnelbiicher  vorgenommen.  Dem  In  der  Kepler-Lfterator  «obl^ 
kanateii  Herrn  VerelnsTorstande  Dt,  R.  Peinlich  verdanke  ich  die  Nachricht,  dass  Hans  Nldenaos  Börf* 
nnd  Raftbeverwandter  in  Onz  war,  welcher  mit  Kepler  auch  noch  in  späterer  Zelt  in  vertrauter  und  gts^ 
lieher  Bedehnng  stand,  daher  dieser  im  Jahre  1601  durch  die  Zelt  seines  mehrmonatllehen  Besaohes  ^*^ 
Hanptetadft  In  seinem  Hanse  wohnte  (nach  einem  Briefe  Keplet's  aus  Graz,  d.  30.  Mal  1601  an  seine  Frtt^ 
Tragj;  wie  aoeh  Nidenaus  noch  1607  der  Regina  Lorentzln  lUOO  fl.  schuldete.  (Frisch,  Keplor's  Werke  VUl 
0.  777)  and  dass  «In  Adam  Nyednaus  am  2.  Aug.  1600  unter  den  Qraeer  Vorstadtblirgern  erscheint,  vei<^ 
Ihre  Bliekkehr  zur  katholischen  Kirche  mit  Handschrift  und  Petschaft  zur  selben  Zelt  vorsprachen,  als  Ke;^ 
wegen  d«r  Gegenreformation  die  Steiermark  verliess.  (H.  H.  n.  Staats-Archiv  zu  Wien,  I.  o.  HolktB^*^ 
Steitrm.  V,    Fase.  1590—1618).  Aetenauszüge,  welche  mir  gleichzeitig  der  Herr  Vureins-Sehriftfuhrar  L.  B«c^' 


—     173     — 


Original. 

eyer  mathematicus,  bekhenn  hiemit  für 
en  Barbara  weilendt  Marxen  Mftllers  wolermeldter  lanndt- 
enänntlicben  zwayhimdert  golden  Reinisch,  yeden  derselben  zu  sech- 
umb  solch  licyiatguett  vnd  widerleg  so  in  ainer  summa  vier- 
verfangne,  oder  frey  verfallene  alles  mit  der  bescbaidenbeit,  ob  sich 
wdiches  alles  in  gottes  gnädigen  willen  steet,)  so  sollen  berüerte 
ist  abgercdt  vnd  beschlossen  worden,  das  in  der  ihenigen  fahmuss  weliche 
fall  gleich  halber  thaill  irer  in  dero  ersten  ehe  erzeugten  tochter  namens 
möcht,  solle  für  ain  fahrnuss  geschätzt,  vnd  wideromb  in  zwen  gleiche 
bnen  zugleich ;  da  aber  dern  khaine  vorhanden,  alsdan  mergemeldter  Regina 
vnd  was  zur  mannswehr  gehört  Mid  genennt  wirdt,  also  auch  ir  meiner 
was  ihro  von  mir  oder  andern  an  yeczo  oder  khunfftig  geschenckht  wurde 
mehrers  wurde  zuebringen,  daniber  f<oU  vnd  vriU  ick  8i£  jederzeit  mit 
ter  so  wol  vmb  ir  beyrath,  veimaclit,  als  vmb  ir  mehrers  zuebringen 
nit  schuldig  .sein  solle.  Alles  treulich  vnd  pei  verpindung  des  allgc- 
nen  geschriben  waren,  ongeuerde.  Des  zue  wahrem  vrkund  hab  ich 
Sebastian  Spcidl  ainer  er:  la:  in  Steyer  cinnemer,  Hannsen  Ntdnaus 
dterschriben  vnd  auch  Ire  bettschaft  hieran  gehangen  haben ;  doch  inen 
tausent  fünfhundert  sibenundneunzigisteu  jar 

Speidl  m.  p. 

Nidnaiis  m.  p.  Hanns  Nidnaos  m.  p. 


LS.)  (LS. 


Wldmanstottor  zur  Verfügung  stellte,  ergeben,  das»  entweder  nebut  dem  Rath« 
bürger  and  Handelsmaoii  Hans  Nidenaus  gleichzeitig  noch  ein  anderer,  ganz 
gleichen  Namens,  bei  dar  L  ö.  Karamorbachhaltung  in  Graz  (seit  1575)  1586  als 
RaitdJener,  1599  als  Adjunet  und  1607  als  Amtsverwalter  badlenstet  war,  oder 
was  nicht  unwahrscheinlich  ist,  dass  beide  identisch  sind.  Sebastian  Speidl  ist 
ein  Bruder  des  berühmteren  Stefan  Speidl  zu  Vattersdorf '(Liebenau),  landschafl* 
liehen  Secretärs,  von  woUh'  letzterem  ein  noch  heute  In  Bayern  blühendes  Frei- 
herrengesohlecht  abstammt.  Die  Unterschrift  Keplcr's  wurde  seinen  Gehaltsquittungen 
aus  den  J.  1597/8  entnommen,  deren  Originale  das  steierm  Landesarchiv  gleich 
dem  Helratsbrlefc  verwahrt.  Das  Wort  „verfaUena*'  in  der  5.  Zelle  v.  o.  ist  aber- 
geschrieben und  das  darunter  stehende  ,aJgno*  durchstiichen.  LiMcbln- 


^v^-- 


—     174    — 


Ein  merkwürdiges  Flugblatt.  ^) 


Das  St.  Landes- Archiv  bewalu*t  das  Original  eines  Flugblattes  höchst 
eigenthQmlicher  Art,  welches  selbst  unter  den  ungezählten  Reihen  von 
Zeitungen,  Flugschriften  und  Flugblättern,  welche  die  Bibliotheken  und 
Archive  des  deutschen  Reiches  und  Oesterreichs  als  grösstentheils  noch 
ungehobene  Schätze  ftlr  die  Quellenforschung  bergen,  zu  den  Seltenheiten 
gehören  dürfte.  Es  ist  ein  Spottgedicht  auf  den  Winterkönig,  Eurf&rst 
Friedrich  Y.  von  der  Pfalz,  welches  ohne  Zweifel  bald  nach  dessen  Flucht 
aus  Prag,  also  Ende  1620  oder  Anfang  1621  entstanden  ist  Nicht  so 
sehr  der  Inhalt  des  Gedichtes,  welcher  in  der  fast  unerschöpflich  erschei- 
nenden Flugschriften-Literatur  jener  Tage  nicht  vereinzelt  dasteht,  sondern 
besonders  die  Art  der  graphischen  Darstellung  desselben  macht  dieses 
Flugblatt  zu  einer  Merkwürdigkeit.  Wir  finden  in  den  41  Zeilen  des 
Textes  eine  beträchtliche  Anzahl  von  (52)  Worten  durch  Bilder  ersetzt, 
so  dass  wir  es  hier  zugleich  mit  einem  Rebus  oder  Bilderräthsel  zu  thun 
haben,  welches  wahrscheinlich  zu  den  iUtesten  in  deutscher  Sprache  ver- 
fassten  gehört.  Ueber  das  Alter  der  Bilder*  Räthsel  sind  in  neuerer  Zeit 
gründliche  Untersuchungen  angestellt  worden'^).  Vereinzelte  Beispiele 
kommen  schon  bei  griechischen  und  lateinischen  Schriftstellern  vor.  Auch 
den  alten  Steinmetzzeichen  und  Eün  Stiermonogrammen  haftet  mehrfach 
ein  rebusartiger  Charakter  an.  In  Frankreich  scheint  das  Bilderräthsel  zuerst 
weitere  Verbreitung  gefunden  zu  haben  und  zu  Aufzeichnungen  scherzhaften 
Inhaltes  verwendet  worden  zu  sein.  In  den  ^Bigareures  *  des  Tabourot  wird 
das  erste  Vorkommen  der  Rebus  in  das  12.  und  13.  Jahrhundert  versetzt. 

Zedier  spricht  vom  „Rebus  de  Picardie**  und  bemerkt,  dass  in 
der  genannten  französischen  Landschaft  dergleichen  scherzhafte  Darstel- 
lungen   mit   „ hieroglyphischen "  Zeichen    üblich    sind   und    dass    sie  zu 


')  Die  'beiliegende  Autographie  des  im  et.  Landes- Archive  beftndüolien  Originales  ist  ein 
'Wiederabdruck  einer  im  XXII.  Jahresberichte  der  st  1.  Obor-Bealschulo  zu  Gras 
enthaltenen  ,Sammlang  ron  Zeitungen  und  Flugschriften  aus  der  ersten  Hälfte  des 
XVIL  Jahrhunderts**  von  Professor  Dr.  Hans  ron  Zwiedlnedc-Siidenhorst,  wdoher 
von  der  Direetloi^  der  gedachten  Anstalt  bereitwilligst  zugestanden  wurde. 

*)  Boreuz.  Galante  Hiero^yphen.  Iieipzig  1800.  —  Dr.  Oehmann.  Zur  Kenntniss  der 
Rebus.  Programm  des  Gymnasiums  zu  Oppeln  1861.  —  F.  R  Hoffmann.  Grondzugo 
seiner  Geschichte  des  BUder-Rathsels.  Berlin  I8ß9.  (Dies  BUchlein  war  dem  Schreiber 
dieser  Zeilen  bis  zum  Augenblicke  der  Drucklegung  dieses  Aufsatzes  leider  nicht  zu- 
gänglich.) Notizenflnden  sich  ausserdem  im  Anzeiger  f.  K.d.Vzt.  Jahrgangl858  und  1859. 


—     175     — 

seiner  Zeit  (Anfang  des  18.  Jahrhunderts)  von  französischen  Damen  nicht 
selten  zur  Anwendung  kSmen.  Es  hätten  auch  etliche  Deutsche  auf  der- 
gleichen Art  einen  Versuch  gethan,  unterschiedene  Stellen  aus  der  Bibel, 
ja  das  ganze  Corpus  juris  in  hieroglyphischen  Figuren  abzufassen. 

Jedenfalls  war  die  Anwendung  der  Bilden-äthsel  im  16.  und  17.  Jahr- 
hundert in  Frankreich  und  Deutschland  schon  bekannt;  denn  dafür  sprechen 
mehrfache  Andeutungen  im  Dictionaire  des  M^nages  (1650)  im  Gargantua 
des  Rabelais,  in  Fischarts  und  Harsdörfers  Schriften.  —  Ein  Seitenstflek 
zu  dem  vorliegenden  Rebus  findet  sich  in  den  Sammlungen  des  Germani- 
schen Museums.  Es  ist  ein  18  Zeilen  langes  Gedicht,  welches  ebenfalls 
den  Winterkönig  zum  Gegenstaude  hat  und  die  Ueberschrift  führt:  ^Gründ- 
liche weiss  (Sage)ung.  Vom  Heydel  (Berg)  er  vermelt  was  Ihm  ein  Zi- 
geinerin  hat  Er  (Zelt).  Von  (Fass)  Ihm  das  vnglückh  schnell  Erwachsen 
sey  mit  (zwei  gekreuzte  Knochen)  vnd  (Quell).** 

Mit  üebertragung  der  bisweilen  ziemlich  undeutlichen  Bilder  lässt 
sich  der  Text  unseres  Flugblattes  in  folgender  Weise  lesen: 

Die  Bettler  auss  Böhmerlaiid. ') 

Hört  zu  ir  frommen  Biderleut, 
Zu  diser  neuen  Karren  Zeit 

Was  sich  hat  zugetragen. 
Last  euch  ein  arme  Bettlerschar 

Ihr  Leid  vnd  eilend  klagen. 

Solen  wir  euch  sagen  wer  wir  seind? 
Wir  sein  geflohen  vor  dem  Feind. 

Das  waiss  man  leider  eben* 
Der  Graff  von  Thum  der  fein  Gesel 

Hats  Fersengeld  Bald  geben. 

In  Behem  war  ein  Keller  offen. 
Da  habn  wir  zuvil  Pier  gesoffen^) 

Darumb  thet  man  vns  straffen. 
Wir  achten  nichts  was  man  mit  güet 

Geboten  oder  gschafen.  ^) 


*)  £•  la»st  sich  au«  don  vIorFlguroa  aieht  ersehen,  ob  damit  bestimmte  Personlichkoltea 
bexdchnet  sein  sollen.  Es  scheint  WAhrsoheinUoh,  das»  nur  Im  Allyenelnon  ein  Zog  Ton 
Bettlern  dargestellt  werden  sollte;  sonst  hätte  sich  der  ohnehin  nicht  sehr  artige 
Zeichner  kaum  versagt,  aach  die  Fraa  Pfalzgrafln  im  Bilde  sa  Terewigen.  YToUten 
wir  dennoch  vier  der  pfalzischen  Flüchtlinge  darunter  Termuthen:  so  liesse  sieh  der 
Pfalzgraf  mit  seinem  ältesten  Sohnlein,  Fürst  Christian  ron  Anhalt  und  allenfalls 
der  stets  getreue  Camararlus  nennen. 

*)  Dürfte  eine  Anspielung  auf  die  zahlreichen  Hoffeste  in  Prag  sein. 

*)  Dieser  Passus  bezieht  sich  wohl  auf  die  Friedensvortchläge,  welche  Maiimilian  ron 
Baiem  zwei  Tage  vor  der  Schlacht  am  weissen  Berg«  dem  WinterkSnige  gemacht 
hat,  worin  er  sofortige  Thionentsagung  rerlangte. 


f»,.-  ■• 


—     176     — 

Dimmb  min  raz  mit  khrieg  vnd  scblacht 
In  Eil  veijagt  vnd  fortgebracht 

Hinauss  auf  frembde  Strassen 
Vil  Krfige  Pier  vnd  ander  guet  geschier 

Habn  wir  binden  gelassen*) 

Der  Wind  der  war  doch  gar  nit  guet, 
Hat  vnss  genomen  Mantel  vnd  hat, 

Den  Staub  vnd  sand  geblasen, 
Starck  wider  mss  vnd  Tnser  gsind 

In  Augen  vnd  in  d'  Nasen 

Von  diesem  graussam  starcken  Wind 
Seind  wir  worden  so  gar  stockblind 

Vnd  vnsers  gsichts  beraubet. 
Was  wir  verlobren  in  der  Flucht 

Das  hat  der  Feind  aufklaubet  **) 

Wir  hatten  zuuor  Stadt  vnd  land 
Das  Engellendlsch  Hosenband 

Vnd  königlichen  throne. 
Die  Augen  jetzt  nichts  zeigen  ^)  mehr. 

Khain  Scepter  noch  khain  Krone. 

Gott  bhQt  euch  euer  liebs  gesiebt 
Das  noch  das  vatterland  ansieht 

Dass  mdessen  wir  entraten, 
Vnd  ohne  ainige  Zuuersicht 

Im  .eilend  schwinmien  vnd  waten. 

Die  beiden  letzten  Strofen  entbehren  des  poetischen  Schwunges  nicht 
und  vereinigen  Kraft  des  Ausdruckes  mit  Gemüth.  Jedenfalls  gehört  das 
vorliegende  Poem,  was  Form  und  Gehalt  betrifft,  nicht  zu  den  unbedeutendsten 
Volksliedern  jener  vielbewegten  Zeit,  deren  erregten  Pulsschlag  man  ge- 
rade aus  jenen  literarischen  Erzeugnissen  am  kr&ftigsten  herausfühlt,  die 
einem  plötzlichen  Ein&ll,  einem  vorttbergehenden  AjQfect  ihr  Entstehen  zu 
danken  haben.  Z.  v.  S. 


*)  Da»  hier  angewondetn,    eiomllch  schwor  xu  erkennende  Bild  soll  die  Procedor  eine« 

AdorlAtces  darstellen. 
^)  Krone  und  Kleinodien,  Archiv  und  Kanilei,  welche  Friedrich  Y.    und  seine  hervor- 

ragenden  Rithe  Fürst  Christiaa  ron  Anhalt  und  Ludwig  Camerariof  bei  Ihrer  Flucht 

In  Prag  zurSekUessen. 
';  Dm  hier  befindliche  Bild   ist  sehr  schwer  su  deuten.    Dem  Schreiber  dieser  Zellen 

erscheint  es  als  «in  Mann,  welcher  eine  Figur  zeigt,  welch'  letztere  Thatigkolt  damit 

dargestellt  werden  sollte. 


—     177 


Zur  Wiener  Weltausstellung  1873. 


Der  AusschuBB  des  historischen  Vereines  hatte  zwar  anfänglich 
beabsichtigt,  sich  an  der  Weltausstellung  in  Wien  durch  eine  Exposition  zu 
betheiligen,  die  eine  Üebersicht  der  Ziele,  Bestrebungen,  Leistungen  u.  s.  w. 
des  Vereines  geben  sollte,  allein  da  in  Erfahrung  gebracht  wurde,  dass 
die  Österreichischen  Vereine  Ton  gleicher  Tendenz  jede  selbsständige  Aas* 
Stellung  unterlassen,  hielt  man  es  ftkr  angezeigt^  in  gleicher  Weise  zu  ver- 
fahren. 

Dafür  waren  einzelne  Mitglieder  des  Vereines  bei  der  Weltausstel- 
lung mit  literarischen  Leistungen  vertreten,  von  denen  namentlich  die 
beiden  zunächst  aufgeführten  von  so  hervorragendem  Werthe  sind,  dass 
ein  kurzer  Bericht  Ober  dieselben  hier  nicht  fehlen  darf. 

Für  das  steiermärkische  Landesarchiv  exponhle  der 
Vorstand  desselben,  Professor  J.  Zahn.  Die  Ausstellungsgegenstände 
waren : 

1.  Der  1.  Band  des  (sogenannten)  Regestenrepertoriums, 
d.  h.  das  Verzeichniss  der  Urkunden  des  Archivs  vom  Jahre  810  bis 
1299.V)asselbe  gewährte  nicht  nur  einen  klaren  Einblick,  in  welcher  Art 
das  Inventar  der  Documente  geführt  wird  und  die  Nachweise  über  Her- 
stammung, Fond-  und  Druckort  derselben  gegeben  werden,  sondern  auch) 
wie  Nachträge  bequem  ohne  Beiming  der  Chronologie  und  Beihenfolge 
in  den  Band  eingeschoben  werden  können. 

2.  Der  3.  Band  der  Register  der  Documente  des  oben  be- 
merkten Zeitraumes,  d.  i.  das  Verzeichniss  der  in  den  Urkunden  desselben 
enthaltenen  Namen  der  Personen,  Orte,  Sachen  und  Siegel.  Die  Ausführ- 
lichkeit dieser  Bearbeitung  zeigt  der  Umstand,  dass  die  drei  Bände  dieser 
Register  von  c.  8200  Urkunden  nicht  weniger  als  70.000  Daten  enthalten. 

8.  Ein  Modell  der  Kästen  (in  sechsfacher  Verkleinerung),  in 
denen  die  Documente  aufbewahrt  werden.  Jeder  Kasten  ist  mit  Doppel- 
thüren  verschliessbar  und  enthält  5  gleichfalls  verschlossene  Kistchen,  die 
durch  Handhaben  beweglich  und  leicht  tragbar  gemacht  sind.  In  jedem 
Kistchen  befinden  sich  in  8  Fächern  zum  mindesten  200  Stück  Urkunden, 
in  der  Regel  jedoch  300 — 400.  Dass  die  Aussenseite  mit  den  entsprechen- 
den Orientirongssignaturen  versehen  ist,  versteht  sich  von  selbst. 

12 


—     178    — 

4.  Diese  Objecte  waren  von  einer  vom  Professor  Zahn  yerfassten 
Druckschrift  begleitet,  welche  den  Titel  führt:  „Bericht  aber  Zusammen* 
setzong,  Entwicklang,  Bestand  und  Verwaltung  des  steierm.  Landesarchiyes 
zu  Graz,  vorgelegt  bei  Abgabe  von  Proben  der  Fachkataloge  desselben 
zur  Wiener  Weltausstellung  von  1873."  —  Dieser  Bericht  enth&lt  nebst 
dem  referirenden  und  historischen  Abschnitte  32  statistische  Tabellen, 
welche  einen  deutlichen  Ueberblick  tlber  das  archivalische  Material  in 
allen  seinen  Beziehungen  geben.  Die  83.  Tabelle  gewährt  eine  Uebersicht 
der  von  den  Beamten  des  Archives  in  der  Zeit  ihrer  Bedienstung  an  der 
Anstalt  veröffentlichten  Druckschriften.  £ine  werthvolle  Beigabe  bilden 
zwei  Karten,  von  denen  die  eine  die  Uebersicht  der  Oertlichkeiten  gibt, 
aus  deren  Archiven  das  Joanneums  -  Archiv  zu  Graz  (1812—1872)  sich 
bildete,  die  andere  den  Grad  darstellt,  in  welchem  die  ehemaligen  steierm. 
Patrimonialbezirke  in  diesem  Archive  derzeit  vertreten  sind. 

6.  Im  Anschlusjse  an  diese  Exposition  des  Landesarchives  befand 
sich  auch  das  Archiv  des  steierm.  Benediktinerstiftes  St.  Lambrecht 
durch  2  Bände  seiner  Repertorien  vertreten.  Dieser  Anschluss  erhält 
dadurch  seine  Erklärung,  dass  der  vortreffliche  Ordnungsplan  des  Lam- 
brechter  Archives  ein  Werk  und  Verdienst  des  Landesarchivars  Prof. 
Zahn  ist. 

Waren  diese  Ausstellungsgegenstände  vermöge  ihrer  Natur  kein 
Gegenstand  der  Bewunderung  für  das  grosse  Publikum,  umsomehr  er- 
regten sie  die  Aufmerksamkeit  und  den  vollen  Beifall  der  Sachverstän- 
digen. Auch  die  Preis- Jury  votirte  für  dieselben  die  Verdienstme- 
daille; allein  bei  der  überstürzten  Hast,  mit  welcher  die  Anfertigung  der 
diesbezüglichen  Liste  geschah,  wurde  die  Eintragung  übersehen. 

Dieser  leidige  Fehler  wurde  dadurch  ausgeglichen,  dass  das  Landes- 
archiv, respective  der  Vorstand  desselben,  Über  Antrag  des  Generaldirectors 
der  Ausstellung  die  Allerhöchste  Anerkennung  Seiner  Majestät 
des  Kaisers  erlangte. 


Ebendieselbe  Auszeichnung  erhielt  für  sein  Ausstellungs- 
objekt der  k.  k.  Hauptmann  M. Fei ic et ti  von  Liebenfelss,  da  es  in 
derselben  Weise,  wie  oben  erwähnt  wurde,  um  die  zuerkannte  Verdienst- 
Medaille  gekommen  war. 

Dieses  höchst  interessante  Ausstellungsobjekt  war  seine  von  dem- 
selben entworfene  und  gezeichnete  Wandkarte:  ,» Steiermark  zur  Zeit  des 
Regierungsantrittes  des  Hauses  Habsburg  1282*'. 

Den  Lesern  dieser  Blätter  sind  die  musterhaften  kartographischen 
und  gediegenen  historischen  Arbeiten  dieses  Gelehrten  in  den  „Beiträgen 
zur  Kunde  steiermärkischer  GeschichtsqueUen'^  (9.  u.  10.  Jahrgang)  zu 
bekannt,  als  dass  es  nothwendig  würde,  über  den  hervorragenden  Werth 
der  bezeichneten  Karte  besondere  Worte  zu  machen.  Der  kurze  ffinweia 


—    17§    - 

auf  den  JnhtAi  derselben  wird  genügen,  nm  bei  Freunden  der  Oeschiclite 
den  lebhaften  Wunsch  zu  wecken,  dass  diese  ausgezeichnete  Arbeit  auch 
ihnen  baldigst  zugänglich  gemacht  werde. 

Die  Karte  —  9  Quadratfuss  gross  —  im  Massstabe  von  1"  =  2000^' 
(1 :  144000)  entworfen,  enthält  eine  Darstellung  alles  dessen,  was  über  die 
politischen,  socialen  und  kirchlichen  Verhältnisse  im  heutigen  Steiermark  zu 
Ende  des  18.  Jahrhunderts  quellenmässig  nachgewiesen,  bestimmt  und 
graphisch  wiedergegeben  werden  konnte.  Man  findet  daher  auf  derselben 
▼erzeichnet  und  deutlich  erkennbar: 

1.  Die  Yertheilung  des  Besitzes,  des  landesfürstlichen,  des  kirch- 
lichen und  des  herrschaftlichen,  u.  zw.  nicht  nur  die  grösseren  Complexe, 
sondern  auch  deren  zerstreut  liegende  Güter  und  Beuten; 

2.  die  Lage  von  84  Städten  und  Märkten  und  von  1459  Dorf- 
Schäften,  femer  die  Bezeichnung  der  festen  Plätze,  der  Bergwerke,  der 
Culturen  u.  s.  w.; 

8.  die  politische  Eintheilüng  mit  Unterscheidung  der  eigentlichen 
Steiermark  und  des  damals  noch  zu  Kärnten  gehörigen  Theiles ; 

4.  die  yerschiedenen  Gerichtsbezirke,  wie  Provinzialgerichte,  landes- 
fürstliche, Stadt-  und  Marktgerichte,  sowie  die  Bezirke,  welche  unter  der 
Gerichtsbarkeit  von  Kirchen  und  Klöstern  oder  von  weltlichen  Magnaten 
standen;  endlich 

5.  die  kirchliche  Eintheilüng  nach  den  bischöflichen  Diöcesen  und 
nach  Archidiaconaten  nebst  den  Pfarren  und  Filialen. 

Es  ergibt  sich  von  selbst,  dass  eine  solche  wissenschaftliche  Leistung 
langjährige  mühevolle  Studien  der  ernstesten  Art  voraussetzt  und  dass 
ausser  der  kritischen  Bearbeitung  und  Sichtung  der  Quellen  eine  nicht 
geringe  technische  Befähigung  und  Fertigkeit  für  den  graphischen  Theil  der 
Arbeit  erforderlich  ist  Der  Yerfertiger  unserer  Karte  vereint  das  eine  mit 
dem  anderen  in  ausnehmendem  Grade. 

Die  Anregung  zu  dieser  Arbeit  verdanken  wir  dem  Ausspruche  des 
berühmten  Geschichtsforschers  Chmel,  dass  die  staatlichen  Verhältnisse 
des  Mittelalters  niemals  recht  verstanden  werden  könnten,  wenn  nicht  ge- 
naue Karten  hergestellt  würden,  „auf  denen  nicht  bloss  die  Orte  bemerkt 
sind,  sondern  auch  ihre  Eigenschaft,  nämlich  wem  sie  gehörten  und  wie 
sie  ihm  gehörten**.  So  wie  andere  Männer  der  Wissenschaft  durch  dieses 
Mahnwort  veranlasst  wurden,  Karten,  diesen  Bedingungen  mehr  oder  minder 
entsprechend,  zu  entwerfen,  so  auch  Fe  licet ti;  aber  er  ist  in  derThat 
der  erste,  der  eine  Arbeit  lieferte,  die  allen  obigen  Forderungen  in  der 
gelungendsten  Weise  entspricht.  Zu  diesem  Gelingen  trug  auch  der  Um- 
stand bei,  dass  das  steiermärkische  Landesarchiv  nicht  nur  reichliches  hi- 
storisches Material  bietet,  sondern  auch  die  Benützung  und  Verwerthung 
desselben  durch  seine  intelligente  musterhafte  Ordnung  in  angenehmer 
Weise  erleichtert. 


—    18Ö    — 

£«  stehen  daher  die  beiden  aufgeführten  AuBStellungsobjecte,  das 
Landesarchiv  und  die  Wandkarte,  in  einer  interessanten  organischen  Ver- 
bindung, indem  nämlich  die  Yortrefflichkeit  der  letzteren  den  hervorra- 
genden Werth  des  ersteren  in  besonderer  Weise  illustrirt  und  bethätigt 

Schulrath  Dr.  R  Peinlich  exponirte  seine  „ beschichte  des  Oym- 
nasiums  in  Graz**,  aus  den  Programmaufsätzen  der  genannten  Lehranstalt 
in  den  Jahren  1864,  1866,  1869,  1870,  1871  und  1872  in  einem  Band 
zusammengestellt,  und  eine  eigens  für  die  Ausstellung  verfasste:  „Real- 
nnd  Personal  -  Statistik  des  k.  k.  L  Staatsgymnasiums  in  Graz  von  1774 
bis  1872**.  Beide. Arbeiten  waren  der  Collectivausstellung  des  k.  k.  Mini- 
steriums für  Cultus  und  Unterricht  angeschlossen,  kamen  aber  nicht  vor 
die  Jury.  Die  „Geschichte"  hat  bereits  im  letzt jälirigen  Hefte  der  „Mitthei- 
lungen des  historischen  Vereines  für  Steiermark**  (Seite  95),  dio  „Statistik'' 
in  mehreren  Fachbl&ttem  eine  Würdigimg  gefunden ;  wesshalb  eine  nähere 
Besprechung  beider  bei  Seite  gelassen  werden  darf. 

Dr.  R.  P. 


GEDERKBÜCH 


DBS 


flisTom  mmts,  ihr  stemim. 


(Zufolge  BeschloBS  des  historischen  Vereines  ftlr  Steiermark  in  der  XV.  all- 
gemeinen Jahres  -  Versammlang  am  6.  Dezember  1864    f&r  verstorbene 

verdiente  Vereins-Mitglieder  angelegt) 


frustav  Franz  Ritter  von  Schreiner. 


Von 

Dr.  Franz  llwof. 


leinen  homo  novus  nannten  die  Römer  einen  Mann  aus 
einer  Familie  stammend,  von  welcher  noch  kein  Glied  ein 
höheres  Staatsamt  bekleidet  hatte,  einen  Mann,  der  durch  eigene 
Kraft  zuerst  zu  einem  solchen  gelangte  und  dadurch  sich  und 
seine  Nachkommen  in  die  Klasse  der  Nobiles  versetzte.  Sie 
waren  dabei  ohne  Zweifel  von  dem  Gedanken,  der  sich  ihnen 
wohl  auch  aus  der  Erfahrung  ergeben  musste,  dm*chdrungen, 
dass  es  einem  Manne,  der  keine  durch  Geburt  und  Stellung 
hervorragenden  Ahnen  aufzuweisen  hat,  doppelt  und  dreifach 
schwer  Mt,  in  dem  Kampfe,  der  unser  Leben  ist,  sich  durch- 
zuringen, durch  eigene  Kraft  emporzuschwingen  und  in  dem 
Erkämpften  und  Errungenen  festzuhalten.  Ein  solcher  homo 
novus,  ein  selbstgemachter  Mann  ist  es,  dessen  Leben  auf  den 
folgenden  Blättern  geschildert  werden  soll  ^). 


^)  Als  Quelle  hiefür  dienten  mir  eine  kurze  handscfariftliclie  Autobiographie 
des  Verstorbenen,  welche  ich  ebenso  wie  mündliche  Mittheilungen  dem 
Sohne  desselben,  Herrn  Dr.  Moriz  von  Schreiner,  verdanke,  und  end- 
lich mein  eigenes  Gedächtniss,  dieEiinnerung  an  aU'  das,  was  Schreiner 
seit  1649,  da  idi  als  angehender  Student  der  Rechte,  ihn  kennen 
lernte  und  sein  Schüler  wiurde,  erlebte  und  an  die  vielen  Mittheilungen, 
die  er  mir  oftmals  gesprächsweise  über  sein  Leben  machte.  —  Eine 
Biographie  Schreiner's  unter  dem  Titel  „Ein  Mann  der  Wissenschaft" 
in  der  Grazer  Tagespost  1871,  Kr.  88—90,  beruht  auch  auf  der  oben 
erwähnten  Autobiographie.  —  Endlich  enthält  die  juridische  zu  Pest 
in  magyarischer  Sprache  erscheinende  Zeitschrift :  „ Jogtadomänyi  köz- 
lony^  (1868,  2.  Februar,  Nr.  5)  eine  Biographie  Schreiner's,  welche 
den  kgl.  ungarischen  Justizminister  Theodor  Pauler  zum  VerÜEtsser  hat. 

1* 


—     4     — 


Gustav  Franz  Schreiner  wurde  am  6.  Augast'  1793  in 
der  königlichen  Freistadt  Presburg  geboren.  Sein  Vater  Franz 
Xaver  war  dortselbst  Barger,  Biemermeister,  Hausbesitzer, 
zuletzt  Mitglied  des  äusseren  Rathes  und  durch  9  Jahre,  nach 
der  damaligen  Verfassimg  der  königlichen  Freistädte  Ungarns, 
StadtYormund  (Tribunus  plebis),  Vertheidiger  und  Vertreter 
der  Bürgerschaft  im  mneren  Rathe  (Magistrate)  mit  dem  Rechte, 
des  Veto  gegen  jeden  der  Bürgerschaft  nachtheiligen  Beschluss 
des  letzteren;  er  bekleidete  somit  öffentliche  Ehrenämter,  zu 
welchen  ihn  das  Vertrauen  seiner  Mitbürger  berufen,  obgleich 
er  nicht  einer  altungarischen  Familie  angehörte,  sondern  aus 
Brunn  in  Mähren  stammte,  von  wo  sein  Vater  (also  Professor 
Schreiner's  Grossvater)  nach  Presburg  ausgewandert  war.  Seine 
Mutter  war  eine  gebome  Zollner,  aus  Wien  gebürtig.  Das  vä- 
terUche  und  Geburtshaus  Schreiner's,  der  Ostseite  der  Dom- 
kirche zunächst  gegenüber  gelegen,  befindet  sich  noch  im  Be- 
sitze der  Familie. 

Schreiner  erhielt  in  der  Taufe  die  Namen  Franz  Xaver 
Donat;  den  Namen  Gustav,  welcher  ihm  in  der  Firmung  bei- 
gelegt wurde,  gesellte  er  erst  seit  dem  Jahre  1815  den  an- 
deren zu.  Seine  erste  Erziehung  und  Bildung  erhielt  er  in 
seiner  Vaterstadt;  da  jedoch  bereits  damals  in  Ungarn  die 
Kenntniss  mehrerer  Sprachen  für  jeden  Gebildeten  eine  drin- 
gende Nothwendigkeit  war,  so  wurde  er  schon  als  sechsjähriger 
Knabe  zur  Erlernung  der  ungarischen  Sprache  in  das  auf  der 
Insel  Schutt  gelegene  ungarische,  von  deutschen  Kolonisten 
gegründete  Dorf  Püspöki  (Bischdorf)  gegeben.  Nach  der  Rück- 
kehr von  dort  besuchte  er  in  Presburg  die  Normalschule  seiner 
Vaterstadt  und  die  ersten  vier  Klassen  des  dortigen,  damals 
unter  der  Leitung  weltlicher  Lehrer  stehenden  Gymnasiums. 
Das  Schuljahr  18041805  brachte  er  zum  Behufe  der  Erler- 
nung der  slovakischen  Sprache  zu  Trentschin  bei  einem  Edel- 
mann, Namens  Borschizky  zu,  wo  er  am  dortigen  Piaristen- 
Gymnasium  die  erste  Humanitätsklasse  absolvirte. 

Die  Gymnasialstudien  vollendete  er  1806  zu  Presburg^ 
Dem  Wunsche  semer  Mutter   folgend,  schlug   er  sodann  die 


—     5     — 

geistliche  Laufbahn  ein  und  bewarb  sich  um  die  Aufnahme 
in  eines  der  Alumnate  der  Graner  Erzdiöcese,  der  seine  Vater- 
stadt angehörte;  obgleich  er  das  zum  Eintritte  in  ein  solches 
erforderliche  Alter  noch  lange  nicht  erreicht  hatte,  wurde  er 
doch  seiner  vorzügüchen  Studienzeugnisse  wegen  und  nachdem 
er  die  vorgeschriebene  Aufhahmsprüfung  ausgezeichnet  bestan- 
den hatte,  aufgenommen,  zugleich  aber  auch  verpflichtet,  durch 
die  nächsten  drei  Jahre  sich  in  dem  Presburger  Emerichs- 
Seminar  dem  Studium  der  lateinischen  Klassiker  zu  widmen. 
Dies  geschah  auch  in  den  Jahren  1807  und  1808.  Während 
dieser  Zeit  erhielt  er  von  dem  Erzherzoge  Karl  Ambros, 
Primas  von  Ungarn  und  Erzbischof  von  Gran,  dem  Bruder 
der  Kaiserin  Maria  Ludovika,  die  Tonsur  und  die  vier  niederen 
Weihen.  Durch  den  Krieg  des  Jahres  1809,  in  dem  die  Fran- 
zosen Presburg  beschossen,  besetzten  und  das  Emerichs-Se- 
minar  in  ein  Spital  verwandelten,  wurden  die  zwölf  Kleriker 
dieses  Alumnates  genöthigt,  dasselbe  zu  räumen  und  sich  in 
eines  der  zwei  grossen  Seminare  zu  Tyrnau  zu  verfügen,  und 
als  auch  diese  zu  Spitälern  verwendet  wurden,,  sich  zu  ihren 
Eltern  zu  begeben. 

Durch  die  weiteren  Kriegsereignisse  und  ihre  Folgen 
wurden  die  Seminare  von  Presburg  und  Tyrnau  den  Alumnen 
für  das  nächste  Jahr  (1810)  unzugänglich  und  so  wurde 
Schreiner  der  Vei-pflichtung  enthoben,  noch  ein  drittes  Jahr 
im  Emerichs-Seminar  zu  verleben.  Um  jedoch  in  seinen  Studien 
keine  Unterbrechung  eintreten  zu  lassen,  erhielt  er  auf  sein 
Ansuchen  von  seiner  geistlichen  Oberbehörde,  dem  General- 
vikariate  der  Erzdiöcese  Gran,  da  der  erzbischöfliche  Stuhl 
damals  unbesetzt  war,  die  Erlaubniss,  das  erste  Jahr  der  philo- 
sophischen Studien  an  der  Akademie  zu  Presburg,  an  der 
durchaus  weltliche  Professoren  angestellt  waren,  zu  absolviren. 
Im  folgenden  Jahre  (1811)  wurden  die  Alumnen  wieder  in 
die  Seminare  berufen;  Schreiner  kam  nach  Tyrnau,  wo  er 
unter  Leitung  geistlicher  Professoren  die  Gegenstände  des 
zweiten  philosophischen  Jahrganges  studirte.  -  In  Wien  be- 
stand  und  besteht  noch  eine  Anstalt,   das  Pazmaneum  (von 


—  e   - 

Peter  Pazman,  Erzbischof  von  Gran,  Kardinal  und  Primas  von 
Ungarn,  gestorben  1687,  gegründet),  welches  die  Bestimmung 
hat,  die  ausgezeichnetsten  Alumnen  der  Erzdiöcese  Gran  auf- 
zunehmen und  ihnen  so  Gelegenheit  zu  geben,  an  der  theolo- 
gischen Fakultät  der  Wiener  Universität  zu  studiren.  Schreiner 
befand  sich  unter  denen,  welche  1812  in  das  Pazmaneum  be- 
stimmt waren;  da  er  es  aber  vorzog,  seine  kirchliche  Lauf- 
bahn im  deutschen  Theile  der  Monarchie  fortzusetzen,  so  be- 
warb er  sich  um  die  Aufnahme  in  die  Wiener  Erzdiöcese. 
welche  er  auch  sofort  nach  befriedigend  abgelegter  Aufhahms- 
prüfung  erlangte.  In  Wien  besuchte  er  nun  als  Zögling  des 
Seminars  zum  heil.  Stephan  die  Vorlesungen  des  ersten  theo- 
logischen Jahrganges  der  Wiener  Hochschule;  von  seiner 
geistlichen  Oberbehörde  wurde  ihm  namentlich  atfs  Herz  ge- 
legt, sich  dem  Studium  der  orientalischen  Sprachen  zu  widmen, 
da  der  Lehrer  derselben,  Aryda,  ein  Maronite  aus  dem  Liba- 
non, ihn  unter  allen  seinen  Zuhörern  besonders  bevorzugte, 
wesshalb  Erzbischof  Graf  Hohenwart  auch  die  Absicht  hatte. 
Schreiner  für  das  Lehrfach  der  orientalischen  Sprachen  aus- 
bilden zu  lassen.  Im  Beginne  des  zweiten  Jahrganges  der 
theologischen  Studien,  November  1812,  trat  Schreiner,  nicht 
ohne  bei  dem  Erzbischofe  auf  bedeutende  Hindemisse  zu 
stossen,  aus  dem  geistlichen  Stande  und  in  den  ersten  Jahr- 
gang der  rechts-  und  staatswissenschaftlichen  Fakultät  über. 
Von  da  an  setzte  er  die  juridischen  Studien  an  der  Wiener 
Hochschule  fort  und  beendete  dieselben  im  August  des  Jahres 
1816.  Bald  nach  absolvirten  Studien  unternahm  er  in  Gesell- 
schaft dreier  junger  Maler  eine  ReLse  durcli  ganz  Italien;  da- 
durch mag  die  Anregung  gegeben,  der  Grund  gelegt  worden 
sein  zu  der  Liebe  für  die  bildenden  Künste,  insbesondere  für 
die  Malerei,  die  ihn  durch  sein  ganzes  Leben  begleitete,  die 
ihn  veranlasste,  werthvoUe  Gemälde  zu  sammeln  und  Studien 
in  diesem  ihm  sonst  femer  liegenden  Gebiete  zu  untemehmen, 
welche  ihn  zu  einem  tüchtigen  Bilderkenner  machten. 

Diese    Reise,    durch   welche    sich    sein    geistiger    und 
physischer  Gesichtskreis    so    sehr    erweiterte,    durch  welche 


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—     7     — 

er  seine  Studien  und  Kenntnisse  über  Land  und  Leute,  ins* 
besondere  auf  dem  alten  Kulturboden  Italiens,  so  namhaft  aus- 
breiten und  vermehren  und  auch  fremder  Herren  Länder  kennen 
lernen  konnte,  war  aber  ohne  Zweifel  auf  Schreiner  auch  da- 
durch von  grossem  Einflüsse,  dass  sie  die  in  ihm  schon  mächtig 
lebende  Neigung  und  Vorliebe  für  das  Studium  der  Staats- 
Wissenschaften  nährte  und  kräftigte.  —  Die  erste  Anregung, 
sich  diesem  Gebiete  des  Wissens  speziell  zu  widmen,  war 
durch  die  gewaltigen  Ereignisse  der  Zeit  erfolgt,  in  welche 
Schreiner's  erste  Universitäts-Studienjahre  fallen.  Die  überwäl- 
tigende blendende  Höhe  von  Napoleons  L  Macht  und  Herrlich- 
keit, die  Katastrophe  in  Russland,  die  glorreiche  Erhebung 
des  deutschen  Volkes,  der  Anschluss  Oesterreichs  an  die  gegen 
den  französischen  Usurpator  AUüi'ten,  die  Biesenkämpfe  des 
Jahres  1813,  der  zweunalige  Marsch  der  verbündeten  Heere 
nach  Paris,  die  Friedensschlüsse  und  der  Kongress  zu  Wien, 
der  für  einen  guten  Theil  Europa's  neue  territoriale  und  Staats- 
rechtliche  Grundlagen  festzusetzen  die  Bestimmung  hatte,  — 
alles  Ereignisse,  welche  Schreiner  als  junger  Mann,  an  den 
eben  die  Frage  der  Berufswahl  herantrat,  miterlebte  und  von 
deren  letztem  er  ja  selbst  Augenzeuge  war,  mögen  mächtig, 
ja  gebieterisch  bestimmend  auf  ihn  emgewirkt  haben,  das 
Studium  der  Staatswissenschaften  zu  seinem  Lebensberufe  zu 
wählen. 

Schon  während  seiner  juridischen  Studien  entwickelte  sich 
in  ihm  von  Tag  zu  Tag  mächtiger  eine  entschiedene  Vorliebe  für 
diese  Fächer  und  steigerte  sich  mit  jedem  Jahrgange  der 
Rechte  in  der  Art,  dass  er  sich  unter  seinen  KoQegen,  besonders 
in  den  Fächern  der  Statistik  und  Politik,  während  der  Studien- 
jahre so  auszeichnete,  dass  er  noch  als  Studierender  die 
Aufmerksamkeit  der  Professoren  dieser  Fächer,  Zizius  und 
Wateroth,  auf  sich  lenkte.  Diese  beiden,  namentlich  der  letztere, 
ein  Schüler  Schlözer's  und  seiner  Zeit  ein  Liebling  Kaiser 
Joseph's  n.,  der  ihn  von  Göttingen  nach  Wien  berufen  hatte, 
können  auch  als  Schreiner's  bedeutendste  und  auf  ihn  ein- 
flussreichste Lehrer  bezeichnet  werden.    Diese  waren  es  nun, 


—     8     — 


welche  Sdureiner  aufforderten,  sich  dem  Lehramte  za  widmen 
und  ihn  zu  ihrem  Supplenten,  Wateroth  an  der  Universität 
für  Politik,  politische  Gesetzkunde  und  die  schweren  Polizei- 
Uebertretungen,  Zizius  an  der  Maria  -  Theresianischen  Ritter- 
akademie fbr  dieselben  Fächer  bestimmten.  An  der  Universit&t 
bekleidete  Schreiner  diese  Stelle  in  der  damals  an  den  öster- 
reichischen Hochschulen  üblichen  Weise,  indem  er  für  den 
Professor,  welchem  er  zugewiesen  war,  in  dessen  Verhinderung 
einzelne  Vorlesungen  abhielt.  Am  Theresianum  aber  gestaltete 
sich  die  Sache  für  Schreiner  bald  nach  Antritt  der  Supplenten- 
stelle  ganz  anders.  Zizius,  Professor  der  Statistik  an  der  Uni- 
versität und  der  Politik  am  Theresianum,  zugleich  Mitglied 
und  General-Referent  der  Hofkommission  in  politischen  Gesetz- 
sachen, Advokat  und  noch  mit  mehreren  anderen  Aemtem 
bekleidet,  wurde  durch  diese  vielen  auf  ihm  lastenden  Ge- 
schäfte in  einer  seine  Gesundheit  untergrabenden  Weise  so 
in  Anspruch  genommen,  dass  er  sich,  besonders  um  seiner 
Aufgabe  in  jener  Hofkommission  entsprechen  zu  können,  ge- 
nöthigt  sah,  sich  als  Professor  einen  Urlaub  auf  unbestimmte 
Zeit  zu  erwirken.  Zizius  hatte  daher  emen  Stellvertreter  für 
sich  vorzuschlagen  und  wählte  dazu  Schreiner,  welcher  dadurch 
von  Ostern  1817  bis  ScUuss  des  zweiten  Semesters  von  1818 
als  supplirender  Professor  der  politischen  Wissenschaften  am 
Theresianum  lehrte.  In  diesem  Jahre  kam  die  Lehrkanzel  der 
Statistik,  der  Politik,  des  österreichischen  Staatsrechtes  und 
der  österreichischen  politischen  Verwaltungsgesetzkunde  am 
Lyceum  zu  Olmtttz  zur  Besetzung;  Schreiner  unterzog  sich 
dem  Concurse  (der  schriftlichen  Prüfung)  für  diese  Stelle,  und 
dieser  fiel  so  glänzend  aus,  dass  ihm  dieselbe,  obwohl  er  in 
dem  nachherigen  Professor  Dr.  Franz  Fischer  einen  bedeuten- 
den Mitbewerber  hatte,  und  er  noch  des  Doctorates  der  Rechte, 
eines  wesentlichen  Erfordernisses  zur  Erlangung  einer  juridi- 
schen Professur  ermangelte,  mit  allerhöchster  Entschliessung 
vom  29.  Dezember  1819  verliehen  wurde.  Mit  seiner  Ab- 
reise von  Wien  schied  er  auch  aus  dem  Hause  des  Grafik 
Philipp  von  Grttnne,  Generals  der  Cavallerie  und  Obersthof- 


—     9     - 

meistere  des  Erzherzogs  Karl,  wo  er  unbeschadet  seiner  Lehr- 
amtsthätigkeit  durch  drei  Jahre  als  Erzieher  ded  einzigen  Sohnes, 
Karl  Grafen  von  Grünne,  jetzt  General  der  Cavallerie  und  Oberat- 
Stallmeister  des  Kaisers,  gewirkt  hatte. 

Die  Professur  in  Olmütz  bekleidete  Schreiner  von  1820 
bis  1828.  Während  dieser  Zeit  erwarb  er  sich  in  Wien  nach 
Ablegung  der  vier  strengen  Prüfungen  durch  die  Promotion 
am  4.  August  1824  das  Doctorat  der  Rechte.  Auch  mehrere 
Reisen  fallen  in  diese  Zeit,  so  kleinere  durch  Ungarn,  Sachsen, 
Böhmen  imd  Preussisch  -  Schlesien  und  1822  eine  grössere 
durch  Ober-Itatien,  die  Schweiz,  einen  Theil  Frankreichs  und 
durch  Süd  -  Deutschland,  auf  welcher  er  den  jungen  Grafen 
Mittrowsky  (Hörer  der  Rechte  am  Theresianum,  gestorben 
vor  wenigen  Jahren  als  kais.  Geheünrath  und  Oberlandesge- 
richts-Präsident  i.  P.),  begleitete,  den  Sohn  des  damaligen 
Gouverneurs  von  Mähren,  der  ihm  als  Führer  auf  dieser  Reise 
seinen  Sohn  anvertraut  hatte.  Die  auf  diesen  Reisen  gesam- 
melten Anschauungen,  Erfahrungen  und  Kenntnisse  kamen  be- 
sonders seinen  statistischen  Studien  und  Vorträgen  'zu  gute. 
Im  Jahre  1823  winde  Schreiner  in  Olmütz  neben  seiner  Pro- 
fessur die  provisorische  Leitung  der  dortigen  Lycealbibliothek 
übertragen,  welcher  er  bis  zur  definitiven  Wiederbesetzung  der 
Bibliothekarstelle  durch  ein  und  ein  halb  Jahr  vorstand. 

Schon  während  dieser  seiner  Dienstzeit  in  Olmütz  begann 
Schreiner's  vielseitige  Uterarische  Thätigkeit  auf  dem  Gebiete 
der  Statistik,  Geographie  und  Politik,  welche  er  zueret  durch 
Arbeiten,  die  in  Wagner's  Zeitschrift  und  Hormayr's  Archiv 
erschienen,  darthat. 

Im  Laufe  des  Jahres  1828  wurde  die  Lehrkanzel  der 
Statistik  und  der  politischen  Wissenschaften  an  der  juridischen 
Fakultät  der  Universität  zu  Graz  erledigt;  Schi-einer  bewarb 
sich  um  diese  Stelle  und  wurde  mit  a.  h.  EntSchliessung  vom 
19.  Juli  1828  zum  öfifentl.  ordentl.  Professor  dieser  Fächer 
an  der  Hochschule  zu  Graz  ernannt.  Von  da  an  bis  zu  semer 
um   Ostern  1871    erfolgenden  Versetzung  in  den  Ruhestand, 


—     10     — 

also  durch  dreiundvierzig  Jahre  bekleidete  Schreiner  dieses 
Lehramt  in  ausgezeichneter  Weise. 

In  den  Monaten  August  und  September  1830  bereiste 
Schreiner  von  Graz  aus  als  Begleiter  des  Grafen  Ferdinand 
Attems  (Sohn  des  damaligen  Landeshauptmannes  Grafen  Ignaz 
Attems),  jetzt  erblichen  Reichsraihes,  Oberitalien  von  Venedig 
bis  Mailand  und  bis  zu  den  oberitalienischen  Seen ;  am  längsten 
währte  der  Aufenthalt  in  den  beiden  genannten  Städten,  und 
Schreiner's  gründliche  kunsthistorische  Kenntnisse  trugen  nicht 
wenig  dazu  bei,  dem  Grafen  Attems,  welcher  damals  noch  ein 
jugendlicher  Studiosus  war,  den  Genuss  der  reichen  Eunstschätze 
Italiens  in  ausgedehntester  Weise  und  in  vollstem  Masse  zu 
vermitteln  *). 

In  Graz  konnte  sich,  unterstützt  durch  die  in  den  hiesigen 
Bibliotheken  vorhandenen  zahlreichen  Hilfsmittel,  Schreiner's 
literarische  Thätigkeit  in  umfangreicher  Weise  entfalten.  Zeug- 
niss  hievon  geben  zahlreiche  Arbeiten  historischen,  politi- 
schen, statistischen,  topographischen  und  geographischen  In- 
haltes, welche  von  da  an  bis  in  die  letzten  Lebensjahre 
Schreiner's  in  zaldreichen  Zeitschriften  und  Sammelwerken  er- 
schienen *). 

Im  Jahre  1833  trat  Schreiner  in  das  Redactions-Comite 
der  steiermärkischen  Zeitschrift  und  leitete  zuerst  mit  Vest, 
Thinnfeld  und  Muchar,  später  mit  diesem,  Leitner  und  Schröt- 
ter  die  Herausgabe  derselben  bis  zu  ihrem  1848  erfolgten 
Aufhören. 

Diese  umfassenden  literarischen  Arbeiten  brachten  Schrei- 
ner mit  mehreren  der  ersten  Gelehrten  Deutschlands  auf  den 
Gebieten  der  Politik,  der  Statistik  und  der  Rechtswissenschaften, 
so  mit  Rotteck,  Welcker,  Rau,  Mitterniaier,  Berghaus,  Wessen- 
berg,  Schubert,  Karl  Ritter  und  mit  anderen  Männern  seiner 
Fächer  in  briefliche,  persönliche  und  freundschaftliche  Verbin- 


<)  Nach  gütigen  Mittheüungen  der  gräflichen  Familie  Attems. 
')  Ein  Yerzeichniss   seiner  sämnitlichen   literarischen  Arbeiten  folgt  im 
Anhange. 


—    11    — 

düng.  Friedrich  Wilhelm  Schubert,  einer  der  vorzüglichsten 
Statistiker  Deutschlands  und  Professor  der  Geschichte  und 
Staatskunde  an  der  Universität  zu  Königsberg,  der  von  den 
sieben  Theilen  seines  grossen  Werkes:  „Handbuch  der  allge- 
meinen Staatskunde  von  Europa  *  (Königsberg  1839  —  1843)** 
nur  dreien  eine  Widmung  vorangesetzt  hatte,  widmete  einen 
derselben  Schreiner,  „dem  gründlichen  und  wohlverdienten  Ar- 
beiter auf  dem  Felde  der  Staatskunde  als  ein  Zeichen  auf- 
richtiger Hochachtung",  eine  Auszeichnung,  welche  Schreiner 
mit  ungemeiner  Freude  erfüllte. 

Als  im  Jahre  1843  bei  Gelegenheit  der  Naturforecher- 
Versammlung  Karl  Ritter,  der  berühmte  Geograph,  Graz  be- 
suchte, wurde  ihm  vom  Erzheraoge  Johann  speziell  Schreiner 
zugewiesen,  namentlich  um  ihm  über  die  Industrie  der  Steier- 
mai-k  eingehende  Aufschlüsse  zu  geben.  Ritter  gedenkt  auch 
dankbar  Sclireiner's  in  einem  Briefe  0- 

Von  Schreiner's  Uterarischen  Arbeiten  berühren  uns  hier 
zunächst  diejenigen,  welche  die  Steiermark,  ihre  geschichtlichen, 
geographischen  und  statistischen  Verhältnisse  betreffen.  Hieher 
gehört  der  „Allgemeine  Kalender  für  die  katholische  Geist- 
lichkeit'*, welchen  Schreiner  in  den  fünf  Jahren  von  1832  bis 
1836  in  Verbindung  mit  einem  Professor  der  Theologie,  na- 
mentlich für  die  Priester  der  Diöcesen  Seckau  und  Lavant 
bestimmt,  herausgab.  Geographische  Merkwürdigkeiten  der 
Steiermark  schilderte  er  mit  gewandter  Feder  in  den  Aufsätzen 
„Oesterreich*s  Naturschönheiten"  und  „Ausflug  nach  der  Höhle 
in  der  Frauenmauer";  Statistik  und  wirthschaftliche  Zustände 
unseres  Landes  fanden  in  mehreren  Aufsätzen  eingehende  Be- 
rücksichtigung, so  in  „Steiennarks  Volksmenge",  in  „Steier- 
marks  Waldstand,  Holzreichthum  und  Forstkultur"  in  den 
„Statistischen  Nachweisungen  über  die  Landwirthschaftspflege 
des  österreichischen  Kaiserstaates",  welche  von  Oesterreich  ob 
und  unter  der  Enns  und  von  Steiermark  handeln,  und 
endlich  in  späteren  Jahren  noch  in  der  ethnographisch-statisti- 


«)  Krämer:  Karl  Ritter  (Halle  1870)  II.  819. 


A 


'1 


—    la- 
schen Abhandlung  „die  Bewohner  des   Landes**;    die    ethno- 
graphischen Verhältnisse  der  Steiermark  behandelt  eine  Arbeit 
Über  die  Sprachgrenze  zwischen  Deutschen  und  Wenden  in 
unserem  Lande. 

Ein  besonderes  Verdienst  um  Steiermark  und  speziell 
um  Graz  erwarb  er  sich  durch  das  Werk:  „Grätz.  Ein  natur- 
historisch-statistisch-topographisches Gemälde  dieser  Stadt  und 
ihrer  Umgebungen*,  welches  er  (Grätz  1843)  im  Vereine  mit 
Muchar,  Unger  und  Weiglein  herausgab. 

Wie  alle  Werke  Schreiner's  ist  auch  dieses  mit  dem 
grössten  Fleisse,  mit  ausserordentUcher  Gründlichkeit  und 
seinen  Gegenstand  vollkommen  erschöpfend  gearbeitet  Obwol 
dreissig  Jahre  seit  seinem  Erscheinen  verflossen,  ist  es  doch 
noch  von  keiner  der  späteren  über  Graz  erschienenen  Schriften 
weder  an  Umfang  noch  viel  weniger  an  innerem  Werthe  über- 
troflfen  worden. 

Gegen  die  bis  dahin  allgemein  übliche  und  auch  von 
Schreiner  in  diesem  Werke  angenommene  Schreibung  des  Na- 
mens der  Stadt  „Grätz*  trat  bald  nach  Erscheinen  desselben 
der  bekannte  Orientalist  Hammcr-Purgstall  mündlich  und 
schriftlich  für  die  Schreibung  „Gratz*  auf;  Schreiner  verthei- 
digte  seine  Ansicht  in  zwei  Aufsätzen:  „Ueber  die  heutzutage 
einzig  richtige  Schreibung  des  Namens  der  Stadt  Grätz*  und 
„Chronologisches  Verzeichniss  der  gedruckten  und  unge- 
druckten Urkunden,  welche  den  Namen  der  Stadt  Grätz  ent- 
halten* (Steiermärkische  Zeitschrift  1844). 

Schreiner*s  Thätigkeit  beschränkte  sich  aber  durchaus» 
nicht  auf  dieses  üterarische  Wirken;  auch  auf  dem  Gebiete 
öfifentlicher  praktischer  Wirksamkeit  war  er  rastlos  thätig  und 
bemüht,  den  vielen  Anforderungen,  welche  die  Regierung  oder 
seine  Mitbürger  an  ihn  stellten,  vollkommen  gerecht  zu  wer- 
den. Die  Regierung  benützte  sein  Wissen  mehriach,  indem  sie 
ihn  schon  1832  zum  MitgUede  der  steiermärkischen  Provinzial- 
Gommerz-Kommission  ernannte  und  in  den  Jahren  1632  bis 
1838  ihn  mit  mehreren  die  Steiermark  betreffenden  statisti- 
schen Arbeiten  betraute ;  und  als  Erzherzog  Johann  im  Jahre 


—     13     — 

1837  daran  ging,  aus  dem  Schoose  der  auch  vor  ihm  gegrün- 
deten steiermärkischen  Landwirthschaftsgesellschaft  einen  neuen 
Verein,  den  „zur  Beförderung  und  Unterstützung  der  Industrie 
und  der  Gewerbe  in  Innerösterreich,  dem  Lande  ob  der  Enns 
und  Salzburg"  (jetzt  „steiennärkischer  Gewerbeverein")  ent- 
stehen zu  lassen,  da  war  es  Schreiner,  welcher  von  dem  kai- 
serlichen Prinzen  zum  Geschäftsleiter  und  Sekretär  des  erst 
zu  gründenden  Vereines  berufen  wurde,  alle  Vorarbeiten  lei- 
tete, nicht  ohne  lebhaften  Kampf  gegen  mancherlei  Schwierig- 
keiten die  Gründung  durchführte,  sowol  den  Verein  im  Ganzen 
als  auch  die  einzelnen  Anstalten  desselben:  die  Zeichnungs- 
schule, das  Musterwaaren-Eabinet,  die  Bibliothek  und  endlich 
auch  das  steiermärkische  Industrie-  und  Gcwerbeblatt  in's  Le- 
ben rief  und  so  in  der  That  wegen  seiner  längjährigen  viel- 
fachen Verdienste  um  diesen  Verem  neben  dem  Erzherzog  als 
zweiter  Gründer  desselben  bezeichnet  werden  muss. 

Schreiner's  materielle  Verhältnisse  waren  namentlich  in 
dieser  Periode  nicht  besonders  günstige;  der  sehr  massige 
Professorengehalt  reichte  nicht  hin,  eine  Familie  mit  fünf  Kin- 
dern standesgemäss  zu  erhalten  und  diesen  eine  entsprechende 
Erziehung  angedeihen  zu  lassen;  da  mussten  literarische  Ar- 
beiten das  Fehlende  schaffen  helfen  und  um  diese  auf  wissen- 
schaftlicher Grundlage  aufzubauen,  bedurfte  es  des  angestreng- 
testen Fleisses,  der  angespanntesten  Arbeitsthätigkeit  von  Seite 
Schreiner's;  alltäglich  sass  er  um  4  Uhr  Morgens  bereits  am 
Schreibtische,  wenn  er  denselben  oft  auch  erst  um  Mittemacht 
verlassen  hatte,  um  auf  dem  Gebiete  seiner  Wissenschaften 
nicht  zurückzubleiben  und  doch  auch  literarisch  zu  produciren. 
Seine  rastlose  Thätigkeit  noch  in  späteren  Jahren  war  in  der 
üniversitätswelt  geradezu  sprichwörtlich  geworden ;  kein  Viertel- 
stündchen ging  unbenutzt  vorüber,  sogar  die  viertelstündigen 
Pausen  zwischen  den  einzelnen  Vorlesungen  verwendete  er, 
um  in  der  Universitätsbibliothek  seinen  Studien,  Forschungen 
und  Arbeiten  obzuliegen. 

So  war  Schreiner  seit  Jahren  als  Forscher,  Schriftsteller 
und  Lehrer  auf  dem  Gebiete  der  politischen  Wissenschaften 


—     14     — 

thätig  und  hatte,  soweit  es  unter  den  damaligen  VerhSltoissen 
zul&ssig  war,  auch  den  regsten  Anthefl  an  dem  öffentlichen 
Leben  und  an  gemeinnützigen  Vereinen  genommen ;  als  daher 
die  Bewegungen  des  Jahres  1848  begannen,  da  war  es  wohl 
selbstverständlich,  dass  auch  diese  ihn  in  ihre  Strömung  ziehen 
und  auf  ihn  innerlich  und  äusserlich  mächtig  einwirken,  ja  ihm 
eine  Rolle  im  parlamentarischen  Leben  geradezu  aufnöthigen 
würden.  Als  unmittelbar  nach  den  Märztagen  ein  frischerer, 
freierer  Geist,  als  je  bisher,  auch  in  die  Publicistik  eindrang 
und  in  Folge  dessen  eine  Aenderung  in  der  Redaction  der 
offiziellen  Grazer  Zeitung  nöthig  wurde,  da  drang  der  damalige 
Gouverneur  von  Steiermark,  Graf  Wickenburg,  mit  Bitten  und 
Vorstellungen  so  lange  in  Schreiner,  bis  dieser  sich  halb  wider 
Willen  bereit  erklärte,  die  Redaction  dieses  Journals  zu  über- 
nehmen; die  akademische  Legion  wählte  ihn  zu  ihrem  Clief, 
und  die  Universität  zu  ihrem  Vertreter  im  verstärkten  Land- 
tage, dessen  Sitzungen  er  aber  nur  kurze  Zeit  beiwohnen 
konnte,  da  er  inzwischen  von  drei  Wahlbezirken,  Weiz,  Feld- 
bach und  Cilli,  zum  Abgeordneten  in  das  Frankfurter  Parla- 
ment und  von  der  Landeshauptstadt  Graz  zum  Ersatzmanne 
ihres  Abgeordneten  in  dasselbe,  des  Ritters  von  Kalchberg, 
welcher  Sektionschef  im  österreischischen  Finanzministerium  ge- 
worden, gewählt  worden  war. 

Im  Mai-  1848  begab  sich  Schreiner  nach  Frankfurt  und 
verweilte  dort  bis  Ende  April  des  folgenden  Jahres.  Im  Par- 
lamente sass  Schreiner  im  linken  Centrum  und  schloss  sich 
seiner  Parteistellung  nach  jener  Fraction  an,  welche  den  Namen 
von  ihrem  Versammlungsorte,  dem  Württemberger  Hofe,  hatte, 
der  ausser  anderen  auch  Biedeimann  aus  Leipzig,  Fallati  aus 
Tübingen,  Giskra  aus  Wien,  Hermann  aus  München,  Höfken 
aus  Heidelberg  (später  in  Wien),  Mittermaier  aus  Tübingen, 
Robert  von  Mohl  aus  Heidelberg,  Teilkampf  aus  Breslau, 
Riesser  aus  Hamburg,  Stenzel  aus  Breslau,  Wydenbrugk  aus 
Weimar  und  Wurm  aus  Hamburg  angehörten.  —  Er  wurde 
von  dem  Parlamente  sogleich  in  den  ersten  seiner  Ausschüsse, 
in  den  Mainzer  Ausschuss,  gewählt,  welcher  über  einen  blu- 


—     15     — 

tigen  Konflikt  zwischen  den  Bürgern  von  Mainz  und  den 
preossischen  Besatzungstruppen  zu  berichten  hatte.  Sodann 
traf  ihn  auch  die  Auszeichnung,  in  den  wichtigsten  Ausschuss 
den  Yerfassungsausschuss,  gewählt  zu  werden,  in  welchem  die 
bedeutendsten  Männer  der  Versammlung,  wie  Mühlfeld,  An- 
drian,  Dahlmann,  Heinrich  Simon,  Tellkampf,  Beseler,  Beckerath, 
Fürst  Lichnowsky,  Robert  Blum,  Ahrens,  Waitz,  Lassaulx, 
Römer,  Droysen,  Paul  Pfizer,  Mittermaier,  Welcker,  Robert  von 
Mohl,  Bassermann,  Max  von  Gagem,  sassen.  —  Schreiner  nahm 
an  den  Sitzxmgen  und  Arbeiten  dieser  Ausschüsse,  sowie  an 
allen  Verhandlungen  des  Parlamentes,  wie  es  nach  seinem 
Naturell  nicht  anders  sein  konnte,  den  regsten  Antheil,  und 
war,  wenn  er  auch  auf  der  Rednerbühne  selten  erschien,  im 
Klub  und  in  den  Ausschüssen  um  so  thätiger 

Als  nach  der  Wahl  des  Königs  von  Preussen  zum  deut- 
schen Kaiser  durch  die  Nationalversammlung  Oesterreich  seine 
Abgeordneten  zurüclmef,  verliess  auch  Schreiner  Frankfurt 
und  nahm  seine  Lehrthätigkeit  in  Graz  wieder  auf  und  zwar 
unter  ganz  anderen  Verhältnissen  als  er  sie  im  Jahr  vorher 
verlassen  hatte.  Während  vor  dem  Jahre  1848  wenigstens  nach 
Wunsch  und  Willen  der  Regierung  die  juridische  Fakultät  nur 
eine  Fachschule  zur  Heranbildung  der  für  den  Staat  nöthigen 
Beamten  sein  sollte,  und  daher  alle  Vorlesungen  ihrem  Inhalte 
und  Umfange  nach  strenge  vorgeschrieben  waren,  so  dass  an- 
dere Kollegien  gar  nicht  gehalten  werden  durften  und  auch 
die  Studirenden  im  Besuche  der  Vorlesungen  unabänderlich 
gebunden  waren,  so  wehte  jetzt  als  eine  der  wenigen,  wenn 
auch  nur  theüweise  erhaltenen  Erbschaften  der  Märztage,  der 
Geist  der  Lehr-  und  Lemfreiheit  in  diesen  Räumen,  und  Pro- 
fessoren und  Studenten  stand  jetzt  die  Wahl  der  zu  haltenden 
und  zu  hörenden  Kollegien  frei.  Schreiner's  Wirksamkeit  als 
akademischer  Lehrer  konnte  sich  also  auch  jetzt  erst  frei 
und  ungehindert  entfalten,  was  auch,  obwol  er  damals  schon 
im  höheren  Mannesalter  stand,  im  vollen  Masse  der  Fall  war. 
Die  Vorlesungen,  welche  er  von  da  an  aUjährlich  hielt,  na- 
mentlich die  über  Volkswirthschaftslehre  und  ihre   einzelnen 


—     16     — 

Tbefle,  über  Finanzwissenschaft,  Verfassungs-  und  Verwaltongs- 
Politik  gehörten  zu  den  anregendsten,  belehrendsten  und  best- 
besuchten Kollegien  der  Universität;  der  Verfasser  dieser 
Biographie  und  mit  ihm  gewiss  noch  viele  ältere  Schüler 
Schreiner's  werden  sich  mit  Vergnügen  und  Genuss  der  Vor- 
lesungen erinnern,  welche  er  in  den  Jahren  1849 — 1852  über 
Nationalökonomie  und  Ver£etssungspolitik  hielt;  der  grosste 
Hörsaal  der  juridischen  Fakultät  war  bei  jedem  dieser  Vor- 
träge bis  auf  seine  letzten  Sitzplätze  besetzt  und  an  der  ThOre 
und  entlang  den  Wänden  standen  noch  viele  Hörer,  welche 
alle  mit  gespanntester  Aufmerksamkeit  dem  freien  Vortrage 
ihres  Lehrers  folgten.  —  In  den  Studieiyahren  1854-1855 
und  1863  —  64  bekleidete  Schreiner  die  Würde  des  Dekans 
der  juridischen  Fakultät  und  un  Jahre  1852  53  die  des  Rek- 
tors der  Universität 

Die  Zeit  der  Reaction  von  1850  bis  1860  und  die  dar- 
aus sich  ergebenden  Zustände  lasteten  auch  auf  Schreiner 
schwer;  der  seiner  Anschauung  nach  aus  ihnen  mit  unver- 
meidlicher Grewissheit  sich  ergebende  Verfall  des  Staates, 
seine  Einbusse  an  Macht  und  Ansehen  nach  Aussen  hin,  Zer- 
rüttung und  Lähmung  im  Innern  erfüllten  ihn  mit  tiefem  pa- 
triotischem Schmerze,  umsomehr,  als  er,  der  Forscher  und 
Lehrer  auf  dem  Felde  der  Staats  Wissenschaften,  das  Hohle, 
das  Unhaltbare  aller  gegen  den  Geist  der  Zeit,  gegen  Recht 
und  Selbstbewusstsein  der  Völker  damals  geschaiFenen  Insti- 
tutionen auf  das  deutlichste  erkennen  und  die  traurigen  Folgen 
solcher  Staatskunst  voraussehen  musste. 

Trost  und  Erhebung  boten  ihm  in  diesen  Zeiten  seine 
umfassende  Thätigkeit  zur  Hebung  und  Fortentwicklung  des 
steiermärkischen  Gewerbevereines  und  eine  grosse  literarische 
Arbeit,  die  er  damals  (1850)  begann.  Schon  frühe,  noch  wäh- 
rend seiner  Studienjahre  hatte  er  seine  Aufmerksamkeit  dem 
wunderbar  herrlichen  Lande  Italien  zugewendet  Diese  Stätte 
uralter  Kultur,  diese  mit  Naturschönheiten  und  Kunstschätzen 
so  reich  gesegnete  Halbinsel,  die  im  Alterthume,  im  Mittelalter 
und  noch  im  sechszehnten  Jahrhundert  so  grossartige  geschicht- 


i 


—     17     — 

liehe  Ereignisse  und  eine  so  hohe  Eulturblüte  auf  ihrem  Boden 
sich  vollziehen  sah  und  jetzt  wieder  zu  neuem  Leben  zu  er- 
wachen scheint  —  dieses  Land  und  seine  Bewohner  waren 
schon  früher  mehrfach  Gegenstand  seiner  Forschungen,  Studien 
und  literarischen  Arbeiten  gewesen. 

Unmittelbar  nach  Vollendung  seiner  Studien  hatte  er  ganz 
Italien  durchreist  und  in  den  späteren  Jahren  unternahm  er 
von  Graz  aus  mehrere  Beisen  dahin,  besonders  nach  Ober- 
italien,  als  deren  Ergebniss  man  einige  Arbeiten  in  der  „Steier- 
märkischen  Zeitschrift^  betrachten  kann;  so  „Erinnerungen  an 
das  österreichische  Friaul"  (1834),  „Reisebilder  aus  Italien" 
(1834)  und  die  Einleitung  zu  den  von  EoUmann  übersetzten 
Briefen  des  Antonio  Canova. 

Mehr  als  alles  andere  aber  zog  ihn  Venedig,  die  zaube- 
rische Lagunenstadt,  an  und  er  beschloss,  diese  einstige  Meeres- 
königin sich  zum  Stoffe  eines  grossen  topographischen  und 
historischen  Werkes   zu  nehmen.    Durch  zwei  Decennien  &st 
aljyährlich  verweilte  Schreiner  zwei  Monate  in  Venedig  und 
brachte  diese  Zeit  mit  den  eingehendsten  Studien  und  Forschun- 
gen über  die  topographischen,  statistischen  und  wirthschaftlichen 
Verhältnisse,  über  die  politische  und  Kunstgeschichte  dieser 
Stadt  zu ;  und  nach  Hause  zurückgekehrt  arbeitete  und  forschte 
er  die  ganze  grossartige  Literatur  über  diese  Stadt  und  ihre 
Geschichte  auf  das   fleissigste   und    gründlichste  durch   und 
sanunelte  sich  so  ein  wahrhaft  riesiges  Material  als  Grundlage 
des  beabsichtigten  Werkes.  Nebenbei  legte  er  eine  Sammlung 
von  Photographien  von  Venedig  an,  welche  die  Zahl  von  vielen 
Hunderten  erreicht  und  die  grösste  und  vollständigste  der- 
artige Sammlung  sein  dürfte.    An  die  Ausarbeitung  des  pro- 
jectirten  grossen  Werkes  aber  kam  Schreiner  nicht ;  nur  zwei 
allerdings  umfangreiche  Bruchstücke  aus  demselben,  ein  Auf- 
satz über  „Venedigs  Begräbnissstätten"  und  eine  grosse  Arbeit 
über  Gradiska  wurden  von  ihm  dem  Drucke  übergeben '). 


1}  Pas  ganze  grossartige  handschriftliche  Material  Schreiner's  über  Ve- 
nedig und  die  Photographiensammlung  befinden  sich  jetzt  im  Besitze 
seines  Sohnes  Dr.  Moziz  von  Schreiner  in  Graz 

B 


^  I 


—     18     — 


Als  Oesterreich  seit  1860  allmählich  in  die  Bahnen  con- 
stitationeUen  Lebens  einlenkte,  eröffnete  sich  fUr  Schreiner 
wieder  das  Feld  parlamentarischer  Thätigkeit;  in  den  durch 
das  a.  h.  Patent  vom  26.  Februar  1861  auf  den  6.  April  1861 
einberufenen  Landtag  wurde  er  durch  den  Wahlbezirk  der 
Mttrkte  Frohnleiten,  Gratwein,  Deutsch  -  Feistritz,  Uebelbach 
und  Passail  als  Abgeordneter  gewählt;  er  gehörte  diesem  Land- 
tage bis  zu  der  am  2.  Jänner  1867  erfolgten  Auflösung  an 
und  wurde  bei  den  unmittelbar  darnach  stattfindenden  Wahlen 
von  demselben  Wahlbezirke  wieder  in  die  Landesvertretung 
entsendet,  deren  Mitglied  er  auch  bis  zu  der  am  21  Mai  1870 
stattgefundenen  Auflösung  derselben  war. 

Schreiner's  Landtagsthätigkeit  war  von  derselben  Hinge- 
bung, demselben  Ernste  und  Eifer  getragen,  welche  er  ebenso 
in  allen  anderen  Grebieten  seiner  Wirksamkeit  an  den  Tag 
legte;  er  wurde  von  seinen  Landtagskollegen  in  den  Finanz- 
ausschuss  und  von  diesem  wieder  zum  Obmanne  gewählt,  und 
hatte  so  trotz  seines  damals  schon  hohen  Alters  eine  grosse 
Arbeitslast  zu  bewältigen,  welcher  er  aber  im  vollsten  Masse 
gerecht  wurde  und  wobei  ihm  gewiss  die  parlamentarischen 
Erfahrungen,  welche  er  einst  zu  Frankfurt  gemacht,  sehr  zu 
Statten  kamen.  —  Mit  wahrer  Befriedigung  und  mit  Stolz 
konnte  Schreiner  auf  die  im  Landtagssaala  versammelten  Man* 
ner  blicken,  denn  mehr  als  die  Hälfte  derselben  waren  seine 
Schüler  gewesen,  einst  im  Hörsaale  zu  seinen  Füssen  gesessen 
und  von  ihm  in  die  Grundlehren  jener  Wissenschaften,  welche 
sie  nun  praktisch  auszuüben  berufen  waren,  zuerst  eingeführt 
worden ;  und  mit  inniger  Freude  erfüllte  ihn  der  gewiss  seltene 
Fall,  dass  während  der  zweiten  Landtagsperiode  einer  seiner 
Söhne,  welcher  seit  1862  Advokat  in  Graz  war,  mit  ihm  in 
derselben  Landesvertretung  sass. 

Auch  die  Regierung,  welche  ihn  lange  bei  Seite  gesetzt 
hatte,  begann  jetzt  wieder,  sich  seines  Rathes  zu  bedienen, 
indem  sie  ihn  1866  den  Verhandlungen  des  Unterrichtsrathes 
in  Wien  beizog. 

In  diese  Zeit  Mt  auch   der  Haupttheil  der  Thätigkeit 


—     19     — 

Schreiner's  im  historischen  Vereine  für  Steiermark.  Na€hdem 
er  demselben,  auch  einer  Schöpfung  Erzherzogs  Johann,  schon 
seit  seiner  Gründung  (1845)  als  Mitglied  angehört  hatte,  wurde 
er  am  25.  Juni  1862  von  der  zwölften  allgemeinen  Versamm- 
lung desselben  zum  Ausschussmitgliede  gewählt 

Als  im  März  1869  die  Stelle  des  Vereinsvorstandes  in  Erledi- 
gung kam,  ersuchte  ihn  der  Vereinsausschuss,  die  Stellvertretung 
bis  zur  nächsten  allgemeinen  Versammlung  zu  übernehmen,  welche 
ihn  sodann  am  30.  Juni  1869  zum  Veremsvorstande  erwählte. 
In  dieser  Eigenschaft  leitete  er  den  Verein  bis  zum  30.  Juni 
1870,  an  welchem  Tage  er  seine  Stelle  in  der  allgemeinen 
Versammlung  mit  dem  niederlegte,  dass  er  eine  allfMlige  Wie- 
derwahl wegen  seines  hohen  Alters  und  zunehmender  Kränk* 
lichkeit  unbedingt  ablehnen  müsse.  So  hat  sich  Schreiner 
um  die  Geschichtsforschung  und  Geschichtschreibung  unseres 
Landes  nicht  nur  durch  seine  literarischen  Arbeiten,  sondern 
auch  durch  sein  Wirken  im  historischen  Vereine  und  an  der 
Spitze  desselben  verdient  gemacht 

Auch  dem  steiermärkischen  Eunstvereine  und  dem  steier- 
märkischen  Eunstmdustrievereine  gehörte  Schreiner  in  dieser 
Zeit  als  Ausschussmitglied  an. 

So  sehr  ihn  aber  seine  Schüler  verehrten,  seine  Mitbürger 
achteten,  eine  Auszeichnung  von  Seite  der  Regierung,  ein 
äusseres  Zeichen  der  Anerkennung  seiner  Verdienste  durch 
den  Staat,  dem  er  seit  fast  einem  halben  Jahrhunderte  mit 
aller  Hingebung  gedient  hatte,  war  ihm  noch  nicht  zu  Theil 
geworden. 

Eine  Erklärung  hiefür  kann  in  den  noch  immer  fortwir- 
kenden Reminiscenzen  seiner  Frankfurter  Parlamentsthätigkeit, 
sowie  in  seinen  allgemein  bekannten  poUtischen  Gesinnungen, 
denen  er  oftmals  sowol  auf  dem  Katheder  als  sonst  im  Leben 
Ausdruck  gab,  gefunden  werden.  Erst  dem  Ministerium  Beust- 
Hye  war  es  vorbehalten,  das  Versäumte  nachzutragen. 

Durch  kaiserliche  EntSchliessung  vom  27.  Dezember  1867 
wurde  Schreiner  „in  Anerkennung  seines  nahezu  filnfzigjährigen 
Wirkens,  während  dessen  sich  derselbe  durch  zahlreiche  Ute- 

B* 


—     20     — 

rarische  Arbeiten  und  durch  seine  sonstige  Thätigkeit  vielfache 
Verdienste  um  das  ihm  anvertraute  Lehramt  erworben,  so  wie 
durch  sein  taktvolles  Benehmen  und  seine  ausgebreiteten 
Kenntnisse  das  Vertrauen  semer  Mitbürger  zu  erlangen  ge- 
wusst  hat",  der  Orden  der  eisernen  Krone  dritter  Klasse  ver- 
liehen, dem  bald  darauf  durch  das  kaiserliche  Diplom  vom 
19.  Mai  1868  „den  Statuten  des  Ordens  gemäss  und  in  An- 
erkennung seines  seltenen  Eifers  und  seiner  Hingebung  jfür 
die  Wissenschaften,  sowie  seiner  stets  an  den  Tag  gelegten 
Treue  und  Ergebenheit  an  Se.  Majestät  und  das  a.  h.  Kaiser- 
haus" seine  Erhebung  in  den  Bitterstand  des  österreichischen 
Kaiserstaates  folgte. 

Noch  immer,  trotzdem  er  nicht  mehr  ferne  dem  achtzigsten 
Lebensjahre  stand,  verwaltete  Schreiner  sein  Lehramt  mit  un- 
geschwächtem Eifer,  mit  Lust  und  Liebe;  zu  Ostern  1867 
waren  bereits  fünfzig  Jahre  verflossen,  seit  Schreiner  zum 
ersten  Male  das  Katheder  als  supplirender  Professor  betreten, 
im  Oktober  1868  waren  es  vierzig  Jahre,  dass  er  ununter- 
brochen an  der  Universität  zu  Graz  wirkte,  und  am  29.  De- 
zember 1869  feierte  er  sein  fllnfzigjähriges  Professoren- Jubiläum, 
denn  an  demselben  Tage  des  Jahres  1819  war  er  zum  ö.  o. 
Professor  am  Lyceum  zu  Olmütz  ernannt  worden. 

Als  das  Gesetz  vom  9.  April  1870  über  die  Pensions- 
behandlung des  Lehrpersonales  der  vom  Staate  erhaltenen  Lehr- 
anstalten erfloss,  in  Folge  dessen  jeder  Professor,  welcher  das 
siebenzigste  Lebensjahr  zurückgelegt  hat,  von  Amtswegen  in 
den  Buhestand  versetzt  wird,  traf  dieses  Los  auch  Schreiner, 
jedoch  mit  dem,  dass  ihm  durch  kais.  Entschliessung  vom 
7.  September  1870  ein  ansehnlicher  Buhegehalt  zuerkannt  und 
angeordnet  wurde,  dass  er  sein  Lehramt  noch  bis  Ende  des 
Wintersemesters  1870^71  fortführe. 

Noch  eme  Auszeichnung  war  dem  würdigen  Greise  be- 
schieden, welche  ihm  durch  ein  seltenes  Zusammentreffen  der 
dabei  obwaltenden  Verhältnisse  hohe  Freude  bereitete. 

Der  Gememderath  der  Landeshauptstadt  Graz  bescUoss 
in  seiner  Sitzung  am  IL  April  1871  einstimmig,  Professor 


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i 


-     21     — 

Schreiner  „wegen  der  hohen  Verdienste,  welche  er  sich  über- 
haupt und  um  die  Stadt  Graz  insbesondere  dadurch  erworben, 
dass  er  sich  durch  mehr  als  vierzig  Jahre  mit  einem  Eifer, 
der  wenig  Beispiele  aufzuweisen  hat,  an  der  hiesigen  Univer- 
sität dem  öffentlichen  Lehramte,  namentlich  der  Heranbildung 
der  Jugend  in  den  Staatswissenschaften  gewidmet,  dass  er  ein 
ausgezeichnetes  topographisch-statistisch-historisches  Werk  über 
Graz  verfasst  und  dass  er  durch  seme  hervorragende  Mitwir- 
kung bei  der  Gründung  des  steiermärkischen  Industrie-  und 
Gewerbevereines  wesentlich  zur  Hebung  des  materiellen  Wohl- 
standes in  Steiermark  und  besonders  in  Graz  beigetragen^  — 
die  höchste  Auszeichnung,  über  welche  die  Gemeindevertretung 
verfügen  kann,  die  Würde  eines  Ehrenbürgers  zu  verleihen. 

Wenige  Tage  hierauf  wurde  Professor  Schreiner  die  Mit- 
theilung von  dieser  Ernennung  durch  eine  Deputation  des  Ge- 
meinderathes  überbracht,  an  deren  Spitze  sein  eigener  Sohn, 
als  damaliger  Bürgermeister  stand  und  welcher  ausser  dem 
Vicebürgermeister  noch  drei  Gemeinderäthe,  alle  drei  einstmals 
Schüler  Schreiner's,  angehörten.  Am  26.  Dezember  1871  er- 
folgte durch  dieselben  Abgeordneten  der  Gemeindevertretung 
die  Ueberreichung  des  Ehrenbürgerdiplomes. 

Obwol  Schremer  damals  bereits  siebenundsiebzig  Jahre 
zählte,  so  war  doch  zu  hoffen,  dass  er  bei  seinem  regen  un- 
geschwächten Geiste,  bei  seiner  zwar  nicht  starken,  aber  ge- 
sunden Constitution  noch  manches  Jahr  im  Kreise  seiner  Kin- 
der und  Enkel  m  verdienter  Ruhe  und  würdiger  Müsse  ver- 
leben könne ;  umsomehr  als  er  sich,  soweit  dies  eben  Menschen 
beschieden  sein  kann,  glücklicher  Familienverhältnisse  erfreute. 

Er  war  in  erster  Ehe  mit  Katharina  Schlegel  vermählt, 
aus  welcher  fünf  Kinder,  zwei  Töchter  und  drei  Söhne  stam- 
men, welche  letztere  schon  bei^  des  Vaters  Lebzeiten  hervor- 
ragende Stellungen  im  öffentlichen  Leben  bekleideten  —  Gustav 
Freiherr  von  Schreiner^  als  k.  k.  österr.  Generalkonsul  und 
diplomatischer  Agent  in  Kairo,  Adolf  Bitter  von  Schreiner 
als  Generalsekretär  der  k.  k.  Südbahngesellschaft  in  Wien 
und  Dr.  Moriz  Ritter   von  Schreiner   als  Advokat   und  von 


:<  -' 


—     22     — 

1870  —  1873  als  BllrgermeLster  von  Graz.  —  Nach  dem  Tode 
seiner  ersten  Gemalin,  deren  Verlust  er  tief  betrauerte,  da 
er  sie  heiss  geliebt  hatte  (1836),  blieb  er  zehn  Jahre  lang 
Witwer  und  entschloss  sich  erst  1846  zur  zweiten  Ehe  und 
zwar  mit  Josefine  Mutsclilechner  zuschreiten,  einer  Frau,  welcher 
er  mit  inniger  Liebe  zugethan  war  und  die  auch  die  sorg- 
samste Pflegerin  und  Hüterin  seiner  Greisenjahre  bis  zu  sei- 
nem Tode  blieb. 

Denn  kurze  Zeit,  nachdem  er  von  dem  Lehramte  ge- 
schieden, nahm  ein  Herzleiden,  das  sich  zwar  schon  früher, 
aber  nie  besonders  bedenklich  gezeigt  hatte,  immer  mehr  über- 
hand, steigerte  sich  im  Winter  von  1871  auf  1872  derart, 
dass  seine  Kräfte  sichtlich  sanken,  und  führte  am  1.  April 
1872  seinen  Tod  herbei 

Ein  reiches  vielbewegtes  Leben  war  damit  geschlossen, 
in  weiten  Kreisen  hin  war  seine  Wirksamkeit  durch  ihn  selbst, 
durch  Wort  und  Schrift,  die  von  ihm  ausgingen,  und  durch 
eine  Zahl  von  Schülern,  wie  wenige  Lehrer  eine  gleich  grosse 
werden  aufweisen  können,  und  von  denen  viele  bedeutende 
Stellungen  im  Leben  einnehmen,  -  ich  nenne  nur  Moriz  von 
Kaiserfeld,  Rechbauer  nnd  Stremayr  —  fühlbar  und  folgenreich  ge- 
wesen ;  ein  trefflicher  Vater  und  Gatte,  ein  ausgezeichneter  Lehrer, 
ein  scharfsinniger  Politiker,  ein  echter  Patriot,  ein  rastlos  thätiger 
Arbeiter  auf  dem  Felde  der  Wissenschaften  war  in  ihm  ge- 
schieden und  mit  dem  Verfasser  dieser  Biographie,  der  in  dem 
VerbUchenen  einen  väterlichen  Freund  und  Gönner  und  treuen 
Rathgeber  zu  verehren  hatte,  werden  gewiss  Hunderte,  die 
ihn  kannten  und  zu  würdigen  wussten,  noch  für  lange  hin  Er- 
innerung und  Andenken  an  ihn  im  Herzen  tragen. 


Nicht  ohne  Schwierigkeiten  und  ziemlich  mühevoll  war 
die  Sammlung  von  Schreiner's  in  Druck  erschienenen  Ar- 
beiten, deren  Verzeichniss  nun  folgen  soll;  sie  bestehen  mit 
wenigen  Ausnahmen  aus  in  Zeitschriften  und  zwar  vielfach 
auch  anonym  erschienenen  Aufsätzen,  was  deren  Auffindung 


—     23     — 

und  die  Feststellung  der  Autorschaft  ungemein  erschwerte,  um 
so  mehr,  als  es  an  Anhaltspunkten  hiefür  fast  gänzlich 
mangelte. 

Schreiner  selbst  schreibt  nämUch  in  seiner  schon  oben 
erwähnten  Autobiographie  über  seine  literarischen  Arbeiten  nur, 
dass  seine  schriftstellerische  Thätigkeit  in  Graz  ein  reichhal- 
tiges Materiale  fand,  „deren  Ergebnisse  er  (1.)  in  der  Jenaer 
Literaturzeitung,  (2.)  m  der  grossen  Ersch'-  und  Gruber'schen 
allgemeinen  Encyklopädie  der  Wissenschaften  und  Künste, 
(3.)  in  der  ersten  Auflage  von  Welcker  und  Rotteck's  Staats- 
lexikon, (4.)  in  Hormayr's  Archiv,  (5.)  in  Wagner's  Zeitschrift, 
(6.)  in  den  Annalen  von  Berghaus,  (7.)  in  der  steiermärkischen 
Zeitschrift,  (8.)  in  Hermann  Wagener's  Staats-  und  Gesellschafts- 
Lexikon,  (9.)  in  Holtei's  Album  für  den  Friedhof  der  evange- 
lischen Gemeinde  zu  Graz  in  Steiermark,  (10.)  in  der  Augs- 
burger Allgemeinen  Zeitung,  (11.)  inHlubek's  treuem  Bild  der 
Steiermark,  Graz  18G0,  in  ungemein  zahlreichen  Artil^eln, 
deren  nicht  wenige  sehr  umfangreich  sind,  niederlegte.  Ausser- 
dem wurde  ihm  auch  noch  die  Bedaction  der  steiermärkischen 
Zeitschrift  von  Sr.  k.  k.  Hoheit  dem  durchl.  Erzherzoge  Jo- 
hann Baptist  anvertraut.  Auch  war  er  (12.)  Mitarbeiter  an  der 
achten  Auflage  des  Brockhausischen  C!onversations  -  Lexikons. 
Schreiner  arbeitete  auch  sonst  noch  mehrere  andere  selbst- 
ständige Werke  aus,  dahin  gehören  (13.)  eine  historisch-stati- 
stische Topographie  von  Grätz,  (14.)  eine  Abhandlung  über  die 
einzig  richtige  Schreibweise  des  Namens  der  Stadt  Grätz,  fer- 
ner (15.)  die  deutsche  Sprachgrenze  im  Südosten  der  Steier- 
mark, ein  Beitrag  zu  Bemhardi's  deutscher  Sprachkarte.  Er 
gab  überdies  durch  mehrere  Jahre  (16.)  einen  „Kalender  für 
die  kathoUsche  Geisthchkeit^  heraus,  in  dem  der  historischen 
und  statistischen  Aufsätze  mehre  von  ihm  sich  vorfinden." 

So  weit  Schreiner  über  seine  eigene  literarische  Thätigkeit. 
Die  unter  13  und  16  verzeichneten  selbstständigen  Publika- 
tionen, sowie  die  in  den  Zeitschriften  und  Sammelwerken  2., 
4.,  6.,  7.,  9.,  11.  enthaltenen  Aufsätze  wurden  hoffentlich  sämmt- 
lich  ermittelt;  was    von  Arbeiten  aus  Schreiner's  Feder  (1.) 


—     24     — 


die  Jenaiscfae  Allgemeine  Literaturzeitung  enthält,  konnte  nicht 
ermittelt  werden,  weil  alle  Artikel  in  derselben  entweder 
anonym  oder  nur  mit  Buchstaben  oder  Chiffem  unterzeichnet 
erschienen;  in  (3.)  Rotteck  und  Welcker's  Staatslexikon  (I.Auf- 
lage) smd  eine  grosse  Anzahl  von  Artikeln  mit  S.  unterzeichnet, 
die  meisten  derselben  haben  jedoch,  wie  sich  aus  der  2.  Auflage 
ergibt,  Wilhelm  Schulz  zum  Verfasser;  es  erübrigen  nur  die  Ar- 
beiten über  Oesterreich,  Böhmen,  Dalmatien  und  die  Sardinische 
Monarchie,  welche  Schreiner  zuzuschreiben  sind,  da  auch  Form 
und  Inhalt  derselben  dafür  sprechen.  —  Die  „Zeitschrift  (5.) 
für  österreichische  Rechtsgelehrsamkeit  und  politische  Gesetz- 
kunde, herausgegeben  von  Dr.  Vincenz  August  Wagner"  (Wien 
1825—40),  fortgesetzt  vonKudler,  Stubenrauch  und Tomaschek, 
seit  1846—49  unter  dem  Titel  „Oesterreichische  Zeitschrift 
für  Rechts-  und  Staatswissenschaft"  enthält  nur  einen  Aufsatz 
(in  denJahrgängen  1846  und  1847)  statistischen  Inhaltes  und 
mit  Dr.  S.  gezeichnet,  welchen  man  als  aus  Schreiner's  Feder 
stammend  annehmen  darf  —  In  den  zwei  Decennien  von 
1830  bis  1850  soll  Schreiner  ständiger  Correspondent  für  den 
politischen  Theil  der  Allgemeinen  Augsburger  Zeitung  gewesen 
sein;  diese  Correspondenzen  jedoch  aufzufinden  und  yerzeich- 
nen  zu  wollen,  wäre  wohl  eine  fruchtlose  Mühe  gewesen;  es 
wurde  daher  aus  der  Allgemeinen  Zeitung  (10)  nur  ein  wissen- 
schaftlicher Artikel  in  das  folgende  Verzeichniss  aufgenommen.  — 
lieber  Schreiner's  Theilnahme  an  (12.)  Brockhaus' Conversations- 
Lexikon  und  an  (8.)  Wagener's  Staats-  und  Gesellschafts-Lexikon 
wird  sich  unten  im  Verzeichnisse  ausgesprochen;  und  was  endlich 
die  (unter  14  und  15)  von  Schreiner  genannten  selbstständigen 
Werke  betrifft,  so  vermochte  man  dieselben  als  solche  nicht 
aufzufinden,  doch  wäre  es  möglich,  dass  er  darunter  Separatab- 
drücke gleichnamiger  Aufsätze  in  der  Steiermärkischen  Zeitschrift 
und  in  der  allgememen  Zeitung  verstand. 

Nach  diesen  Vorbemerkungen  möge  nun  das  chronologisch 
geordnete  Verzeichniss  von  Schreiner's  in  Druck  gelegten  Arbeiten 
folgen.  Da  der  Verfasser  desselben  angesichts  der  erwälmten 
Schwierigkeiten  bei  dieser  bibliographischen  Zusammenstellung 


—     25     — 

besorge!)  muss»  dass  ihm  ein  oder  der  andere  aus  Schreiner's  Feder 
stammende  Artikel,  besonders  wenn  er  anonym  erschienen  ist, 
entgangen  sein  könnte,  so  erbittet  er  sich  das  Recht,  allfällige 
diesbezügliche  Nachträge  m  den  nächsten  Heften  dieser  Mit- 
theilungen bringen  zu  dürfen. 

Graz,  6.  Januar  1873. 


Verzeichniss  von  Schreiners  Schriften. 

1827.  lieber  Jenny's  Reisehandbuch  (2  Bände,  Wien  1823).  — 
In  Hormayr's  Archiv  für  Geschichte,  Statistik,  Literatur 
und  Kunst  Wien  1827.  18.  Jahrgang,  Nr.  124,  125, 
126,  133,  134  und  185. 

1828.  Beiträge  zur  Beförderung  der  Landeskunde  von  Mähren 
und  Schlesien.  —  In  Hormayr's  Archiv,  1828,  19.  Jahr- 
gang Nr.  10,  11,  42,  60,  118,  119. 

1830.  A.  J.  Gross,  Handbuch  für  Reisende  durch  dasErzher- 
zogthum  Oesterreich,  Steiermark,  Salzburg  etc.  München 
1831.  Angezeigt  von  S.  (Schremer)  inHormayr's  Archiv 
1830,  Nr.  76. 

1832—1836.  Allgemeiner  Kalender  für  die  katholische  Geist- 
lichkeit (Vom  3.  Jahrgange  an  auch  u.  d.  T. :  Ein  Jahr- 
buch für  kirchliche  Statistik  und  Topographie,  Kirchen- 
geschichte, kirchliche  Biographie,  Liturgie,  Kunst  und 
Gesetzkunde,  Bibelstudium  und  biblische  Archäologie, 
Homfletik,  Kirchengeschichte  der  Akatholiken,  Schul- 
und  Erziehungswesen  etc.)  In  Verbindung  mit  einem  Pro- 
fessor der  Theologie  herausgegeben  von  Dr.  Gustav 
Franz  Schreiner.  1.— 5.  Jahrgang  1832—1836.  Grätz 
im  Verlage  bei  Damian  und  Soi^e.  —  (üeber  diesen 
Kalender  schreibt  Schreiner  in  seiner  Selbstbiographie: 
„Er  (Schremer)  gab  überdies  durch  mehrere  Jahre  einen 
,  Kalender  für  die  katholisehe  Greistlichkeit''  heraus,  in 
dem  der  historischen  und  statistischen  Aufsätze  mehre 


1^5.!- 


—     26     — 

von  ihm  sich  befinden^.  (Welche  Aofeätze  dieses  Kalen- 
ders jedoch  aus  Schreiner's  Feder  geflossen,  kann  nicht 
festgestellt  werden,  da  alle  in  demselben  enthaltenen 
Artikel  ohne  Namen  der  Verüasser  abgedruckt  sind.) 

1833—1837  erschien  die  achte  Originalauflage  der  „Allge- 
meinen deutschen  Real-Encyklopädie  für  die  gebildeten 
Stände.  (Conversations-Lexikon).  In  zwölf  Bänden.  Leipzigs 
F.  A.  Brockhaus  ^,  an  welcher  Schreiner  als  Verfasser 
zahlreicher,  namentUch  statistischer  Artikel  theilnahm  und 
auch  als  Mitarbeiter  (im  12.  Bande,  Schlusswort  S.  XXI) 
genannt  wird ;  da  jedoch  in  diesem  Conversations-Lexikon 
alle  Aufsätze  ohne  Namen  der  Verfasser  erschienen,  so 
lässt  sich  nicht  feststellen,  welche  Artikel  desselben  aus 
Schreiner's  Feder  stammen. 

Von  1833  an  führte  Schreiner  gemeinsam  mit  Vest,  Thinn- 
feld  und  Muchar  die  Redaction  der  steiermärkischen 
Zeitschrift  (erste  Folge)  11.  u.  12.  Heft  (1833  u.  1834), 
dann  mit  Muchar,  Leitner  und  Schrötter  derselben  Zeit- 
schrift neuen  Folge  I.  IL  IH  IV.  V.  VL  Jahrgang,  mit 
Muchar  und  Schrötter  VIL  Jahrgang  I.Heft,  mit  Muchar 
Vn.  2.,  VIIL  und  IX.  (letzten)  Jahrgang,  (Grätz  1834 
bis  1848.  Im  Verlage  der  Direction  des  Lesevereins  am 
Joanneum  und  in  Gommission  bei  Damian  und  Sorge.) 

1834.  Erinnerungen  an  das  österreichische  Friaul.  Bruchstücke 
aus  einem  Tagebuche.  —  In^Steierm.Ztschft.*'  12.  Heft, 
(Grätz  1834)  S.  39—64. 

1834.  Oesterreich's  Naturschönheiten.  Ein  Vorwort  zur  steier- 
märkischen Zeitschrift.  —  Steierm.  Ztschft  N.  F.  L  Jhrg., 
L  Heft  Graz  1834.  S.  1-18. 

1834.  Reisebilder  aus  Italien:  L  Die  Fahrt  nach  Venedig.  — 
steierm.  Ztschft  N.F.  L  Jahrg. L Heft (1834),  S.  87-111. 

1834.  Ausflug  nach  der  Höhle  in  der  Frauenmauer.  Mit  einem 
Plane  der  Höhle.  —  Steienn.  Ztschft  N.  F.  I.  Jahrg^ 
II.  Heft.  (1834)  S.  3—26. 

1835.  Einige  vertraute  Briefe  des  Antonio  Canova.  Aus  dem 
Italienischen  übersetzt  von  Ignaz  KoUmann.    Mit  einem 


—     27     ~ 

Vorworte  über  den  berühmten  Bildhauer  und  seine 
Kunstleistungen  von  Dr.  Gustav  Franz  Schreiner.  — 
Steierm.  Ztsch.  N.  F.  H.  Jhrg.  I.  Heft(1835),  S.  132—141. 
1835.  Steiermarks  Volksmenge  in  Vergleichung  mit  jener  der 
übrigen  österreichischen  Provinzen.  Aus  ämtlichen  Quel- 
len geschöpft.  —  Steierm.  Ztschft.  N.  F.  II.  Jhrg. 
n.  Heft  (1835).  S.  134—181.  Dieser  Aufsatz  ist  auch 
vollinhaltUch  in  den  „Annalen  der  Erd-,  Völker-  und 
Staatenkunde",  herausgegeben  von  Heinrich  Berghaus 
(Berhn)  HI.  Reihe,  2.  Band,  1836,  S.  1—49  abgedruckt  — 
In  demselben  Bande,  S.  522—527,  dieser  Annalen  be- 
findet sich  eme  ohne  Namen  des  Verfassers  erschienene 
ziemlich  ausführliche  Anzeige  der  „Steiermärkischen 
Zeitschrift",  neue  Folge,  I.  Band,  1.  und  2.  Heft,  von 
welcher  zu  vermuthen  ist,  dass  sie  aus  Schreiner's  Feder 
stammt 

1835.  Böhmen.  (Von  S.)  Im  Staatslexikon  oder  Encyklopädie 
der  Staatswissenschaften,  herausgegeben  von  Carl  von 
Rotteck  und  Carl  Welcker.  Erste  Auflage.  Altena  1835, 
H.  654—668.  —  In  der  2.  Auflage  des  Staatslexikons 
(1848)  X.  389—408  abgedruckt  und  mit  0  ge- 
zeichnet 

1836.  Steiermarks  Waldstand,  Holzreichthum  und  Forstkultur 
mit  steter  Berücksichtigung  aller  übrigen  Provinzen  des 
österreichischen  Eaiserthums,  durchaus  nach  amtlichen 
Erhebungen.  —  Steierm.  Ztschft  N.  F.  III.  Jhrg.  I.  Heft 

(1836)  S.  127—168.  —  Auch  abgedruckt  in  „Berghaus 
Annalen"  HI.  Reihe,  4.  Band,  S.  34-72  (1837). 

1837.  Dalmatien.  (Von  S.)  In  Rotteck  -  Welcker's  Staatslexikon 

(1837)  IV.  166     178.  —  Auch   in  der  2.  Aufl.  (1846) 
n.  656    663  enthalten  und  mit  S.  gezeichnet 

1841.  Oesterreich,  Kaiserthum  mit  Inbegriff  von  Ungarn,  Sie- 
benbürgen u.  s.  w.  —  In  Rotteck  und  Welcker's  Staats- 
lexikon (1841),  12.  Band,  S.  125—235.  —  In  der 
2.  Auflage  (1848)  X.  S.  282—389  fast  gleichlautend 
abgedruckt  und  mit  0  gezeichnet 


:% 


28     — 


1843.  Sardinische  Monarchie.  (Von  S.)  In  Rotteck- Welcker's 
StSÄtslexikon,  1848,  XIV,  214-  232.  —  In  der  2.  Aufl. 
(1848)  XI.  765-778  anonym  abgedruckt 

1843.  Grätz.  Ein  naturhistorisch-statistisch-topographisches  Ge- 
mälde dieser  Stadt  und  ihrer  Umgebungen.  Im  Vereine 
mit  Dr.  A-  v.  Muchar,  k.  k.  ö.  o.  Professor  der  Philolo- 
gie, Dr.  Fr.  ünger,  ö.  o.  Professor  der  Zoologie  und  Bo- 
tanik am  st  st  Joanneum,  Dr.  der  Heilkunde  Chr.  Weig- 
lein,  von  Dr.  Gustav  Schreiner,  k.  k.  öffentL  ordentL 
Professor  der  Staatenkunde.  Mit  vielen  Stahlstichen,  einem 
Plane  der  Stadt  und  einer  geognostischen  Karte  der 
Umgebungen.  Grätz  1843.  Verlag  der  F.  Fersti'schen 
Buchhandlung.  XVI  und  570  S. 

1844.  Ueber  die  heut  zu  Tage  einzig  richtige  Schreibung  des 
Namens  der  Stadt  Grätz.  —  Steierm.  Ztschft  N.  F. 
VIL  Jhrg.  IL  Heft  (1844).  S.  123—207. 

1844.  (Chronologisches  Verzeichniss  der  gedruckten  und  unge- 
druckten Urkunden,  welche  den  Namen  der  Stadt  Grätz 
enthalten.  —  Steierm.  Ztschft  N.  F.  Vn.  Jhrg.  IL  Heft 
(1844).  S.  280—272. 

1844.  Die  deutsche  Sprachgrenze  im  Südosten  der  Steiermark. 
—  (Augsburger)  Allgemeine  Zeitung,  Beilage  vom  26.  u. 
27.  September  1844. 

1846—1847.  Statistische  Nachweisungen  über  die  Landwirth- 
schaftspflege  des  österreichischen  Kaiserstaates.  (Von 
Hm.  Dr.  S.)  (Handelt  von  Oesterreich  ob  und  unter  der 
Enns  und  Steiermark.)  In  „Oesterreichische  Zeitschrift 
für  Rechts-  und  Staatswissenschaft",  herausgegeben  von 
Dr.  Jose*  Kudler,  Dr.  M.  v.  Stubenrauch  u.  Dr.  Ed.  To- 
maschek.  (Wien.)  Jahrgang  1846,  L  Band,  S.  478—487; 
Jahrgang  1847,  IL  Band,  S.  129—136  und  &  227—235. 

1848.  Von  Nr.  43,  16.  März  1848  bis  Nr.  134  vom 
31.  Juli  erscheint  Schreiner  als  verantwortlicher  Re- 
dacteur  der  Grazer  Zeitung;  wie  sich  aus  seiner  Er- 
klärung in  Nr.  133  ergibt,  führte  er  die  Redaction  bis 
zu  seiner  Abreise  nach  Frankfurt  selbst  und  von  da  an 


—     29     — 

bis  letzten  Juli  fahrten  dieselbe  unter  seiner  fortwäh- 
renden Mitwirkung  und  vollen  Verantwortlichkeit  seine 
Söhne  Adolf  und  Moriz  Schreiner. 

1857.  Venedig's  Begräbnissstätten.  (Bruchstücke,  eines  grösseren 
noch  ungedruckten  Werkes  über  Venedig).  —  In  dem 
Album :  „Für  den  Friedhof  der  evangelischen  Gemeinde 
in  Gratz  in  Steiermark".  Braunschweig,  Wien  und  Gratz 
1857.  S.  595—666. 

1859—1867.  Von  1859  bis  1867  erschien  das  „Neue  Con- 
versations  -  Lexikon.  Staats-  und  Gesellschafts-Lexikon. 
In  Verbindung  mit  deutschen  Gelehrten  und  Staatsmän- 
nern herausgegeben  von  Hermann  Wagener.  23  Bände, 
Berlin  1859—1867**.  —  Schreiner  war  Mitarbeiter  an 
diesem  Werke,  welche  Artikel  desselben  jedoch  ihn  zum 
Verfasser  haben,  konnte  nicht  ermittelt  werden,  da  bei 
keinem  derselben  ein  Automamen  verzeichnet  ist 

1860.  Die  Bewohner  des  Landes  (Steiermark).  Fünfter  Ab- 
schnitt des  Werkes:  ;,Ein  treues  Bild  der  Steier- 
mark, herausgegeben  von  der  k.  k.  steiermärkischen 
Landwirthschafts-Gesellschaft  durch  ihren  Sekretär  Dr. 
F.  X.  Hlubek.  Gratz  1860.  S.  47-66. 

1864.  Der  Grabensee  (1.  in  Salzburg.)  (2.  in  Kärnten).  Ersch' 
und  Gruber's  allgemeine  Encyklopädie  der  Wissenschaften 
und  Künste:  L  Section,  77.  Band.  S.  217. 

1864.  Gradisca  (1.  im  Küstenlande,  2.  und  3.  in  Italien,  4.  und 
in  der  Militärgrenze.)  —  In  obiger  Encyklopädie: 
L  Section,  77.  Band.  S.  331—332. 

1864.  Gradisca,  die  gefürstete  Grafschaft.  (Geschichte  derselben.) 
InErsch'  und  Gruber's  Encyklopädie :  L  Section,  77.  Band, 
S.  332-480. 

1864.  Gradiscaner  Krieg.  Ebenda,  L  Section,  78,  Band,  S. 
1—15. 

1864.  Gradistje  in  Siebenbürgen.  Ebenda.  L  Section,  78.  Band, 
S.  15. 

1864.  Gradlitz  in  Böhmen.  Ebenda.  L  Section,  78.  Band,  S.  15 
bis  16. 


—     30     — 

1864.  Grado.    (Topographie.)  Ebenda.  I.   Section,  78.  Band, 

S.  40—43. 
1864.  Grado  (Geschichte).  Ebenda:  L  Section,   78.  Band,  S. 

391  -  467. 
1 868.  Gratz  (in  Steiermark).  Ebenda :  L  Section,  88.  Band.  S. 

161  —  163. 


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MITTHEILUNGEN 


DBS 


STORISCHEN  VEREINES 


FÜR 


STEIERMARK. 


Herausgegeben 
von  dessen  A-usschiasse. 


.   HEFT. 


CommiBsion  der  k.  k.  Universitäts-BucMiandlung 

Leuschner  &  Lubensky. 


Graz,  1874. 

Im  Selbstverlage. 


MITTHEILUNGEN 


DES 


mSTOBISCHM  VMEESHS 
\ 

PUB 

STEIERMARK. 


Herausgegeben 
von  dessen  A-nssohnsse. 


^^11-    HEFT. 


Gtm,  1874. 

Im  Selbstverläge. 


In  Gommission  der  k.  k.  Ümvenitäts-Buchhaiidliing 

Leuschner  &  Lubensky. 


Inhalt. 


A.  Vereinfi-Angelegeiüieiten. 

Gesch&ftB-üeberBicht    —    Chronik  des  Vereines. 

Seite 

Bericht  an  die  26.  JahresYersammlnng  am  3  Febmar  1678,  Ver- 
handlungen IQ  derselben,  Vorträge:  des  Grafen  Gnndacker 
Wurmbrand  Ober  prähistorische  Fnnde  in  Gleichenberg, 
des  Professors  Dr.  Bidermann  über  die  steierm.  Ver- 
ÜBtssungskrisis  um  1790 III 

Vorträge  in  der  Quartalyersammlung  vom  28.  April  1873,  Pro- 
fessor V.  Käferbäck  über  den  Tattermann,  Oberliente- 
nant  L.  Beckh-Widmanstetter  Ober  Grabdenkmale 
zu  Teuffenbach  in  Obersteier IX 

Vortrag  des  Professors  Dr.  Krone s  über  Graf  Hermann  n. 

Yon  CiUi  in  der  Quartalversammlung  vom  10.  Juli  1873    .  Xni 

Die  erste  Wanderversammlung  des  Vereines  zu  Leoben  am  12. 
und  18.  October  1873  mit  den  daselbst  gehaltenen  Vor- 
trägen des  Directors  Sprung,  Professors  Dr.  Bider- 
mann, Professors  Dr.  v.  Luschin,  Sohnlrathes  Dr. 
Peinlich,  Werksarztes  Au  st  und  Oberlieutenants  Beckh- 
Widmanstetter xin 

Bericht  an  die  26.  Jahresversammlung  am  30.  Jibmer  1874, 
Verhandlungen  in  derselben,  Vorträge  des  Pfiirrers  Dr. 
Enabl  über  die  Ausgrabungen  in  Retznei,  des  Schulrathes 
Dr.  Peinlich  über  den  Zustand  von  Handel  und  Gewerbe 
im  16.  Jahrhunderte XXI 

Verzeichniss  der  Ortschronisten XXIX 

Veränderungen  im  Personalstande XXX 

üebersicht  der  Einnahmen  und  Ausgaben XXXIV 

Erwerbungen. 

Für  die  Bibüothek XXXVI 

Für  das  Archiv XLVIH 

Für  die  Kunst-  und  Alterthums-Sammlung LXVn 


fi.  Abhandlungen. 

S«iU 

1.  Die  Verkehnbesiehiuigeii  der  Stadt  Leoben  zu  den  westlichen 
Alpenl&ndem  vom  16.  bis  zum  19.  Jahrhunderte.  Von  Dr.  H 
J.  Bidermann 8 

n.  InnerOsterreichische  Religions-Grayamina  aas  dem  17.  Jahr- 
hundert. Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Gegenreformation  in 
InneröBterreich.  VonDr.Hansy.  Zwiedineck-Südenhorst      37 

in.  Die  Herrschaft  König  Ottokar's  II.  von  Böhmen  in  Steiermark. 
Ihr  Werden,  Bestand  und  Fall  (1252—1276).  Von  Dr.  F. 
Krones 41 

1.  Die  Vorgänge  in  den  Jahren  1246—1254  bis  zum  O&er 
Frieden 43 

2.  Die  Vertreibung  der  Ungarn  aus  der  Steiermark  und  die 
dauernde  Begründung  der  Herrschaft  Ottokar's  im  Lande. 
Ende  1259—1267,  sammt  den  einleitenden  Verhältnissen 

seit  1254 o      65 

8.  Die  Adelsyerschwörung  von  1268.  Die  Eftmtner  Frage.  — 
Seifried  von  M&hrenberg.  —  Salzburg.  —  Rudolfs  I. 
Eönigswahl.  —  Der  Sturz  der  böhmischen  Herrschaft 
(1274—1276) 76 

4.  Regesten  von  Urkunden  als  Belege  des  Textes  ....     109 

G.  Kleinere  Anfsätze  nnd  ICttheilnngen. 

I.  Steiermärker  auf  auswärtigen  Hochschulen.  Von  Professor  Dr. 

Franz  Ilwof 149 

n.  Zur  Biografie  des  Rottenmanner  Notars  Ulrich  Elenneker.  Von 

P.  Florian  Einnast , 155 

Literatur 156 

Register 

über  die  vorkommenden  Personen,  Orte  und  Sachen 161 


^mt^ 


A. 


Vereins- Angelegenheiten. 


Geschäfts-Uebersichi 


Chronik  des  Vereines. 

Am  3.  Februar  1873  wurde  im  Joanneum  unter  dem 
Vorsitze  des  derzeitigen  Vorstandes,  Landesarchivar's  Professor 
J.  Zahn,  die  25.  Jahresversammlung  des  historischen  Vereines 
für  Steiermark  abgehalten,  in  welcher  der  Vereins-Schriftführer 
folgenden  Bericht  erstattete: 

„Durch  die  in  der  letzten  24.  Jahresversammlung  am 
24.  Juli  1872  beschlossene,  dann  von  der  hohen  steier- 
märkischen  Statthalterei  mit  Erlass  vom  5.  October  1872^ 
Z.  12.262,  genehmigte  Statutenänderung  wurden  die  Jahres- 
versanunlungen  in  die  Winterszeit  verlegt  Es  erscheint  daher 
die  gegenwärtige  25.  Jahresversammlung  insofeme  als  eine 
ausserordentliche,  als  der  Zeitraum,  über  welchen  berichtet 
werden  soH,  nur  ein  halbes  Jahr  umschliesst,  welches  der 
Abwicklung  früher  eingeleiteter  Arbeiten  und  Unternehmungen 
angehörte. 

Von  dem  Berichte  über  das  Gedeihen  der  vom  Vereine 
in's  Leben  gerufenen  Ortschroniken  abgesehen,  welcher  be- 
sonders erstattet  werden  wird,  beehrt  sich  der  Ausschuss  mit 
der  Mittheilung,  dass  von  den  heuer  fälligen  Vereinsschriften 
der  IX.  Jahrgang  der  „Beiträge"  zur  Zeit  theilweise  schon  ver- 
schickt ist,  das  XX.  Heft  der  „Mittheilungen"  hingegen  des  man- 
nigfachen Inhaltes  wegen,  erst  Mitte  Februar  vollendet  werden 
dürfte.  Für  das  Jahr  1873  ist  die  Herausgabe  des  X,  Jahr- 
ganges der  „Beiträge"  mit  einer  kostspieligen  historischen  Karte 
der  Steiermark  ausgestattet. 

Das  vollständige  Orts-,  Personen-  und  Sachen-Register 
der  bisher  erschienenen  XX  Hefte  „Mittheilungen"  ist  in  Aus- 
sicht genommen. 

Das  Register  von  Muchar's  Geschichte  der  Steiermark 
ist   abgeschlossen   und   gegenwärtig    in  Revision  und  Vorbe- 

m 

Mltthell.   d.  hist.  Veretnii  f    Stoiermark.  XZTI.  ncft»  1874.  A* 


-    IV    - 

reitung  für  den  Druck ;  das  steiermärkische  Urkundenbuch  ist 
im  Uinfange  von  44  Druckbogen  im  Reindrucke  voDendet  und 
der  Index  dazu  gegenwärtig  in  Arbeit  begriffen. 

Der  Stand  der  Mitglieder  beträgt  mit  Ende  des  Jahres 
1872  305  ordentliche,  36  Ehren-,  20  correspondirende  Mit- 
glieder und  24  Bezirks-Correspondenten. 

Die  von  der  letzten  Versammlung  zu  Ehren-  und  corre- 
spondirenden  MitgUedem  ernannten  Herren:  Excellenz  Graf 
Rudolf  Stillfried-Rattonitz  in  Berlin,  Hofräthe  Ritter 
V.  Arneth  und  Aschbach,  Professor  Dr.  A.  Jäger  und 
Archivsadjunct  M.  Pangerl,  sämmtlich  in  Wien,  haben  jeder 
einzeln  ilu-en  Dank  für  diese  Ernennung  ausgedrückt 

Als  verstorben  hat  der  Verein  zwei  verdiente  Ehrenmit- 
glieder zu  beklagen,  den  Reichshistoriographen  Jodok  Stülz, 
Abt  zu  St.  Florian,  welcher  am  28.  Juni  1872  zu  Hofgastein 
verschied,  dann  den  k.  k.  Regierungsrath  und  jubihrten  Di- 
rector  des  k.  k.  Hof-,  Münz-  und  Antikencabinets,  Dr.  Josef 
Ritter  v.  Bergmann,  welcher  am  29.  Juli  1872  zu  Graz  in 
hohem  Greisenalter  sein  fllr  die  Geschichtsforschung  frucht- 
bares Leben  endete. 

Der  Schriftentausch  wird  gegenwärtig  mit  190  fachver- 
wandten Gesellschaften  und  einheimischen  Lehranstalten  unter- 
halten. Neu  zugewachsen  sind  die  königl.  preussische  Univer- 
sitätsbibUothek  zu  Königsberg  und  die  k.  k.  Staatsoberreal- 
schule zu  Graz. 

In  Hinblick  auf  den  in  der  vierten  Quartalversammlung 
vom  27.  Jänner  1871  gegebenen  Bericht  über  die  Seitens  des 
Vereines  eingeleiteten  Schritte,  durch  welche  eine  bessere  Ver- 
wahrung der  inneröst  Kammeracten  in  der  Statthaltereiregistratur 
erzielt  werden  sollte,  ist  der  Vereins-Ausschuss  in  der  Lage 
mitzutheilen,  dass  diese  Angelegenheit  in  Folge  der  thätigen 
Verwendung  Sr.  Excellenz  des  Herrn  Statthalters  im  Spät- 
sommer 1872  ihre  günstige  Entscheidung  fand.  Es  sind  seit- 
her diese  für  die  Finanzgeschichte  der  inneröst  Länder  vom 
16. — 18.  Jahrhunderte  wichtigen  Acten  wieder  im  Vorauerhofe, 
wo  sie  auch  schon  früher  einmal  waren,  entsprechend  unter- 
gebracht worden. 

Von  den  Bezirkscorrespondenten  haben  die  Herren : 
Kaplan  A.  Meixner  in  St  Veit  am  Vogau,  über  Funde  aus 
der  Römerzeit  in  der  Umgebung  seines  Stationsplatzes  und 
im  Stiefingthale,  Dr.  J.  K  r  a  u  t  g  a  s  s  e  r  in  Mureck,  über  Auf- 
findimg  einer  Römennünze,  dann  einen  vom  Grafen  Platz 
zu  Freudenau  in  Oberschwarza  entdeckten  wohlerhaltenen 
Bömerstein  Berichte  eingesendet  Herr  Pfarrer  Karner  über- 


—    V    — 

reichte  geschichtliche  Notizen  über  die  Pfarre  und  Umgebung 
seines  Geburtsortes  Wundschuh  bei  Wildon. 

Als  Geschenkgeber  sind  dankend  zu  nennen :  Frau  Gräfin 
Anna  v.  Säur  au,  geb.  Gräfin  v.  Goess,  Stemkreuzordens- 
und  Palastdame  in  Graz,  dann  die  Herren:  Anton  Au  st, 
AVerksarzt  und  Bezirkscorrespondent  zu  Gaal  bei  Knittelfeld; 
Ernst  V.  Destouches,  Archivar  und  Chronist  der  Stadt 
München;  Georg  Göth,  Dr.  und  jubilirter  Studiendirector  in 
Graz;  Adolf  Kofi  er,  k.  k.  Hof- Weinlieferant  und  Realitäten- 
besitzer in  Pettau;  Franz  Krön  es,  Dr.,  k.  L  Universitäts- 
Professor  in  Graz;  Anton  Meixner,  Kaplan  und  Bezirks- 
Corrcspondent  in  St  Veit  am  Vogau;  Carl  Woldemar  Neu- 
mann, k.  baier.  Hauptmann,  correspondirendes  Mitglied  in 
Kegensburg;  Johann  Parapat,  Kaplan  zu  Rabensberg  bei 
Stein  in  Krain ;  Ignaz  S  c  h  1  a  g  g,  k.  k.  Bezirksrichter  und 
Bezirkscorrespondent  in  Obdach;  Mauriz  Strachwitz,  Graf^ 
k.  k.  Kämmerer  und  Gutsbesitzer  zu  Schloss  Pichl  im  Mürz- 
thale;  Thassilo  Weymayr,  k.  k.  Gymnasialprofessor  in 
Graz;  endlich  Herr  Franz  Ninaus,  Magister  der  Chirurgie 
in  Graz,  welcher  sich  durch  Uebergabe  eines  in  Oel  gemalten 
Portraitbildes  besonders  verdient  machte.  Dasselbe  betrifft  den 
1660  in  der  Steiermark  geborenen  berühmten  Contrapunktisten 
und  Hof-Obercapellmeister  der  Kaiser  Leopold  L,  Josef  I.  und 
Carl  VI.,  Johann  Josef  Fux  (t  1724),  dessen  Lebens- 
geschichte erst  jüngst  der  kais.  Rath  L.  v.  K  ö  c  h  e  1  in  Wien 
in  einem  stattlichen  Buche  abhandelte." 

Von  geschäftlichen  Angelegenheiten  dieser  Versammlung 
betrifft  der  Bericht  des  Kassiers  zunächst  die  Rechnung 
pro  1872,  in  welcher  an  Einnahmen  (unter  Hinzurechnung 
des  Uebertrages  per  1902  fl.  6  kr.)  4555  fl.  62  kr.  figuriren, 
welchen  2196  fl.  82  kr.  Ausgaben,  zumeist  für  Druckarbeiten, 
gegenüberstehen.  Der  Rest  per  2358  fl.  80  kr.  und  noch  meh- 
rere kleine  Einnahmeposten,  welche  jedoch  durch  die  bis- 
herigen Ausgaben  völlig  erschöpft  werden,  ergibt  den  gegen- 
wärtigen Kassastand  mit  2351  fl.  90  kr.,  von  welchen  2300  fl. 
fruchtbringend  angelegt  sind.  Die  bedeutenden  Zahlungen  für 
Druckarbeiten,  welche  in  diesem  Jahre  fällig  werden,  nöthigen 
den  Cassier  zur  Mahnung,  es  mögen  die  gegenwärtig  mit 
988  fl.  aushaftenden  MitgUeder-Beiträge  coulant  berichtigt 
werden. 

Für  die  gehabten  Auslagen  bei  Anfertigung  neuer  styl- 
gemässer  Diploms-Blanquette  wird  die  Indemnität  angesprochen 
und  ertheilt,   gleichzeitig  auch  über  Antrag  des  Ausschusses 


—    VI    — 

die  Einhebung  einer  Taxe  von  2  fl.  für  Ausfertigung  der 
Diplome  an  neuaufgenommene  Mitglieder  und  die  dem  ent- 
sprechende Aenderung  der  Statuten  genehmigt;  den  älteren 
Mitgliedern  Neuausfertigungen  von  Diplomen  gegen  Erlag  der 
halben  Taxe  gewährt.  Dr.  Luschin  spricht  den  Wunsch  aus, 
dass  der  Ausschuss  für  das  Jahr  1873  nicht  nur  allein  den 
Register  der  bisherigen  XX  Hefte  „Mittheilungen**,  sondern  auch 
ein  Heft  mit  geschichüichen  Aufsätzen  herausgebe;  ebenso 
meint  er,  dass  sich  die  beträchtlichen  Auslagen  für  Inserate 
gelegentlich  der  öflFenÜichen  Versammlungen  durch  räumliche 
>5usammcndrängung  und  Verminderung  der  Insertionen  herab- 
drticken  lassen  dürften ;  beiden  Wünschen  verspricht  der  Aus- 
schuss Rechnung  zu  tragen. 

Bei  der  thcilweisen  Neuwahl  des  Ausschusses  wurde  der 
wieder  wählbare  Cassier,  Herr  Ernst  Fürst,  in  seiner  Function 
bestätigt,  dann  die  Herren:  Schulrath  Gynmasialdirector  Dr. 
Richard  Peinlich  zum  Vorstande,  Professor  Dr.  Hermann 
Jgnaz  Bidermann  zum  Vorstand-Stellvertreter,  Major  Graf 
Heinrich  von  Attems,  Archivsadjunct  Dr.  Arnold  Luschin 
und  Realschuldirector  Heinrich  Noö  zu  Ausschüssen,  dann 
für  den  Fall  einer  Wahlablehnung,  welche  dann  auch  wirklich 
von  Seite  des  Grafen  Attems  einlief,  Professor  Dr.  Ferdi- 
nand Bischoff  zum  Ausschuss-Ersatzmanne  mit  zweijähri- 
ger Functionsdauer,  Professor  Ignaz  Schrotter  und  Cassier 
Carl  Burghardt  zu  Revisoren  der  Rechnung  pro  1873 
erwählt 

Ueber  Antrag  des  Schulrathes  Dr.  R.  Peinlich  voürt 
die  Versammlung  den  abtretenden  Ausschüssen,  zumal  dem 
bisherigen  Vorstande  Landesarchivar  J.  Zahn  den  Dank, 
worauf  der  Letztgenannte  im  Namen  der  so  Geehrten  erwidert 

Ueber  die  nun  zum  Abschlüsse  gelangte  Angelegenheit 
der  Einführung  von  Ortschroniken  wii'd  folgender  Bericht  ver- 
lesen : 

* 

„Die  Generalversammlung  vom  24.  Juli  1872  hat  dem 
Ausschusse  und  dem  Comite  für  Einführung  von  Ortschroniken 
freie  Hand  innerhalb  gewisser  gestellter  Grenzen  gegeben,  das 
Unternehmen  aus  dem  damals  vorgelegten  Stadium  der  Be- 
rathung  in  die  Wirkhchkeit  zu  übertragen. 

Bei  dem  Umstände,  dass  daran  die  Interessen  des  Ver- 
eines in  höherem  Grade  geknüpft  sind,  hält  sich  der  Vereins- 
Ausschuss  immerhin  für  verpflichtet,  der  Generalversammlung 
von  der  Art  der  Ausführung  eingehender  Mittheilung  zu  er- 
statten. 


—  vn  ~ 

Wie  schon  dargelegt  worden,  richtet  sich  der  Zweck  der 
Ortschroniken  mehr  auf  die  Gegenwart  und  Zukunft,  als  nach 
der  Vergangenheit  Desshalb  theilt  sich  die  Form  derselben  in 
zwei  Theile,  in  die  Ortsbeschreibung  und  in  die  eigentüche 
Orts-  oder  Tageschronik.  Es  war  Sache  des  Comite's,  diese 
Theile  in  ihren  nothwendig  bedingten  äusseren  Formen,  sowie 
betreffs  ihres  Inhaltes  klar  erscheinen  zu  lassen.  Diess  konnte 
nur  mittelst  gewisser  Rubriken  und  Muster  geschehen,  welche 
das  Ciomite  anlegte  und  worin  nach  MögUchkeit  darauf  geachtet 
wurde,  den  künftigen  Chronisten  die  Fahrung  so  ersichtUch, 
leicht  und  bequem  zu  machen,  als  nur  immer  wünschenswerth. 

Die  Formularien,  auf  welchen  die  Ortsbeschreibungen 
und  Chi'oniken  eingetragen  werden  sollen,  sind  sonach  von 
mehreren  Beilagen  begleitet.  Diese  haben  den  Zweck,  einzu- 
füluren  in  die  Aufgabe  und  durch  Beispiele  sie  zu  erleichtem. 
Die  Vorrede  setzt  das  Ziel  auseinander,  das  dem  Ausschusse 
vorschwebte ;  die  zweite  Beilage  stellt  die  Rubriken  fest,  welche 
bei  Ortsbeschreibungen  wesentlich  zu  berücksichtigen  seien; 
die  dritte  Beilage  gibt  eine  wirkhche  Ortsbeschreibung,  u.  z. 
von  Moskirchen,  welche  annähernd  nach  den  Forderungen  der 
zweiten  Beilage  gearbeitet  ist  und  eigentlich  so  verdeutschen 
sollte,  wie  die  allgemeinen  Regeln  in's  Positive,  sozusagen 
übersetzt,  sich  ausnehmen ;  die  vierte  BeOage  gibt  das  Beispiel 
einer  Ortschronik,  zwar  von  einem  fingirten  Orte  und  mit  fin- 
girten,  allein  aus  dem  Leben  gegriffenen  Thatsachen,  und  die 
letzte  endUch  enthält  die  Berichtcoupons,  welche  jährlich  an 
den  Ausschuss  zur  Evidenzhaltung  der  Cluronikenführung  ein- 
gesendet werden  sollen. 

Das  Comite  hat  es  sich  sonach  nicht  verdriessen  lassen, 
aUe  geistigen  und  materiellen  Mittel  aufzuwenden,  um  die 
Sache  lebensfähig  zu  gestalten.  Es  hat  so  gehandelt  in  der 
festen  Ueberzeugung,  dass  mit  der  blossen  Anregung,  dies 
oder  jenes  habe  zu  geschehen,  gar  nichts  geholfen,  sondern, 
dass  es  geboten  sei,  die  Wünsche  und  Bedüi&isse  so  deuüich 
als  möglich  zu  veraugenscheinlichen,  damit  dem  unklaren  Ver- 
ständnisse nachgeholfen.  Fehlem  und  Entschuldigungen  vor- 
gebeugt und  ein  möglichst  entsprechendes  Resultat  erzielt 
werde.  Aehnliche  Vorarbeiten  und  gleiche  Hilfe  hat  nach  dem 
Wissen  des  Ausschusses  in  solcher  Erschöpfung  kein  Verem 
seinem  Lande  geboten  und  der  Ausschuss  kann  mit  gewisser 
Befriedigung  die  Angelegenheit  in  Lauf  bringen,  dass,  was  von 
seiner  Seite  nöthig,  nicht  vemachlässiget,  sondem  eher  bis  zum 
Aeussersten  vorbereitet  worden  sei. 

Muster  der  besagten  Schriftstücke  liegen  Ihnen  vor.  Die- 


—    Vffl    -^ 

selben  werden  nächstens,  als  vom  Vereine  zu  beheben,  in 
Verlaatbaning  gebracht  werden,  und  es  wird  dann  Sache  der 
Männer,  die  sich  des  Zweckes  annehmen  wollen,  sein,  sie  zu 
beheben  und  so  zu  benützen,  wie  4ie  Unterrichts-  und  anderen 
Beispiele  der  besagten  Beilagen  es  dariegen. 

An  die  Generalversammlung  aber  apellirt  der  Ausschuss, 
dass  deren  Theilnehmer  für  das  Unternehme  wiricen,  dass 
sie  dafOr  Arbeiter  gewinnen  helfen.  Denn  nur  von  solchen 
lässt  sich  die  Krönung  der  Arbeiten  des  Comite's  erwarten. 
Und  der  Ausschuss  rechnet,  wenn  auch  nicht  auf  strömende 
Mitwirkung,  so  doch  mehrfeiche,  da  es  nicht  veikannt  werden 
kann,  dass  das  Unternehmen  für  die  Landesgeschichte  von 
Gewinn  und  fbr  den  Mitarbeiter  ehrenvoll  ist  Unter  allen 
Umständen  aber  hält  der  Ausschuss  seine  Aufgabe  als  für 
dermalen  erlediget  und  legt  sie  in  die  Hände  jener  patriotisch 
denkenden  Persönlichkeiten,  welche  mit  den  Bestrebungen  des 
Vereines  sympathisiren.  Es  würde  dem  Ausschusse  ein  Moment 
besonderer  Genugthuung  sein,  könnte  er  im  Jahre  1878,  wo 
die  Einberufung  und  Prämünmg  der  bestgeführten  Chroniken 
stattfinden  soll,  auf  eine  Anzahl  derselben  hinweisen,  die  ihr 
Entstehen  seiner  Initiative  verdanken.  Dann  würde  Steiermark 
unter  den  österreichischen  Kronlanden  nicht  allein  das  erste 
sein,  welches  mit  solchen  Mitteln  des  Unternehmens  sich 
annimmt,  sondern  auch  das  mit  Resultaten  auf  solchem  Gebiete 
hervortritt  Dann  hat  sich  der  Zweck  des  Vereines  in  dieser 
Richtung  erfüllt,  denn  das  ist  wohl  nicht  zu  bezweifeln,  dass 
die  Sache,  wenn  einmal  in  den  Gang  gebracht,    sich  selbst 

helfen  und  vorwärts  bringen  wird." 

I  * 

Hierauf  gelangen  die  Vorträge  an  die  Reihe  und  es  hält 
Se.  Erlaucht  Herr  Graf  Gundacker  Wurmbrand-Stuppach 
seinen  von  Demonstrationen  begleiteten  Vortrag  über  die  1872 
zu  Gleichenberg  gemachten  prähistorischen  Funde. 

Anknüpfend  an  einen  Feuilleton-Aufsatz  des  Med.-Dr. 
M.  Macher  in  der  Abendausgabe  der  Grazer  „Tagespost" 
vom  24.  September  1872  vertritt  er  die  Ansicht,  dass  die 
Gebrauclizeit  der  auf  dem  südwestlichen  Abhänge  des  Hügels 
der  Villa  Wickenburg  in  Gleichenberg  gefundenen  Schalen  und 
Scherben,  dann  fünf  Stück  Steinwaffen  (letztere  zum  Theile  den 
von  Professor  U  n  g  e  r  bei  Radkersburg  gefundenen  ähnlich)  nicht 
auf  Jahrtausende  zurückgeschoben  werden  könne,  wie  Dr. 
Macher  meint,  sondern  kaum  einige  Jahrhunderte  vor  unsere 
Zeitrechnung  zu  setzen  seien.  Graf  Wurmbrand  sieht  durch 
diesen  Fund  eine  Ansiedlungsstätte  der  kymerischen  Kelten 


—    IX    - 

der  nahverwandten  Gallier  und  der  Germanen  belegt,  welche 
sich  in  diesen  Gegenden  uiederliessen,  nachdem  sie  die  Einge- 
bomen unterworfen  hatten. 

Der  nun  folgende  Vortrag  des  Herrn  Professor  Dr.  H. 
J.  Bidermann  behandelte  die  steierische  Verfassuugskrisis 
zur  Zeit  der  ersten  französischen  Revolution  und  wurde  mit 
Hinzugabe  einiger  interessanter  ActenstUcke  in  das  XXI.  Heft 
der  „Mittheilungen"  S.  15 — 105  aufgenommen. 

Beide  Vorträge  en-egten  lebhaftes  Interesse  und  wurden 
mit  Beifall  aufgenommen. 

Die  Versammlung  währte  von  7*6 — 8  Uhr  Abends. 


Unterm  2.  März  1873  bescheinigt  die  h.  steierm.  Statt- 
halterei  die  in  der  letzten  Jalu'es Versammlung  beschlossene 
Statutenänderung. 

Am  10.  April  wird  mit  der  historischen  Section  der  pol- 
nischen Akademie  der  Wissenschaften  m  Krakau  der  Schrif- 
tentausch eingeleitet. 

Am  26.  April  beschliesst  der  Ausschuss  mit  Rücksicht 
auf  den  in  der  letzten  Jahi'esversammlung  ausgesprochenen 
Wunsch,  auch  im  Jalu*e  1873  ein  geschichtliche  Aufsätze  ent- 
haltendes Heft  der  „Mittheilungen''  mit  angeschlossenem  Re- 
gister für  dieses  Heft  herauszugeben.  Der  Register  der  bisher 
erschienenen  XX  Hefte  „Mittheilungen"  soll  in  zwei  bis  drei 
jahreweisen  Abtheflungen  abgesondert  ausgegeben  und  mit  der 
Ausgabe  der  vom  Archivsadjnncten  Dr.  Luschin  bearbeiteten 
Uebersicht  aller  in  den  Schriften  des  Vereines  erschienenen 
Aufsätze  begonnen  werden. 

Die  Auflage  der  Vereinsschriften  wird  auf  650  Exemplare 
erhöht 

Am  28.  April  hält  der  Verein  seine  11.  Vierteljahresver- 
sammlung,  bei  deren  Beginn  der  Vorsitzende  Schulrath  Dr. 
Peinlich  sich  als  neugewählter  Vorstand  einfahrt,  dann  einen 
Nachruf  den  zwei  jüngst  verstorbenen  vielverdienten  Ehren- 
mitgliedern des  Vereines,  den  beiden  Topographen  Director 
Dr.  Georg  Göth  (gcst  69  Jahre  alt,  Graz,  4.  März)  und  Carl 
Schmutz  (gest  87  Jahre  alt,  zu  Linz,  20.  April)  widmet 

Professor  Virgil  Käferbäck  besprach  die  in  Deutsch- 
land allgemein,  auch  in  Graz  bestandene  und  aus  der  heid- 
nischen Zeit  stammende  Sitte,  zur  Sommer-Sonnenwende  Feuer 
im  Freien  anzuzünden  und  Strohmänner  oder  andere  Figuren 


—    X    — 

dabei  zu  verbrennen.  Da  wurde  am  Vorabende  des  Johannis- 
tages, 23.  Juni,  eine  riesige,  bekleidete  Strohpuppe  an  einer 
langen  Stange  befestigt  durch  die  Stadt  gctiagen,  aiu  Sonnen- 
wendfeucr  in  der  Kailau  angezündet  und  dann  noch  brennend 
in  die  Mur  geworfen. 

Diese  Puppe  hiess  der  Tattermann !  Die  Bedeutung  dieses 
Namens  stammt  vom  Worte  tattern,  zittern,  daher  Tattermann 
in  Steiennark  eine  Vogelscheuche  und  einen  feigen  willenlosen 
Menschen  bezeichnet 

Bei  dieser  Volksbelustigimg  entstanden  aber  oft  bedauer- 
liche Exccsse,  so  dass  die  bewaffnete  Macht  nicht  selten  ein- 
schreiten musste,  um  Ruhe  und  Ordnung  zu  schaffen;  ja  es 
kam  sogar  im  Jahre  IG 99  zu  förmlichen  Kämpfen  zwischen 
dem  Civile  und  dem  Militär,  so  dass  man  sechs  Todte  und 
eine  gi'osse  Anzalil  Verwundeter  zählte.  Auch  gab  das  Volk 
bei  dieser  Festlichkeit  oft  seinem  Aerger  über  sociale  Ver- 
hältnisse Ausdruck,  so  prangte  einst  bei  einer  Erhöhung  der 
Fleisch-  und  Kerzenpreise  der  Tattermann  auf  seiner  hohen 
Stange  ganz  jnit  Wursteln  und  Kerzen  behängt  Diess  gab 
dann  oft  zu  Tunmlten  Veranlassung,  so  dass  sich  die  Regie- 
rung genöthigt  sah,  diese  Sitte  abzuschaffen,  aber  trotz  wie- 
derholter Verbote  erhielt  sie  sich  noch  fort,  bis  ihr  endUch 
die  Unruhen  vom  23.  Juni  1773,  wo  abermals  Militäi-  ein- 
schreiten musste  und  der  Buchhaltungsoffidal  Hu  eher  durch 
einen  Schuss  das  Leben  verlor,  mehrere  Soldaten  aber  durch 
Pistolenschüsse  und  Steinwürfe  verwundet  wurden,  für  immer 
ein  Ende  machten.  Unter  energischen  Drohungen  verbot  nun 
die  Regierung  diese  Festhchkeit  für  immer  und  erliess  eine 
Reihe  von  Massregeln,  jeden  Versuch  emer  Erneuerung  der- 
selben sogleich  zu  unterdrücken. 

Der  Vortragende  verwies  hiebei  auch  auf  einen  Aufsatz 
von  Professor  II  wof,  welcher  schon  fiüher  die  Ansicht  Wink- 
lern's  und  auf  letzteren  gestützt  Gebier 's  widerlegte,  als 
stanmie  dieser  Gebrauch  von  der  Verbrennung  eines  Tartaren. 

Der  Voilrag  des  Oberlieutenants  L.  Beckh-Wid- 
manstetter  hatte  den  beklagenswerthen  Zustand  vieler 
mittelalterlicher  Denkmäler  zum  Gegenstande,  welche  nicht 
selten  auf  Kosten  völüg  interesseloser  Ueberbleibsel  aus  der 
Römerzeit  vernachlässigt  werden.  Ein  Beispiel  kaum  glaubücher 
Rücltsichtslosigkeit  stützt  diese  Thatsache  durch  die  bisherige 
Verwahrlosung  der  Denkmale  des  uralten,  durch  rühmUche  kile- 
gerische  Leistungen  ausgezeichneten  Herrengeschlechtes  der 
Teuffenbach  zu  Teuffenbach  und  Massweg,  in  der 
durch  sie  gegründeten  Margarethen-Ffarrkirche  ihres  Stammsitzes 


-  xr  — 

zu  Teuffenbach  in  Obersteier.  Am  Fussboden  der  Kirche,  theils 
durch  Betstühle  verdeckt,  theils  den  Schuhnägeln  der  bäuer- 
lichen Besucher  preisgegeben,  oder  in  der  Umfassungsmauer  des 
Kirchhofes,  waren  die  hin  und  wieder  nicht  nur  in  geschichtUcher, 
sondern  auch  in  künstlerischer  Beziehung  interessanten  Denk* 
mäler  in  Bruchstücken  zerstreut  emgemauert,  mit  Bezug  auf 
die  Friedhofinauer  mehrere  eben  nur  als  einfaches,  in  kleine 
Stücke  zerklopftes  Steinmateriale,  bei  Ausbesserungen  vei-wendet 
worden.  Diesen  Verwüstungen  leistete  übrigens  eine  zu  Ende 
vorigen  Jahrhunderts  erschienene  Kreisamts- Verordnung,  welche 
die  Verwendung  der  alten  Grabsteine  bei  Kurchenreparaturen 
anordnete,  Vorschub. 

Der  historische  Verein  nahm  sich  auf  den  Bericht  des 
Vortragenden  der  Sache  an,  und  schöpfte  daraus  den  Anlass, 
im  Allgemeinen  die  Angelegenheit  einer  besseren  Versorgung 
der  Kirchendenkmäler  bei  den  beiden  Landesbischöfen,  u.  z. 
mit  erfreuUchem  Erfolge  anzuregen.  HinsichtUch  der  bescheiden 
dotirten  Pfarrspfründe  zu  Teuflfenbach  musste  aber  auf  die 
Beisteuer  der  nächsten  Interessenten,  die  Sprossen  der  auf 
den  Denkmalen  genannten  Geschlechter  gewiesen  werden.  Von 
ihnen  (den  P.  T.  Frauen :  Theresia  Gräfin  von  Herberstein- 
Dietrichstein  in  Wien,  Anna  Gräfin  von  Saurau-Goess 
in  Graz,  AmaUa  Freiin  Teuffenbach-Thurn  und  Antonia 
Freiin  v.  Formentini-Teuffenbach  in  Görz;  den  P.  T. 
Herren:  Alfred  und  Ernst  Fürsten  zu  Windisch-Grätz 
in  Wien  und  Graz,  Sigmund  Freiherr  v.  Pranckh,  königl. 
bäirischen  Kriegsminister  in  München,  Albin  und  Arthur  Frei- 
herren von  Teuffenbach-Teuffenbach  in  Wien  und 
Görz)  wurden  auch  die  Kosten  der  bisher  durchgeführten 
Denkmal-Umstellungen  gedeckt 

Die  Umstellung  zweier  mächtiger  Grabsteine,  welche 
später  als  Altartische  in  Verwendung  genommen  wurden,  er- 
fordert weitere  Verhandlungen  mit  der  Kirchenbehörde,  welche 
erst  durchgeführt  werden  müssen.  Aber  selbst  das,  was  bisher 
bereits  geschehen  ist,  Uefert  ein  erfreuliches  Resultat  und  con- 
statut  für  das  unscheinbare  Kirchlein  zu  Teu£fenbach  eine  so 
grosse  Anzahl  von  Denkmälern  einer  und  derselben  Familie, 
wie  eine  solche  wenige  andere  Kirchen  in  Oesterreich  ent- 
halten dürften.  Während  eine  Inventur  des  Jahres  1780  nur 
acht  sichtbare  Denkmale  ergab,  wurden  bis  nun  vom  Mau- 
rermeister Clonfero  in  Murau  unter  der  Leitung  des  die 
Arbeiten  rastlos  fördeniden  Ortspfarrers  Herrn  Anton  Zugs- 
b  r  a  1 1,  1 8  die  Teuffenbacher  betreflfende  Denkmale  zusammen- 
gestellt und  sämmtliche  im  Innern  der  Kirche  iintergebracht 


-  xn  - 

Diese  Denkmale,  deren  ältestes  dem  Jahre  1480  ange- 
hört, das  jüngste  aus  der  Zeit  zwischen  1G09 — 1620  stammt, 
werden  vom  Sprecher  beschrieben,  zugleich  aber  auch  die  ihm 
anderwärts  bekannten  Fundstätten  Teuifenbach'scher  Denkmale 
erwähnt  Nicht  minder  gedenkt  er  der  Bedeutung  des  Ge- 
schlechtes für  die  Steiennaik,  wodurch  das  Interesse  für  diese 
Erinneningsmale  eigenthch  gehoben  wird  und  betont  schliess- 
lich jene  Namen  von  geschichtlichem  Klange,  welche  aus 
ihnen  heraus  zu  uns  sprechen.  Es  sind  dies:  Regina,  Ge- 
mahlüi  Hansens  v.  Teuffenbach  (t  um  1510),  deren  Name 
uns  an  ihren  berühmten  Bruder  Sigismund  von  Dietrich- 
stein erimiert ;  der  als  Stifter  des  Spitals  zu  Sauerbrunn  bei 
Judenburg  wie  als  Krieger  hochverdiente  erste  Freiherr  Franz 
von  Teuffenbach  (f  1578);  und  Heinrich  Mathias  Graf  von 
T  h  u  r  n,  der  unermüdliche  und  unglückliche  Parteigänger  der 
protestantischen  Sache  im  30jährigen  Kriege,  welcher  als  Genial 
der  Tochter  des  reichen  Offo  von  Teuffenbach  auf  dem 
prachtvollen  Grabmale  des  letzteren  genannt  ist 

Weil  aus  der  Zeit,  der  die  Denkmale  angehören,  sämmt- 
Uche  in  der  Stammtafel  vorkommende  männUche  Teuffenbach 
in  dieser  Weise  geehrt  wurden,  bis  auf  den  vierten  Genial 
der  bekannten  1623  verstorbenen  Herrin  von  Murau,  Anna 
Gräfin  zu  Schwarzenberg,  geb.  Neuman  von  Wasser- 
leo n  b  u  r  g,  diese  aber  allen  ilu*en  Gatten  Denkmale  widmete, 
so  hoflPt  der  Vortragende,  in  einer  der  zwei  Altartischplatten 
das  Denkmal  CarFs  von  Teuffenbach  noch  zu  finden. 

Nachdem  über  Antrag  des  Vorsitzenden  beiden  Bednem 
der  Dank  der  Versammlung  votirt  wurde,  erfolgte  der  Schluss 
der  Sitzung. 

Am  10.  Juli  hält  der  Verein,  diesmal  im  Landtagssaale, 
unter  dem  Vorsitze  des  Vereinsvorstandes  Schulrathes  Dr.  K. 
Peinlich  seme  12.  Vierte^jahresversammlung. 

Professor  Dr.  H.  J.  Bidermann  begründet  den  von 
ihm  im  Ausschuss  eingebrachten  und  da  acceptirten  Antrag, 
die  nächste  Quartalversammlung  als  Wanderversammlung  in 
einem  erst  zu  bestimmenden  Orte  abzuhalten  und  die  Ver- 
sanunlung  gibt  die  hiezu  statutengemäss  nöthige  Einwilligung. 
In  späteren  Berathungen  des  Ausschusses  wird  die  Stadt 
Leoben  in  Obersteier  gewählt  und  die  mit  ihr  diesfalls  ge- 
pflogenen Verhandlungen  führen  zmn  erwünschten  Abschlüsse. 

Notar  J.  C.  Hof  rieht  er  aus  Windischgraz  beantragt, 
der  historische  Verein  möge  sich  beim  Grazer  Gememderathe 
verwenden,  dass  eine  der  neu  zu  benennenden  Gassen  nach 


-^  xm  -^ 

der  ältesten  Dynastie  der  Steiermark  Traungauergasse  benannt 
werde.  Angenommen. 

Hierauf  hält  Professor  Dr.  Krön  es  einen  sehr  beifällig 
aufgenommenen  Vortrag  über  den  Altgrafen  Hermann  H. 
von  Cilli,  welcher  dann  in  das  XX.  Heft  „Mittheilungen", 
S.  106 — 144,  aufgenommen  wurde. 


Am  14.  Juli  beschliesst  der  Ausschuss  die  Kürzung  der 
Administrativberichte  in  solcher  Form,  dass  nur  was  von 
allgemeiner  Wichtigkeit  und  von  besonderem  Interesse  ist, 
zum  Drucke  komme,  weiters  die  Annahme  der  Antiquaschrift 
als  der  für  wissenschaftliche  Publicatioiien  immer  mehr  in 
Aufiiahme  kommenden,  für  die  „Mittheilungen*'. 


Am  8.  October  berichtet  der  Schriftführer  im  Ausschusse 
über  die  gelegentlich  seiner  Anwesenheit  in  Linz  mündhch 
gepflogenen  Verhandlungen  mit  den  Erben  nach  dem  ein- 
heimischen Topographen  Carl  Schmutz,  nach  welchen  die 
Ueberkommung  der  von  dem  genannten  fleissigen  Forscher 
gesanunelten  Styriaca  als  sicher  gelten  darf. 

Das  k.  k.  österreichische  Museum  für  Kunst  und  Industrie 
tritt  in  literarischen  Tauschverkehr  mit  dem  Vereine. 

Der  Antrag  des  Bezirkscorrespondenten  Dr.  J.  Kraut- 
gasser  in  Mureck,  die  Volksschulen  jener  Landestheile,  m 
welchen  häufig  Münzenfunde  aus  der  Römerzeit  gemacht 
werden,  mit  Duplikaten  von  öfters  vorkommenden  Münzen  zu 
betheilen,  um  dadurch  die  SammeUust  im  Landvolke  zu  er- 
wecken, wird  an  das  Münzen-  und  Antikenkabinet  am  Joan- 
neum  zur  Amtshandlung  abgetreten. 

Der  Ausschuss  beschliesst,  sich  petitionsweise  an  den  h. 
steierm.  Landtag  mit  der  Bitte  um  Uebemahme  der  Druck- 
kosten für  das  Register  zu  Muchar  zu  wenden,  weil  die 
ersten  fünf  Bände  dieses  Werkes  völlig  auf  Landeskosten  her- 
ausgegeben wurden,  und  der  Verein  ohnehin  die  Herstellung 
des  Manuscripts  in  seinem  Kreise  besorgte. 


Am  12.  October  versammelten  sich  zu  Leoben  die  Theil- 
nehmer  der  13.  Vierteljahres-,  zugleich  ersten  Wander- 
Versammlung  des  historischen  Vereines  für  Steiermark,  von 
welchen  die  aus  Graz  zumeist  mit  dem  Postzuge  um  12  Uhr 
16  Minuten  in  Leoben  eintrafen  und  daselbst  von  dem  Leobner 
Fest-Comit^,  bestehend  aus  den  Herren:  Anton  Lutz,  Bür- 
germeister zu  Leoben,  Wilhehn  F  a  i  1  h  a  u  e  r,  k.  k.  Postmeister, 
Dr.  Gregor  Fuchs,   Director    des  Realgymnasiums,    Frans 


—   XlV   — 

Kupetwieser,  Professor  an  der  k.  k.  Montan-Akademie, 
Josef  Meyer,  Gemeinderath,  Franz  S  a  v  e  t  z,  Hauptschullehrer 
und  Gemeinde-Ausschuss,  und  Franz  Sprung,  Director  der 
Innerberg'schen  Gewerkschaften  zu  Donawitz  bei  Leoben,  auf 
das  Freundlichste  bewillkommt  wurden. 

Von  Graz  waren  eingetroffen; 

Se.  Excellenz  der  Herr  Statthalter  Freiherr  v.  K  ü  b  e  c  k, 
(der  Herr  Landeshauptmann  und  Ehrenpräsident  Dr.  Moriz  von 
Kaiserfeld  sprach  in  einem  Schreiben  an  den  Vereins- 
Vorstand  sem  Bedauern  aus,  durch  Beru&geschäfte  an  der 
Theilnahme  gehindert  zu  sein).  Vom  Ausschusse:  Der 
Vereinsvorstand  Schulrath  Dr.  Richard  Peinlich,  Vorstand- 
Stellvertreter  Professor  Dr.  H.  J.  B  i  d  e  r  m  a  n  n,  Schriftführer 
L.  Beckh-Widmanstetter,  Professor  Dr.  A.  v.  Luschin, 
Schuldirector  N 0 ö.  Mitglieder:  Gustos  Dr.  A.  Jeitteles, 
kais.  Rath  Pfarrer  Dr.  Knabl,  Professor  Korp,  Professor 
Dr.  Franz  Krön  es,  Professor  Dr.  Georg  Lucas,  Professor 
Macun,  Professor  J.  Reich el,  Oberlandesgerichtsrath  Jo- 
hann Reicher,  Professor  Johann  Rogner,  Dr.  Medicinaß 
Senior.  Gäste:  Die  Philosophen  Johann  Ebner  und 
Kümmel,  Medianer  Victorin  Rogner,  magistratlicher  Cassier 
Carl  Schneiderlechner  mit  Gemalin,  —  aus  Judenburg 
Dr.  P  i  1 1  m  a  y  e  r,  aus  Gaal  bei  Knittelfeld  JBezirkscorrespondent 
Werksarzt  A.  A  u  s  t,  aus  Obdach  Bezirkscorrespondent  Bezirks- 
richter Ignaz  Schlagg. 

Nachdem  „beun  Mohren  **  das  Mittagmal  gehalten  war, 
wurde  der  vormals  von  Eggenwald'sche  Garten  besucht,  in 
dessen  Pavillon  General  Bonaparte  am  18.  April  1797 
den  Präliminarfrieden  von  Leoben  mit  •  Oesterreich  unter- 
zeichnete, dann  die  Wanderung  nach  dem  aufgehobenen  ältesten 
Benedictinerinnen-Kloster  in  Göss  auf  dem  Umwege  über  die 
Ruinen  des  Schlosses  Massenberg  und  den  Aussichtspunkt 
„Bellevue"  angetreten.  In  G^ss  besahen  die  Anwesenden,  vom 
Ortspfarrer  Andreas  Gschirts  geleitet,  die  Stiftskirche,  ein 
neu  aufgefundenes  Gemälde,  die  Kirchenparamente,  dann  die 
Grabdenkmale  der  Aebtissmen  ausser  der  Kirche;  den  Schluss 
machte  ein  kürzerer  Aufenthalt  im  Brauhause  zu  Göss,  welcher 
zu  mehreren  Begrüssimgen  durch  Trinksprüche  den  Anstoss 
gab.  Nach  Leoben  rückgekehrt  wurde  das  Abendessen  im 
grossen  Speisesaale  des  „Mohren"  eingenommen,  während  das 
Absenger'sche  Terzett  sich  produzirte. 

Am  1 3.  October  Morgens  8  Uhr  machte  über  Einladung 
des  Herrn  Werksdirectors  Franz  Sprung  ein  grösserer 
Jheil  der  Gesellschaft  einen  Ausflug  nach  der  vormals  Frei- 


-    XV    — 

hert  V.  Mayr,  nun  Innerberg'schen  Gewerkschaft  Donawitz. 
Dort  zeigte  Herr  Director  Sprung  die  in  einzelnen  Theilen, 
namentlich  der  schönen  Decke  noch  gut  erhaltenen  Reste 
einer  kleinen  römischen  Grabkapelle,  auf  welche  die  Arbeiter 
vor  circa  zehn  Jahren  gelegentUch  der  Umlegung  des  Tro- 
faiachbaches  stiessen  und  die  dann  auf  seine  Anordnung  aus- 
gegraben wurde.  Die  Fundstätte  wurde  besucht,  dort  die 
Genesis  des  Fundes  vom  Herrn  Director  Sprung  erörtert 
und  noch  andere  kleinere  Fundstücke  vorgezeigt 

Von  10  Uhr  Vormittags  bis  nahe  1  Uhr  Mittags  wurde 
im  grossen  Bathssaale  der  Stadtgemeinde  Leoben  die  Haupt- 
versammlung abgehalten,  welcher  ausser  den  bereits  Vorge- 
nannten noch  die  Mitglieder:  Güterbesitzer  Freiherr  Franz 
Mayer  von  Meinhof,  Postverwalter  Martin  Reitsamer, 
Landesgerichts-Rath  Ludwig  Sprung,  Professor  Johann 
Tschanet,  die  Gäste:  Hochwürden  Alois  S e e  1  i n g,  Stadt- 
pfarrer in  Leoben,  Franz  T  e  c  h  e  t,  Vorstadtpfarrer  in  Waasen, 
Andreas  Gschirts,  Pfarrer  in  Göss,  Hoffath  Peter  Ritter 
von  Tunner,  Landtagsabgeordneter  Freiherr  von  Zschok, 
Staatsanwalt  Eugen  Mihurko,  pens.  Finanzrath  Alois  Fail- 
hauer,  k.  k.  Notar  Franz  von  Aichelberg,  Advocat  Dr. 
Josef  Gmeiner,  Med.-Dr.  Homann,  Dr.  Steyrer,  Land- 
wehr-Major H  e  r  z  n  e  r,  Postofficial  Ritter  von  Seh  er  er,  wei- 
ters acht  Damen,  Bürger  der  Stadt,  Studirende  der  Berg- 
akademie, im  Ganzen  112  Personen  beiwohnten. 

Vorsitzender  Schulrath  Dr.  Richard  Peinlich  eröfinet 
die  Versammlung  mit  einer  einleitenden  Rede  über  Zweck  und 
Bedeutung  der  Wanderversammlung  und  gibt  von  dem  Pro- 
gramme Kenntniss,  worauf  der  Schriftführer  den  Geschäfts- 
bericht mit  besonderer  Betonung  der  sich  stets  mehrenden 
Anmeldungen  für  Ortschronikenführungen  und  ebenso  für  den 
abwesenden  Cassier  den  Cassenbericht  (Emp^nge  einschliess- 
lich des  Uebertrages  vom  Vorjahre  3969  fl.  70  kr.,  Ausgaben 
1913  fl.  83  kr.,  Rest  2055  18.  87  kr.)  vorträgt 

Dann  ersucht  Vorsitzender  Namens  des  Ausschusses  um 
Ertheüung  der  Indemnität  hinsichtlich  der  durch  die  tagende 
Versammlung  verursachten  Kosten,  welche  ertheüt  wird. 

Schriftführer  referirt  über  den  Vorschlag  des  Ausschusses, 
die  ordentlichen  Mitglieder :  Herren  Ludwig  J  o  s  s  e  k,  k.  k. 
Bezirkshauptmann  in  Rann,  Hermann  Puff,  k.  k.  Hauptmann- 
Auditor  in  Marburg,  und  Johann  Erainz,  Volksschullehrer 
in  Oberwölz,  dann  den  Herrn  Franz  Tiefenbacher,  k.  k. 
pens.  Finanzbeamten  in  Fehring,  zu  Bezirkscorrespondenten 
zu  ernennen.  Der  Vorschlag  wird  genehmigt,  ebenso  jener  des 


—   XVI   - 

Vorsitzenden,  die  Herren:  Professor  Dr.  Krones,  Professor 
Dr.  Geoi^  Lucas  und  Oberlandesgerichtsrath  Reicher  zu 
Ratificatoren  des  Sitzungsprotokolls  zu  wählen. 

Ueber  die  Aufforderung  des  Vorsitzenden,  etwaige  Wünsche 
und  Anträge  kund  zu  geben,  meldet  sich  Niemand  zum  Worte, 
es  wird  daher  zu  den  Vorträgen  geschritten. 

I.  Professor  Dr.  H.  J.  Bidermann  bespricht  die  Han- 
delsbeziehungen der  Stadt  Leoben  zu  den  westlichen  Alpen- 
ländem  vom  16.  bis  zum  19.  Jahrhunderte,  hebt  die  Bedeu- 
tung des  Eisenhandels,  durch  welchen  Leoben  seine  BerOhmtheit 
erlangte,  hervor,  schildert  mit  Zugrundelegung  tirolischer  Ar- 
chivaren den  regen  Verkehr,  welcher  zwischen  Tirol  und  jener 
Stadt  besonders  im  16.  Jahrhundert  bestand  und  verbreitet 
sich  dabei  auch  über  andere  Wechselbeziehungen.  Er  begrOsst 
damit  die  Stadt  und  schliesst  mit  emer  Aufforderung  zu  kräf- 
tiger Unterstützung  der  Zwecke  des  historischen  Vereines. 
(Sem  Vortrag  wurde  ohne  die  Kürzungen,  die  er  vornahm,  in- 
dem er  ihn  hielt,  als  Festschrift  ausgegeben  und  erscheint 
auch  in  diesem  XXH.  Hefte  der  Mittheilui^en  des  histori- 
schen Vereines.) 

n.  Der  zweite  Vortragende,  Professor  Dr.  Arnold  Bitter 
V.  Luschin,  ging  von  dem  Gedanken  aus,  dass  die  mittel- 
alterlichen Anschauungen  vom  Wesen  und  Zwecke  der  Münze 
von  den  heutigen  mannigfach  abwichen  und  dass  diese  zur 
Auffassung  des  Münzwesens  als  einer  blossen  Finanzquelle 
hinleitete.  Nachdem  er  sodann  das  daraus  für  den  Münzberech- 
tigten abgeleitete  Recht  der  Münzverrufung  und  Verschlechte- 
rung geschildert,  wandte  er  sich  der  gedrängten  Darstellung 
des  Münzwesens  in  Steiermark  während  des  Mittelalters  zu, 
besprach  die  im  Lande  umlaufenden  Sorten,  versuchte  deren 
Circulationsgebiet  zu  begrenzen  und  die  Münz-  und  Wechsel- 
stätten namhaft  zu  machen.  Mit  einem  Hinweis  auf  die  Finanz- 
krise des  15.  Jahrhunderts,  die  Zeit  der  Schinderlinge,  in 
welcher  der  Grazer  Bürger  und  Münzmeister  Balthasar 
Eggenberger  eine  wenig  gerühmte  RoUe  spielte,  sdüoss 
der  durch  Vorweisung  der  einzehien  Münzsorten  erläuterte 
Vortrag  nach  halbstündiger  Dauer  0- 

ni.  Der  dritte  Vortrag  des  Schuh*athes  Dr.  R.  Peinlich 
behandelte  das  Rathsstuben-Regiment  der  steier.  Landstädte 
im  16.  Jahrhunderte  mit  besonderer  Berücksichtigung  von 
Leoben. 


*)  Der  Vortrag  wurde  seither  im  Jännerhefte  der  Zeitsctirift  ftir  deutsclie 
ColturgeBchichte,  Jahrgang  1874)  S.  19  ff.  veröffentlicht. 


—  xvn   — 

Nach  einigen  einleitenden  Worten  über  die  Reichhaltigkeit 
nnd  Mannigfaltigkeit  des  Stoffes,  folgten  Andeutungen  ttber 
die  autonome  Stellung  der  Gemeinde,  über  den  Wirkungs- 
kreis der  Stadtbehörde,  deren  Zusammensetzung  und  Glie- 
derung, sowie  über  die  Wahl  derselben  und  die  Stellung  gegen- 
über der  Bürgerschaft  Annäherungsweise  wurde  die  Zahl  der 
Bewohner  von  Leoben  und  einiger  anderer  Orte  für  das  Jahr 
1528  und  die  Zahl  der  rücksässigen  Bürger  von  Leoben  im 
Jahre  1572  bestimmt  Hieran  schloss  sich  die  Au&flhlung 
der  in-  und  ausserhalb  des  Bathes  mit  städtischen  Aemtem 
zu  Leoben  betrauten  Männer,  femer  Angaben  über  die  Raths- 
ordnung  in  Betreff  der  Sitzungen  und  die  Massregeln  gegen 
Säumige  zu  Leoben  und  an  anderen  Orten.  Bei  der  Bespre- 
chung der  städtischen  Agenden  in  Beziehung  auf  den  Landes- 
fürsten, wurde  die  Behandlung  der  landesfürstlichen  Generalien 
im  Rathe  dargelegt  und  die  Art  der  Publicirung  an  die  Be- 
wohner des  Ortes.  Als  Beispiel  diente  eine  Polizeiverordnung 
vom  Jahre  1530  und  ein  Steckbrief  vom  Jahre  1579.  Dann 
folgten  einzelne  Daten  über  das  Land-  und  Banngericht  zu 
Leoben,  über  die  Seltenheit  von  Verbrechen,  welche  die  Todes- 
strafe verdient  hatten,  über  die  Stelle,  wo  der  Galgen  stand, 
über  Fälle,  wo  die  Regierung  die  Urtheilssprüche  des  Stadt- 
gerichtes 1573  und  1575  unzulänglich  fand  und  daher  Reas- 
summhiing  der  Untersuchung  verlangte,  femer  ein  Process 
wegen  heimlich  von  Goldwäschem  aufgekauften  Goldes  (1600), 
wo  das  Stadtgericht  wegen  Umgehung  seines  Rechtes  durch 
landesfbrstliche  Beamte  die  Schuldigen  unbestraft  liess,  endlich 
aus  den  Injurien-  und  Raufhändeln  ein  Beispiel  sonderbarer 
Rechtspflege  (1595),  wo  die  gröbüche  Antastung  des  Bürger- 
meisters, als  er  bei  einer  Rauferei  von  Amtswegen  dazwischen- 
trat, ungeahndet  blieb.  An  den  Bericht  über  die  Erledigung 
der  Beschwerden  der  Bürgerschaft  von  Leoben  durch  den 
Raul  in  öffentlicher  Versammlung  1591,  schloss  sich  eine 
kurze  Hindeutung  auf  die  gelegentlichen  Festmahlzeiten  der 
Rathspersonen.  Die  Verlesung  eines  bei  festlichen  Gelegen- 
heiten üblichen  „Menü"  von  18  Gerichten  machte  den  Beschluss. 

Die  vorgerückte  Stunde  veranlasst  den  Vorsitzenden  die 
Versammlung  zu  befragen,  ob  sie  geneigt  sei,  auch  noch  die 
zwei  kurzen  Mittheilungen  anzuhören,  welche  erst  heute  Morgens 
dem  Ausschusse  angemeldet  wurden ;  über  die  darauf  ertheilte 
Zustimmung  verliest 

IV.  Herr  Bezirkscorrespondent  A  u  s  t  aus  Gaal  bei  Knit- 
telfeld  einen  warm  empfundenen  Nekrolog  des  am  10.  No- 
vember 1786  zu  Schwanberg  geborenen  und  am  27.  April  1872 

Mllthatl.  d.  hUL  Verein*  f.  Stelenaurk.  XXII.  Heft,  1874.  B 


—    XVIII    — 

yerstorbenen  Grossindustriellen  Andreas  Top  per.  Dieser 
machte  sich  dadurch  besonders  bemerkbar,  dass  er  1818  za 
Scheibs  in  Niederösterreich  die  erste  österreichische  Neubruch- 
Stahlwaareufabrik  in  Oesterreich  gründete  und  in  Flor  brachte. 
Er  vergass  aber  auch  nicht  an  seinen  Geburtsort  Schwanberg 
in  Steiermark,  für  welchen  er  mehrere  wohltbätige  Stiftungen 
errichtete,  dort  auch  am  Kirchhofe  seinen  verstorbenen  Elt^m 
Andreas  (t  1806)  und  Ursula  Topp  er  (f  1809)  em  Denkmai 
widmete.  Der  Umstand,  dass  Topp  er  nach  Beendigung  sei- 
ner Wanderschaft  1811  eine  Knittelfelder  Büi^erstochter  geeh- 
licht  hatte,  veranlasste  den  Redner,  diese  Blume  der  Erinne- 
rung für  den  Verstorbenen  zu  pflücken. 

V.  Endlich  bespricht  der  Vereins-Schriftführer  Ob»- 
lieutenant  Leopold  Beckh  -  Widmanstetter  das  am 
Tage  vorher  dem  Archive  des  Schlosses  Liechtenstein*)  bei 
Judenburg  entnommene,  in  seiner  guten  Ausstattung  und 
Erhaltung  vorgewiesene  Hauptbuch  des  kaiserlich  befreiten 
Handelsherrn  Hanns  Pagge  m  Wien,  die  Jahre  1646  und  47 
umfassend.  Indem  Redner  aus  dem  Buche  ziifermässig  nach- 
weist, dass  der  Wiener  Kaufherr  in  circa  500  Posten  mit 
beiläufig  IGO  Orten  in  Oesterreich,  Steiermark,  Kärnten,  Ungarn, 
Mähren,  dann  aber  auch  mit  Städten  wie  Nürnberg,  Danzig  etc. 
in  Verbindung  stand,  dass  zu  seinen  Debitoren  Personen  jeden 
Standes  vom  deutschen  Kaiser  bis  zum  Krämer  herab  ge- 
hörten, legt  er  das  Hauptgewicht  auf  den  Umstand,  dass  die 
Famüie  Pagge's  mit  der  Steiermark  und  weiters  auch  mit  der 
Stadt  Leoben  in  näherer  Berührung  stand.  Schon  vor  mehr 
als  100  Jahren  wurden  die  Pagge  unter  den  geadelten  handel- 
treibenden Familien  von  St  Veit  in  Kärnten  genannt,  von  wo 
sie  sich  nach  dem  salzburgischen  Lungau  und  Obersteier  ver- 
breiteten. Franz  war  um  1600  des  Erzherzogs  Ferdinand  Rath 
und  Stadtanwalt  in  Leoben,  Daniel  etwas  später  innerösterr. 
Regierungskanzler.  Unseres  Pagge  Mutter  war  eine  Tochter 
des  reichen  Judenburger  Handelsherrn  und  Stadtrichters  Bal- 
thasar Hainricher,  gestorben  um  1600,  dessen  Söhne  Hans 
und  Hermann  den  Thorhof  bei  Judenburg  zum  Schlöss- 
chen Hainrichsperg  umschufen,  dann  mit  kaiserlicher  Bewilli- 
gung sich  darnach  nannten,  ein  grosses  Vermögen  sammelten^ 
aber  ohne  Kindersegen  blieben.  Letzterer  Umstand  veranlasste 
den    Hermann  Hainricher    von    Hainrichsperg    1644    seinen 


*)  Vom  EigenthOmer,  Sr.  Divcblaucbt  dem  Herrn  Generalen  der  Ca- 
vallerie  Fürsten  Friedrich  zu  Liechtenstein  dem  Vereine  zur 
Verfügung  gestellt 


—    XIX    — 

Schwestersohn  Hanns  Pagge  zu  adoptiren,  der  um  1 646  dann 
auch  völlig  den  Namen  Hainrichsperg  annahm,  bald  darauf 
Wien  verliess  und  sich  gänzlich  nach  Judenburg  zog,  wo  er 
bis  zu  seinem  Tode  1676  als  Bui^graf  waltete  und  durch 
die  Erwerbung  namhafter  Landgüter  um  Judenburg  seinem 
Sohne  zur  Grafenwttrde  den  Weg  bahnte.  Als  Bürger  von 
Bedeutung,  wussten  die  Grafen  Hainrichsperg  sich  im  neuen 
Stande  aber  nie  zu  einer  ihrem  nunmehrigen  Range  ent- 
spredienden  Geltung  zu  bringen,  erioschen  übrigens  auch 
sdion  1783. 

In  dem  Hauptbuche  unseres  „Hanns  Hainricher  von  und 
auf  Hainrichsperg  zum  Weyer,  sonsten  Pagge  genannt*',  be* 
gegnen  wir  manchem  für  die  Handelsgeschichte  Innerösterreichs 
wichtigen  Namen,  so  Inzaghi  (später  Grafen),  Haubt,  De- 
crignis,  sämmtlich  in  Graz  —  Egger  (nun  Grafen)  in 
Leoben  —  Lis cutin  in  Judenburg;  wir  vermissen  dann 
allerdmgs  auch  dubiose  Forderungen  nicht,  aber  mit  Rücksicht 
auf  die  einkommenden  hohen  Summen  in  so  unnennbaren 
Beträgen,  dass  wir  daraus  eine  hohe  Meinung  von  der  Soli- 
dität der  Pagge'schen  Handelsverbindungen  schöpfen. 

Nachdem  nun  die  Tagesordnung  völlig  erschöpft  war, 
schloss  Vorsitzender  Schulrath  Dr.  R  P  e  i  n  1  i  c  h  um  1 2  V«  Uhr 
Mittags,  nachdem  er  den  Anwesenden  für  ihr  Erscheinen  und 
ihre  Theilnabme  den  Dank  ausgesprochen,   die  Versammlung. 

Unmittelbar  darnach  vereinigte  sich  der  grössere  Theil 
der  in  der  Hauptversammlung  anwesenden  männlichen  Per- 
sönhchkeiten  zu  einem  gemeinsamen  Festmahle  beim  „Mohren". 
—  Den  ersten  Trinkspruch  brachte  hiebei  der  Vereinsvorstand 
Schulrath  Dr.  Peinlich  auf  die  GastfreundUchkeit  der  Ge« 
meinde  und  des  Bürgermeisters  der  Stadt  Leoben  aus,  welchen 
Gruss  Bürgermeister  Lutz  mit  einem  „Hoch''  auf  die  aus 
der  Entfernung  herbeigekommenen  Mitglieder  des  Vereines, 
die  Gäste  Leobens  erwidert  Darauf  toastirte  Scbulrath  Dr. 
R.  Peinlich  auf  Se.  Excellenz  den  Herrn  Statthalter,  Pro- 
fessor Dr.  H.  J.  Bi  der  mann  auf  den  Ehrenpräsidenten  des 
Vereines,  den  würdigen  Staatsmann  aus  der  Heimat,  nun- 
mehrigem Landeshauptmann  Dr.  Moriz  von  Kaiserfeld, 
Professor  Dr.  Arnold  von  Luschin  brachte  dem  Leobner 
Festcomitä  sein  „Hoch*  und  Professor  Dr.  Franz  Krön  es 
gedachte,  indem  er  in  einem  humorgewürzten  Rückbhcke  die 
Erlebnisse  der  letzten  zwei  Tage  Revue  passiren  liess,  der 
Frauen  von  Leoben.  Noch  erhob  Freiherr  von  Mayer- 
Meinhof  sein  Glas,  um  den  84jährigen  „Nestor"  des  histo- 
rischen Vereines,  kais.  Rath  PfaiTcr  Dr.  Richard  KnabI,  zu 

B* 


—    XX    — 

begrüssen  und  erntete  herzliche  Erwiderung  von  dem  Greise. 
Werksdirector  Sprung  schloss  die  Trinksprüche  mit  einem 
solchen  auf  den  Yereinsvorstand,  womach  sich  die  Gesellschaft 
trennte,  die  Anwesenden  aus  Graz,  begleitet  vom  Leobner 
Festcomite  zur  Eisenbahn  fuhren  und  mit  dem  beOftufig  3  Uhr 
nach  Brück  und  Graz  abgehenden  Zuge  nach  Graz  rück- 
kehrten. 


In  der  Ausschuss-Sitzung  am  1 4.  October  behandelte  der 
Aussc^uss  theils  vertrauliche,  theils  noch  nicht  abgeschlossene 
Gegenstände,  welche  die  Elarlegung  der  Beziehung  des  Aus- 
schusses zu  dem  Comite  fbr  Herausgabe  steiermfiridscher 
Geschichtsquellen  betreffen. 


In  der  Ausschuss-Sitzung  vom  14.  November  bescfaliesst 
der  Ausschuss  an  Se.  Majestät  den  allergnädigsten  Kaiser  an- 
lässlich des  Regierungsjubiläums  eme  im  Entwürfe  zugleich 
vorgelegte  Adresse  zu  richten.  Dieselbe  wurde  sodann  am 
Festtage  von  einer  Deputation  des  Ausschusses  Sr.  Excellenz 
dem  Herrn  Statthalter  überreicht 

Schriftführer  L.  Beckh-Widmanstetter  berichtet 
über  die  Beendigung  der  seiner  persönlichen  Obsorge  über- 
lassenen  Grabmal-Bergungen  in  der  Pfarrkirche  zu  Teufen- 
bach  ')  in  Obersteier  und  der  damit  durch  die  Widmung  eines 
Geldbetrages  in  Verbindung  stehenden  Umstellung  eines  am 
Fussboden  der  Yerreibung  preisgegebenen,  fbr  die  Genealogie 
der  Fürsten  zu  Windisch-Grätz  wichtigen  Denksteines  in  der 
Franziskanerkirche  zu  Graz.  Derselbe  besitzt  ausser  dem  com- 
binirten  Wappen  der  Windischgrätz-Wolfsthaler  folgende  In- 
schrift : 

In  sand  Jacobs  kapelln 
im  kloster  cze  grac  habe 
n  die  windischgracz  au 
ch  die  wolfthaler.  ir.  greb 
nns  Tnd  ligt  da .  taman 
wolfthaler  der  lest  1474. 


In  der  Ausschuss-Sitzung  vom  1 6.  December  wird  die  Mit- 
theilung des  Bezirkscorrespondenten  Krainz  verlesen,  nach 
welcher  die  StadtverU'etung  von  Oberwölz  auf  seine  Anregung 
beschlossen  hat,  circa  20  Original-Pergamenturkunden  gegen 


»)  Die  wichtigeren  Daten  über  die  Teufenbacher  Denkm&ler  sind  der 
Skizze  des  darQber  in  der  11.  Quartalversammlung  gehaltenen  Vor- 
trages S.  X  zu  entnehmen. 


—    XXI    — 

Einlieferung  von  vidimirten  Abschriften  derselben  dem  Vereine 
in  die  Verwahrung  zu  überlassen;  ein  Anerbieten,  welches 
der  Ausschuss  mit  Dank  annimmt 


Die  26.  allgemeine  Jahresversammlung  des  Vereines 
wurde  am  30.  Jänner  1874  in  Anwesenheit  des  Herrn  Ver- 
einspräsidenten, Landeshauptmann  Dr.  Moriz  v.  Kaiserfeld 
und  unter  Leitung  des  Vorstandes,  Schulrath  Dr.  R.  Pein- 
lich im  Joanneum  abgehalten,  wobei  der  Schriftführer,  Ober- 
lieutenant L.  Beckh-Widmanstetter  Namens  des  Aus- 
schusses Folgendes  berichtete: 

*         * 
«Zum  ersten  Male  seit  dem  Bestände  des  Vereines  ist 

der  Ausschuss  heute   in  der  26.  Hiuiptversammlung  in  der 

Lage,    über  ein  mit  dem  Kalendeijahre  zusammenfallendes 

Vereinsjahr  zu  berichten. 

Ausser  der  Herausgabe  der  gewöhnlichen  Vereinsschriften, 
als  dem  XXL  Hefte  der  „Mittheilungen**,  welche  in  Hinkunft,  um 
einem  mehrfach  ausgesprochenen  Wunsche  zu  begegnen,  mit 
Anüqualettem  gedruckt  werden  sollen,  und  dem  X.  Jahr- 
gange der  «Beiträge",  war  der  Ausschuss  auch  bemüht,  die 
Veröffentlichung  zweier  seit  längerer  Zeit  vorbereiteter  Weike 
einzuleiten. 

Die  .Druckl^ung  des  vollständigen  Registers  zu  den 
bisher  ausgegebenen  XX  Heften  „Mittheilungen"  wurde  zwar 
durch  die  Erkrankung  des  mit  der  HersteUung  der  Zettel- 
auszüge beschäftigten  Herrn  und  andere  Umstände  verhindert^ 
dagegen  als  eine  Abschlagszahlung  eine  „Uebersicht  aller  in 
den  Schriften  des  historischen  Veremes  bisher  veröffentlichten 
Aufsätze,  femer  der  historischen  oder  die  Steiermaik  betref- 
fenden Artikel  in  der  steiermärkischen  Zeitschrift"  ausgear* 
beitet  und  dieselbe  als  erste  Lieferung  des  nun  abgesondert 
und  abtheilungsweise  erschemenden  Registers  der  ersten  Reihe 
unserer  „Mittheilungen",  gleichzeitig  mit  den  pro  1873  fälligen 
Jahresgaben  des  Vereines  an  die  Mitglieder  versendet;  von 
nun  an  wird  jedem  einzelnen  Hefte  ein  R^ister  beigegeben 
werden. 

Die  Herstellungskosten  der  Vereinsschriften  sind  zwar, 
von  den  allgemeinen  Ursachen  abgesehen,  auch  noch  durch 
die  in  den  beiden  letzten  Jahrgängen  der  „Beiträge"  enthaltenen 
Karten  über  die  Gestaltung  unseres  Heimatlandes  im  frühen 
Mittelalter  einigermassen  gestiegen.  Allein  der  Ausschuss  recht- 
fertigt diese  Mehrauslagen  mit  dem  Bestreben,  sich  durch  ähn- 
liche Publicationen  nicht  von  anderen  Vereinen  überflügeln  zu 


~   xxn  — 

lassen  und  meint,  dass   der  Mehrbetrag  durch   den  inneren 
Werih  des  Gebotenen  reichlich  aufgewogen  werde. 

Der  Index  zu  Muchar's  Geschichte  der  Steiennark  wurde 
in  den  Druck  gegeben  und  ist  diese  schwierige  Arbeit,  Dank 
der  auf  sie  verwendeten  rastlosen  Muhe  und  der  uneigen- 
nützigen Opferwilligkeit  mehrerer  Yeremsmitglieder,  welche 
die  Revision  übernahmen,  bereits  bis  znm  16.  Bogen  fertig 
gedruckt  Es  kann  somit  die  völlige  Vollendung  desselben 
im  Verlaufe  des  Jahres  1874  nicht  mehr  angezweifelt  werdea 
Weil  die  ersten  fünf  Bände  des  Muchar' sehen  Geschichts- 
werkes vollständig  aus  Landesmitteln  herausgegeben  wurden,  der 
Verein  dagegen  die  weiteren  drei  Bände  mit  gi'ossen  Opfern  be- 
sorgte, auch  das  Manuscript  des  Index  beschaffte,  so  hat  sich 
der  Ausschuss  an  die  Munificenz  des  h.  steierm.  Landtages  mit 
der  Bitte  gewendet,  die  Druckkosten  des  Index  entweder  ganz, 
oder  doch  zum  Theile  auf  das  Landesbudget  zu  übernehmen. 
Der  hohe  Landtag  hat  auch  in  Würdigung  dieser  Umstände 
einen  Beitrag  von  1000  fl.  zu  diesem  Zwecke  bewilligt,  wofür 
demselben  der  Dank  des  Vereines  durch  diese  hochgeelule 
Versammlung  noch  ausgesprochen  werden  möge. 

Vom  ersten  Bande  des  Urkundenbuches  sind  nur  mehr 
der  Index  und  die  Vorrede  zu  drucken.  Um  jedoch  die  nach- 
folgenden Publicationen  in  keiner  Weise  zu  verzögern,  hat 
der  Ausschuss  schon  jetzt  die  Inangriffnahme  des  zweiten 
Bandes  der  steiermärkischen  Gescliichtsquellen  in  Aussicht 
genommen,  er  überträgt  aber  das  Votum  über  die  Zulässig- 
keit  dieses  Vorgehens,  eventuell  die  Genehmigung  der  Kosten 
auf  eine  hochgeehrte  Versammlung. 

Das  Unternehmen  der  Ortschronikenführungen,  welches 
der  Vereins-Ausschuss  in  der  letzten  Jahresversammlung  mit 
vollendetem  Entwürfe  einbrachte,  erfreut  sich  im  Lande  bereits 
vielfadier,  immerwährend  steigender  Theilnahme.  Wie  sehr  die 
Wichtigkeit  erkannt  wird,  dadurch  ein  treues  Spiegelbild  des 
in  einem  Orte  sich  abwickelnden  Lebens  der  Zukunft  zu  be- 
wahren, beweist  die  Zahl  der  Orte,  welche  bisher  Chroniken 
anlegten,  sie  beträgt  dermal  24  und  vertheilen  sich  dieselben 
auf  die  16  Gerichtsbezirke  Leibnitz  mit  5,  Oberwölz  mit  3, 
Amfels  und  Umgebung  Graz  mit  je  2,  Brück  a.  M.,  Deutsch- 
landsberg, Feldbach,  Fehring,  Fürstenfeld,  Kindberg,  Kirchbach, 
Knittelfeld,  Neumarkt,  Pettau,  Tüffer  und  Wfldon  mit  je  einem 
Clu*onisten. 

Die  Namen  der  Ortschronisten  enthält  eine  Beilage. 

Die  grössere  Betheiligung  des  Bezirkes  Leibnitz  und  der 
Kachbargegenden  ist  der  Intervention  des  Herrn  Landesschul* 


-^     XXIII    — 

Inspectors  J.  AI.  R  o  z  s  e  k  zu  verdanken,  welcher  gelegentlich 
der  Augast-Lehrerversammlung  zu  Leibnitz  acht  Theilnehmer 
derselben  zur  Uebemahme  des  Chronistenamtes  zu  ermuntern 
wusste. 

In  verwandter  Richtung  erwies  sich  die  Bezirksvertretung 
von  Leibnitz  entgegenkommend,  welche  einen  Beitrag  von 
50  fl.  votirte,  zum  Falle  eine  druckfiüiige  Ortsbeschreibung 
und  Chronik  zu  Stande  gebracht  wüi-de,  die  dem  Unter- 
richte der  Ortskunde  in  den  Schulen  zweckdienlich  wäre, 
Ortsbeschreibungen  hat  auch  eine  Anzahl  von  Schülern  des 
L  Staatsgymnasiums  im  Jahre  1873  geliefeit,  u.  z.  fllr  St  Anna 
am  Aigen  Alois  Stradner,  Arnfels  Anton  Liebisch,  Göss 
Adolf  StoUowski,  Gollrad  bei  Mariazeil  Franz  Hasenauer, 
Gusswerk  bei  Mariazeil  Camillo  v.  Ruttner,  Mariazell 
Josef  Wiederhof  er,  Palfau  J.  Tomofski,  Preding  J.  Prettner 
und  Kobenz  Y.  Kaitner. 

Das  Vorhaben  des  Ausschusses,  eine  Betheiligung  des 
Vereines  an  der  Weltausstellung  eintreten  zu  lassen,  scheiterte 
an  den  im  Artikel:  „Zur  Wiener  Weltausstellung  1873" 
(XXL  Heft  „Mittheüungen''  S.  177)  geschilderten  Hindernissen, 
ebenda  kann  aber  entnommen  werden,  welchen  Antheil  das 
steiermftrkische  Landesarchiv,  das  Archiv  der  Benedictmer- 
Abtei  ~St  Lambrecht  und  das  Vereinsmitglied  M.  v.  Feli- 
cetti  an  der  Ausstellung  genommen  haben. 

Schon  im  Jahre  1872  gedachte  der  damalige  Vereins- 
Vorstand  Landesarchivar  Zahn  die  in  den  Statuten  vorge- 
dachte Einführung  der  Wanderversammlungen  zu  versuchen. 
Obgleich  derselbe  die  zu  einer  zweckmässigen,  den  Erfolg 
sichernden  Abhaltung  der  Versammlung  nötbigen  Andeutungen 
zusammengestellt  hatte,  so  stand  doch  in  jener  Zeit  die  dama- 
lige Eintheilung  des  Vereinsjahres  und  der  öffentlichen  Ver- 
sammlungen diesem  Vornehmen  hinderlich  im  Wege.  Es  blieb 
diesem  abgelaufenen  Jahre  vorbehalten,  diese  in  Deutschland 
allenthalben  und  auch  in  Niederösterreich  mit  Vortheil  erprobte 
Institution  in's  Leben  zu  führen.  Das  industriereiche,  durcli 
eine  überaus  gastfreimdliche  Bewohnerschaft  ausgezeichnete 
Leoben  wurde  für  diesen  ersten  Versuch  ausersehen  und  der 
schönste  Erfolg  belohnte  denselben,  welcher  sich  zumeist  in 
einem  namhaften  Zuwachse  von  Mitgliedern  aus  dieser  Stadt 
äusserte.  Der  Verein  ergreift  diese  Gelegenheit,  um  sowohl 
der  Stadtgemeinde  als  dem  um  das  Zustandekommen  beson- 
ders verdienten  Mitgliede,  Gymnasialdirector  Dr.  Gregor  Fuchs 
den  besonderen  Dank  zu  sagen. 

Von  den  Bezirkscorrespondenten,  welche  nach  einem  Be- 


~    XXIV    — 

Schlüsse  der  Lcobner  Wanderversammlung  durch  die  Herren 
Bezirkshauptmann  Ludwig  Jossek  fttr  Rann,  Hauptmann- 
Auditor  Hermann  Puff  für  Marburg,  pens.  Finanzbenmten 
Franz  Tiefenbacher  für  Fehring  imd  Lehrer  Johann 
Krainz  für  Oberwölz  vermehrt  erscheinen,  erwies  sich  zumal 
der  letztere  sehr  thätig.  Er  veranlasste  die  Gemeindevertretung 
der  Stadt  Oberwölz  zu  dem  Beschlüsse,  die  noch  in  ihrem 
Besitze  befindlichen  circa  20  Original-Urkunden  dem  Vereme 
gegen  Besorgung  beglaubigter  Abschriften  abzutreten.  Ausserdem 
machten  sich  die  Herren  Bezirkscorresp.  Meixner  und  Kraut- 
gasser  durch  Beriditlegungen  um  das  Vereinsinteresse  verdient. 

Die  vom  Bezirkscorresp.  Kaplan  A.  M  e  i  x  n  e  r  in  St  Veit 
am  Vogau  angeregten  Nachgrabungen  in  Reznej  bei  Ehrenhausen, 
führten  zur  Blosslegung  einer  römischen  Villa  und  wird  Herr  Pfarrer 
K  n  a  b  I  heute  über  die  Entdeckungen  daselbst  näher  berichten. 

Auch  aus  Murau  hatte  Herr  Bezirksadjunct  v.  Rieben 
von  dem  Vorkommen  vermuthlich  römischer  Baureste  im 
Königreiche,  d.  i.  in  der  Gegend  nächst  dem  Bade  Einöd  bei 
Neumarkt  an  der  steirisch-kämtnischen  Grenze,  aufmerksam 
gemacht;  der  darüber  eingeholte  Bericht  des  Herrn  Bezirks- 
corresp. P.  Cölestin  Kodermann  in  St  Lampredit  ergab 
jedoch  keine  Handhabe  für  eine  weitere  Verfolgung  der  Sache. 

Die  dem  Vereins-Schriftführer  L.  Beckh-W.idman- 
stetterzur  eigenen  Besorgung  überlassenen  Umstellungen  der 
freiherrlich  Teuffenbach'schen  Familiendenkmäler  in  der  gleich- 
namigen Pfarrkirche  ihres  SUimmortes  in  Obersteier  wurden 
(in  Verbindung  mit  der  Erhaltung  eines  solchen  das  fürstliche 
Geschlecht  Windisch-Grätz  l)etreffenden  Denksteines  vom  Jahre 
1474  in  der  Franziskanerkirche  in  Graz),  vollzogen  und  dürfte 
nun  das  lürchlein  in  Teufenbach  mit  seiner  grossen  Anzahl 
von  gut  geborgenen  Denkmälern  einer  und  derselben  Familie 
ein  Beispiel  zur  Nachahmung  an  anderen  Orten  geben. 

Schon  im  vorigen  Jahre  hatte  So.  Durchlaucht,  der  Herr 
General  der  Cavallerie,  Fürst  Friedrich  zu  Liechtenstein,  sein 
Archiv  im  Schlosse  zu  Liechtenstein  zur  Auswahl  des  histo- 
risch Werthvollen  zur  Verfügung  gestellt  Im  jüngst  abgelau- 
fenen Monate  November  kam  dasselbe  nach  vorheriger  flüch- 
tiger Auswahl  dem  Vereine  in  neun  Kisten  im  Gewichte 
von  22  Centnem  zu.  Soweit  sich  bei  der  vorgenommenen 
ersten  Scheidung  dieser  Archivalien  übersehen  hess,  enthalten 
dieselben  eine  stattliche  Reihe  von  Stiftregistem  der  Herr- 
schaften Liechtenstein,  Weyer  und  Rieggersdorf  (Gabelkhov^), 
dann  mehrerer  Gülten  nächst  Judenburg  vom  17.  Jahrhun- 
derte herwärts,  eine  sehr  grosse  Anzahl  von  Urkunden  und 


—    XXV    — 

Acten,  die  vormaligen  Unterthanen  jener  Güter  betreffend, 
dann  auch  besonders  yiel  Materiale  über  die  einst  auf  den 
genannten  Gütern  sesshaft  gewesenen  Adelsgesclilechter  Gabd- 
khoven  und  Hainrichsbei^ 

Als  Gescbenkgeber  gebührt  m  erster  Reihe  dem  b.  steienn. 
Landtage  bezüglich  der  auch  für  das  Jahr  1873  gewährten  Sub- 
vention von  525  fl.  der  Dank  des  Vereines,  der  Grossindustrielle 
und  Güterbesitzer  Franz  Freiherr  Mayr  v.  Meinhof  wen- 
dete dem  Vereine  als  besondere  Gabe  20  fl.  zu;  Herr  Carl 
Gottfried  Bitter  v.  Leitner  widmete  das  ihm  zugefallene 
Honorar  per  157$  fl.  für  sdnen  im  XX.  Hefte  abgedruckten 
Gedenkbuch- Aufsatz  über  den  Archivar  Josef  Wartinger 
zum  seinerzeitigen  Ankaufe  einer  eigenen  Grabstelle  für  W  a  r- 
tinger  und  wurde  dieser  Betrag  bis  zur  Verwendung  auf 
ein  besonderes  Sparcassebuch  angel^  Auch  intervenirte  Herr 
V.  Leitner  in  dankenswerther  Weise  bei  Erwerbung  eines 
Portndtbildes  unseres  heimatlichen  Dichters  Johann  Georg 
Fellinger.  Frau  Josefine  Göth  gab  aus  dem  Nachlasse 
ihres  verewigten  Gemals  Dr.  G.  Göth  das  Manuscript  zu 
dessen  ungedruckt  gebliebener  Topographie  des  Grazer  Kreises 
sammt  der  bezüglichen  C!orrespondenz,  einen  von  Dr.  Göth 
mühsam  zusammengestellten  Zettelkatalog  steirischer  Orte  und 
Personen  mit  literarischen  Verweisungen  nebst  emer  Partie 
Bücher.  Ausserdem  wurde  der  Verein  durch  die  unter  den 
Erwerbungen  ausgewiesenen  Geschenke  erfreut 

Im  Mitgliederstande  sind  namhafte  Veränderungen  zu 
Gunsten  des  Vereines  zu  verzeichnen  und  mit  Rücksicht  auf 
die  sich  fortwährend  erhöhenden  HersteOungskosten  aller 
Druckarbeiten  wäre  es  nur  zu  wünschen,  dass  die  Zahl  un- 
serer Theilnehmer  noch  weiters  sich  erhöhe.  Es  sind  71  ordent- 
liche Mitglieder  eingetreten,  entgegen  26  ausgetreten  oder 
gestorben,  so  dass  der  dermalige  Stand  der  Mitglieder,  aus 
355  ordentlichen,  30  Ehren-  und  16  correspondirenden  Mit- 
gliedern, dann  26  Bezirkscorrespondenten,  die  Zahl  der  durch 
Schriftentausch  verbundenen  Gesellschaften  170  betr&gt 

Der  Tod  brachte  dem  Vereine  empfindliche  Verluste.  Von 
den  Ehrenmitgliedern  starben  die  zwei  ehemaligen  Statthalter 
der  Steiermark,  kais.  geheimen  Käthe  Moriz  Freiherr  v. 
Burger  undMichael  Graf  zu  Strassoldo-Graffenberg 
—  der  einstmalige  Vorstand  des  germanischen  Museums  in 
Nomberg  Dr.  Johann  Freiherr  v.  Aufsess,  —  der  jubilirte 
illyrische  Gubemial-Vicepräsident,  geheimer  Rath  Carl  Graf 
Welsperg-Baitenau,  dann  die  beiden  Topografen  der 
Steiermark,  Carl  Schmutz,  pensiou.  Secretär  der  oberöster- 


—    XXVI    — 


reichischen  Landwirthschafts-Gesellschaft,  und  Dr.  Georg  G  o  t  h, 
jub.  Stndiendirector  in  Graz.  —  Von  den  correspondirenden 
Mit^iedem  schieden  der  Regiemngsrath  und  langjährige  Prä- 
sident der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften,  Theodor  Ritter 
V.  Karajan  in  Wien  und  der  Geschichtsforscher  Dr.  Wolf- 
gang Menzel  in  Stuttgart  aus  dem  Leben.  Von  den  Ter- 
storbenen  ordentlichen  Mitgliedern  verdient  der  durch  eine 
lange  Reihe  von  Jahren  in  Graz  ihätige  jubilirte  Gubemial- 
Vicepräsident  Josef  Fell n er  besondere  Erwähnung. 

Andereraeits  wurde  von  den  lebenden  und  thätigen  Ge- 
schichtsforschern unseres  Vereines,  Professor  Dr.  Adam  Wolf 
zum  wirklichen,  Landesarchivar  Professor  Josef  Zahn  zum 
corresp.  Mitgliede  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften, 
unser  Ausschussmitglied,  der  vormalige  Adjunct  am  steierm. 
Landesarchive,  Dr.  Arnold  Ritter  v.  Luschin  zum  ausser- 
ordentlichen Professor  der  hiesigen  Universität  ernannt 

Der  Bericht  des  Cassiers  betrifft  die  im  Anhange  abge- 
druckte Uebersicht  der  Einnahmen  und  Ausgaben  des  Ver- 
eines im  Jahre  1873,  worauf  der  Jahres  veranschlag  für  das 
Jahr  1874  vorgetragen  und  genehmigt  wird. 

Die  Anträge  des  Ausschusses,  dem  hohen  steiermärkischen 
Landtage  fbr  düe  grossmüthige  Subventionirung  des  Registers 
zum  Mudiar^schen  Geschichts werke  den  Dank  der  tagenden 
Versammlung  zu  votiren,  —  Herrn  Adolf  Berg  er,  Vorstand 
des  ftlrstlich  Schwarzenbei^'schen  Centralarchives  in  Wien, 
zum  corresp.  Mitgliede  und  Herrn  Dr.  Gregor  Fuchs,  Director 
des  Realgymnasiums  in  Leoben,  zum  Bezirkscorrespondenten 
zu  ernennen,  —  die  Honorare  des  Hilfsbeamten  auf  1 5  fl., 
des  Vereinsdieners  auf  8  fl.  monatlich  zu  erhöhen,  —  unge- 
achtet der  L  Band  der  steiermärkischen  Geschichtsquellen 
noch  nicht  abgeschlossen  werden  konnte,  doch  sofort  mit  dem 
Drucke  des  H.  Bandes  (das  Steiermark.  Landrecht  enthaltend) 
zu  beginnen:  werden  insgesammt  ohne  Debatte  angenommen. 
Ebenso  wird  der  vom  Herrn  Landesarchivar  Professor  Zahn 
gestellte  Antrag,  der  Verein  solle  am  21.  Juni  d.  J.  das  Jubiläum 
seines  2  5 jSlirigen  Bestandes  festlich  begehen,  acceptirt  und  votirt 
die  Versammlung  die  zur  Ausfllhrung  nöthigen  Geldmittel  *). 


*)  Weil  gpätere  genaae  Erhebungen  ergaben,  dass  der  GrQndungstag 
des  historischen  Vereines  für  Steiermark  auf  den  27.  April  1843 
flült,  am  21.  Juni  1849  derselbe  nur  den  Verband  mit  dem  bestan- 
denen historischen  Vereine  für  Innerösterreich  löste  und  sich  selbst- 
Btändig  erklärte,  unterblieb  die  projectiite  Feier. 


-     XXVII    — 

Bei  der  Üieilweisen  Erneuerung  des  Ausschusses  werden 
der  wieder  wählbare  Schriftführer  Oberiieuteuant  Leopold 
Beckh-Widmanstetter  mit  Acclamation  für  seine  bis- 
herige Function  wiedergewählt,  die  Herren  Professoren  Dr. 
Ferdinand  Bischoff  zum  Vorstand-Stellvertreter,  Professor 
Dr.  Carl  Gross  und  Oberlandesgerichtsrath  Johann  Reicher 
zu  Ausschüssen;  Professor  Ignaz  Schrotter  und  Ober- 
rechmmgsrath  Franz  Z  ei  dl  er  zu  Revisoren  der  Jahresrech- 
nung pro  1874,  Hauptmann  Moriz  v.  Felicetti,  Feldmar* 
schall-Lieutenant  Florian  Freiherr  v,  M  a  c  c  h  i  o  und  Professor 
Johann  Rogner  zu  Ratificatoren  des  Sitzungs-Protokolles 
gewählt 

Nachdem  so  der  geschäftliche  Theil  des  Programmes 
erschöpft  war,  hielt  der  HeiT  kais.  Rath  Pfarrer  Dr.  Richard 
K  n  a  b  1  in  viertelstündiger  freier  Rede  eine  Besprechung  der 
bisherigen  und  noch  nicht  abgeschlossenen  Ausgrabungen  in 
Retznei,  einem  in  geringer  Entfernung  nördlich  von  Ehren- 
hausen gelegenen  Dörfchen,  welches  von  der  Stätte  der  ein- 
stigen Römerstadt  Flavia  Solva  etwa  V«  Stunde  entfernt  ist. 
Die  im  Juli  1873  bei  Urbarmachung  einer  Bodenstrecke  auf- 
gedeckte Fundstätte  legte  antike  Grundmauern  blos,  mit  theils 
zusammenhängenden,  theils  getrennten  Gemächern  und  Kammern, 
wovon  eim'ge  mit  hübschen  Wandmalereien  und  einförmigen 
Mosaikböden  ausgestattet  waren;  nicht  minder  fanden  sich 
Spuren  von  Badekammem  mit  Wasserabzugscanälen,  dann 
Reste  von  Bleiröhren,  Beheizungsherden  und  einige  wenige 
Anticaglien  vor.  Aus  dem  bisher  Aufgedeckten  schloss  man 
auf  die  Reste  einer  einst  hier  bestandenen  römischen  Villa, 
wodurch  sich  Redner  veranlasst  fand,  das  Wesen  der  römi- 
schen Villen  zu  erörtern  und  zur  Nachforschung  nach  anderen 
dergleichen  Landhäusern  in  der  Nähe  der  bedeutenderen 
römischen  Ansiedlungen  in  der  Steiermark,  namentUch  Pettau 
und  CiUi  anzuregen. 

Der  Vortrag  des  Herrn  Schulrathes  Dr.  R.  Peinlich 
behandelte  den  Stand '  der  Gewerbe,  des  Handels  und  der 
Industrie  im  16.  Jahrhunderte  in  der  Steiermark.  Derselbe 
war  durch  verschiedene  Gefährdungen  seit  dem  13.  Jahr- 
hunderte im  Rückschritte  begriffen  und  im  1 6.  in  einer  ziem- 
lich kläglichen  Lage.  Nach  Aufzälilung  und  kurzer  Charak- 
teristilc  der  wichtigsten  Handelsstädte  wurden  die  hervor- 
ragendsten Produkte,  welche  em  landesfürstliches  Privilegium 
erlangt  hatten,  femer  die  bedeutendsten  Montanprodukte,  vom 
Eisen  auch  der  Umfang  des  Verkehres  angegeben.  Von  den 
Hindernissen   für  den  commerdellen   und  industriellen  Auf- 


—  xxvni  — 

Schwung  wurden  angeflüirt  die  Lage  des  Landes,  die  gerin- 
gere Ausdehnung  der  geschlossenen  Städte,  die  Verheerung 
durch  Feuersbrünste  (vom  13.  bis  16.  Jahrhundert),  die  Folg» 
der  Einschliessung  durch  Wall  und  Graben  (mit  zwei  Bei- 
spielen Yon  strenger  Ahndung  bei  Umgehung  der  ThorsperreX 
die  Beschränkung  durch  das  Zunftwesm  und  die  Monopoli- 
sirung  und  selbst  durch  die  eigenen  städtischen  Handelsrechte, 
womit  der  Vortrag  wegen  YorgerQckter  Zeit  mit  Uebei^hung 
der  weiteren  h^nmenden  und  drückenden  Verhältnisse  um 
8  Uhr  schloss. 


— '^)(§r 


—    XXIX    — 


Orte-Chronisteii. 

Die  P.  T.  Herren : 

Aust  Anton,  Werksarzt  (Bezirkscorresp.),    Air  Gaal,   Bezirk 

Knittelfeld. 
Böser  Friedrich,  Schullehrer,  für  Fürstenfeld. 
D  iens  tler  Georg,  SchuUebrer,  fbr  Wolfsberg,  Bezirk  Kirchbach. 
Fels  Julius,  Fabriks-Chemiker,  für  Hrastnik,  Bezirk  Tüffer. 
Frodl  Carl,  Schullehrer,  fÜJ-  Schönberg,  Bezkk  Oberwölz. 
Grub  er  Filipp,  Schullehrer,  für  Strass,  Bezirk  Leibnitz. 
Hirschmann  Virgil,  Pfetrrer,  fttr  StüboU,  Bezirk  Umg.  Graz. 
Kahr  Franz,  Schullehrer,  für  Leibnitz. 
Kappel  Franz,  Schullehrer,  fllr  Gleinstätten,  Bezirk  Amfels. 
Krainz  Johann,  Schullehrer  (Bezirkscorresp.  \  für  Oberwölz. 
Künstner  Jakob,  Grundbesitzer  und  Gemeindevorsteher,  fbr 

Winklem,  Bezirk  Oberwölz. 
Kurzmann  Michael,  Schullehrer,  für  St.  Nicolai  ob  Dnussling, 

Bezirk  Leibnitz. 
Mikusch  Alois,  Schullehrer,  für  Zeierling,  Bezirk  Deutsch* 

Landsberg. 
Nepel  Adolj^  SchuUehrer,  für  Leutschach,  Bezirk  Amfels. 
Noest  Ignaz,  Postofficid,  für  Steinbrück,  Bezirk  Tüffer  in 

Untersteier. 
Orth  Cajetan,  Schullehrer,  für  Ehrenhausen,  Bezirk  Leibnitz. 
Pezlederer   Anton,    Apotheker   und    Büi^ermeister ,    für 

Kindberg. 
Pirker  Franz,  Schullehrer,  für  Wildon. 
R  a  i  s  p  Ferdinand,  Gutsverwalter  (Bezirkscorresp.),  für  Pettau. 
Schmid  Ernst,   Wundarzt,  für    St  Marein  am  Pickelbach, 

Bezirk  Umgebung  Graz. 
Stopp  ach  er  Oswald,  Schullehrer,  fttr  Perchau,  Bezirk  Neu- 
markt in  Obersteier. 
Strohmayer  Ferdinand,  Wundarzt,  für Kegersburg,  Bezirk 

Feldbach. 
Tiefenbacher  Franz,    k.  k.  pens.  Finanzbeamter   (Bezu*ks- 

corresp.),  fttr  Fehring. 
Vo  gl  sang  Alois,  Gutsbesitzer,  für  St.  Lorenzen  im  Mürzthal, 

Bezirk  Brück  a.  M. 
Zinn  au  er  Marcus,    Schullehrer,    für  St  Nicolai  im  Sausal, 

Bezirk  Leibnitz. 


—    XXX    — 


Veränderungen 


im 


TMi  1.  ligut  1S72  Ut  hk  ües  Jakrei  WZ. 


Neu  aufgenommene  ordentliche  Mitglieder. 

Die  Frau:  Khünburg,  Therese  Gräfin,  gebome  Gräfin 
G  0  ö »  s,  k.  k.  Kämmererswitwe  und  Stemkreuzordenfidame  in 
Graz.  —  Die  Herren:  Aichelberg  Franz  von,  k.  k.  Notar 
in  Leoben.  —  Gampi  Edier  zu  Montesanto  Louis  von, 
Gutsbesitzer  zu  Cles  in  Sudtirol.  —  Cum  an  o  Constantin, 
Dr.  und  Privatier  in  Connons.  —  Failhauer  Alois,  k.  k. 
Finanzrath  in  Pension  in  Leoben.  —  Failhauer  Wilhelm, 
k.  k.  Postmeister  und  Realitätenbesitzer  in  Leoben.  —  F  e  1- 
berbauer  Leopold,  iürstbischöflich  geistlicher  Rath,  Dechant 
und  Pfarrer  in  Schwanberg.  —  Forheimer  Eduard,  Pri- 
vatier in  Wien.  —  Friess  Gottfried  Edmund,  Gapitular 
des  Benedictinerstiftes  Seitenstetten  und  Professor  der  Ge- 
schichte am  Obei^mnasium  dortselbst.  —  Friesach  Carl, 
Dr.  d.  Phil,  k.  k.  Regierungsrath  und  a.  o.  Professor  der  Ma- 
thematik an  der  Carl-Franzens-Universität  in  Graz.  —  G m ei- 
ne r  Josef,  Dr.  d.  Rechte  und  Advocat  in  Leoben.  —  G  r  i  e  s  s  1 
Anton,  Stadtpfarrkaplan  und  Katechet  in  Leoben.  —  Gschirts 
Andreas,  Pfarrer  in  Göss  bei  Leoben.  —  Guggenberger 
Josef,  Professor  am  1.  Realgymnasium  m  Leoben.  —  Haim 
Johann,  Stadtpfarrkaplan  imd  Katechet  in  Leoben.  —  Has- 
linger  Carl,  Gemeindesecretär  in  Leoben.  —  Hauslab  Franz, 
Ritter  von,  k.  k.  geheimer  Rath,  Feldzeugmeister  und  lebens- 
länglicher Reichsrath  m  Wien.  —  Hebenstreit  Alois,  Or- 
der Theologie,  päpsü.  Kämmerer  und  Domvicar  in  Graz.  — 
Ho  ff  er  Franz,  Dr.  und  Advocat  in  Leoben.  —  Janiss  Franz, 
Cooperator  an  der  Vorstadtpfarre  Waasen  in  Leoben.  —  J  o  s  s  e  k 
Ludwig,  k.  k.  Bezu*kshauptmann  in  Rann.  —  Karabacek  Josef, 
Dr.,  Docent  für  orientalische  Paläografie  in  Wien.  —  Kern- 


—    XXXI    — 

stock  Ottokar,  Chorherr  und  Archivar  des  Augustinerstiftes 
zu  Vorau.  —  K 1  i  n  g  e  r  Franz,  Dr.,  k.  k.  o.  ö.  Professor  der 
Theologie,  f.  b.  geistLßath  in  Graz.  —  Kof  1er  Adolf,  Hofwein- 
lieferant und  Realitätenbesitzer  zu  Pettau.  —  Korp  Franz, 
Professor  am  k.  k.  I.  Staatsgymnasium  in  Graz.  —  Krainz 
Johann,  Volksschullehrer  in  Oberwölz.  —  Krzyzanowski 
de  Wola-Sienienska  Stanislaus,  Dr^    correspondirendes 
Mitglied  der  polnischen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Erakau. 
—  Kupelwieser  Franz,  k.  k.  Professor  an  der  Bergakademie 
in  Leoben.  —  Leitner  Friedrich  Ritter  von,  Dr.,  L  k.  Statt- 
haltereiconcipist  in  Graz.  —  Linken  höller  Carl,  Kaplan 
m  Hatzendorf  bei  Fehring.  —  Lucas  Geoi^,  Dr.  der  Philos. 
und  Professor  am  k.  k.  L  Staatsgymnasium  in  Graz.  —  Lutz 
Anton,  Bürgermeister  in  Leoben.  —  M  a  c  c  h  i  o  Florian  Fra- 
herr  von,    k.  k.  Feldmarschali-Lieutenant  im  R  in  Graz.  — 
Macun  Johann,  Professor  am  L  Staatsgymnasium  in  Graz.  — 
Mayer  Josef,  Glasermeister  und  Hausbesitzer  in  Leoben.  -^ 
Mayr  Carl,  k.  k.   Statthaltereirath  in  Graz.  —  Mihurko 
Eugen,  k.  Il  Staatsanwalt  in  Leoben.  —  Mittarsch  Josef, 
Pfarrer    in  Veitsberg  bei  Leoben.  —  M  ü  1 1  n  e  r  Alfons,  k.  k. 
Professor  an  der  Lehrerbfldungsanstalt  in  Marburg.  —  Ober- 
strasser  Josef,  Beaütätenb^itzer  in  Leoben.  —  Osterer 
Johann,  Gutsbesitzer  in  Leoben.  —  Pal  tauf  Christian  Sig- 
mund, Dr.  der  Med.  und  Chirurgie,  Magister  der  Geburtshilfe 
und  Director  des  1.  Bades  Neuhaus  in  Graz.  —  Parapat 
Johann,    Cooperator  in  Rabensberg   bei  Stein  in  Krain.  — 
P  i  c  h  1  e  r  Alois,  bürgerl.  Handelsmann,  Haus-  und  Realitäten- 
besitzer in  Oberwölz.  —  P  ö  1  z  1  Franz,   Dr.,  k.  k.  o.  ö.  Pro- 
fessor des  Bibelstudiums  in  Graz.  —  Prem  Simon,  Professor 
am  1.  Realgymnasium    in  Leoben.  —  Puff  Hermann,    k.  k. 
Hauptmann- Auditor  in  Marburg.  —  R  a  c  h  o  y  Franz,  Bergver- 
walter in  Leoben.  —  R  e  i  c  h  e  1  Josef,  Professor  am  L  Staats- 
gymnasium in  Graz.  —  Reicher  Johann,  k.  k.  Oberlandes- 
gerichtsrath in  Graz.  —  Reitsamer  Martin,  k. k.  Postverwalter 
in  Leoben.  —  Rogner  Johann,  Dr.,   k.  k.  Director  und  st 
I.  Professor  m  Graz.  —  Schachner  Ambrosius,  Kaufmann 
in  Leoben.  —  S  chin  dler  Heinrich,  Oberlehrer  und  Bezurks- 
Schulinspector  in  Leoben.  —  Schott  Johann  von,  k.  k.  Artil- 
leriemajor in  Pension  in  Leoben.  —  S  e  e  1  i  n  g  Alois,  fürstbisch, 
geistl.  Rath,  Dechant  und  Stadtpfarrer  in  Leoben.  —  Seunig 
Eduard,  Dr.  der  Rechte  in  Laibach.  —  Spielberger  Georg, 
k.  k.  Steuereinnehmer  in  Oberwölz.  —  Spork  Eugen,  Re- 
dacteur  des    „Steirerseppel"    in   Graz.   —   Sprung  Franz, 
Director  der  Innerberg'schen  Gewerkschaften  in  Donawitz  bei 


—  xxxn  - 

Leoben.  —  Sprung  Ludwig,  Dr.  d.  R.  und  Landesgerichts- 
rath  in  Leoben.  —  Stelz  er  Dominik,  Secretär  der  städti- 
schen Sparcasse  in  Leoben.  —  Stern  Andreas,  Dr.  und  Vor- 
steher des  Wirthschaftsamtes  in  Leoben.  —  S  k  u  h  a  I  a  Johann, 
Kaplan  an  der  Hauptpfarre  St  Georgen  in  Gonobitz.  — 
Tech  et  Franz,  Vorstadtpfarrer  in  Waasen  zu  Leoben.  — 
Tschanet  Johann,  Professor  am  1.  Realgymnasium  und  Be- 
zirksschulinspector  in  Leoben.  —  Tunner  Peter  Bitter  von, 
k.  k.  Hofrath  und  Director  der  Bergidcademie  in  Leoben.  — 
Uran itsch  Anton,  Dr.,  Hof- und  Gerichtsadvocat,  Gemeinde- 
rath  in  Graz.  —  Valentinitsch  Franz,  Professor  an  der 
k.  k.  Staats-Oberrealschule  in  Graz.  —  Wilhelm  Anton, 
BechnungsfOhrer  der  Innerberger  Gewerkschaft  in  Seegraben 
bd  Leoben.  —  Winter  Gustav,  Dr.,  Concipist  im  k.  k.  ge- 
heimen Haus-,  Hof-  und  Staats-Archive  in  Wien.  —  Wohlfarth 
Carl,  Buchhändler  in  Graz.  —  Wucherer  von  Huldenfeld 
Peter  Freiherr,  k.  k.  Kämmerer  und  Hofirath  im  Ruhestande 
in  Graz.  —  Wünscher  Eduard,  Gasthofbesitzer  in  Leoben. 
Zeidler  Franz,  Oberrechnungsrath  der  k.  k.  Statthalterei  in 
Graz. 

Ausgetretene  ordentliche  Mitglieder. 

Die  P.  T.  Herren :  Bernhard  Lewis,  Journalist  in  Wien. 

—  Bonar  Ernst  Freiherr  von,  Gutsbesitzer  inDobl.  —  Gaup- 
mann  Rudolf,  Professor  am  Realgymnasium  in  Pettau.  — 
Gleispach  Carl  Graf  von,  k.  k.  Kämmerer,  geheimer  Rath 
und  lebenslänglicher  Reichsrath  in  Graz.  —  Grub  er  Philipp, 
Bürgerschullehrer  in  Hartberg.  —  G  o  1  d  e  n  b  1  u  m,  Dr.  A.  J^ 
Schriftsteller  in  Odessa.  —  H  e  n  n  Carl,  Badedirector  in  Toifer. 

—  Hönisch  Johann,  Dr.,  k.  k.  Oberstabsarzt  im  Ruhest  in 
Graz.  —  Hub  er  Heinrich,  Journalist,  ehedem  in  Graz.  — 
Hugelmann  Carl,  Dr.  der  Rechte  und  Privatdocent  an  der 
Universität  in  Graz.  —  K  o  n  ö  n  i  k  Peter,  Professor  in  Pettau. 

—  Maresch  Anton,  Landesschulinspector  in  Troppau.  — 
Pogatschnigg,  Dr.  Valentin,  k.  k.  Professor  an  der  Militär- 
Akademie  in  Wr.-Neustadt  —  Seh  äff  er  Heinrich,  k.  k. 
Hauptmann  im  47.  Lin.-Infant-Regimente  in  Klagenfurt  — 
Tomasche k  Carl,  Dr.,  k.  k. Universitätsprofessor  in  Wien.  — 
Weiss  V.  Teuffenstein  Carl  Freiherr,  k.  k.  Sectionschef 
a.  D.  zu  Schloss  Harmsdorf  bei  Graz.  —  Z  e  i  1  i  n  g  e  r  Franz, 
Sensengewerk  in  Uebelbach. 


—    XXXIII    — 

Gestorben  die  P.  T.  Herren : 

Aufs  es  s  Johann  Freiherr  von,  Dr.  Juris,  königl  bairischer 
Kämmerer,  Johanniter-Ordensritter ,  Gründer  und  erster 
Vorstand  des  germanischen  Museums  in  Nürnberg,  Eliren* 
mitglied,  zu  Münsterlingen  bei  Constanz  am  6.  Mai  1872, 
71  Jahre  alt. 

Burger  Moriz  Freiherr  von,  k.  k.  geheimer  Rath,  ehe- 
maliger Statthalter  von  Steiermark,  später  Marineminister, 
Ehrenmitglied,  zu  Wien  am  2.  October  1873,  69  Jahre  alt. 

Cuman^  Constantin,  Dr.  und  Privatier  zu  Cormons,  im 
Jahre  1873  zu  Cormons. 

Dajnko  Peter,  geistl.  Rath,  Dechant  und  Pfarrer  zu  Gross- 
sonntag, am  2.  März  1873,  86  Jahre  alt 

F  e  1 1  n  e  r  Josef,  k.  k.  jub.  Statthalterei- Vicepräsident,  zu  Graz 
am  19.  Mai  1873,  83  Jahi-e  alt 

Göth  Georg,  Dr.,  jub.  Studiendirector  und  Gustos  am  Joan- 
iieum,  ehemaliger  Vereins- Vorstand  und  Schriftführer,  Ehren- 
und  ordentliches  Mitglied,  zu  Graz  am  4.  März  1873, 
69  Jahre  alt 

K  a  r  a  j  a  n  Theodor  Ritter  von,  Dr.,  k.  k.  Professor  und  ehe- 
maliger Präsident  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften 
in  Wien,  corresp.  Mitgüed,  zu  Wien  den  28.  April  1873, 
64  Jahre  alt 

Menzel  Wolfgang,  Dr.,  Geschichtsforscher,  corresp.  Mitglied, 
zu  Stuttgart  am  23.  April  1873,  74  Jahre  alt 

P  i  s  1 0  r  Johann  Ritter  von,  Gutsbesitzer,  ehemaliger  st  st  Aus- 
schussrath,  zu  Radkersburg  am  4.  Mai  1873,  86  Jahre  alt 

Schmutz  Carl,  Secretär  der  oberösterreichischen  Landwirth- 
schaftsgesellschaft,  steiermärkischcr  Topograph,  Ehrenmitglied, 
zu  Linz  am  20.  April  1873,  87  Jalire  alt 

Strassoldo  Michael  Graf,  k.  k.  geheimer  Rath  und  Statt- 
halter der  Steiennark  un  Ruhestande,  Ehrenmitglied,  am 
26.  December  1873,  74  Jahre  alt 

Welsperg-Raitenau  und  Primör  Carl  Graf,  k.  k.  geh. 
Rath  und  Kämmerer,  Ehren-  und  ordentliches  Mitglied,  zu 
Wien  am  12.  October  1873,  95  Jahre  alt 


— s.\M-^' 


ICittlicil.   d.  hlst.  Vereins  f.  Steiermark.  XXIT.  lieft,  1674. 


—    XXXIV     - 


U  e  b  e  r- 

der  Einnahmen  und  Ausgaben 


Einnahmen 


Eluela 


fi.    kr. 


2«- 


fl.     kr. 


Kaisarest  mit  Schluss  1872 


Interessen  von  den  angelegten  Capitalien  . 


Beiträge. 
Die  ordentlichen  Mitglieder  haben  eingezahlt      .   1112 

Anssergewöhnliche  Spende  des  Franz  Freiherm   ; 
Mayr  v.  Meinhof  in  Leoben ,i    20 


42 
12 


Jahres-Subvcntion  der  h.  Steiermark.  Landschaft .     — 

Für  verkaufte  Yerlagsartikel 

Ft\r  verkaufte  alte  Inventarsgegenstände     .    .    . 

Taxen  für  ausgestellte  Diplome 

Widmung  des  Ehrenmitgliedes  Carl  Gottfried 
Ritter  v.  Leitner  zum  seinerzeitigen  Ankaufe 
einer  eigenen  Grabstelle  für  den  Archivar  Josef 
Wartinger    .     . 


—  '2368 

-ii  130 


80 


21 


1132 


—  !  625  — 


50 


54 
91 


-I     15 


50 


50 


Zusammen 


•    • 


Werden  die  jenseits   nachgewiesenen  Ausgaben 
abgezogen  mit *    .    .    .    . 


bleibt  Uebertrag  für  das  Jahr  1874 


—  14307 


2349 


84 


1959  71 


von  welchem  1615  fl.  50  kr.  in  der  steierm.  Sparkasse  angelegt  sind. 


I 


--     XXXV 

Sicht 

für  das  Kalenderjahi  1873- 


Qehalte:  Honorar  fflr  den  HilfebcamleD  . 
Entiohnunp;  ftlr  don  Verpinsdiencr  .  .  . 
ItemimeratioDCn  an  die  VereinskeilienstcUn 


Kanzleierfordernisae:  Papier,  gewöhnliche 
Porti,  Spesen,  Austragen  unü  Veraendung  der 
Vereins  Schriften  durch  die  Buehhondlunft      .     , 

Veipftckung  nnd  Transport  der  vom  Schlosse  Liech- 
tenstein erhaltenen  Aichivalien 

HerBtellnnfi  des  neuen  Diplomes 

Für  die  kalligi'aphische  Aiisrcrtif^ting  von  Diplomen 

Adresse  an  Se.  M^esiät  den  Kaiser  anlässlich 
der  25jührigen  Kegieninge- Jubelfeier    .... 


Oeffentlich 6  Vereins- Veraammlungen:         ; 
Kosten  der  Inserate,  Eniladtmgen  u  s,  w.  .    .    .  ' 
Beiträge:    An  das    germ.  Naiional -Museum    in 

KQmberg 

„  an  den  Gesammtieretn  der  dentsclien  1 

histor,  Vereine  in  Darmstadt,  5  Thlr,  j 

Ankäufe    von   BOchem    und   einem  Porträt  des  i 

fiteierm.  Dichters  Fellinger |l 

Ortschroniken:    Druck   des  Unterrichtes  nnd  , 

FonnuUnen  ftlr  Chroniken  .     ,     .' l  118 

Einbinden  derselben 


Pablicatfonen: 

„Miltheilungen"  20.  Heft 

21.  Heft  anf  die  lithogr.  Beilage 

FQr  das  Begister  zu  den  20  Heften  ,Mitthei- 
langen",  Vorarbeiten 

Druck  der  „Uebersichf  der  in  den  bisher  er- 
schienenen Verein Escluiften  enthaltenen  Aufsätze 

„Beilräge"  zur  Kunde  Steiermark.  Geschichfa- 
qiiellen,  10  Jahrgang,  Teit  593  fi.  40  kr.,  die 
Karte  170  fl.  —  kr.,  zusammen 

Urkiindenbuch,  I.  Dand,  Theilbetrag  des  Honorars 


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Den  Sammlungen  des  Vereines 

sind  im  Jahre  1873  zugekommen: 


JL.  Für  aie  Bibllothels. 

I.  Dvroh  Sohenkung. 

3434.  Aust  Anton,  Bezirkscorresp«  zu  St  Gaal  bei  Knittelfeld  : 
a)  Erbrechtsordnung  vom  Jahre  1787;  b)  14  Ansichten 
der  vorzüglichsten  Städte  Griechenlands. 

3435.  Berger  Adolf,  Archivar  des  fürstl.  Schwarzenberg'schen 
Central-Archives  in  Wien,  sein  Werk:  Die  Archive 
des  fttrstl.  Hauses  Schwarzenberg,  ältere  Lmie.  (Bei- 
träge zur  Geschichte  und  Statistik  derselben),  1873,  Wien. 

3430.  Göth  Josefine,  Witwe  des  jub.  Studiendirectors  Dr.  Geoi^ 
Göth  in  Graz,  aus  dessen  Nachlasse:  Alte  steierm. 
Zeitschrift,  Jahrg.  1821—1828,  N.  F.  Jahrg.  1834  bis 
1848;  —  Fuchs  Gregor,  Prof.,  Geschichte  des  Bene- 
dictinerstiftes  Admont,  1859,  Graz;  —  Graf  J.,  Bür- 
germeister in  Leoben,  Nachrichten  über  Leoben  und 
Umgegend,  1824,  Graz;  —  Kalchberg  Wilhehii  Frei- 
herr von,  Schlosscommandant  in  Graz,  Der  Grazer 
Schlossberg  und  seine  Umgebung  1856,  Graz;  — 
Peinlich,  Dr.,  Benno  Kreil,  Abt  zu  Admont  (Nekrolog), 
1863,  Graz;  —  Polsterer  A,  J.,  Dr.,  Graz  und  seine 
Umgebungen,  1827,  Graz;  —  Pra§U  W.  W.,  Dr., 
Gleichenberg  in  semer  allmähligen  Entwicklung  zu 
einer  Curanstalt,  1850,  Graz;  —  Kamsauer  Ignaz, 
Topograf.-staüstische  Darstellung  des  Bezürkes  Umge- 
bung Graz  m  Steiermark  (litJ^^g.),  1868,  Graz;  —  Stur 
Dyonis,  k.  k.  Bergrath,  Geologie  der  Steiermark,  1871, 
Graz;  —  Wartinger  Josef,  Archivar,  Kurzgefasste  Ge- 
schichte der  Steiermark,  1815,  Grätz;  — -  Winklem 
Joh.  Bapt  V.,  Pfarrer,  a)  Biografische  und  literarische 
Nachrichten  von  den  Schriftstellern  und  Künstlem  in  der 
Steiermark,  1810,  Grätz;  —  b)  chronologische  Geschichte 
des  Herzogthums  Steiermark,"  1820,  Grätz. 


—  xxxvn  — 

3437.  Grenser  Alfred,  Buchhändler  in  Wien:  Die  Kaiserstein, 
Geschichte  des  Hauses  Pusikan,  1873,  Wien. 

3438.  Helfert,  Alexander  Freiherr  von,  k.  k.  Geheimrath  in 
Wien,  sein  Werk:  Maria  Louise,  Erzherzogin  von 
Oesterreich,  Kaiserin  der  Franzosen,  1873,  Wien. 

3439.  Hofrichter  J.  C.,  k.  k.  Notar  in  Windischgrätz :  a)  Prü- 
fling aus  der  Ziffer-  und  Buclistaben-Rechnung  des 
Lyceum  in  Grax,  1794;  —  b)  drei  Schülerverzeich- 
nisse des  Grazer  Gymnasiums  aus  den  Jahren  1790 
bis  1793;  —  c)  Zeitungsblatt  und  Theaterzettel  aus 
dem  Beginne  des  19.  Jahrhunderts;  —  d)  einige  Zei- 
tungsaufsätze geschichtlichen  Inhalts  in  Ausschnitten. 

3440.  Dg  Adalbert,  Dr.  und  Custos  am  Museum  in  Wien,  sein 
Werk:  Heraclius,  von  den  Farben  und  Künsten  der 
Römer.  Originaltext  und  Uebersetzung,  1873.  Wien. 

3441.  Kohn  Natan,  Dr.,  Adjunct  am  Münzen-  und  Antiken- 
cabinete  des  Joanneums  in  Graz,  seine  Abhandlung: 
Der  angebliche  Votivaltar  des  Tribunen  Scudilo,  1873. 

3442.  Krones  Franz,  Dr.,  k.  k.  Universitätsprofessor  in  Graz, 
seine  Schriften:  a)  Cillier  Chronik.  Kritische  Unter- 
suchungen ihres  Textes  und  Gehaltes,  1873,  Wien;  — 
b)  Die  Grafen  von  Cilli  (Skizzen  als  Separatabdruck 
aus  der  Grazer  „Tagespost"),  1873,  Graz;  —  c)  Stu- 
dien über  Bedeutung  und  Ursprung  deutscher  Orts- 
namen der  Steiermark,  1872;  —  d)  Die  österreichische 
Chronik  Jacob  Unrest's,  1872,  Wien. 

3443.  Krzyzanowski  de  Wola  Sienienska  Stanislaus  R  v.,  Dr. 
der  Philos.  und  a.  o.  Mitglied  der  Akademie  der  Wissen- 
schaften in  Krakau,  seine  Schriften :  a)  Tulczyn,  Mono- 
grafia,  1862,  Krakau;  —  b)  Pamiatki  polskie  (von  Grab- 
denkmälern), 1863,  Kiew;  —  c)  Silva  rerum  ksiedza 
szymona  Krzysztofowicza  (Chronik  von  1763 — 1808), 
Odessa,  1864;  —  d)  KoScioc  N.  Maryi  Panhy  w  Mohy- 
lowie  nad  Dniestrem.  (Die  S.  Marienkirche  in  Mohilow 
am  Dniester),  Krakau,  1867;  —  e)  Listy  Jana  de  Witte 
(Briefe  des  Generals  Johann  de  Witte),  Krakau,  1868 ; 

—  f)  Skorowidz  miejscowosci  b.  wdztwa  bradawskiego 
(Topografie  der  Ukraine),  Krakau,  18G9;  —  g)  Rocznik 
dla  archeologöw,  numizmatykow  i  bibliografow  polskich 
rok  1869.  (Jahrbuch  für  polnische  Archeologen,  Numis- 
matiker und  Bibliographen).  Krakau,  1870;  —  h)  Slo\vnik 
heraldyczny.  (Heraldisches  Wörterbuch).  Krakau,  1870; 

—  i)  0  Grobowcach  (von  Grabdenkmälern),  Krakau, 
1870;  —  k)  De  Simonis  Okolscii  monachi  ordini  Sancto 


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Doiuiiiico  sacro  addicti  vita  et  scriptis  historids.  (Ueber 
das  Leben  des  Simon  Okolski.)  Krakau,  1870;  —  1)  Sta- 
nislaus  Dunin  Karwicki  de  ordinanda  republica.  (Sta- 
nislaus  Dunin  Karwicki,  über  die  Grundsätze  der  Re- 
giening  eines  Staates.)  Krakau,  1871 ;  —  m)  Materialy 
do  monograüi  Bodu  Krzyzanowskich  z  Woli  Sienienskiej 
i  Krzyzanowic  herbu  Debno. 

3444.  Lavant,  das  Ordinariat  des  Bisthums:  Personalstand 
pro  1873. 

3445.  Macher  Mathias,  Dr.  Med.  und  jubilirter  k.  k.  Bezirks- 
Ärzt,  seine  Schrift:  Das  Anna-Einderspital  und  der 
Kinderspitalsverein  in  Graz  von  1844—1872,  Graz,  1873. 

3446.  Maschek  Ludwig,  kais.  Rath  in  Zara,  sem  Werk:  Ma- 
nuale del  regno  di  Dalmazia,  2.  und  4.  Jahrg.  1872 
und  1873. 

3447.  Peinlich  R,  Dr.,  k.  k.  Schulrath  in  Graz,  Ortsreper- 
torium  des  Herzogthums  Steiermark,  Graz,  1872. 

3448.  Rast  Ferdinand  Freiherr  von  (Pseudonym  Hilarius),  in 
Marburg:  die  Nr.  54  und  55  der  „Marburger  Zeitung" 
vom  4.  und  7.  Mai  1873  mit  seinem  Aufsatze:  Aus 
Marburgs  Vorzeit  Die  Gründung  des  hiesigen  Bttrger- 
spitales. 

3449.  Reyer  Constantin,  Turnlehrer  in  Graz,  seine  Abhand- 
lung :  Vorarbeit  zu  einer  Statistik  der  deutschen  Tum- 
vereme  des  XV.  Tumkreises  (Deutsch-Oesterreich),  Graz, 
1873. 

3450.  Seckau,  das  Ordinariat  des  Bisthums:  geistlicher  Per- 
sonalstand, 1873. 

3451.  Stillfried-Rattonitz  Rudolf  Graf,  Dr.,  kais.  deutscher 
Geheun-Rath  und  Oberceremoniemneister  in  Berlm, 
sein  Werk:  Zum  urkundlichen  Beweise  über  die  Ab- 
stammung des  preussischen  Königshauses  von  den 
Grafen  von  HohenzoUem.  (Separatabdruck  aus  dem 
zweiten  Bande  der  HohenzoUer'schen  Foi*schungen.) 
Berlin,  1873. 

3452.  Tiefenbacher  Franz,  k.  k.  pens.  Finanzbeamter  zu  Feh- 
ring: a)  Johann  Weikhard  Freiherr  von  Valvasor's 
„Topographia  ducatus  CamioliaB  modenia;'*  1G79;  — 
b)  Incoronazione  di  S.  M.  J.  R.  A.  Ferdinande  I.  e  Ile  del 
regno  lonibardo-vcncto,  6.  Settembre  1838,  von  Ale- 
sandro  Sanquirico. 


—    XXXIX    — 

2.  Im  Schrfftentausch  mit  fachverwandten  Akademien,  Vereinen  und 

Geeellsoliaflen. 

3453.  Agram,  südslavische  Akademie  der  Wissenschaften: 

a)  Bad  jugoslavenske  Academije  znanosti  i  um- 
jetnosti,  Heft  20  bis  22;  —  b)  Acta  conju- 
rationem  Bani  Petri  a  Zrinio  et  Comitis  a  Fran- 
gipani,  1873. 

3454.  —    der  Verein   für  südslavische  Geschichte:    Arkiv, 

Knjiga,  1872. 

3455.  Amsterdam,  die  königl.  Akademie   der  Wissenschaften: 

a)  Jaarbock  van  de  koninklyke  Akademie  van  We- 
tenschappen,  1871 ;  —  b)  Verslagen  en  Mededeelingen 
der  koninklyke  Akademie  Affdeeling  Letterkunde,  tweede 
reeks,  twede  Deel,  1872;  —  c)  Verslagen  en  Mede- 
deelingen Affdeeling  Naturkunde,  tweede  reeks,  zesde 
(6)  Deel,  1872;  —  d)  Processen-Verbaal,  Affdeeling 
Naturkunde,  Mai  1871  bis  Ende  April  1872. 

3456.  Ansbach,  histor.  Verein  ftür  den  kön.  bair.  Regierungs- 
bezirk Mittelfranken:  38.  Jahresbericht,  1871 — 72. 

3457.  Bayreuth,  histor.  Verein  für  Oberfranken :  Archiv,  12.  Bd., 
1.— 2.  Heft,  1872-1873. 

3458.  Berlin,    königl.  preuss.  Akademie  der  Wissenschaften: 

a)  Monatsbericht  vom  November  1872  bis  incl. 
December  1873;  —  b)  phiL  und  histor.  Abhand- 
lungen aus  dem  Jahre  1872,  gedruckt  1873. 

3459.  —    Verein   für    die   Geschichte    der   Stadt   Berlin: 

a)  Chronik;  —  b)  Urkundenbuch ;  —  c)  Ver- 
einsschriften,  Jahrg.  1865,   1871   und  1873;  — 
d)  Jahresberichte  1869,   1872  und  1873. 
34G0.    —    Verein  „deutscher Herold" :  Monatsschrift,  3.  Jahr- 
gang 1873. 

3461.  Bern,    histor.    Verein    des    Cantons:    Archiv,    8.  Bd., 
2.  Heft  1873. 

3462.  Bistritz,    das    evang.  Obergymnasium:    Programm   des 
Schuyahres  1872—1873. 

3463.  Bozen,  der  christliche  Kunstverein:  Kunstfreund,  2.  Jahr- 
gang 1873. 

3464.  Breslau,    schles.    Gesellschaft    vaterländischer    Cultur: 

a)  49.  Jahresbericht  für  1871 ;  —  b)  Abhand- 
lungen der  Naturwissenschaften  und  Median  pro 
1869 — 1872;  —  c)  Abhandlungen,  phil.-histor. 
Abtheilung,  1871. 

3465.  —    Verein  für  Geschichte  und  Alterthum  Schlesiens: 

a)  Zeitschrift,  11. Bd.,  2.Heft,  1872 ;  —  b)  Scrip- 


—    XL     ~ 

tores  rerum  süesicanim,  8.  Bd.,  1873;  —  c)  Jah- 
resberichte 1871  und  1872. 

3466.  Brunn,  histor.-stat  Section  der  mähr.-scides.  Gesellschaft 
zur  Beförderung  des  Ackerbaues,  der  Naturkunde  etc. : 

a)  Schriften  der  Section,  20.  Bd.,  (Geschichte  der  mähr.- 
schles.  Gesellschaft  von  Chr.  Ritter  d'Elvert,  Brunn  1870; 

—  b)  21.  Bd.,  Geschichte  der  Musik  in  Mähren  und 
Schlesien,  von  demselben,  Brttnn  1873;  —  c)  C.  Diebl, 
Landwirthschafts-Reminiscenzen  und  Conjuncturen  im 
hunderten  Grttndungsjahre  der  Gesellschaft,  Brunn  1870; 

—  d)  Notizenblatt  der  Gesellschaft  vom  2.  bis  inclusive 
18.  Jahrg.,  1856  bis  incl.  1872. 

3467.  Brüssel,  königl.  Akademie  der  Wissenschaften: 

a)  Bulletins  deTAkademie,  2.  Serie,  31.— 34.  Bd,  (39., 
40.  u.  41.  Jahrg.),  1871  u.  1872;  —  b)  Annuaire  (38.  u. 
30.  Jahrg.)  1872  und  1873;  —  c)  Centieme  annivereaire 
de  fondation  (1772  1872),  2  Bde.,  1872 ;  —  d)  Tables 
de  Mortalite  et  leur  developpement,  von  Ad.  Quetelet, 
1872. 

3468.  Chambery,  sociöte  savoisienne  d'histoire  et  d'archeologie 
M  mou^s  et  documents,  12  Bd.,  1872. 

3469.  Christiania,  Yerem  zur  Erhaltung  und  Aufbewahrung 
nordischer  Vorzeitdenkmäler : 

a)  Foreningen,  1872;  b)  Beretning  om  den  al- 
mindelige  Udstilling  for  Tromso  Stift,  1872  ;  —  c)  Lieb- 
lein, J.,  Recherches  sur  la  Chronologie  Egyptienne,  1873. 

3470.  Darmstadt,  histor.  Verein  für  das  G.  H.  Hessen :  Archiv 
für  hessische  Geschichte  und  Alterthumskunde,  13.  Bd., 
I.Heft,  1872. 

3471.  D^on,  Kommission  des  antiquites  du  departement  de  la 
Cote  d'Or: 

a)  Memofres,  8.  Bd.,  2.  Liefrg.,  1872;  —  b)  Voies 
romaines  du  departement  de  la  Cote  d'Or,  1872. 

3472.  Donaueschingen,  Verein  für  Geschichte  und  Naturge- 
schichte: Schriften,  2.  Heft,  1872. 

3473.  Dorpat,  gelehrte  estnische  Gesellschaft:  a)  Verhand- 
lungen, 7.  Bd.,  3.  und  4.  Heft,  1873;  — -  b)  Sitzungs- 
berichte, Jahrg.  1872. 

3474.  Dresden,  königl.  sächsischer  Alterthumsverein :  Mitthei- 
lungen, 23.  Heft,  1873. 

3475.  Elberfeld,  Bergischer  Geschichts- Verein :  Zeitschiift^ 
8.  Bd.,  1872. 

3476.  Emden,  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  Alterthümer 
Jahrbuch,  Heft  1.  1872. 


—    XLI    — 

3477.  Ei-furt,    Verein  fllr  Geschichte   und  Altevthumskunde : 

a)  Mittheihingen,  G.Heft,  1878;  —  b)  Hermann  K., 
Bibliotheka  Erfurtina,  18f)3. 

3478.  Frankfurt  a.  M.,  Verein  für  Geschichte  und  Alterthums- 
kunde : 

a)  Archiv,   N.  F.  6.  Bd.,   1872;  —  b)  Mittheilungen, 
4.  Bd.  Nr.  3,  October  1872 ;  —  c)  Neujahrblatt  für  1872. 

3479.  Frankfurt  a.  d.  Oder,  histor.  statistischer  Verein:  Mit- 
tlieilungen,  9.  bis  12.  Heft,  1873. 

3480.  Frauenfeld,  histor.  Verein  des  Cantons  Thurgau:  Bei- 
träge zur  vaterl.  Geschichte  11.,  12.  und  13.  Heft, 
1870,  1872  und  1873. 

3481.  Freiberg  in  Sachsen,  Alterthums-Verein :  Mittheilungen, 
10.  Heft,  1873. 

3482.  Freiburg  im  Breisgau,  Verein  zur  Beförderung  der 
Geschichtskunde:  Zeitschrift  2.  Bd.,  3.  Hefl^  1872,  — 
3.  Bd.,  1—2.  Heft,  1873. 

3483.  St  Gallen  (Schweiz),  histor.  Verein:  Mittheilungen  zur 
Vaterland.  Geschichte,  13.  (N.  F.)  3.  Heft,  1872. 

3484.  Görlitz,  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften : 
Neues  Lausitzisches  Magazin,  49.  Bd.,  2.  Hälfte,  1872, 
r»0.  Bd.,  I.Heft,  1873. 

3485.  Göttingen,  königl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften: 
Nachrichten  1872. 

3486.  Graz,  Carl  Franzens-Üniversität : 

a)  Die  Entstehungszeit  des  österr.  Landrechtes 
(kritische  Studie  von  Dr.  A.  Ritter  v.  Luschin) ;  — 
b)  Personalstand  ftlr  den  Sommersemester  1873; 
—  c)  Programm  für  den  Wintersemester  1873, 74. 

3487.  —    technische  Hochschule  am  Joanneum:  Programm 

pro  1873/74. 

3488.  —     Joanneum:  61.  Jahresbericht,  1872. 

3489.  —     n.  Staatsgymnasiimi :  Jahresbericht  1873. 

3490.  —    st  landschaftl.  Oberrealschide :  22.  Jahresbericht, 

1873. 

3491.  —    k.k.  Staats-Oberrealschule :  I.Jahresbericht,  1873. 

3492.  —     Verein  der  Aerzte  in  Steiermark:  Sitzungsberichte 

des  10.  Vereinsjahres  1872  73. 

3493.  —    christlicher  Kunstverein  der  Diöcese  Seckau:  Kir- 

chenschmuck, Jahrgang  1873. 

3494.  —    akadem.  Leseverein :  6.  Jahresbericht,  1873. 

3495.  Greifswalde,  die  Gesellschaft  für  Pommer'sche  Geschichte 
und  Alterthumskunde :  Pommer'sche  Genealogien,  2.  Bd. 
2.  lieft,  1873. 


—    XLU    — 

3496.  Halle,  thüringisch-sächsischer  Veieiii  für  Erforschung  des 
vaterl.  Alterthums :  Neue  Mittheilungen  aus  dem  Gebiete 
histor.-antiquarischer  Forschung,  18.  Bd.,  2.  Heft  1871, 
3.  Heft  1873. 

3497.  Hamburg,  Verein  für  hamburgische  Geschichte:  Ham- 
burg's  Bürgerbewaffiiung  von  C.  F.  Gaedechens,   1872. 

3498.  Hanau,  Bezirksverein  für  hessische  Geschichte  und 
Alterthumskunde :  Mittheüungen  Nr.  4,  1873. 

3499.  Hannover,  histor.  Verein  für  Niedersachsen:  Zeitschrift, 
Jahrgang  1871. 

3500.  Hard,  Vorarlberger  Museumsverein,  13.  Rechenschafts- 
bericht, 1873. 

3501.  Hermannstadt,  Verein  für  siebenbürgische  Landeskunde : 

a)  Jahresbericht  pro  1871/72;  —  b)  Archiv,  N.  F. 
X.  Bd.,  2.  und  3.  Heft,  1872;  —  c)  Programm  des 
Gymnasiums  in  Hermannstadt,  1871/72;  —  d)  Pro- 
gramm des  Gymnasiums  in  Schässburg,  1871/72. 

3502.  Hohenleuben,  Voigtländisch-alterthumsforschender  Verein : 

a)  Mittheüungen  aus  dem  Archive;  —  b)  Jahres- 
berichte, 41.,  42  und  43. 

3503.  Innsbruck,  Ferdinandeum :  Zeitschrift,  3.  Folge,  17.  Heft, 
1872. 

3504.  Klagenfurt,  naturhisL  Landesmuseum:  Jahrbuch,  ll.Hft, 
20— 21.  Jahrg.,  1871—1872. 

3505.  Köta,  histor.  Verein  für  den  Niederrhein:  Annalen, 
24.  Heft,  1872. 

3506.  Königsberg,  königliche  und  Üniversitäts-Bibliothek:  Alt- 
preussische  Monatsschrift,  neue  Folge,  9.  Bd.,  7.  und 
8.  Heft;,  10.  Bd.  1.  bis  8.  Heft,  1872—1873. 

3507.  Kopenhagen,  königl.  dänische  Gesellschaft  für  nordische 
Alteithumskunde : 

a)  Aarboger,  1872,  2,— 4.  Heft,  1873,  I.Heft;  — 
b)  Tillaeg  til  Aarboger,  Jahrg.  1872;  —  c)  Memoires, 
Nouvelle  Serie,  1872. 

3508.  Krakau,  histor.  Commission  der  königl.  poln.  Akad.  der 
Wissenschaften : 

Scriptores  rerum  polonicarura,   1.  Bd.,  1872. 

3509.  Lausanne,  Society  de  la  Suisse  romande:  Memoires 
et  documents,  27.  und  28.  Bd.,  1872—1873. 

3510.  Leeuwarden,  Friesch  (Jenootschap  van  Gescliied-,  Oud- 
heid*en  Taalkunde. 

a)  De  vrye  Fries,  Mengelingen,  12.  Deel  (Nieuwe 
Reeks,  6.  Deel,  3)  1872;  —  b)  44  Verslag  der  Han- 
delingen, over  het  Jaar  1871  bis  1872;  —  c)  Friesche 


—     XLIU     — 

Oiidheden.  Afbeehlingen  van  merkwardige   Voorwerpen 
van  Wetenschap  en  Kunst  3.  Aflevering,  1872. 

3511.  Leipzig,  königl.  Sachs.  Gesellschaft  der  Wissenschaften: 

a)  Berichte  über  die  Verhandlungen  der  Ge- 
sellschaft 1870  und  1871;  —  b)  Lange  Ludwig, 
der  homerische  Gebrauch  der  Partikel  Ei,  1872; 
—  c)  Philippi  Adolf,  über  die  römischen  Trium- 
phalreliefe und  ihre  Stellung  in  der  Kunstgeschichte, 
1872;  —  d)  Voigt  Georg,  die  Geschichtsschrei- 
bung über  den  Zug  Carl's  V.  gegen  Tunis  1535, 
1872;  —  e)  Voigt  Moriz,  über  den  Bedeutungs- 
^vechsel  gewisser  die  Zeitrechnung  und  den  öko- 
nomischen Erfolg  einer  That  bezeichnender  tech- 
nischer lateinischer  Ausdrücke,   1872. 

3512.  —    Verein  für  Geschichte  Leipzigs :  Schriften,  1.  Bd., 

1873. 

3513.  —    deutsche    morgenländ.    Gesellschaft:     Zeitschrift, 

26.  Bd.,  3.  und  4.  Heft,  1872;  —  27.  Bd.,  1.  bis 
3.  Heft,  1873  und  Register  zum  11.— 20.  Bd.,  1872. 

3514.  —    füi-stlich     Jablonowski'sche    Gesellschaft:    Preis- 

schriften, 17.  Bd.,  1873. 

3515.  Leoben,  landschaftl.  Realgymnasium:   7.   Jahi'esbericht, 
1873. 

3516.  Linz,  Museum  Francisco-Carolinum : 

a)  31.  Jahresbericht  nebst  26.  Lieferung  der  Beiträge 
zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  derEnns,  1873;  — 
b)  das  Museum  (Darstellung  seiner  40j&hrigen  Wirk- 
samkeit gelegentlich  der  Weltausstellung),  1873. 

3517.  Luxembui^,  Society  archeologique:  Publications,  27.  Bd., 
(5.  der  neuen  Serie),  1873. 

3518.  liuzem,  histor.  Verein  der  fttnf  Orte  Luzem,  üri,  Schwyz, 
Unterwaiden  und  Zug:  Geschichtsfreund,  28.  Bd.,  1873. 

3519.  Mitau,  kurl&ndische  Gesellschaft  für  Literatur  und  Kunst: 
Sitzungsbericht  pro  1872. 

3520.  Mons,  societe  des  sciences,  des  arts  et  des  lettres  du 
Hainaut : 

a)  Memoires  et  Publications,  7.— 8.  Bd.,  1872,  1873;  — 
b)  Programm  des  für  das  Jahr  1873  ausgeschriebenen 
Coiicurses. 

3521.  Montb^liard,  la  Societe  d'emulaüon:  Memoires,  2.  Se- 
rie, 4.  Bd. 

3522.  München,  königl.  bairische  Akademie  der  Wissenschaften : 

a)  Sitzungsberichte,  Hefte  2  bis  5  von  1872, 
1  bis  3  von  1873;  —  b)  Inhalts- Verzeiclmiss  der 


—    XLIV    — 

Sitzungsberichte  vom  Jahre  1860 — 1870;  — 
c)  Gedächtnissrede  auf  Friedrich  Adolf  Trendelea- 
bürg,  Yon  Dr.  Carl  v.  Prantl,  1873;  —  d)  Mit- 
gliederverzeichniss  der  Akademie ;  ~  e)  Rede  von 
J.  V.  Döllinger,  gehalten  am  25.  Juli  1873  zur 
Vorfeier  des  Geburtsfestes  Sr.  Majestät  des  Königs 
Ludwig  n.,  Manchen,  1873. 

3523.  —    histor.  Verein  von  und  für  Oberbaiem: 

a)  32.  und   33.  Jahresbericht,  1869—1870;  — 

b)  Archiv,  32.  Bd.,  1.  Heft. 

3524.  Monster,  literarischer  Handweiser:  Nr.  129  bis  146, 
12.  Jahrg.,  1873, 

3525.  Nürnberg,  germanisches  Museum: 
a)  Anzeiger,   19.  Jahrg.,   1872;  —  b)  Die  Aufgaben 

und  die  Mittel  des  germanischen  Museums.  (Eine  Denk- 
schrift) 1872. 

3526.  Paderborn,  Verein  für  Geschichte  und  Alterthumskunde 
Westphalens:  Zeitschrift,  29. — 31.  band  (in  5  Heften), 
1871—1873. 

3527.  Paris,  histor.  Institut  für  Frankreich:  LHnvestigateur, 
38.  Jahrg.  von  Juli  bis  Ende  December  1872,  39.  Jahr- 
gang 1873. 

3528.  Pettau,  Realgymnasium:  3.  Jahresbericht  1872. 

3529.  Pest,  die  königl.  ungar.  Akademie  der  Wissenschaften: 

a»  Almanach,  1872  und  1873;       b)  Ertesitö  (Sitzimgs- 
berichte),  5.,  6.  Jahi^.,  compL,  dann  vom  7.  die  Hefte 
1—7,  1871—1873;        c)  Magyar  törtenelmi  tar  (ung. 
I  Geschichtsquellen),  2.  Jahrg.,  16.— 18.  Bd.,  1871—1872; 

I  —  d)  Ertekezesek  a  törteneti  (Mitth.  a.  d.  Gesclüchts- 

wissensch.),  2.  Bd.,  Hefte  1—9,  1872/1873;  —  e)  Török 

magyarkori    törtenelmi    emlekek    (Geschichtsdenkmäler 

I  aus  der  ungarisch-türkischen  Zeit)  7.  und  8.  Bd.,  1871 

und  1872;  —  f)  Monumenta  hungarifle  histor,  (Magyar 
törtenelmi  emlekek)  vom  8.  Bde  ein  Nachtrag,  Diarium 
i  von  1663—1674,  1871  dann  17.Bd.,  l.Abth.,  1872  und 

j  24.  Bd.,  1873;  —  g)  Archivum  Räköczianum  II.  Rä- 

I  köczi    Ferencz   leveltara    (Briefe   von   Franz  Rakoczi) 

I  1.  und  2.  Abth.,  je  der  1.  Bd.  1872/73;  —  h)  Magyar- 

I  orszäg    helyrajzi    törtenete    (topografische    Geschichte 

Ungarns)  2.  Bd.  1872;  —  i)  A  hazai  es  klllföldi  isko- 
lazas,   1873;  —  k)  A  regi  Pest  Tötäneti   tanulmany 
I  1873. 

3530.  Poitieres,  Gesellschaft  der  Alterthumsforscher  des  west- 
lichen  Frankreich:   Bulletin,   3.  und  4.  Quai-tal   1872. 


—    XLV    — 

3531.  Prag,  königl.  böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften : 

Sitzungsberichte,  Jahrg.  1871  und  1872  comp!., 
1873,  Nr.  1  bis  8 ;  —  Abhandlungen,  6.  F.,  5.  Bd., 
1872. 

3532.  —    Verein  fllr  Geschichte  der  Deutschen  in  Böhmen: 

a)  Mittheilungen,  9.  Jahrg.  Nr.  7  und  8,  10 
und  11.  Jahrg.  complett,  12.  Jahrg.  Nr.  1  und  2 
(1871—1873);  —  b)  Jahresberichte,  9,  10  u.  11 
(1871,  1872  und  1873);  —  c)  Mit^eder-Ver- 
zeichniss  pro  1872/73;  —  d)  Lippert,  Geschichte 
der  Stadt  Leitmeritz  (Abth.  3  der  Beiträge  zur 
Geschichte  Böhmens),  1871 ;  —  e)  Dr.  Laube,  aus 
der  Vergangenheit  Joachimsthals,  1873;  —  {)  Dr. 
Leeder,  Beiträge  zur  Geschichte  von  Aman,  1872. 

3533.  —    Lese-  und  Redehalle   der  deutschen  Studenten : 

Jahresbericht  pro  1872/73. 

3534.  Reval,  ehstländisch-literarische  Gesellschaft:  Beiträge 
zur  Kunde  Ehst-,  Liv-  und  Kurlands,  l.Bd.  4.  Heft  1873. 

3535.  Riga,  Gesellschaft  für  Geschichte  und  Alterthumskunde 
der  Ostseeprovinzen  Busslands: 

a)  Mittheilungen,  10.  und  11.  Bd.,  1.  bis  3.  Heft, 
180 5;  —  b)  Luther  an  die  Christen  in  Livland  zur 
Feier  des  50jähr.  Amtsjubiläums  des  evangel.  Bischofes 
Dr.  C.  C.  Ullmann  in  St  Petersburg,  1866. 

3536.  Salzburg,  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde: 
Mittheilungen,  12.  Vereinsjahr,  1872. 

3537.  Schwerin,  Verein  ftlr  meklenburgische  Geschichte  und 
Alterthumskunde,  Jahrbuch,  37.  Jahrg.,  1872. 

3538.  Sigmaringen,  Verein  ftlr  Geschichte  und  Alterthumskunde 
in  Hohenzollem :  Mittheilungen,  11.  Jahrg.,  1872/73. 

3539.  Stade,  Verein  für  Geschichte  und  Alterthümer  der  Her- 
zogthümer  Bremen  und  Verden: 

a)  Altarschrein  der  Kirche  zu  Altenbruch,  von  H.  Almers, 
1873;  —  b)  Catalog  der  Bibliothek  des  Vereines,  1873. 

3540.  Stettin,  Gesellschaft  für  Pommer'sche  Geschichte  und 
Alterthumskunde:  Baltische  Studien,  24.  Jahrg.,  1872. 

3541.  Strassburg,  la  Societe  pour  la  conservation  des  monu- 
ments  historiques  d'Alsace  :  Bulletin,  2.  Serie,  8.  Bd., 
1872. 

3542.  Stuttgart,  königl.  statistisch-topogr.  Bureau:  Wttrttem- 

bergisdie  Jahrbücher  für  Statistik  und  Landes- 
kunde, Jahrg.  1871. 

3543.  —    württembei^fischer  Alterthumsverem :    Jahreshefl, 

2.  Bd.,  I.Heft,  1873. 


M 


—    XLVI    - 

3545.  Tettnang,  Verein  fbr  Geschichte  des  Bodensee's  und 
seiner  Umgebungen:  Schriften,  1.  bis  4.  Heft,  18C9 
bis  1873. 

3546.  Trier,  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen:  Archeo- 
logische  Funde  in  Trier  und  Umgegend,  Festschrtft,  1873. 

3547.  Ulm,  Verein  für  Kunst  und  AlterÜmm  in  Ulm  und  Ober- 
schwaben: Verhandlungen,  neue  Reihe,  5.  Heft;,  1873. 

3548.  Utrecht,  de  histor.  Genootschap: 

a)  Kroniek,  6.  Serie,  2.  und  3.  Theil,  27.  u.  28.  Jhrg., 
1872  und  1873;  —  b)  Werken,  neue  Serie  Nr.  17, 18, 
19,  1872—1873,  (Rogge's  Briefe  von  Johann  Wten- 
bogaert  und  v.  Vloten  Onderzoek) ;  —  c)  Catalogus  der 
Boekery,  1872. 

3549.  Weinsberg,  histor.  Verein  für  das  württembergische 
Franken:  Zeitschrift,  8  Bd.,  2.  und  3.  Hft.,  9.  Bd.  1.  Hft, 
Jahrgänge  1869,  1870  und  1871. 

3550.  Wernigerode,  Harz-Verein  ftlr  Geschichte  und  Alter- 
thumskunde:  Zeitschrift,  5.  Jahrg.,  3.  und  4.  Heft,  1872, 
6.  Jahrg.,  1.  und  2.  Heft  1873. 

3551.  Wien,  kais.  Akademie  der  Wi&senschaft;en : 

a)  Sitzungsberichte  phil.-histor.  Classe,  70.  Bd., 
Heft  1  bis  3,  1872;  71.  Bd.,  Heft  1—4,  1872; 
72.  Bd.,  Heft  1;  73.  Bd.,  Heft  1—3;  Register  VH 
zu  den  Bänden  61  bis  70,  1872;  —  b)  Denk- 
schriften, 21.  Bd.;  —  c)  Archiv  für  Kunde  österr. 
Geschichtsquellen,  48.  und  49.  Band  complett, 
50.  Bd.,  1.  Hälfte;  —  Fontes  rerum  austriacarum 
36.  Bd.,  2.  Abth.;  37.  Bd.,  2.  Abth.;  Diplomataria 
et  acta. 

3552.  —    k.  k.  Central-Commission  zur.  Erforschung  und  Er- 

haltung der  Baudenkmale  *.  Mittheil.,  18.  Jahrgang, 
1873. 

3553.  —    k.    k.    statistische   Central-Commission:    Mitthei- 

lungen,   19.  Jahrg.,   4.  Heft,   1872;  —  Statistik 
des  Judentimms  in  Oesterreich-Ungam,  1873. 

3554.  —    österr.  Museum  für  Kunst  und  Industrie: 

a)  Gatalog  der  Omamentstich-Sammlung  des 
Museums,  1865;  —  b)  Catalog  der  ehemaligen 
Bock'schen  Sammlung  von  Webereien  und  Sticke- 
reien des  Mittelalters  und  der  Renaissance,  1865;  — 
c)  die  Kuustindustrie  auf  der  Ausstellung  zu  Dublin 
(Bericht  des  Custos  J.  Falke,  1865) ;  —  d)  Catalog 
der  Bibliothek  des  Museums,  1869;  —  e)  Catalog 
der  österr.  Kunstgewerbe- Ausstellung   1871;   — 


—   XLvn   — 

f)  die    Ausstellung    österr.    Kunstgewerbe    vom 
4.  November    1871    bis  4.  Februar    1872;    — 

g)  Wegweiser  durch  das  k.  k.  Museum  1873. 

3555.  Wien,    k.  k.  geographische  Gesellschaft:  Mittheilungen, 

15.  Bd.    (5.  der  N.  F.),  Jahrg.  1872. 

3556.  —    Verem  für  Landeskunde  in  Niederösterreich: 

a)    Blätter  N.  Folge,    6.  Jahrgang,    1872;  — 
b)  Topographie  von  Niederösterr.,  4.  Heft,  1871. 

3557.  —    heraldisch-genealogischer  Verein  Adler :  Zeitschrift, 

Jahrg.  1873. 

3558.  —    deutsch-österr.    Alpenverein:    Zeitschrift,    Jahrg. 

1872,  Heft  1—4. 

3559.  —     der  Tourist,  Jahrg.  1873. 

3560.  —    Leseverein  der  deutschen  Studenten:  2.  Jahres- 

bericht 1872/73. 

3561.  Wiesbaden,  Verein  für  Nassau'sdie  Alterthumskunde  und 

Geschichtsforschung:  Annalen,  12.  Bd.,  1873. 

3562.  Würzburg,  histor.  Verein  für  Unterfranken  und  Aschaffen- 
bui^:  Archiv,  22.  Bd.,  1.  Heft;,  1873. 

3563.  Zürich,  allgemeine  geschichtsforschende  Gesellschaft  der 
Schweiz:  Archiv,  18.  Bd.,  1873. 

3564.  Zwickau,  Verein  zur  Verbreitung  guter  und  wohlfeiler 
Volksschriften : 

a)  31.  Jahresbericht  1871/72;  —  b)  der  deutsche 
Volkskrieg  gegen  Frankreich,  1870/71,  von  Dr.  Otto 
Kammel,  3.  Bd.,  2.  Abth.,  1872;  —  c)  Schlichte  Ge- 
schichten von  Rudolf  Müldener,  1872;  —  d)  die  Ver- 
kehrsmittel der  Gegenwart,  von  Oskar  Friedrich,  1.  1872; 
e)  Apologetische  Vorträge,  1872;  —  f)  Sonnenblumen, 
von  F.  Schmid-Schwarzenberg,  1873;  —  g)  Zugabe 
zum  Kalender  1873. 

3.  Durch  Ankauf. 

3565.  Bauer,  Dr.  Ludwig,  Director  des  grossherz.  hessischen 
Haus-  und  Staatsarchives :  Hess.  Urkunden,  5.  Bd.,  1873. 

3566.  Darmstadt,  Gesammtverein  der  deutschen  Geschichts-  und 
Alterthumsvereine :   Correspondenzblatt,  Jahrg.  1873. 

3567.  Mainz,  römisch-germanisches  Centralmuseum :  Die  Alter- 
thümer  unserer  heidnischen  Vorzeit  von  Dr.  L.  Linden- 
schmit,  3.  Heft  des  3.  Bd.,  1873. 


—  XLvm  — 


IB.   FCkr  das  jALrchiv« 

I.  Urkunden  und  Acten. 

Die  Stadtgemeinde  Oberwölz  überliess  mit  Vorbehalt 
des  Eigenthumsrechtes  folgende  in  ihrem  Besitze  befindliche 

Urkunden : 

1468.  1358,  St  Gallustag,  o.  0.  —  Bischof  Albrecht  von 
Freysing  bestätigt  den  Bfirgem  zu  Oberwölz  ihre  alten 
Stadtrechte.  Orig.  Pgmt.,  1  hgd.  Siegel. 

14G9.  1447,  Montag  nach  Oswald,  Graz.  —  Hans  von  Stu- 
benberg, Hauptmann  in  Steyer,  befiehlt  dem  Richter 
und  Rathe  von  Oberwöl?,  den  Erhart  Heurissel  in 
Empfangnahme  des  ilun  zustehenden  Erbes  nach  der 
seel.  Kathrey  HueiSschmidin  zu  Oberweltz  nicht  zu 
liindem.  Orig.  Pap.,  rückw.  aufged.  S. 

1470.  1473,  24.  April,  0.  0.  —  Richter,  Rath  und  die  Ge- 
meinde der  Stadt  Oberwölz  überlassen  dem  Meister 
Balthasar  Bader  und  seiner  Hausfrau  die  städtische 
Badestube  kaufreclitsweise  unter  dem  Siegel  der  Stadt 
Orig.  Pgmt,  1  hgd.  zerb.  S. 

1471.  1511,  Montag  nach  Matthäus,  Graz.  —  Die  steierm. 
Landschaft  mahnt  den  Richter  und  Rath  von  Oberwölz, 
einen  Steuerausstand  von  80  Pfund  Pfennige  bis  zum 
Sonntage  nach  dem  Martinstag  zu  bezahlen.  Orig.  Pap., 
4  aufged.  PetsclL 

1472.  1525,  13.  Jänner,  Wien.  —  Ferdinand,  Prinz  in  Spa- 
nien, Erzherzog  von  Oesterreich,  bestätigt  über  die  Bitte 
des  Cliristof  Weltzer,  bischöfl.  Freysing'schen  Pflegers 
zu  Weltz,  den  Bürgern  zu  Oberweltz  und  St  Peter  (am 
Kammersberg)  die  ihnen  schon  von  den  Herzogen 
Wilhehn  und  Albrecht  ertheilten  Freiheiten.  Orig.  Pgmt, 
1  hgd.  S. 

1473.  1528,  Mittwoch  nach  St  Blasius,  o.  0.  —  Christina, 
ehel.  Tochter  des  Benedict  Anprant,  hat  sich  mit  ihrem 
bisherigen  Dienstgeber  Meister  Lienhart  Schneider, 
Bürger  in  Oberwölz,  über  ihre  Forderungen  vei^lichen 
und  gibt  Verzicht  Sigler  Michael  Mabilla,  Stadtrichter, 
und  Mai-x  Frostl,  Bürger  zu  Oberwölz.  Orig.  Pap.,  2  Petsch. 

1474.  1531,  Freitag  nach  Florian,  Oberwölz.  —  Hieronyraus 
Auer  quittirt  für  seine  Hausfrau  Agnes  dem  Wolfgang, 
einem  Sohne  des  Lienhart  Schneider,  Bürger  zu  Ober- 


—    XLIX    — 

wölz,  einen  schuldigen  Lidlohn.  Sigler:  Konrad  Khin- 
tinger,  Stadtrichter  zu  Oberwölz.  Orig.  Pap.,  1  aufged. 
Petsch. 

1475.  1550,  27.  Jänner,  o.  0.  —  Peter  Domner  zu  Hintereck 
in  der  Pfarre  Weltz  beurkundet  seine  Verehelichung 
mit  Jungfrau  Katharina,  Tochter  des  Hans  Hugent  (?)  in 
der  Pöla.  Orig.  Pgmt.  2  hgd.  Petsch. 

1476.  1567,  20.  Jänner,  o.  0.  —  Franzischkh  von  Teuffen- 
bach,  Ritter  etc.,  bescheinigt  den  Bürgern  von  Ober- 
wölz den  Besitz  einer  Urkunde,  Kraft  welcher  am  Mitt- 
woch nach  Domine  longo  in  der  Fasten  1419,  Wülfing 
von  Stubenberg  dem  Hanns  von  Teuffenbach,  damaügen 
Hauptmann  der  Herrschaft  Rottenfels  und  Oberwölz, 
eine  IS  Joch  grosse  Wiese  im  Burgfried  von  Ober- 
wölz verkaufte.  Diese  letztere  Urkunde  ist  inserirt. 
Orig.  Pgmt 

1477.  1Ü67,  6.  November,  Graz.  —  Erzherzog  Carl  vonOester- 
reich-Steiermark  bestätigt  den  Bürgern  zu  Oberwölz 
und  St  Peter  am  Kammersberg  ihre  Privilegien.  Orig.  Pgt. 

1478.  1582,  1.  September,  o.  0.  —  Richter  und  Rath  der 
Stadt  Oberwölz  verkaufen  der  Frau  Regina,  Witwe 
nach  Gregor  Thalhammer  (evang.)  Pfarrer  zu  Frauen- 
burg, einen  Garten  an  der  Welz,  rainend  an  die  Gärten 
der  Oberwölzer  Bürger  Wolf  Derflinger  und  Florian 
Leitner  am  Wege  nach  St  Pongratz,  unter  dem  Siegel 
der  Stade.  Orig.  Pgmt 

1479.  1600,  7.  Juli,  Freising.  —  Ernst,  Churfürst  und  Erz- 
bischof von  Köln,  Administrator  des  Stiftes  Freising, 
bestätigt  den  Bürgern  zu  Oberwölz  im  Aiibetrachte, 
dass  sich  dieselben  wieder  zum  rechten  Glauben  be- 
kehren liessen,  ihre  städtischen  Privilegien.  Orig.  Pgmt, 
1  S. 

1480.  1617,  10.  Februar,  o.  0.  —  Gesellenbrief  der  Fleisch- 
hauer von  Oberwölz  für  Martin  Ofedler.  Orig.  Pgmt, 
4  hgd.  P. 

1481.  1620,  27.  Mai,  Freismg.  —  Bischof  Veit  Adam  von 
Freising  bestätigt  den  Bürgern  von  Oberwölz  ihre 
städtischen  Privilegien.  Orig.  Pgmt.,  1  S. 

1482.  1639,  3.  März,  Wien.  —  Kaiser  Ferdinand  UI.  bestätigt 
den  Bürgern  zu  Oberwölz  und  St  Peter  am  Kammers- 
berg ihre  Freiheiten.  Orig.  Pgmt,  1  S. 

1483.  1648,  24.  April,  o.  0.  —  Vergleich  zwischen  der  Stadt 
Murau  einer-,  der  Stadt  Oberwölz  und  der  Hofmark 
St  Peter  unter  dem  Kanmiersberg  andererseits,    durch 

jfitthell.  d.  "biMt,  yer«iu  f.  Btoienaark.  XXII.  Heft,  1874.  D 


\ 


welchen  mit  Rücksicht  auf  die  befreite  Niederlage  in 
Murau  die  Verführung  der  Kaufmannswaaren  auf  den 
umliegenden  Strassen  und  Wegen  geregelt  wird.  Sigler 
Johann  Adolf  Graf  zu  Schwarzenberg,  Herr  zu  Murau^ 
Herr  Adam  Jocher,  Pfandinhaber  auf  Rothenfels,  und 
die  beiden  Städte,  wechselweise  an  den  zwei  ausgefer- 
tigten Urkunden.  Orig.  Pgmt  mit  dem  Siegel  des  Grafen 
und  der  Stadt  Murau.  Dabei  ein  Nachtrag  auf  Per- 
gament mit  dem  Siegel  von  Murau. 

1484.  1656,  17.  März,  Freising.  —  Bischof  Albrecht  Sigmund 
zu  Freising  bestätigt  den  Bürgern  der  Stadt  Oberwölz 
und  der  Hofmark  St  Peter  ihre  hergebrachten  Frei- 
heiten. Orig.  Pgmt,  1  S. 

1485.  1660,  25.  Jänner,  Judenburg.  —  Gesellenbrief  der 
Fleischhauer  von  Judenburg  für  den  Hans  Abstorifer. 
Orig.  Pgmt 

1486.  1674,  12.  Jänner,  Wien.  —  Kaiser  Leopold  I.  bestätigt 
den  Bürgern  von  Oberwölz  und  St  Peter  unter  dem 
Kammersberg  ihre  hergebrachten  Freiheiten.  Orig.  Pgmt, 

1  Siegel. 

Geschenkt  haben  die  Herren : 
Johann  Krainz,  Yolksschullehrer  und  Bezirks-Correspondent 

in  Oberwölz: 

1487.  1494,  8.  Juli,  o.  O.  —  Verbrüderungsurkunde  der 
Bäcker  und  MüUer  zu  Judenburg,  Murau,  Neumarkt 
und  Oberwölz.  Sigler:  die  Brüder  Ulrich  und  Sigmund 
Welzer,  Pfleger  und  Anwälte  zu  Oberwölz.  Orig.  Pgmt, 

2  hgd.  S.  —  dann  ein  Yidimus  des  Jahres  1706  auf 
Papier. 

1488.  1509,  2.  September,  Oberwölz,  und 

1514,  21.  Juli,  ebenda  —  die  Bäcker  und  Bäckerknechte 
zu  Oberwölz  verkünden  ihren  Handwerksgenossen,  dass 
sich  Andrä  Weinberger  und  Ulrich  Preynner  in  ihre 
Bruderschaft  aufnehmen  Hessen.  Zwei  Orig.  Pgmte.,  das 
ältere  zeigt  Spuren  eines  aufgedrückt  gewesenen  Sie- 
gels, am  jüngeren  ist  das  Siegel  erhalten. 

1489.  1543,  3.  JuU,  o.  0.  —  Hans  Khamrer  zu  Khrumeckh 
verkauft  dem  Michael  Prantl,  Bürger  zu  Oberwölz  ein 
Grundstück  daselbst.  Sigler:  Peter  Schwinger,  Stadt- 
richter, Hans  Oeller  am  Püchl,  Zechmeister  der  St  Mar- 
tinskirche in  Oberwölz.  Orig.  Pgmt,  2  hgde.  S.,  beide 
beschädigt 

1490.  1602,  29.  April,  0.  O.  —  Georg  Grienauer,  Rathsbürger 


—    LI    ~ 

zu  Oberwölz  beurkundet  seine  Verehelichung  mit  Jung- 
frau Agnes  Gotfridt  Mitsiegler:  Vincenz  HoflFer,  Stadt- 
richter zu  Oberwölz.  Orig.  Pgmt,  zwei  hgde.  S.  ifehlen. 

1491.  1611,  25.  Juli,  0.  0.  —  Anna  Freiin  zu  Teuflfenbach, 
Frau  zu  Murau,  gebome  Neuman  von  Wasserleonburg, 
verkauft  dem  Bürger  Willibald  Monetschein  zu  Murau 
das  Burgrecht  auf  dem  wäUischen  Streckhammer  an 
der  Kanten  nebst  zugehörigen  Gründen.  Einfache  Ab- 
schrift 

1492.  1635,  22.  Juli,  Frauenburg.  —  Wolf  Herr  von  Stuben- 
berg Erbschenk  in  Steyer,  kais.  Rath  und  Kämmerer, 
belehnt  seinen  Pfleger  Andrä  Geyer  für  sich  und  seine 
Ehefrau  Katharina,  geb.  Muehrer,  mit  der  sogenannten 
Bauemfeind-Hube  zu  Mainhardsdorf  in  der  Lackhen  bei 
Oberwölz  und  anderen  benannten  Stücken.  Emfache 
Papierabschrift. 

1493.  1649,  16.  December,  Graz.  —  Die  Zechmeister  des 
Leinweber-Handwerks  in  Graz  gestatten  den  Leinen- 
webem  in  Oberwölz,  sich  der  von  ersteren  errichteten, 
vom  Kaiser  Ferdinand  KT.  ddo.  Wien,  21.  Juli  1649 
bestätigten  Zunft-  und  Handwerksordnung  zu  unter- 
werfen und  stellen  die  letztere  wörtlich  ihrer  Bewilli- 
gung voran.  Orig.-Pgmt  in  Buchform,  1  hgd.  S. 

1494.  1651,  26.  Februar,  Oberwölz.  —  Mathias  Luegj,  Bürger 
und  Fleischhauer  zu  Oberwölz  spricht  den  Andreas 
Gressing  zum  Gesellen.  Orig.  Pgmt,  3  hgd.  S.,  abge- 
rissen. 

1495.  1651,  20.  September,  Friesach.  —  Dr.  Nicolaus  Battaglia, 
Propst  zu  Friesach  und  Erzpriester  in  ünterkämten, 
und  Michael  Zauchenperger,  Salzburg.  Vicedomamts- 
Verwalter  in  Friesach,  verkaufen  als  verordnete  Inspec- 
toren  des  Collegiatstiftes  St  Bartholomä  in  Friesach, 
dem  Bürger  und  Handeismanne  Georg  Mayer  zu  Murau 
zwei  Zehente  in  der  Pfarre  St.  Georgen  ob  Murau. 
Vidim.  Papier-Abschr. 

1496.  1676,  12.  October,  Zeiring.  —  Thomas  Langanger, 
Stift  Admont'scher  Verwalter  und  Zehentbestandmann 
des  Gutes  Mainhardsdorf  bei  Oberwölz,  überträgt  dem 
Benedictinerstifte  Admont  das  Eigenthums-,  Yogtei-  und 
Patronatsrecht  über  die  von  ihm  erbaute  Kapelle  Maria- 
Altötting  in  Winklem.  Einf.  Pap.-Abschr 

1497.  1696 — 1700.  —  Drei  Regierungsdecrete  an  und  ein 
Gesuch  von  den  Bäckern  und  Müllern  in  Oberwölz  in 
Zunftsachen.  Orig.  und  Abschr. 


—    LH     «- 

1498.  1706,  7.  Juli,  Graz.  —  Die  Zechmeister  des  Leinweber- 
Handwerks  in  Graz  iheilen  den  verbundenen  Lein- 
webern in  Oberwölz,  die  den  ersteren  vom  Kaiser  Josef  L 
ddo.  Wien  9.  November  1705  bestätigte  Handwerks- 
ordnung in  extenso  mit.  Orig.  Pgmt  in  Buchform,  1  hgd.  S. 

1499.  1709,  20.  November,  Graz.  —  Die  Hauptlade  des  Mül- 
lerhandwerkes in  Graz  übermittelt  dem  Müllerhand- 
werk der  Stadt  Oberwölz  ein  Transumpt  der  den 
ersteren  vom  Erzherzoge  Ferdinand  von  Innerösterreich 
ddo.  Graz  1.  November  1608  ertheflten,  20  Artikel 
umfassenden  Handwerksordnung.  Orig.*Pap.  in  Buchform 
mit  Pergamenteinband  und  2  hgd.  S. 

1500.  1710—1740.  Zehn  Stück  Kaufrechtsbriefe  von  den 
Zechpröpsten  der  Kirchen  St  Martin  und  St  Sigismund 
in  Oberwölz  an  Unterthanen  der  beiden  Gotteshäuser. 
Orig.  Pap,  mit  aufgedr.  Petschaften. 

1501.  1716,  20.  Juli,  Murau.  —  Adam  Franz  Fürst  zu  Schwär- 
zenberg  belehnt  die  Freifrau  Sabina  Theresia  Putterer, 
geb.  Freiin  Weisersheim,  Witwe  nach  Franz  Josef  Frei- 
herm  Putterer,  als  Notgerhabin  ihres  minderjährigen 
Sohnes  Franz  Gottlieb  Freiherm  Putterer  mit  einer 
Hube  am  Pichel  bei  Schöder.  Orig.  Pgmt   1   hgd.  S. 

1502.  1720,  17.  Juli,  Murau.  —  Franz  Sigmund  von  Monsperg, 
Kathsbürger  und  Handelsherr  zu  Murau,  beurkundet, 
dass  ihm  sein  Bruder  Carl  Anton  von  Monsperg  als 
Universalerbe  der  von  ihrem  Vater  Johann  Wilhelm 
von  Monsperg  hinterlassenen  Hammerwerke  zu  Murau 
und  Fresen,  seinen  mütterlichen  und  väterlichen  Erbs- 
antheil  völlig  bezahlt  bat,  unter  seinem  und  dem  Siegel 
der  Stadt  Murau.  Vidim.  Pap.-Abschr. 

1503.  1724,  28.  März,  Graz.  —  Kaiser  Carl  YL  dehnt  durch 
den  innerösterr.  geheimen  Rath  die  den  Leinwebern 
in  Graz  ddo.  Wien  26.  October  1712  ertheilte  Zunft- 
und  Handwerksordnung  auch  auf  die  Leinweber  der 
Stadt  Oberwölz  aus.  Orig.-Pgmt  in  Buchform  gebimden 
mit  1  hgd.  S. 

1504.  1725,  15.  September,  Murau.  —  Kaufvertrag  zwischen 
Herrn  Johann  Rudolf  Egger,  Rathsbürger,  kais.  Kammer- 
gutsbeförderer und  Hammerherm  zu  Murau  an  der 
Ranten  als  Verkäufer,  und  dem  Herrn  Carl  Anton  von 
Monsperg,  kais.  Kammergutsbeförderer  und  Hammer- 
herm an  der  Fresen  und  Murau  als  Käufer  des  an  der 
Ranten  ausser  Murau  liegenden  Wälschhammers  sammt 
Haramerhaus,  Garten,   den  anstossenden  Gründen,   des 


—    LHI    — 

Hauses  zu  Murau  am  Erchtagplatz  sammt  Stadel  und 
Garten  etc.  Eaufschilling  2400  fl.  Zeugen :  Johann  Mi- 
chael Fundo,  Verwalter  der  Herrschaften  Gstatt  und 
Strechau,  Franz  Leopold  Winkhler,  Schwarzenberg'scher 
Eisenverweser,  Franz  Michael  Kolb  und  Franz  Anton 
Steyerer  zu  Murau. 

1505.  1746,  3.  December,  Graz.  —  Die  Zechmeister  der  Lein- 
weber von  Graz  theilen  der  verbundenen  Weberknap- 
penschaft in  Oberwölz,  das  von  der  Königin  Maria 
Theresia  neu  ertheilte  Handwerks-Privilegium  ddto. 
5.  Juli  1745  in  extenso  mit.  Orig.  Pgmt  in  Buchform. 

1506.  1747,  4.  Februar,  Graz.  —  Königin  Maria  Theresia 
dehnt  durch  den  innerösterr.  geheimen  Rath  die  den 
Leinwebern  in  Graz  ddo.  Wien  5.  Juli  1745  ertheilte 
Handwerksordnung  auch  auf  die  Leinweber  der  Stadt 
Oberwölz  aus.  Orig.-Pgmt  in  Buchform,  1  hgd.  S. 

1507.  1749,  2.  Jänner,  Augsburg.  —  Josef,  Landgraf  zu 
Hessen,  Bischof  zu  Augsburg  etc.  verleiht  dem  Johann 
Peter  GarzaroU  von  Garzarolshofen  den  Hofrathscha- 
rakter.  Vid.  Abschr.,  Pap. 

1508.  1759,  12.  Jänner,  o.  0.  —  Mathias  Gottlieb  Praunseys, 
Unterthan  der  Herrschaft  Waydhofen  an  der  Ybs  und 
Zerrenhammermeister  in  der  Gross-Mendling,  verkauft 
dieses  sein  Hammerwerk  um  7000  fl.  dem  Johann 
Schröckenfuchs,  Zerrenhammermeister  zu  Hollenstein  und 
seiner  Ehefrau  Katharina ;  zugleich  Uebergabs-Inventar. 
Orig.  Pap. 

1509.  1769,  22.  April,  ünzmarkt.  —  Kasper  Anton  Welz  und 
seine  Gattin  Maria  Josefa,  geb.  von  Garzarolli,  ver- 
schreiben sich  gegenseitig  ihr  ganzes  Vermögen,  sollten 
sie  jedoch  mit  Kindern  gesegnet  werden,  so  habe  diese 
Verschreibung  nur  auf  die  eine  Hälfte  ihres  Besitzes 
Bezug,  die  andere  gehöre  den  Kindern.  Sigler:  Carl 
Philipp  Rauch,  Landger.-Verwalter  in  Frauenburg  und 
Johann  Josef  Egger,  Syndicus  in  Unzmarkt  —  Zwei 
abgesonderte  Urkunden,  erstere  in  vid.  Abschr.,  letztere 
Original. 

1510.  1772,  26.  Mai,  Murau.  —  Eva  Clara,  in  erster  Ehe 
vermählt  mit  Franz  Steyrer,  nun  Witwe  nach  Carl  von 
Monsperg,  errichtet  zu  Gunsten  ihrer  Kinder  erster  Ehe : 
Franz  Steyrer  und  Elisabeth,  verehelichte  Hueber,  ihren 
letzten  Willen.  Einf.  Pap.-Abschr. 

1511.  1780,  25.  August,  Murau.  —  Fürst  Josef  zu  Schwar- 
zenberg  etc.,  gibt  den  zur  Herrschaft  Murau  gehörigen, 


—    LIV    — 

an  der  Kanten  bei  der  Brücke  gelegenen  sogenannten 
wälschen  halben  Hammer  sammt  gemauerten  Stock  und 
Garten  etc.,  wie  ihn  ehemals  Herr  Franz  Steyrer  inne 
hatte,  nun  der  Frau  Katharina  Zinner  kaufrechtsweise. 
Orig.  Pap. 

1512.  1782,  1.  Juli,  Graz.  —  Frau  Maria  Theresia  Pucher, 
geb.  Mayer,  verkauft  ihre  dem  CoUegiatstifte  in  Friesach 
dienstbaren,  um  Murau  liegenden  Zehente  für  4000  fl. 
dem  Herrn  Peregrin  Zinner.  Einf.  Pap.  Abschr. 

1513.  1787—1817.  —  28  Stück  Schulprüfungs-  und  Dienst- 
zeugnisse für  Leopold  Lucas  Müller,  geb.  zu  Bischoflak 
in  Oberkrain,  zuletzt  bis  1817  durch  vier  Jahre  bi- 
schöflich Gurk'scher  Verwalter  der  Herrschaften  Rasten- 
feld und  Mayerhofen  in  Kärnten.  Orig.  Pap. 

1514.  1803,  20.  Juni,  Murau.  —  Richter  und  Rath  der  Stadt 
Murau  verkaufen  dem  Herrn  Peregrin  Zinner,  fürstüch 
Schwarzenberg'scher    Oberverweser    in    Murau,    einen 

*  Stadel  ausserhalb  dem  Wagbrückenthor  kaufrechtsweise. 
Orig.  Pap. 

1515.  1809,  August.  —  Correspondenz  mit  dem  Hammer- 
werke Pachem,  die  Aufbringung  einer  französischen 
Kriegscontribution  betreffend. 

1516.  1850,  6.  November,  Stift  Admont.  —  Abt  Benno  und 
der  Convent  der  Benedictinerabtei  Admont  cediren  die 
ihnen  eigenthümliche  Kapelle  Maria  Altötting  in  Wink- 
lem  sammt  den  dazu  gehörigen  Gründen,  Vogtei-  und 
Patronatsrechten  und  Pflichten  in  das  Eigenthum  der 
Gemeinde  Winklem.  Einf.  Pap.  Abschr. 

1517.  1760—1828.  —  17  Stück  diverse  Schriften,  die  Lein- 
weberzunft zu  Oberwölz  betreffend. 

1518.  —  16  Urkunden  und  Acten  verschiedenen  geringfü- 
gigen Inhaltes. 

Carl  Ritter  v.  Pichl-Gamsenfels,  Gutsbesitzer  und  Bezirks- 
Correspondent  zu  Schloss  Eggenwald  bei  Radkersburg: 

1519.  1807,  12.  April,  Augsburg.  —  Lehrbrief  für  den  Lust- 
und  Blumengärtner  Johann  Georg  Adelwerg  aus  Unter- 
hausen. 0.  Perg. 

1520.  1808,  6.  December,  Marburg.  —  Intimat  des  Kreisamtes 
Marburg,  die  Vereinigung  mehrerer  Gülten  zu  einer 
Herrschaft  unter  dem  Namen  Neuweinsberg  betreffend. 
O.  Perg. 


—    LV    — 

Michael  Eundegraber,  Caplan  zu  St  Georgen  a.  d.  Stiefig n- 

1521.  1772,  26.  Juni,  Wien.  —  Kaiserin  Maria  Theresia  be- 
stätigt den  bürgerl.  Fleischhackern  zu  Marburg  die  ihnen 
1638  vom  Kaiser  Ferdinand  HL  gegebene  Handwerks- 
ordnung. Abschr. 

Frau  Johanna  P eitler,  k.  k.  Notarswitwe  und  Gutsbesitzerin 

zu  Schloss  Wildbach: 

1522.  1582,  .  .  Juni,  St  Andrä  im  Lavantthale.  —  Bischof 
Georg  V.  Seggau  und  Lavant  überlässt  seinem  Pfleger 
zu  Twimberg,  Andrä  Weiss,  zur  Belohnung  seiner  Dienste 
benannte  stiftische  Wein-,  Getreide-  und  Hirsch  zehende 
zu  St  Florian  a.  d.  Lassnitz  bestandweise  gegen  jähr- 
liche 300  Pfund  Pfen.  auf  12  Jahre.  0.  Perg. 

II.  Handschriften. 

Sämmtlich  Geschenke,  u.  z.  von  den  Hm.  Bezirkscorrespondenten : 
Johann  Krainz,  Schullehrer  in  Oberwölz: 

490.  1682—1780,  Meisterbuch  der  Bäcker  und  Müller  zu 
Oberwölz.  Pap.  in  Pgmt  geb.  4". 

491.  1683 — 1791,  Gesellen- und  Lehrjungenbuch  der  Bäcker 
und  Müller  zu  Oberwölz.  Pap.  in  Perg.  geb.  4". 

Anton  Meixner,  Kaplan  in  St  Veit  am  Vogau: 

492.  Medicinbuch,  Handschrift  von  c.  1700  des  Georg  Saupt- 
mann,  Laboranten  zu  Deutmansdorf  (aus  dem  Archive 
des  Schlosses  St  Georgen  a.  d.  Stiefing). 

493.  Das  „Paradeiss-Gspiel",  eine  Parabel,  welche  zu  Hitzen- 
dorf und  Umgebung  jährlich  (im  Fasching)  zur  Auf- 
führung kommt  Copie  eines  Manuscripts  aus  Hitzendorf. 

494.  Lieder,  Sagen,  Mythen  und  Märchen  als  Fortsetzung  der 
früheren  einschlägigen  Einsendungen  (s.  Handschr.  484). 

495.  Auszüge  aus  der  Pfarrchronik  von  St.  Georgen  a.  d. 
Stiefing,  milde  Stiftungen  betreffend. 

Carl  Ritter  v.  Pichl-  Gamsenfels,  Gutsbesitzer  zu  Schloss 

Eggenwald : 

496.  Acten  mit  genealogischen  Aufschlüssen  über  die  aus  Strass- 
burg  am  Bhein  stammende,  nach  Steiermark  eingewan- 
derte Familie  v.  Schaumberg  des  einfachen  Adelstandes. 

Frau  Josefine  Göth,  geb.  Prandstätter,  Studiendirectors -Witwe 

in  Graz: 

497.  Das  Manuscript  der  ungedruckt  gebliebenen  Topographie 
des  Grazer  Kreises  von  weiland  Director  Dr.  Georg 
Göth,  sammt  den  darauf  Bezug  nehmenden  Correspon- 
denzen  des  Verfassers.  17*/,  Pfd. 


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—    LVI    — 

498.  Ein  Zettelkatalog  von  steiennärkischen  Orts-  und  Per- 
sonennamen mit  literarischen  Verweisungen,  zusammen- 
gestellt von  t  Director  Dr.  Georg  Göth.  Circa  1850. 

Endlich  gestattete  Se.  Durchlaucht  der  Herr  k.  k.  geheime 
Rath,  General  der  Cavallerie  und  lebenslängliche  Reichsrath, 
Friedrich  Fürst  von  und  zu  Liechtenstein,  aus  seinem 
Archive  im  Schlosse  Liechtenstein  bei  Judenburg  das  für  ge- 
schichtliche Zwecke  verwendbare  auszuwählen,  was  im  Herbste 
1873  geschah  und  darauf  eine  Anzahl  von  Handschriften,  Acten 
und  Urkunden  im  Gesammtgewichte  von  22  Centnem  nach 
Graz  geliefert  wurde. 

Aus  dieser  Sendung,  zumeist  die  vordem  vereinigt  gewe- 
senen Herrschaften  Liechtenstein,  Rie^ersdorf  (Gabelkhoven) 
und  Weyer,  dann  die  Spitalsgült  heil.  Geist,  sämmtlich  in  und 
um  Judenburg  gelegen,  betreffend,  sind  hervorzuheben: 

Eine  Sammlung  aller  im  Judenburger  Kreise  und  für  den- 
selben ergangenen  Gurrenden  und  Verordnungen  der  Landes- 
und Ereisbehörden,  dann  des  Appellationsgerichtes,  die  Jahre 
1784,  85,  90,  91,  92,  95,  97,  98  1802,  6,  7,  9  bis  inclus. 
43  umfassend,  theilweise  gebimden  und  auch  hin  und  wieder 
doppelt  vorhanden. 

Urbare: 

Der  Herrschaft  Liechtenstein  vom  Jahre  1702  (Or.) 
und  ddo.  21.  Juni  1714,  Abschrift;  der  Spitalsgült  Heilig  en- 
geist in  Judenburg  von  1608  und  1666;  der  Euchel- 
aigengült  vom  Jahre  1567;  des  dem  Kloster  Seiz  gehörig 
gewesenen  Kallwangeramtes  im  Paltenthale  in  Ober- 
steier ddo.  7.  Mai  1598. 

Stiftregister,  u.  z.: 

Herrschaft  Liechtenstein  mit  105  Jahrgängen  aus 
den  Jahren  1650  - 1837. 

Hschft.  Riegersdorf,  79  Jahrgänge  aus  der  Zeit  von 
1660—1820. 

HschfL  Weyer,  74  Jahrgge.  aus  der  Zeit  von  1660—1837. 

Gült  heil.  Geist,  124  Jahrgge.  aus  der  Zeit  von  1650 
bis  1848. 

Ausserdem  mehrere  Stiftregister,  kleinere  Gülten  und  ein- 
zelne Aemter  aus  der  Umgebung  von  Judenburg  betre£fend. 

Eine  Reihe  von  Geld-  und  Naturalien-Rechnungsbüchem, 
auf  diese  Güter  bezüglich. 

300  Packete  mit  Urkunden,  Verlassabhandlungen  und  an- 
deren Acten,  Bauerngüter  der  genannten  Herrschaften  betre£fend. 

Nahezu  1 400  einzehie  Pergament-,  dann  circa  400  Papier- 


—  Lvn   - 

Urkunden,  Kauf-,  Schenkungs-,  Heirats-  oder  Schirmbriefe  flir 
XJnterthanen  der  Herrschaften  Liechtenstein,  Riegersdorf,  Weyer, 
Spielberg,  der  Spitalsgtilt  heil.  Geist,  der  Kuchelaigengült  etc., 
durchweg  Originalien,  weiters  fünf  grosse  Packete  mit  unge- 
zählten derlei  Urkunden,  Yerlassabhandlungen,  Schätzungen 
und  anderen  aus  dem  Unterthanenverhältnisse  fliessenden 
Amtshandlungen  derselben  Grundobrigkeiten  vom  16.  Jahr- 
hunderte herwärts. 

Ueber  800  Verlass-  und  Uebergabsinventare  über  Bauern- 
güter vom  16.  Jahrhunderte  herwärts. 

Mehrere  Packete  mit  Gerichtsacten  aus  dem  laufenden 
Jahrhunderte. 

Ein  Packet  mit  Acten  über  die  Greisenegg'sche  Spital- 
stiftung zum  heil.  Geist  in  Judenburg. 

Ein  Packet  über  die  Zach-,  dann  Moshardt'schen  Euchel- 
aigengülten. 

Ein  Packet  über  die  Herrschaft  Liechtenstein  aus  der 
Zeit,  als  dieselbe  die  Freiherren  von  Königsbrunn  besassen, 
1719  bis  1814. 

Ein  Packet  über  die  Herrschaft  Eiegersdorf  aus  der  Zeit 
des  Besitzes  der  zuletzt  gräflichen  Familie  Gabelkhoven,  1569 
bis  1775,  dann  der  nachfolgenden  Besitzer  bis  1814. 

Ein  Packet  über  die  Familie  der  Grafen  von  Hainrichs- 
perg*)  und  ihre  Herrschaft  Weyer. 

Ein  Packet  über  die  milden  und  frommen  Stiftungen  der 
Heinrichsperg  in  Judenburg. 

Ein  Packet  über  den  Passhammer  an  der  Pols  bei  Judenburg. 

Zwei  Handelsbücher  des  Kaufinannes  Johann  Pagge  (nach- 
mals Freih.  v,  Hainrichsperg)  in  Wien,  aus  dem  1 7.  Jahrhdte. 

Schliesslich  folgende  für  die  Local-  und  Geschlechterge- 
schichte von  Judenburg  und  Umgebung  wichtige  Urkunden: 

1421,  16.  October,  Graz.  —  Herzog  Ernst  von  Oester- 
reich  und  Steiermark  schenkt  dem  von  seinem  Kammenneister 
Hans  Greyssnegkher  gegründeten  Armenspitale  in  Judenburg 
die  ihm  von  den  Judenburger  Fleischhackem  jährUch  zu  lie- 
fernden zwei  Ochsen  im  Werthe  von  sechs  Pfd.  Pfen.  Abschr. 

1424,  26.  October,  Liechtenstein.  —  Rudolf  und  Otto  v. 
Liechtenstein  belehnen  den  Hans  Lobnynger  mit  einem  Gute 
zu  Czeltweg.  Abschr. 

1429,  9.  Juli,  0.  0.  —  Hans  Wildonier,  Bürger  zu  Juden- 

*)  Ueber  die  Grafen  v.  Hainrichsperg,  vorher  Bürger  Hainricher  in  Ju- 
denburg, siehe  unter  den  Erwerbungen  für  das  Archiv,  Mittheilungen 
XIX.  Heft  1871,  Seite  LXVII,  Nr.  1878—1382,  ebenfaUs  aus  dem 
Archive  zu  Liechtenstein. 


I 


—  Lvm  — 

bürg,  verkauft  sein  Apothekerhaus  in  Judenburg  dem  dortigen 
Bürger  Stefan  Scheller  um  32  Pfd.  Pfen.  Or. 

1430,  17.  September,  Liechtenstein.  —  Anna,  Witwe  Ru- 
dolf s,  Mutter  Leonhard's  von  Liechtenstein,  begabt  den  Andrä 
Kemer  mit  dem  Gödleynsacker  ob  Judenburg  kaufrechtsweise. 
Abschr. 

1441,  16.  April,  0.  0.  —  Heinrich  Lantschacher  verleiht 
dem  Michael  Lackner  das  Poppelgut  im  Salachgraben  bei 
Oberwölz  kaufrechtsweise.  Or. 

1445,  10.  März,  o.  0.  —  Alex,  Sohn  der  f  Sighartün  bei 
der  Murbrücke  zu  Judenburg,  verkauft  benannte  Aecker  da- 
nächst  dem  Hans  Smydel,  Bürger  zu  Judenburg.  Or. 

1455,  8.  Jänner,  o.  0.  —  Hans  Layer  zu  Strettweg  ver- 
kauft einen  Acker  im  Spitalfeld  bei  Judenburg  dem  dortigen 
Bürger,  Meister  Andrä  dem  Goltsmid,  genannt  Marchhouer.  Or. 

1458,  14.  September,  o.  0.  —  Benannte  Meister,  Gesellen 
und  Jünger  des  Schmiedehandwerks  der  St^dt  Enittelfeld  und 
Umgebung  vereinigen  sich  zu  einer  Bruderschaft.  Abschr. 

1460,  4.  Juni,  o.  0.  —  Michael  Lackner  in  SaJach  ver- 
sichert das  Heiratsgut  seiner  Ehefrau  Margaretha  auf  seiner 
Pöppelhube.  Gleichz.  PgmtschfL,  ob  Orig.? 

1489,  28.  März,  o.  0.  —  Berman  Frangkh,  Bürger  zu 
Judenburg,  verkauft  sein  Burgrecht  an  einer  Fleischbank  in 
Judenburg  dem  Cristan  Amering.    Or. 

1491,  24.  April,  0.  0.  —  Barbara  v.  Paynn,  Aebtissin  des 
Claraklosters  im  Paradeis  nächst  Judenburg,  verleiht  dem  Juden- 
burger  Bürger  Cristan  Amering  einen  Garten  in  der  Stadt 
burgrechtsweise.  Or. 

1500,  14.  Juli,  Judenburg.  —  Heinrich  Doss,  Rathsbürger 
zu  Judenburg  verkauft  seinem  Schwiegervater  Cristan  Amering, 
Rathsbürger  daselbst,  benannte  Gründe  in  der  Nähe  der  Stadt  Or. 

1502,  27.  Februar,  o.  0.  —  Der  Zechmeister  der  Niklas- 
Pfarrkirche  zu  Judenburg,  Rathsbürger  Cristan  Hatzes,  begabt 
den  Rathsbürger  Cristan  Emering  mit  dem  Burgrechte  auf  zwei 
Krautgärten  bei  der  Stadt   Or. 

1509,  28.  Februar,  o.  0.  —  Die  Kinder  und  Erben  nach 
dem  i  Ciistan  Emering  beurkunden,  dass  ihnen  die  Witwe 
ihres  Vaters  resp.  Schwiegervaters,  Frau  Mai^areth,  das  ge- 
sammte  väteriiche  Hab'  und  Gut  völlig  abgetreten  hat   Or. 

1 509,  9.  März,  o.  0.  —  Die  Kinder  des  t  Cristan  Eme- 
ring überantworten  ihrer  nun  verwitweten  Mutter,  Frau  Mar- 
gareth,  einen  Stadl  und  Baumgarten  nächst  der  Stadt   Or. 

1512,  10.  März,  o.  0.  —  Appolonia,  des  y  Judenburger 
Rathsbürgers  Cristan  Aemering  Tochter,  nun  des  Andrä  Freydl, 


—    LIX    — 

Bürgers  zu  Wolfeberg  Hausfrau,  quittirt  ihrem  Bruder  Ruprecht 
Amering  den  Empfang-  ihres  väterlichen  Erbes.  Or. 

1514,  13.  November,  o.  0.  —  Cristan  Weyland,  Bürger 
zu  Yillach  und  seine  Hausfrau  Ursula,  des  f  Cristan  Amering 
zu  Judenburg  Tochter,  vereinbaren  sich  hinsichtlich  ihres  väter- 
lichen Erbtheiles  mit  ihrem  Bruder  Ruprecht  Amering,  Bürger 
zu  Judenburg.  Or. 

1515,  3.  April,  o.  0.  —  Benedict  und  Adrian  die  Gloyacher 
verkaufen  dem  Knittelfelder  Bürger  Bemhardin  Gerolt  ihren 
frei  eigenen,  mit  1 2  Pfd.  Herrengült  beansagten  Hof  zu  Pöls- 
hofen.  Or. 

1516,  15.  Juni,  o.  0.  —  Meister  Bemhardin  Amering, 
Chorherr  und  Pfarrer  zu  St  Stefan  bei  Stainz,  Sohn  des  f 
Judenburger  Rathsbürgers  Cristan  A.,  quittirt  seinem  Bruder 
Ruprecht  A.  den  Empfang  seines  väterlichen  Erbtheiles.  Or. 

1521,  29  September,  o.  0.  —  Der  Rath  der  Stadt  Juden- 
burg tauscht  Namens   der  Nicolaus-Pfarrkirche   daselbst  mit 
•  dem  edlen  Christof  Prancker  von  Pranckh  benannte  nächst  der 
Stadt  gelegene  Grundstücke.  Or. 

*  1522,  24.  April,  o.  0.  Hans  NeydtarflF,  Bürger  zuMurau, 
verkauft  mehrere  näher  benannte  Besitzungen  zu  St  Georgen 
ob  Murau,  theils  von  dem  Landesfürsten,  theils  von  den  Liechten- 
steinern zu  Lehen,  dem  Judenb.  Bürger  Ruprecht  Embring.  Or. 

1525,  9.  Februar  und  7.  April,  o.  0.  —  Franz  Tonhauser, 
Ritter,  Hauptmann  und  Vicedom  zu  Friesach,  verleiht  auf  Be- 
fehl des  Cardinais  Matthäus  zu  Salzburg  dem  Judenburger 
Bürger  Ruprecht  Amering  zwei  Grundstücke  nächst  Vohnsdorf 
bei  Judenburg  kaufrechtsweise.  Beide  Pap.  Abschriften. 

1527,  9.  Mai,  o.  0.  —  Christof  Welzer  v.  Eberstein  d.  Aelt, 
Ritter,  verkauft  seinem  Vetter  Christof  Pranngkher  von  Prannghk 
sein  freieigenes  Haus  und  Hofmarch  in  der  Stadt  Judenburg.  Or. 

1527,  11.  Juli,  Judenburg.  —  Die  Kinder  des  Heinrich 
Toss,  welche  er  mit  seiner  f  Ehefrau  Catharina  Ambring  hatte, 
quittiren  ihrem  Vater  bei  nunmehr  erreichter  Volljährigkeit 
den  Empfang  des  ihnen  nach  ihrem  Grossvater  Cristan  Ambring 
zugefallenen  Erbes  von  171  Pfd.,  4  Schil.  Pfen.  Or. 

1531,  8.  Juni,  o.  0.  —  Ruprecht  Ambring,  Rathsbürger 
zu  Judenburg,  vertauscht  mit  dem  Kaplan  der  Johanns-Kapelle 
im  Schlosse  Liechtenstein,  Johann  Gastromair,  mehrere  benannte 
Gründe.  Or. 

1533,  ....  0.  0.  --  Meister  Leonliart  (sonst  Bemhardin 
genannt)  Ambring,  Pfarrer  zu  Judenburg,  verwechselt  mit  sei- 
nem Bruder  Ruprecht  Emering  mehrere  um  Judenburg  gele- 
gene Grundstücke.  Or. 


I 

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LX    — 


1534,  12.  October,  o.  0.  —  Die  vier  Kinder  Bach  dem 

Judenburger  RathsbUi^er  Heinrich  Toss  aus  seiner  Ehe  mit 

I  Emtraut  Retzer  verkaufen  benannte  ererbte  Grundstücke  für 

180  Pfd.  Pfenige  dem  Augustin  Körbler,  Pfleger  zu  Frauen- 
burg. Or. 

1534,   6.  September,  Judenburg.  —  Ruprecht  Emering, 
d.  z.  Bürgermeister  zu  Judenburg  überlässt  seinem  Unterthan 
Yincenz  RingshüeÜ  das  Kaufrecht  an  der  RingshüeÜhube.  Or. 
I  1539,  30.  Juni,  Gräcz.  —  Ursula,  Witwe  nach  Hans  Zeller, 

I  Bäcker  und  Bürger  zu  Graz,  nun  Ehefrau  des  Hans  Stain- 

t  perger,  Bäcker  und  Bürger  zu  Graz,  überantwortet  Namens 

l  ihrer  Zeller'schen  Kinder  zwei   dem  Grazer  Stadtpfarrer  Dr. 

Johann  Emnst  unterthänige  Weingärten  in  der  Langwiesen, 
dem  Grazer  Bürger  Hans  Kämpf  und  seiner  Schwester  Eli- 
sabeth, um  damit  die  von  ihrem  früheren  Manne  contrabirten 
Schulden  theüweise  zu  tilgen.  Or. 

1544,  10.  März,  Judenburg.  —  Hans  Aindlitzhofer,  Bürger 
zu  Judenburg,  verkauft  dem  dortigen  Bürger  Michael  Mayer 
einen  Garten  sammt  Stadl  im  Burgfried  der  Stadt   Or. 

1544,  15.  Juni,  o.  0.  —  Eustach  Branckher  v.  Pranckh 
zu  Rieckhersdorf  verkauft  seinem  Bruder  Ruprecht  Branckher 
V.  Pranckh  sein  freieigenes  Haus  sammt  Zugehör  in  der  Stadt 
Judenburg.  Or. 

1545,  14.  Jänner,  Judenburg.  —  Ruprecht  Emering  er- 
sucht brieflich  die  Herren  Georg  und  Otto  von  Liechtenstein 
zu  Murau,  ihm  das  als  Peutllehen  gegebene  Gschöllergut  zu 
St  Martin,  nun  wo  er  vom  König  Ferdinand  in  den  Adel- 
mannsstand erhoben  wurde,   als  Ritterlehen  zu  verleihen.  Or. 

1545,  3.  Juli,  Trofaiach.  —  Christof  Puchler,  Pfarrer  zu 
Trofeiach  und  Conunissär  des  Erzpriesterthumes  in  Obersteier, 
fordert  den  Pfarrer  zu  Pols  Veit  Zesar  vor  sich,  damit  er 
über  die  wegen  gemachter  Schulden  und  ausgestossener  Schmach- 
worte vom  edl  und  vesten  Ruprecht  Ambring  in  Judenburg 
wider  ihn  vorgebrachte  Klage  Rede  stehe.  Gleichz.  Pap.  Abschr. 

1554,  26.  Juni,  Judenburg.  —  Der  Gültensinhaber  am 
Pölshofe  bei  Judenburg,  Hans  Brauch  in  Judenburg,  löst  für 
750  Pfd.  Pfen.  das  Kaufrecht  an  benanntem  Hofe  von  dem 
derzeitigen  Inhaber  Georg  zu  Pölshofen  ein,  worauf  am 
29.  September  d.  J.,  Georg  Pölshofer  die  Ablösung  dieses  seines 
Kaufrechtes  durch  den  Hans  Brauch  beurkundet  Beide  Or. 

1555,  26.  November,  Judenburg.  —  Simon  Grien,  Bürger 
zu  Judenburg,  verkauft  dem  Rathsbüi^er  daselbst,  Marx  Plue- 
macher,  sein  Haus,  Mühle  etc.  am  Purbache  nächst  dem  win- 
dischen Stadtthore.  Or. 


—    LXI    — 

1558,  30.  Jänner,  o.  0.  —  Clemens  Körbler  zu  Juden- 
burg verkauft  dem  Oswald  Einpacher  am  Passhammer  imter 
Pols  seinen  mit  vier  Pfd.  Herrengült  beansagten  Hofanger  zu 
Dietersdorf.  Or. 

1559,  11.  November,  Judenburg.  —  Der  Ritter  Franzischk 
V.  Teuffenpach,  kais.  und  steierm.  landsch.  Kriegsrath  an  den 
windischen  und  croatischen  Grenzen,  beurkundet  für  sich  und 
seine  Brüder  Walthasar,  Deutschordenscomthur,  Erasmus  und 
Bemhai'd  einen  Tausch  um  mehrere  Gülten  mit  seinem  Schwager 
Ruprecht  Branckher  v.  Pranckh.  Or. 

1561,  24.  April,  o.  0.  —  Georg  Werth  begibt  sich  mit 
seinem  bisher  frei  besessenen  Acker  im  Purkfelde  ob  Pols 
unter  den  Schutz  des  Judenburger  Rathsbürgers  Hans  Brauch 
als  dessen  nunmehriger  Unterthan  und  der  letztere  schirmt 
diesem  seinem  neuen  Unterthan  seinen  Acker  ddo.  1561, 
29.  September.  Beide  Or. 

1 56 7,  23.  Mai,  o.  0.  —  Dorothea,  des  f  Judenburger  Bürgers 
Hans  Gollawitzer  Tochter,  nun  des  Judenburger  Bürgers  und 
Maurers  Josef  von  Camersee  Hausfrau,  verkauft  einen  Garten  im 
Burgfriede  der  Stadt  Judenburg  dem  Michael  Maier,  Bürger 
daselbst.  Or. 

1570,  19.  Februar,  Murau.  —  Christof  v.  Liechtenstein, 
Herr  zu  Murau,  oberster  Erbkämmerer  in  Steier  und  Land- 
marschall in  Kärnten,  als  des  Namens  der  Aelteste  und  j^  der- 
zeit regierender  Herr",  belehnt  die  vier  Söhne  des  verstor- 
benen Franz  Gapelhouer,  Wolf,  Georg,  Abraham  und  Maxi- 
milian mit  dem  Whmbler-  und  dem  Pambkircherhofe  zu  St. 
Georgen  ob  Murau.  Or. 

1573,  28.  November,  Judenburg.  —  Der  Rath  dieser 
Stadt  verkauft  Namens  der  St  Barbara-Bruderschaft  daselbst 
dem  Rathsbürger  Jacob  Mayer  einen  Krautgarten  vor  dem 
Landthore.  Or. 

1585,  31.  Jänner,  Judenburg.  —  Georg  Bernhard  Ursen- 
peckh  zu  Potschach,  Obersterblandstabelmeister  in  Steier,  über- 
läset seinen  Thorhof  bei  Judenburg  kaufrechtsweise  dem 
Georg  Salzmann,  Rathsbürger  zu  Judenburg  und  Hammer- 
meister im  Murboden  und  Pölsthal.  Or. 

1585,  17.  Juni,  o.  0.  —  Maria,  Tochter  des  f  Juden- 
burger Rathsbürgers  Hans  Brauch,  nun  Gattin  des  Grazer 
Bürgera  Christof  Lechner,  verkauft  ihrer  Schwester  Anna,  jetzt 
Hausfrau  des  Judenburger  Bürgers  Balthasar  Hainricher,  einen 
Acker.  Or. 

1589,  19.  März,  Pux.  —  Hans  Sigmund  von  Greisenegg 
zu  Eberstein  und  Homberg,  Erzherzogs  Carl  von  Oesterreich 


I 


—  Lxn  — 

Truchsess,  verkauft  seine  Güter  im  salzburgischen  Longau 
dem  Pfleger  zu  Werfen,  Christof  v.  Khuenburg  zu  Khuenegg. 
Or.  Concept 

1589,  5.  September,  o.  0.  —  Maximilian  Gablkhouer  ver- 
!  kauft  seinem  Bruder  Abraham  benannte  Gtdten.  Or. 

1591,  24.  März,  Judenburg.  —  Die  Witwe  Anna  v.  Prankh 
geb.  Zach  schenkt  ihrem  Sohne  Romanus  die  sogenannte 
Rosenegkhube  und  einen  Weingarten  im  Teufenpach.  Or. 

1592,  1.  Jänner,  Judenburg.  —  Balthasar  von  Pranckh, 
landsch.  Rittmeister  im  Viertel  Judenbui^  und  Ennsthal,  voll- 
zieht mit  seinem  Vetter  Romanus  v.  Pranckh  einen  Gülten- 
tausch. Or. 

1594,  24.  April,  Judenburg  im  Pranckh'schen  Hause.  — 
Romanus  v.  Pranckh  schenkt  seiner  Gemalin  Susanna  geb. 
TJeberacker,  anlas  sUch  ihrer  jüngst  stattgehabten  Hochzeit, 
anstatt  der  landes  gebräuchigen  ihrem  Stande  angemessenen 
goldenen  Kette  seine  Hube  am  Roseneckh.  Or. 

1595,  10.  April,  Judenburg.  —  BalÜiasar  Hainricher, 
Rathsbtirger  zu  Judenburg,  überlässt  dem  Obdacher  Bürger 
Michael  Huber  die  Rüdenleiten  bei  Obdach  kaufrechtsweise.  Or. 

1595,  18.  Juni,  Judenburg.  —  Christof  Gablkhouer  der 
Mittlere  beurkundet  seine  Verehelichung  mit  Jungfrau  Judith, 
Tochter  des  kais.  Oberhauptmannes  zu  Kreuz,  Jörg  Ambros 
Wätnickh  und  versichert  das  Heiratsgut  seiner  Frau  und  die 
etwaige  Witwenversorgung.  Or. 

1596,  4.  Mai,  Judenburg.  —  Die  Brüder  von  Pranckh 
verabreden  sich  mit  dem  Christof  Gablkhouer  dem  Aelteren 
wegen  Verkauf  ihres  Schlosses  Rieggersdorf  nächst  Judenburg. 
Kaufschilling  11.000  fl.  und  50  Ducaten.  Or. 

1596,  17.  December,  Judenburg.  —  Katharina  Haydn  geb. 
V.  Pranckh  verkauft  dem  Walthasar  Hainricher,  Rathsbürger 
und  Handelsmann  zu  Judenburg,  Hammermeister  im  Pölsthal, 
benannte  Herrengülten.  Or. 

1597,  10.  Mai,  o.  0.  —  Ursula  Schaffinann  geb.  ToDin- 
ger  verkauft  benannte  Herrengülten  dem  Walthasar  Hain- 
richer. Or. 

1597,  29.  September,  o.  0.  —  Carl  Freih.  zu  TeufFen- 
bach  auf  Offenburg  etc.  belehnt  als  Gewalts-  und  Lehensträger 
seiner  Gemalin,  Freiin  Anna,  Frau  zu  Murau,  geb.  Neuman 
V.  Wasserleonburg,  den  edl  und  vesten  Christof  Gabelkhouer 
mit  dem  zur  Herrschaft  Murau  lehenpflichtigen  Hofe  zu  Rieg- 
gersdorf an  der  Pols.  Or. 

1598,  8.  October,  o.  0.  Wühehn  Rauhenperger  zu  Han- 
feiden verkauft  mit  Einwilligung  der  Eigenthümer  des  Stiftes 


—   Lxni  — 

zum  heil.  Geist  in  Judenbiirg,  Adrian  und  Hans  Franz  Vet- 
tern y.  Greisenegg,  dann  des  gegenwärtigen  Sazinhabers  dieser 
Stiftung  AdatQ  v.  Gallenberg  zum  Gallenstein,  Erbvogtes  zu 
Münkendorf,  dem  Zeiringer  Bürger  Walthasar  Pühler  sein  Kauf- 
recht an  einem  Anger  zu  Oberwinden.  Or. 

1603,  21.  Jänner,  Graz.  —  Der  steirische  Landesver- 
weser Hans  Sigmund  Wagen  v.  Wagensperg  fordert  die  Erben 
nach  Hans  Sigmund  v.  Greissenegg  auf,  dem  Judenburger 
Rathsbürger  Georg  Salzman  eine  Forderung  von  212  fl.  zu 
bezahlen.  Or. 

1606,  12.  September,  Graz.  —  Die  steierm.  Verordneten 
überantworten  benannte  in  Folge  von  Steuerausständen  ge- 
pfändete Unterthanen  der  Spitalstiftung  zum  heU.  Geist  in 
Judenburg,  dem  Georg  Wucherer  zu  Drasendorf  satzweise.  Or. 

1607,  13.  Februar,  Graz.  —  Erzherzog  Ferdinand  von 
Oesterreich  übergibt  die  zerrüttete  Greisenegg'sche  Spitals- 
stiftung zimi  heil.  Geist  in  Judenburg  dem  JesuitencoHegium 
in  Graz  mit  der  Widmung  der  Einkünfte  für  das  Ferdinan- 
deum  daselbst  Or. 

1607,  11.  Mai,  Graz.  —  Der  steirische  Landesverweser 
Hans  Sigmund  von  Schrottenpach  überantwortet  benannte 
Gallenberg'sche  gepfändete  Gülten,  den  Brüdern  Hans,  Hör- 
man  und  Balthasar  Hainricher.  Or. 

1608,  2.  September,  Judenburg.  —  Hans  Gtebmhofer  zu 
Judenburg  verkauft  8  Pfd.  Geldes  steirischer  Herrengült  dem 
Rathsbürger  Georg  Salzmann  in  Judenburg.  Or. 

1609,  10.  Juli,  Judenburg.  —  Christof  Ruprecht  von 
Prangckh  zu  Poppendorf  verkauft  dem  Christof  Gablkhouer 
zu  Riegersdorf  einen  Unterthan  zu  Dietersdorf.  Or. 

1612,  10.  Juli,  0.  0.  —  Paul  von  Kraussnegg  Freih.  zu 
Hollnegg  und  Frauenburg,  des  verstorbenen  Kaisers  Rudolf  IL 
gewesener  Hofkanmierpräsident,  gibt  die  seiner  (wahrschein- 
lich pfandweise  innegehabten)  Herrschaft  Frauenburg  unter- 
thänige  Haselöde  am  Zizenbach  kaufrechtsweise  dem  Bartlmä 
Zizmayr.  Or. 

1616,  24.  Jänner,  Klagenfurt.  —  Freih.  Christof  David 
Ursenpeckh,  Landeshauptmann  in  Kärnten,  schenkt  seinen  mit 
6  Pfd.  steirischer  Herrengült  beansagten  Thorhof  (Schlösschen 
Heinrichsperg  bei  Judenburg)  den  Brüdern  Hans  und  Hennan 
Hainricher,  in  Anerkennung  ihrer  dem  Geschenkgeber  gelei- 
steten Dienste.  Or. 

1617,  21.  März,  Judenburg,  —  Hans  Adam  v.  Pranckh 
verkauft  dem  Judenbürger  Rathsbürger  Emreich  Salzmann  die 
Gült  an  der  Schindtierhube  in  der  Rastatt.  Or. 


—    LXIV 


1617,  12.  Mai,  Judenburg.  —  Der  Rath  der  Stadt  Juden- 
burg  gibt  Revers  über  eine  mit  300  fl.  doürte  wohlthätige 
Stiftung  der  Brüder  Hans  und  Hennan  Hainricher.  Or. 

1618,  2.  Mai,  Grosslobming.  —  Christof  Schaffman  zum 
Hemerless  und  Grosslobming  verkauft  dem  Judenburger  Bürger 
Emreich  Salzmann  seine  Gült  an  der  Wolfgerhube  in  Oberweg.  Or. 

1621,  9.  April,  Jndenburg.  —  Die  drei  Brüder  Wolf 
Adam;  Hans  Alban  und  Daniel  von  Gallenberg  zum  Gallen- 
stein, Erbvögte  zu  Minkendorf,  verkaufen,  um  die  Schulden 
ihres  Vaters  bezahlen  zu  können,  sechs  benannte  Unterthanen 
in  der  Umgebung  von  Judenburg  dem  Herman  Hainricher, 
Inhaber  der  Herrschaft  Liechtenstein.   Or. 

1621,  18.  November,  Judenburg.  —  Christof  Friedrich 
Zach  zu  Lobming  verkauft  dem  Jesuitencollegium  in  Graz 
einen  Acker  zu  Strettweg.  Or. 

1622,  16.  Juni,  Riegersdorf.  —  Maximilian  v.  Gablkhoven 
löst  benannte  um  2680  fl.  versetzte  Güter  von  seinem  Vetter 
Christof  Gablkhouer  zu  Riegersdorf  wieder  ein.  Or. 

1626,  24.  Februar,  Judenburg.  —  Hans  Jacob  Putterer 
zum  Aigen  und  auf  Liechtenstein  verkauft  mehrere  seiner 
Gülten  dem  Herman  Hainricher  von  und  auf  Hainrichsperg.  0. 

1627,  28.  Mai,  Murau.  —  Graf  Georg  Ludwig  zu  Schwar- 
zenberg,  als  nach  Ableben  seiner  Gemalin  Anna  geb.  Neumann 
V.  Wasserleonburg  in  Kraft  einer  Schenkung  Eigenthümer  der 
Herrschaft  Murau,  belehnt  den  Reichart  Gabelkhouer  mit  dem 
Hofe  zu  Rieggersdorf.  Or. 

1628,  27.  März,  Lobming.  —  Christof  Adam  von  und  zu 
Teuffenpach  auf  Massweg,  Spielberg  und  Hart  bestätigt  den 
Brüdern  Reichart  und  Franz  Christof  v.  Gablkhouen  ihr  Kauf- 
recht an  zwei  Vogteigründen.  Or. 

1628,  10.  April,  Judenburg.  —  Der  Rath  der  Stadt  Juden- 
burg beurkundet  die  Erweiterung  der  im  Jahre  1617  durch 
die  Brüder  Hans  (mittlerweile  f)  und  Herman  Hainricher  ge- 
machten Stiftung  per  300  fl.,  bis  auf  1100  fl.  durch  Herman 
von  und  auf  Hainrichsperg  und  verpflichtet  sich  zur  Einhaltung 
der  Bestimmungen  des  inserirten  Willbriefes.  Or. 

1628,  22.  September,  Judenburg.  —  Susanna,  geb.  Praun- 
falckh.  Gemahn  des  Freih.  Georg  Heinrich  von  Dietrichstein, 
verkauft  70  Pfd.  4  Seh.  7 '/.  Pfen.  Geldes  ihrer  Herrengülten 
in  Obersteier  dem  Herman  von  und  auf  Hainrichsperg.  Dabei 
das  betreffende  Urbar.  Or. 

1629,  30.  März,  Graz.  —  Freih.  Hans  Friedrich  von  und 
zu  Teuffenbach  verkauft  29  Pfd.  21  Pfen.  Geldes  Herren- 
gülten um  Judenburg  für  3164  Gulden  und  30  Ducaten  dem 


—    LXV    — 

Herman  H.  von  und  auf  Hainrichsperg.  Dabei  das  betreffende 
Urbar.  Or. 

1629,  30.  August,  Graz.  —  Kaiser  Ferdinand  II.  belehnt 
die  Brüder  Reichhardt  und  Franz  Christof  Gablkhover  mit 
einem  Fischwasser  an  der  Pols.  Or. 

1629,  30.  August,  Judenburg.  —  Philibert  Schrantz  auf 
Schranzenegg  und  Forchtenstein  verkauft  benannte  Gülten, 
Alpen  und  den  „schönen  Wald''  in  Banach  für  2240  fl.  dem 
Herman  Hainricher  von  und  auf  Hainrichsperg.  Dabei  das  be- 
zügl.  Urbar.  Or. 

1630,  28.  April,  Judenburg.  —  Sigmund  Friedrich  Zach 
zu  Grosslobming  verkauft  seine  mit  46  Pfd.  HerrengUlt  bean- 
sagte Kuchelaigengült  seinem  Vetter  Christof  Friedrich  Zach.  Or. 

1630,  20.  November,  Regensburg.  —  Kaiser  Ferdi- 
nand n.  verkündet,  dass  er  sich  das  Fischereu-echt  in  der 
Mur  von  der  Thalheimer  bis  zur  Judenburger  Brücke  als  ein 
freies  Eigenthum  angeeignet  und  dem  Burggrafen  zu  Juden- 
burg Hörman  Hainricher  die  Inspection  über  die  Fischerei 
anbefohlen  habe.  Or. 

1637,  5.  Juni,  Schloss  Weyer.  —  Bürgermeister,  Richter 
und  Rath  der  Stadt  Judenburg  reversiren  über  eine,  nach  dem 
eingeschalteten  Willbriefe  vom  gleichen  Tage,  durch  Hörman 
Hainricher  von  und  auf  Hainrichsperg  zum  Weyer,  kais.  Burg- 
grafen in  Judenburg,  zu  Gunsten  verarmter  Bürgersleute  er- 
richtete Stiftung  per  1000  fl.  Or. 

1638,  3.  September,  Judenburg.  —  Emreich  Salzman, 
Rathsbürger  in  Judenburg,  verkauft  dem  Hermann  Hainricher 
von  und  auf  Hainrichsperg  benannte  Gülten.  Or. 

1640,  12.  December,  Schloss  Weyer.  —  Der  Rath  der 
Stadt  Judenburg  gibt  über  eine  weitere,  mit  600  fl.  zu  Gun- 
sten verarmter  Bürgersleute  aus  Judenburg  dotirte  Stiftung 
des  Judenburger  Burggrafen  Hörman  Hainricher  von  und  aiä 
Hainrichsperg  Revers.  Or. 

1641,  1.  März,  Graz.  —  Hans  Ernst  der  Aeltere  Freih. 
von  Pranckh  auf  Pux,  verkauft  der  Frau  Maria  Elisabeth  von 
Pranckh  geb.  Zehetner  einen  Weingarten  zu  Neudorf.  Or. 

1642,  8.  Februar  und  1644,  1.  August,  Schloss  Weyer,  — 
Hörman  Hainricher  von  und  zum  Hainrichsperg  etc.  überlässt 
das  Kaufrecht  an  benannten  Gründen  dem  Georg  Hueber, 
derzeit  Bürgermeister  zu  Judenburg.  Beide  Or. 

1648,  18.  April,  o.  Ö.  —  Anna  Weger  geb.  Hainricher 
am  Passhammer,  verkauft  ihrem  Bruder  Hörman  Hainricher 
etc.  2  Pfd.  Herrengülten.  Or. 

1 649,  3.  Mai,  Passhof.  —  Anna  Weger,  geb.  Hainricher, 

MittheU.  d.  htot.  Yarciu  f.  Bt«lennark.  XZII.  Heft«  1814.  E 


I  ■ 


_    LXVI    — 

verkauft  dem  Hauptmanne  Mathias  Pölchinger  zu  Waschhofen 
ihr  freieigenthttmliches  Gut  Passhof  sammt  dem  Hammer,  der 
Mühle  und  Säge  etc.  für  1700  fl.  und  10  Ducaten.  Or. 

1650,  12.  April,  Judenburg.  —  Der  Rath  der  Stadt 
Judenburg  beurkundet  den  Empfang  von  500  fl.,  welche  der 
t  Judenburger  Burggraf  Hörman  Hainricher  von  und  auf  Hain- 
richsperg  zu  einem  Gottesdienste  in  der  durch  ihn  erbauten 
Capelle  bei  der  Pfarrkirche  gestiftet  hat,  welchen  Betrag  nun 
die  Schwester  und  Allodialerbin,  Frau  Salome  Pagge,  geb. 
Hainricher,  erlegte.  Or. 

1651,  17.  Juli,  Weyer.  —  Johann  Hainricher  von  und  auf 
,  Hainrichsperg  zum  Weyer,   Pagge  genannt,  kais.  Bath   und 

Burggraf  zu  Judenburg,  als  in  dem  Fideicommiss-Testamente 
ddto  28.  Jänner  1646  eingesetzter  Erbe  seines  f  Vetters 
Hörman  Hainricher  von  und  auf  Hainrichsperg  zum  Weyer, 
kais.  Burggrafen  zu  Judenburg  —  überantwortet  eine  von  dem 
letzteren  der  Barbara  Philippitsch  geb.  Pagge  (Schwester  des 
Ausstellers)  vermeinte  Hube,  der  Beschenkten.  Or. 

1652,  14.  August,  Prag.  —  Kaiser  Ferdinand  HI.  schenkt 
seinem  Rathe  und  Burggrafen  zu  Judenburg,  Johann  Hain- 
richer von  und  auf  Hainrichsperg  zu  Weyer,  Pagge  genannt, 
eine  bisher  kais.  Jagd  in  dem  Bezirke  der  Herrschaft  Weyer.  Or. 

1652,  31.  December,  o.  0.  —  Urbar  über  30  Pfd.  Her- 
rengült in  Obersteier,  welche  Frau  Sidonia  Vegelin  geb.  Mayr, 
Witwe  zu  Pichelhofen,  dem  Judenburger  Burggrafen  Johann 
v.  Hainrichsperg-Pagge  verkauft  hat  Or. 

1653,  26.  April,  Weyer.  —  Die  Bruderschaften  der  Stadt- 
pfarrkirche zu  Judenburg  vollziehen  mit  dem  Johann  von  Hain- 
richsperg einen  Gültentausch.  Or. 

1655,  19.  August,  0.  0.  —  Hans  Georg  Moser  von  imd 
zum  Münzgraben  verkauft  dem  Freih.  Zacharias  v.  Gabel- 
khoven  zu  Riegersdorf  eine  Gült.  Or. 

1657,  2.  März,  Weyer.  —  Johann  Hamricher  von  und 
auf  Hainrichsperg  etc.  begabt  die  Frau  Magdalena  Liscutin  in 
Judenburg  mit  benannten  Grundstücken.  Or. 

1657,  28.  October,  Neumarkt.  —  Wolf  Andrä  v.  Pichl, 
kais.  Einnehmer  zu  Neumarkt,  verkauft  dem  dortigen  Raths- 
bürger  Gregor  Aeckherl  benannte  Besitzungen  in  Neumarkt  Or. 

1660,  21.  December,  St  Oswald  ob  Pols.  —  Die  Zech- 
leute der  St  Wolfgangs -Bruderschaft  zu  St  Oswald  in  Ober- 
steier, verkaufen  ihre  schon  nahezu  100  Jahre  verpfändeten 
28  Pfd.  Herrengülten  dem  edlen  Johann  Paris  von  Rehlingen 
zum  Goldenstein.  Or. 

1662,  5.  November,  Passhammer.  —  Mathias  Pölchinger 


—  Lxvn  — 

am  Passhammer,   Hauptmann,   tlberlässt  dem  Sensenschmied 
Hans  Moser  ein  Haus  am  Passhammer  kaufirechtsweise.  Or. 

1665,  16.  Juni,  Schloss  Eppenstein.  —  Gregor  Ignaz  v. 
Sidenitz,  Edler  Herr  zu  Eppenstein  etc.,  und  Johann  v.  Hain- 
richsperg  etc.  verwechseln  benannte  Gülten.  Or. 

1666,  24.  März,  o.  0.  —  Reichardt  v.  Gablkhoven  zu 
Rieckersdorf  begabt  den  derzeit.  Stadtrichter  zu  Judenburg,  Adam 
Ferdinand  Felber,  mit  dem  Kaojfrechte  auf  drei  Aecker.  Or. 

1667,  27.  April,  Riegersdorf.  —  Die  Schwestern  Anna, 
Maria  und  Johanna  Margaretha  v.  Gabelkhoven  überlassen 
ihrem  Vetter  Zacharias  Freih.  v.  Gabelkhoven  ihre  Antheile 
an  dem  Gute  Riegersdorf  geschenkweise.  Or. 

1670,  20.  März,  Schloss  Weyer.  —  Der  Judenburger 
Rathsbürger  und  Maurermeister  Mathes  Leuthner,  überlässt 
sein  Kaufrecht  auf  einer  Keusche  im  Purbache  dem  Sebastian 
Rützmayr,  Flossmeister  zu  Judenburg.  Or. 

1676,  22-  Juli,  Graz.  —  Die  Witwe  Sophia  Eleonora 
Freiin  Schätzl,  geb.  Freiin  v.  Eibiswald,  verkauft  ihren  er- 
erbten Antheil  an  der  Herrschaft  PurgstaQ  der  Marie  Eleonora 
Freiin  v.  Eibiswald,  Gemalin  des  Grafen  Otto  Wilhelm  v. 
Schrottenpach,  für  6500  fl.  Or. 

1679,  22  Jänner,  Graz.  —  Sidonia  Constantia  Freün  v. 
Gabelkhoven,  geb.  Freiin  v.  Prankh,  vergleicht  sich  mit  ihren 
drei  Söhnen  Johann  Seifrid,  Georg  Christian  imd  Johann  Za- 
charias hinsichtUch  ihrer  Witwenansprüche.  Or. 

1688,  6.  Mai,  Judenburg.  —  Johann  Christof  Lischkutin, 
kais.  Hof  handelsmann  und  Tabakpächter  in  Graz,  verkauft  dem 
Fräulein  Maria  EUsabeth  Gräfin  v.  Gleispach  sein  Kaufrecht 
an  einer  Keusche  sammt  Garten  in  Judenburg.  Or. 

1690,  21.  Juni,  Graz.  -  Kaiser  Leopold  I.  belehnt  den 
Freih.  Johann  Seifried  von  Gabelkhoven  mit  einem  Fischwasser 
im  Pölsflusse.  Abschr. 

1690,  20.  September,  Graz.  —  Kaufsabrede  über  vom 
Zacharias  Freih.  v.  Gablkhoven  seinem  Bruder  Johann  Sei- 
fried verkaufte  28  Pfd.  5  Schil.  20  Pfen.  Herrengülten  in 
und  um  Neumarkt.  Or. 

1697,  20.  Jänner,  Wien.  —  Heiratsabrede  zwischen  dem 
Freih.  Johann  Seifried  v.  Gabelkhoven  und  der  Maria  The- 
resia Freiin  v.  Gienger.  Or. 

1707,  8.  April,  Riegersdorf.  —  Vertrag  zwischen  Johann 
Zacharias  und  Johann  Philipp  Anton  Freih.  v.  Gabelkhoven, 
vermöge  welchem  ersterer  dem  letzteren  das  Gut  Riegersdorf 
gegen  Vorbehalt  lebenslängUcher  Versorgung  am  Schlosse 
übergibt  Or. 


—  Lxvm  — 

1711,  27.  März,  Judenburg.  —  Johann  Sigmund  Zach 
zu  Grosslobming,  Yarrach  und  Ainödt,  verkauft  aus  seinen 
EuchehugengUlten  mehrere  Unterthanen  dem  Moriz  Anton  von 
und  zu  Mosshardt  auf  Dttmberg.  Or. 

1717,  26.  Juni,  Judenburg.  —  Urbar  über  c.  61  Pfd. 
Herrengülten,  welche  die  Witwe  des  Freih.  Raimund  v.  Reh- 
lingen  an  den  Freih.  Johann  Franz  v^  Königsbrunn  ver- 
kaufte. Or. 

1724,  1.  Juli,  Graz.  —  Johann  Filipp  Anton  Graf  von 
Gabelkhoven  verkauft  dem  Georg  Balthasar  Grafen  v.  Chri- 
stallnigg  ein  Haus  in  Elagenfurt  Or. 

1729,  27.  JSnner,  Seckau.  —  Franz  Albrecht  Zach  zu 
Grosslobming,  Yarrach  und  Ainödt,  überlässt  einen  Untorthan 
seinem  Yetter  Freih.  Moriz  Anton  von  und  zu  Mosshardt  Or. 

1730,  8.  August,  Herrschaft  liechtonstein.  —  Johann 
Franz  Freih.  v.  Königsbrunn,  Herr  auf  Liechtenstein,  verleiht 
dem  Jacob  Setznagl  die  Kollerhube  in  Niederwölz.  —  Weiters 
an  demselben  Tage  dem  Baron  Kainbach'schen  Mautheinnehmer 
zu  Zeiring  Ben^iard  Reicher  benannte  Gründe  bei  Unter- 
zeiring  kaufrechtsweise.  Beide  Or. 

1734,  31.  März,  Herrschaft  Murau.  —  Eieonora  Amalia, 
verw.  Fürstin  zu  Schwarzenberg,  geb.  Fürstin  zu  Lobkowitz, 
als  Yormünderin  ihres  Sohnes,  Erbprinzen  Josef  Adam  zu 
Schwarzenberg,  Herzogs  zu  Crumau,  belehnt  den  Grafen  Jo- 
hann Philipp  Anton  von  und  zu  Gabelkhoven  mit  dem  zur 
Herrschaft  Murau  lehenpflichtigen  Hofe  zu  Biegersdorf  an  der 
Pols,  Pfarre  Fohnsdort  Or. 

1736,  20.  August,  Weyer.  —  Die  Grafen  Carl,  Ignaz, 
Anton  und  Josef  von  und  zu  Hainrichsberg,  Herren  der  Herr- 
schaften Weyer,  Spielberg,  Rottenbach  und  Neudorf,  verleihen 
dem  Elias  Weinmeister  benannte  Wiesen  nächst  Möderbruck.  Or. 

1758,  8.  April,  Weyer.  —  Anton  Josef  Yictorin  und  Franz 
Josef  Grafen  v.  Hainrichsperg  etc.,  beide  kais.  Hofkriegsräthe, 
verleihen  dem  Herrn  Johann  Dival  und  seiner  Hausfrau  Mag- 
dalena einen  Garten  sammt  Keusche  in  Judenburg  kaufrechts- 
weise. Or. 

1762,  19.  Juni,  Marburg  und  Graz.  —  Yertrag  zwischen 
Anton  Seifried  Freih.  v.  Mosbard  und  Franz  Anton  Freih.  v. 
Königsbrunn,  vermöge  welchem  ersterer  dem  letzteren  die 
sogenannte  Kuchelaigengült  in  Obersteier  um  2500  fl.  ver- 
kauft;. Or. 


—     LXIX 


O*  Für  cito  Kunst-  und  A.ltert1iiims-Sainiii1un|2f. 

1122.  Porträtbild  des  steierm.  Dichters  Johann  Georg  Fel- 
linger.  Gekauft. 

1123.  Vierzehn  Stück  Münzen  aus  der  Römerzeit.  Geschenk 
des  Herrn  Adolf  E  o  f  1  e  r,  k.  k.  Hofweinlieferanten  und 
Bealitätenbesitzers  in  Pettau. 

1124.  Ein  Richtschwert  der  ehemaligen  Herrschaft  Eothenfels. 
Geschenk  des  Herrn  Schullehrers  Johann  Krainz  in 
Oberwölz. 

1125.  Zwei  kleine  Silbermünzen  auf  die  dem  Kaiser  Fer- 
dinand I.  1837  dargebrachte  Huldigung  in  Siebenbürgen 
und  die  1838  stattgehabte  Krönung  in  Mailand.  Geschenk 
des  Herrn  Franz  Tiefenbacher,  pens.  k.  k.  Finanz- 
beamten in  Fehring. 

1126.  a)  Zwei  Holzversteinerungen  von  Eichen-  und  Erlenholz, 
gefunden  1872  zu  Hochgrasnitz  in  den  windischen  Bü- 
heln; b)  eine  in  Eisen  gegossene  Miniaturbüste  des 
Kaisers  Franz  von  Oesterreich ;  c)  ein  Cameol  mit  ein- 
gravirter  Rose  und  der  im  Halbbogen  darüber  ange- 
brachten Inschrift  „LAMOIJR" ;  d)  20  Stück  verschie- 
dene Siegelstöcke  und  Petschafte.  Geschenke  des  Herrn 
Anton  Meixner,  Caplans  in  St.  Veit  am  Yogau. 


Beriehligong. 

In  der  Üebersicht  der  Einnahineii  und  Ausgaben  für  das  Jahr  1873, 
S.  XXXIV  und  XXXY  wurden  bei  den  Ausgaben  für  Publicationen,  die 
Ziffern  der  Summe  Terwechselt;  letztere  ergibt  sich  bei  Addition  der 
einzelnen  Posten  mit  1454  fl.  12  kr.,  die  Totalsumme  der  Ausgaben  dann 
mit  2347  fl.  84  kr. 


\ 


B. 


Abhandlungen. 


—     3     — 


Die  Verkehrsbezieliunpn  der  Stadt  Leoben 

zu  den 

westlichen  Alpenländern 

vom  10.  bis  zum  19.  Jahrhunderte.' 

Von 

Dr.  H.  J.  Bidermetnn. 


Yieljähriger  Aufenthalt  in  Tirol  hat  mir  Gelegenheit 
verschafft,  in  dortigen  Archiven  nach  Spuren  der  Handelsbe- 
ziehungen zu  forschen,  welche  zwischen  Steiermark  und  den 
westlichen  Alpenländern  in  früheren  Jahrhunderten  bestanden. 
Den  Antrieb  zu  dieser  Nachforschung  empfing  ich  durch  die 
Erinnerung  an  das  Land,  in  dem  ich  nun  wieder  lebe  und  das 
ich  zuerst  als  Student,  dann  wieder  während  der  Mussestunden 
meines  lehramtlichen  Tirociniums  kennen  und  schätzen  gelernt 
hatte.  So  oft  mir  bei  meinen  tirolischen  Archivstudien  auf 
Steiermark  Bezügliches  unterkam,  notirte  ich  es  mir,  ohne  seiner 
Verwendung  sicher  oder  auch  nur  darüber  mit  mir  selber  im 
Klaren  zu  sein.  Dieser  YorUebe  verdanke  ich  die  Möglichkeit, 
heute  der  Stadt  zu  Ehren,  in  welcher  der  historische  Verein 
für  Steiermark  seine  erste  Wanderversammlung  abhält,  aus 
fernab  liegenden  QueUen  Geschöpftes  als  Tribut,  den  die  Wissen- 
schaft ihrer  Vergangenheit  zollt,  zu  verkünden.*) 

Mein  Bericht  hat,  wie  sich  bei  Leoben  von  selbst  ver- 
steht, zumeist  das  Eisen  zum  Gegenstatid. 

Das  Eisen  ist  der  unentbehrliche  Behelf,  mit  dessen  Hilfe  die 


*  Nachstehendes  wurde  mit  üebergehung  von  Einzelnheiten  in  der 
Sitzung  des  historischen  Vereines  für  Sieiermark,  welche  dieser  im 
October  1878  (anlässlich  seiner  ersten  Wanderversammlung)  in 
Leoben  hielt,  vorgetragen. 


MltthaU.  d.  hM.  Yerciiu  f.  Steleraartc.  XXU.  Heft,  1874. 


—     4     — 

Menschheit  das  Gebäude  ihrer  heutigen  Civilisation,  Künste  und 
Wissenschaften  nicht  ausgenommen,  aufgebaut  hat  und  wo- 
durch sie  dasselbe  erhält;  es  ist  das  wirksamste  Mittel,  rohe 
Völker  ftlr  die  Segnungen  der  Kultur  empfänglich  zu  machen 
und  zwar  nicht  sowohl  durch  gewaltthätige  Anwendung,  als  viel- 
mehr durch  Hintanhaltung  der  beständigen  Noth, 
mit  der  solche  Völker,  so  lange  ihnen  der  Gebrauch  des  Ei- 
sens versagt  ist,  ringen,  welcher  Kampf  eben  ihre  Rohheit  be- 
dingt; es  vermittelt  die  Verkörperung  von  Gedanken,  die  im 
Kriege  wie  im  Frieden  von  der  grössten  Tragweite,  ja  epoche- 
machend sind;  es  fixirt  Erfindungen  (und  ist  deren  Träger), 
ohne  welche  die  Welt  zur  Stunde  kaum  halb  so  mächtig,  kaum 
halb  so  reich  wäre,  als  sie  ist;  sein  Verbrauch  gibt  einen 
Gradmesser  für  das  wirthschaftliche  Gedeihen  der  Völker  ab ; 
seme  Hervorbringung  überragt  an  Bedeutung  die  jedes  anderen 
Metalles  (schon  als  deren  natürliche  Voraussetzung  und  vennöge 
der  grossen  Anzahl  Menschen,  welche  sie  beschäftiget);  der 
Handel  damit  kommt  sonach  Bedürfhissen  entgegen,  welche  zu 
den  wichtigsten  nicht  nur,  sondern  auch  zu  den  edelsten  zählen, 
nach  deren  Befriedigung  die  Menschheit  sich  sehnt  ^). 

Eine  Stadt,  welcher  gerade  dieser  Handel  zu  einer  Be- 
rühmtheit verhalf,  wie  wenige  Handelsplätze  in  der  Vorzeit 
sie  genossen,  darf  stolz  sein  auf  diese  ihre  Stellung  im  Welt- 
verkehr und  das  Bewusstsein  davon  mag  Alle  durchdringen, 
welche  —  sei  es  als  femblickende,  scharf  calculirende  Han- 
delsherren, sei  es  als  gewissenhafte,  berufeeifrige  Ge- 
nossen und  Diener  —  das  grosse  Werk  vollbringen  oder 
deren  Voreltern  es  vollbrachten.  Nicht  minder  darf  sich  freilich 
auch  der  Berg- und  Hüttenmann  seines  massgebenden  An- 


*)  Käber  ausgeftihrt  und  mit  Beispielen  aus  der  Gheschichte  aüer  Zeiten 
belegt  Bind  diese  Gedanken  in  der  Bro schüre  des  Dr.  E.  Schweick- 
hardt:  „Das  Eisen  in  histor.  und  national-Ökonom.  Beziehung", 
Tübingen  1841.  Vgl.  auch  Prof.  Mi  schler's  Werk  über  das  deutsche 
Eisenhüttengewerbe,  die  yon  Fr.  G.  Winck  herausgegeb.  Deutsche 
Gewerbs-Zeitung,  17.  Jahrg.  (1851),  S.  255  und  Zippe's  Ge- 
schichte der  Metalle  S.  142—144. 


ML. 


—     5     — 

thefles  an  dem  Ruhme  freuen,  den  die  Stadt  Leoben  sich  erwarb. 
Ohne  i  h  n  hätte  der  hiesige  Eisenhandel  nie  erblühen  können. 
Aber  ebensowenig  hätte  ohne  diesen  Handel  er  in  Leobens 
Umgegend  ein  lohnendes  Feld  der  Thätigkeit  und  opferwillige 
Gönner  seines  geistigen  Fortschrittes  gefunden. 

Das  ist  der  —  nicht  neue  —  Standpunkt,  von  welchem 
aus  ich  den  geschichtlichen  Rückblick  wage,  der  das  soeben 
Gesagte  rechtfertigen,  mindestens  es  erläutern  und  durch  Bei- 
spiele, die  keine  Gemeinplätze  sind,  verdeutlichen  soll 


Vergegenwärtigt  man  sich  die  Gebirgsreihen,  durch  welche 
das  Innthal  von  den  Thälem  der  Mur  und  der  Enns 
geschieden  ist,  kennt  man  den  weiten  Umweg,  welchen  schwere 
Frachtfuhren  vor  der  chausseemässigen  Herstellung  der  Pass- 
thum-Strasse  einschlagen  mussten,  um  aus  diesen  beiden  Thälem 
ins  Innthal  zu  gelangen,  so  ist  man  von  Vorne  herein  gewiss 
nicht  geneigt,  einen  in  den  Beginn  der  neueren  Zeit  zurück- 
reichenden, regen  Verkehr  zwischen  jenen  Gegenden  auch 
nur  als  mögUch  vorauszusetzen.  Und  doch  bestand  ein  solcher 
im  16.  Jahrhunderte  bereits.  Er  bestand  nicht  nur  der  natürlichen 
Hindemisse  ungeachtet,  sondern  auch  trotz  den  mannigfachen 
Erschwerungen,  welche  Stappel-  und  sonstige  Vorkauferechte 
Mauthschranken  und  s.  g.  Widmungssysteme  ihm  bereiteten. 

Freilich  hinderten  derlei  Einrichtungen  nicht  allein  den 
fraglichen  Handelszug.  Der  Vertrieb  des  kärntnischen 
und  des  innerbergischen  Eisens  kämpfte  mit  den  gleichen 
Schwierigkeiten  und  die  dadurch  geschaffenen  widernatürlichen 
Verhältnisse  waren  es  eben,  welche  dem  Leobner  (oder  Vor- 
deraberger) Eisen  den  Weg  nach  Tirol  bahnten,  das  naturge- 
mäss  mit  dem  Ankaufe  dieses  Artikels  an  Kärnten  als  an  das 
unmittelbare,  durch's  Pusterthal  leicht  zugänghche  Nachbarland 
gewiesen '  war.  —  Das  kärntnische  Eisen  durfte  nämlich  bis 
zu  den  Tagen  Kaiser  Joseph's  H.  blos  in  südlicher  Richtung 
über  die  Grenzen  des  Landes  hinaus  abgesetzt  werden.  Der 
Ausgang  durch's  Pusterthal  und  auf  den  paralell  laufenden. 


—     6     — 

nach  Tirol  fahrenden  Gebii^wegen  war  ihm  so  gut  verwehrt, 
als  dem  innerbergischen  Eisen  der  Absatz  südlich,  östlich  oder 
westlich  vom  steiermärkischen  Erzberge. 

Diese  Absatzgebiete  waren  vielmehr  (mit  geringer  Aus- 
nahme) dem  Leobner  Eisen  reservirt,  das  nach  Tirol  entweder 
ttber  Aussee,  Ischl,  Salzburg,  Reichenhall  und  Wörgl,  sodann 
den  Inn  entlang  aufwärts  oder  (um  der  verbotenen  Concur- 
renz  mit  dem  kärntnischen  Eisen,  dessen  Hauptstappelplatz 
vom  15.  Jahrhundert  herwärts  St.  Veit  war,  auszuweichen) 
über  Murau,  Tamsweg,  den  Katschberg,  Gmünd,  Sachsenburg, 
Greiffenburg  und  Oberdrauburg ,  ausnahmsweise  wohl  auch 
durch's  MöUthal,  gelangte. 

Der  Ausgangspunkt  dieses  Handels  war,  wie  gesagt,  d  i  e 
Stadt  Leoben,  welche  dies  ursprünglich  allerdings  weniger 
der  Rührigkeit  ihrer  Bürger  als  vielmehr  der  Gnade  des  Lan- 
desfürsten verdankte.  Denn  durch  eine  vom  österreichischen 
Herzoge  Friedrich  HI.  getroffene  Verfügung  )  erhielt  die  Stadt 
das  Recht,  alles  in  Vordemberg  erzeugte,  für  WäUischhämmer 
geeignete  Roheisen  an  sich  zu  ziehen  und  an  die  Hammer- 
meister sowohl,  als  an  die  Eisenhändler  zu  verkaufen.  Dasselbe 
durfte  die  Strasse  über  Rottenmann  erst  dann  einschlagen, 
nachdem  die  Leobner  vom  Zwischenhandel  ihren  Gewinn  ge- 
zogen und  die  Erlaubniss  zur  Verfrachtung  in  dieser  Richtung 
ertheilt  hatten,  wo  es  blos  an  dem  in  der  Murauer  Gegend 
erzeugten  Eisen  einen  Concurrenten  hatte.  Daher  begegnen 
wir  dem  Vordernberger  Eisen  allenthalben  unter  dem 
Namen  des  Leobner.  Wenn  nun  gleich  diese  Bezeichnung 
der  Stadt  eine  Berühmtheit  verschaffte,  auf  welche  sie  vor- 
mals nur  als  privilegirte  Vermittlerin  Anspruch  hatte,  so  fiel 
ihr  doch  die  eben  erwähnte  Rolle  nicht  ohne  vorgangiges  Ver- 
dienst zu;  die  ihr  erwiesene  Gnade  der  Landesfürsten  war 
kein  unmotivirtes  Geschenk,  kein  Ausfluss  autokratischen  Be- 
liebens.   Die  Stadt  übernahm,  indem  sie  besagtes  Recht  an- 


2)  Zuschrift  an  die  von  Trofaiach  und  Vorderuberg  ddo.  Graz,  12.  Mär« 
1314.  (Abschrift  im  steierm.  Landes* Archive.) 


—     7^  — 

trat,  oder  wenigstens  bald  nachher  den  Vordemberger  Schmelz- 
werksbesitzem  gegenüber,  welche  späterhin  Badmeister  hiesseni 
gewisse  Verpflichtungen.  Die  Erfüllung  dieser  setzte  ein  nam- 
haftes Vermögen,  Pünktlichkeit  und  Umsicht  voraus.  Die  Roh- 
produzenten sollten  der  Sorge  für  den  Absatz  überhoben,  stets 
Yorschussweise  mit  hinreichendem  Betriebskapitale  versehen 
und  durch  raschen  Vertrieb  ihrer  Erzeugnisse  zu  beharrlicher 
Ergänzung  der  Vorräthe  ermuntert  werden.  Schon  das  in  die 
Leobner  Bürgerschaft  diesfalls  gesetzte  Vertrauen.beweist,  dass 
der  Begünstigung,  die  es  derselben  eintrug,  ein  achtenswerthes 
Streben  voranging,  aus  dem  der  echte  kaufmännische  Sinn  zum 
Frommen  aller  Betheiligten  sich  entwickelte. 

Es  geschah  nicht  ohne  Anwendung  dieses  Sinnes,  dass 
mit  Anfang  des  16.  Jahrhunderts  das  Leobner  Eisen 
in  Tirol  das  böhmische,  oberbaierische  und  fränkische  oder 
vielmehr  die  hieraus  verfertigten  Werkzeuge  und  Waffen  ver- 
drängte. Die  „Passbriefe*',  welche  in  den  mit  „Entbieten  und 
Bevelch''  überschriebenen  Eopeibüchem  des  tirolischen  Statt- 
halterei- Archivs  erhalten  sind,  weisen  schon  für  das  Jahr  1513 
einen  im  October  des  vorhergehenden  Jahres  von  der  tiroli- 
schen Kammer  verfügten  Bezug  von  485  Säm  Eisen  aus  Leoben 
nach.  Diese  Quantität,  in  deutschen  Gentnem  ausgedrückt  deren 
1087  Vi,  war  für's  Innsbrucker  Zeughaus,  die  dortige  „Plattne- 
rei**  (d.  h.  Hamischschmiede)  und  für  das  dortige  Hauskam- 
meramt des  Landesfürsten  bestimmt  In  späteren  Jahren  er- 
scheint auch  die  Haller  Saline  unter  den  mit  Leobner  Eisen 
bedachten  landesfürsflichen  Anstalten.  Die  bezogene  Menge 
schwankte  von  Jahr  zu  Jahr.  So  betrug  sie  1518:  280,  1521 : 
188,  1522:  143,  1523:  675  Säm.  Im  letzgenannten  Jahre 
bezifferte  sich  der  Bedarf  der  Haller  Saline  allein  auf  125 
Säm  =  312%  Ctr.  „allerlei  Eisens";  dem  Innsbrucker  Zeug- 
hause wurden  350  Ctr.  Kugehi  uad  200  Ctr.  Stabeisen  zuge- 
führt Vom  Jahre  1530  an  sank  die  Bedarfiszififer ,  alle  In- 
stitute zusammengenommen,  nicht  mehr  unter  500  Säm,  nach- 
dem sie  im  Jahre  1 528  wegen  Herstellung  einer  neuen  Pfanne 
im  Haller  Salzsudhause,   wozu  403  Säm  benöthiget  wurden, 


^  /^■'  ^ 


—     10     — 

verarbeitet  ward.  Tirol  selber  dagegen  lieferte  in  älterer 
Zeit  so  wenig  Eisenwaare,  dass  kaum  ein  paar  kleine  Bezirke 
der  Zufuhr  entbehren  konnten.  Eisenerz  ward  zwar  im  frühen 
Mittelalter  auf  dem  Berge  Malegnon  zwischen  Folgaria  und 
Vicenza,  zu  Fursill  im  Grödnerthale,  bei  Orsana  im  Sulzberge 
und  im  Unterinnthale  bei  Wattens  gegraben.  Doch  aberdauerte 
keiner  dieser  Bergbaue  das  1 5.  Jahrhundert  und  die  Ausbeute 
war  nie  eine  namhafte.  Die  an  ihre  Stelle  getretenen  Unter- 
nehmungen zu  Predazzo  im  Meimserthale  und  zu  Buchenstein, 
wo  der  Brixner  Bischof  als  Landesherr  eine  Zeit  lang  das 
nach  dem  Wappen  seiner  Kirche  Ferro  d'Agnello  benannte 
Roheisen  erzeugen  liess,  gelangten  so  wenig,  als  das  Eisen- 
bergwerk im  Thale  Primör,  womit  Kaiser  Ferdinand  I.  1550 
den  Ritter  Simon  Botsch  belehnte,  zu  nachhaltiger  Blüthe; 
das  letztgenannte  schon  desshalb  nicht,  weil  Erzherzog  Ferdi- 
nand von  Tirol,  als  er  im  Jahre  1 568  dessen  Verkauf  an  den 
Freiherm  Christof  von  Welsperg  ratificirte,  dem  neuen  Besitzer 
ausdrückUch  zur  Pflicht  machte,  das  gewonnene  Eisen  nur  nach 
Venedig  und  sonst  in's  italienische  Ausland,  überhaupt  in  Gre- 
genden  abzusetzen,  „wo  es  dem  Leobnischen  Eisen  an 
dessen  Ausgang  keinen  Schaden  bringen  mag^  ^. 

Die  landesfürstliche  Kammer  zu  Innsbruck,  auf  deren 
Antrag  ohne  Zweifel  diese  Beschränkung  verhängt  wurde,  liess 
es  auch  an  sonstiger  Rücksichtnahme  auf  die  steiermärkische 
Eisenproduction  nicht  fehlen. 

So  verwendete  sie  sich  unterm  6.  October  1597  beim 
Erzherzoge  Ferdinand,  dem  damaligen  Beherrscher  Inneröster- 
reichs, um  Nachsicht  zu  Gunsten  des  Hammerwerksbesitzers 
Wolfgang  Hertz  zu  Leoben,  damit  dessen  Hammer  von  der 
drakonischen  Unterdrückung  ausgenommen  werde,  welche  der 
Erzherzog  damals  in  Ansehung  aller  Hammerwerke  zu  Leoben 
und  5 — 6  Meilen  im  Umkreise  um  diese  Stadt  verfügt  hatte, 
um  das  von  denselben  consumirte  Holz  den  Radgewerken  zu- 


^  Bezüglich  des  hier  über  die  tirolische  Eisenindustrie  der  Vorzeit  Ge- 
sagten verweise  ich  auf  y.  See  gor's  oben  citirte  Abhandlung. 


i 


—    11    — 

zuwenden.  Aus  dem  bezüglichen  Schreiben  der  Innsbrucker 
Kanuner ')  erfahren  wir ,  dass  Hertz  seit  30  Jahren  Lieferant 
des  Bedarfes  der  Hailer  Saline  an  steiermärkischem  Eisen  war. 
Jüngst  erst  hatte  die  Kammer  den  Lieferungsvertrag  mit  ihm 
auf  weitere  5  Jahre  erneuert  und  zwar  über  ein  jährliches 
Quantum  von  700  SäUL  Der  Betrieb  der  Saline,  sagt  die 
Kammer,  käme  in  Aufliegenheit,  wenn  der  Erzherzog  das  frag- 
liche Hammerwerk  nicht  fortbestehen  hesse. 

Den  Transport  besorgte  damals  der  „oberste  Eisenhandels- 
Verwalter"  Augustin  Eyperger.  Wenige  Jahre  später,  im  April 
1603,  begegnen  wir  in  den  Acten  des  tirolischen  Statthalterei- 
Archives  der  zu  Kaufbeum  (zwischen  Augsburg  imd  Reutte  in 
Tirol)  ansässigen  Firma  „Mathias  Precheler  tmd  Mitverwandte" 
als  Vermittlerin  bei  Deckung  jenes  Bedarfes.  Die  Salinenver- 
waltung  zu  Hall  schickte  sich  eben  an,  Versuche  mit  neuen 
Sudpfannen  zu  machen,  welche  freilich  gar  kläghch  verliefen  ''), 
und  benöthigte  dazu  eine  riesige  Menge  Eisen.  Jene  Firma 
übernahm  die  Beistellung  u.  z.  „allerlei  Eisens:  kleiner  und 
grosser  Flammen,  Stabeisens,  Stahl,  Thürpleche  u.  s.  w.",  je- 
doch „allein  aus  Teutschen  Hämmern,  als  von  Rotenmann  vnd 
den  Hammerwerken  daselbst".  Noch  war  indessen  seit  dem 
Abschlüsse  des  Lieferungsvertrages  kein  Jahr  verflossen,  als 
dieselbe  bei  der  Innsbrucker  Kammer  um  eine  Aulbesserung 
der  Lieferungsbedingnisse  ansuchte,  weil  der  Preis  des  steiri- 
schen  Eisens  inzwischen  gestiegen,  auch  der  Fuhrlohn  theurer 
geworden  und  manche  andere  Auslage  gewachsen  sei,  so  dass 
die  grosse  Kapitalsanlage,  welche  in  dem  Eisenhandel  steckt, 
ihr  fast  keinen  Zinsengenuss  mehr  gewähre.  Die  Vergünsti- 
gung, welche  sie  sich  ausbat,  bestand  in  der  beim  Kaiser  zu 
erwirkenden  Erlaubniss,  zu  jeder  Linzer  Messe  den  Eisenmaga- 
zinen der  Stadt  Steyer  gegen  diejenige  Bezahlung,  welche  an- 
dere ausländische  Handelsleute  dafür  leisten,   800  Ztr.  Stahl 


T)  „MisBiven  am  Hof«  im  tirol.  Statth.-Arcli.,  Jhrg.  1697,  S.  277. 

^)  Ghmel,  Oesterr.   Geschichtsforscher,  IL  Bd,   2.  Hft,  8.  338.  Vgl. 
Guarinoni's  „Gräuel  der  Verwüstung",  S.  372. 


—     12     — 

und  Eisen  entnehmen  zu  dürfen.  Und  in  der  That  befürwortete 
die  Innsbrucker  Kammer  dieses  Anliegen '') ;  ein  Beweis,  wie 
viel  ihr  an  der  Zuhaltung  des  Vertrages  lag,  zugleich  aber 
auch  eine  Andeutung,  dass  die  Eisenhändler  der  Stadt  Leoben 
zu  Anfang  des  1 7.  Jahrhunderts  durchaus  nicht  die  alleinigen 
Gebieter  auf  dem  tirolischen  Eisenmarkte  waren,  sondern  den 
Erlös  filr  das,  was  sie  dahin  absetzten,  zum  Theile  wenigstens, 
der  Ueberlegenheit  ihrer  Concurrenz,  beziehungsweise  der 
Vortrefiflichkeit  des  Vordemberger  Eisens  verdankten. 

Weitere  Belege  hiefür  bietet  das  Innsbrucker  Stadt- 
Archiv.  Zu  meiner  nicht  geringen  (Jeberraschung  fand  ich 
dort  ein  Actenconvolut,  welches  weitläufige  Verhandlungen  über 
die  Zulassung  des  Leobner  Eisens  in  Tirol  enthält  *°). 

Damach  herrschte  hier  im  Jahre  1624  empfindlicher 
Mangel  an  brauchbarem  Eisen.  Zwar  existirte  nun  seit  Kurzem 
ein  Eisenschmelzwerk  zu  Kleinboden  am  Fusse  des  St  Pan- 
krazenberges,  unweit  Fügen,  also  nahe  am  Eingang  in's  Ziller- 
thal,  und  es  scheint,  dass  diesem  Unternehmen  zu  Liebe  da- 
mals die  Einfuhr  des  Eisens  über  die  Grenzen  Tirols  sogar 
einem  hohen  Zolle  unterlag.  Allein  gerade  in  dieser  vernunft- 
widrigen Fürsorge  lag  auch  bereits  das  Geständniss,  dass  mit 
dem  Zillerthaler  Schmelzwerke  dem  Lande  wenig  gedient  seL 
Schon  auf  dem  Landtage  vom  Jahre  1619  beschwerten  sich 
die  Stände  Tirols  über  die  Sperre  der  Eisenzufuhr  aus  Kärnten  ^  % 
womit  nicht  etwa  die  Zufuhr  kärntnischen  Eisens,  sondern 
die  des  steiermärkischen,  das  von  Murau  über  Tamsweg  und 
durch  Kärnten  ging,  gemeint  war.  Und  wenn  auch  der  « Ziller- 
thaler HandeP  die  ärarischen  Industrieanstalten  um  einen 
Gulden  per  Saum  billiger,  als  es  von  Leoben  aus  geschah,  mit 
Stahl  und  Eisen  zu  versehen  sich  erbot,  so  genügte  doch 
seine  Erzeugung  kaum  diesen,  geschweige  denn,  dass  sie  nach 


')  „Missiven  an  Hof^,  Jhrg.  1608,  S.  230. 

<<>)  Es  trägt  die  Signatur:  I.  Abth.  Nr.  872  und  begreift  auch  als  Bei- 
lage die  Nummer  464,  so  wie  den  Fascikel  872 Vt  in  sich. 

<>)  Hist  Statist  Archiv  fllr  Süddeutschland,  H.  Bd.  (1808),  S.  328. 


—     13     — 

Qualität  und  Quantität  dem  Begehr  der  Privatindustrie  des 
Landes  entsprochen  hätte.  Die  sich  mehrenden  Klagen  bewo- 
gen die  oberöster.  Regierung  zu  Innsbruck,  welche  Behörde  da- 
mals die  Landespolizei  handhabte,  mittelst  eines  unterm  1 0.  Oc- 
tober  1624  an  alle  Obrigkeiten  Tirols  gerichteten  Rundschrei- 
bens Erkundigungen  über  die  Grösse  des  Bedarfs  anLeobner 
Eisen  einzuziehen.  Vorher  schon  hatte  sie  den  Statthalter  von 
Innerösterreich  um  Aushilfe  angegangen  und  von  diesem  die 
Antwort  erhalten:  es  könne  nur  durch  Leobner  Eisen  die 
Noth  gelindert  werden.  Welche  Bedarfismengen  von  den  Obrig- 
keiten einberichtet  wurden  und  was  zunächst  verfügt  wurde, 
um  diesen  Wünschen  Rechnung  zu  tragen,  ist  mir  nicht  be- 
kannt Ich  weiss  nur  aus  anderer  Quelle,  dass  im  Vmtschgau 
der  Jammer  anhielt  ^'). 

Trat  auch  vorerst  eine  Milderung  der  Prohibitivmassregeln 
ein,  welche  das  Uebel  verschuldeten,  so  kehrte  die  Regierung 
doch  bald  wieder  zu  dieser  verfehlten  Wirthschafts  -  Politik 
zurück.  Ein  Rundschreiben  vom  9.  October  1664  verpflichtete 
alle  tirolischen  Eisenhändler,  zwei  Drittheile  ihres  Be- 
darfs beim  Zillerthaler  Eisenwerke  einzukaufen,  dessen 
Besitzer,  der  o.  ö.  Regierungsrath  Joh.  Karl  Fieger,  Freiherr  auf 
Friedberg,  erklärt  hatte,  das  Werk  auflassen  zu  müssen,  wenn 
ihm  nicht  solcher  Gestalt  unter  die  Arme  gegriffen  würde. 
Dem  wollte  sich  kein  Eisenhändler  fügen.  Die  Stände  baten 
den  Kaiser  Leopold  auf  dem  Huldigungs-Landtage  von  1665, 
Fieger's  Privatvortheil  den  Forderungen  des  Gemeinwohles 
unterzuordnen  und  Jedem,  der  Eisen  braucht,  zu  gestatten, 
dass  er  es  sich  dort  hole,  „wo  man  selbiges  am  Besten  und 
Nutzbarlichsten  bekommen  kann**  ^ ').  Der  Magistrat  der  Stadt 
Innsbruck  remonstrirte  dagegen  unterm  17.  Oktober  und 
27.  November  1665.  In  seinen  Vorstellungen  betonte  er  na- 
mentlich, dass  das  Leobner  Eisen,  gegen  dessen  Einfuhr 


<^)  Ephraim  Kofi  er,  handschfU.  Gesch.  von  Gdflan  in  der  tiroliscnen 
Musealbibliothek,  III.  h.  32. 

*')  Acten  im  Archive  der  Tiroler  Landschaft 


.rr 


—     14     — 


jenes  Mandat  die  Spitze  kehre,  trotz  der  weiten  Fracht  um 
1  fl.  40  kr.  per  Saum  billiger  zu  stehen  komme,  als  das  merk* 
lieh  schlechtere  ZDlerthaler  Product  Die  Regierung  hatte  mittler- 
weile zu  Hall  eine  Niederlage  für  letzteres  in's  Leben  gerufen, 
aus  welcher  der  Gentner  zum  Preise  von  15  fl.  40  kr.  be- 
zogen werden  konnte.  Allein  Niemand  beruhigte  sich  dabei. 
Erst  im  Wege  der  Abfindung  gewann  Fieger  Abnehmer  und 
gelangte  so  jener  Regierungsbefehl  theilweise  zum  Vollzüge. 
So  liessen  sich  Andrä  Pranger  und  Karl  Aschauer,  die  hervor- 
ragendsten Metallhändler  Tirols,  mit  Beginn  des  Jahres  1666 
herbei,  jährhch  1800—2000  Säm  Zillerthaler  Eisen  käuflich 
unter  der  Bedingung  zu  übernehmen,  dass  sie  daneben  jähr- 
lich 600 — 800  Säm  ausländisches  (das  wül  sagen:  steiermar- 
kisches) Eisen  m  Verschleiss  bringen  durften. 

Während  dies  m  Tirol  vorging,  säumten  auch  die  drei 
Vordemberger  „Eisenglieder",  wozu  die  Stadt  Leoben  als  Ver- 
leger des  Vordemberger  Eisens  gehörte,  nicht,  ihr  gekränktes 
Interesse  zu  wahren.  Doch  richteten  sie  vorerst  wenig  aus.  Der 
Konflikt  zog  sich  mehr  als  20  Jahre  lang  hin.  Als  un  Jahre 
1678  der  zu  Leoben  ansässige  Freiherr  Viktor  von  Prandtegg 
um  die  Erlaubniss  einschritt,  durch  5  Jahre  jährlich  400  Ctr. 
Leobner  Eisen  in's  Unterinnthal  zu  freiem  Verkaufe  importiren 
zu  dürfen,  ward  ihm  dies  rundweg  abgeschlagen.  Wie  wenig 
tröstlich  auch  derartige  Bescheide  für  die  steiermärkischen 
und  tirolischen  Schicksalsgenossen  lauteten,  so  gaben  doch 
diese  die  Sache,  für  die  sie  eingetreten  waren,  nicht  verloren. 
Sie  verbündeten  sich  fömdich  zu  gemeinschaftlichem  Vorgehen 
und  schickten  wiederholt  Abgeordnete  an's  kaiserhche  Hoflager, 
deren  vereinte  Bemühungen  endlich  auch  Erleichterungen  er- 
wirkten, obschon  das  fragliche  Mandat  der  Hauptsache  nach 
in  Geltung  büeb.  Und  selbst  das  Wenige,  was  sie  erreichten, 
kostete  viel.  So  verehrte  die  Stadt  Innsbruck  allein,  um  ge- 
neigtes Gehör  zu  finden,  dem  Hofrathe  der  Hofkanzlei  Adam 
Remich  300  fl.  Ein  Bedienter  des  Hofkanzlers  erhielt  6  fl. 
Ausserdem  wurden  für  ein  silbernes  „Geschirr**  auf  des  Inns- 
brucker Magistratsrathes  Schmelzel  Ordre  45  fl.  ausgelegt  und 


—     15     — 

vorher  schon  ^aren  629  19.  30  kr.  in  dieser  Angelegenheit 
aufgewendet  worden.  Der  Repräsentant  des  „Zillerthaler  Han- 
dels" hatte  eben  pfiffiger  Weise  einen  Landsmann  des  Hof- 
vicekanzlers Freiherm  von  Buccelini,  welcher  in  Verhinderung 
des  Hofkanzlers  Grafen  Strattmann  zumeist  die  Sache  in  die 
Hand  nahm,  nämlich  den  Wiener  Advokaten  Romanini  zum 
Rechtsfreund  erkoren  und  gegen  einen  solchen  Anwalt  war 
schwer  aufzukommen.  Aber  auch  die  Vertreter  der  Stadt  Inns- 
bruck, welche  sich  da  in's  Mittel  legten,  Uessen  sich  ihre  Dienste 
aus  dem  städtischen  Säckel  theuer  bezahlen.  Ein  Herr  Jakob 
Christof  Wagner  prätendirte  an  Diäten  ftir  121  Tage,  die  er 
am  kais.  Hoflager  zu  Wien,  Linz  und  Wiener-Neustadt  zu- 
brachte, 726  fl.  und  f(lr  seine  Mühewaltung  obendrein  eine 
Remuneration  von  450  fl.  nebst  einem  ^Trühele".  Im  Ganzen 
opferte  die  Stadt  diesem  Zwecke  über  2000  fl.  Um  den  Einfluss 
zu  paralisiren,  welchen  der  Zillerthaler  Repräsentant,  Peter  Täsch, 
dadurch  zu  gewinnen  suchte,  dass  er  in  der  Person  eines  Abbate 
Ferrari  einen  zweiten  (geheimen)  Agenten  am  Wiener  Hofe 
bestellte,  steckte  sich  die  Stadt  hinter  den  Hyeronimitaner-Mönch 
P.  Hyppolit  aus  Pergine,  der  als  Prediger  in  Wien  lebte. 

Tirolischer  Seits  betheiligten  sich  an  diesem  Kampfe 
für  unbehinderte  Zulassung  des  Leobner  Eisens  in  Tirol 
ausser  der  Landeshauptstadt  noch  die  Städte  Meran,  Bozen 
und  Hall,  femer  die  Landesviertel  an  der  Etsch,  Burg- 
grafenamt, Ober-  und  Unter-Innthal.  Eine  von  diesen  AUen 
unterfertigte  Eingabe  wanderte  im  Jahre  1685  nach  Wien. 
Die  Gegenpartei  schüchterte  nun  freilich  den  Einen  und  An- 
deren, der  da  als  Unterzeichner  füngirt  hatte,  dergestalt  ein, 
dass  hintendrein  Widerrufe  erfolgten.  So  stellten  ein  Schwager 
des  Zillerthaler  Repräsentanten  Peter  Täsch,  welcher  als  Ver- 
treter des  Viertels  Unterinnthal  da  mitgethan  hatte,  und  der 
Mandatar  der  Stadt  Hall,  Dr.  Paprian,  ihr  Mitwissen  nach- 
träglich in  Abrede.  Daraus  kann  auf  die  Stärke  der  Agitation 
geschlossen  werden,  welche  in  den  Bergen  Tirols  damals  des 
Leobner  Eisens  halber  stattfand. 

Die    Vordemberger  „Eisenglieder",    deren    vornehmster 


—     16     — 

Wortfllhrer  der  Gewerk  Joh.  Paul  Egger  war,  nahmen  zur 
Presse  ihre  Zuflucht  und  da  in  jener  Zeit  noch  keine  Tag- 
blätter zur  YerfQgung  standen,  liessen  sie  ihre  Erwidenmg 
auf  eine  vom  Zillerthaler  Gewerken  Fieger  am  22.  September 
1685  in  Innsbruck  producirte  Yertheidigungsschrift  unter  dem 
Titel  einer  „Information'  abgesondert  m  den  Druck  legen. 

Aus  diesen  beiden  Streitschriften  ist  zu  ersehen,  dass 
vor  dem  Jahre  1664  der  Absatz  des  Leobner  Eisens  nach 
Tirol,  dem  Allgäu,  GraubUndten  und  der  oberen 
Schweiz  jährlich  6000  bis  7000  Säm,  deren  jeder  2Vt  Ctr. 
wog,  betrug.  In  Hall  kostete  der  Centner  desselben  15— 15  Yt  fl^ 
während  das  Zillerthaler  Eisen  damals  „beim  Stockh'  d.  h. 
am  Erzeugungsorte  auf  15  fl.,  in  Hall  aber  auf  16  fl.  40  kr. 
zu  stehen  kam.  Seither  war  der  Preis  des  letzteren  fOr  die 
Haller  Niederlage  auf  1 5  fl.  herabgesetzt  worden  und  um  den 
Zwang  zur  Abnahme  weniger  gehässig  erscheinen  zu  lassen, 
lag  hier  im  Jahre  1685  ftlr  den  „gemeinen  Mann'  Leobner 
Eisen  zum  Preise  von  14 '/a  fl.  per  Ztr.  bereit,  welche 
klug  berechnete  Einrichtung  zugleich  dazu  diente,  den  Werth 
des  Leobner  Eisens  in  den  Augen  der  tirolischen  Bevöl- 
kerung immer  tiefer  herabzusetzen.  Fieger  war  mit  dem 
Aerar  dahin  übereingekommen,  dass  dieses  statt  der  Bergfrohne 
von  ihm  jährlich  Eisen  bis  zum  Werthbetrage  von  2000  fl. 
unentgeltlich  übernahm,  womit  die  Haller  Saline  und  der 
Bergwerkshandel  zu  Schwaz  dotirt  wurden.  Von  der  genannten 
Pfannhaus-Verwaltung,  vom  Controlor  des  kais.  Zeughauses  in 
Innsbruck  und  vom  Stubaier  Richter  Christof  Kapferer  brachte 
er  auch  Zeugnisse  bei,  dass  das  Zillerthaler  Eisen  besser  sei, 
als  das  Leobner.  Die  Aussage  des  Stubaier  Richters  unter- 
stützten die  Huf-  und  Sensenschmiede  dieses  gewerbsamen 
Thaies  mit  der  drastischen  Versicherung,  dass  sie  „beim 
Leobner  Eisen  nit  fortkhommen  khunten,  sondern  verderben 
miessten".  Hackenschmiede  gaben  die  gleiche  Erklärung  ab. 
Dem  entgegen  behaupteten  die  Vordemberger  in  ihrer  „Mor- 
mation"* :  das  Leobner  Eisen  sei  um  ein  Drittel  dauerhafter, 
als  das  ZiUerthaler ;  die  Haller  Salzpfannen  müssten,  seit  man 


—     17     — 

letzteres  dazu  verwende,  um  ein  Drittel  dicker  gemacht  wer- 
den, was  zur  Folge  habe,  dass  man  nun  um  ein  Drittel  mehr  Holz 
zu  ihrer  Erhitzung  benöthiget  und  die  Salzkruste  an  der  in- 
neren Kesselwand  sich  stärker  anlegt  Die  Freunde  des  Leob- 
ner  Eisens  widersprachen  auch  den  über  dessen  Theuerung 
vorgebrachten  Angaben.  Im  Nothfalle,  meinten  sie,  werde  das- 
selbe zum  Preise  von  12  fl.  pr.  Ctr.  nach  Innsbruck  gestellt 
werden  können.  Der  Hauptsitz  des  Handels  damit  war  aber  in 
Tirol  die  Stadt  Hall,  deren  Bürgermeister  Jakob  Wenzl  da- 
mals dessen  Vertrieb  sich  höcWich  angelegen  sein  liess.  Fieger 
erbUckte  in  diesem  Eaufmanne  den  vornehmsten  Gegner  seines 
Unternehmens.  Um  zu  zeigen,  wie  wenig  Beachtung  dieses 
Handelshaus  und  jedes  Seinesgleichen  verdiene,  wies  er  auf 
die  Gefahr  hin,  die  für's  ganze  Land  Tirol  entstände,  wenn 
aus  Anlass  eines  Krieges  oder  einer  Seuche  die  Zufuhr  des 
Leobner  Eisens  suspendirt  werden  müsste  und  sodann  im  In- 
nern des  Landes  kein  ergiebiges  Eisenwerk  vorhanden  wäre. 
Er  rechnete  der  Regierung  vor,  wie  viel  an  Steuern  und 
Zinsungen  sie  von  den  Zillertlialer  Eisenarbeitem,  an  Zoll  für 
Waffen  und  Sensen  von  den  durch  diese  mit  Rohmaterial  ver- 
sehenen Schmieden  des  Landes  jährUch  einnehme.  Er  vindicirte 
sich  auch  noch  viel  andere  Verdienste  um's  Aerar  und  hoffte, 
damit  am  ehesten  durchzudringen. 

Allein  die  Wiener  Centralstellen  beurtheilten  die  Sach- 
lage minder  einseitig  und  wenn  sie  auch  das  Zillerthaler  Eisen- 
werk nicht  dem  Verfalle  preisgeben  wollten,  so  nahmen  sie 
doch  auf  die  Consumenten  einigermassen  Bedacht  Eine  kais. 
EntSchliessung  vom  18.  Februar  1686  erhöhte  daher  die  Ziffer 
des  Leobner  Eisens,  das  nun  wieder  jährlich  in's  Inn-  und 
Wippthal  gebracht  werden  durfte,  auf  1500—2000  Säm. 
(Für's  Puster-  und  Etschthal  war  die  fragliche  Beschränkung 
ohnehin  nie  in  Kraft  getreten.)  Allein  die  Verlautbarung  dieses 
Zugeständnisses  verzögerte  sich  bis  zum  Hochsommer.  Die 
Stadt  Innsbruck  führte  darüber  unterm  10.  Juli  1686  Klage. 
Ihr  war  der  Entgang  des  Leobner  Eisens  so  schmerzlich  ge- 
fallen,  dass   sie   in  ihrem  Bestellungsdrange  jene  a.  h.  Ent- 

MittheU.  d.  bist  Tereins  f.  gtelanuark.  ZXU.  Heft,  1874.  2 


—     18    — 

Schliessung  gar  nicht  abwartete,  sondern  bereits  am  26.  Januar 
1686  mit  dem  Murauer  Eisenobmanne  Gressing  einen  auf 
200  Zentner  lautenden  Lieferungsvertrag  schloss.  Der  Reprä- 
sentant des  Zillerthaler  Eisenwerks  erhielt  hievon  Eenntniss 
und  veranlasste  die  Sequestrirung  von  172  Zentnern,  welche 
in  ErfÜUung  des  Vertrages  zu  Eastengstadt  abgelagert  wurden. 
Die  Stadt  beschwerte  sich  nun  neuerdings  beim  Kaiser,  der 
unterm  2.  October  1686  die  vorerwähnte  Klage  damit  er- 
ledigte, dass  er  die  tirolischen  Landesstellen  anwies,  seinen 
früheren  Befehl  zu  exequiren.  Als  Fieger  wahrnahm,  dass  er 
dies  nicht  länger  mehr  zu  hintertreiben  im  Stande  sei,  er- 
frechte er  sich,  vom  Leobner  Eisen  zu  Battenberg  im  Unter- 
innthale  eine  Mauthgebühr  von  36  kr.  per  Saimi  eigenmächtig 
einzuheben.  Ein  kaiserliches  Mandat  vom  5.  April  1687  unter- 
sagte diesen  Unfug;  doch  Fieger  kehrte  sich  nicht  an  das 
Verbot  und  beim  Schlüsse  der  Verhandlungen,  welche  in  den 
von  mir  benutzten  Innsbrucker  Stadtacten  verzeichnet  sind, 
dauerte  die  Bedrückung  des  Verkehres  durch  den  gewaltthä- 
tigen  Zillerthaler  Gewerken  fort 

Welche  Bewandtniss  es  mit  der  Zeugenschaft  der  Stubaier 
Schmiede  hatte,  auf  die  Fieger,  um  das  Leobner  Eisen  als  un- 
brauchbar hinzustellen,  sich  berief,  lehrt  ein  Gesuch  eben  dieser 
Eisenarbeiter  an  ihre  Gerichtsherrschaft  vom  Jahre  1 700,  wo- 
rin dieselben  das  Zillerthaler  Eisen  genau  so  qualifidren,  wie 
sie  früher  das  Leobner  verdächtiget  hatten.  Sie  drangen  auf 
Verbesserung  des  Rohstoffes,  weil  sonst  die  Stubaier  Waare 
allen  Credit  zu  verlieren  Gefahr  liefe. 

Ich  stiess  auf  diese  Eingabe  im  Stubaier  Gerichts- 
archive und  fand  neben  ihr  dort  eine  zweite  aus  dem  Be- 
ginne des  Jahres  1702,  in  welcher  die  Schmiede  des  Thaies 
um  die  Erlaubniss  bitten,  kärntnisches  Eisen  aus  der 
gräflich  Lodron'schen  Hütte  zu  Gmünd  beziehen  zu  dürfen. 

Inzwischen  fristete  das  Zillerthaler  Eisenwerk  seine  er- 
künstelte Existenz.  Es  bezog  die  Erze  aus  dem  gegen  den 
Inn  abdachenden  Oexlbachthale  über's  JocL  Als  das  Aerar  das 
nämliche  Spatheisensteinlager  in  Angriff  nahm  und  zu  dessen 


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j 


—     19     — 

Verwerthimg  im  Jahre  1774  das  Eisenschmelzwerk  zu  Jenbach 
in  Betrieb  setzte,  fühlte  sich  die  Meger'sche  Gewerkschaft 
dieser  einheimischen  Concurrenz  schon  gar  nicht  gewachsen. 
Sie  trat  daher  ihren  ganzen  Montanbesitz  an's  Aerar  ab,  wel- 
ches kurz  zuvor  auch  den  Pillerseer  Eisenhandel  an  sich  ge- 
kauft hatte  und  nun  eine  sehr  rationelle  Thätigkeit  entfaltete  '^). 
Diese  wurde  dem  Leobner  Eisen  bald  gefährlicher,  als  ihm  die 
von  der  Regierung  zum  Schutze  des  Zillerthaler  Werkes  er- 
griffenen Massregeln  gewesen  waren,  zu  deren  Umgehung  ge- 
wiss auch  Schmuggler  die  Hand  boten. 

Das  Eisenzeug  -  Abgabssystem  der  beiden  Haupteisen- 
kammer-Güter Inner-  und  Vordemberg  vom  25.  November  1769 
bescheert  noch  den  „Handelsfreunden^  in  Tirol  jährliche  4000  Ctr. 
Stahl,  Mock  und  grobe  Streckwaare  *').  Wenige  Jahre  später 
überstieg  auch  dieser  herabgeminderte  Ansatz  den  reelen  Be- 
darf, ungeachtet  die  alten  Beschränkungen  immer  laxer  gehand- 
habt wurden. 

Hatten  die  Eisenconsumenten  in  Tirol  früher  sich  beklagt, 
dass  sie  zum  Ankaufe  emheimischen  Eisens  gezwungen  würden, 
so  klagten  sie  nun  über  die  Kargheit,  womit  das  landesfürst- 
liche Bergwesens-Directorat  zu  Schwaz  die  bei  ihm  einlaufenden 
Bestellungen  auf  Eisen  und  Stahl  befriedigte. 

Dieser  Zurückhaltung  aDein  war  es  mehr  zu  danken,  dass 
z.  B.  die  Stubaier  Schmiede  um  das  Jahr  1785  durchschnitt- 
lich neben  500  Ctr.  tirolischen  Stahls  noch  19  Ctr.  steirischen 
und  70  Ctr.  Blech  gleichen  Ursprunges  neben  62  Ctr.  kärntni- 
schen Eisens  und  1875  Ctr.  tirolischen  Stabeisens  verarbeiteten  '  ^). 

Dafür  aber  nahm  die  Durchfuhr  steiermärkischen  Eisens 
durch  Nordtirol  damals  grosse  Dimensionen  an.  Und  damit 
gelange  ich  zur  Besprechung  der  Yerkehrsbeziehungen,  in  wel- 


<^)  An t  Fächer,  der  tirolische  k.  k.  u.  mitgewerkschaftliche  Eisen- 
handel,  im  Berg-  u.  Hüttenmännisch.  Jahrbuch  der  k.  L  Montan- 
Lehranstalt  zu  Leoben,  IV.  Band  (1854)  S.  220  ff. 

«5)  Codex  Austriacus,  VI.  Band,  S.  1226. 

i<^)  Handschriftl.  Bericht  des  Gub.-Bathes  y.  Sardagna  in  derBibl.  Tiro- 
lensis  zu  Innsbruck. 

2* 


—     20     — 

eben  insbesondere  aucb  Leoben  —  zunächst  was  das  Eisen 
anbelangt  —  zu  Südtirol  und  den  übrigen  Alpenländem 
im  Westen  stand. 

leb  will  mich  diesfalls  kurz  fassen,  nicht  blos  der  vorge- 
schrittenen Zeit  halber,  sondern  auch  wegen  der  Zerstreutheit 
der  einschlägigen  Quellen. 

Schon  in  dem  Befehlschreiben  Kaiser  Maxmilians  L  vom 
25.  Januar  1507,  womit  dieser  die  herkömmliche  Vertheilung 
des  steiermärkischen  Eisens  in  Erinnerung  brachte  ^^),  werden 
als  Absatzorte  für  das  Leobner  Eisen  das  Land  an  der 
Etsch,  Salzburg,  Baiern  und  Schwaben  bezeichnet. 
240  Jahre  später  wiederholte  Maria  Theresia  diese  Widmung  *^). 
Das  Land  an  der  £ t s  c h  erhielt  seinen  Eisenbedarf  zumeist 
auf  der  Strasse  über  Murau,  Tamsweg,  Gmünd  und  Oberdrau- 
burg.  Dieser  weite  Transport  unterlag  den  mannigfachsten  Be- 
schwernissen. Der  Abgaben  nicht  zu  gedenken,  die  davon  zu 
entrichten  waren,  war  für  ihn  die  Benützung  sogenannter  Rott- 
fuhren vorgeschrieben,  d.  h.  einer  Vorspannseinrichtung  mit 
Pferdewechsel  gegen  Bezahlung  gewisser  Taxen.  Um  dieser 
Bedrückung  auszuweichen,  schlössen  am  7.  December  1751, 
wie  ich  aus  den  Acten  des  Regierungs-Archives  zu  Klagen- 
furt weiss,  die  Eisenhändler  Dierling  und  Holzer  zu  Bozen 
Gastinger  zu  Mühlbach,  Sagmeister  zu  B r i x e n,  Oberhuber, 
und  Kranz  zu  Lienz  mit  der  Gemeinde  Oberdrauburg  einen 
Vertrag,  durch  welchen  diese  sich  verpflichtete,  das  Fuder 
Eisen  (zu  15  Ctr.)  von  Greiffenburg  in  Kärnten  bis  Lienz  um 
3  fl.  zu  liefern  und  die  Fracht  in  Drauburg  höchstens  3  Tage 
lang  liegen  zu  lassen.  Auch  gestattete  die  Gemeinde,  dass  so- 
genannte Adritura-Fuhren  zur  Weiterbeförderung  des  Eisens 
ohne  besondere  Abfindung  von  da  an  benützt  werden  duiilen. 
Das  Niederlags-  und  Rottführ-Privilegium  der  Greiffenburger 
in  Ansehung  des  ihren  Markt  passirenden  Eisens  und  Stahls 


^^)  Abschrift  im  Moshardt'schen  Mapt-Kodex  des  steierm.  Landes-ArchiTS, 
Bl.  72b  —73. 

«^)  Codex  Austriacns  V.  Bd.,  S   872. 


—     21     — 

sowie  der  Nägelldsten  datirte  aus  dem  Jahre  1454,  wo  Kaiser 
Friedrich  es  ihnen  verlieh.  So  alt,  ja  gewiss  älter  noch  war 
also  jene  Zufuhr.  Als  das  Privilegium  im  Jahre  1782  aufge- 
hoben ward,  gab  es  in  Greiffenburg  nicht  weniger  als  43  Rott- 
iühr-Gerechtsame,  deren  jede  einen  Preis  von  50  bis  100  fl. 
hatte.  Was  Salzburg  betrifiFt,  so  unterhielten  die  Leobner 
Hammermeister  im  Vereine  mit  den  meisten  Berufsgenossen 
der  oberen  Steiermark  in  der  Hauptstadt  dieses  Namens  eine 
ansehnliche  Niederlage  von  sogenanntem  „geschlagenen  Zeug'', 
deren  Rentabilität  aDerdings  mitunter  zu  wünschen  übrig  Hess. 
Kriegswirren  und  Contumaz- Anstalten  beeinträchtigten  dieselbe 
besonders  in  der  zweiten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts.  Aber 
noch  im  Jahre  1769  glaubte  man  dieser  Niederlage,  beziehungs- 
weise dem  Fürstenthume  Salzburg  920  Ctr.  Bruch-  und  Streck- 
eisen und  3080  Ctr.  Stalil,  Mock-  und  Grobeisen  zuweisen  zu 
sollen  '  ^).  Des  Eisenhandels,  der  die  S  c  h  w  e  i  z  mit  Steiermark 
verband,  wird  m  der  1793  gedruckten  „gründlichen  Vorstel- 
lung der  Beschaffenheit  des  teutschen  Gomerciiwesens"  ge- 
dacht Dort  ist  S.  24  ein  kais.  Patent  vom  6.  November  1693 
citirt,  welches  bestimmte,  dass  Eisen  und  Stahl  und  die  Sensen, 
welche  sonst  nach  der  Schweiz  importirt  zu  werden  pflegen, 
höchstens  nach  den  von  der  französischen  Grenze  entfernten 
Kantonen  gebracht  werden  dürften,  nicht  aber  nach  Basel,  Frei- 
burg, Solothum,  Genf  u.  s.  w. 

Lindau  am  Bodensee,  damals  noch  eine  unabhängige  Reichs- 
stadt, wurde  zur  Controlstätte  bestimmt  und  eine  Niederlage 
für  Waaren,  welche  dem  Feinde  beim  Kriegführen  Vorschub 
leisten  könnten,  daselbst  etablirt  Die  im  Spätherbste  des  Jahres 
1690  zu  Konstanz  am  Bodensee  für  den  Sensenhandel  aus 
Oesterreich  nach  der  Schweiz  publicirten  Sperr  -  Massregeln 
riefen  Beschwerden  in  Menge  hervor;  doch  scheint  es,  dass 
österreichischer  Seits  das  ZiUerthaler  Eisenwerk  davon  am 
meisten  betroffen  wurde.  Tieferen  Einblick  in  diese  Verkehrs- 
beziehungen gewährt   die  Correspondenz  des  Handelshauses 


>*;  Codex  Austriacus,  VI.  Bd.,  S.  1225. 


—     22     — 


„Mathias  Eöglers  Erben ^  zu  Hall  in  Tirol.  Die  mehrere  hun- 
dert Geschäftsbriefe,  welche  in  den  Anfang  des  18.  Jahrhun- 
derts zurückreichen,  umfassende  Gorrespondenz  '^)  enthält  solche 
von  den  Firmen  „Zässleins  Wittwe^  in  Basel,  „Rauschenbach", 
„H.  Ott**  in  Schaffhausen  und  „J.  H.  Frohn*'  in  Frankfurt  am 
Main,  welche  Sensen,  Sicheln  und  Stahl  zum  Gegenstande  haben. 
Insbesondere  betont  der  Frankfurter  Kaufmann  Frohn  in  einem 
Briefe  aus  dem  Jahre  1744:  er  beziehe  Sensen  und  Sicheln 
aus  Steiermark  über  Hall,  Bregenz  und  Schaffhausen,  um 
sie  nach  Genf  weiter  zu  senden. 

Waren  das  auch  nicht  ausschliesslich  Leobner  Handels- 
güter, so  befanden  sich  doch  ohne  Zweifel  solche  darunter. 

Bisher  war  vom  Eisen  die  Rede.  Damit  sind  aber  die 
älteren  Verkehrsbeziehungen  Tirols  zu  den  westlichen  Alpen- 
ländem  nicht  erschöpft 

Die  Approvisionirung  Tirols,  namentlich  der  Bergwerke 
und  grösseren  Städte,  machte  nicht  selten  Zufuhren  von  Le- 
bensmitteln nöthig,  deren  Einkauf  auch  in  der  Umgegend  von 
Leoben  stattfand.  Im  16.  Jahrhunderte  kamen  Fleischhauer 
aus  Innsbruck  und  Schwaz  regelmässig  zu  diesem  Ende  hie- 
her  imd  die  Ochsentriebe,  welche  sie  heimschickten,  kreuzten 
sich  unterwegs  mit  langen  Zügen  von  Saumthieren,  auf  deren 
Rücken  Lodenstücke,  Handschuhpäcke,  Körbe  mit  Glas  und 
Kupferrollen  ruhten.  Auch  Wachs  und  metallische  Farbstoffe 
trug  die  Gegenströmung  des  Verkehres  aus  Tirol  nach  Leoben 
oder  führte  sie  wenigstens  hier  durch. 

Und  richtet  man  den  Blick  über  den  Tausch  der  Sach- 
güter hinaus ;  fasst  man  den  Wechselverkekr  der  Personen  in's 
Auge,  so  ditogt  sich  einem  eine  kaum  zu  bewältigende  Fülle 
von  Wahrnehmungen  auf,  die  ich  dem  gegenwärtigen  Vortrage 
einzubeziehen,  selbstverständlich  verzichten  muss. 

Nur  des  Wasserbaumeisters  Hanns  Gasteiger,  des 
Kammergrafen  Anreiter  v.  Ziernfeld  und  des  Jesuiten- 


*^)  Sie  wurde  mir  durch  die  Güte  des  dennaligen  Chefs  dieses  Handels- 
hauses,  Herrn  Jos.  Christof  Feistenberger,  zugänglich. 


—     23      - 

Rectors  Gentilotti  sei  hier  gedacht^  welche  drei  aus  Tirol 
stammenden  Männer,  der  Erste  vermöge  seiner  Bauten  ^  *),  na- 
mentlich durch  den  schon  im  Jahre  1567  privilegirten  Vor- 
schlag, am  Erzberge  eine  Eisenbahn  zu  bauen,  der  Zweite  ver- 
möge seiner  Amtirung,  wie  nicht  minder  vermöge  seines  Grund- 
besitzes *')  und  der  Dritte  als  Gründer  der  nach  seinem  Orden 
benannten  Kirche  in  Leoben  ^*)  zu  dieser  Stadt  in  nähere  Be- 
ziehung getreten  sind.  Hinwider  hat  Leoben  manchen  tüchtigen 
Bergmann  an  Tirol  abgegeben  und  bis  in  die  neueste  Zeit 
herauf  währte,  durch  die  Anziehungskraft  der  Bergakademie 
begünstigt,  dieser  Wechsel. 

So  finden  wir,  wie  weit  wir  auch  umerhalb  der  Grenzen, 
die  ich  meinem  heutigen  Vortrage  steckte,  um  uns  blicken, 
allenthalben  Anknüpfungspunkte  und  Fäden,  um  daraus  ein 
Bild  der  Regsamkeit  zu  weben,  welche  ernst  die  Stadt  Leoben 
und  deren  Umgegend  mit  den  westlichen  Alpenländem  verband. 

Das  Eisen  zumal,  das  ihre  Bürger  schmieden  Hessen 
oder  als  „rauhe"  Waare  von  den  Radgewerken  erhandelten, 
um  Tiroler  Kundschaften  damit  zu  versehen,  griff  belebend  in 
jene  Wechselbeziehungen  ein.  Während  es  Einzelne  bereichem 
half,  nützte  es  noch  weit  mehr  der  Volkswirthschaft  im  All- 
gemeinen. Wie  die  daraus  gefertigten  Klammem  Bindeglieder 
im  Kleinen  sind,  so  umspannte  es  im  Grossen  räumlich  aus- 
einander liegende  Interessen.  In  Farbe  und  Kupfer  verwandelt 
kehrte  es  henn.  Als  Brechstange  und  Schlägel  bahnte  es  mensch- 
lichem Fleisse  die  Wege  in's  Innere  der  Tiroler  Berge  und  der 
reiche  materielle  Segen,  der  diesen  entströmte,  der  Au&chwung, 
der  sich  daran  knüpfte  —  sie  waren  zum  Theile  das  Resultat 


'0  Alb.  y.  Muchar,  a.  a.  0.  S.  54—66  u.  in  seinem  Aufsatze :  „Die 
ältesten  Erfindungen  und  die  frühesten  Privilegien  f&r  industrieUen 
Fleiss  in  Innerösterreich''  und  im  4.  Jhrg.  der  n.  F.  der  Steiermark. 
Zeitschrift  (1887),  2.  Hft.,  S.  11.  Gasteiger  war,  als  er  nach  Steier- 
mark kam,  Bürger  von  München,  jedoch  nicht  von  Geburt,  son- 
dern Kraft  besonderer  Verleihung  des  Bürgerrechts  an  ihn. 

s<)  Josef  Graf;  Nachrichten  über  Leoben,  Graz,  1824,  S.  118—124. 

><)  Ebenda  S.  124. 


—     24     — 


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der  Bemühungen  hiesiger  Bürger.  Wenn  die  Silberausbeute 
Tirols  im  16.  Jahrhunderte  mehr  oder  minder  den  Preisstand 
auf  allen  europäischen  Handelsplätzen  beeinflusste,  wenn  sie 
Luxusbedürfhisse  weckte,  denen  die  Möglichkeit  ihrer  Befriedi- 
gung zur  Seite  ging,  wenn  sie  solcher  Gestalt  ungezählten 
Arbeitskräften  eine  lohnende  und,  was  mehr  sagen  will,  den 
Lebensgang  rechtzeitig  fördernde  Beschäftigung  sicherte:  so 
durfte  über  all'  den  rauschenden  Wirkungen  als  eine  der  Ur- 
sachen das  steiermärkische  Eisen  nicht  vergessen  werden,  das, 
mit  dem  vaterländischen  Dichter  Karl  Gottfried  von  Leitner 
zu  reden,  „aussen  schlicht  und  innen  stark"  dieser  Bezeich- 
nung sich  da  in  Wahrheit  würdig  erwies.  Und  wenn  die  Frachter 
Tirols  mit  ihren  schwer  belasteten  Fuhrwerken  der  im  Getriebe 
des  Weltverkehres  ihnen  zugefallenen  Aufgabe  nachgingen,  wenn 
der  dortige  Bauer,  hinter  seinem  beschlagenen  Pfluge  einher- 
schreitend,  die  Erdschollen  wendete,  welche  ihn  nähren  sollten, 
wenn  er,  seine  Wiesen  mähend,  der  Viehzucht  oblag:  dann 
hatte  abermals  Leobner  Eisen  seinen  Antheil  daran. 

Wenn  die  Haller  Saline  Ueberschüsse  an  Salz  producirte, 
welche  einen  Ausfuhrartikel  nach  der  Schweiz  bildeten  und  zu 
einem  lebhaften  Stichhandel  mit  vorarlbergischen  Milchproducten 
Anlass  gaben,  wenn  demzufolge  das  ferne  Oberinnthal  seme 
stiefmütterliche  Ausstattung  mit  Nahrungsquellen  leichter  ver- 
schmerzte, die  Schweizer  Viehzucht  blühte  und  der  Gütertrans- 
port in  jener  Richtung  durch  gesicherte  Rückfracht  erleichtert 
ward,  vollzog  sich  damit  nur  eine  Metamorphose,  deren  Kern 
das  Leobner  Wappen  trug. 

Und  mit  dem  gleichen  Rechte  kann  der  Schauplatz  sol- 
chen Ineinandergreifens  von  Ursache  und  Wirkung  in  dem  ge- 
gebenen Falle  nach  den  Kantonen  der  Schweiz,  in's  salzbur- 
gische Gebirgsland  und  an's  nördliche  Gestade  des  Bodensees 
verlegt  worden. 

Ueber  der  Grossartigkeit  der  Rundschau,  die  sich  uns  da 
öfihet,  mögen  die  Schatten,  welche  seinerzeit  die  monopolistische 
Stellung  der  Leobner  Bürgerschaft  warf,  wie  die  Flecken  an 
der  Sonne  hier  unbeachtet  bleiben.  Sie  waren  auch  nicht  so 


—     25     — 

dunkel,  als  ihr  Reflex  auf  der  Netzbaut  gewisser  Theoretiker 
welche  in  schrankenloser  Bewegung  das  einzige  Heil  der  Volks- 
wirthschaft  erblicken  und  an  alle  Culturstufen  den  gleichen 
Maasstab  legen. 

Sei  dem  übrigens  wie  immer;  —  dass  die  geistige  Ein- 
kehr bei  den  Boten  der  Vergangenheit  nicht  blos  Staub  auf- 
wirbelt, sondern  auch  erfrischend  wirken  kann,  glaube  ich  ge- 
zeigt zu  haben.  Es  ist  das  ein  Verdienst  des  Stoffes  und  nicht 
dessen,  der  sich  dafür  begeistert.  Derartige  Schätze  zu 
heben,  soll  Niemand  sich  gereuen  lassen,  dem 
sie  zugänglich  sind;  am  wenigsten  Derjenige, 
der  sie  selber  verwahrt,  etwa  gar  sein  Eigen 
nennt 

Die  Umgegend  von  Leoben  birgt  sicherlich  noch  manchen 
Urkundenschatz,  wozu  nicht  blos  steife  Pergamentblätter  ge- 
hören. Die  meisten  Gewerksinhaber,  deren  Familien  in  die  Ge- 
schichte des  Vordemberger  Eisenwesens  verflochten  sind,  dürf- 
ten unter  ihren  Privatpapieren  Aufzeichnungen  von  allgemeinem 
Interesse  bei  sich  versperrt  halten.  Und  manche  Gemeindetruhe, 
mancher  alte  Kanzleikasten  strotzt  vielleicht  noch  von  derar- 
tigem Inhalte.  Alte  Rechnungen,  Correspondenzen,  Tagbücher 
und  was  dergleichen  anschemend  unwichtige  Schriften  mehr 
sind,  verdienen  dem  Stillleben,  welchem  sie  als  Staffage  dienen, 
entrissen  zu  werden;  sei  es  nun  dadurch,  dass  der  Besitzer 
selber  sie  zu  einer  geschichtlichen  Skizze  verarbeitet  und  sein 
Elaborat  dem  historischen  Vereinig  zur  Verfügung  stellt,  oder 
dass  er  die  ihn  daheim  höchstens  belästigenden  Papiere  dem 
Landesarchiv  zur  Einverleibung  anbietet,  wobei 
er  nicht  nur  in  Bezug  auf  Familiengeheimnisse  der  grössten 
Discretion  versichert  sein  kann,  sondern  auch  eine  bessere 
Unterbringung  erzielt 

Einzelner  löblicher  Anläufe  ungeachtet  kam  noch  immer 
keine  Gesammtdarstellung  der  Geschichte  des  steiermärkischen 
Eisenwesens  zu  Stande.  Mein  heutiger  Beitrag  füllt  nicht  so- 
wohl eine  Lücke  in  der  Reihe  der  Vorarbeiten  aus,  als  er  viel- 
mehr zu  erkennen  gibt,  wie  viel  es  da  noch  nachzutragen  gälte. 


—     26     — 

Wäre  es  nun  nicht  ein  dankbares  oder  mindestens  ein  dankens* 
werthes  Beginnen,  wenn  durch  Ergänzung  dessen,  was  Mu- 
char,  Göth  und  Graf  geleistet  haben,  über  die  Vordem- 
berger  Industriegruppe  ein  Geschichtswerk  geschrieben  werden 
wollte,  wie  es  kürzlich  der  Oberbergverwalter  Friedrich  Mü- 
nichsdorfer  in  Ansehung  des  Htittenberger  Erzbei^es  ge- 
Uefert  hat  und  wie  in  Ansehung  der  Eisenindustrie  der  u  n- 
garischen  Länder  ich  vor  16  Jahren  emes  zu  Stande  brachte? 

Solltees  eine  yergebliche  Erwartung  sein,  wenn  man 
sich  mit  der  Hofihung  trägt,  dass  geschichtskundige  Praktiker, 
wie  der  Gubemialrath  Franz  Ritter  v.  Ferro,  welcher  die 
Geschichte  der  Innerberger  Hauptgewerkschaft  schrieb,  und  der 
imi  Kärntens  Montangeschichte  vielverdiente  Inspector  Jakob 
Scheliessnigg  waren,  Nachfolger  auf  diesem  Gebiete  finden 
werden  ? 

Die  Arbeiten  Beider  zieren  die  Jahrbücher  der  montani- 
stischen Lehranstalt  zu  Vordemberg,  welche  der  damalige  Pro- 
fessor und  nunmehrige  Hofrath  Peter  Tunner,  selber  ein  Stück 
Geschichte  und  zwar  von  epochaler  Bedeutung,  zu  redigiren 
angefangen  hat  Sie  wären  aber  in  den  Schriften  der  histori- 
schen Vereine  der  Länder,  welche  sie  angehen,  nicht  minder 
am  Platze  gewesen. 

Lassen  Sie  mich  mit  der  Moral  dieser  Bemerkungen  schUes- 
sen.  Sie  lautet:  der  historische  Verein  für  Steier- 
mark, m  dessen  Namen  ich  hier  zu  sprechen  mich  berech- 
tiget fühle,  erwartet,  dass  seine  Wanderversammlung  in 
Leoben  ihm  und  dem  Landesarchive,  das  seine  Rüst- 
kammer bildet,  erfreulichen  Zuwachs  einträgt,  Zuwachs  an  thä- 
tigen,  mindestens  Geld  für  die  kostspieligen  Vereinszwecke 
spendenden  Mitgliedem,  an  Au&ätzen  geschichtUdien  Inhaltes 
und  an  Stoff  zur  Ausarbeitung  solcher. 


^>SSS3<B^ 


J 


—     27     — 


InneröslerreichischeReliiions-Cravamina 

aus  dem  17-  Jahrhuiidert. 
Ein  Beitrag  zor  Gesdiichle  der  fiegenrefonnatioo  io  loiierüslerreidi 

I>r.  Hans  von  Zwiedineok-Süden  hörst. 


Uie  Grazer  Universitäts-Bibliothek  bewahrt  unter  den 
zahkeichen  Flugschriften,  von  welchen  ich  allein  aus  der 
ersten  Hälfte  des  XVII.  Jalirhunderts  bisher  130  Nummern 
aufzählen  und  namhaft  machen  konnte  '))  in  einem  Bande  '), 
in  welchem  zwölf  verschiedene  Druckschriften  aus  jener  Zeit 
zusammengebunden  sind,  auch  ein  sieben  Quartbogen  starkes 
Büchlein,  welches  m  semem  Titel  folgende  Inhaltsangabe 
enthält : 

I.  Siebentzig  wichtige  Motiven,  Warumben  die  kön. 
Mayest  in  Polen,  Senatores  vnd  der  Adel  derselben  Cron, 
wider  Vngam,  Böhem,  vnd  die  confoederirte  Länder,  dieser 
zeit  mit  femdlichem  Vberzug,  oder  sonsten  in  andern  weg 
zu  entgegen  nichts  handeln,  noch  dem  angenommenen  De- 
fensionwerk  sich  widersetzen  sollen: 

n.  Beständige  Ablaynung  der  Vrsachen,  welcher  willen 
die  kön.  Mayest.  in  Franckreich  wider  Vngam,  Böhem  vnd 
die  vereinigte  Länder  htilfF  zu  laysten  ersucht  worden; 

Beydes  aus  Polnischer  vnd  respective  frantzösischer 
Sprachen  inn  das  Teutsche  übergesetzt 


0  Zeitungen  und  Flogschriflten  aus  der  ersten  Hälfte  des  XVII.  Jahr^ 
hunderts.  I.  Sammlung.  Graz  1878. 

*)  Sign.  51/26  b. 


—     28     — 


ni.   Gravamina  Religionis   der   löblichen  Evangelischen 
Stände  in  Steyer,  Eämdten  vnnd  Crain  etc.  Darauss  die  über 
grosse  Gewissens  Bedrangnussen  männigkhch  zu  vememen 
hat  Gedruckt  im  Jahr  MDCXX. 
An  die  zweite  Schrift  ist  noch  angefügt: 
Der  Theologischen  Facultät  zu  Wittenberg  Bedencken 
auff  die  Frag:    Ob   der  Rom.  Eayserlichen  Majestät,    die 
Evangelischen  Fürsten  vnd  Stände    im  Krieg  wider   jhre 
Evangelische  Religions  Verwandten,    mit   gutem  Gewissen 
hülffliche  Assistenz  laysten  können  vnd  sollen. 
Die  dritte  Schrift,  mit  welcher  wir  uns  hier  etwas  ein- 
gehender beschäftigen  wollen,  ftlhrt  den  besonderen  Titel: 
ReUgions-Gravamina,  der  dreyen  Landen  Steyer,  Eämdten 
vnnd  Crayn,  so  viel  deroselben  Mitglieder,  als  die  mehreres 
der   alleinseligmachenden  Evangelischen  Religion    zugethan 
sind;    wider  die  Religions  Persecutions  Conmiissarien  etc. 
Nach  einer  kurzen  Einleitung,    in  welcher   gesagt  wu-d, 
dass   die  „Religions-    und    Gewissens- Beschwerungen    Land-, 
Reichs-  ja  Weltkündig*- seien,  werden  in  21  Punkten  haupt- 
sächlich folgende  Thatsachen  hervorgehoben:  Schliessung  der 
Hauptministeria  und  Gymnasia  zu  Grätz,  Judenburg,  Elagen- 
ftirt  und  Laibach;  Schliessung  und  Sprengung  vieler  Pfarren 
und  anderer  Kirchen,  Verjagung  der  Seelsorger,  Prediger  und 
Schuldiener;    Zerstörung  von  Friedhöfen,   Beschimpfung  und 
Beraubimg  von  Leichen  der  Evangelischen,  Verbrennung  hei- 
liger Bücher. 

Als  „Jammer  über  alle  Jammer"  wird  bezeichnet,  dass 
viele  tausend  Bekenner  der  evangelischen  Wahrheit  zu  schänd- 
licher verdammlicher  Verläugnuss  ihrer  christlichen  „Religion" 
genöthigt  wurden. 

Eingehend  wird  in  den  Punkten  14 — 18  das  Verfahren 
kritisirt,  welches  gegen  die  „beständigen  Bekenner"  einge- 
leitet wurde.  Diese  seien  gezwungen  worden,  „theils  in  sechs 
Wochen,  drey  tagen,  theils  in  acht  tagen,  theils  bei  Sonnen- 
schein, theils  auch  im  harten  Winter  vnd  starcken  Vngewitter 
das  Landt  zu  uerlassen,  da  doch  der  Reichs  Religionsfrieden 


—     29     — 

de  Anno  1555  denen  Vnterthanen  auss  jhrer  Herrn  vnd 
andern  herrschaften  Gebiet  der  Religion  halben  zu  ziehen, 
allein  auff  jhr  freye  Willkür  stellet,  wie  die  formalia  lauten.  ** 
Es  sei  ihnen  durch  ein  Spedaledict  verboten  worden,  „ihre  in 
der  Eile  vnverkauften  Güter  bestandsweis  anderen  zu  ver- 
lassen** (in  Pacht  zu  geben),  „damit  sie  dieselben  um  einen 
Spott  hergeben  und  gleichsam  verschenken  müssen.**  Ausser- 
dem habe  man  ihnen  von  ihrem  gesammten  Vermögen  den 
zehnten  Pfennig  als  „Nachsteuer**  abgenommen  und  sich  dabei 
auf  das  Beispiel  der  Beichsfürsten  und  den  oben  erwähnten 
Beligionsfheden  berufen.  Dieser  aber  bezöge  sich  nur  auf  das 
an  jedem  Orte  bestehende  Herkommen  und  davon  sei  in 
diesen  Landen  nichts  bekannt  Zur  Zahlung  der  „Nachsteur** 
habe  man  „richtige  vnd  gar  Hoffschalden  per  modum  com- 
pensationis**  nicht  angenonunen,  sondern  ihnen  den  letzten 
Nothpfennig  abverlangt  Eine  „infamia**  sieht  die  Beschwerde- 
schrift darin,  dass  die  Verbannung  bei  Leib-  und  Lebensstrafe 
auf  ewig  „extendirt**  wird,  „dass  einer  nicht  mehr  hindörflfe, 
da  seine  in  Gott  ruhende  Eltern  vnd  er  viel  Jahr  redlich  vnd 
ohne  alle  klag  gehauset,  da  doch  der  vom  Gegentheil  ange- 
zogene BeUgionsfried  aussdrücklich  vermeldet,  das  solchs  eines 
jeglichen  der  Beligion  halben  willkürlicher  Auss  vnd  Abzug 
denselben  allen  vnd  jeden  an  jhren  Ehren  vnnachtheilich  vnd 
vnuerkleinerlich  seyn  soll.**  Den  evangelischen  Herren  und 
Landleuten,  wird  weiter  behauptet,  seien  die  Ehrenämter  ent- 
zogen oder  wenn  sie  für  solche  von  Einer  Ehrsamen  Land- 
schaft vorgeschlagen  worden,  seien  andere  an  ihrer  Stelle 
berufen  worden.  Ja  man  habe  sogar  solchen  Personen,  die 
mit  eigenem  Willen  ausser  Lands  gezogen  sind,  die  Zahlung 
des  10.  Pfennigs  aufgetragen  imd  ihnen  die  Beligionsübung 
ausser  Landes  untersagt,  „dahin  doch  Ihrer  Durchlaucht  Juris- 
diction sich  nicht  erstreckt  vnd  niemandt  de  jure  extra  terri- 
torium  suum  etwas  zu  schaffen  oder  zu  straffen  hat''. 

Von  besonderem  Interesse  und  für  die  Beurtheilung  der 
besprochenen  Schrift  von  Wichtigkeit  sind  die  letzten  zwei 
Punkte,  deren  Wortlaut  hier  folgen  boU: 


-     30    — 

„20.  Vnd  was  bey  diesen  hauptbeschwerongen  bey 
jedem  punct  vai  gongten  ittr  al^onderliche  höbe  excess, 
Vofug,  gewalttbätige  attentata  vnnd  Bedraognusaen,  hauffen- 
weiss  fürgelaufTeii,  welche  doch  einsthefls  zu  verschmertzen, 
wann  nur  noch  eine  Linderung  vnd  Besserung  zu  hoffen 
were;  Noo  aber  wil  vns  alle  derogleichen  hofihung  mit 
Ihrer  Fürstl.  Durchl.  Jüngst  den  8.  December  dieses  1609. 
Jahrs,  eitbeilten  ungnädigsten  Resolution  allerdings  abge- 
schnitten seyn,  inn  deme  hOchstgedachte  Ihre  FOrstL  Durchl. 
sich  categorice  rund  vnd  lauter  einmal  vor  alles  dahin  er- 
kläret: bei  Ihrer  meynui^  biss  in  jhre  Gruben  zu  ver- 
harren;  Item,  dass  sie  zu  keiner  andern  Besolution  zu 
bringen  vnd  za  bewegen,  sondern  lieber  alles  vnnd  jedes, 
so  sie  von  den  Gnaden  Gottes  betten,  in  die  Schantz  vnnd 
witligklicb  darzosetzen,  als  von  Ihrer  meynung  im  wenig- 
sten zu  weichen  gedencken;  Item,  bedrohen,  den  Ständen 
gleichwohl  vnuerhofite  widrige  erzeigungen  nit  vngerochen 
verbleiben,  sondern  obgelegen  seyn  zu  lassen,  was  zu  er- 
haltung  jhrer  Gerechtigkeit  seyn  möchte. 

21.  Vnd  was  schliesslicheD  zum  allerbeschwerlichsten, 
dass  Dir  FürsU.  Durchl.  dero  getrewe  Landstftnde  inn  BeU- 
gionssachen  nicht  mehr  hören  wollen,  sondern  perpetuum 
Silentium  nunmehr  öfFters  als  30.  September  Anno  1598. 
Den  5.  Maij  Anno  1599  den  5.  Martü  Anno  1601.  Vnd 
jUngstlichen  bemelten  8.  December  Anno  1609  mit  grossen 
Vngnadeo  vnd  schweren  comminationen  imponirt,  vnnd  dass 
sie  keine  derogleichen  Rehgions-  und  Beschwerschrifft  mehr 
annehmen  wollen,  Inmassen  sie  albereit  den  3.  Febr.  Anno 
1599  ein  Schrift  vmb  dass  kein  GeisÜicher  bey  vorge- 
habter prsesentirung  gewesen,  von  denen  Evangelischen 
Herren  und  Landleuten  nicht  angenommen,  welches  dann 
dnra  &  acerba  vox  regnantis  est,  non  velle  audire,  &  scripta 
accipere,  contra  qnam  vetula  iUa  objiciebat  Regi  Macedonum 
Fbilippo  audientiam  recusanti:  si  non  vis  audire,  noli  ergo 
regnare,  da  doch  dergleichen  beschwerungen  in  Religions- 
sacben,  vnd  m  spede  wider  die  Geisüidien  nichts  newes, 


—     31     — 

sondern  je  vnd  allezeit  vorgelauifen,  so  williglich  von  denen 
LandsfUrsten  vnd  regierenden  Herren  angenommen  vnd  ge- 
bürlich  in  Sachen  gebraucht  worden,  wie  wir  in  der  Stey- 
rischen  Landesvest  (Fol.  31)  ein  schön  Exempel  haben,  das 
noch  Anno  1518  als  Lutherufi  die  Oberhand  bekommen, 
Kayser  Maximilian  dem  Ersten  die  Lande  wider  die  Geist- 
lichen vnnd  PriesterschaSt  einen  gantzen  Catalogum  vielerley 
beschwerungen,  Anordnungen  vnnd  saumnuss  der  Clerisey 
in  Handlungen  jhrer  Benefiden,  Gottesdiensten,  Stifitungen, 
Seelsorg,  in  administration  der  Kirchen  und  Pfarrlichen 
Rechten,  Praelaturen,  Probsteyen,  Abteyen,  Canonicaten, 
Pfründen,  Gommenden  vnnd  andern  Courtisanischen  Sachen 
zu  beschwerung  der  Land,  übergeben,  Ihre  Kays.  Mayest. 
vmb  abwendung  zu  soUicitiren,  sondern  auch  was  Ihro  als 
Herren  vnnd  Landesfürsten  gebürte,  ein  einsehen  zu  haben, 
allergnädigist  versprochen;  Derogleichen  remedirung  man 
jetzo  ebenfaUs  in  weit  mehrem  terminis  (da  das  übel  über- 
hand gar,  vnnd  viel  zu  viel  genommen,  ita  ut  vix  spes  sit 
salutis)  bedörfftig. 

Von  PoUtischen  obgedachter  dreyer  Stände  vnnd  Landen 
Beschwerungen  were  gleicher  gestalt  viel    zu  sagen  vnnd 
klagen,  davon  bey  anderer  Gelegenheit  meidung  beschehen 
solle.« 
Ueber  die  Entstehung  und  Bedeutung  dieser  Be- 
schwerdeschrift lässt  sich  mit  Berücksichtigung  der  bisher  über 
die  Verhandlungen  zwischen   Erzherzog  Ferdinand   und   den 
protestantischen    Ständen    bekannt    gewordenen    Actenstücke 
Einiges  festsetzen,  welches  ich  im  Folgenden  zusanmienfasse : 
Was  zunächst  die  Zeit  der  Entstehung  betrifft,  so  scheint 
mir  aus  dem  Texte  zweifellos  hervorzugehen,    dass  man  ftlr 
dieselbe  die  letzten  Tage  des  Jahres  1609  ansetzen  muss,  da 
die   in  den  letzten  zwei  Punkten  besonders  hervorgehobene 
„ungnädige  Resolution«  Ferdinands  vom  8.  December  dieses 
1 609.  Jahres  datirt  wird,  welche  Bezeichnung  genau  wörtlich 
zu  nehmen  ist  und  ausserdem  noch  durch  die  nachträgliche 
Erwähnung  im  21.  Punkte  als  „jüngstlich"  bestätigt  wird. 


—     32     — 

Es  lag  nahe,   die  Landtagshandlungen  dieses  Jahres  zu 
Rathe  zu  ziehen  und  dieselben  erwiesen,  dass  sich  die  Land- 
schaft allerdings  gerade  damals  besonders  eifrig  um  die  Erle- 
digung ihrer  Beschwerden  angenommen  hatte.    Die  Verord- 
neten-Belation  ')  erwähnt  darüber  Nachstehendes : 
„Beschwär  Artid  erledigung  betreflfend. 
Letztlichen  berichten  ain  Ers.  Landschafit  wir  auch  hiemit 
gehorsambUch,   das  wir  auf  derselben  im  Landtag  yberge- 
bene  Politische  Beschwär  Articl  biss  dato  yber  öffteres  viel- 
faltiges sollicitiren  vnd  anhalten  ainige  resolution  nicht  er- 
langen mügen.    Welches  an  ihme  selbst  nicht  ein  geringe 
beschwärung  ist,    alls  berürte  Articl  samenüich,    dann  da 
sich    iemandt   billich  beschwärt  befindet,    denselben    aber 
nicht  geholfen  wierdet,  da  man  Ihme  doch  zuhülff  khommen 
khan  vnd  solle,  ist  es  sodann  die  grösste  vnd  maiste  be- 
schwärung, sonderlich  aber  ist  dises  hochzubeUagen,  das  es 
nunmehr  ganz  vnd  gar  zu  ainer  gewohnheit  khommen,  das 
solche  ainer  Er:  La:  Gravamina  gemännigkUch  ybers  Jahr 
zu  hofif  vngeacht  berürtes  sollidtim  vnd  anhaltens,    vner- 
ledigter  aufgehalten  werden!^ 
Der  Landtag  legt  desshalb  seine  Gravamina  nochmals  vor, 
welche  auch  im  Anhange  zu  der  Relation  vollinhaltlich  auf- 
geführt werden.   Dieselben  behandeln  die  Anlagen,   Einlagen, 
wie  auch  die  Ausstände  der  Städte  und  Märkte.    Die  Hof- 
kammer-Anticipationes,    die  alten  und  neuen  Reichshilf  Aus- 
stände, die  Yerkaufung  der  Landgttlten,  sowie  eme  „Beschwä- 
rung,   das  die  Herrn  vnd  Landleuth  alhie  zu  Grätz  kheine 
Bürgers-Heuser  khauffen  noch  darauf  leihen  sollten'.   Aehn- 
liche  Beschwerden  kehren    in    den  Landtagshandlungen.  von 
1611,  1613,  1615  wieder  und  erstrecken  sich  ausser  den  ge- 
nannten Gegenständen   auch   auf  die  Eisensteigerung,   Salz- 
ringerung,  die   „Vngarische  Traitfuhr",    das  Lehenrecht  und 
den  Prsßcedenzstreit,  welchen  die  Innerösterreichischen  Stände 
mit  den  oberösterreichischen  seit  dem  Linzer  Generalconvent 


')  Steierm.  Landes- Archiv.  Landtagshandlung  1609.  pag.  190. 


\ 


—     33     — 

von  1614  wegen  des  Vortrittes  und  der  Votirung  führten. 
Die  religiösen  Verhältnisse  werden  in  allen  diesen  Beschwerde- 
schriften nicht  berührt;  es  hat  überhaupt  den  Anschein,  als 
sei  mit  Absicht  zwischen  poUtischen  und  Rehgions-Beschwer- 
artikeln  (gravamina)  unterschieden  worden,  wenigstens  fllhren 
die  zuletzt  erwähnten,  offidell  vom  Landtage  aufgestellten 
stets  die  Bezeichnung  „politisch"  bei  sich,  während  der  Titel 
der  uns  vorliegenden  Flugschrift  den  Ausdruck  „Religions- 
Gravamina"  an  der  Spitze  trägt  Die  Erklärung  für  diesen 
Umstand  ist  im  Texte  unserer  Gravamina  selbst  gegeben.  Es 
ist  nämlich  sehr  einleuchtend,  dass  die  steirischen  Stände  dem 
Erzherzoge  imd  dessen  Regierung  jeden  Vorwand  nehmen 
woQten,  womit  die  Nichtbeachtung  ihrer  Beschwerden  hätte 
begründet  werden  können.  Nachdem  Ferdinand,  wie  hier  er- 
wähnt wird,  sich  mehrmals  standhaft  geweigert  hatte,  irgend 
welche  Beschwerden  in  Religionsangelegenheiten  anzunehmen, 
war  vorauszusehen,  dass  seine  Regierung  jede  derartige  Ein- 
gabe unberücksichtigt  lassen  würde,  sobald  auch  nur  irgend  ein 
Punkt  sich  auf  religiöse  Dinge  bezog.  Man  nannte  daher  die 
Beschwerden,  die  sich  auf  Steuern  und  Rechtsangelegenheiten 
bezogen,  „politische",  um  ihren  Unterschied  von  den  ver- 
pönten Religionsbeschwerden  sofort  kenntUch  zu  machen. 

Aber  nicht  nur,  dass  diese  Gravamina  selbst  in  den 
Landtagshandlungen  nicht  erwähnt  werden,  es  findet  sich 
sowohl  in  diesen,  wie  auch  in  den  Protokollen  über  die 
Sitzungen  der  Verordneten,  sowie  in  den  landesftLrstlichen 
Patenten  nicht  die  geringste  Andeutung  über  die  Entschlies- 
sungen  des  Erzherzogs  Ferdinand,  welche  im  21.  Punkte  der 
Gravamina  erwähnt  und  vom  30.  September  1598,  5.  Mai 
1599,  5.  März  1601  und  8.  December  1609  datirt  werden. 
Dennoch  sind  uns  dieselben  nicht  ganz  unbekannt;  es  ist 
kaum  zu  zweifeln,  dass  die  Resolution  vom  30.  September 
1598  mit  der  Ausweisung  der  evangelischen  Priester  aus 
Graz,  welche  am  28.  d.  M.  stattfand,  zusammenhängt.  Die 
Resolution  vom  5.  Mai  1599  dürfte  wohl  identisch  sein  mit 
der    von  Hurter  reprodudrten    „Hauptresolution  ueber    der 

ICltthell.  d.  bist.  Yeroina  f.  SUlermark,  ZXII.  Heft,   18T4.  8 


—     34     — 

Herrn  und  Landleuth  in  disen  dreyen  Erblannden  Steyr, 
Khämdten  vnd  Crain,  der  Augspurgerischen  Confession  zuge- 
than,  eingebrachte  Religions-Beschwärungen"  ^ j.  Dieselbe  wurde 
den  zum  Landtage  von  1599  (Jänner  bis  April)  versammelten 
steirischen  Herren  evangelischen  Glaubens  zugestellt,  welchen 
sich  zahlreiche  Abgesandte  aus  Kärnten  und  Erain  ange- 
schlossen hatten,  um  in  zwei  Beschwerdeschriften  vom  22.  Jänner 
und  8.  Februar  gegen  die  vorangegangenen  Gewaltacte  des 
Erzherzogs  zu  protestiren  und  Beligionsfreiheil  zu  verlangen. 
Die  Hauptresolution  enthält  den  Schlusspassus:  „So  wollen 
sich  demnach  die  Herrn  vnd  Landleuth  Augspurgerischer  Con- 
fession in  dem  Namen  Gottes  nunmehr  zu  rhue  begeben,  in 
Ir  Durl.  etc.  weitter  nit  sezen,  Sich  auch  nicht  vnderstehen, 
Irer  DurL  was  solliches  verrer  zuezumuetten,  dadurch  Sy  Ir 
wissen  vnd  gewissen  zum  höchsten  onerierten  vnnd  entlichen 
die  vnhuldt  Gottes  yber  sich  zu  Ehewigem  verderben  laden 
soUen.  Vnd  diss  ist  also  Irer  Für.  Durl.  enntliche  gewisse 
Resolution,  will  vnd  mamung,  darbey  Sy  biss  in  Ir  grueben 
zuuerharren  vnd  sich  auf  ainiche  widrige  mainung,  durch 
khainerley  mitü  (mit  Gottes  Beyständiger  Hilff)  dauon  bringen 
vnd  bewögen  zulassen  für  allzeit  gnedigist  endtschlossen.'' 
Das  Datum  dieses  sehr  umfangreichen  Actenstückes  ist 
der  letzte  April  1599.  Für  Jedermann,  der  in  Ferdinand  und 
seinen  Käthen  nicht  ausschliessUch  die  muthigen  Kämpfer  für 
eine  erhabene,  das  Glück  des  Volkes  begründende  Idee  sieht, 
wie  der  im  Zustande  reUgiöser  Extase  geschichtsschreibende 
Herr  von  Hurter,  ist  hinter  dem  Gemische  von  Drohung  und 
Bitte,  welches  dieses  Actenstück  durchdringt,  hinter  dem  eif- 
rigen Bemühen,  die  Verfassungswidrigkeit  der  von  den  Stan- 
desherren eingeleiteten  Schritte  nachzuweisen,  die  Verlegenheit 
der  Kegierung  leicht  ersichtlich.  Die  gepriesene  Festigkeit 
hätte  Ferdinand  wenig  genützt,  wenn  die  Stände  ebenso  fest 
und  unerschrocken  gewesen  wären.  Ihr  Rückzug  ist  aus  d^ 
bisher  bekannten  Thatsachen  kaum  erMärUch  und  man  wird 


^)  Hurter,  Geschichte  K.  Ferdinands  und  seiner  Eltern.  IV   496. 


—     35     — 

versucht,  dem  uns  leider  nicht  geschilderten  Spiele  hinter  den 
Coulissen  mehr  Bedeutung  beizulegen,  als  den  officjellen  Acten- 
stücken.  Für  den  5.  März  1601  enthält  Hurter's  Darstellung 
kemerlei  Erwähnung;  die  Resolution  vom  8.  December  1609 
ist  die  Antwort  auf  eine  Eingabe  der  evangelischen  Herren, 
welche  manche  Anklänge  an  die  Gravamina  enthält;  wie  z.  B. 
die  Beschwerde  wegen  Ausschliessung  von  sämmthchen  Aem- 
tem.  Die  Antwort  enthält  nach  Hurter's  Mittheilung  auch  die 
in  den  Gravamina  citirte  Stelle:  „rund  sage  er  (der  Erz- 
herzog) es  heraus,  dass  er  eher  alles,  was  er  von  Gottes 
Gnaden  besitze,  in  die  Schanzen  schlagen,  als  von  dieser 
Ueberzeugung  im  geringsten  weichen  wollte.^  Eine  nochmalige 
Antwort  auf  diese  Resolution  erschien  den  in  Graz  versam- 
melten innerösterreichischen  Standesherren  offenbar  gänzlich 
aussichtslos  und  sie  mochten  daher,  erbittert  durch  die  Hart- 
näckigkeit der  Begierung,  wohl  daran  denken,  ihre  Klagen 
anderswo  vorzubringen  und  die  Aufinerksamkeit  jener  Kreise 
auf  sich  zu  ziehen,  welche  begierig  jede  Gelegenheit  ergriffen, 
um  der  Opposition  gegen  das  Habsburgische  Haus  und  seine 
Begierungsmethode  neue  Nahrung  zu  verschaffen. 

Unter  dem  unmittelbaren  Eindrucke,  welchen  die  Reso- 
lution vom  Jahre  1609  auf  die  damals  in  Graz  versammelten 
evangelischen  Standesherren  hervorgerufen  hat,  entstanden 
die  Gravamina,  In  Verbindung  mit  den  Verhandlungen  dieses 
Jahres  steht  auch  ein  anderes  Schriftstück,  dessen  Bespre- 
chung ich  später  mir  anzufügen  erlauben  werde.  Eine  erreg- 
tere Stimmung  scheint  bei  Abfassung  der  Gravamina  über- 
haupt vorgewaltet  zu  haben.  Wenigstens  deutet  die  Bezie- 
hung auf  den  Tod  Philipps  von  Macedonien  mit  Citirung  der 
Phrase:  „si  non  vis  audire,  noli  ergo  regnare",  so  ziemhch 
die  äussersten  Gedanken  der  durch  die  FnichÜosigkeit  ihrer 
Bemühungen  verletzten  und  aufgeregten  Herren  an. 

Was  den  Inhalt  der  Gravamina  betrifft,  so  finden  sich 
unter  den  Beschwerden  mehrere  Thatsachen  erwähnt,  welche 
sehr  wohl  geeignet  sind,  das  Halbdunkel  theilweise  zu  erhellen, 
in  welches  die  Vorgänge  während  der  Gegenreformation  noch 

8* 


—     86     — 

gehallt  sind.  Dahin  gehören  namentlich  die  Chicanen  gegen 
die  zur  Auswanderung  gezwungenen  Protestanten,  die  bei 
ihrer  berechneten  Härte  es  uns  erklärlich  machen,  dass  sehr 
Viele,  die  ursprünglich  zur  Auswanderung  geneigt  waren,  end- 
lich doch  lieber  eine  Abschwörung  ihres  Glaubens  erheu- 
chelten, als  dass  sie  ihre  ganze  Habe  aufs  Spiel  setzten  ^). 
Der  Augsburger  Religionsfrieden  von  1555  wird  in  zweifacher 
Bichtung  benutzt,  um  das  Vorgehen  des  Erzherzoges  als  un- 
gesetzlich darzustellen.  Zunächst  wird  behauptet,  dass  die 
Ausweisung  der  Religion  wegen  an  und  fbr  sich  gegen  dai 
Religionsfrieden  Verstösse,  welcher  es  Jedermann  freistelle, 
ob  er  wegen  der  Religion  auswandern  wolle  oder  nicht  Es 
ist  nun  ganz  richtig,  dass  sich  in  der  bezogenen  Constitution 
kein  Passus  vorfindet,  der  den  einzelnen  Reichs-Ständen  das 
Recht  der  Ausweisung  wegen  des  rehgiösen  Bekenntnisses 
ausdrücklich  zuschreibt  Der  auf  die  Auswanderung  bezüg- 
liche §.  24  bestimmt  nur  die  Modalitäten,  welche  im  Falle 
einer  Auswanderung  zu  beobachten  sind,  ohne  irgend  welche 
Fälle  anzugeben,  in  welchen  dieselbe  erzwungen  werden  konnte"). 
Gerade  der  Inhalt  dieses  Paragraphen  gibt  jedoch  erst  dem 


^)  Was  Harter  an  Belegen  für  die  Milde  der  Regierung  zuBammentr&gt, 
verschwindet  gegen  die  colossalen  Strafen,  welche  Dimits  in  seiner 
Urkundensanunluog  allein  von  Erain  auÜEfthlt 

*)  Der  hier  einschlägige  §.  24  lautet :  « Wo  aber  unsere,  auch  der  Chur- 
ftlrsten,  Fürsten  und  Ständen  ünterthanen,  der  alten  Religion  oder 
Augsburgischen  Confession  anhängige,  von  solcher  ihrer  Religion 
wegen,  aus  unsem,  auch  der  Churfürsten,  Fürsten  und  Ständen  dee 
Heil.  Reichs  Landen,  Fürstenthttmer,  Städten  oder  Flecken,  mit 
ihren  Weib  und  Kindern  an  andere  Orth  ziehen,  und  sich  nieder 
thnn  weiten,  denen  soll  solcher  Ab-  und  Zuzug,  auch  Yerkaufiiing 
ihrer  Haab  und  Güter,  gegen  ziemlichen  billigen  Abtrag  der  Leib- 
eigenschafit  und  Nachsteuer,  wie  es  jedes  Orts  von  altersher  fibUdi 
hergebracht  und  gehalten  worden  ist,  unverhindert  männigliches, 
zugelassen  und  bewilliget,  auch  an  ihren  Ehren  und  Pflichten  aller 
Ding  unentgolten  seyn.  Doch  soll  den  Oberkeiten  an  ihren  Gerech- 
tigkeiten und  Herkommen  der  Leibeigenen  halben,  dieselbigen  ledig 
zu  zehlen  oder  nicht,  hiedurch  nichts  abgebrochen  oder  benom- 
men seyn  ** 


i 


—     37     — 

§.  15,  welcher  die  Hauptgnmdsätze  des  Uebereinkommens 
feststellt,  jene  verhängnissvolle  Deutung,  welche  in  dem  mon- 
strösen Satze:  cujus  regio,  ejus  reUgio  gipfelte.  Denn,  wenn 
auch  der  erste  Theil  des  §.15  die  Religionsfreiheit  nur  den 
Reichsständen  zuspricht,  so  lässt  sich  doch  der  letzte  Absatz 
desselben  derart  auslegen,  dass  jeder  gewaltsame  Act  gegen 
wen  immer  in  Sachen  des  Religionsbekenntnisses  als  verpönt 
erscheint,  nachdem  es  da  heisst:  „und  soll  die  streitige  Reli- 
gion nicht  anders,  dann  durch  christliche,  freundliche,  friedliche 
Mittel  und  Wege  zu  einhelUgem  christlichem  Verstand  und 
Yergleichung  gebracht  werden."  Es  wäre  nun  kaum  irgend 
einem  Reichsstande  möglich  gewesen,  die  Ausweisung  semer 
andersgläubigen  Unterthanen  als  ein  „freundliches  und  fried- 
liches Mittel  für  die  Vergleichung"  zu  erklären,  wenn  nicht 
§.  24  selbst  stillschweigend  eme  solche  Subsumption  noth- 
wendig  machen  würde.  Denn  wozu  brauchte  es  Bestimmungen 
über  die  Auswanderung  der  Religion  wegen,  wenn  eine  solche 
überhaupt  nicht  erzwungen  werden  könnte?  Wer  wird  aus- 
wandern, so  lange  man  ihn  nur  „friedlich  und  freundlich*' 
behandelt? 

Die  unehrliche  Gesinnung  der  einen  der  pads- 
cirenden  Parteien,  welche  die  Zweideutigkeiten  und  Wider- 
sprüche dieses  unseligen  Friedensinstrumentes  hervorrief  gab 
den  Erben  dieser  Gesinnung  die  Mittel  an  die  Hand,  eine 
formelle  Basis  für  religiöse  Intoleranz  imd  Gewaltacte  zu 
finden,  die  nimmermehr  im  Sinne  der  Sieger  von  1552  gelegen 
waren  und  in  grösserem  Masstabe  auch  nur  einseitig  von  der 
katholischen  Partei  zur  Anwendung  gebracht  wurden. 

Wenn  demnach  auch  die  erzherzogliche  Regierung  bei 
den  von  ihr  vorgenommenen  Ausweisungen  der  Akatholiken 
die  formelle  Berechtigung  aus  dem  Augsburger  Frieden  ab- 
leiten konnte  und  der  Widerspruch  der  Betroffenen  nicht  von 
evidenter  Richtigkeit  war,  so  scheint  doch  die  zweite  Anklage 
von  der  Ungesetzlichkeit  der  Einhebung  des  10.  Pfennigs,  als 
einer  m  Innerösterreich  nicht  bestehenden  Gewohnheit,  be- 
gründet zu   sein,    nachdem  die  Regierung  in  den  bis  jetzt 


—     38     — 


bekannt  gewordenen  Acten  nirgends  den  Nachweis  versucht» 
die  Gesetzmässigkeit  ihrer  fiscalischen  Verordnung  historisch 
zu  belegen.  Sehr  bezeichnend  für  die  Kanzleitaktik  der  inner- 
österreichischen Bäthe  ist  auch  die  im  21.  Punkte  der  Grava- 
mina  erwähnte  Thatsache,  dass  eine  Beschwerdeschrift  aus 
dem  Grunde  nicht  angenommen  wurde,  weil  bei  der  Präsen- 
tirung  kein  Mitglied  geistlichen  Standes  zugegen  gewesen, 
sowie  der  im  19.  Punkt  erhobene  Vorwurf,  dass  selbst  das 
dem  Landtage  zustehende  Vorsclilagsrecht  für  Ehrenämter  un- 
berücksichtigt bUeb,  ausschliesslich  um  die  Protestanten  zurück- 
zusetzen und  in  der  richtigen  Erwartung,  dass  gekränkter 
Ehrgeiz  am  ehesten  geeignet  sei,  Gewissensscrupel  zu  be- 
siegen und  den  Adel,  dem  man  mit  offener  Gewalt  doch 
nicht  beikonnte,  —  katholisch  zu  machen. 

Es  erübrigt  noch  die  Beantwortung  der  Frage,  wie  denn 
diese  „Gravamina"  10  Jahre  nach  ihrer  muthmassUchen  Ab- 
fassung dazu  gelangt  seien,  fem  von  dem  Orte  ihrer  Ent- 
stehung, in  Prag,  in  der  Gesellschaft  von  polnischen  und  fran- 
zösischen Angelegenheiten  das  Licht  der  Publicität  zu  erblicken. 
Eine  wenig  gewagte  Combination  gibt  die  Erklärung.  Es  wird 
für  die  historische  Flugschriftenliteratur  kaum  ergiebigere 
Jahre  geben,  als  die  Jahre  1619,  1620,  1621,  wo  sowohl 
von  protestantischer  als  katholischer  Seite  die  Presse  als 
Agitationsmittel  ganz  ungewöhnlich  in  Bewegung  gesetzt  wurde. 
Die  Häupter  der  Union  Uessen  in  Augsburg,  Hanau,  haupt- 
sächüch  aber  in  Prag  eine  Flugschrift  nach  der  andern  er- 
scheinen, welche  theils  zur  Vertheidigung  der  eigenen  Politik, 
theils  zur  Anklage  wider  die  Gegner  bestimmt  waren.  Zu 
einer  solchen  hat  nun  eme  Persönlichkeit,  welche  entweder 
selbst  zu  den  evangelischen  Herren  der  Steiermark  zählte, 
oder  doch  denselben  sehr  nahe  stand,  willkommenes  Material 
geliefert,  indem  sie  die  anno  1609  abgefassten  Gravamina  zur 
Verfügung  stellte.  Die  Betheiligung  innerösterreichischer  Pro- 
testanten an  der  böhmisch-pfälzischen  Action  habe  ich  ander- 
wärts nachgewiesen  ^),   das  Vorhandensein  von   Verbindungen 

"')  Christian    von  Anhalt    und  seine  Beziehungen    zu  Innerösterreidi. 
Graz,  Leuschner  1874. 


—     39     — 

zwischen  steirischen  Baronen  und  Christian  von  Anhalt,  Thurn, 
Tschernembl  u.  A.  lässt  es  glaublich  erscheinen^  dass  man 
durch  die  Publication  der  besprochenen  Gravamina  einerseits 
die  Wahrscheinlichkeit  einer  Erhebung  der  innerösterreichi- 
schen Protestanten  bei  den  unirten  Fürsten  in  Aussicht  stellen 
und  andererseits  in  Innerösterreich  selbst  die  Gemüther  er- 
regen und  fbr  die  Gemeinsamkeit  der  Religionsinteressen 
nord-  und  südwärts  der  Donau  empfängUch  machen  wollte. 

Im  innigen  Zusammenhange  mit  der  eben  besprochenen 
Beschwerdeschrift  steht  nach  meiner  Anschauung  jene  „Voll- 
machts-  imd  Vereinigungs-Urkunde  der  unkatholischen  Land- 
leute Cäxnihens",  welche  Hurter  im  Anhange  des  VI.  Bandes 
(pag.  643)  seines  mehrmals  erwähnten  Werkes  abdruckt  Die- 
selbe trägt  ebenfalls  das  Datum  von  1619,  enthält  jedoch  im 
Texte  von  vorneherein  die  Erklärung,  dass  sie  nur  als  eine 
Erneuerung  einer  schon  am  29.  August  1609  entstandenen 
Urkunde  zu  betrachten  ist,  in  welcher  sich  die  evangelischen 
Standesmitglieder  der  drei  Lande  auf  Edelmannswort  gegen- 
seitigen Schutz  und  Beistand  zusagen,  falls  einem  von  ihnen  in 
Folge  von  Religionsangelegenheiten  ein  Unrecht  zugefügt  würde. 

Die  früher  berührten  Vorgänge  im  Landtage  von  1609, 
die  Theilnahme  von  Parteigenossen  aus  Kärnten  und  Krain, 
die  unwillige,  gereizte  Antwort  des  Erzherzogs  sind  die  Folge 
des  vorher  geschlossenen  Bündnisses,  welches  durch  die 
Urkunde  vom  29.  August  1 609  formell  abgeschlossen  wurde 
und  höchst  wahrscheinUch  eine  noch  weitergehende  Bedeutung 
hatte,  als  der  Text  der  Urkunde  selbst  verräth. 

Man  muss  sich  vergegenwärtigen,  dass  1609  das  Jahr 
des  Msgestätsbriefes  ist,  dass  in  demselben  Jahre  ein  Prinz 
des  Hauses  Oesterreich,  Mathias,  der  ständisch-evangelischen 
Opposition  in  Oesterreich  und  Mähren  die  Hand  gereicht  und 
mit  ihr  im  Bunde  seine  Ziele  erreicht  hatte,  um  das  Vor- 
gehen des  innerösterreichischen  Adels  vollkommen  würdigen 
zu  können.  Ebenso  wird  man  aber  auch  aus  dem  Zusanunen- 
hange  der  gesammtösterreichischen  Verhältnisse  die  Ueber- 
zeugung  schöpfen,  dass  die  beste  Zeit  für  eine  erfolgreiche 


—     40     — 

ständiscbe  Action  bereits  yorübergegangen  war,  dass  die  Iimer- 
österreicher  mit  ihrer  Conföderation  zu  spät  gekommen  waren 
und  überhaupt  viel  zu  ehrlich  und  loyal  gehandelt  hatten,  um 
gegenüber  der  JesuitenpoUtik  einen  Yortheil  erringen  zu  können  ^. 

So  blieben  denn  die  Gravamina  in  dem  Pulte  des  evan- 
gelischen Ausschusses  liegen,  um  gleich  der  ständischen  Oppo- 
sition selbst  einen  zehnjährigen  Schlaf  zu  halten  und  nach 
ihrer  Wiedererweckung  sofort  für  immer  gegenstandslos  zu 
werden.  Die  Conf&derationsurkunde  wurde  1619  ebenfalls  er- 
neuert; doch  kemeswegs,  wie  dies  1609  ohne  Zweifel  der 
Fall  war,  auf  einer  allgemeinen  Versammlung,  sondern  im 
Wege  schriftlichen  Verkehres.  Es  geht  dies  aus  der  Schluss- 
formel hervor:  „beschehen  im  Landtage  den  20.  Febrajj  zu 
Gratz,  4.  Marzi  zu  Elagenfurt,  hernach  in  Labach,  davon 
tägüch  der  Succurs  erwartet  wird". 

Von  einer  Wirkung  dieser  Wiederemeuerung  der  inner- 
österreichischen Conföderation  ist  mir  nichts  bekannt  ge- 
worden ;  es  lässt  sich  auch  das  Gebahren  des  evangelischen 
Ausschusses  der  drei  Länder  kaum  beurtheilen,  seine  That- 
losigkeit  schwer  erklären,  so  lange  nicht  weitere  Materialien 
dafür  an  das  Tageslicht  gebracht  werden.  Dass  die  darauf 
gerichtete  Forschung  nicht  ganz  aussichtslos  sein  dürfte,  dass 
eine  auf  Grundlage  erweiterter  Kenntnisse  fussende  Darstel- 
lung der  Gegenreformation  aus  dem  Stadium  des  frommen 
Wunsches  noch  zu  weiteren  Phasen  gehoben  werden  konnte, 
ist  nur  durch  meine  bisherige  Beschäftigung  mit  den  Geschichts- 
quellen  jener  Zeit  nahezu  zur  Gewissheit  geworden. 

Graz,  Mai  1874. 


">  Erzherzog  Ferdinand  rühmte  diese  Ehrlichkeit  selbst  in  einem 
Briefe  an  seine  Mutter  (Hurter  Y.  257),  als  er  Eenntniss  erhielt, 
dass  die  steirischen  Verordneten  die  Aufforderung  Mathias,  sich 
ihm  anzuschliessen,  uneröfifhet  zurückgesendet  hatten.  Wenn  die 
evangelischen  Herren  dabei  auf  Dank  und  Anerkennung  und  endliche 
Gewährung  ihrer  bescheidenen  Forderungen  gerechnet  hatten,  so 
legten  sie  dabei  eine  Eurzsichtigkeit  an  den  Tag,  über  welche  ihre 
Gegner  nicht  wenig  Vergnügen  empfunden  haben  mdgen. 


—     41     — 


Die  Herrschaft  König  Ottob's  II.  von  Böhinen 

in  Steierraark. 
Ihr  Werden,   Bestand   und  Fall  (1252  —  1276) 


Dr.  F.  Krones. 


Qoeilen-HilfsmitUl.*) 

a)  Qnellenschriftsteller. 

Ottokar's  Reimchronik,  h.  v.  Pez  in  den  scrr.  rer. 
aostr.  UL  Bd.  —  Annales  Aastrise,  h.  v.  Wattenbach  im 
XI.  Bde.  der  Monum.  Germania)  (vgl,  die  A.  b.  Pez  and  Rauch 
nnd  Stögmann's  bezügliche  Zusammenstellung  im  IX.  Bde.  des  Arch. 
f.  E.  ö.  G.)  Annales  Ottocariani  im  XI.  Bde.  der  M.  G. 
Contin.  magni  presbyt.  Reichersperg,  Hermanni  Altah.  ann.  Mon. 
Germ.  XVII.  —  Die  Compilation:  Chron.  Australe  o.  Historia 
australis  b.  Freher-Struve  Corp.  scrr.  rer.  germ.  p.  431 — 490  aus 
dem  14.  Jahrb.  (vgl.  0.  Lorenz:  Deutschlands  Gesch.  Q.  im  M.  A. 
S.  268).  Joannis  abb.  Yictoriensis,  Chron.  h.  v.  Böhmer 
in  den  Fontes  rer.  germ.  L,  in  diesem  Thcile  der  Rheimchronik 
nachgeschrieben;  desgl.  Mathsei  cujusdam  vel  Gregorii  Hageni 
gennanicum  Austriae  chronicon  b.  Pez  scrr.  I.  1043 — 1158;  Eben- 
dorfer  von  Haselbach  Chron.  austr.  ebda.:  —  Anon.  Leob.,  h. 
V.  Pez  L  Bb.  der  scrr.  vgl.  Zahn's  Ausgabe  Graz  1865.  —  Keza 
Chron.  Hnng.  Endlicher  Mon.  Arpad.  I.  und  Thuroczy  Chron.  Hung. 
b.  Schwandtner  scrr.  rer.  Hung.  I.  (liefern  so  gut  wie  nichts),  ünrest 
K&mtn.  Kronik  b.  Hahn  Coli,  monum.  I,  (schreibt  der  Reimchronik 
Ottokars  nach),  s. 

b)  Urkundensammlungen. 

Gerbert  uud  Bodman  Cod.  epist  Rudolfi  I.  1772  f.  u.  1806. 
Dolliner:  Codex  epist  regis  Premislai  Ottocari  Vienn.  1803.  — 
(Pusch  und  Fröhlich),  Diplomataria  sacra  ducatus  Stj- 
riae,  2  Bde.  1796.  Palacky  Formelbücher  1842.  Bärwald:  Baimi- 
gartenberger  Formelbuch  fontes  rer.  ausir.  2.  A.  XXV.  1866.  — 


*)  Die  mit  gesperrtem  Satze  gedi-uckten  Titel  bedeuten  vorzugsweise 
oder  am  h&ufigsten  gebrauchte  Werke. 


—     42     - 


Boczek  Cod.  dipL  epist  Morayi»  m.,  lY.  Bd.  1836  f.;  Erben 
nnd  Em  1er  Reg.  BoL  Moravi»  diplomatica  Pars  prima  et  se- 
cunda  (Vol.  L  II.)  1855—1873.  —  Fejir  Cod.  diplom.  Hang. 
IV,  2.  —  Böhmer  Kaiserregesten  (Regesta  imperii  1198 — 1254 
und  1246—1313  et  Addit  I.  IL  1844—1857  Urinindenbach  des 
Landes  o.  d.  Enns  1852  ff.  III.  Bd.  Urkunden  z.  Gesch.  v.  Oest, 
Stm.,  Kämt.,  Krain,  Görz,  Istr.,  Triest,  Tirol  v.  1246 — 1300,  L  v. 
Chmel  (1849)  im  I.  Bde.  der  Fontes  rer.  anstr.  erste  Abth.  — 
Bianchi:  Documenta  bist  Forojol.  ssecoli  XIII.  1206 — 1299  snm- 
matim  regesta.  Arch.  f.  K.  ö.  G.  22.  Bd.,  373  ff.  (1267  ff.) 

c)  Bearbeitungen. 
Ph.  Lambacher:   Oesterr.  Interregnum  u.  s.  w.  1773,  4^ 
Rauch:  Oest  Gk^chichte  (begonnen von Schrötter)  in.Bd.  ( —  1280). 
F.  !^urz,  Oesterreich  unter  Ottokar  u.  Aibrecht  I.  1. — 2.  Bd.  (Urkdn.) 
Lichnowski,  Geschichte  des  Hauses  Habsburg  I.  Bd.  1836. 
Wiener  Jahrbacher  f.  Litt  <&  Kunst  108.  Bd.   A.  v.  Chmel 
über   Lichnowski's  Geschichte   des   Hauses  Habsburg   u.  s.  w. 
(urkundl.  Material  z.  Salzburger  Kirchenstreite.)   (Vgl.  K  o  c  h- 
Sternfeld 's  Beitr.  z.  Gesch.  Salzb.  etc.  IH.  Bd.  u.  s.  Anfe. 
in  den  Abb.  der  kön.  bair.  Akad.  d.  W.  IV,  2.) 
Palacky,  Gesch.  Böhmens  H.  1,  A.  (u.  d^ini  H,  1.) 
Kopp,  Gesch.  d.  eidgenöss.  Bünde  L,  H.  Bd. 
0.  Lorenz,  Erwerbung  Oesterreichs  1857.  Deutsche  Geschichte 
im  13.  und  14.  Jahrb.  I.  H.  Bd.  1864  und  dessen  frühere  Ab- 
handlung über  den  Salzburger  Kirchenstreit  im    33.  Bde.  der 
Sitzungsber.  bist.  phil.  Kl. 
Dudik,  Gesch.  Mährens,  5.  Bd.  1870.  (1197—1261.) 
Fessler,  Gesch.  der  Ungarn,  neu  bearb.  v.  Klein,  I.  Bd. 
Hirn,  K.  Rudolf  L  Wien  1874. 

Für  steierm.  u.  innerösterr.  Gesch.  insbesondere. 
C&sar,  Ann.  duc.  Styri»  L  Bd.  1768. 
Muchar,  Gesch.  das  Herz.  Steiermark  5.  Bd.  (vgl.  2,  3.) 
K.  Tan  gl,  Handb.  der  Gesch.  des  Herz.  Kärnten.  IV.  1.  A. 
Tangl,    die   Grafen   von  Pfaunberg;    die  Grafen   v.  Heunburg    im 

XVn.,  XVm.,  XIX.,  XXV.  Bde.  des  Arch.  f.  K.  ö.  G. 
J.  Falke,  Gesch.  des  Hauses  Liechtenstein  I.  Bd.  1868. 
Manzano,  Annali  del  Friuli  HL  Bd.  1860/ 
(Kleinmeyem)  luvavia,  1784. 
Zauner,  Chronik  von  Salzburg,  2.  Bd. 
A.  Pichler,  Landesgeschichte  von  Salzburg,  1866. 
Krön  es,  Quellenm&ssige  Vorarbeiten  z.  Gesch.  und  Quellenkunde 
des  mittelalt  Landtagswesens  der  Steiermark,  im  2.  Jahrg.  der 
Btr.  z.  K  der  stm.  G.  Q. 


—     43     — 

d)  Handschriftliches. 

Die  wesentliche  Gmndlage  meiner  Arbeit  bildeten  die  Urknn- 
densammlung,  die  Regesten  und  Repertorien  des  musterhaft  ge- 
ordneten steierm.  Landesarchives. 


Des  Ranmerspamisses  willen  und  im  Interesse  der  lieber- 
sichtlichkeit  wurden  sämmtliehe  Urkundenbelege,  die  wenigen  im 
Texte  untergebrachten  abgerechnet,  einem  eigenen  Anhange  einver- 
leibt und  dem  Texte  die  laufenden  Nummern  dieser  Regesten  in 
Klammern  eingefügt  Ueberdies  vermied  der  Verfasser  so  viel  als 
möglich  alle  Citate  und  nur,  wo  dies  unausweichliche  Nothwen- 
digkeit  war,  erscheinen  solche  unter  dem  Texte. 


i  Die  Vorgäoge  in  den  Jahren  1246— 13S4  bis  zum  Ober  Frieden. 

Der  streitbare  Friedrich,  des  Hauses  Babenberg  letzter 
männlicher  Sprosse,  hatte  sein  Ende  in  der  Lejtaschlacht 
(1246,  15.  Juni)  gefunden,  durch  Feindeshand,  oder,  wie  ein 
schlimmeres  Gerücht  besagte,  durch  die  tückische  Waffe  ge- 
heimer Widersacher  im  eigenen  Heeresgefolge. 

In  der  Fülle  blühender  Manneskraft  war  er  dahin  ge- 
schieden und  galt  er  auch  bei  Lebzeiten  als  harter,  launen- 
hafter Fürst,  dessen  Lebenselement  die  Fehde  und  der  Sin- 
nengenuss  waren,  der  mit  allen  Nachbarn  im  Streite  lag  und 
ebensowenig  den  Säkel  und  die  Wehrkraft  der  Lande  als  ihre 
Rechte  und  Freiheiten  schonte,  so  vergass  man  jetzt  dieser 
Schattenseiten  und  gedachte  lieber  seines  kräftigen  Annes, 
mit  dem  er  Willkür  und  Gewaltthat  der  Mächtigen  im  Lande 
gezüchtigt,  seiner  reckenhaften  Tapferkeit,,  die  er  mächtigen 
Gegnern  und  Landesfeinden  verspüren  liess  und  beklagte  in 
ihm  das  Erlöschen  enies  vielgerühmten  kerndeutschen  Für- 
stenstammes  ^). 


)  Ganz  bezeichnend  heisst  es  darum  im  Yictoriensis  A.  in  Böhmer's 
Fontes  rar.  germ.  L,  S.  282.  Hie  (Fridericus)  eine  berede  decessit, 
quod  terram  plus  quam  ejus  interitus  perturbavit. 

Vgl.  Cent  Garst.  Mon.  Germ.  XI,  598  Austria  et  Styria  quasi  una 
sedet  in  pulvere  trisMs  et  gemebunda. 


.  I 


—    44     - 

Mehr  als  ein  halbes  Jahrhundert  stand  auch  unser  Land 
unter  babenhergtscher  Herrschaft  und  wie  sehr  es  auch,  trotz 
dieser  fiusserlichen  Verbindung  mit  Oesterreich,  seine  innere 
E^enständigkeit  und  verfassungsmässige  Autonomie  behauptet 
hatte,  so  verkn&pfte  doch  beide  Lfiader  das  Buid  der  Per- 
sonalonion  und  setzte  den  PulsscUag  ihres  politiscbeii  Lebens 
in  gleichifinuige  Bewegung. 

Nicht  ungetrübt  war  das  Verhältoiss  der  Steiermärker 
zu  dem  letzten  Babenhei^er;  schwer  empömd  die  St&nde- 
BChaft  den  Druck  von  Massr^ehi  des  kriegslustigen  Fürsten, 
die  ihre  verbiieften  Rechte  und  Freiheiten  krankten  und  sie 
säumt«  nicht,  als  Kaiser  Friedrich  U.  den  trotzigen  Herzog 
geächtet,  von  ihm  gleich  den  Oesterreichem  abzufallen  und 
der  unmittelbaren  Herrschaft  des  Reiches  und  des  Kaisers 
anzugehören.  Aber  der  letzte  Babenberger  war  grösser  durch 
Thatkraft  als  sein  Missgeschick,  er  gewium  das  Verlorene 
wieder,  da  der  Kaiser  selbst  den  Aus^eich  suchte,  und  gerofter 
an  Erfahrung,-  klüger  an  Einsicht  waltete  er  nun  des  Fttr- 
stenamtes  in  der  Stäermark  zu  allgemeinerer  Zufriedenhdt 

Und  so  war  denn  sein  vorzett^er  Tod  ein  fühlbarer 
Verlust  auch  für  die  Steiermark ;  man  sah  sieb  an  der  SchweBe 
einer  unerquicklichen,  emer  herrenlosen  Uebei^fangszeit,  deren 
schwere  Noth  Herzog  Friedrich's  Waffengeuosse,  unser  ritter- 
licher Sänger  Ulrich  von  Liechtenstöi  beklagt,  und  die  sich 
in  der  geschichtlichen  Dichtung  des  Rebndironisten  Ottokar 
abspiegelt 

Nach  dem  klaren  Wortlaute  der  babenbergischen  Hand- 
feste V.  J.  1156  (1215  neu  bestätigt)  und  dem  im  Reiche 
geübten  Lehenrechte  mussten  Oesterreich  und  Steiermark  in 
Folge  der  Lejtaschlacbt  des  J.  1246  als  heimgefallene  Reichs- 
lehen gelten.  Selbst  wenn  das  angebliche  Testament  des 
letzten  Babenbergers  in  Anschlag  gebracht  wird,  wonadi  die 
binterlassenen  Herzogthumer  der  Fürsorge  des  rßmisdien 
Stuhles  empfohlen  wurden,  lässt  sich  von  dieser  Rechtsan* 
schauung  nicht  abgehen  ond  ebensowenig  verkennen,  dass  sie 
in  der  Steiermark  weit  mehr  iu's  Gewicht  fiel,   als  die  Ge- 


—     45     — 

neigtheit  für  das  natürliche  Erbrecht  der  ttberlebenden  weib- 
lichen Seitenverwandten  des  Herzogs,  seiner  Schwester  Mar- 
garethe,  verwitweten  römischen  Königin,  und  der  Nichte  Grertrud, 
um  deren  Hand  sich  nicht  lange  zuvor  der  Kaiser  selbst 
beworben  hatte,  die  aber  dem  böhmischen  Königssohne  Wla- 
dislav  Hemrich,  Markgraf  von  Mähren,  zu  Theil  wurde. 

Denn  wie  sehr  sich  auch  des  Kaisers  grösster  Gregner, 
der  willensstarke  Papst  Innocenz  IV.,  zu  Gunsten  dieses  weib- 
lichen Erbrechtes  abmühte,  um  die  beiden  Lande  der  Hand 
des  Kaisers  zu  entwinden,  —  in  der  Steiermark  fand  der 
Günsthng  des  römischen  Stuhles,  Herrmann  von  Baden,  Ger- 
truden's  zweiter  Gatte,  keine  Anerkennung'),  deren  er  im 
Lande  Oesterreich  auch  nur  in  beschränktem  Masse  genoss 
(9).  Wohl  aber  wandten  sich  die  Steiermärker  an  den  Staufen- 
kaiser  wiederholt  mit  der  Bitte,  dem  herrenlosen  Zustande  ein 
Ende  zu  setzen,  denn  die  Reichsverweserschaft  des  Ebersteiners, 
dann  des  Görzer  Mainhard,  galt  doch  nur  als  Nothbehelf. 

Der  Kaiser  aber,  in  unheilvollem  Kampfe  für  seinen 
Machtbestand  auf  wälscher  Erde  verwickelt  und  durch  sein 
Verhängniss  entfremdet  dem  deutschen  Reiche,  woselbst  ein 
Gegenkönig  um  den  Ändern  das  Ansehen  seines  Sohnes,  des 
römischen  Königs  Konrad  lY.  bekämpfte,  hatte  weder  Müsse 
noch  Willen,  die  schwierige  Frage  im  Smne  der  Steiermärker 
zu  lösen.  -—Er  starb  den  13.  December  1250,  mit  ihm  der 
Glanz  und  die  Grösse  seines  Hauses  und  so  floss  das  öster- 
reichisch-steiermärkische  Zwischenreicb  mit  dem  gemein- 
deutschen zusammen.  Dem  Reiche  fehlte  die  einigende  Kraft; 
darf  es  uns  da  Wunder  nehmen,  wenn  an  seiner  Peripherie, 
in  den  südlichen  Donaualpenländem  besonders,  das  politische 
Leben  eigene  Bahnen  einzuschlagen  begann  und  das  Testament 
des  Kaisers  *)  für  diese  Länder  wirkungslos  blieb  ? 


*)  Den  Titel  dux  Austri»  et  StyriiB  führte  er  allerdings. 

*)  Lambacher  (Interr.  S.  40  1)  hält  es  ftkr  erdichtet,  doch  kann  seine 
Echtheit  nicht  entscheidend  bestritten  werden.  Vgl.  über  das  Testa- 
ment die  Angaben  in  Potthast's  Begg.  pontit  z.  J.  1250,  December 
18-17. 


—     46     — 

und  doch  hätte  gerade  Ktiiser  Friedrich's  ü.  letzter  WSe 
die  beste,  naturgemässe  Vereöhnung  der  Gegensätze  herbei- 
führen können,  da  er  seinen  gleichnamigen  Enkel,  den  Sohn 
der  I'abenbergerin  Margaretba  und  König  Heinrich's  VII^  des 
unglücklichen  Sproseen  des  Kaisers,  zum  Erben  Oest^rächs 
und  Steiermarks  einsetzte. 

Aber  das  Testament  blieb,  wie  gesagt,  virkungsloa,  Über- 
dies verscholl  alsbald  dieser  Enkel  —  wie  das  GerQcht  be- 
sagte, von  seinem  Halboheime  Manfred  durch  Gift  aus  dem 
Leben  gescbnflFt  —  und  die  Zeit  war  gekommen,  wo  an  die 
Steiennärker  und  Oesterreicber  die  gebieterische  Nothwen- 
digkeit  herantrat,  die  Entscheidung  ihrer  Zukunft  in  eigene 
Hand  zu  nehmen. 

"Ea  war  hohe  Zeit,  dass  sich  die  Steiermäriier  tun  einen 
LandesfÜrsten  umsahen,  denn  es  war  zu  besorgen,  ihre  Heimat 
wUrde  der  Tummelplatz  der  Raub-  und  Fehdelust,  der  gemem- 
schädlichen  Farteileidenscbaft  und  gerade  die  „Besseren  und 
Edleren"  TerlOren  das  Gefühl  für  das  Beste  und  die  Ehre 
des  Landes^). 

Hatte  doch  der  Sponbeimer  Phihpp,  des  Kfimtoer  Herzogs 
Bernhard  jQngerer  Sohn,  damals  Erwählter  von  Salzbui^  ein 
Mann,  dessen  ganzes  Wesen  mit  dem  geistlichen  lErtenamte  *) 
im  grellsten  Widerspruche  sich  bewegte,  —  jene  schlimmen 
Neigungen  zur  Fehde  um  Gewinn  bei  so  manchem  steiriscben 
Edelherm  auszunfitsen  Gelegenheit  gefunden,  —  als  er,  der 
Gegner  des  Kaisers  und  vor  allem  der  ghibellinisch  gesinnten 
Görzer,  in  das  Ennsthal  einbrach  und  unter  dem  Aushänge- 


*)  Ulrich  von  LiechteDBtem  im  Fraaendieiut  A.  Lachmann's  pg.  630: 

nun  roDbt  diu  lutt  naht  unde  tec 
dft  Ton  Til  dörfer  wflesie  lac. 
dje  reichen  wurden  sA  gemaot 
daz  si  den  armen  nAmn  ir  guot." 


>)  üeber   s.  geiatlichOB  Vorleben    TgL  Dadik,    GeRchichte  Mährens  5, 


—     47     — 

Bchilde  der  Züchtigung  der  unrechtmässigen  Träger  salzbur- 
gischer Hochstiftslehen  das  entschiedene  Streben  verrieth,  das 
ganze  Thalgelände  bis  zum  Rottenmanner  Tauem  von  der 
Steiermark  loszureissen.  Da  dienten  ihm  um  Sold  und  andern 
Gewinn  Glieder  der  steirischen  Ständeschaft,  deren  Namen 
vom  besten  Klange  sind  und  noch  oft  an  erster  Stelle  sich 
finden,  wo  die  wichtigsten  Landesangelegenheiten  zur  Sprache 
kommen  %  Es  sind  die  Grafen  von  Pfannberg,  Bernhard  und 
Heinrich,  Dietmar  der  Weissenecker,  Ulrich  von  Marburg, 
Wulfing  von  Treuenstein,  Albert  von  Wildhausen  und  auch 
Herr  Ulrich  von  Liechtenstein  (10)  fehlt  dabei  nicht  ')•  Dieser 
bezeugt  urkundlich,  als  treuer  Dienstmann  des  Erzbischofe, 
keinen  deutschen  Kaiser  als  den  rechtmässigen  anerkennen 
zu  wollen,  den  nicht  der  Papst  und  Deutschland's  staufen- 
feindliche  Kirchenftlrsten  als  solchen  betrachten  würden.  Tragen 
wu*  aber  den  thatsächlichen  Verhältnissen  Rechnung  und 
vergessen  wir  nicht,  wie  wenig  Ernst  man  damals  wie  zu 
zu  allen  Zeiten  mit  solchen  urkundlichen  Versicherungen  und 
Redensarten  machte,  —  so  erscheint  uns  dieses  Benehmen 
des  Liechtensteiners  ebenso  begreiflich  als  belauRlos  für  seine 
prinzipielle  Parteistellung,  die  überhaupt  in  solchen  Zeiten  all- 
gemeiner Unsicherheit  und  widerstreitender  Rechtsanschauungen, 
wo  auch  die  Besseren  nicht  immer  wussten,  was  Rechtens 
sei  und  wem  man  gehorchen  solle,  der  wechselnden  Partei- 
nahme aus  persönlichen  Beweggründen  des  greifbaren  Vor- 
theils  und  äusserlichen  Ansehens  den  Platz  stets  räumen  muss. 
Veranschlagen  wir  nämlich  den  gesammten  Bodenbesitz 
der  Salzburger  Kirche  in  der  Steiermark,  wie  er  sich  im 
eilften  Jahrhunderte  entwickelt  darstellt,  so  zeigt  derselbe  einen 
Umfang,  der  dem  Allodial-  und  Lehenbesitze  der  Traungauer 
mindestens  gleichkam.  Immerhin  blieb  derselbe  trotz  späterer 


*)  Vgl.  über  diese  Verhältnisse  die  Abhandlung  Ottokar  Lorenz'  im 
33.  Bde.  der  Sitzungsb.  der  bist.  pbil.  Kl.  und  die  Darstellung  in 
seiner  deutsehen  Gesch.  L  73—80. 

^  Die  Daten  über  den  bisherigen  Lebensgang  und  Aemterbesitz  des 
Liechtensteiners  s.  Falke  a.  a.  0.  104—112. 


—     48    — 


Wandlungen  bedeuteud  genug.  Die  Grafschaft  des  Ennsthales, 
wenngleich  ein  Bestandtheil  der  karantanischen  Mark,  später 
des  Herzogtimms  Steier,  bestand  fast  durchwegs  aus  salzbur- 
gischen Gütern  im  eigenen  Bestände  oder  in  den  Hflnd^ 
adeliger  Lehensträger  des  Hochstiftes  (1—4,  6,  8),  vor  Allem 
aber  der  Landesherzoge,  unter  denen  der  letzte  Babenberger 
Vieles  dessen,  was  er  vom  Hochstiftie  zu  Lehen  trug,  an  After- 
lehensträger vergabte.  Hier  also,  dann  am  obem  Murboden, 
wo  die  Kammerfeste  Yonstorf  einen  wichtigen  Mittelpunkt 
salzburgischen  Besitzes  bildet,  in  der  Gegend  Mittelsteiermark^s 
mit  dem  Vororte  Leibnitz  und  in  der  unteren  Mark,  allwo 
Pettau  als  eine  Hofetatt  des  Erzstiftes  bestand,  fand  sich  an 
stattlicher  Kreis  Salzburger  Vasallen  aus  der  steiermärldschen 
AdelschafL  Darf  es  uns  da  Wunder  nehmen,  dass  in  den 
Tagen  der  Unsicherheit,  als  die  Steiermark  eines  Landes- 
fürsten  entbehrte,  so  mancher  Edelherr  Gunst  und  Verdienst 
bei  dem  mächtigen  Inhaber  des  Hochstiftes  und  Bruder  des 
Kärntner  Herzoges  suchte  und  Angesichts  des  Umstandes, 
dass  es  im  Reiche  kein  allgemein  anerkanntes  Oberhaupt  gab, 
Verbindlichkeiten  einging,  die  der  Kirche  das  Entscheidungs- 
recht in  der  Königsfrage  einräumten?  Der  Liechtensteiner 
und  seine  Standesgenossen  in  gleicher  Lage  dachten  darum 
nicht  um  Haarbreite  päpstlicher  als  Andere,  höchstens  eigen- 
nütziger. 

Anderseits  begreifen  wir  aber  auch  ganz  gut,  dass  der 
Erwählte  von  Salzburg  die  günstige  Gelegenheit  nutzen  wollte, 
das  zersplitterte  Lehensgut  des  Hochstiftes  in  der  Steiermark 
zurückzugewmnen  (5)  und  für  alle  Begegnisse  einer  ausgie- 
bigen Vasallenhilfe  sich  zu  sichern  bemüht  war,  wie  die  Hof- 
tage Philipp's  im  Februar  und  Jimi  1260  zu  Vonstorf  an- 
deuten (11).  Willfährige  Lehensmannen.  wie  namentlich  die 
Pfannberger,  fehlten  nicht;  Dienstverträge  wurden  geschlossen, 
die  denn  doch  irgend  ein  Hinterpförtchen  offen  Hessen  (12, 
13)  und  der  Erzbischof  war  nicht  der  Mann  auf  halbem  Wege 
stehen  zu  bleiben,  wie  die  Rheimchronik  andeutet  An  Wil- 
lenskraft und  kriegerischer  Tüchtigkeit  gebrach  es  ihm  kei- 


—    49     — 

neswegs,    me  bald  darauf  sein  glücklicher  Kampf  mit  dem 
Görzer  und  Tiroler  Grafen  (1252)  bewies. 

Da  trat  denn  an  die  Steiermärker  die  verhängnissvolle 
Frage  heran,  wen  sie  zum  LandesfUrsten  erküren  mochten. 
Unter  den  Oesterreichem  hatte  sich  eine  starke  Partei  für 
den  Sohn  des  Böhmenkönigs  Wenzel,  Premysl  Otokar,  Mark- 
grafen von  Mähren,  Gertruden's  Schwager  und  Verwandten 
des  Sponheimers  Philipp  gewinnen  lassen.  Denn  vorderhand 
gab  es  keine  die  Vergabung  fälliger  Reichslehen  entscheidende 
Kaiser-  oder  Königsgewalt  in  Deutschland,  und  der  böhmische 
Thronfolger,  verwandt  mit  den  Babenbergem  und  dem  Kärntner 
Herzogshause,  auch  bei  dem  römischen  Stuhle  gut  ange- 
schrieben, in  der  Fülle  der  Jugend  und  Kraft,  erschien  als 
der  geeignetste  und  mächtigste  Bewerber,  freigebig  im  Lohnen 
und  nicht  karg  mit  Versprechungen  und  freundlichen  Worten. 
Ueberdies  war  er  entschlossen,  der  betagten  Margarethe,  der 
Schwester  des  letzten  Babenbergers  und  Schwiegertochter 
Kaiser  Friedrich's  H,  die  Hand  zu  reichen,  nachdem  er  im 
Spätherbste  des  Jahres  1261  *)  Oesterreich  und  auch  Wiener- 
Neustadt**),  das  Bindeglied  zwischen  Oesterreich  und  Steier- 
mark, zur  bedingten  Anerkennung  seiner  landesfürstlichen 
Gewalt  gebracht  hatte.  Endlich  darf  man  auch  nicht  über- 
sehen, dass  Philipp,  der  Erwählte  von  Salzburg,  dem  die 
Ungarn  alle  seine  Errungenschaften  in  der  Steiermark  ab- 
drangen, in  Gemeinschaft  mit  seinem  Bruder,  dem  Kärntner 
Herzoge  Ulrich,  sein  mö^ichstes  that,  um  die  Ungarn  bei 
Ottokar  anzuklagen  *")  und  den  premyslidischen  Verwandten 
zur  Annexion  der  Steiermark  aufzumuntern. 


»)  Vgl.  Lorenz,  Erwerbung  Oesterreich's  durch  Ottokar  v.  Böhmen, 
1857,  S.  11  ff.  1251,  21.  Nov.  fand  bereits  der  Huldigungstag  in 
Klostemeuburg  statt,  s.  Urkdb.  des  L.  o.  d.  E.  III.  178. 

9)  Vgl.  Erben's  Regg.  I  612  Nr.  1326. 
^^)  Beimchr.  Cap.  22. 

^^TCr  chlagt  Im  ser  den  Gewalt 
den  Im  der  Chunig  Welan 
hie  ze  Steyr  het  getan" 

BKIttlicil.   '•  Ust  y«reiaa  f.  BMtmftrk.  ZZn.  Heltf  18T4.  4 


^     I 


—     So- 


lu der  steiermärkischen  Ständeschaft  äusserte  sich  nun 
eine  Parteispaltung,  denn  mit  klaren  Besitzrechten  oder  be- 
rechtigten Ansprüchen  hatte  die  damalige  Sachlage  ninmier  zn 
schaffen.  Es  war  die  Zeit  der  Annexionen  und  Usurpationen 
gekommen,  die  Zeit,  in  welcher  die  Stäermärker  ent- 
schlossen waren,  sich  den  Herrn  selbst  zu  wählen  und  man 
wäre  versucht,  eben  diesen  Zeitpunkt  ftür  den  auffälligen 
Zusatz  von  späterer  Hand  in  den  landrechtlichen  Satzungen 
der  Georgenberger  Urkunde  vom  Jahre  1186  verantwortlich 
zu  machen.  Ein  Theil  der  steiermärkischen  Landherren 
dachte  an  ein  Zusammengehen  mit  dem  Schwesterlande  und 
stimmte  für  Ottokar's  Anerkennung.  Ob  der  Führer  dieser 
Partei,  Ulrich  von  Liechtenstein,  sein  Bruder  Dietmar  auf 
Ofienberg,  der  Treuensteiner,  Ehrenfelser  u.  A.  einzig  und 
allein  von  dem  Grundsatze  geleitet  wurden,  „es  sei  Rechtens, 
dass  Oesterreich  und  Steierland  Einer  Hand  unterthänlg  bleibe^, 
—  und  nicht  auch  andere  greifbare  Beweggründe  von  der 
böhmischen  Annexionspolitik  aufgeboten  wurden,  —  lässt  sich 
nicht  sicher  entscheiden.  Immerhin  wollen  wir  annehmen,  dass 
dabei  der  Liechtensteiner  »witzig  und  männlich'  dachte; 
überdies  gab  die  nächste  Zukunft  dieser  Partei  Recht. 

Anders  aber  dachten,  Dietmar  von  Weisseneck  an  der 
Spitze,  Friedrich  von  Pettau,  Ulrich  und  Leutold,  die  Wil- 
donier,  Wulßng  von  Stubenberg,  Heinrich  von  Pfannberg,  Sei- 
fried von  Mährenberg,  die  Ramensteiner,  der  Kranichsberger, 
Kolo  von  Seldenhofen,  —  gewiss  die  stärkere  Partei.  Sie 
kam  den  Wünschen  der  Witteisbacher,  Herzog  Heinrich's,  des 
Bruders  Pfalzgrafen  Ludwig's,  entgegen.  Dieser  musste  aber 
bald  das  willkommene  Angebot  fallen  lassen. 

Denn  sein  Schwiegervater,  König  Bela  IV.  von  Ungarn, 
war  nicht  gesonnen,  dem  Eidame  mit  Rath  und  That  be- 
hilflich zu  sein,  ihn  gelüstete  selbst  nach  dem  Besitze  der 
benachbarten  Steiermark.  Bald  gelang  ihm  die  Ausnützung 
der  wittelsbachischen  Partei  zu  ungarischen  Annexionszwecken 
und  die  Babenbergerin  Gertrude,  inzwischen  wieder  aus  ihrer 
Zurückgezogenheit  aufgetaucht,    wurde    schon    aus  Verdruss 


—     51     — 

über  die  Wendung  der  Dinge  in  Oesterreich  seine  Verbündete. 
„Mit  Boten  und  Briefen/  erzählt  die  Reimchronik,  „übergab 
sie  all'  ihr  Recht  auf  Oesterreich  und  Steierland  heimlich^ 
dem  Ungamkönige,  der  ihr  als  Entgelt  den  dritten  Gatten, 
Roman  von  Halitsch,  seinen  Neffen  auserkor.  So  dienten  beide 
Babenbergerinen,  Margarethe  und  Gertrud,  der  politischen 
Annexion  als  brauchbare  Rechtstitel,  wenngleich  Gertrudens 
bezügliche  Cession  thatsächlichen  Einflusses  so  gut  wie  ganz 
entbehrte. 

Da  Ottokar  jedoch,  seit  Februar   1252  Verlobter  und 
zwei  Monate   später  Gemahl  Margarethen's,   sich  nicht  bloss 
Herzog  von  Oesterreich,  sondern  auch  von  Steiermark  schrieb, 
überdies  alles  aufbot,  um  die  Gunst  der  Steiermärker  zu  ge- 
winnen ;  da  er  im  Sommer  des  genannten  Jahres  einen  Güter- 
vertrag mit  Dietmar  von  Steier  abschloss  (15)  und  Urkunden 
als  Herzog  der  Steiermark   aussteUt,  ja  persönUch   in  das 
Land  gekommen  zu  sein  scheint,  —  während  die  Ungarn 
einen  verheerenden  Einfall  nach  Oesterreich  und  Mähren  voU- 
fbhrten,  —  so  liegt  die  Wahrscheinlichkeit  nahe,  Bela  IV.  habe 
damals  noch  nicht  über  die  wittelsbachische  Partei  in  unserem 
Lande  verfügt  und  die  Occupation  der  Steiermark  besten  Falles 
im  Herbste  und  nur  unvollkommen  durchzuführen  vermocht. 
Ja  wir  begegnen  noch  im  Mai  und  Juni  des  nächsten 
Jahres  (1253)    dem    böhmischen  Thronfolger    als   „Herzoge 
Oesterreichs  und  Steiers"  in  unserem  Oberlande,  zu  Leoben, 
von    einem    stattlichen   Kreise    steiermärkischer    Adelsherren 
umgeben.    Auch  Dietmar  von  Weisseneck  und  Wulfing  von 
Stubenberg  finden  sich  (16)  —  aufiMlig  genug  —  darunter,  was 
auf  eine  ungamfeindliche  Haltung  Einzelner  von  der  wittels- 
bachischen   Partei    schliessen   liesse.    Ueberdies    spricht    die 
Beimchronik    von  der   Vertreibung   des   ungarischen  Haupt- 
mannes Ainbold.  Wir  bewegen  uns  somit  innerhalb  urkund- 
licher Thatsachen  und  verworrener  Ueberüeferungen,  die  kei- 
nerlei klare  und  sichere  Ansicht  ermöglichen. 

Jedenfalls  werden  wir  sicher  gehen,  wenn  wir  uns  dem 
Geleite  der  Reimchrbnik  nur  mit  grosser  Vorsicht  überlassen 

4* 


—     52     — 

und  folgenden  Gang  der  Ereignisse  als  den  wabrschdnlicfaen 
hinsteUen.  Der  erste  Zeitabschnitt  der  ungarischen  Annexion 
fäDt  in  den  Spätsommer  und  Herbst  des  Jahres  1252,  zwei- 
felsohne in  Verbindung  mit  dem  verwüstenden  Ein&lle  Bela'sIV. 
nach  Oesterreich,  der  den  Ungamkönig  um  den  20.  Juni  im 
Lager  vor  Wien  erscheinen  lässt  Ottokar's  Anwesenheit  in 
der  Steiermark  ist  für  damals  auf  urkundlichem  Wege  nicht 
genau  erweislich  ' '),  aber  thatsächlich  annehmbar. 

1253  kam  es  zu  einer  Beaction  gegen  diese  Anfii^e 
der  ungarischen  Herrschaft  in  unserem  Lande,  deren  ümÜBuig 
wir  eben  so  wenig  als  die  sie  leitenden  Persönlichkeiten  klar 
zu  erkennen  vermögen.  *^)  Wahrscheinlich  hatte  sie  sich  an- 
fiüiglich  einer  Maske  bedient,  als  vertrete  sie  nur  das  Inter- 
esse des  Witteisbachers  und  lüftete  sie  erst  allgemach.  Diese 
Reaction  benutzte  Ottokar  und  so  begreifen  wir  dessen 
Anwesenheit  im  Mai  des  genannten  Jahres  zu  Leoben  im 
Oberlande  und  die  (Gegenwart  zweier  ansehnlicher  Vertreter 
der  wittelsbachischen  Partei,  insbesondere  ihres  Führers  Dietmar 
von  Weisseneck,  neben  Ottokar's  Hauptanhänger,  Ulrich  von 
Liechtenstein  (16). 

Ungarns  Angriff  auf  Oesterreich  und  Mähren  im  Juni 
1253  war  mit  einem  bald  erfolgenden  Einfalle  der  Baiem 
nach  Oesterreich  combinirt  und  da  Ottokar  von  seinem  Vater 
selbst,  trotz  der  Grösse  dieser  Kriegsgefahr,  aus  Groll  und 
Argwohn  im  Stiche  gelassen  wurde,  hatte  er  den  Aufwand 


11)  Bei  Lambacher  findet  sich  Anh.  81—82  Nr.  XXI  eine  ürkmide 
Ottokar's  vor,  die  seine  Anwesenheit  zu  Graz  L  J.  1252  bezeoft, 
aber  ohne  jede  n&here  Zeitangabe. 

*>)  Reimchronik,  Gap.  21,  22.  Joan.  Victor,  a.  a.  0.  I.  B.  4.  Gap.  der  der 
Reimchronik  nachschreibt,  fitsst  dies  in  nachstehende  Worte  zusammen : 
Ungari  autem  terre  presides  populum  inconsuetis  angariis  qipri- 
mentes  nobiles  et  plebeios  nimium  perturbabant.  Gonsiderantea  igitor 
ex  hoc,  quod  omnes  Ottocaram  afifectarent  et  oottidie  eins  patro- 
dninm  implorarent,  formidantes  et  natantes  vacillantibas  aaimis  ad 
propria  redieront.  Qmbns  (üngaris)  eliminatis  et  de  terra  egressb 
Ottokarus  advocator  et  occnrente  sibi  populo  de  singulis  civitatibos 
cum  laude  princeps  Styrie  potentialiter  est  effectas. 


:t. 


—     53     — 

all^  seiner  Kräfte  nöthig,  um  Oesterreich  und  Mähren  zu 
retten.  Thatsächlich  musste  er  also  die  Steiermark  preisgeben 
oder  richtiger  gesagt  der  Selbstvertheidigung  überlassen.  Jene 
Aenderongen  somit,  welche  unser  Reimchronist,  die  einzige 
Quelle  dieser  steiermärkischen  Geschichtsepoche,  an  die  erste 
Annexion  der  Ungarn  knüpft  und  durch  Ottokar  bewirken 
lässt,  nämlich  die  angebliche  Vertreibung  des  ungarischen 
Hauptmannes  Ainbold  (Ompud?)  und  die  Uebertragung  der 
Landeshauptmannschaft  von  Witigo  auf  Heinrich  von  Pfann- 
berg, müssten  in  die  Zeit  von  1252  —  Mai.  Juni  1253  ge- 
stellt werden.  Aber  ihr  Detail  hält  der  urkundlichen  Kritik 
nicht  Stand. 

Ainbold's  Vertreibung  müssen  wir  aus  Mangel  an  ander- 
weitigem Quellenmateriale  unerörtert  lassen.  Aber  bezüglich 
Witigo's  ist  die  Reimchronik  im  Irrthum;  er  war  nie  Landes- 
hauptmann, sondern  Landschreiber  der  Steiermark;  ebenso- 
wenig begegnet  uns  eine  urkundliche  Spur  dar  von  dieser 
Quelle  behaupteten  Landeshauptmannschaft  des  PÜEumbergers, 
die  besten  Falles  nicht  lange  währen  mochte,  da  auch 
Hartnid's  von  Pettau,  Wulfing's  von  Stubenberg,  Leutold's 
von  Stadek  und  WuliSng's  von  Treuenstein  in  gleicher  Eigen- 
schaft gedacht  wird  '').  Nun  aber  entsteht  die  wichtige  Frage: 
hielt  Ottokar  den  factischen  Besitz  der  steiermärkischen 
Herrschaft  bis  1254  fest?  Dass  der  Angriff  der  Ungarn 
zurückgewiesen  wurde,  scheint  aus  den  allerdings  sehr  unbe- 
stimmten Andeutungen  der  Quellen  hervorzugehen.  Mitte  Sep- 


*')  Vgl.  Reimchronik  a.  a.  0.  S.  34—35.  Im  Victoriensis  a  a.  0  S. 
287—8  (I.  Buch,  4  Gap.),  der  in  diesem  Theile  seiDer  Chronik  ein 
Auszug  der  Reimchronik  genannt  werden  darf,  werden  die  Ereignisse 
übersichtlicher  geordnet,  ohne  dass  wir  jedoch  klarer  darin  sähen. 
Tangl  in  seinen  Abh.  über  die  Pfannberger,  II.  Abth.  Arch.  f.  K. 
ö  0.  18.  Bd.,  S.  127,  hält  sich  wohl  bezüglich  des  Pfannbergers 
an  die  Reimchronik  —  muss  sich  aber  (128)  aus  Mangel  ander- 
weitiger Belege  mit  der  Doppelannahme  helfen,  dass  er  „entweder 
Landeshauptmann^  oder  „  oberster  Landesrichter^  war  und  auch  in 
letzterer  Hinsicht  ist  die  von  ihm  angezogene  Gösser  Urkunde  vom 
12.  October  1254  ein  magerer  Behel£ 


-     54     — 

tember  d.  J.  treffen  wir  den  Sohn  WenzeFs  I.  zu  Krems,  wo 
er  dem  apo&folischen  Sendboten,  Cardinalbischofe  Guido,  die 
feierliche  Zusage  gibt,  den  König  Wilhelm  zu  unterstutzen 
und  aus  dessen  Hand  persönlich  Oesterreich  und  Steiermark 
als  Keichslehen  entgegenzunehmen.  Ueberdies  besitzen  wir 
eine  Urfiunde  Ottokar's  vom  17.  December  1253,  zur  Zat, 
wo  sein  Vater  bereits  verstorben  (22.  September)  und  er 
selbst  Böhmenkönig  geworden  wu*,  in  welcher  er  sich  offenbar 
als  Landesherr  der  SteiermM-k  geberdet,  da  er  Witigo,  dem 
Laadschreiber  der  Steiermark  und  dessen  Bruder  Ruotger  die 
Etiaubniss  ertheilt,  das  Schloss  Haldenrain  (Halbenrein)  in  der 
Gegend  von  Radkersburg  zu  verkaufen  (17), 

Ottokar  führt  auch,  nachdem  die  seit  Juli  1253  durch 
den  Cardinallegaten  Guido  im  päpstlichen  Auftrage  versuchte 
Friedensvennittlung  zu  einem  Waffenstillstände  gedieh,  den 
Titel  eines  Herrn  oder  Herzogs  von  Steiermark  weiter  und 
wemi  auch  aÄf  solche  Titel  wenig  Gewicht  zu  legen  ist,  so 
ist  es  dennoch  bemerkenswerth,  dass  uns  keine  einzige  Urkunde 
überliefert  blieb,  welche  für  die  Zeit  von  1253  bis  3.  April 
1254  das  landesherrliche  Walten  der  Ungarn  in  unserem 
Lande  bezeugt  So  bleibt  uns  denn  kein  anderer  Ausweg,  als 
die  auch  von  den  damaligen  Chroniken  unterstützte  Annahme, 
die  Ungarn  seien  bis  zum  letztem  Zeitpunkte  nicht  als  Herren 
der  Steiermark  zu  betrachten,  Ottokar  habe  dagegen  als 
Inhaber  landesfürsüicher  Gewalt  allhier  zu  gelten.  Denn  auch 
das  Ofher  Friedensinstrument  verräth  deutlich,  dass  in  Bezug 
der  Steiermark  Ottokar  die  Abtretung  '*)  vornimmt  und  dafür 
durch  ein  seiner  österreichischen  Herrschaft  zu  Gute  kom- 
mendes GebietsstUck  entschädigt  wird,  überdies  der  Arp^enhof 
für  die  Befriedigung  der  „Herrin  von  Impirg",  d.  i.  Gertruden's, 
zu  sorgen  hat  (18).  Was  letzteren  Funkt  betrifft,  so  bleibt 
der  Name  „domina  de  Impirg",  worurtfer  man  Gertrude  ver- 
stehen muss,  allerdings  ein  sonderbarer  Fund,   der  sich  aber 

**)  Daher  heiagt  ea  auch  io  den  gleichzeitigen  Anualeg  ADStrife  z.  B. 
Mellic.  Cont  Predicat.  Tindob.  Sancruc.  II.  Eodem  aimo  Ottokarui 
Duz  AuBtriee  aBsignavit  Bele  rägi  Ungarin  Stjriam. 


—     55     — 

einfach  auf  ein  Schreibversehen  statt:  Judenburg  zurück- 
führen lässt.  So  heisst  in  einer  ottokarischen  Urkunde  vom 
Jahre  1261  Friedrich,  Gertruden's  Sohn,  Friedericus  filius 
dominae  G.  ducissse  de  Judenburch  *').  Durch  die  ßeim- 
chronik  erfahren  wir  auch,  dass  Gertruden  als  Leibgeding: 
Leoben,  Enittelfeld,  Judenburg  am  obem  Murboden,  Grazlupp 
bei  Neumarkt .  und  YoiJbsberg  mit  Tobl  im  Eainachgelände 
Mittelsteiermarks  zugewiesen  wurden.  *•)  —  EndUch  haben 
wir  noch  ein  paar  Worte  über  das  in  jenem  Frieden  an 
Ottokar  überlassene  Gebiet  zwischen  dem  Südufer  der  Donau 
and  der  Wasserscheide  des  Murflusses  zu  bemerken.  Dass 
zunächst  der  Traungau  und  die  ehemalige  Püttner  Mark  an 
Oesterreich  fiel,  unterhegt  keinem  Zweifel  '^).  Doch  auch  das 
ganze  Ennsthal  gehörte  demzufolge  nicht  zu  dem  von  den 
Arp&den  erworbenen  Steierlande  und  müssen  wir  bei  dem 
»Schlosse  Schwarzenbach"  an  das  heutige  Schwarzenbach  im 
Bottemnanner  Bezirke  denken,  das  sich  Ungarn  als  Grenz- 
punkt seines  Antheiles  aufs  angelegentlichste  sichern  wollte, 
so  griffe  die  damalige  Ländermarke  in's  Paltenthal  hinein, 
das  allerdmgs  ausserhalb  der  Wasserscheide  der  Mur  liegt. 


IL  Die  Terireibong  der  ÜDgarn  aus  der  SleJerinark  und  die  dauernde  Be- 
gründung der  Herrschall  OUokar^s  im  lande.  E.  12S9 — 1267  samml  den  ein- 
leitenden Verhältnissen  seil  Uli 

Die  ungarische  Herrschaft  in  Steiermark  hatte  mit  dem 
Olher  Frieden  vom  Jahre  1254  ihre  Feststellung  gefeiert^ 
aber  einen  bleibenden  Schatten  geworfen.  Bela  lY.  willigte  nämlich 


«)  Palacky  II,  1,  S.  187,  Note  259. 

")  Reimchronik,  26.  Cap. 

*'')  Ziemlich  genau  verzeichnen  auch  die  Ann.  Mellic.  die  Begrenzung 
durch  den  Ofoer  Frieden :  s.  Monum.  Germ.  XI.  S.  509  —  in  denen 
als  Grenzmarken  der  Berg  Semtirich  (Semering)  und  Agmund  (Ad- 
mont)  genannt  werden  und  im  Victor,  a.  a.  0.  S.  288  heisst  es: 
positisqne  metis  terras  distinguentibus,  scilicet  montibus  Semernich 


—  se- 
in eine  Gebietsabb-etung  an  Ottokar,  velche  die  Steiennfiricer 
Qbel  vermeticen  nLUBeten,  denn  sie  geschah  auf  Kosten  der 
alten  Landesgrenzen.  Schon  die  Anfänge  der  irptldischen 
Aonexion  1252/1253  hatten  nur  sehr  getheilte  S]rmpathien 
unter  den  Stfinden  des  Landes  finden  mQss«L  An  einer 
Ottokar  immerdar  befremideten  Partei  wird  es  nicht  gefehlt 
haben,  wenn  sie  sich  auch  ruhig  verhielt  und  die  ungarische 
Herrschaft  äusseriich  anerkannte.  Ueberdies  gedachte  so  Mancher 
besserer  Tage,  als  noch  Steiermark  und  Oesterreich  in  eiaex 
Hand  lagen  und  mochte  die  Wiedervereinigung  der  Schwester- 
laude  in  der  Person  OttokarX  des  Gatten  der  Babenbeigerin 
Margarethe,  berbeiwonsdien. 

Anderseits  befand  sich  noch  eine  Babenbergerin  im 
Lande,  Gertrud,  welche  von  ihrem  dritten  Gatten,  einem  Köder 
ungarischer  Politik,  getrennt,  sich  fUr  ihre  eigene  Person  in 
dem  Stülleben  zurechtfinden  mochte,  —  immerhm  aber  8uf 
ihren  Leibgedingsitzen  Gegenstand  der  Aufinerksamkeit  jener 
Elemente  der  adeligen  Landschaft  blieb,  wdche  in  ihr  die 
Inhaberin  emes  Erbrechtes  gegenüber  der  politischen  Annexion 
oder  Usurpation  des  Landes  erblickten. 

Dass  sich  ihr  Sohn  zweiter  Ehe,  Friedrich,  der  nach- 
malige Schicksalsgenosse  des  letzten  Sprossen  vom  eriaucht«D 
Hause  der  Stanfen,  des  Titels  „Herzog  von  Oesterreich  und 
Steiermark"  bediente,  gerade  wie  Beine  Mutter  dies  noch 
fortan  that,  dieselbe  Frau,  welche  man  in  dem  O&er  Frie- 
densinstrumente  vom  Jahre  1254  wohl  nicht  ohne  Abgeht 
mit  dem  aospruchaloseren Titel  Herrin  von  Impirg(Judea- 
burg)  abgefertigt  wissen  wollte,  —  war  gewiss  der  ungari- 
schen Herrschaft  nicht  sonderlich  willkommen. 

Auch  ist  es  nicht  ganz  bedeutungslos,  dass  jener  Land- 
schreiber der  Steiermark,  Witigo,  der  in  seinem  Amte  so 
manchen  Wechsel  der  Zeiten  überdauert  hatte,  der  schon  um 

et  fiaiperch  . . .  Bezeichnend  sagt  der  Bog.  Aoon.  Leob.  (a.  a. 
125S)  ünde  ezortoin  est,  ut  iiti  in  nova  civitate  et  circnm 
qaaque  dicniitar  Anttralee,  cum  tarnen  eadem  cifitaa 
Sita  lit  in  terra  Styrie. 


—     57     — 

1244  unter  dem  letzten  Babenberger  auftaucht*^,  1248  „von 
Reiches  wegen  **  (sacri  imperii  per  Styriam)  bestellt  erscheint, 
in  der  ersten  Epoche  der  ungarischen  Herrschaft,  dann  unter 
Ottokar  und  wieder  in  den  ersten  Tagen  der  neu  begründeten 
Arpidenherrschaft  seine  wichtige  Stelle  bekleidete,  gerade  im 
Jahre  1265,  in  welchem  er  (10.  Jänner)  von  Gertrud  als 
„Herzogin  von  Oesterreich  und  Steiermark"  (17)  sich  neuer- 
dings sem  Besitzrecht  auf  das  Schloss  Halbenrain  bestätigen 
lässt,  zum  letzten  Male  als  Landschreiber  erscheint  und 
dieses  Postens  ledig,  alsdann  in  Diensten  Ottokar's  als  Land- 
schreiber Oberösterreichs  auftaucht,  wo  er  als  Opfer  der 
Privatrache  1256  im  Kloster  S.  Florian  den  Tod  findet 

Aber  es  ist  gerathener,  den  schlüpfrigen  Boden  der  halben 
Thatsachen  und  Yermuthungen  zu  meiden  und  dem  Nächst- 
liegenden nachzuspüren. 

Die  ungarische  Fremdherrschaft,  an  deren  Spitze  wu* 
seit  der  zweiten  Hälfte  des  Jahres  urkundlich  den  Ban 
(„Herzog")  von  Croatien-Slavonien  Stefan,  aus  dem  Geschlechte 
der  Subi6  (nachmals  Zrinyi),  zunächst  mit  dem  Sitze  auf  der 
Barg  zu  Graz  vorfinden,  darf  durchaus  nicht  in  so  schwarzen 
gehässigen  Farben  gedacht  werden,  wie  sie  die  Beimchronik 
wählt  Schwieriger  erscheint  die  Beantwortung  der  Frage,  ob 
die  Ungamherrschaft  Losreissungen  steiermärkischen  Landes, 
etwa  im  Süden  der  Drau  zu  Gunsten  der  Vergrössemngen 
des  slavonischen  Banates  versuchte  ^\  Die  ärp&dische  Re- 
gierung, des  Banus  Stefan  Verwaltung  war  und  musste  vor 
Allem  die  Herrschaft  der  gesetzlichen  Ordnung  werden,  sie 
musste  mit  den  Auswüchsen  der  gesellschaftlichen  Zustände, 
mit  dem  rechtsverletzenden  Uebermuthe  Einzelner  und  mit 
der  allgemeinen  Unsicherheit  aufräumen  und  da  sie  selbst 
keinen  festen. Bechtsboden  unter  den  Füssen  ftkhlte,  den  Halt 
dabei  in  der  Gunst  eines  Standes  suchen,  der  besonders  über 
Verletzungen  sefaier  Besitzrechte  zu  klagen  hatte,  nämlich  der 
Glerus,  die  geistlichen  Körperschaften  im  Lande. 

1«)  Meiller'8  Babenb.  Begg.  177  (181),  180  (146). 
iv\  Vgl.  Lorenz  a.  a.  0.  I  S.  188. 


—     58    — 

Gleich  im  ersten  Zeiträume  begegnen  wir  einer  ürknnde  vom 
Jänner  1255,  worin  der  Landesrichter  der  Steiermark,  Gott- 
fried von  Marburg  und  der  Landesmarschall,  Friedrich  der 
Jüngere  von  Pettau,  über  Auftrag  des  Königs  von  Ungarn 
und  seines  Statthalters,  des  Banus  Stefan,  Güterstrafrai  aber 
eine  Reihe  von  Edeln  verhftngon,  die  sich  an  d^n  Besitze 
der  Deutschordenskirche  in  Graz  vergriffen.  Weitere  Schied- 
und  Urtheilssprüche  drehen  sich  um  die  Besitzrechte  und 
Schadenansprüche  der  Kirchen  Seckau,  St  Lambrecht,  Göss  *^ 
Admont,  Rein,  Vorau  u.  s.  w.,  wobei  die  Edelherren  und  Mini- 
sterialen von  Massenberg,  Wulfing  von  Stubenberg,  Herrand 
von  Wildon,  Wulfing  von  Treuenstein,  Ekkehard  von  Dobr^[ige, 
Heinrich  Graf  von  Pfannberg,  Gottschalk  von  Neuberg  u.  s.  w^ 
also  Namen  von  Ansehen  im  Lande  als  sachfUlige  Verge- 
waltiger kirchlichen  Gutes  und  Rechtes  erscheinen  (21.) 

Auch  das  kirchliche  Leben  litt  an  inneren  Störungen. 
Am  schlimmsten  muss  es  diesfalls  im  Kloster  Admont  aus- 
gesehen haben,  wenn  wir  der  inhaltschweren  Bulle  P.  Inno- 
cenz  lY.  vom  13.  April  1252  gedenken  und  darin  lesen,  dass 
es  im  State  „einige  Mönche  und  Laienbrüder *"  gab,  die  ge- 
waltsam Hand  an  einander  legten,  sich  am  Klostereigenthum 
vergriffen,  jeden  Gehorsam  verweigerten,  Parteiung  und  Auf- 
ruhr säeten  und  trotz  des  Bannfluches  ihres  Abtes  den  geist- 
lichen Verrichtungen  oblagen.  Der  Papst  empfiehlt  Ottokam 
um  dieselbe  Zeit  den  Schutz  des  bedrängten  Stiftes  und  eben 
solchen  Schirmbriefen  (14,  a,  b,  19,  22)  begegnen  wir  1254 
den  8.  Aprfl  und  1 5.  Juli,  ohne  dass  jedoch  Admont's  Ver- 
hältnisse in  ein  besseres  Geleise  kamen.  Denn  es  lag  in  einem 
Gebiete,  das  durch  den  Oiher  Frieden  ausdrücklich  von  der 
Steiermark  geschieden  war,  der  Salzbui^er  Territorialhoheit 
unterordnet  erscheint  und  durch  die  Salzburger  .Wirren  in  ein 
Wirrsaal  von  Bedrängnissen  gestürzt  wurde.  Das  Ennsthal 
gleichwie  der  Lungau  erscheinen  während  der  ganzen  Epoche 


^)  In  der  Urk.  v.  M.  Oct  Graz  1256  (LA.)  überantwortet  der  Landes- 
richter Gottfried  Ton  Marburg  der  Aebtissin  die  Guter  des  Wttlfing 
von  Treuenstein  und  des  Ekkehard  von  Dobrenge. 


—     69     — 

seit  dem  Interregnum  bis  zum  Schlüsse  der  ungarischen  Herr- 
schaft in  der  Steiermark  als  Tummelplatz  verheerender  Fehden. 

Und  so  müssen  wir  denn  auch  des  Salzburger  Bisthums- 
Streites  -  *)  in  Kurzem  gedenken,  da  er  uns  den  Einblick  in 
Verhältnisse  erleichtert,  welche  schliesslich  die  ungarische 
Herrschaft  aus  den  Angehi  hoben.  Der  „Erwählte**  Philipp, 
den  das  Decret  Papst  Alexander's  IV.  aus  dem  Gefühle  der 
Sicherheit  aufgeschreckt  hatte,  war  einer  der  entschiedensten 
Widersacher  der  Arpädenpolitik,  seit  deren  1252  unter  wit- 
telsbachischer  Firma  vorübergehend  begründete  Herrschaft  im 
Steierlande  die  ganzen  territorialen  Errungenschaften  Salzbutg's 
bedrohte.  Philipp  „klagte  darob  sehr"  bei  Ottokar,  erzählt 
die  Reimchronik,  und  hielt  um  so  fester  die  Partei  des  Pre- 
misliden.  —  Der  Ofaer  Frieden  vom  April  1264  rettete  offenbar 
die  Occupationen  Philipp's  und  er  sowie  sein  Bruder  Ulrich, 
der  Kärntner  Herzog,  wurden  zweifellos  durch  Ottokar  in 
diese  Uebereinkunft  mit  König  Bela  IV.  eingeschlossen. 

Der  Salzburger  Erwählte  war  den  Ungarn  ein  Dom  im 
Auge  und  wir  können  dem  Ausspruche  der  gegen  ihn  1256 
von  den  bairischen  Bischöfen,  dem  Freisinger,  Passauer,  Begens- 
burger,  Chiemseer  und  Lavanter  beim  römischen  Stuhle  ein- 
gebrachten Klageschrift  beipflichten,  wenn  es  darin  heisst,  dass 
Philipp  „vielerlei  Fehden  des  Ungarnköniges  mit 
den  Vornehmen  der  Steiermark  und  desselben 
Königs  mit  dem  von  Böhmen  veranlasst  habe**. 
Als  nun  sein  Kampf  mit  dem  Seckauer  Uhrich  um  das  Hoch- 
stift Salzburg  losbrach,  stand  er  mit  Ottokar  bereits  im  engen 
Bttndniss.  Die  Sponheimer  Brüder,  Herzog  Ulrich  und  der 
genannte  Philipp  schlössen  überdies  zu  Liecbtenwald  an  der 
Save,  einem  Schlosse  des  Salzburger  Hochstiftes,  eine  Erb- 
theSung  und  ein  festes  Bündniss. 


'*)  Ueber  den  Salzburger Bisthumsstreit  s.  Hundt  Metrop.  Salisb.  Hans iz 
Germ,  sacra  II,  Zauner  Chronik  von  Salzburg,  0  Lorenz  cit  Abb. 
Deutsche  Gesch.,  Pichler  Landesgesch.  v.  Salzburg;  die  wichtigsten 
Actenstücke  sanunelte  Chmel  im  108.  Bde.  der  Wiener  Jahrbücher 
f.  Litter.;  das  Material  auch  theüweise  b.  Muchar  6.  Bd. 


—     60 


Umsomehr  konnte  sich  nun  der  gewaltthätige  Sinn  und 
unbeugsame  Trotz  des  Erwfthlten  von  Salzburg  wider  sdnen 
Rivalen  und  dessen  Anhang  kehren,  und  die  salzburgischeii 
Besitzgrttnde  im  eigentlichen  Hochstifilande  so  gut  wie  im 
Baierischen,  in  Kärnten  und  m  der  Steiermark  nicht  minder 
als  in  Oesterreich,  wurden  zum  Zankapfel  der  Parteien  und 
zum  lockenden  Gewinne  rftuberischer  Selbstsucht 

Dass  der  üngamkönig  die  Partei  des  Seckaums  nahm, 
ist  um  so  begreiflicher  und  gewiss  suchte  sich  Ulrich  dieser 
Gönnerschaft  zu  yersichem,  bevor  er  das  gefiihrliche  Wagniss 
unternahm,  dem  seine  Persönlichkeit  eben  so  wenig  gewachsen 
war  als  sein  materielles  Vermögen.  In  der  That  sollte  die 
Halleiner  Wahl  Ubich's  (1256)  zum  Erzbischofe  der  Fluch 
seines  Lebens  werden  und  der  Mann,  der,  aus  schlichten 
Lebensverhältnissen  hervorgegangen,  als  Schreiber,  dann  Notar 
und  Protonotar  der  herzogliche^  Kanzlei  es  endlich  zum 
Seckauer  Bischöfe  gebracht,  hätte  sich  als  guter  Theologe 
und  gewissenhafter  Seelsorger  mit  dieser  Lebensstellung  be- 
gnügen sollen,  statt  mit  seinen  mittelmässigen  Fähigkeiten, 
seinem  schüchternen  Wesen  und  fohlbaren  Geldmangel  iea 
Kampf  gegen  den  Bruder  des  Kämtnerherzogs  und  Ver- 
wandten des  Böhmenkönigs  au&unehmen.  Dem  Seckauer  war 
in  der  That  ein  domiger  Pfad  bitterer  Enttäuschungen  und 
Demttihigungen  aufgespart  und  gerade  von  Seiten  der  päpst- 
lichen Curie,  auf  die  er  die  meisten  Hofihungen  setzte,  traf 
ihn  der  herbste  Schlag. 

Eben  zur  Zeit,  als  er  in  Rom  wdlte,  um  seine  Ange- 
legenheiten persönlich  zu  fördern  (1258),  kam  es  in  Stdermark 
zu  Ereignissen,  die  wir  als  Anzeichen  bedrohlicher  Art  fbr 
die  Ungamherrschaft  in's  Auge  zu  fassen  haben  und  sicher 
nicht  ausser  aller  Verbindung  mit  dem  schwebenden  Salz- 
burger Handel  denken  dürfen.  Die  Hauptrolle  erscheint  dabei 
dem  Mährenberger  zugewiesen. 

Seifrid  von  Mährenberg,  ein  Sohn  Albert's  und  der 
Gisela,  erscheint  um  das  Jahr  1251  neben  seiner  Mutter  als 


—    61     — 

Stifter  des  Klosters  der  Dominikaner-Nonnen  zu  Mfthren- 
berg'*). 

Wir  haben  ihn  dazumal  schon  im  reifsten  Mannesalter 
zu  denken,  da  in  derselben  Urkunde  sowohl  der  aus  seiner 
Ehe  mit  Bikardis  entsprossenen  Tochter  Anna,  Gattin  Liutold's 
von  Stadeck,  als  auch  der  Enkel  Hermann  und  Anna  Er- 
wähnung geschieht 

Seifrid  von  Mfthrenberg  war  einer  der  angesehensten 
Adelsherren  im  Steierlande,  allhier  und  im  Kämtnerlande  reich 
begütert,  als  Dienst-  und  Lehensmann  des  Herzogs  von  Steier, 
des  Kärntner  Landesfbrsten  und  —  wie  uns  eme  spätere 
Urkunde  lehrt  —  Mmisteriale  der  Prinzessm  Grertrud.  Wir 
begegneten  ihm  1252  als  Parteigänger  der  wittelsbachischen 
Adelsfraction,  die  sich  dann  zur  Anerkennung  der  Arpäden- 
herrschaft  bequemte  oder  bequemen  musste. 

Dass  diese  Herrschaft  in  ihrem  Vertreter,  Banus  Stefon, 
bei  den  stdermärkischen  Adelsherren  durchaus  nicht  beliebt 
war,  haben  wir  bereits  angedeutet  Dass  jedoch  auch  die 
Sponheimer  und  Ottokar  vor  Allem  nicht  ruhig  zusahen,  son- 
dern vielmehr  die  Unzufriedenheit  zu  schüren  beflissen  waren, 
unterliegt  keinem  Zweifel,  denn  das  legte  der  Parteistand- 
punkt im  Salzburger  Handd  nahe  und  gebot  die  Annexions- 
politik des  Böhmenkönigs,  der  die  Rückerwerbung  der  Steier- 
mark fest  im  Auge  behielt 

Wir  sind  über  die  Sachlage  nur  sehr  oberflächlich  unter- 
richtet und  erÜAhren  nur,  dass  der  ungarische  Statthalter  den 
Mährenberger  zur  Verantwortung  nach  Graz  vorlud,  und  als 
der  Angeklagte  nicht  erschien,  ihn  auf  seinem  Burgsitze  be- 
lagerte. Da  fiel  jedoch  Hartnid  vonPettau  mit  den  aufständischen 
Adeligen  des  Drauthales  über  Stefan  und  seine  Mannschaft  her, 
schlug  sie  und  nOthigte  den  Statthalter  zur  schleunigen  Flucht 
nach  Ungarn.  So  schien  die  Arpädenherrschaft  wie  mit  emem 
Schlage  beseitigt  Doch  so  leichten  Kaufes  wollte  sie  König 


st)  Machar  5,  238.  Die  Copie  derselben  Urkunde  im  Landesarchive  der 
Steiermark 


~     62     — 

Bela  IV.  nicht  preisgeben.  Er  schickte  seinen  Thronfolger 
Stefan  mit  starkem  Heere  in^s  Land  und  dieser  belagerte  den 
Pettauer  in  der  gleichnamigen  Stadt  und  Feste  salzbui^chen 
Besitzes. 

Gerade  damals  war  Erzbischof  Ulrich  aus  Born  zurück- 
gekehrt und  in  das  ungarische  Lager  vor  Pettau  geeilt 
Hartnid  hatte  die  Aufiforderungen  zur  Uebergabe  mit  der 
Erklärung  zurückgewiesen,  er  werde  darin  nur  dem  recht- 
mässigen Erzbischof  von  Salzburg  willfahreui  Anderseits  erwi- 
derte Prinz  Stefan  auf  die  Bitten  Ulrich's,  man  möge  der  Stadt 
schonen  und  abziehen,  er  müsse  Hartnid  als  Bebellen  strafen. 
Der  Erzbischof,  dem  Alles  an  einem  festen  Bündnisse  mit  der 
ungarischen  Herrschaft  wider  Philipp  gelegen  war,  fand  nun 
keinen  andern  Ausweg,  als  die  Verpfändung  Pettau's  an  die 
Ungarn,  gegen  ihr  Versprechen,  Kriegshilfe  zu  leisten  und  die 
Baarzahlung  der  Pfandsumme  von  3000  Mark. 

Hartnid  übergab  nun  die  Stadt,  Prinz  Stefan  nahm  mit 
seiner  Gattin  kumanischen  Stammes  den  Sitz  zu  Pettau  und 
alles  schien  in's  beste  Geleise  zu  kommen.  Denn  der  Kampf 
um  Salzburg  lenkte  die  Blicke  nach  Aussen  ab.  Unter  der 
Führung  des  Liechtensteiner's  Ulhch  zogen  die  Kampfgenossen 
des  Seckauers,  um  guten  Sold  und  noch  reichere  Beute,  die 
Offenbei^er,  Wulfing  von  Stubenberg,  Hartnid  von  Ort,  Herrand 
der  Wildonier  und  Andere  in  den  Lungau ;  auch  Hartnid  von 
Pettau  fehlte  nicht  dabei 

Aber  die  Unternehmung  scheiterte  kläglich,  obgleich  ihr 
die  Arpädenpolitik  durch  einen  Angriff  auf  Kärnten  nachhalf; 
bald  lesen  wir  von  der  Flucht  Ulrich's  heimwärts  und  von  seinem 
trüben  Stillleben  zu  Piber  als  gebannten  Schuldners  der  Curie. 
Sein  Bivale  Philipp  gebot  über  die  Streitkräfte  seines  Bruders 
und  die  Kriegshilfe  des  Böhmenköniges,  welcher  dreimal  reisige 
Schaaren  auf  den  Kriegsschauplatz  sandte.  Und  noch  einmal 
wagte  sich  der  Seckauer  aus  seiner  Zufluchtsstätte  hinaus, 
allerdings  ohne  Heer,  in  Verkleidung.  Doch  als  er  in's  Enns- 
thal  gekonmien,  erkannten  ihn  Admonter  Klosterleute;  Heinrich 
von  Botenmann  jagte  ihm  nach  und  bald  fand  Ulrich  unfrei- 


J 


—     63     — 

willige  Müsse,  auf  dem  Schlosse  Wolkenstein  über  den  Wechsel 
der  Dinge  nachzusinnen.  Er  war  Gefangener  seines  Rivalen 
geworden,  der  mächtiger  und  trotziger  sich  geberdete  als 
zuvor  (E.  1259). 

Dieser  Ausgang  des  Handels,  insbesondere  die  Niederlage 
des  stdermftrkischen  Heergefolges  bei  Badstadt  £.  1258  warf 
denn  auch  einen  Schatten  auf  die  Ungamherrschalt,  unter 
deren  Anspielen  der  Feldzug  unternommen  wurde.  Und  dieser 
Schatten  verlängerte  sich,  da  ihre  eigene  Unternehmung  wider 
Kärnten  im  Frtthsommer  1259  keinen  Erfolg  hatte. 

Der  Einfall  der  Ungarn  in's  Eämtnerland  muss  in  den 
Juni  des  Jahres  1259  gestellt  werden;  wenn  nämlich  die 
Heimzahlung  dieser  Feindseligkeiten  seitens  der  Kärntner 
und  ihrer  böhmischen  Hil&schaaren  Ende  Juni  und  Anfang 
Juli  sicher  steht  Denn  Ende  Mai  noch  befand  sich  der 
jüngere  König  von  Ungarn,  Stefan,  als  Herzog  der  Steier- 
mark zu  Graz,  in  offener  Gerichtsversammlung,  die  in  einer 
gleichzeitigen  Urkunde  als  „erste  des  Herrn  Stephan**  be- 
zeichnet wird ;  umgeben  von  imgarischen  Magnaten  und  steier- 
märkischen  Edelherren  (26).  Damals  war  auch  der  auf  Wol- 
kenstein gefangen  gehaltene  Erzbischof  Ulrich  durch  Ottokar's 
kluge  Vermittlung  längst  frei  geworden  und  verwendete  sich 
in  jenen  Tagen  für  die  Vereinigung  des  verfallenen  Spitals 
im  Cerewalt  am  Semering  mit  der  Seizer  Karthause. 

Die  Action  der  Arpäden  gegen  Kärnten  fiel  ungünstig 
aus;  Uhrich  und  Philipp,  die  Sponheim'schen  Herzogsbrüder, 
deren  Ersterer,  nebenbei  erwähnt,  A.  Mai  1269,  mit  dem 
Heunburger,  Weissenecker  u.  A.  im  Gefolge,  zu  Göss  im 
ältesten  Kloster  der  Steiermark,  als  (rönner  desselben  ur- 
kundlich auftaucht  (24),  warfen  bald  die  Ungarn  zurück  und 
vergalten  die  Feindseligkeiten  mit  allem  Nachdruck. 

Diese  Ereignisse  mussten  für  die  Unganiherrschaft  im 
Steierlande  verhängnissvoll  werden.  —  Wir  haben  oben  des 
Unmuthes  einer  wachsenden  Partei  gedacht  Diese  Partei 
hatte  im  Jahre  1258  einen  Erfolg  gegen  das  Begiment  der 
Ungarn  gewonnen.  Sie  wurde  durch  das  Erscheinen  des  Königs- 


—    64     — 

Sohnes  mit  Heeresmacht  etwas  eingeschüchtert,  aber  nicht  ge- 
brochen. Die  Schlappe  Erzbischofs  UUch  v.  E.  1259  war 
gewissermassen  auch  eine  Schlappe  der  Arp^enpolitik,  die 
erfolglose  Unternehmung  gegen  Efimten  geradezu  aber  eine 
Demüthigung  der  ungarischen  Waffen.  Das  Ansehen  der  Fremd- 
herrschaft erlitt  so  Stoss  auf  Stoss  und  jetzt  gerade  im  Hoch- 
sommer 1259,  wurde  der  beliebtere  Eönigssohn  heimberufei 
und  Banus  Stefan,  der  einst  vertriebene  und  mit  dem  Thron- 
folger Bela's  IV.  wieder  auftauchende  Statthalter  unseres  Landes, 
in  sein  früheres  Amt  eingesetzt  Wir  wollen  allerdings  die 
poetischen  Uebertreibungen  der  Reimchronik  nicht  nachbeten, 
wo  Yom  „Martern  und  Würgen''  der  ungarischen  Gewalt- 
herrschaft die  Rede  ist  Aber  es  ist  nicht  unwahrschemlich, 
dass  der  „Herzog  von  Agram ^  das  „doppelte^  von  dem  that, 
jfWas  er  einst  gethan'  und  mit  eiserner  Hand  eingreifen  wollte, 
um  das  mit  Schrecken  zu  festigen,  was  schon  im  bedenklichen 
Schwanken  begriffen  war.  Und  auch  an  der  Ungarn  i^Hoffarth' 
mOgen  wir  gerne  glauben. 

Diese  Massregeln  brachten  aber  gerade  den  Stein  in^s 
RoQen,  sie  waren  das  Signal  zur  Erhebung  der  ungamfeind- 
lichen  Partei,  die  wir  eben  so  gut  die  Ottokarische  oder  die 
Unionspartei  nennen  können,  imd  diese  Partei  muss  allgemach 
die  alleinherrschende  geworden  sein. 

Dass  Ottokar  mit  dieser  Partei  in  wachsenden  Bezie- 
hungen blieb  *'))  dass  er  ihr  Aufetreben  begünstigte  und  dass 
diese  Partei  sich  vor  dem  Losschlagen  seiner  Hilfe  als  künf- 
tigen Landesherm  versichern  wollte  —  das  Alles  li^  so 
nahe,  dass  wir  es  der  Reimchronik  unbedingt  glauben  mOg». 
—  Zunächst  war  jedoch  der  Aufstand  der  Steiermärker  ein 
Act  der  Selbsthilfe  und  dass,  wie  es  heisst,  im  December  des 
Jahres  1259  binnen  eilf  Tagen  die  ungarische  Herrschaft 
aus  dem  Lande  gejagt  wurde  und  blos  noch  Pettau  festhielt, 
spricht  für  die  treffliche  Vorbereitung  des  Au&tandes  und 


*>)  1255,  24.  Mftns,  Steier  —  befand  sich  in  Ottokar'B  Umgebung  Wulfing 
von  Stubenberg,  s.  Anh.  Begg.  Nr.  28. 


—     65     — 

anderseits  fbr  die  Sorglosigkeit  des  Banus-Statthalters,  oder 
doch  für  eine  Ueberschätzung  seiner  Machtstellung  im  Lande. 

So  hatte  die  Ungamherrschaft  schmählich  geendet,  aber 
noch  war  Pettau  in  ihrer  Hand  und  die  dringende  Gefahr  in 
Aussicht,  dass  die  Arp&den  alles  aufbieten  würden,  um  diese 
Schmach  zu  rächen  und  ihre  Herrschaft  das  dritte  Mal  mit 
Grewalt  der  Waffen  zu  begründen.  Die  Steiermärker  von  der 
Bewegungspartei  hatten  nun  die  Brücken  hinter  sich  abge- 
brochen und  auch  für  die  Andern,  welche  halb  widerwillig 
mitgezogen  wurden,  gab  es  nun  keine  andere  Wahl  mehr  als 
die  Anerkennung  Ottokar's.  Darauf  hatte  der  Böhmenkönig 
gewartet,  man  musste  ihm  entgegenkommen  und  Adel  und 
Städte  ihn  zur  Bettung  des  Landes  vor  der  Rache  der  Ui^am 
einladen  •*). 

Als  die  Ungarn  unter  Herzog  Stefan  im  Frühjahre  1260 
über  die  rebellische  Landschaft  wieder  herfallen  wollten,  fanden 
sie  die  Grenze  wohl  verwahrt,  den  Heerbann  der  Stände  und 
das  von  Ottokar  gesendete  Hilfsheer  unter  des  Hardecker's 
Führung  stark  genug,  den  Angriff  abzuwehren.  So  mussten 
denn  die  Würfel  der  Entscheidimg  auf  einem  anderen  Kampf- 
platze endgiltig  fallen. 

Dass  sich  Ottokar  seit  dem  Früly'ahre  1260  urkundlich 
als  Landesherr  der  Steiermark  geberdet,  ist  sichergestellt 
Man  braucht  nur  seme  in  Wien  am  10.  März  d.  J.  für  das 
Eloster  Bein  (27)  ausgefertigte  Urkunde  in  Betracht  zu  ziehen. 
Eben  so  sicher  ist  es,  dass  er  für  die  oberste  Verwaltung 
des  Landes  Sorge  tmg.  Die  Beimchronik  lässt  zunächst  den 


'^y  Daher  findet  sich  in  den  Ann.  Otacariani  z.  J.  1260  die  Stelle  (Mon. 
Qerm,  XI.  182)  „ad  instantiam  Styriensium  nobilium  et 
civitatum,  de  consilio  indyti  comitis  Ottonis  de  Hardek  et  quo 
rundam  Au0tralium  et  perpaucorum  admodum  deMorayia(I) 
dictuB  dominos  regni  Bohemi«,  Styrienses  in  suam  protec- 
tionem  recepit"  Diese  Worte  liessen  darauf  schliessen,  dass  vor- 
zugsweise Österr.  Ständeführer  dafür  waren,  bei  den  M&hrem  dagegen 
die  Sache  wenig  Anklang  fand.  Ob  Bruno,  der  wichtigste  Bathgeber 
Ottokar's,  sich  in  dieser  Frage  mehr  passiv  als  activ  verhielt,  l&sst 
sich  nicht  durchblicken. 

MHthdl.  d.  htot.  VoNfau  f.  BtelwBMrk.  ZZILH«ft,  1874.  5 


—     66     — 

staatsklngen  Bischof  von  Olmtltz,  Bruno,  als  Stellvertreter  des 
Königs  dahin  abgeben,  bald  jedoch  wieder  das  Land  veriassen, 
da  die  böhmisch-ungarische  Verwicklung  seine  Anwesenheit 
bei  der  Person  König  Ottokar's  erheischte.  Urkundlich  ist 
dies  nicht  verborgt,  wohl  aber  die  zweite  Thatsache,  dass 
die  Statthalteischafl  der  Steiermark,  Heinrich,  ans  dem 
österreichischen  Hause  der  Liechtensteiner, 
Ottokar's  bekannter  Parteig&nger  und  Gfinstling  (seit  1251) 
—  spfttesteos  seit  dem  K  Mai  des  J.  1260  den  Posten  eines 
Landeshauptmannes  der  Steiermark  bekleidete  (28). 

Die  Anwesenheit  der  hervorragendsten  Herren  der  Stei^- 
mark  im  U&rz  1260  zu  Wien,  m  des  Königs  Umgebung,  des 
Stnbenbergers,  Stadekers,  Liechtensteiners,  Wildoniers,  des 
von  Ort,  Pettau,  Bamenstein,  Marburg  ....  l&sst  zwanglos 
darauf  schliesseo,  dass  wir  es  mit  der  damaligen  Vertretung 
des  Landes  bei  dem  neuen  Herrn  und  mit  dem  Zei^unkte  zu 
thon  haben,  in  welchem  die  Oefohr  des  Ungareinbruches  in 
die  Steiermark  Überstanden  sein  mochte. 

Aber  auch  in  der  blutigen  Entscheidung  vor  Krotssm> 
brunn  (12.  Juli  1260)  am  Marchfelde  fodit  der  Heerbann  der 
Steieimfirker  und  ihr  Banner,  »grün  wie  das  Gras,  darin  ein 
blanker  PanÜier  schwebte,  ^eichsam  als  lebte  er",  fbhite  der 
alte  Wildonier  Uhich,  Herrand's  und  Hartnid's  Vater*'). 

DafQr  dankte  denn  auch  Ottokar  den  Steiermärkem,  wie 
die  ßeimchronik  erz&Mt,  .äeissiglichen''  und  gelobte,  ihre 
Bitten  zu  erfüllen  und  ihr  Verdienst  mit  Hulden  zu  lohnen. 
Die  Kroissenbrunner  Schlacht ")  zerstörte  alle  auf  Steiermari^s 
Wiedergewinnung  gerichteten  Hofihungen  der  Arpäd^  aber 
sie  bewirkte  noch  mehr,  sie  festigte  Ottokar'B  grosse  UaÄht- 
Stellung  im  Donaugebiete. 

Aber  der  „goldeneKömg",  wie  ihn  eine  böhmische  Chronik 
nennt,    konnte  mit  der  Neige  des  Jahres    1260    auch  nicht 
säumen,  sich  in  der  Landeshauptstadt  der  Steiermark  einza- 
■0  S.  Beimchronik  8.  76. 
")  Ihre  Beichreibaiig  b.  LoreDz  deaUchB  Gegch,  I  und  Dndik  G.  H   6, 

451  ff.  beg.  455-6. 


—     67     — 

finden  und  hier  die  Huldigung  entgegenzunehmen,  eine  That- 
sache,  die  da  und  dort  unkritischer  Weise  bereits  E.  1259 
angesetzt  erscheint  Eine  Keihe  von  Urkunden  verbürgt 
diesen  Aufenthalt  und  wieder  sind  es  geistliche  Würdenträger 
und  Körperschaften,  welche  uns  darin  als  theilhaftig  der  Huld 
und  des  Schutzes  Ottokar's  begegnen:  Bischof  Eonrad  von 
Freising,  die  Klöster  Yiktring,  S.  Paul  in  ihrem  Streite  mit 
den  Pfannbergem,  Seckau,  S.  Lambrecht,  Bein  (30 — 37). 

Auch  der  Böhmenkönig  hat  so  gut  wie  die  ungarische 
Herrschaft  mit  der  Ordnung  der  zerrütteten  Rechtsverhältnisse 
beginnen  müssen  und  die  Kirche  säumte  nicht,  ihr  Recht  und 
ihren  Vorthefl  zu  wahren.  —  In  zweien  dieser  Urkunden 
(34,  35)  für  das  Stift  Seckau  und  das  zu  Rein,  erscheint 
zum  erstenmale  der  Witigone  Woko  von  Rosenberg,  böh- 
mischer Landesmarschall,  vormals  Landesrichter  ob  der  Enns, 
der  Sprössling  des  mächtigsten  Adelsgeschlechtes  in  Böhmen, 
—  als  Landeshauptmann  der  Steiermark  ■'),  —  derselbe,  dessen 
Stoss  auf  das  Kumanenheer  in  der  Kroissenbrunner  Schlacht 
viel  zu  deren  glücklicher  Wendung  beitrug.  Heinrich  von 
Liechtenstein  muss  ihm  also  den  Platz  geräumt  haben. 

Woko  von  Rosenberg  war  im  Gefolge  des  Böhmenkönigs 
nach  Steiermark  gekonmien,  wohin  auch  Bruno  von  Olmütz, 
der  Prager  Oberstburggraf  Jarosch,  Smil  von  Leuchtenburg, 
Zdislaw  von  Stemberg,  Cei  von  Budweis  und  andere  Stände- 
herren Böhmens  und  Oesterreichs  dem  Premysliden  das  Geleite 
gaben. 

Die  politischen  Verhältnisse  der  Steiermark  waren  nun 
zu  einem  neuen  Abschluss  gediehen.  Die  Ungarn  hatten  auch 
Pettau  aufgeben  müssen,  so  war  das  ganze  Land  dem  Böh- 
menkönige unterthan  und  die  Worte  der  Reimchronik:  „Da 
nnterwand  sich  der  wackere  König  Otaker  von  Beheim  des 
Landes  Steier,  was  auch  Zorns  und  Aergers  König  Bela  darum 


*'')  Vgl  ober  Wok  yon  Rosenberg  Pangerl's  fieissige  Abhaadlong  im 
9.  Jalirg.  der  MittheiL  des  Yer.  f.  Gescb.  der  Deutschen  in  Böhmen, 
1.,  2.  Heft)  und  seine  akademische  PnbUcation  Ober  die  Witigonen 
im  51.  Bande,  2.  HiUfte  des  Arch.  f.  K  österr.  Gesch. 

6* 


—     68     - 


Htt,  darum  liess  er  es  doch  nicht"  —  mögen  die  damafige 
freudige  Stimmung  der  Steiermärker  aber  den  Wechsel  der 
Dinge  ausdrücken.  Legt  ja  doch  dieselbe  Quelle  dem  ein« 
Boten  des  Landes  an  Ottokar,  zur  Zeit  des  Ab&lles  von  den 
Ungarn,  die  Bede  in  den  Mund:' 

„Herr,  thut  nicht,  wie  es  früher  geschah,  als  ir  uns 
den  Ungarn  gabt;  damit  habt  Ihr  uns,  Herr,  gewaltigen 
Schaden  zugefügt*"  ""). 

Das  Werk  der  Union  mit  dem  Lande  Gestenreich  war 
neuerdings  gelungen.  Aber  die  Steiermfirker  soQten  auch  bald 
empfinden,  dass  diese  Wiedervereinigung  in  den  Augen  des 
neuen  Gebieters  wenig  galt,  dass  er  das  Steierland  ein£EU2fa 
als  Glied  eines  grossem  Staatssystems  ansah.  Und  dieser  Ein- 
tritt in  ein  grösseres  Staatssystem  bedingte  auch  Leistungen  und 
Opfer,  die  bald  das  Unbehagen  der  Autonomisten  weckten. 

Steiermark  ward  eine  Provinz  des  BOhmenreiches  und 
so  trat  auch  ein  Böhme  an  die  Spitze  der  Landesverwaltung 
und  die  wenigen  Urkunden  aus  .seiner  kurzen  Amtszeit  be- 
weisen eben  nur  wieder,  dass  es  der  neuen  Herrschaft  um 
die  Herstellung  der  zerrütteten  Rechtssicherheit  im  Lande 
und  um  die  Sympathien  der  Kirche  und  des  conservativen 
Elementes  in  der  Landschaft  zu  thun  war. 

Inmitten  dieser  Urkunden  begegnet  uns  auch  eine,  die 
beweist,  wie  lebendig  denn  doch  das  Gefühl  für  die  familien- 
rechtlichen Ansprüche  der  Babenbergerinen  Margarethe  und 
Gertrud  auf  die  Länder  Oesterreich  und  Steier  war.  König 
Ottokar  hatte  dem  um  ihn  hoch  verdienten  Rosenberger  die 
Herrschaft  Rabs  in  Oesterreich  geschenkt  Woko  liess  sich 
darüber  nicht  blos  von  der  Herzogin  Margarethe,  sondem 
auch  von  Gertruden  einen  Bestätigungsbrief  ausstellen  (39). 

Nicht  lange  waltete  Herr  Woko  seines  beschwerlichen 
Amtes.  *^  Schon  den  3.  Juni  1262  schied  er  zu  Graz  aus  dem 


2>)  Reimchronik  S.  67. 

2')  Die  Reimchronik  äussert  sich  über  die  Daner   der  Landethanpt- 

mannschaft  Woko's  (8.  85) :  „dem  war  man  dienstes  vndertao   — 

durch  seinen  wiUen  wol  ain  jar.'' 


—     69     — 

Leben  und  Tags  darauf  datirt  die  officielle  Ausfeitigung 
seines  letzten  Willens,  worin  neben  seinen  Hausbeamten  auch 
des  Pettauer  Minoritenpriors,  des  Grazer  Minoritencustos  und 
zweier  Dominikanermönche  als  Zeugen  gedacht  wird  (42). 

Der  Tod  Woko's  machte  die  Eronbeamtenschaft  Ottokar's 
um  einen  bedeutenden  Mann  ärmer,  aber  für  das  Grosse  und 
Ganze  war  der  Verlust  nicht  entscheidend,  denn  die  Seele 
desselben  war  Bruno,  der  Bischof  von  Olmtttz,  der  erste 
Staatsmann  des  Böhmenköniges,  und  dass  dieser  Persönlichkeit 
gerade  die  Landeshauptmannschaft  der  Steiermark  übertragen 
wurde,  beweist  am  besten,  wie  wichtig  dies  Amt  und  das 
Land  in  den  Augen  Ottokar's  bUeb. 

Es  gibt  wenig  Persönlichkeiten ,  die  sich  mit  so  viel 
Treue  •*')  und  Geschick  neben  einer  bedeutend  angelegten, 
eigenwilligen  und  leidenschaftlichen  Herrscherpersönlichkeit  als 
deren  erste  Rathgeber  einflussreich  zu  behaupten  verstehen 
und  mit  staatsm&nnischem  Talente  das  Geschick  verbinden, 
ihren  Einfluss  dem  Begenten  nicht  lästig  zu  machen,  seine 
Eifersucht,  seinen  Verdacht  zu  vermeiden.  Wenige  Kirchen- 
fbrsten  haben  einen  so  weiten  Blick  für  die  grossen  politi- 
schen Fragen  bekundet  und  vermochten  es  so  wie  Bruno, 
ohne  das  Standesmteresse  zu  verläugnen,  über  dem  Parteige- 
triebe unangefochten  Stellung  zu  nehmen.  Ein  Gnmdzug  der 
Natur  des  Bischofis  von  Ohnütz,  den  das  Geschick  von  der 
deutschen  Nordküste  südwärts  geleitet  ^  ^),  um  ihm,  dem  Grafen 
von  Schaumburg,  einen  grossen  Wirkungskreis  zu  erschliessen, 
war  praktische  Tüchtigkeit  in  diplomatischen,  juridischen  und 
administrativen  Geschäften,  rastlose  Arbeitskraft,  Schnelligkeit 
und  imponirende  Würde,  eine  seltene  Mischung  theologischer 
und  weltmännischer  Bildung,  welche  letztere  nie  verkennen 
liess,  dass  er  aus  reichsgräflichem  Hause  stammte.  Die  Ur- 
kunden dieses  Zeitraumes  zeigen,  dass  er  nie  an  der  Seite 


'^  Damm  sagt  auch  die  Bheimcbronik  (S.  C8) : 

„Dem  muost  er  (Ottokar)  wol  getrawen.  Wami  er  sich  nie  gen 
in  vergaz,  dacz  Grecz  er  mit  house  sas/* 
^0  Vgl.  die  Vorgeschichte  Bruno's  in  Dudik's  Gesch.  Mährens  5.  342  fi. 


—     70     — 


'i  Si 


des  Königs  fehlte,  wo  es  bedeutende  Unternehmungen,  wichtige 
Staatsactionen  galt,  und  doch  bUeb  ihm  bei  diesen  verwickeltea 
Aufgaben  der  Politik  Müsse  genug,  den  Pflichten  der  Landes- 
verwaltung  obzuliegen  und  fllr  die  geistlichen  Geschäfte  als 
Eirchenfllrst,  iQr  den  Rechts-  und  Culturzustand  seines  01- 
mtttzer  Bisthums  zu  sorgen.  Hoch  angesehen  beim  römischen 
Stuhle,  ein  gewandter  und  geachteter  Schiedsmann  zwischen 
streitenden  Herrschern,  ward  er  auch  als  Statthalter  seines 
Königs  geachtet  und  verfolgte  mit  sicherem  Blick  die  rich- 
tigsten Wege,  um  die  materiellen  und  rechtlichen  Grundlagen 
der  Landeshoheit  zu  festigen.  Wohl  mögen  die  steiermftrki- 
schen  Adelsherren  in  der  BesteQung  des  Böhmen  Woko  als 
Landeshauptmann  eine  vorübergehende  Massregel  Ottokar's 
erblickt  haben,  vielleicht  begehrten  sie,  dass  fürder  kdn 
„Gast^  des  wichtigen  Amtes  walte,  aber  gegien  Bruneis  Be- 
stallung wagten  sie  keinen  Widerspruch  und  an  acht  Jahre 
bekleidete  der  Olmützer  Bischof  unangefochten  diese  Stelle, 

—  allerdings  oft  und  auf  lange  aus  dem  Lande  an  Ottokar's 
Hoflager  abberufen. 

Bereits  im  August  des  Jahres  1262  erscheint  (44)  Bruno 
als  Inhaber  der  Landeshauptmannschaft.  —  Wir  wollen  nur 
kurz  der  Urkunden  gedenken,  welche  —  leider  spärlich  gesäet 

—  auf  seine  früheste  Thätigkeit  hinweisen.  Wieder  sind  es 
Gabbriefe  an  Klöster,  Schiedsprüche  zu  Gunsten  bestrittener 
Bechte  und  Nutzungen  geistlicher  Körperschaften  (44 — 49) 
und  eine  darunter  von  besonderem  Werthe,  da  sie  die  städtische 
Gründung  Bruck's  a.  d.  M.  betrifft,  wobei  die  Güterverhältnisse 
der  arg  zerrütteten  Abtei  Admont  in  Mitleidenschaft  gezogen 
erscheinen  (46).  Man  hatte  die  grosse  Wichtigkeit  dieser 
Stadtgründung  an  dem  Einflüsse  der  Mürz  in  die  Mur  in 
strategischer  und  commerzieller  Beziehung  nicht  verkannt 

Ueberhaupt  dürfen  wir  nicht  unbeachtet  lassen,  dass 
wir  es  mit  der  Begierung  eines  Herrschers  und  eines  Staats- 
mannes zu  thun  haben,  die  in  den  Stammlanden  premysUdi- 
scher  Herrschaft  das  Ansiedlungs-  und  Städtewesen 
nach  deutscher  Art  mit  Vorliebe  und  kluger  Erwägung  hegte 


—     71     — 

und  pflegte  und  wie  dies  namentlich  Ottokar's  Verhalten 
Wien  gegenüber  an  den  Tag  legt,  Alles  aufbot,  um  auch  in 
den  neu  erworbenen  Ländern  auf  die  politischen  Sympathien 
des  Bürgerstandes  rechnen  zu  können.  Wie  kärglich  auch  die 
urkundlichen  Anhaltspunkte  für  die  Steiermark  dies  begründen, 
wir  besitzen  solche  aus  Ottokar's  Zeit  nur  für  Brück  als  neue 
Schöpfung  und  Judenburg  als  Metropole  des  Handels,  so 
beweist  eme  spätere  Aeusserung  der  Reimchronik  die  Popu- 
larität der  Herrschaft  des  Böhmenkönigs  in  den  Kreisen  des 
Bürgerthums  im  Steierlande;  ihre  Beliebtheit  bei  den 
Nichtadeligen. 

Während  des  Jahres  1264  blieb  der  Ohnützer  Bischof 
unserem  Lande  fem,  Geschäfte  hatten  ihn  nach  Oesterreich, 
Mähren  und  Böhmen  entführt  —  Wir  können  dies  als  einen 
Buhepunkt  betrachten,  um  als  Episode  den  Ausgang  der  auch 
für  unser  Land  wichtigen  Salzburger  Fehde  zu  sdzziren. 

Erzbischof  Ulrich  war  noch  im  Jahre  1259,  der  Gefan- 
genschaft entlassen,  nach  Piber  zurückgekehrt  Auf  ihm  lastete 
der  Bannfluch  der  Kirche,  da  er  ausser  Stande  war,  die  der 
Curie  schuldigen  4000  Mark  zu  bezahlen  und  die  wälschen 
Geldmäkler,  seine  ungeduldigen  Gläubiger,  zu  befriedigen.  Da 
versuchte  er  nochmals  sein  Heil  mit  einer  Reise  nach  Bom 
und  verliess  den  stillen  Ort  freiwilliger  Verbannung. 

Im  November  1261  äussert  sich  die  Thätigkeit  Ottokar's, 
dem  Alles  daran  lag,  einen  Ausgleich  zwischen  dem  Salz- 
burger Domcapitel  und  seinem  Vetter  Philipp  herbeizuführen. 
Es  kam  zu  einem  solchen,  aber  das  eingeschüchterte  Dom- 
capitel suchte  sich  in  einer  Klausel  ein  Hinterpförtchen  offen 
zu  halten.  Da  kehrt  Ulrich  mit  dem  päpstlichen  Legaten  Thomas 
von  Squillace  wieder  nach  Salzburg  zurück,  sammt  Empfeh- 
lungsbriefen des  Papstes  an  Ottokar,  worin  diesem  die  Schutz- 
vogtei  Salzburg's  übertragen  wird.  Dem  will  nun  aber  Baiern 
begegnen,  das  gern  die  Wege  des  Böhmenkönigs  kreuzt  und 
um  Ottokar's  Intervention  zu  hindern,  für  Uhich  gegen  Philipp 
entschieden  Partei  nehmen  zu  woQen  scheint;  in  der  That 
aber  nur  die  Vogteigewalt  ungetheilt  anstrebt 


Heizog  Heinridi,  Otto's  jfiDgerer  Sohn,  brach  in's  Salz- 
btu^he  verwOstend  eio,  steckte  die  „kleine  Stadt"  Salzburg 
vor  den  Augen  des  Legaten  in  Brand  und  wirthschaftete  im 
Lande  wie  der  Feind.  Der  L^at  sprach  nun  neuerdings  den 
Bannfluch  Ober  den  ui^Ucklichen  Ulrich  ans  und  mied  das 
Land.  Philipp  kehrt  nach  dem  Abzog  der  Baiem,  in  deren 
Hitte  Ulrich  das  ErzbisUnun  Terlassen,  nach  Salzburg  zurOd: 
and  Ottokar,  dem  der  r<}misdie  Stuhl  abermals  die  Vogta 
fibertragen,  schreckt  den  Baiemherzog  das  Jahr  darauf  (1263) 
mit  einem  Heeresznge,  so  dasa  Hmrich  über  Hals  und  Kopf 
das  mit  Waffenmacht  betretene  HochstifUand  rSumL  Zu 
diesem  Kriege  hatte  König  Ottokar  ^die  Herren  zu  Steier 
und  Oesterreich"  aufgeboten")-  Neuerdings  empfahl  nun  die 
Curie,  Papst  Urban  VI.,  Ottokam  und  dem  OhnQtzer  Bischöfe 
die  Bescbirmui:^  Salzburg's  und  der  Böhmenkönig  besetzte 
zn  eigenstem  Vortheile  alle  diesseits  im  Steiermfirkischen  go- 
ldenen SdilöBser  und  Orte  der  Metropole. 

Aber  PhiUpp,  den  Ifti^t  die  Carie  aufg^eben  hatte  und 
wider  welchen  eine  starke  bairische  Partei  im  Lande  i^iürte, 
konnte  sich  doch  nicbt  langer  halten.  Er  muss  das  Salzbur- 
gische meid«i  und  mit  Beginn  des  Jahres  1261  erscheint  sein 
Rivale  Ulrich  wieder  im  Gefolge  des  Baiemherzogs  Heinrich. 
Aber  auch  der  rielgetäuschte  Ulrich  bekommt  bald  die  traurige 
Rolle  einer  Puppe  in  der  Hand  der  Witteisbacher  satt,  ver- 
l&SBt  das  Land,  begibt  sich  wieder  in  sein  steiermarkisches 
Asyl  und  richtet  endlich  ein  definitiTes  Abdankungsschreiben 
an  die  Curie.  Papst  Urban  IV.  war  aber  soeben  gestorben  und 
da  erst  1265,  5.  Februar,  ein  neues  Oberhaupt  der  Kirche,  Cle- 
mens IV.  die  Tiare  erwfu-b,  verflossen  Monde,  bevor  (1265 
1.  September)  Ulricb's  Resignation  bestätigt,  die  Excommuni- 
cation  aufgehoben  und  die  Entscheidung  gefällt  wurde,  dass 
Ulrich  das  Bisthum  Seckau  und  die  Pfarre  Fiber  behalten 
könne. 

Dies  war  der  Ausgang  der  Salzburger  Bisthumsfebde  und 
in  dem  letzten  Jahre  ihrer  Entscheidung  begegnen  wir  dem 
")  Reimehronik  8.  66. 


—     73     — 

Böhmenkönige  wieder  einmal  auf  dem  Boden  der  Steiermark. 
Mit  dem  Beginne  des  Frühjahres  war  Ottokar  von  Prag  auf- 
gebrochen und  nach  Oesterreich  gekommen.  Von  Ende  März  und 
Anfang  April  des  J.  1265  datiren  Wiener  Urkunden,  vom 
21.— 23.  April  Bestätigungsbriefe  und  Entscheidungen  Ottokar's 
für  das  Kloster  Garsten,  Stift  Seckau,  Bisthum  Freising,  zu 
Graz,  in  unseres  Landes  Hauptstadt,  ausgefertigt  (51 — 53). 
Doch  nur  kurze  Zeit  weilte  da  der  Böhmenkönig;  schon  drei 
Tage  nach  dem  Datum  der  letzten  in  Graz  ausgestellten 
Urkunde  treffen  wir  ihn  jenseits  des  Semerings  (54)  in  der 
einstigen  Püttner  Mark,  zu  Neunkirchen,  und  der  Hochsommer 
zeigt  ihn  m  Böhmen  vielbeschäftigt 

Dagegen  war  Bruno  in  unserem  Lande  zurückgeblieben 
und  ergriff  wieder  mit  fester  Hand  die  Zügel  der  Landesver- 
waltung. Es  gab  da  Vieles  auszugleichen,  Rechte  zu  schützen 
und  Anmassungen  zurückzuweisen.  —  Auch  der  römische 
Stuhl  liess  es  an  Geboten  zu  Gunsten  gestörter  kirchlicher 
Ordnungen  nicht  fehlen.  Wir  lesen  Bullen  und  Breve's,  m 
welchen  Papst  Clemens  TV.  die  Frevler  an  Klöstern  und 
Kirchen  der  Dominikaner  mit  dem  Bannfluche  bedroht  (56), 
und  den  Bischof  Bruno  mit  der  Rückverschaffung  der  ent- 
fremdeten Güter  des  Stiftes  Seckau  beauftragt  (57,  58.  65). 

Insbesondere  macht  sich  die  Fürsorge  des  Oberhauptes 
der  Kirche  ftür  das  arg  verfallene  Kloster  Admont  geltend 
(60 — 63).  Eine  der  auffälligsten  Weisungen  des  apostolischen 
Stuhles  bleibt  das  Breve  vom  8.  Juli  1265,  worin  Bischof 
Bruno  und  der  von  Gurk  mit  der  feierlichen  Bannung  des 
Priesters  Ulrich  von  Hauzenbichl  (Haucepuel)  beauftragt  werden, 
da  dieser  an  dem  Kloster  Seckau  als  Räuber  gehandelt  habe  (64). 

Zu  den  bemerkenswerthesten  Streitigkeiten  dieser  Zeit., 
die  tinser  Landeshauptmann  zu  schlichten  hatte,  zählt  auch 
der  Frocess  des  vielgeplagten  Exmetropoliten  Ulrich,  Bischofs 
von  Seckau,  um  die  Pfarre  Piber  mit  dem  Priester  Wemher 
(67,  68).  Bruno's  bezügliche  Urkunde  vom  9.  November  zeigt 
diesen  aber  auch  schon  fem  den  Marken  unseres  Landes,  zu 
Freistadt  in  OberOsterreich. 


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—     74     — 

Drei  Jahre  nahezu  sollte  die  Steiermark  den  bischöflichen 
Landeshauptmann  nicht  sehen,  aber  die  Verwaltung  und  das 
Rechtswesen  bewegte  sich  innerhalb  der  von  ihm  befestigten 
Schranken,  auf  den  von  ihm  gebahnten  Wegen. 

Während  dieser  Jahre  spielte  sich  der  wüste  Salzburger 
Handel  zu  Ende.  Ottokar's  Krieg  gegen  Baieni,  wobei  ebea- 
sowohl  das  Heer  des  Königs,  als  das  unter  Bruno's  Befdde 
(1266,  August)  vom  Missgeschicke  verfolgt  war,  der  von  der 
Curie  vermittelte  Ausgleich  mit  dem  Witteisbacher  und  die 
Wahl  des  Prinzen  Wladislav  von  Teschen,  Ottokar^  Ver- 
wandten, zunächst  zum  Passauer,  dann  zum  Erzbischofe  von 
Salzburg,  während  sein  Lehrer  Peter  von  Breslau  auf  jenen 
bischöflichen  Stuhl  erhoben  ward,  —  diese  Ereignisse  übten 
auch  ihre  Rückwirkungen  auf  die  Steiermark.  Vor  Allem 
musste  diese  Lösung  der  Salzburger  Frage  Ottokar^s  Unmuth 
über  Philipp^s  Depossedirung  dämpfen,  denn  auf  die  gute  Gre- 
sinnung  des  neuen  Erzbischofes  durfte  er  mit  Bestimmtheit 
zählen.  Anderseits  ersparte  Wladislav's  friedliebende,  recht- 
licher Sinn  der  Steiermark  eine  Wiederholung  der  früheren 
wüsten  Fehden. 

Während  der  entsetzte  und  weiterer  Gegenbestrebungen 
müde  Philipp  auf  seinen  Kärntner  Gütern  ein  unfreiwilliges 
StiDleben  führt,  ist  ein  solches  auch  semem  Rivalen  Ulrich  in 
der  Steiermark  beschieden,  bis  der  Tod  (6.  Juli  1268)  ihn 
von  einem  Leben  kränkender  Enttäuschungen  und  Demüthi- 
gungen  befrdt 

Aber  noch  einer  Thatsache  müssen  whr  gedenken,  einer 
Friedensthat  —  von  hohem  Werthe  für  ihre  Zeit  und  alle 
Zeiten,  die  allein  genügen  würde,  um  Bruno's  Landeshaupt- 
mannschaft zu  verewigen;  das  sprechendste  Zeugniss  für  eine 
Herrschaft,  die  nicht  angestammt,  sondern  erworben,  strenge 
Rechnung  in  ihrem  Hause  liebt  und  genau  festzustellen  bemüht 
ist,  was  Eigenthum  und  Nutzrecht  der  herzoglichen  Gewalt  seL 
Und  es  fehlte  nicht  an  Anlässen,  die  Gaben  des  Landes  m 
Anspruch  zu  nehmen.  Als  Ottokar  1264  im  October  die 
prunkvolle  Vermälung   seiner  brandenburgischen  Nichte  mit 


~     75     — 

dem  irp^dischm  Prinzen  beging,  gab  er  den  Auftrag,  was  sie 
an  Ess-  und  Futterbedarf  in  Oesterreich  nicht  auftrieben,  aus 
Steiermark  und  Mäihren  zu  holen.  Und  der  Reimchronist 
gedenkt  der  fbnf  Futterhaufen,  deren  jeder  grösser  war  „als 
der  Kirchthurm  von  Salchenau'' ''). 

Bischof  Bruno  übertrug  dem  Notar  Helwig  aus  Thüringen 
die  Zusammenstellung  aller  genau  zu  erhebenden  landesfürst- 
liehen  Eammergüter,  EammergeMe  und  Rechte  in  einem 
sogenannten  Hub-,  Gefällen-,  Rent-  oder  Raitbuche  (Ratio- 
narium). 

Heibig  brachte  die  Arbeit  1265  fertig  und  es  konnte  im 
Jänner  1267  bei  Anwesenheit  des  zu  Graz  weilenden  Böhmen- 
königes Ottokar  auf  dieser  Grundlage  durch  Bischof  Bruno 
die  Bestallung  und  möglichst  hohe  Belastung  der  herzoglichen 
Nutzungsämter  (ofßda)  im  Lande  erfolgen.  Das  Gesammter- 
trftgniss  der  landeslQrsflichen  Renten  erscheint  auf  7334  Mark 
Pfennige  beziffert,  von  denen  nach  Abzug  bestimmter  Ausgaben 
beiläufig  sechsthalb  Tausend  Mark  erübrigten. 

Jene  chronologische  Angabe  bringt  uns  in  einige  Ver- 
legenheit, den  Grazer  Besuch  in  Ottokar's  Itinerar  einzureihen. 

Denn  am  4.  December  1266  treffen  wir  Ottokar  noch 
in  Oberösterreich,  den  30.  December  zu  Prag  und  am 
20.  Jänner  1267  bei  Laa,  von  Wien  aus,  wir  müssten  somit 
in  die  kurze  Zwischenzeit  des  Jahreswechsels  die  Hin-  und 
Rückreise  Ottokar's  in  und  aus  der  Steiermark  ansetzen  '^). 

Das  Rationarium  Styrise  ist  die  werthvollste  mittelalter- 
liche Topographie  der  Steiermark  und  zugleich  eine  Fundgrube 
für  die  Kenntniss  der  damaligen  ürbarialleistungen  in  Geld  und 
Naturalzins,  anderseits  der  Landesculturen  und  üblichen  Maasse. 


'*)  Reimchr.  8.  78.  Sollte  das  ein  Wink  sein,  sprechend  fflr  die 
Heimat  des  Reimchronisten? 

^)  Anderseits  findet  sich  eine  aus  Graz  1266  (ohne  nähere  Zeitangabe) 
datirte  Urkunde  Ottokar's  zu  Gunsten  des  Hochstiftes  Freising,  die 
nicht  minder  schwierig  in  das  Itinerar  Ottokar's  eingepasst  werden 
kann.  S.  Zahn  Cod.  dipl.  aust  Frising.  fontes  rer.  austr.  XXXf.  Bd. 
S.  283—4. 


—     76     — 

Die  Arbeit  fand  ihr  Seitenstack  an  dem  Rationarium  AnstiuB, 
späterer,  gleichartiger  Abfassung,  die  wir  der  habsburgischen 
Zeit  und  Herrschaft  vindiciren  mtissen  ''^). 


ID.  Die  AddsrerschwfriiDg  tm  \iKL  Die  KanlMr  Frage.  —  Seüiried 
labreiberg.  —  Siizbvg.  —  ladelTs  L  Küigswalil.  —  Dar  Sin  4er 

b9biDi8die&  Hemchaft  (W4— 1S7(). 

Als  König  Ottokar  und  Bruno,  fem  der  Steiennark,  im 
Kreuzzuge  wider  die  Preussen  und  Letten  standen,  gaben 
ihnen  auch  steiermftrkische  Edle  mit  ihren  Reisigen  das  Geleite 
auf  der  Heerfahrt,  so  der  junge  Liechtensteiner  Otto,  Uhich's 
Sohn,  der,  wie  die  Reimchronik  erzählt,  den  „Rotten'^  aus  der 
Steiermark  als  Marschall  vorgesetzt  wurde. 

Es  gab  da  viel  Ungemach  und  den  König  „gereute  es 
viel  hart,  dass  die  Steierer  auf  der  Fahrt  die  Furt  verkosteten, 
dass  das  Eis  unter  ihnen  borst,  viel  Uebles  geschah,  der 
Leute  und  Rosse  viel  ertrank,  dass  man  von  diesem  Herzleid 
noch  immer  im  Böhmerlande  Mähren  erzält**,  lauten  die  Worte 
dieser  Quelle"). 

Aber  sie  berichtet  noch  bedeutsamere  Dinge,  die  sich 
1268  in  der  Steiermark  zugetragen  haben  sollen  und  deren 
bessere  Würdigung  einiger  Vorbemerkungen  bedarf. 

Die  E[roissenbrunner  Schlacht  und  der  ihr  bald  gefolgte 
Friede  mit  Ungarn  hatten  Ottokar's  Machtstellung  gefestigt 
Im  Gefühle  dieser  Machtstellung  wagte  er  den  Schritt,  die 
lästige,  unfruchtbare  Ehe  mit  Margarethe  zu  lösen  und  dn 
neues  Eheband  zu  knüpfen,  das  semer  Neigung  und  d^ 
Hoffnungen  auf  einen  legitimen  Leibeserben  besser  entsprach. 


*')  Bei  Rancb  scrr.  rer.  austr.  IL  114 — 204,  findet  sich  das  Ration. 
Styriie  abgednickt.  Daselbst  findet  sich  aach  das  Rationarium  Austris 
yeröffentlicht,  das  aus  habsburgischer  Epoche  stammt,  jedoch  an 
einem  Hubbuche  aus  Ottokar's  Tagen  (C.  1275)  seinen  Yorl&ufer 
hatte.  S.  Chmel  im  Notizenbl.  der  Akad.  d.  Wiss.  5.  6d  838  ft  Eine 
kurze  Skizze  des  Inhaltes  des  Ration.  Stir.  b.  Muchar  III  19—22. 

>•)  Reimchronik  S.  94. 


—     77     — 

Die  Ehescheidung  Ottokar's,  wieder  ein  Beweis,  wie  fügsam 
sich  die  Curie  gegen  ihren  mächtigen  Günstling  benahm, 
Margarethen's  abgeschiedenes  Leben  auf  ihrem  Leibgedinge 
zu  Krems  und  die  prunkvolle  Hochzeit  des  Böhmenköniges 
mit  Bela's  IV.  Enkelin,  Eunigunde  —  waren  jedenfalls  Ereig- 
nisse von  Belang,  die  in  wdten  Kreisen  Au&ehen  machten. 
Immerhin  wäre  es  abereilt,  jene  Ehescheidung,  Margarethen's 
Yerstossung,  als  eine  Thatsache  hinzustellen,  welche  alsbald  den 
Credit  der  Herrschaft  Ottokar's  in  Oesterreich  oder  gar  in  der 
Steiermark  erschlittert  habe.  Viel  später  erst,  als  bereits 
die  Babenbergerin  verstorben  war,  findet  sich  in  einer  ein- 
zigen, in  dem  ZwetÜer  EQosteijahrbuche,  die  Bemerkung :  Mar- 
garethen's  Tod  habe  das  Land  seiner  wahren,  rechtmässigen 
Erbin  beraubt'^).  Anders  aber  musste  es  werden,  sobald  die 
Unzufriedenheit  mit  der  Fremdherrschaft  in  die  Gemüther 
einzog  und  Alles  mit  dem  scharfen  Auge  des  Grolles  aufge- 
griffen wurde,  was  die  Usurpation  Ottokar^s  in  ungünstigem 
Lichte  erscheinen  lassen  musste. 

Die  häufigen  und  kostspieligen  Heereszüge  Ottokar's 
nahmen  die  Geld-  und  Truppenaufgebote  der  Oesterreicher 
und  Steiermärker  nicht  wenig  in  Anspruch;  anderseits  zog 
die  Fremdherrschaft  die  Zügel  immer  straffer  an  und  im 
Jahre  1265  hörte  man,  wie  streng  und  hart  Ottokar  mit  dem 
Meissauer,  einem  der  angesehensten  Edeln  Oesterreichs,  ver- 
fuhr, wie  er  so  manche  Burg  da  und  im  Böhmerlande  ge- 
brochen haba 

So  begann  denn  auch  besonders  im  Gefolge  der  Salz- 
burger Wirren  und  der  Kämpfe  mit  Baiem  eine  schwüle  Luft 
dies-  und  jenseits  des  Semerings  zu  wehen  und  auch  andere 
Erscheinungen  verstärkten  das  Gewitterhafte  der  politischen 
Stimmung. 

Die  Entsittlichung  des  kirchlichen  Lebens  spiegelt  sich 
in  den  Satzungen  der  Wiener  Synode,  welche  CardinaDegat 


'"O  Ann.  Zwettl.  Monum.  Germ.  XI.  a.  a.  1266.   Obiit  domina  Marga- 
retha  verus  heres  terrae  et  8ic  terra  vero  berede  orbata  est. 


—     78     — 

Guido  1267  '^  abhielt,  sie  spiegelt  sich  in  den  Weisungm 
und  Massr^eln  der  Curie  und  der  geistlichen  Vorsteher  (63, 
70),  sie  bietet  endlich  mit  einen  ScUtlssel  zur  ErUannig 
jener  dgenthomlichen  Schwärmerei  des  Geissler-  oder  Fla- 
gellantenthums,  welche  in  erster  Linie  eine  chronische  Eultor- 
krankheit,  von  den  Eindrücken  elementarer  Erscheinungen  '^ 
des  Misswaches  und  namentlich  des  Erdbebens  beeinflusst  wird, 
da  der  Zorn  des  Himmels  Sohnung  zu  veriangen  schien. 

Gab  es  doch  1267  im  Monate  Mai  in  der  Steiermaik 
ein  solches  Erdbeben,  dass  die  Burg  Kindberg  zusammoi- 
stOrzte  und  die  Eirchen^ocken  vor  ErschQtterung  zu  l&utai 
begannen  *"). 

„Dies  Jahr^O  kam  es  zur  gemeinen  Bussfedut,'  erzählt 
die  gleiche  Quelle,*  die  in  Sidlien  begann  und  die  Lombardei, 
Eftmten,  Erain,  die  Steiermark,  Oesterreich,  Böhmen  und 
Mähren  mit  Geisselui^en  und  Bussgesängen  durchzog,  was 
fbr  ein  gross  Wunder  gehalten  ward.  Eine  Menge  Menschen, 
Arme,  Reiche,  Ministerialen,  Bitter,  Bauern,  Greise  und  jQng- 
Unge  gingen  Qber  dem  Gürtel  nackt  einher,  den  Kopf  blos 
mit  einem  Linnentuch  bedeckt;  mit  Fahnen,  brennenden  Kerzen 
und  Geissein  in  der  Hand,  mit  denen  sich  einige  bis  aufs 
Blut  schlugen.  Sie  sangen  demQthige  Lieder  und  zogen  Ton 
Land  zu  Land,  von  Stadt  zu  Stadt,  von  Kirche  zu  Kirche. 
Viele,  die  das  sahen,  wurden  erschüttert  und  weinten,  warfen 
sich  auch  mit  dem  ganzen  Körper  nackt  auf  die  Erde,  in  den 


*^  Vgl.   Lorenz,    deutsche   Gesch    I    399  ft    Die  SynodalbesdüllBBe 

finden  sich  auch  in  der  gleichzeitigen  Gontin.  ^Hndobon.  Annal.  Mettic 

—  Monom.  Germ.  XI.  S.  699—703. 
**)  Schottwien  ging  1.  Aug.  1266  durch  einen  Wolkenbruch  £ut  ganz 

zu  Grunde.  S.  Anon.  Leob.  A.  ▼.  Zahn  S.  18. 
^  Anon.  Leob.  a.  a.  0.  S.  19  ~  20. 
^*)  Die  Jahresangaben   schwanken  zwischen  1260 — 1261    —   s.  Henii. 

Altah.  z.  J.  1260  „de  Flagellatozibus'' ;  Ann.  Mellic.  z.  J.  1260,  Ann. 

S.  Rudberti  Salisburg  z.  J.  1260.  Gont.  Sancruc.  n.  z.  J.  1261,  Gontin. 

Prsedicat.  Yindob.  dsgl.  wo  sich  auch  der  Eingang  des  deutschen 

Bussgesanges  findet.   Unsere  Stelle  ist  dem  Anon.  Leob.  a.  a.  0. 

S.  14  entnommen,  z.  J.  1261 


—     79     — 

Schnee  so  gut  wie  in  den  Roth  und  jeder  beharrte  in  dieser 
Busse  33  Tage,  zweimal  des  Tages,  am  Morgen  und  Abend/ 

Im  Grefolge  der  keineswegs  günstig  gearteten  Preussen- 
fahrt  tritt  im  politischen  Leben  unseres  Landes  ein  Ereigniss 
zu  Tage,  dessen  Eenntniss  wir  keiner  einzigen  Urkunde,  son- 
dern nur  dem  dramatisch  geftrbten  Berichte  der  Reimchronik  ^^) 
verdanken.  Immerhin  bleibt  der  historische  Kern  unanfechtbar 
und  auch  von  anderer  Seite  werden  uns  Andeutungen  ge- 
boten, die  an  dem  Geschichtlichen  dieser  Vorgänge  nicht 
zweifeln  lassen. 

Friedrich  von  Pettan  erscheint  darin  als  der  Denundant 
einer  Adelsverschwörung  wider  die  böhmische  Herrschaft,  als 
deren  Urheber  der  Püannberger  Graf  Bernhard  und  Hartnid 
der  Wüdonier,  als  Mitwisser  und  Theilnehmer  Ulrich  von 
Liechtenstein  und  Wülfing  von  Stubenberg  beinzichtigt  waren. 
Die  Angeklagten  wurden  m  das  Lager  vor  Breslau  beschieden 
und  der  Pettauer  allhier  aulgefordert,  seine  heimliche  Anklage 
öffentlich  vorzubringen.  Er  wiederholte  sie  ihnen  in's  Gesicht, 
nur  den  Püannberger  Heinrich,  der  sich  auch  hatte  einfinden 
müssen,  sprach  er  der  Mitwissenschaft  ledig.  Die  Beschuldigten 
erklärten  den  Pettauer  für  einen  Lügner,  forderten  ihn  zum 
Zweikampfe  heraus ;  König  Ottokar  aber  gestattete  dies  nicht, 
sondern  nahm  Alle  in  Haft,  liess  als  Gefangene  den  Grafen 
Bernhard  von  Pfannberg  auf  Burglein,  dessen  Bruder  Hemrich 
auf  die  Feste  Frain  (Fren)  in  Mähren,  den  Liechtensteiner  Ulrich 
auf  Elingenberg  in  Gesellschaft  des  Stubenbergers  und  den  Wil- 
donier  Hartnid  nach  Eichhorn  in  Mähren,  schaffen.  Aber  auch 
der  Pettauer  Friedrich  hatte  sich  nicht  besser  gebettet,  da 
auch    ihm  das  Loos  der  Haft  zu  Eichhorn  bescbieden  ward. 

Die  Haft  der  Herren  aus  Steierland  währte  26  Wochen  ^') 
in  ihrer  ganzen  Härte.  Doch  gestattete  der  König  nicht,  dass 

*<)  Beimchroiuk  56.  Cap.  S.  96—98.  Das  Chron.  Joaim.  Victor.,  das  den 
Reimchronisten  Ottokar  ben&tzte,  hat  S.  297  (I.  Buch,  9.  Gap.)  Dur 
wenige  Zeilen.  YgL  aach  Tangl's  Aufs.  0.  die  Pfannberger  18.  Bd. 
des  Arch.  f.  K  Ost.  G.  189  ff. 

^^  Bei  Lorenz  deut.  G.  I.  finden  sich  zufolge  offenbarem  Versehens 
26  Monate  angegeben. 


—     80    — 

man  die  Habe  der  Grefangenen  plündere,  beliess  ihnen  je  dnen 
Diener  und  sandte  das  andere  Gefolge  heim.  Den  Pfumberger 
Heinrich  zog  er  überdies  bald  an  seinen  Hol  Die  Andern 
mussten  zur  Erlangung  ihrer  Freiheit  dem  Pettauer  Urfehde 
schwören  und  eine  Reihe  ihrer  Burgen  ausliefern,  die  dann 
der  König  brechen  liess.  So  verloren  die  P&nnberger :  Pfaim- 
berg,  Peggau,  St  Peter,  ICaisersberg,  Strasseck  und  Löschen* 
thal,  der  Liechtensteiner :  Murau,  Liechtenstein  und  die  Frauen- 
burg,  der  Stubenberger :  Stubeaiberg,  Kapfenberg,  Katsch  und 
Wulfingstein,  der  Wildonier:  Premaresburg  und  Gleichenberg 
und  selbst  der  Pettauer  Wurmberg  und  Schwanberg.  Zum 
Schlüsse  —  erzählt  die  Reimchronik  —  sprach  Ottokar  zu 
den  von  der  Haft  Erlösten^  „Thut  Euch  gütlich,  da  ich  Euch 
durch  meine  Gnade  reich  machen  und  den  Schade  vergüten 
will,  den  ich  angerichtet  Wer  sich  aber  von  mir  mit  bösem 
Gebahren  entfernt,  der  wisse  fOrder,  dass  er  nicht  wieder 
dessen  sich  erfreuen  wird,  was  er  einbüsste.^  Der  König  ver- 
theilte  an  sie  Kleinode,  Silber  und  Gewand,  dann  entliess  er 
sie  heim. 

Wir  haben  in  Kürze  das  Wesentliche  der  ausführlidien 
Erzählung  des  Reimchronisten  entnommen.  Drei  Punkte  jedoch 
bedürfen  einer  genaueren  Prüfung  und  zwar  das  chronolo- 
gische und  locale  Moment  der  Erzählung  und  die  Motivirung 
des  Ganzen. 

Der  Reimchronist  lässt  die  genannten  Edelherren  aus  d^ 
Steiermark  dreimal  durch  Boten  und  Briefe  nach  Breslau 
entbieten;  er  lässt  sie  26  Wochen  in  strengem  Gewahrsam 
halten  und  zu  Prag  „an  dem  Palmtag**  (1268,  1.  April) 
der  Haft  erledigen. 

Die  Haft  müsste  also  Mitte  October  1267  b^onnen 
haben;  somit  lange  vor  der  Preussenfahrt,  welche  erst  im 
December  1267  angetreten  wurde,  wie  aus  Ottokar's  und 
Bruno's  Urkunden  ersehen  ^^)  und  schon  mit  Jänner  1268 
beschlossen  gewesen  sein  muss,  da  wir  Ottokar  zu  Prag  berdts 
16.  Februar  d.  J.  urkundlich  vorfinden. 


^)  Emier  Begg.  Nr.  571,  576,  577,  592. 


—  Si- 
lin April  1268  befand  er  sich  allerdings  zu  Prag,  min- 
destens vom  24.  April  an.  Dagegen  lässt  sich  aber  sein  angeb- 
licher Aufenthalt  zu  Breslau  filr  Mitte  October  1267  in  keinerlei 
Weise  belegen,  denn  die  vorhandenen  Urkunden  zeigen  blos 
Ottokar  19.  Sept.  1267  in  Prag,  6.  Nov.  in  Brllnn  und  seinen 
ersten  Minister  Bruno  3.  Oct  in  Mähren**).  Ueberdies  ist 
ein  Aufenthalt  Ottokar's  zu  Breslscu  ausser  aller  Verbindung 
nüt  der  Preussenfahrt  nicht  gut  denkbar. 

Versuchten  wir  es  nun,  diese  Begebenheit  in  das  Jahr 
1268—1269  zu  versetzen*'),  da  z.B.  die  Klostemeuburger 
Annalen  ihrer  z.  J.  1269  kurz  gedenken  *')  und  der  Victringer 
Abt  Johannes  in  seinem  Geschichtswerke  die  Begebenheit 
dem  Tode  Herzog  Ulrich  von  Kärnten  (1269,  27.  Oct.)  mit 
den  Worten  „in  diesem  Jahre"  anreiht,  so  kämen  wir 
mit  den  Zeit-  und  Ortsangaben  des  Reimchronisten  noch 
schlechter  weg  und  ebensowenig  ist  eine  weitere  Verlegung 
in  ein  späteres  oder  früheres  Jahr  statthaft.  Wir  sind  somit 
genöthigt,  wenn  wir  der  Reimchronik  folgen  wollen,  die  ganze 
Begebenheit  in  die  Zeit  vom  Jänner  bis  April  1268  zusam- 
menzudrängen und  zwar  die  Vorladung  so  gut  wie  die  Zeit 
der  Haft.  Schwierig  lässt  sich  da  allerdings  die  Heimreise  der 
Herren  nach  der  Preussenfahrt  und  ihre  dreimalige  Vorladung 
nach  Breslau  chronologisch  combiniren.  Aber  im  Gebiete  that- 
sächlicher  Unmöglichkeiten  bewegen  wir  uns  immerhin  nicht. 
Ueber  die  Motive  der  That  des  Pettauers  bleiben  wk 
ganz  im  Unklaren.  Jedenfalls  war  sein  Lohn  schlecht.  —  Der 
Schluss  der  Erzählung,  die  Handlungsweise  des  Königs  gegen- 
über den  freigelassenen  Herren  würde  besagen,  dass  Ottokar 
seine  That  als  eine  Uebereilung  gut  machen  wollte. 


*5)  Emier  Nr.  618,  558,  568—9,  560-1. 

*•)  Tangl  in  seiner  fleissigen  Abh.  ü.  die  Pfannberger  versetzt  irrthttm- 
lich  die  ganze  Sache  in's  Jabr  1468—1469  (S.  142  f.),  da  er  den 
Kreazzng  viel  später  ansetzt,  als  er  in  der  That  vor  sich  ging. 

*')  Contin.  Claustroneob.  IV.  Mon.  Germ.  XI,  S  648.  „Comites  de  Phan- 
berg  et  nobiliores  St}Tise  a  rege  Bohemie  captivantor  et  eoram  castra 
meliora  destruuntar,   sed  destructis  castris  a  captivitate  relaxantur.^ 

a 

MiUhcI].  d.  hiit.  Vereins  f.  Bteiermurk.  ZZII.  Heft,  ltT4.  ^ 


—     82     — 

Aber  eine  Angelegenheit  im  Ganzen  der  Erzählung  bietet 
einen  praktischen  Gesichtspunkt  der  premyslidischen  Politik, 
und  zwar  die  zwangsweise  Beseitigung  oder  Besetzung  jener 
Burgen  der  mächtigsten  Geschlechter,  welche  in  ihrer  wach- 
senden Zahl  als  Stützpunkte  adeliger  Opposition  für  ein 
strammes  monarchisches  Regiment  bedrohUch  werden  mussten. 
Dass  femer  der  Pettauer,  ohne  dass  wir  seine  DenunciantenroUe 
billigen  können,  seine  Beschuldigungen  nicht  ganz  aus  der  Luft 
griff,  und  dass  die  genannten  Herren  nicht  gut  auf  die  böh- 
mische Herrschaft  zu  sprechen  waren,   liegt  gleichfalls  nahe. 

Der  Böhmenkönig  griff  nun  einmal  mit  eiserner  Hand  in 
die  steiermärkische  Adelschaft,  um  die  Angesehensten  hervor- 
zuholen und  ihnen  das  zu  entwinden,  was  er  sonst  mit  grös- 
serem Eraftaufwande  hätte  erobern  müssen. 

Nirgends  aber  in  der  ganzen  Erzählung  geschieht  des 
vornehmsten  Rathgebers  der  Krone,  des  bischöflichen  Landes- 
hauptmannes der  Steiermark,  Bruno's,  Erwähnung  und  doch 
muss  angenommen  werden,  dass  gerade  diesem  die  Sachlage 
und  Stimmung  im  Lande  trotz  längerer  Entfernung  bekannter 
war,  als  dem  Könige  selbst*^). 

Doch  scheiden  wir  von  dieser  Episode.  Alles  scheint  bald 
in's  alte  Geleise  zu  kommen,  vergeben  und  vergessen  zu 
sein,  wie  dies  urkundliche  Zeugnisse  schon  1269  nahe  legen. 
An  eine  thatsächliche  Opposition  Ulrich's  von.  Liechtenstein 
mögen  wir  selbst  nicht  recht  glauben;  er  scheint  deren  am 
wenigsten  mit  Recht  beschuldigt  worden  zu  sein.  Dm,  den 
Stubenberger  und  Bernhard  von  Pfannberg  finden  wir  bald 
wieder  in  der  Umgebung  des  Königs,  auch  ausserhalb  des 
Landes  *•)  (80). 


^^  Lorenz  hat  die  politische  Bedeutung  dieser  Händel  (I.  270  f.)  richtig 
gezeichnet  Kur  in  chronologischer  Beziehung  unterlief  das  Versehen 
einmal,  dass  er  die  Verhaftung  der  Adelsherren  mit  der  Heise 
Bruno's  in  die  Steiermark  (Späljahr  1268  !)  combinirt  und,  obschon 
er  die  Haft  mit  26  Monaten  ansetzt,  die  Befreiung  doch  (S.  272) 
am  „Pahntag  1268*^  geschehen  l&sst. 

^')  Vgl.  auch  Tangl's  erwähnte  Abhandlung  S.  148  £ 


—     83     — 

Bruno's  Rückkunft  in  die  Steiermark  haben  wir  erst  seit 
1.  December  1268  urkundlich  (72)  verbürgt  Doch  können 
wir  ihren  Zeitpunkt  viel  früher  ansetzen.  Neben  ihm  taucht 
Herbord  von  Füllenstein^  sein  Lehensmann  und  Truchsess,  auf, 
eine  Persönlichkeit  von  Einfluss,  die  alsbald  1269  als  Landes- 
richter der  Steiermark  und  als  Stellvertreter  Bruno's  zu  gelten 
hat  (73,  78,  79). 

Dieser,  in  unaufhörUcher  Bewegung  von  und  zimi  Hoflager 
des  Premysüden  —  muss  im  Frühsommer  1269  die  Steier- 
mark wieder  verlassen  haben;  in  einer  Urkunde  (16.  April, 
Graz)  Herbord's  von  Füllenstein  wird  seines  und  des  könig- 
lichen Mandates,  das  Seckauer  Hochstift  betreffend,  gedacht 
(78).  Den  13.  Juni  des  gleichen  Jahres  finden  wir  ihn  und 
den  Premysüden  in  Gesellschaft  des  Freisinger,  Passauer, 
Brixner  und  Seckauer  Bischof  es '**^). 

Fünfzehn  Tage  später  schlichtet  er  jedoch  wieder  auf  stei- 
rischem  Boden,  im  Unterlande,  zu  Radkersburg,  einen  Streit  des 
Bischofs  von  Seckau  mit  dem  Adeligen  Ortolf  von  Stretwich  und 
den  20.  August  d.  J.  sehen  wir  ihn  zu  Graz  in  offener  Land- 
schranne als  Richter  in  dem  Güterhandel  des  St.  Pauler  Klo- 
sters mit  Heinrich  von  Rohitsch  (81,  82  vgl.  71).  Das  letzte- 
mal  begegnen  wir  ihm  hier  in  der  Ausübung  seines  wichtigen 
Amtes  *  ^),  umgeben  von  einem  stattlichen  Kreise  steirischer 
Prälaten  und  Landherren.  —  Noch  einmal,  in  Ottokar's  Ur- 
kunde für  S.  Lambrecht  vom  29.  Jänner  1270,  geschieht  seiner 
als  „damals  Landeshauptmaim  der  Steiermark**  Erwähnung 
(88,  vgl.  83).  Dabei  wird  aber  auch  Otto's  von  Haslau  gedacht, 
„welcher  damals  für  eine  Zeit  der  Hauptmann  desselben  Landes 
war,"  wie  wörtlich  darin  zu  lesen.  Und  dass  nach  Bruno's 
Abgange,  im  Herbste  1269,  für  wenige  Monate  der  Haslauer 
die  Verwaltung  führte,  bezeugt  eine  zweite  Urkunde  von  Ende 
Jänner,  worin  des  Schiedsspruches  Otto's  in  einer  Streitsache 


«0  Emler  Nr.  663. 

^1)  Letztere  Urkunde  (82)  deutet  mit  ihrer  langen  Zeugenreihe  auf  eine 
StändeTersammlung  hin. 

6* 


—     84     — 

Wichards  von  Ramenstein  mit  dem  Kloster  St  Lambrecht  gedacht 
erscheint  (40).  Näheres  über  die  Dauer  seiner  interimistischen 
Amtsgewalt  wissen  wir  nicht,  auch  taucht  er  in  keiner  steiermär- 
kischen   Urkunde   als   Landeshauptmann  oder   Verweser  aal 
Dagegen  wissen  wir,    dass   einer   der  hervorragendsten 
Männer  im  Kreise  der  Kronbeamten  Ottokar's,  Burkhard  von 
Klingenberg  (74),  bereits  im  Herbste  des  Jahres  den  Postoi 
eines  Landeshauptmannes   der  Steiermark  angetreten  haben 
muss,  da  er  Anfangs  October  zu  Marburg  als  solcher  einer  allge- 
meinen Gerichtsversanmilung,  einem  Landtaiding,  vorsass  (94). 
Der  Grund   der  Enthebung  Bruno's   vom  Posten  eines 
Landeshauptmannes  der  Steiermark,   den  er,   wie  sein  alter 
Biograph  sagt,  gestrenge  verwaltete  * '),  ist  sicherlich  ebenso- 
wenig in   dem  Misstrauen  des  Königs  als   in   einem  Proteste 
der  Steiermärker  gegen  die  Amtsfühnmg  des  Olmützer  Bischöfe 
zu  suchen.  Denn  bis  zum  Tode  des  Premysliden  behauptete 
Bruno,   trotz  zeitweiliger  Gegenströmungen  am  Hofe,  die  sich 
gewiss   nicht   in  Abrede    stellen  lassen^*),    den  ersten  Platz 
im  Rathe  der  Krone  und  zu  einem   solchen  Proteste  fehlte 
jeder  Anlass,  er  ist  emfach  undenkbar. 

Im  Gegentheile,  das  GefQhl  der  Machthöhe  und  Sicherheit 
veranlasste  Ottokar  zu  einer  solchen  Yerwaltungsmassregel. 
Der  Bischof-Minister  war  als  Landeshauptmann  der  Steiermark 
entbehrUch,  dagegen  bei  der  wachsenden  Fülle  verwickelter 
Staatsgeschäfte  in  des  Regenten  nächster  Nähe  nicht  leicht  zu 
missen.  Wir  können  aber  diesen  Zeitpunkt  als  kurze  Haltstelle 
benutzen,  um  einen  RückbUck  auf  wichtige  Vorgänge  zu  werfen, 
die  einen  bedeutsamen  Einfluss  auf  die  Steiermark  üben 
mussten. 


^^)  Ducatom  Stirie  rexit  et  strenue  gubemavit  Lorenz,  deutsche  Gesch. 
I,  260  Note  1. 

^^  Ist  es  Zufall  oder  Beweis  für  soltJie  Gegenströmungen,  dass  Bischof 
Bruno's  Name  in  den  königlichen  Urkunden  dieser  Zeit  fast  gar 
nicht  auftritt,  dass  z.  B.  nicht  er,  sondern  der  böhmische  Kanzler 
Peter,  Propst  von  Wischegrad,  bei  dem  Abschlüsse  des  wichtigen 
Podiebrader  Erbvertrages  (s.  w.  u.)  anwesend  war? 


—     85     — 

Im  Spätjahre  1268  treffen  wir  im  Böhmerlande,  auf  der 
Kronherrschaft  Podiebrad,  den  Kärntner  Herzog  Ulrich,  Otto- 
kar's  Vetter,  den  kinderlosen  Gemahl  der  Grossnichte  des 
letzten  Babenbergers,  Gertruden's  Tochter.  Unter  Zeugenschaft 
des  Grafen  Albert  von  Görz-Tirol,  des  Meisters  Peter,  Prop- 
stes von  Wissegrad,  Kanzlers  des  böhmischen  Reiches,  Ulrich 's, 
des  Grafen  von  Heunburg,  Heinrich's  Grafen  von  Hardeck, 
des  Freien  von  Cauriaco,  Ulrich's  von  ReifFenberg  und  Anderer 
erklärt  Herzog  Ulrich,  für  den  Fall  seines  kinderlosen  Ab- 
sterbens,  Ottokar  zu  seinem  Erben. 

Des  Bruders  Philipp,  des  abgedankten  Gewählten  von 
Salzburg,  geschieht  keine  Erwähnung**).  Man  will  ihn  der 
Erbschaft  ferne  halten,  doch  auch  für  seine  anderweitige  Ver- 
sorgung muss  gehandelt  werden.  Die  Handhabe  bietet  sich  in 
der  Erledigung  des  Patriarchenstuhles  von  Aquileja. 

Ohnedies  hatte  seit  der  entschiedenen  Besitzergreifung 
vom  Steierlande  (1260)  der  Böhmenkönig  als  Herr  des  aquile- 
jischen  Lehens  Pordenone,  seme  Hand  im  Friauler  Lande. 
1263  nahm  Bruno  von  Olraütz  als  Stellvertreter  Ottokar's 
das  Lehen  des  Schenkenamtes  von  Aquileja  entgegen.  —  Im 
Kampfe  der  Görzer  mit  dem  Patriarchen  Gregor  von  Monte- 
longo  sah  der  Premyslide  nicht  mtissig  zu  •''). 

Als  nun  Patriarch  -Gregor  den  8.  September  1269  starb, 
beeilte  sich  Ottokar,  die  Wahl  Philipp's  zum  Patriarchen 
durchzusetzen  und  sie  fand  bereits  den  23.  September  statt, 
um  so  leichter,  da  sein  Bruder,  der  Kärntner  Herzog,  den 
14.  d.  M.  zum  „Gemeinen  Hauptmann"  (capitano  generale) 
oder  Landesverweser  Friaul's  erkoren  wurde.  Philipp  wusste 


^^)  Die  Urkunde  vom  21.  März  1249  s.  Anh.  Begg.  Nr.  7  ist  offenbar 
unecht.  Bei  dieser  Gelegenheit  sei  einer  Urkunde  von  1251,  17.  Juni, 
Neuss,  gedacht,  in  welcher  König  Wilhelm  von  Deutschland  dem 
Bischof  Ulrich  die  Freiheiten  des  Bisthums  Seckau  bestätigt.  (L.  A. 
Nr.  663  Cop.) 

**)  Bianchi  Regg.  im  22.  Bde.  des  Arch.  f.  K.  öst.  Geschichtsquellen.  — 
Vgl.  Manzano,  Ann.  del  Friuli  III.  1860  S.  45  f.  —  Tangl,  Hdbch. 
der  Gesch   Kärntens  IV,  1,  S.  3  f. 


—     86     — 

aber  alF  dies  dem  Böhmenkönig  zu  schlechtem  Danke,  denn 
der  Beweggrund  war  ihm  klar  und  sein  Blick  unverwandt  auf 
das  Kärntner  Erbe  gerichtet*'). 

Als  daher  den  27.  October  1269  Herzog  Ulrich  zu  CSvi- 
dale  starb,  säumte  keinen  Augenblick  der  Erwählte  von  Aglei, 
seinem  böhmischen  Vetter  in  Erain  und  Kärnten  zuvorzu- 
kommen, der  einerseits  auch  nicht  zögerte  und  den  gewandten 
Probst  von  Brunn,  Conrad,  in  die  genannten  Länder  sandte. 
Wenn  der  Brief  Ottokar's  an. Philipp  dem  Frühjahre  1270 
eingereiht  werden  darf  —  und  es  sprechen  gewichtige  Gründe 
dafilr  —  so  bemühte  sich  der  Böhmenkönig,  dem  trotzigen 
Vetter  den  Kopf  zurecht  zu  setzen;  denn  er  war  ihm  sehr 
unbequem  geworden.  Rasch  hatte  Philipp  seine  Wahl  zmn 
Generalcapitän  von  Friaul  durchgesetzt,  den  Kärntner  Her- 
zogstitel angenommen  und  sich  mit  „Ottokar's  Feinden"  ver- 
bunden, worunter  unschwer  die  kämtnisch-krainische  Partei 
der  Gegner  der  böhmischen  Occupation  und  wohl  auch  Ungarns 
neuer  König  Stefan,  Sohn  des  Anfangs  Mai  1270  verstorbenen 
Bela  IV.,  zu  verstehen  ist. 

Dagegen  hatte  der  Premyslide  einen  Bund  mit  den 
Friauler  Ständen  (1.  Mai  1270)  geschlossen*'),  auch  konnte  er 
auf  die  alten  Gegner  Philipp's,  die  Görzer  Grafen,  und  auf  die 
in  Bj-ain  und  Kärnten  mächtigen  Ortenburger  und  Stemberger 
zählen.  Unter  solchen  Umständen  konnte  er  hoffen,  seinen 
Rivalen,  den  das  Aquilejer  Capitel  als  abgesetzt  erklärte,  zu  er- 
drücken. Bald  schob  sich  der  ausbrechende  böhmisch-ungarische 
Krieg  dazwischen  und  auf  ihn  setzte  Philipp  als  Bundesge- 
nosse Stefanos  V.,  seine  besten  Hoffnungen.  Doch  sie  wurden  ge- 
täuscht, Stefan  zum  Waffenstillstände  genöthigt,  zu  dessen  Ver- 
handlung noch  im  Spätsommer  Anstalten  getroffen  wurden. 
Philipp  wurde  in  denselben  unter  der  Bedingung  aufgenommen, 
dass  er  sich  ruhig  verhalte  und  bis  zum  Gallustage  (16.  Oc- 
tober) Bevolhnächtigte  sende.   In  der  endgiltigen  Ueberein- 


^)  Manzano  a.  a.  0.  S.  88  f. 
*"*)  Manzano  a.  a.  0.  87. 


—     87     — 

kunft,  die  der  Stillstand  vom  Gallustage  bis  11.  November 
1272  festsetzte,  wird  von  Philipp  ganz  abgesehen,  da  er  diese 
Bedingung  nicht  eingehalten  habe  **). 

Dies  war  ein  harter  Schlag  fQr  die  Aussichten  des  iso- 
lirten  Sponheimers,  dem  es  nun  wenig  half,  dass  der  eigene 
Vollmachtträger  des  Böhmenkönigs,  Probst  Conrad,  angelockt 
von  den  Versprechungen  imd  Philipp's  anfänglichen  Erfolgen, 
Verräther  an  des  Königs  Sache  wurde  und  zur  Partei  des 
Sponheimers  übertrat 

Ottokar  honnte  nun  persönlich  mit  überlegener  Waffen- 
macht den  Rivalen  angreifen.  Den  28.  October  1270  (91) 
treffen  wir  ihn  noch  zu  Wien,  woselbst  er  den  2.  Februar 
mit  dem  Freisinger  Bischöfe  Conrad  über  die  Kärntner  Hoch- 
stiftslehen einen  Investiturvertrag  geschlossen  hatte,  wahr- 
scheinhch  auch  noch  am  1.  November.  Rasch  muss  er  nun 
den  Heereszug  durch  Steiermark  in's  Bjrainer  Land  bewerk- 
stelligt haben,  denn  schon  am  24.  November^*)  ist  seine  Anwe- 
senheit beim  Klosterorte  Sittich  verbürgt  Der  Marsch  muss 
ihn  damals  über  Windischgraz  geführt  haben,  von  welchem 
Orte  zwei  Urkunden  datiren  (97);  denn  der  Annahme,  er  habe 
diesen  Ort  erst  am  Rückmarsche  berührt,  steht  die  Thatsache 
entgegen,  wonach  er  den  Weg  aus  Kärnten  von  Villach  gegen 
Obersteier,  nach  Judenburg,  einschlug.  In  die  Zeit  vom  24.  No- 
vember bis  6.  December  fällt  der  Marsch  von  Sittich  gegen 
Laibach,  wo  sich  Ulrich  von  Liechtenstein  als  Marschall  des 
Steierlandes  eingefunden  hatte  und  der  Zug  durch  das  „Stein- 
geschirr** des  Canalthales  zwischen  Amoldstein  und  Tarvis, 
das  den  „Böhmen'*  so  bange  gemacht  haben  soll,  in's  Kärntner 
Land.  Offenbar  musste  der  König  den  Weg  über  Krainbiu-g, 
Radmannsdorf  und  Weissenfeis  und  das  Gebirge  eingeschlagen 
haben  **•).    Für    12   Tage   in    der  That  ein   schweres   Stück 


*»)  Emier  S.  279-281  Nr.  722-726,  Palacky  II,  2,  208,   Tangl  S   17 

fr.  Lorenz  I,  321  ff. 
")  Emier  Kr.  719,  727,  728. 
*")  üeber  diesen  Marsch  vgl.  die   ausftilirlichen  Erörterungen  TangPs 

a.  a.  0.  S.  28-85. 


—     88     — 

Arbeit !  Denn  schon  am  6.  December  finden  wir  den  König 
zu  Yülach  und  die  bezügliche  Urkunde  für  Viktring  (95)  lässt 
uns  als  Zeugen  die  steirischen  Edelherren  von  Pfannberg,  den 
Pettauer,  Seifiid  von  Mäbrenberg  und  Ulrich  von  Liechten- 
stein erkennen/  Es  waren  dies  sämmüich  Persönlichkeiten,  die 
auch  in  Kärnten  allodial  oder  lehensmässig  begütert  waren, 
den  Liechtensteiner  ausgenommen ' '). 

Wo  jene  von  der  Reimchronik  angedeuteten  Verhand- 
lungen mit  Philipp  stattfanden,  denen  zufolge  dieser  ge- 
zwungen ward,  auf  Kärnten,  Krain  und  die  Mark  Verzicht  zu 
leisten,  sich  mit  den  Einkünften  des  Gerichtes  und  der  Mauth 
der  niederösterreichischen  Stadt  Krems  begnügen  und  seinen 
ständigen  Sitz  als  Intemirter  zu  Pösenbeug  nehmen  sollte,  ist 
unbekannt.  Dass  sie  sich  jedoch  äusserst  schwer  diesem  Zeit- 
punkte einpassen  lassen,  ist  eben  so  sicher  als  die  Thatsache, 
dass  Philipp  noch  im  Jahre  1271  als  Gegner  dem  Premysliden 
gegenübersteht,  also  keineswegs  das  Leben  eines  Intemirten 
im  Oesterreicher  Lande  führte  und  factisch  nicht  fuhren  konnte. 
Aber  lassen  wir  diese  Angelegenheiten  bei  Seite,  die  uns  auf 
ein  anderes  Feld  der  Untersuchungen  verlocken  könnten,  um 
uns  einer  zweiten  Thatsache  zuzuwenden,  welche  mit  den 
innerösterreichischen  Verhältnissen  im  wesentlichen  Zusammen- 
hange steht. 

Es  ist  dies  Ottokar's  Zusammenkunft  mit  dem  neuen 
Erzbischofe  von  Salzburg,  Friedrich  von  Walchen,  zu  Juden- 
burg, worüber  uns  die  Taidungsurkunde  (96)  vom  12.  De- 
cember 1270  vorKegt  Ein  halbes  Jahr  zuvor,  den  28.  April, 
war  Metropolit  Wladislav,  Ottokar's  Verwandter,  der  milde, 
friedfertige  Mann  gestorben,  aus  dessen  Thätigkeit  in  den 
steiermärkischen  Kirchenverhältnissen  wir  nur  die  Reformation 
des  Seckauer  Stiftes  hervorheben  woUen.  Wladislav  stand  mit 
Ottokar  auf  bestem  Fusse  und  verstand  sich  auch  zu  fdgen. 
In  dem  neuen  Erzbischofe  lebte  ein  energischer  selbststän-^ 
diger  Wille,    den  freilich  erst  später  der  König  verspüren 


•»)  Vgl.  Tangl  a.  a.  0.  S.  36. 


—     89     — 

sollte,  das  Gefühl,  dass  der  Augenblick  abzuwarten  sei,  um 
sich  gegen  die  Uebermacht  des  Böhmenkönigs  in  den  Alpen- 
ländem  zu  stenunen. 

Zunächst  musste  der  Salzburger  mit  dem  PremysUden 
auf  gutem  Fusse  bleiben.  Die  bezüglichen  drei  Urkunden 
handehi  1.  von  den  Salzburger  Lehen  der  Herzoge  Oesterreichs 
und  Steiermarks  in  den  vier  Landen,  2.  von  der  Rückver- 
schafiFung  der  dem  Salzburger  Erzstifte  seit  Wladislav's  Tode 
entfremdeten  Güter  und  Zehenten,  3.  von  dem  Ausgleiche 
der  strittigen  Gegenansprüche,  der  zu  Wien  den  L  Mai  1271 
stattzufinden  habe.  —  Als  Schiedsgerichts-Obmann  erscheint 
Bischof  Bernhard  von  Seckau,  gleichfalls  eine  Persönlichkeit, 
der  wir  mit  einigen  Worten  gedenken  müssen  "*). 

1268,  den  6.  Juni  war  der  vielgeplagte  und  getäuschte 
Exmetropolit  von  Salzburg,  der  Seckauer  Bischof  Ulrich  ver- 
schieden. An  seine  Stelle  trat  Bernhard,  Dompropst  von 
Passau,  der  auch  für  einige  Zeit  die  Lehrkanzel  des  kanoni- 
schen Bechtes  an  der  Paduaner  Hochschule  versah;  ein 
scharfer,  gewandter,  mund-  und  federtüchtiger  Kopf,  der  seine 
Erhebung  dem  Premysliden  verdankte  und  bis  zur  entschei- 
denden Krise  des  Jahres  1275/6  der  getreue  Schildknappe 
seiner  Politik  blieb  (72,  77,  78,  81,  85,  94).  So  war  die 
Occupation  des  Kärntner  und  Krainer  Landes  gelungen  und 
die  Verhältnisse  zum  Salzburger  Hochstifte  leidlich  geschlichtet, 
als  Ottokar  die  Murstrasse  aufwärts  zog,  um  dann  den 
gewohnten  Weg  durch's  Mürztbal  über  den  Semmering  ein- 
zuschlagen Da  kam  ihm  aber  die  böse  Botschaft  zu,  der 
Ungamkönig  habe  den  kürzlich  geschlossenen  Waffenstillstand 
gebrochen,  ein  gewaltiges  Heer  nach  Oesterreich  geworfen 
und  wolle  bei  Schottwien  dem  heimziehenden  Gegner  eine 
schlimme  Falle  berdt  halten. 

Da  bahnte  sich  Ottokar,  um  den  feindlichen  Plan  zu 
kreuzen,  trotz  winterlicher  Fährlichkeiten  und  Beschwerden 


•*)  Vgl.  die  ürkimdenregesten  im  Anhange  Nr.  77,  78,  81  über  die  Ange- 
legenheiten des  Seckauer  Hochstiftes  in  Bernhardts  »Tagen. 


—     90     — 

den  Weg  über  das  Gebirge  gegen  Lilienfeld,  also  muthmass- 
lieh  über  Aflenz,  Mariazeil  und  Tumitz  ••),  und  der  getäuschte 
Ungamkönig  kohlte  den  Aerger  über  den  misslungenen  Plan 
durch  unmenschliche  Verwüstungen  des  österreichischen  Landes. 

Ottokar  zahlte  dies  im  AprQ  des  nächsten  Jahres  (1271) 
auf  ungarischem  Boden  durch  anftngliche  Erfolge  blutig  heim. 
Doch  musste  er  aus  Proviantmangel  an  den  Rückzug  denken. 
Der  nun  folgende  Angriff  des  Ungamkönigs  war  mit  dem 
neuen  kriegerischen  Auftreten  des  Sponheimer's  Philipp  und 
mit  dem  vereinbarten  Einfalle  Heinrich's  von  Niederbaiem  in's 
oberösterreichische  Land  combinirt.  Allerdings  konnte  Philipp 
an  Erfolge  zunächst  nur  im  Friaulischen  denken,  denn  in 
Krain  und  Kärnten  scheint  Ottokar  wohl  vorgesorgt  zu  haben. 
Dort  führte  Ulrich  von  Habsbach  (Hausbach),  hier  Albrecht 
von  Fren  (Frain)  die  Landeshauptmannschaft  Letzterer  brachte 
dem  Böhmenkönige  auch  den  Kärntner  Heerbann  zu  und  fand 
in  den  Kämpfen  auf  ungarischer  Erde  den  Tod,  oder  wurde 
nach  dem  ungarisch-böhmischen  Kriege  seiner  Landesverwe- 
sung enthoben,  denn  er  taucht  nicht  wieder  in  dieser  Rolle  auf. 

Ottokar  aber  ging  aus  dem  Kampfe  mit  entschiedenem 
Erfolge  hervor,  denn  der  Pressburg-Prager  Friede  vom  3. — 13. 
Juli  1271  •*)  —  ein  Werk  des  Kalocsaer  Erzbischofes  und 
sechs  ungarischer  Bischöfe,  anderseits  des  Salzburger  Erzbi- 
schofes und  der  Bischöfe  von  Prag,  Olmütz,  Passau,  Freising 
und  Seckau,  darlegt  (98). 

An  den  Verzicht  auf  alle  Ansprüche  zu  Gunsten  des 
Böhmenkönigs  —  Kärnten,  Krain  und  die  Mark  betreffend, 
knüpft  Stephan  V.  das  Versprechen,  sein  BUndniss  mit  Philipp 
aufzulösen  und  ihm  seinen  Schutz  gänzlich  zu  entziehen.  Von 
besonderem  Interesse  erscheint  jedoch  der  Schluss  des  fünften 
Artikels,  denn  er  verbürgt  dem  Premysliden,  dass  er  die  zu 
ihm  geflüchteten  Adeligen,  Wflhelm  von  Scherffenberg  und 


• )  Vgl.  Tangl  a.  a,  0.  S.  51. 

<^)  Emier  Nr.  758.   Vgl.  Lambacher   Ost.  Interregnum  S.  51   Nr.  36 
Palacky  I?,  1,  216  f.  Lorenz  I,  880. .  . 


-'     91     ~ 

Niklas  von  Löwenberg  (jenen  der  Krainer,  diesen  der  Kärntner 
Landschaft  angehörig),  aus  seinem  Reiche  verweisen  werde. 

Wir  haben  es  also  mit  politischen  Unzufriedenen,  mit 
Widersachern  der  böhmischen  Herrschaft  und  offenbar  mit 
Befreundeten  Philipp's  zu  thun,  die  nun  der  ungarisch- 
böhmische Friede  preisgab.  —  Dagegen  fochten  in  den  Reihen 
des  böhmischen  Herrschers  Herren  der  Steiermark  und 
Heinrich  von  Pfannberg  soll,  als  der  König  die  Schaaren 
musterte,  ihn  gemahnt  haben,  die  seit  1268  von  Ottokar  be- 
setzten Burgen  zurückzugeben,  ^  damit  es  sie  gelüste,  desto 
mehr  um  seine  Ehre  zu  kämpfen,*'  worauf  der  Premyslide 
ermunternd  geantwortet  habe:  „Nu  seid  wacker  und  bieder 
im  Streite,  ich  sage  Euch  hier  Eure  Burgen,  Euer  Erbe 
ledig  *^).'  So  hätte  denn  der  ungarische  Feldzug  die  letzten 
Nachwehen  des  Jahres  1268  weggetilgt. 

In  die  Zeit  zwischen  dem  Abschlüsse  dieser  wichtigen 
Taidung  und  dem  Herbste,  vom  13.  Juli  bis  1.  September,  an 
welchem  Tage  wir  Ottokar  in  Prag  wieder  finden,  —  und 
mit  mehr  Wahrscheinlichkeit  als  in  die  vom  1 .  September  und 
13.  October  begrenzte  Frist,  oder  gar  in  die  vom  24.  November 
bis  30.  December  1271  laufenden  Tage  —  müssen  wir  die 
Heerfahrt  des  Böhmenkönigs  ansetzen,  deren  Ziel  das  Kärntner 
Land  war**). 

Es  lag  auch  nahe,  dass  Ottokar  in  Folge  des  Press- 
burger Friedens  die  Angelegenheiten  eines  von  Gegenbestre- 
bungen durchwühlten  Landes  endgiltig  ordne.  Dass  er  1271 
diesen  Zug  unternahm,  ist  urkundlich  angedeutet  und  mit  dem 
tragischen  Ausgange  Seifried's  von  Mährenberg  in  einem  prag- 
matischen Zusammenhange,  der  keine  andere  chronologische 
Unterbringung  ermöglicht 

Der  Zug  ging  muthmasslich  durch  Obersteier  nach 
Kärnten,  denn  das  war  der  gewohnte  Heerweg,  überdies 
machte   Ottokar   die   Rückfahrt   an   der  Drau   abwärts   in's 


•»)  Reimchronik  pg.  107. 

••)  Emier  S.  804  Nr.  758;  8.  307  Nr.  765;  S.  307  ^t.  767. 


—     92     — 

Steierland  und  wird  daher  umsoweniger  von  Untersteier  ans 
nach  Kärnten  gezogen  sein,  da  er  zweimal  den  gleichen  Weg 
hätte  nehmen  müssen.  Noch  mehr  spricht  dafür  die  Besetzmig 
von  Friesach  •^),  was  am  Wege  lag,  der  aus  dem  Oberlande 
Steiermarks  in  das  innere  Kärntens  führte. 

Als  Landeshauptmann  Kärntens  nach  dem  Ableben  oder 
zufolge  der  Enthebung  Albrechts  von  Fren  haben  wir  damals 
Ulrich,  den  Grafen  von  Heunburg,  zu  denken,  ohne  Frage  ein 
Ftüirer  der  Partei  in  Kärnten,  welche  dem  Podiebrader  Erbver- 
mächtniss  getreu,  fbr  Ottokar^s  Sache  einstand  imd  dafbr  entlohnt 
werden  musste.  Diese  Persönlichkeit,  reich  begütert  hier  zu 
Lande  so  gut  wie  in  der  Steiermark,  wohl  angesehen  und 
geachtet,  gewann  durch  die  von  König  Ottokar  wahrscheinlich 
1270  schon  verfügte  Heirat  mit  der  19jährigen  jugendlichen 
Witwe  des  Kärntner  Herzogs  Ulrich,  Agnes,  Gertruden's 
Tochter,  eine  neue  Bedeutung.  Man  hat  m  dieser  Verfügung 
des  Böhmenkönigs  nicht  mit  Unrecht  eine  politische  Massregel 
gesucht  ^®),  die  darauf  hinauslief,  die  Grossnichte  des  letzten 
Babenbergers  zur  Frau  eines  reichsmittelbaren  Dienst-  und 
Lehensmannes  zu  machen  ^')  und  damit  einer  zweiten  Heirat 
der  verwitweten  Kärntner  Herzogin  vorzubeugen,  welche  un- 
liebsame Länderan  Sprüche  eines  mächtigen  Gemalils  hervor- 
rufen könnte. 

Diese  Anschauung  gewinnt  an  Gewicht,  wenn  man  die 
spätere  urkundliche  Erklärung  der  beiden  Eheleute  vom  Jahre 
1279    berücksichtig^^) ,   welche   überdies   einen  werthvollen 


«^)  lieber  Friesach's  Besetzung  vgl   Tangl  S.  81. 

«8)  Vgl.  auch  Taugrs  Abh.  über  die  Heunburger  i  Arch.  f.  K  öst.  G. 
25.  Bd  S.  175  ff. 

«•)  Die  Reimchronik  Cap.  28  spricht  zunächst  nur  von  der  gegenseitigen 
innigen  Liebe  des  Ehepaares.  Später  erst  findet  sich  in  dem  soge- 
nannten Anon.  Leob.,  in  dem  compil.  Chron.  austr.  die  dem  Könige 
in  den  Mund  gelegte  Aeusserung,  er  habe  es  „in  depressionem  ge- 
neris",   d.  i.  des  Babenberger  Geschlechtes  —  gethaa. 

'0)  D.  et  actum  apud  Judenburch  XI.  Kai.  NoYembris  anno  D.  mill. 
duc.  septuag.  nono  b.  Herrgott  Numotheca.  11,  I  pag.  250;  Lambacher 
Anh.  Urk.  S.  171~176. 


—     93     — 

Aufechluss  über  den  Stand  der  Einkünfte  Gertruden's  gewährt, 
Denn  da  heisst  es  wörtlich:  „Was  wir  nur  irgend  mit  dem  Böh- 
menkönige abmachten  oder  im  Vorhergehenden  vereinbarten, 
das  Alles  erpresste  von  uns  seine  gewaltthätige  Unredlichkeit 
und  die  uns  erregte  Furcht"  ....  Dass  aber  diese  Grewalt- 
acte  erst  Platz  griffen,  als  Ulrich,  dem  Könige  offenbar  miss- 
liebiger,  die  Landeshauptmannschaft  an  einen  Andern  abgab  — 
und  nicht  gleichzeitig  mit  dem  Heiratspacte  eintreten  konnten, 
ist  selbstverständlich. 

Man  hat  nun  von  verschiedenen  Seiten  diese  Angelegenheit 
mit  einer  gleichzeitigen  Verbannung  Gertruden's  aus  der 
Steiermark  in  Verbindung  gebracht.  Jedenfalls  erscheint  dieser 
Zeitpunkt,  1270 — 1,  angemessener,  als  das  von  anderer  Seite 
hiefilr  angenommene  Jahr  1261,  oder  die  Combination,  Ottokar 
habe  Gertruden  1261  das  erstemal  und  um  1271  das  zweite - 
mal  verbannt.  Schon  der  Umstand,  dass  die  Babenbergerin 
durch  die  Ehe  ihrer  Tochter  mit  dem  Kärntner  Herzoge  Uh-ich 
(t  1269),  einem  Verwandten  Ottokar's,  diesem  gewisse  Rück- 
sichten fllr  die  Mutter,  der  Kärntner  Herzogin,  auferlegen 
musste,  fiUilt  in's  Gewicht.  Aber  auch  die  Chronologie  urkund- 
licher Zeugnisse  widerspricht  dem  letzteren.  —  Abgesehen 
davon,  dass  die  Reimchronik  diese  Verdrängung  Gertruden's 
mit  der  Landeshauptmannschaft  Bruno's,  des  Olmützer  Bi- 
schofes,   in  Verbindung   setzt,   welche   erst   im  Hochsommer 

1262  ihren  Anfang  nahm,  finden  wir  die  Babenbergerm  ur- 
kundlich  (39,   46)  noch  Anfang  März   1261    und   5.  Jänner 

1263  zu  Voitsberg  sesshaft,  überdies  wird  ihr  im  Rationarium 
Styrisß'^)  von  1267  nicht  blos  der  Titel  Ducissa,  Herzogin, 
sondern  auch  ein  Einkommen  jährlicher  400  Mark  aus  den 
landesftlrstlichen  Renten  zuerkannt. 

Endlich  sagt  auch  die  Reimchronik  ausdrücklich,  dass 
Gertrude  zu  dieser  zweiten  Ehe  ihrer  Tochter  —  freiwillig 


^0  Rauch  scrr.  rer.  austr.  n.  1748  S.  116:  Ex  hiis  autem  tollit  domina 
Dadssa  CGCC  marcas  denariorum  (von  der  Gresammtsomme  im  Be- 
trage von  7834  Mark  Pf.).  Das  Dudssa  passt  auf  Niemand  anderen 
als  Gertrude. 


~     94     — 

oder  gezwungener  Weise  —  ihre  Einwilligung  gab  und  wir 
sie  dabei  naturgemäss  noch  im  Lande  und  nicht  als  Ver- 
bannte im  Meissner  Lande  denken  dürfen.  —  So  viel  steht  nur 
fest,  wenn  wir  auch  dem  letztem  Argumente  keine  Beweiskraft 
beilegen  wollen,  Gertrude  sei  nicht  1261,  sondern  erst  nach 
1267  und  zwar  um  das  Jahr  1271  aus  der  Steiermark  ent- 
fernt und  genöthigt  worden,  bei  ihren  Meissner  Verwandten  ein 
Asyl  zu  suchen.  Nach  dem  Berichte  der  Reimchronik  finden 
wir  sie  anfängUch  nach  (W.-)  Feistritz  verbannt  mit  „kaum 
100  Mark  Gülf*  Einkommen.  Aber  auch  da  durfte  sie  nicht 
lange  weilen  und  in  gewitterschwerer  Nacht  das  Land  meiden. 
Als  Scherge  des  königlichen  Willens  erscheint  der  i,  Probst 
von  Brunn"  '*).  Sie  lebte  noch  1288  im  Kloster  zu  Suselitz  "«). 
—  Ob,  wie  der  Reimchronist  erzählt,  der  herzlose  Probst 
von  Brunn,  Conrad,  des  Königs  Vollmachtträger,  mit  dieser 
Verdrängung  Gertruden's  zu  schaffen  hatte,  lassen  wir  uner- 
örtert;  wohl  aber  unterstützt  dieser  Umstand  unsere  chrono- 
logische Annahme  nicht  wenig,  da  Conrad  erst  1269 — 1270 
in  dieser  Rolle  auftritt.  Ja,  wir  halten  dies  Moment  mit  Rück- 
sicht auf  die  Erzählung  der  Reimchronik  für  die  Chronologie 
des  Ereignisses  geradezu  für  entscheidend. 

Aber  auch  das  tragische  Ende  Siegfried's  von 
Mährenberg,  zu  dessen  kritischer  Betrachtung  wir  uns 
jetzt  wenden,  steht  damit  in  unläugbarem  Zusammenhange, 
denn  der  Reimchronist  betont  vor  Allem  die  Verdächtigung 
seitens  der  Gegner  des  Mährenbergers,  er  sei  ein  entschiedener 
Anhänger  der  Herzogin. 


''*}  Beimchronik  S.  69. 

t^)  Palacky  a.  a.  0.  11,  2,  384.  Ihr  Sohn  Friedrich,  Gonradms  des 
letzten  Staufen  SchicksalsgenosBe,  wird  1261,  28.  Mai  in  einer  Urkunde 
Ottokar's  d.  Pisek  als  Zeuge  angeführt:  Fridericus  filins  domin» 
6.  ducisB»  de  Judenburch;  bald  darauf  aber  Yon  Ottokar  verbannt 
,  (licentiatas).  P.  Clemens  IV.  sagt  von  ihm  in  einem  Schreiben  vom 
2.  März  lk68  ^  er  nenne  sich  Herzog  von  Oesteireich,  obschon  er 
nicht  einen  Fussbreit  Landes  dort  besässe.  Palacky  a.  a.  0.  188, 
Note  269. 


—     95     — 

Nehmen  wir  nun  den  Faden  der  Erzählung  von  Ottokar's 
Kärntner  Fahrt  wieder  auf.  Die  Occupation  Friesach's  erscheint 
thatsächlich  als  ein  Schritt,  um  die  zerrütteten  Besitz-  und 
Bechtsverhältnisse  des  Salzburger  Erzstiftes  zu  ordnen,  kei- 
neswegs als  Act  der  Feindseligkeit  gegen  Erzbischof  Friedrich, 
mit  welchem  damals  der  Böhmenkönig  auf  gutem  Fusse  stand. 
Aus  einer  Urkunde  des  zum  Kastellan  oder  Burggrafen  Frie- 
sach's  bestellten  Dietrich  von  Fulmen  (Fulen)  entnehmen  wir, 
dass  sich  im  Gefolge  des  Böhmenkönigs  Bruno  von  Ohnütz  und 
Herbord  von  Füllenstein  befanden,  mithin  der  einstige  Landes- 
hauptmann und  der  gewesene  Landrichter  der  Steiermark. 
Es  mag  dies  auch  darauf  hindeuten,  dass  Ottokar  sich  bei  der 
Ordnung  der  innerösterreichischen,  also  auch  steiermärkischen 
Angelegenheiten  der  Erfahrung  zweier  bewährter  Kenner  der- 
selben bedienen  wollte.  Es  wäre  dies  zugleich  die  letzte  Angabe 
von  der  Anwesenheit  des  Olmützer  Bischofes  und  Staatsmannes 
in  diesen  Gegenden  (108). 

Ueber  das  sonstige  Walten  des  Böhmenköniges  im  Kärntner 
Lande  fehlt  uns  jede  genauere  Angabe.  Lange  konnte  er  hier 
nicht  verweilt  haben.  Er  zog  dann  die  Drau  abwärts  in  die 
Steiermark.  Am  Landesgemärke  begrüsste  ihn  ein  grosser 
Theil  der  Adelschaft.  Nur  der  Mährenberger,  an  dessen  Burg 
Ottokar  vorbeizog,  habe  gefehlt,  denn  Krankheit  fesselte  ihn 
an  das  Lager.  Der  Böhmenkönig  nahm  dies  als  Verwand  übel 
au£  (Jeberdies  hätte  er  Klagen  vernommen  über  des  Mähren- 
berger's  Gewaltthaten  imd  seine  Parteinahme  für  Gertrude. 
Groll  im  Herzen  zog  er  weiter.  Als  er  gen  Marburg  kam, 
„ward  er  hochgeehrt  von  dem  Landvolk  gemein",  ein  Ge- 
ständniss  des  Reimchronisten,  das  für  die  Popularität  des 
Böhmenkönigs  bei  dem  gemeinen  Volke  ein  günstiges  Zeug- 
niss  ablegt  Und  diese  Beliebtheit  zeigt  sich  auch  in  der 
bürgerlichen  Bevölkerung  der  landesfilrstlichen  Städte,  ein 
Moment,  das  beweist,  dass  sich  der  Premyslide  nicht  blos 
auf  den  Clerus,  sondern  auch  auf  den  dritten  Stan^d  zu  stützen 
suchte  und  die  Verstimmung  gegen  seine  Herrschaft  auf  den 
Adel  beschränkt  war. 


—     96     — 

Denn  in  jeder  Stadt,  wo  er  einzog,  berichtet  die  Reim- 
chronik weiter,  „da  musst  er  beschauen,  all'  die  Frauen,  die 
da  angesessen  waren  ...  in  jeglicher  Stadt  blieb  er  an  drei 
Tage  und  vertrieb  sich  die  Zeit  mit  Reigen  und  Tanzen." 
Mit  ;,so  getanen  Schwänzen  (Spässen)  kehrt  er  über  (Graz) 
den  Hartberg,  so  dass  er  nicht  zur  Arbeit,  sondern  nur  zur 
Kurzweil  Zeit  hatte"  —  ironisirt  unsere  Quelle  weiter. 

üeber  Wien  nach  Prag  heimgekehrt,  habe  Ottokar  dem 
Dümholzer  entboten,  den  Mährenberger  gefangen  zu  nehmen. 
Ortolf  von  Windischgrätz  lockte  diesen  im  Auftrage  des 
Dümholzer's  auf  sein  Schloss,  Seifrid  wurde  beim  Mahle  über- 
fallen, geknebelt  und  als  Gefangener  dem  Dümholzer  ausge- 
liefert, der  selbst  ihn  nach  Prag  geleitete. 

Ulrich  von  Dümholz,  ein  mährischer  Hochadeliger  aus 
dem  angesehenen  Stamme  der  Kaunitze,  erscheint  urkundlich 
(102,  106,  107)  im  gleichen  Jahre  als  Hauptmann  von 
Kärnten,  Krain  und  der  Mark  genannt.  Ulrich  von 
Heunburg  und  der  Habsbacher  müssen  ihm  also  bald  den 
Platz  geräumt  haben.  Dies  deutet  auch  auf  Misstrauen  Ottokar's 
gegen  den  Schwiegersohn  Gerlruden's,  Agnesen's  zweiten  Gemahl. 

Der  unglückhche  Mährenberger,  von  Ottokar  als  Haupt 
einer  weitverzweigten  Verschwörung  angesehen  —  wurde  den 
äussersten  Folterqualen  unterzogen,  die  ihm  jedoch  kein  Ge- 
ständniss  erpressen  konnten  und  nach  entsetzlichen  Martern, 
die  das  Mitleid  Aller  erweckten,  durch  den  Kolbenschlag  eines 
^Zupan's",  der  bei  dem  Gequälten  Wache  stand,  zweitl^ger 
Leiden  erlöst 

So  lautet  der  schaudererregende  Bericht  des  Reimchro- 
nisten  '"^)  und  wie  misstrauisch  man  auch  diese  Erzählung  einer 
dem  Böhmenkönige  entschieden  abgeneigten  Quelle  aufiiehmen 
mag,  namentlich  die  Einzelheiten  der  Prager  Tragödie,  im  Allge- 
meinen wird  sich  die  Thatsache  dieser  tyrannisch  geschärften 
Hinrichtung  nicht  in  Abrede  stellen  lassen. 


''^)  Reimchronik  99.  Cap.  nach  ihr  Joan.  Yictor  in  kurzen  Worten  a.  a. 
0.  S.  298  (I,  c.  10). 


—     97     — 

Versuchen  wir  nun  die  Beweggründe  Ottokar's  aufzu- 
spüren : 

Bis  zu  diesem  Zeitpunkte  begegneten  wir  nie  dem  Mäh- 
renberger  als  Parteiführer  oder  Theilnehmer  an  politischen 
Complotten  gegen  die  böhmische  Herrschaft,  so  weit  uns  eben 
die  spärlichen  Zeugnisse  jener  Epoche  blicken  lassen.  Auch 
im  Jahre  1268  spielt  er  keine  Rolle;  ja  noch  kurz  vor  der 
Katastrophe,  Ende  1270,  finden  wir  ihn"  im  Heeresgefolge 
Ottokar's,  als  dieser  nach  Kärnten  zog. 

Es  muss  also  ein  schwerer  Verdacht  gegen  diesen  steier- 
märkischen  und  auch  im  Kärntner  Lande  begüterten  Adeligen 
in  der  Seele  Ottokar's  unmittelbar  vor  dem  unseligen  Ereig- 
niss  wach  gerufen  worden  sein,  —  wie  dies  auch  die  Reim- 
chronik in  ihrer  drastischen  Weise  angibt 

Seifrid  von  Mährenberg  stand  in  erster  Reihe  des  inner- 
österreichischen Adels,  sein  namhafter  Besitz  spiegelt  sich  in 
den  reichen  kirchlichen  Stiftungen,  durch  welche  er  und  seine 
Frau  Richardis  in  der  Klostergeschichte  einen  hervorragenden 
Platz  einnehmen.  Früher  hatte  er  auch  die  Landesverwesung 
Kärntens  geführt,  wie  dies  uns  Herzog  Ulrich's  Schutzbrief 
vom  Jahre  1263  für  das  Kloster  S.  Paul  im  Lavantthale  ver- 
bürgt"). Aber  gerade  in  dieser  Stellung  erlaubte  er  sich  Be- 
drückungen, deren  diese  Urkunde  gedenkt  und  was  wir  der 
Reimchronik  an  Klagen  über  seine  Gewaltthaten  entnehmen, 
Klagen,  die  diese  Quelle  allerdings  nur  als  solche  und  nicht 
als  gerechtfertigte  Beschuldigungen  vorbringt,  spricht  nicht  zu 
seinen  Gunsten.  Doch  dies  ist  kein  Moment  von  entscheidender 
Bedeutung,  da  wir  doch  so  häufig  damaligen  Ausschreitungen 
dynastischer  Willkür  begegnen.  Aber  er  wurde  als  Partei- 
mann imd  Kämpe  der  Sache  Gertruden's  politischer  Umtriebe 
beschuldigt,  die  Ottokar  mehr  als  je  in  Harnisch  bringen 
mussten,  politischer  Umtriebe,  die  vielleicht  auch  hn  Kärntner 


''»)  Anh.  Regg.  Nr.  48.  1264,  27.  April  verleflit  ihm  H.  übich  „conside- 
rantes  devotionem  et  senicia,  que  devotus  noster  Si&idus  de 
Merenberch  nobis  fideliter  exhibuit  et  impoBtemm  exhibebit  .  .  .** 
Patronatsrechte.  Fontes  rer.  anstr.  2.  A.  I.  59  Nr.  4  YIII. 

MitthcU.  d.  bist.  Varciai  f.  8t«lonn«rk.  XZn.  Heft.  18T4.  7 


—   ^98     — 

Lande  sich  regteiL  Waren  ja  doch  der  Scherfenberger  und 
der  Yon  Löwenberg  als  Malcontente  kurz  zuvor  nach  Ungarn 
entwichen.  Und  dass  Seitrid  geMrlich  werden  konnte,  beweist 
sein  Conflict  Yom  Jahre  1258  mit  der  ungarischen  Herrschaft 
im  Steierlande. 

Leicht  mochte  sein  Nichterscheinen  vor  dem  Könige  als 
Gefühl  schwerer  Schuld  oder  trotzigen  Uebermuthes  gedeutet 
werden  nnd  die  —  gewiss  fragliche  EränkUchkeit  —  als  nich- 
tiger Vorwand  erscheinen. 

Was  Ottokar  von  Prag  aus  verfügte,  die  Gefangenneh- 
mung des  Mährenbergers  —  lässt  sich  aus  politischem  Gesichts- 
punkte begreijßich  finden,  die  Folterqual  und  der  martervolle 
Tod  jedoch,  welche  dort  Seifrid  ereilten,  gestatten  keine  Recht- 
fertigung und  wir  begreifen,  dass  die  Reimchronik  diese  That 
Ottokar^s  am  meisten  ausbeutet,  dass  sie  den  Fall  des  Böh- 
menkönigs in  der  Marchfelderschlacht  mit  besonderem  Nach- 
druck als  Blutrache  fUr  den  Mährenberger  darstellt. 

Wir  haben  nur  noch  einige  Worte  über  die  Chronologie 
dieser  Vorgänge  zu  sprechen.  Ottokar  dürfte  Ende  August 
1271  aus  Innerösterreich  nach  Prag  zurückgekehrt  sein.  Den 
Mährenberger  finden  wir  noch  Anfang  December  1271  in 
Freiheit;  1272,  26.  Februar,  wird  seine  Gattin  Rikardis  oder 
Reikart  bereits  Witwe  genannt  (103 — 105).  Seine  Gefangen- 
nehmung und  Hinrichtung  fällt  somit  in  die  Zeit  vom  6.  De- 
cember 1271  bis  26.  Februar  1272.  Dies  schiene  allerdings 
für  den  herbstlichen  Zeitpunkt  der  innerösterreichischen  Heer- 
fahrt des  Premysliden  zu  sprechen,  aber  dem  steht,  wie  bereits 
oben  angedeutet,  Ottokar's  lünerar  entg^en,  das  den  König 
am  16.  October  bereits  in  Prag,  den  24.  November  in  Bres- 
lau ^^)  weilen  lässt  und  jenem  Zuge  in's  Alpenland  in  der 
Herbstzeit  keinen  rechten  Raum  gibt 

Zwei  Jahre  noch  hatte  das  Geschick  dem  Böhmenkönige 
seine  Gunst  ungeschmälert  bewahrt.  Unangefochten  bleibt 
seine  Herrschaft,  die  vom  Quellenlande  der  Elbe   bis   an  die 


'«)  Emier  Nr.  761  ff. 


—     99     — 

Küste  Istriens  und  in  das  Friauler  Land  sich  dehnt  und  drei 
Nationalitäten:  Slaven,  Deutsche  und  Wälsche  umfasst  Es 
war  ein  gewaltiger  Griff  in  den  deutschen  Reichsboden,  welchen 
Ottokar  versucht  hatte  und  das  Gefühl,  es  sei  nothwendig, 
einen  Rechtstitel  zu  erwerben,  bestimmte  ihn,  König  Richard^s 
Belehnung  mit  Oesterreich  und  Steiermark  nachzusuchen  (1262), 
die  auch  erfolgte.  —  Mit  der  Macht  wuchs  auch  das  Selbst- 
gefühl, Ottokar  schien  der  Belehnung  mit  Kärnten  und  Krain 
entbehren  zu  können  und  als  der  Schattenkönig  englischer 
Herkunft  starb  (1272,  April),  mochte  den  Böhmenkönig  der 
Gedanke  beherrschen,  dass  er  tiber  die  Zukunft  des  deutschen 
Thrones  gebieten  dürfe. 

Doch  kam  dies  anders  und  die  Wahl  des  Habsburgers 
(September  1273)  war  die  erste  Mahnung  des  Geschickes, 
dass  es  müde  sei,  die  Fahne  des  Premysliden  emporzuhalten. 

Wohl  liegen  noch  drei  Jahre  zwischen  diesem  Ereigniss 
und  dem  Wiener  Novemberfrieden  1276,  der  Ottokar's  Herr- 
schaft in  den  Alpenländem  beseitigt  und  ihm  den  Lehenseid 
als  Vasall  des  neuen  Königs  aufhöthigt,  —  aber  wie  in  der 
Peripetie  eines  Drama  beschleunigt  sich  von  Jahr  zu  Jahr  der 
Fall  der  Premyslidenherrschaft  in  den  Alpenländem  und  die 
Phasen  dieses  Vorganges  wollen  wir  an  der  Hand  der  magern 
Zeugnisse  jener  Epoche  prüfen. 

Die  Verwaltung  unseres  Landes  lag  noch  im  Spätsommer 
des  Jahres  1271  in  den  Händen  des  Klingepiberger's,  doch 
finden  wir  schon  neben  ihm  als  Landschreiber  einen  gewissen 
Conrad  genannt  (99),  der  seit  1272  immer  mehr  in  den  Vor- 
dergrund tritt  (109,  110,  117).  Schon  im  April  1272  gebot 
Ottokar  ihm  und  dem  Dümhohser  als  Hauptmann  von  Kärnten, 
Krain  und  der  Mark,  —  in  dessen  Amtskreis  auch  der  Bezirk 
von  Windischgraz  gehörte ''),  das  Marien-Nonnenkloster  zu 
Mahrenberg,  Seifrid's  Stiftung,  zu  beschirmen  (125). 


''^)  Ganz  deutlich  ergibt  sich  dies  aus  einer  Urkunde,  in  welcher  Ulrich 
der  Schenk  von  Habspach  als  „Hauptmann  des  Landes  Krain,  der 
Mark  und  von  Windischgraz"  bezeichnet  erscheint;  s.  Urk.  vom 
28.  Juni  1275. 


—     100     — 

Im  September  d.  J.  1272  war  der  Elmgenberger  zu  Wien 
anwesend;  er  begegnet  uns  in  einer  Urkunde  Ottokar's  zu 
Ounsten  des  Klosters  in  Studenitz,  doch  führt  er  da  nur  den 
Titel  „Marschall  von  Böhmen''  und  nicht  mehr  den  eines 
Landeshauptmannes  der  Steiermark  (107);  später  erscheint 
er  in  gleicher  Eigenschaft  in  Oberösterreich  bestallt  (126). 
Neben  dem  Landschreiber  Conrad,  der  bis  Ende  1274  eine 
Bolle  spielt  (117),  findet  sich  in  emer  Decemberurkunde  des 
Jahres  1273  Bischof  Bernhard  von  Seckau  als  Schiedsrichter 
in  einem  Streite  zwischen  den  Spital  am  Semmering  und  den 
Gebrüdern  Yon  Massenberg  (110). 

Der  Seckauer  Bischof  stand  sehr  in  der  Gunst  des 
Böhmenköniges  und  blieb  auch  sein  zähester  Anhänger.  Auch 
der  Gurker,  Dietrich,  war  ihm  verpflichtet  und  die  Bischöfe 
Conrad  von  Freising  und  Berthold  von  Bamberg  bewarben 
sich  eifrig  um  die  Freundschaft  des  mächtigen  Herrschers, 
insbesondere  der  Erstere,  der  viel  Selbstsucht  und  Wohldie- 
nerei  an  den  Tag  legte. 

Dagegen  wartete  der  Metropolit  Friedrich  auf  den 
günstigen  AugenbUck,  sich  dem  Machtbanne  des  Premysliden 
entziehen  zu  können  und  dieser  Augenblick  schien  mit  der 
Eönigswahl  des  Habsburger^s  vorbereitet  zu  werden. 

Im  Spätjahre  1272  mochte  E.  Friedrich  zur  Romfahrt 
um  das  Pallium  sich  gerüstet  haben.  1273,  vom  12.  August 
datirt  eine  Urkunde,  die  ihn  zu  Admont  sein  lässt  und  die 
ausdrückliche  Bemerkung  enthält:  „auf  der  Rückreise  von 
Rom"'*).  Seine  Stellung  war  dornenvoll  und  so  mancher 
Adelige  hielt  angesichts  der  Sachlage  die  Hand  auf  dem 
Besitze  der  Salzburger  Eurche  (138). 

Im  Besitze  des  PaUiums  wurde  Friedrich  seiner  erz- 
bischöflichen Stellung  bewusster  und  als  der  Habsburger 
gewählt  war,  beeilte  sich  der  Metropolit,  im  Februar  1274  zu 
Hagenau,  am  Reichshoftage  Rudolfs,  zu  erscheinen  (111),  um 
ihm  zu  huldigen  und  den  Schutz  des  Königs  anzusuchen,  was 


»•)  Tangl  a.  a.  0    S   78. 


—     101     — 

auch  Rudolf  in  bündigster  Form  gewährte.  (1274,  20.  Febr.) 
Ueberdies  suchte  Friedrich  durch  die  ihm  anhangenden  Bi- 
schöfe im  bairischen  Sprengel  auf  die  loyale  Haltimg  des  Adels 
und  der  Ministerialen  zu  wirken  (139). 

Von  Hagenau  begab  sich  Friedrich  nach  Lyon  und  wohnte 
dem  Concile  bei,  woselbst  unter  Anderem  der  für  Ottokar 
kränkende  Beschluss  gefasst  wurde,  man  solle  behufs  des 
Eeichsfriedens  zur  Vorbereitung  eines  allgemeinen  Kreuzzuges 
(140)  Alles  versuchen,  um  Ottokar's  Unterwerfung  unter  das 
'neue  Reichsoberhaupt  auf  friedlichem  Wege  herbeizuführen, 
sollte  dies  aber  nicht  gelingen,  sie  mit  Waffengewalt  durch- 
zusetzen trachten. 

Denn  der  Premyslide  war  nicht  gewillt,  den  Habsburger 
anzuerkennen,  dessen  Wahl,  ohne  dass  Ottokar's  Kurrecht  be- 
rücksichtigt wurde,  ihm  als  Schmach  und  Kränkung  er- 
schien. 

Für  die  Lyoner  Sommerbeschlüsse  wirkte  nun  der  Salz- 
burger mit  aller  Entschiedenheit  auf  der  Salzburger  Provin- 
zialsynode  vom  October  1274'®)  und  er  fehlte  nicht  am 
Nürnberger  Novemberhoftage,  wo  der  für  Ottokar  verhäng- 
nissvolle Beschluss  gefasst  wurde,  dass  alle  seit  dem  Beginne 
des  deutschen  Zwischenreiches  getroffenen  Vergabungen  von 
Reichslehen  null  imd  nichtig  seien. 

Ottokar  gewahrte  in  den  Lyoner  Beschlüssen  und  in  dem 
Vorgehen  des  Metropoliten  eine  Gefahr,  der  er  begegnen 
müsse.  Daher  verbot  er  im  Umkreise  seiner  Alpenländer 
aufs  strengste  die  Vollziehung  der  Condlverordnungen  so  gut, 
wie  die  der  Salzburger  Synodalmassregeln  und  sein  ganzer 
Groll  blieb  dem  Salzburger  aufgespart. 

Die  Nürnberger  Fürstensatzimg  war  jedoch  von  nicht 
minder  grosser  Tragweite,  denn  sie  liess  seinen  Besitz  Oester- 
reichs,  Steiers,  Kärntens  und  Kralns  als  sachf&Uige  Usur- 
pation erscheinen. 

Da  hiess  es  denn  die  landesftürsüiche  Autorität  in  diesen 


^*)  Hansiz  Genn.  sacra  IL  pag.  873— S79. 


—     102     — 

Ländern  wahren  und  die  drohenden  Anzeichen  innerer  Gäh- 
rung  durch  Gegenmittel  beschwören.  —  Eine  wichtige  Stütze 
seiner  Regentengewalt  im  Kärntner,  Krainer  Lande,  in  der 
Mark  und  im  Gebiete  von  Windischgraz  war  Ottokar*s  Ver- 
wandter, Uhich  von  Dümholz.  Er  hatte  eine  wahrhaft  fürst- 
liche Hothaltung  eingerichtet  und  besass  in  seinem  Schreiber 
Rudolf  einen  Günstling,  der  wegen  seiner  Schädigung  des 
Klosters  zu  Mahrenberg  den  7.  März  1273  von  Herbord, 
dem  Bischöfe  von  Lavant®"),  in  den  Kirchenbann  gethan 
wurde.  Ulrich  von  Dümholz  mag  auch  unzweifelhaft  einen 
wesentlichen  Einfluss  auf  die  auffallende  Entschliessung 
Ottokar's  geübt  haben,  wonach  der  Böhmenkönig  den  unbe- 
quemen Störefried  Herzog  Philipp,  den  Exmetropoliten  von 
Salzburg  und  Expatriarchen  von  Aquileja,  an  dessen  Herr- 
schaft im  Friaulischen  Friedrich  von  Pinzano  zum  Verräther 
geworden  war,  Ende  1272  oder  Anfangs  1273  zum  Vicar  von 
Kärnten,  allerdings  unter  der  Aufsicht  des  Dümholzers,  als 
eigentlichen  Landesverwesers  bestellt  hatte,  um  ihn  auszu- 
söhnen und  die  eigene  Herrschaft  im  Kärntner  Lande  be- 
liebter zu  machen,  da  an  ihrer  Spitze  nunmehr  ein  Bruder 
des  letzten  Sponheimer  Herzogs  figurirte  ® ')• 

Philipp  aber  fühlte  wohl  wenig  Dapk  und  desto  mehr 
versteckten  Groll  im  Herzen  und  er  beeilte  sich,  gegen  den 
Böhmenkönig  zu  wühlen  und  bald  an  dessen  Rivalen,  König 
Rudolf,  eine  Stütze  zu  suchen.  Philipp  war  ja  auch  nur  als 
Puppe  oder  Strohmann  in  der  Kärntner  Regierung  verwendet 
worden  und  es  hatte  sich  darin  nichts  geändert,  als  Ulrich 
von  Dümhok  in  der  Ungamschlacht  bei  Laa  gefallen  (1273 
Ende  Juli  oder  Anfangs  August)  war,  denn  dieser  erhielt  den 
Tiroler,  Ulrich  von  Taufers,  zum  Nachfolger,  während  Krain 
und  die  Mark  nebst  dem  Windischgrazer  Bezirke  dem  Habs- 
bacher, Ulrich,  verliehen  wurdeT  —  Die  „beständige  Haupt- 
mannschaft"    Kärntens,  wie  sie  Philipp  1273 — 4   urkundlich 


«»)  Vgl.  Tangl  S.  113—114. 
•«)  Tangl  a.  a.  0.  S.  117  ff. 


—     103     — 

im  Titel  führt,  war  daher  mehr  Schein  als  Wahrheit  und  seit 
Juni  1274  finden  wir  ihrer  nicht  weiter  gedacht.  Wohl  aber 
beweist  König  Rudolfs  Urkunde,  datirt  zu  Nürnberg  vom 
27.  Februar  1275,  dass  sich  Philipp  bald  um  die  Gunst  des 
neuen  Königs  beworben  hatte,  dass  er  gegen  Ottokar  klagbar 
aufgetreten  war  und  seine  Ansprüche  auf  Kärnten,  Krain  und 
die  Mark  geltend  machte;  denn  der  Habsburger  belehnt  ihn 
darin  von  Reiches  wegen  mit  den  genannten  Ländern  aus 
königlicher  Machtvollkommenheit  ^^).  —  Das  waren,  wenn  auch 
vorläufig  papieme  Massregeln,  dennoch  bedenkliche  Vorzeichen 
und  auch  die  Haltung  des  neuen  Patriarchen  Raymund  von 
Torre  (1274)  in  der  Lehensfrage  musste  den  König  be- 
denklich machen.  Da  beschloss  König  Ottokar  in  der  Person 
des  Grafen  Heinrich  von  Pfannberg  den  Kärntnern  einen  im 
Lande  begüterten  Hauptmann  zu  geben  und  dieser  nimmt 
seit  1275  den  Platz  Ulrich's  von  Taufer's  ein,  dem  wahrschein- 
lich Ottokar  verübeln  mochte,  dass  er  das  Entweichen  Phi- 
lipp's  aus  Kärnten  an  den  könighchen  Hof  des  Habsburger's 
nicht  vereitelt  habe.  —  Aber  bald  begann  im  Kärntner  Lande 
Ottokar's  Sache  zu  wanken. 

Wenden  wir  uns  der  Steiermark  zu.  Dem  Könige  schien 
wohl  die  Reise  dahin  hoch  an  der  Zeit,  um  sich  wieder  als 
Landesfürst  zu  zeigen.  Wir  begegnen  ihm  zu  Graz  im  April 
des  Jahres  1274  und  es  ist  das  letztemal,  dass  er  den  Boden 
der  Steiermark  betritt  —  Wieder  sind  es  Urkunden  zu 
Gunsten  klösterlicher  imd  kirchlicher  Rechte,  die  seine  Anwe- 
senheit bezeugen,  denn  mehr  als  je  lag  es  dem  Premysliden 
daran,  mit  der  inländischen  Kirche  auf  gutem  Fusse  zu  stehen 
(112—116,  vgl.  90,  92,  101,  106,  107).  Es  entsteht  nun 
die  Frage,  wem  Ottokar  in  wachsend  schwieriger  Zeit  die 
oberste  Landesverwaltung  übertragen  habe. 

Die  Urkunden  belehren  uns,  dass  1274—1275  Milota 
von  Diedic  und  Beneschov,  Bruder  des  hingerichteten  Benesch, 
in  die  Landeshauptmannschaft  der  Steiermark  eingetreten  sein 


•«)  Tangl  a.  a.  0.  S.  167—8. 


—     104     — 

inuss.  Bis  mindestens  über  den  Spätsommer  des  Jahres  1271 
führte  das  wichtige  Amt  der  Elingenberger,  sodann  tritt  der 
Landschreiber  Conrad  in  den  Vordergrund,  neben  ihm  Bern- 
hard, Bischof  von  Seckau.  Jedenfalls  lässt  sich  die  Angabe 
der  Reimchronik  ®'),  wonach  Milota  im  Sommer  1271  das  Land 
verwaltet  habe,  urkundlich  durchaus  nicht  rechtfertigen**). 
Von  andern  Amtsleuten  des  Böhmenkönigs  in  der  Schluss- 
epoche ottokarischer  Herrschaft  lernen  wir  in  der  Umgebung 
Müota's  urkundlich  den  Marschall  Breweco,  den  Notar  Iring, 
Ekkehard  von  Dobrenge,  den  Burggrafen  auf  Offenberg  und 
Landrichter,  Dietrich  von  Fulen,  und  den  Landrichter  an  der 
San,  Hartnid  von  Cilli,  kennen  (118,  119,  121,  123,  127). 

Wir  müssen  mm  aber,  bevor  dieser  Schlussphase  gedacht 
wird,  eine  Thatsache  erwähnen,  die  von  einer  und  der  andern 
Seite  als  Symptom  einer  politischen  Verschwörung  gegen 
Ottokar's  Regiment,  ja  als  förmliche  Ständeversammlimg  zur 
Berathung  eines  gemeinsamen  Vorgehens  wider  dieselbe 
aufgefasst  wurde.  Vom  Klosterorte  Göss  im  Oberlande,  wo  in 
der  That  eine  grosse  Versammlung  der  Ministerialen  des 
Landes  Ende  Juli  1274  tagte  (117),  führt  sie  den  Namen 
des  Gösser  Ständetages.  Unsere  ganze  diesfäUige  Kenntniss . 
beschränkt  sich  auf  eine  Urkunde  vom  27.  Juli  1274,  worin  der 
damals  noch  beamtete  Landschreiber  Conrad  mit  der  Aebtissin 
des  Nonnenklosters  zu  Göss,  Herburgis  und  der  Dechantin 
Wentala  emen  Gütertausch  abschliesst  Aus  dem  langen  Zeu- 
genverzeichnisse, worin  fast  alle  bedeutenderen  Familien  des 
Landes  neben  Vertretern  anderer  Stände  uns  begegnen,  lässt 
sich  aber  unschwer  der  Schluss  ziehen,  dass  wir  es  wohl  mit 
einem  Ständetage  zur  Berathung  der  schwierigen  Sachlage, 
aber  keineswegs  mit  einer  damaligen  Verschwörung  zu  thun 
haben  können. 

An   der  Spitze  der  Zeugen  erscheint  ja  Qttokar's   ent- 


>*)  Reimchronik  Cap.  91. 

»*)  S.  Anh.  Regg.  Nr.  87.  —  Vgl.  dagegen  die  Yom  26.  Jänner  1275, 
Wien,  datirte  ganz  identische  Urkunde  —  Nr.  119. 


—     105     — 

schiedenster  Anhänger,  Bischof  Bernhard  von  Seckau,  neben 
ihm  der  Pfannberger  Heinrich,  der  wackerste  Kämpe  im  Heere 
Ottokar's  vom  Jahre  1271,  als  berühmter  Fechtkünstler,  zu 
Salemo  mid  Paris  geschult,  von  Ivan,  dem  Güssinger  Grafen 
zum  Zweikampfe  gefordert  ^%  und  noch  1275  von  Ottokar  zum 
Landeshauptmanne  in  Kärnten  ausersehen.  Der  erste  unter 
den  Zeugen  des  ßitterstandes  ist  Ekkehard  von  Dobreng, 
1275  unter  den  böhmischen  Landesbeamten  genannt,  ihm 
folgen  Alhoch,  Hauptmann  auf  Badkersburg,  mehrere  landes- 
fürstliche Pfleger  und  auch  Bürger  von  Wien. 

Also  von  einer  Gösser  Verschwörung  werden  wir  als 
einem  Unding  absehen  müssen  ®"),  schon  mit  Rücksicht  darauf, 
dass  der  damalige  Leiter  des  ottokarischen  Regimentes,  Land- 
schreiber Conrad,  sich  all'  der  Versammelten  als  Zeugen 
bedient. 

Wohl  aber  mochte  schon  in  manchem  Gemüthe  der  Ver- 
sammelten die  Sehnsucht  nach  einer  Aenderung  der  Sachlage 
Platz  greifen,  manche  Verwünschung  gegen  das  böhmische 
Herrschaftswesen  laut  werden,  war  ja  doch  der  Stubenberger, 
Liechtensteiner,  waren  vor  Allen  die  Wildonier  anwesend,  die 
gewiss  der  Schmach  vom  Jahre  1268  nicht  vergessen  hatten. 
Wir  aber  haben  nicht  mit  Vermuthungen,  sondern  mit  That- 
sachen  zu  rechnen  und  die  angeführte  Urkunde  hat  eben  nur 
für  uns  insofeme  Werth,  da  sie  uns  eine  Ständeversammlung 
als  wahrscheinlich  nahe  legt  und  zum  erstenmal  darin  eine 
genaue  dassenmässige  Scheidimg  der  Zeugen  Platz  greift,  der 
wir  die  damalige  Gliederung  und  Rangordnung  der  Stände 
entnehmen  können. 

Den  Reigen  eröfinet  em  Bischof,  ihm  folgt  ein  Graf, 
diesem  die  Herren,  die  Ministerialen,  die  Pfarrer, 
die  Ritter,    die  adeligen  Dienstmannen  (cUentes); 


«»)  S.  daraber  die  Beimchromk  S.  107. 

^^  Tangl  i.  s.  n.  Abh.  S.  149  sagt  daher  mit  Recht:  „Von  einer  poli- 
tischen Verhandlung  oder  gar  einer  Verschwörung  findet  sich  darin 
nicht  die  geringste  Spur.*" 


—     106     — 

Bttrgerliche  und  landesfflrstL  Amtslente  oder  Pfleger 
(officiales)  machen  den  Schluss"*). 

Wir  sagten,  wir  mOssten  mit  Thatsacben  reebnen  und  in 
der  Tbat  war  die  wirkliche  Sachlage  einer  ständischen  Er- 
hebung der  Steiermark  gegen  die  ottokarische  Herrschaft 
noch  keineswegs  günstig.  Noch  wurzelte  sie  fest  in  überl^ener 
Macht,  wie  die  bangen  Briefe  des  entschiedensten  Widersachers 
Ottokar's,  des  Salzburger  Erzbischofes  beweisen.  In  Oester- 
reich  scheinen  zunächst  entschiedene  R^nngen  zu  Gunsten 
Rudolfs  stattgefunden  zu  haben.  Gegen  Ende  des  Jahres 
1274  erschien  allda  Ottokar  „mit  starker  Kriegsmacht,  WiUens 
die  zu  vernichten,  —  welche  bei  der  königlichen  Gnade  ihre 
Zuflucht  suchten'',  heisst  es  im  Briefe  des  Metropoliten.  Noch 
habe  er  ihn  nicht  mit  Krieg  überzogen  und  mit  keiner  Be- 
lagerung geängstigt,  aber  nahezu  allen  Lebensbedarf  abge- 
schnitten. König  Rudolf  möge  sich  beeilen,  seinen  Getreuen 
in  Oesterreich  und  Steier  Trost  zu  bringen,  sonst  könne  er 
überzeugt  sein,  dass  Alles,  was  der  Erzbischof  in  Kärnten 
und  Steiermark  vorbereitet  habe,  gänzlich  zu  nichte  werde 
(120).  Und  im  Frühjahre  1275  schreibt  der  Metropolit  an 
den  Habsburger:  „Wir  müssen  Euerer  Hoheit  mit  Klagen  und 
Zähren  anzeigen,  dass  der  Böhmenkönig,  nachdem  er  fast 
alle  Gegner  besiegt,  Uns  und  unserer  Kirche  baldigen  Unter- 
gang und  nahes  Verderben  droht**  In  der  That  Hessen  die 
Feindseligkeiten  nicht  lange  auf  sich  warten.  Im  April  oder 
Anfangs  Mai  1275  stürzte  sich  Herr  Milota  im  Auftrage  seines 
Herrn  auf  die  Besitzungen  des  Erzstiftes  in  Steiermark  und 
Kärnten,  belagerte  Friesach,  den  Vorort  der  salzburgischen 
Herrschaft  im  letzteren  Lande,  imd  verwandelte  den  tapfer 
vertheidigten  Ort  in  eine  Stätte  des  Brandes  und  schonungs- 
loser Plünderung.  Auf  40.000  Mark  Silber  wird  der  Schaden 
geschätzt,  der  damals  dem  Hochstifte  zugeftlgt  wurde ""). 

*^  Vgl  m.  Quellenm.  Vorarb.  z.  Gesch.  des  mittelalt.  Landtagswesens 
der  Steiermark.  2.  Jahrg.  der  Beitr.  z.  Ede.  stm.  G.-Q. 

"^  Reimchronik  120.  Cap.  Vgl.  die  Contm.  Pnedic  '^dob.  Mon. 
Germ  XI.  S.  729  z.  J.  1275;  —  vgl.  Tangl  a.  a.  0.  172-8. 


—     107     — 

Der  Schrecken  sollte  einschüchternd  wirken  und  vielleicht 
ho£fte  Ottokar,  auf  diesem  Wege  den  Erzbischof  mürbe  fcu 
machen.  Es  begannen  nun  Verhandlungen  Ende  Mai  1275, 
ein  Schiedsgericht  wird  eingesetzt,  als  dessen  Mitglieder  auf 
königlicher  Seite  unter  Andern  zwei  gewesene  Landeshaupt- 
leute der  Steiermark,  Bischof  Bruno  und  Burkhard  von  Klin- 
genberg erscheinen.  Den  Vorsitz  führte  als  Obmann  der 
Seckauer  Bischof  (124). 

Und  dieser  redefertige  Parteigänger  Ottokar's  war  es, 
der  Mitte  Mai  auf  dem  ersten  Augsburger  Reichstage  des 
Jahres  1275  statt  des  vorgeladenen  Böhmenköniges  als  Send- 
bote erschien  und  in  schwülstiger  lateinischer  Rede  nicht  bloss 
seinen  Herrn  zu  rechtfertigen,  sondern  auch  die  anwesenden 
Fürsten,  ja  sogar  das  Reichsoberhaupt  zu  schmähen  sich  er- 
kühnte und  als  man  den  des  Lateinischen  Unkundigen  seine 
anmassende  beleidigende  Rede  verdolmetschte,  einen  solchen 
Sturm  der  Entrüstung  wachrief,  dass  schier  sein  Leben  be- 
droht war. 

Auf  demselben  Reichstage  oder  in  der  zweiten  Augs- 
burger Reichsversammlung  sollen  sich  österreichische  und 
steiermärkische  Edle,  übereinstimmend  werden  der  Wolkers- 
dorfer  und  Hartnid  von  Wildon,  von  andern  auch  Friedrich 
der  Pettauer  genannt,  —  eingefunden  haben,  um  vor  dem 
Reichsoberhaupte  über  die  Willkühr  und  Härte  Ottokar's  zu 
klagen  und  einen  allgemeinen  Aufstand  in  Aussicht  zu  stellen. 
Ottokar  habe  sie  auch  als  Parteigänger  des  Königs  von 
Deutschland  mit  Güterverlust  und  Landesverweisung  bestraft. 

Ueberhanpt  mehren  sich  die  Beschwerden  einzelner  öster- 
reichischer Chroniken  über  Ottokar's  Tyrannei,  wenn  wir  auch 
mit  Recht  bezweifehi  müssen,  dass  Anschuldigungen  derart, 
wie  sie  eine  Quelle  vorbringt,  —  Ottokar  habe  die  als  Geisehi 
ihm  übergebenen  Kinder  mit  Wurfinaschinen  den  Eltern  vor  das 
Antlitz  geschleudert,  mehr  als  abgeschmackte  Histörchen  seien. 

Aber  an  Massregeln  des  Terrorismus  Hess  es  wohl 
Ottokaar  dem  aufetandslustigen  Adel  gegenüber  nicht  fehlen, 
w&hrend  er   anderseits  um  so  mehr  die  Rechte  der  Kirche 


—     108     — 

zu  schätzen  bestrebt  war  und  mit  Gunstbezeugimgen  nicht 
kargte.  Ja  selbst  Salzburg  gegenüber  versuchte  er  Schritte 
der  Aussöhnung,  Friedrich  war  jedoch  ein  entschiedener  Cha- 
rakter und  hatte  längst  seine  Stellung  genonunen.  Als  einer 
der  eigennützigsten  und  charakterlosesten  Bischöfe  benahm 
sich  der  Freisinger  Conrad. 

Die  meiste  Huld  war  natürlich  dem  Seckauer  Bernhard 
zugewendet,  der  aufs  entschiedenste  dem  Salzburger  Metro- 
politen entgegenarbeitete  und  selbst  mit  Schmähschriften  gegen 
Rudolf  loszog.  Erst  in  der  letzten  Stimde  bewarb  er  sich  um 
die  Verzeihung  des  Habsburgers  und  erhielt  sie  auch  (130, 
4-5). 

Ottokar  ist  geächtet  und  der  Reichskrieg  wider  ihn  be- 
schlossen ;  der  Salzburger  beeilt  sich  Ottokar's  ünterthanen  des 
Eides  der  Treue  zu  entbinden.  Die  Entscheidung  naht  TJeberall 
hin  nach  Oesterreich  schickt  der  Böhmenkönig  seine  Boten, 
desgleichen  nach  Steier,  Kärnten,  Erain  und  in  die  Mark,  um 
die  Stände  zum  gemeinen  Aufgebote  zu  mahnen,  aber  er  ist 
nicht  mehr  Herr  der  Sachlage.  Seine  letzte  landesfürstliche 
Urkunde  für  unser  Land  datirt  vom  Jahre  1276  Sept  (136 
vgl.  93).  Und  als  man  im  Steierlande  erfährt,  dass  die  Görzer 
Rudolfs  Verbündete,  nach  Kärnten  einbrächen,  um  es  von 
Ottokar's  Herrschaft  zu  befreien,  versammeln  sich  den 
19.  September  des  Jahres  1276  die  Edelsten  des  Landes  im 
Kloster  Rein;  voran  Ottokar's  Kärntner  Hauptmann,  Heinrich 
Graf  von  Pfannberg,  Graf  Ulrich  von  Heunburg,  der  Pettauer, 
Stubenberger,  Hartnid  von  Wildon,  Hartnid  von  Stadeck,  Otto 
von  Liechtenstein  —  sein  Vater  Ulrich  war  bereits  1275  ver- 
storben —  und  viele  Andei:a  zum  festen  Bunde  für  den  deut- 
schen König  wider  den  Böhmen  (137). 

Rasch  sind  die  Burgen  Eppenstein,  Neumarkt,  Offen- 
burg, Kaisersberg  und  andere  den  böhmischen  Castellanen 
entrissen,  Heinrich  von  Pfannberg  erobert  Judenburg;  endlich 
fällt  auch  Graz ;  —  mit  Mühe  und  Noth  entkonunt  der  Landes- 
hauptmann Milota  und  bald  lesen  wir  von  den  Kriegsschaaren, 
die  der  Pfannberger,  Friedrich  von  Pettau  und  Hartnid  von 


—     109     — 

Wfldon  den  Görzem  auf  ihrem  Anmärsche  gegen  Wien  zu- 
führen«'). 

Der  Novemberfriede  1276  entscheidet  über  die  Sachlage, 
die  Steiermark  und  ihre  Nachbarlande  gehen  dem  BGhmen- 
kOnige  unwiderbringlich  verloren,  sie  folgen  dem  mächtigen 
Zuge  der  deutschen  Beichsidee.  —  Und  als  der  Böhmenkönig 
zwei  Jahre  später  zu  den  Waffen  greift,  um  würdig  seiner  Ver- 
gangenheit das  Schicksal  herauszufordern,  kämpft  auch  die 
Steiermark  die  Entscheidung  mit  und  steirische  Edle  kühlen 
ihren  GroU  an  dem  todeswunden,  gewaltigen  Könige. 


Regesten  tob  Urkunden  als  Belege  des  Textes. 

1.  1247,  1.  Juni,  Werfen. 

Philipp,  Erwählter  von   Salzburg,   verheiratet  die  Tochter 
seines  Ministerialen  Conrad   von  Goldeck,  Eunigonde,    an   den 
jungen    Ulrich   von    Liechtenstein   und    weiset   ihr    10   Pfd. 
Pfennige  jährlicher  Einkünfte  aus  Hallein  zur  Aussteuer  an. 
Wiener  Jhb.  108.  Bd.  (Chmel)  Regg.  S.  156  n. 

2.  1248,  21.  Febr.,  Leibnitz. 

Philipp  u.  s.  w.  schenkt  dem  um  das  Salzburger  Hochstift 
verdienten  Seckauer  Bischöfe  mehrere  Hörige  des  erzbischöf- 
lichen Dominimns. 

Im  Landesarchiv  d.  Stm.  Gopie  des  14.  Jahrh.  Nr.  622. 
Zauner  Chronik  v.  Salzburg  H.  266.  Vgl.  Muchar, 
5,  210.  (20.  Febr.);  21.  April  befand  sich  PhiUpp 
in  Rann  L.-A.  Cop.  Nr.  623*. 

3.  1248,  10.  Aug.  Friesach. 

Derselbe  stellt  dem  Liechtensteiner  Ulrich  drei  Bürgen  für 
die  Zahlung  der  von  seinem  Vorgänger  Erzb.  Eberhard  schul- 
diggebliebenen  Summe  von  270  Mark  Pf. 

Wiener  Jahrb.  108,  Regg.  S.  156,  L.-A.-Copie   Nr.  625«. 


**)  Reimchromk  124,  125  Gap.  VgL  die  Charakteristik  der  Sachlage 
b.  Lorenz.  Deutsche  Oesch.  H.  138—140  u.  Tangl  i.  d.  erwähnten 
Abb.  S.  150-^152. 


—     110     — 

4.  1248,  20.  Sept,  Friesach. 

Derselbe  übergibt  dem  Seckauer  B.  Ulrich  die  Pfarre  St 
Georg  in  Stiven,  nachdem  er  ihm  schon  froher  mehrere  Lehen 
überlassen. 

Dipl  Styr.  I.  318,  319.  Wiener  Jahrb.  a.  a.  0.  S.  157. 
Vgl.  Muchar  5,  210.  Copie  des  14.  Jhh.  im  L.-A. 
Nr.  627. 

5.  1248,  24.  Sept. 

P.  Innocenz  lY.  bestätigt  die  durch  Philipp  Erw.  v.  S.  vap* 
fügte  Einziehung  der  salzburgischen  Lehen,  welche  durch  Herzog 
Friedrich's  Tod  in  Oesterreich  und  Steier  erledigt  worden. 

Hanthaler,  fasti  Gampililienses  I.  932 — 35,  Wiener  Jhb. 
a.  a.  0.,  Muchar  5,  218. 

Hauptstelle:  Cum  castra,  vasalli,  possessiones  redditus  ac 
alia  bona,  quse  quondam  Dux  Austrie  et  Stirie  etc.  ab  Salz- 
burgensi  tenebat  in  feodum,  ad  ins  ipsius  ecclesiae  re- 
dierint,  nullo  ex  eo  legitime  berede  superstite, 
qui  succedere  in  feodum  debeat,  remanente,  auc- 
toritate  praesentium  districtius  inhibemus,  ne  infeo4are  vel 
alienare  vel  distrahere  quoquo  modo,  irrequi- 
sitoRomano  pontifice,  de  caetero  presumatis'' . . . 

6.  1249,  6.  Jänner,  Rann. 

Erzb.  Philipp's  Bestätigung  einer  Schenkung  Friedrich's 
von  Pettau  an  den  deutschen  Orden. 

Dipl.  Styr.  ü.  211.  Cop.  i.  L.-A.  631*. 

7.  1249,  21.  März,  bei  Neuss. 

Angebliche  Urkunde  E.  Wilhelm's,  worin  in  einem  even- 
tuellen Lehensbriefe  für  die  Söhne  Herzog's  Bernhard  von 
Kärnten  —  Ulrich  und  Philipp  —  zu  Gunsten  des  Letzteren  die 
besondere  Bestimmung  getroffen  wird,  dass  derselbe  im  Falle 
des  erbenlosen  Absterbens  seines  Bruders  Ulrich,  die  Erb- 
schaft des  Herzogthums  Kärnten  dennoch  antreten  könne, 
wenn  er  auch  als  Erwählter  von  Salzburg  zum  Priester  geweiht 
werden  sollte. 

Kleimayem's  Juvavia  p.  380  (Auszug),  wo  es  aber  be- 
merkt wird,  der  Ausstellungsort  (apud  Nussyam)  passe 


—    111    — 

nicht  in  E.  Wilhelm's  Itinerar  und  eher  müsse  man 
die  Urkunde  1256  ansetzen.  Böhmer  Eaiserregg. 
2.  A.  S.  12  Nr.  58  h&lt  sie  für  echt,  Chmel  Wiener 
Jhb.  108,  159  n.   mit  Grand  für   falsch   uid  anter- 

■ 

schoben. 

8.  1249,  25.  Jani,  b.  Rotenmann. 

Pfandschaftsrevers  Hartnid's  von  Pettaa  für  den  Erwählten 
von  Salzburg,  Philipp,  aasgestellt 

Orig.   im   H.  St  Arch.  z.  Wien.    Chmel   in    den  Wiener 

Jhb.  a.  a.  0.  S.  159/160  L.-A.  Cop.  Nr.  636«. 
Unter  den  Zeugen:   B.  Ulrich  von  Seckau,  Wulfing  von 
Stubenberg,  Rudolf  von  Stadeck. 

9.  1249.  21.  Sept,  Wien. 

Urkunde  Markgrafen  Hermann's  von  Baden  „dux  Austrie 
et  Styrie'^  für  das  Kloster  Zwettl. 

Linck  Ann.  Claravall.  I.  335,  Lambacher  Anh.  S.  25 
bis  26,  Nr.  XIV. 

10.  1250,  20.  Jänner,  Graz. 

Graf  Mainhard  von  Görz  bestätigt  in  offener  Gerichtsver- 
sammlung eine  Schenkungsurkunde  für  das  Elstr.  St  Lambrecht 
V.  J.  1243.  (Nos  Meinhardus  —  mandato  Friderici  Imperatoris 
Austriae  et  Styriae  capitaneus.) 

Zeugen :  Ulrich,  Bischof  von  Seckau,  Witigo,  Landschreiber 
von  Steiermark,  Ulrich  und  Leutold  von  Wildon,  Er- 
chenger  von  Landesere,  Wulfing  von  Stubenberg, 
Ulrich,  von  Liechtenstein.  Cop.  L  L.-A.  643'.  (Muchar 
5,  229—30). 

11.  1250,  10.  Febr.,  Vanstorf. 

Erzb.  Philipp's  zwei  Urkunden  für  das  Bisthum  Seckau. 
Wiener  Jhb.   108,  S.  160,    Orig.  in  L.-A.  Nr.  644  und 
Cop.  von  der  andern  645*. 

12.  1250,  12.  Mai,  Salzburg. 

Ulrich's  von  Liechtenstein  Dienst-  und  Lehensvertrag  mit 
Philipp  dem  Erwählten  von  Salzburg,  betreffend  die  Heeres- 
folge, die  Offenhaltung  seiner  Schlösser,  die  Yerehelichung  seines 
Sohnes  Ulrich  mit  der  Tochter  des  salzb.  Vasallen  Conrad  von 


—     112     — 

Goldeckke  und  die  Yerpftndung  des  Schlosses  Marau.  Haupt- 
steile  :  Er  yerspricht  dem  Erzbischofe  Philipp  and  dessen  Nach- 
folgern mit  100  Bewaffiieten  in  Steiermark  nnd  Kärnten  Heer- 
folge zu  leisten,  und  gälte  es  Friaul,  Oesterreich  nnd  Baiem, 
noch  mit  mehr  Reisigen  and  zwar  wider  Jedermann,  ,,eo  ex- 
cepto,  qui  Imperium  de  iure  regere  dinoscitur, 
seuqnem  ecclesia  verum  Caesarem  esse  reputat, 
excepto  etiam  vero  domino  terre  Stirie,  qui  ad 
hoc  legitime  fuerit  institutus,  et  preter  cives 
de  Judenburch,  quos  promitto  domini  mei  gratia  reformare, 
exceptis  tarnen  Ulis  ciuibus,  qui  domino  meo  dampna  specialia 
intulerunt,  que  etiam  illi  specialiter  emendabunt^ 

Chmel  a.  a.  0.  160—162;  Cop.  i.  L.-A.  644*.  (Hier 
findet  sich  auch  unter  d.  gl.  Datum  eine  Abschrift 
der  Urkunde,  worin  Wulfing  von  Trewenstein  sich 
dem  Erwählten  von  Salzburg  gegenüber  verpflichtet, 
ihm  mit  24  Bewaffiieten  zu  dienen  und  nach  dem 
eventuellen  Tode  seiner  Frau  nur  eine  salzb.  Mini- 
sterialin  zu  heiraten  (Nr.  644'').  Vgl.  die  Abdrücke 
dieser  Verträge  in  Eoch's,  Stemfeld's  Aufs,  in  den 
cit  Abh.  der  bair.  Akad.  d.  Wissensch. 
13.    1250,  1.  Juni,  Vanstorf  (Fohnsdorf). 

Dienstvertrag  der  Grafen  Bernhard  und  Heinrich  von  Pfann- 
berg mit  dem  Erwählten  von  Salzburg  und  dessen  Nachfolgern 
im  Erzbisthum. 

1.  Gelöbniss  der  Diensttreue  („ad  nostre  vitse  tempora 
fidelibus  adherere  obsequiis  contra  omnem  hominem,  excepto 
vero  domino  terre  Styrie,  pro  nostris  viribus 
atque  posse,  nee  eidem  terre  Styrie  domino  contra 
dominum  nostrum  electum  Salzburgensem  vel  suos 
sucessores  aliquod  prsestabimus  auxilium,  si  ipsum  dominum 
Electum  vel  successores  ipsius  conaretur  indebite   aggravare*'). 

2.  Als  Bürgen  werden  die  „Milites^  der  Grafen:  de  Chay- 
sersperge,  Chunradus  de  Torseule,  de  castro  nostro 
Leuben,  Heinricus  de  Yischseren,  Heinricus  de  Padel,  Otto 
judex  de  Phannenberch,  Ottocharus,  Chunradus  de  Schoeneche, 


—     113     -- 

...  de  Ramenstein,  Sifridns  de  Alpe  et  Sivridas  filins  saus  de 
Lossental  (Lö6chenthal),  Berhtoldas  de  Tunowe,  de  Hemerberch 
Radolfüs  et  Fridericus.  —  Doch  h&tten  sie  bei  dieser  Bürg- 
schaftsleistung „capitales  inimicicise'^  nicht  zu  befahren.  Der 
Geldwerth  der  Bürgschaft  sind  1000  Mark  Silber. 

3.  Quod  etiam  fratres  nostri  qui  nunc  temporis  per 
dominum  Popp  onem  dePeckach  et  dominum  Wilf in gum 
de  Stubenberch  detinentur,  cum  a  uinculis  liberati  faerint, 

se  ad  premissos  articulos  teneantur  obligare 

Mitsiegler :  B.  Ulrich  von  Seckau,  Conrad  Graf  von  Plaien, 
Ulrich  von  Liechtenstein,  Gebhard  von  Velwen,  Wulfing 
und  Hartnid,  Brüder  von  Libenz  (Leibnitz)  .  .  Actum  in 
Vanstorf. 

Koch  Stemfeld's  Btr.  III.  83,  Chmel  i.  d.  Wiener  Jhb. 
108.  Bd.  S.  162/3;  Cap.  im  L.-A.  Nr.  644'.  Ueber 
die  angegebenen  Pfannberger  Vasallen  vgl.  Tangl's 
Abb.  über  die  Pfannberger  11.  Abth.  im  18.  Bde.  des 
Arch.  f.  Ede.  öst  Gesch.  S.  125;  desgl.  126. 

14.  1252,  13.  April,  Perugia. 

a)  P.  Innocenz  IV.  befiehlt  dem  Abte  von  Admont  den  ein- 
zuhaltenden Vorgang,  betreffend  einige  Raufbolde  und  Diebe 
unter  den  Mönchen,  dann  anderer,  welche  wegen  ihres 
Ungehorsames  wider  den  Abt  in  Bann  gethan,  dennoch 
den  geistlichen  Verrichtungen  nachgehen  u.  s.  w. 

Landsch.  Arch.  Cop.  Pag.  669*,  vgl.  Muchar  5,  256 — 7. 
16.  April,  Perugia. 

b)  Derselbe  empfiehlt  Ottokam,  dem  Herzoge  von  Oesterreich 
u.  s.  w.  den  Schutz  und  Schirm  des  Klosters  Admont 

Ebenda  Cop.  Pap.  669^ 

15.  1252,  30.  August 

Vertrag  Ottokar's  mit  Dietmar  von  Steier  über  die  tausch- 
weise Abtretung  der  Stadt  und  Burg  Steier   gegen  Losenstein. 
Preuenh.   Ann.    Styr.   pg.  31.  Lambacher   Interr.   Urkk. 
S.  30—1  Nr.  XX,  ürkdb.  des  L.  o.  d.  E.  lU.  184. 

16.  1253,  17.  Mai,  bei  Leoben. 

Ottokar 'Verspricht  dem  Bischof  Ulrich  von  Seckau  die  von 

MiitbQll.  dca  bist.  Yeralns  f.  Btoitnnark,  XXII.  Heft,   1874.  8 


—     114     — 

den  Grafen  von  Piain  mn  Leabentz  (Leibnitz)  nnd  StluTen  als 
Pfandschaft  oder  Lehen  besessenen  Güter  abzulösen  nnd  der 
Seckauer  Kirche  zu  übertragen;  das  Dorf  Revssentz  wendet  er 
ihm  als  erblichen  Besitz  zu.  Urkunde,  welche  die  Anwesenheit 
Ottokar's  in  der  Steiermark  bezeugt.  Doch  findet  sich  auch  eine 
Urkunde  d.  Graz  1252,  leider  ohne  n&here  Datirung,  bei  Lam- 
bacher  Anh.  S.  31 — 32  Nr.  XXI  vor.  (S.  o.  den  Text  und  die 
bez.  Anmerkung),  nach  der  Indiction  war  dies  nach  Sept  Unter 
den  12  angeführten  Zeugen  erscheinen :  Witego  „scriba  Styriie^, 
N.  V.  Habsbach,  Wilfing  von  Stubenberg,  Dietmar  von  Weis- 
seneck,  Ulrich  von  Lichtenstein  .... 

Dipl.  Styr.  L  325—6.  Erben  Regg.  Premysl.  a.  a.  1253. 
Muchar  5,  253.  Vgl.  Palacky  dejiny  I,  2,  113.  Cop. 
des  14.  Jahrh.  im  L.-A.  Nr.  685. 

17.  1253,  17.  Dez.,  Prag. 

K.  Ottokar  gestattet  dem  Landschreiber  der  Steiermark, 
Witego  und  dessen  Bruder  Ruotger  das  Schloss  Haldenrain  za 
verkaufen. 

Fontes  rer.  austr.  U,  1,  S.  34  Nr.  29.  Emier  Regg.  Boh. 
et  Mor.  S.  4  Nr.  6.  Landsch.  Arch.  Cop.  69 1». 
(1255,   10.  Jänner,   Voitsberg.    Gertrude  bestätigt   als    ducissa 
Austrise   et   Styrise    dem   Brüderpaar   diesen    veräusserlichen 
Besitz.) 

L.-A.  Cop.  711»  (Chmel  Notizbl.  z.  Arch.  f.  K.  öst  G. 
1853,  71;  Muchar,  5,  258). 

18.  1254,  3.  April,  b.  Ofen. 

Friedensschluss  zwischen  E.  Ottokar  und  K.  Bela  lY. 

Hauptstelle:  quod  dominus  noster  rex  Hungarise  et  sui 
heredes  ducatum  StyTiae  cum  omnibus  attinentüs  suis  et  iuribos 
possidebunt  iure  perpetuo  et  tenebunt  usque  ad  terminos  infra 
scriptos,  scilicet  a  summitate  montis,  qui  dicitur  Sememyk,  se- 
cundum  quod  eodem  montana  pro  diversitate  locorum  adiacien- 
tium,  diversis  nominibus  nuncupata,  ab  Hungaria  in  Bavariam 
protenduntur  et  in  Bavaria  terminantur,  cursu  aquarum  versus 
Muram  ab  eadem  summitate  montium  decurrentium  tenninos 
distingnente,   hoc   adiecto,   quod  si   castrum  Suarchumpach  se- 


—     115     — 

cnndiim  decursum  aquse  non  cederet  in  partem  ducatus  Stiri», 
domino  nostro  regi  prsefati  nnntii  et  arbitratores  domini  P. 
regni  Bobemise  assnmpserunt  super  se,  obtinere  cmn  effecta  a 
domino  suo  prsedicto,  qnod  in  partem  domini  nostri  regis  trän- 
seat  com  omnibus  snis  attinentiis  et  iuribas  et  assignetor 
perpetuo  possidendmn.  Ab  eadem  autem  snmmitate  montinm 
secundom  corsam  aqaaram  versus  Danubinm  fluentium  ülam  por- 
tionem  Stiriae  cum  toto  ducatu  Austris  prsedictus  P.  (d.  i.  Pre- 
mysl  Otakar)  dominus  cum  suis  beredibus  iure  perpetuo  cum 
omnibus  attinentiis  suis  et  iuribus  possidebit  etiam  et  tenebit, 
ita  insuper,  quod  dominus  noster  rex  de  parte  illa,  quam  ipse 
possidebit,  dominae  de  Impirg  satisfaciet,  ut  contra  prse- 
dictum  P.   dominum   materiam   non  habeat  conquerendi,    nichil 

propter  hoc  de  ducatu  Austrise  retentura 

Unter  „der  domina  de  Impirg^  muss  Gertrude  von  Mödling, 
die  Nichte  des  letzten  Babenbergers,  verstanden  werden. 

Die  Urk.  in  Kurz ;  Oest.  unter  Ottokar  und  Albrecht  I. 
n,  171  ;  Boczek  Cod.  dipl.  et  epist  Mor.  IE,  181, 
Urkdb.  d.  L.  o.  d.  E.  IE,  204.  Emier  S.  12—13 
Nr.  24.  Cop.  i.  L.-A.  696  •. 

19.  1264,  8.  April. 

„      15.  Juli. 

P.  Innocenz  IV.  fordert  den  Erwählten  von  Salzburg,  Phi- 
lipp, und  den  Bischof  von  Chiemsee,  Heinrich,  auf,  alle  ent- 
rissenen, vorenthaltenen  und  durch  gewaltsam  abgedrungene 
Verträge  entfremdeten  Gtlter  und  Renten  des  Stiftes  Admont 
wieder  in  dessen  rechtmässigen  Besitz  zu  bringen. 
Muchar  V,  257. 

20.  1254,  l.,Mai,  Wien. 

Ottokar,  K  v.  B.,  „dux  Austrise  et  Styriae^,  Mkgf.  v. 
Mähren,  verleiht  mit  Einwilligung  seiner  Gattin  Margaretha  dem 
Bischof  Ulrich  von  Seckau  das  Patronatsrecht  über  die  Kirche 
in  Mutensdorf. 

Dipl.  Styr.  I.  326,  Emier  14,  Nr.  31,  Cop.  des  14.  Jhh. 
im  L.-A.  Nr.  697.  Vgl.  Muchar,  6,  249—50. 


8* 


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21.  1255,  11.  J&nner,  Graz. 

Gottfried  V.  Marburg,  Landesrichter  and  Friedrich  der  Jün- 
gere von  Pettan,  durch  königliche  Bestallang  (regio  mandato) 
Marschall  des  Steiererlandes,  verkündigen  aaf  Befehl  des  Königs 
von  Ungarn  und  des  Bans  (Stephan)  als  Landeshauptmannes  der 
Steiermark :  über  Klage  der  deutschen  Ordenskirche  in  Graz  — 
dem  Heinrich  von  Puchheim,  dem  Gottschalk  von  Stange,  dem 
Ludwig  von  Kapfenstein,  dem  Ott  von  Berchtoldstein  bei  Obern- 
dorf,  dem  Ulrich  von  Winkel  in  der  Rabau,  dem  Bernhard  von 
Haus  in  der  Buchau,  dem  Gebhard  Chuningersdorf,  dem  Gott- 
schalk von  Neutberg  (Neuberg)  und  dem  Wulfing  von  Freystein, 
dass  ihre  näher  bezeichneten  Güter  als  Schadenersatz  der  er- 
wähnten Kirche  zugewiesen  bleiben,  bis  von  ihrer  Seite  der 
zugefügte  Schaden  beglichen  sei. 

Dipl.  Styr.  H,  184,  Fej6r  Cod.  Dipl.  Hung.  IV,  2,   286 

bis  287  (vgl.  Muchar  5,  260/1).  Cop.  L  L.-A.  712* 

(vgl.  da  711''  u.  712). 

22.  1255,  24.  Februar. 

P.  Alexander's  lY.  Schirm-  und  Schutzbrief   für   das    von 
allen  Seiten  hart  bedrängte  Stift  Admont. 
Muchar  5,  259,  Cop.  i.  L.-A.  714». 

23.  1255,  24.  März,  Steier. 

K.  Ottokar  bestätigt  die  Rechte  und  Freiheiten  des  Spitals 
St  Mariens   am  Fusse   des   Berges  Pyhm.   Unter  den  Zeugen 
erscheint  auch  Wulfing  von  Stubenberg. 
Lorenz  deutsche  Gesch.  L  446 — 448. 

24.  1259,  12.